Debatte auf „Welt-Debatte“?

11 Mai 07
11. Mai 2007

Tim Bonnemann, der für „Welt Debatte“ aus dem Silicon Valley bloggt, versucht es: Er hat einen Eintrag über den „Fall Posener“ geschrieben, verlinkt auf diverse Medien und Blogs und beantwortet meine Frage, ob „Welt“-Blogger eine Freiheit beim Bloggen haben:

In den wenigen Wochen seit dem Relaunch von WELT ONLINE im Februar 2007 hat es bei mir keinerlei Einflussnahme seitens der Redaktion oder sonstiger Mitarbeiter gegeben. Alle Artikel werden von mir geschrieben und immer unverändert, ungefiltert und umgehend online gestellt — wann ich will und wie ich will. (…)

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass hier bisher ja auch noch nie der BILD-Chefredakteur angegriffen wurde. Insofern muss sich erst noch zeigen, wie belastbar man bei etwaigen Konflikten im Grenzbereich zwischen gewünschter Meinungsfreiheit und der als nötig empfundenen Kontrolle wirklich ist.

Ich bin gespannt, ob „Welt Debatte“ diese Debatte erträgt. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass sie aus dem Ausland wieder in die „Welt“ kommt und sich der theoretisch selbst bloggende Chefredakteur Christoph Keese weiter tot stellt. Aber immerhin ist die Debatte nun fast dort, wo sie hingehört.

Geburtstags-Loboskop

11 Mai 07
11. Mai 2007

Die Mär vom Ostblock beim Grand-Prix

11 Mai 07
11. Mai 2007

Ich kann sie nicht mehr hören, die Leier, dass aus dem Grand-Prix der East Eurovision Song Contest geworden sei, bei dem sich nur noch Kleinstaaten von kurz vorm Ural gegenseitig die Punkte zuschustern und man als Westeuropäer überhaupt keine Chance hat.

Erstens langweilt sie mich.

Zweitens ist sie falsch. Wer hat denn im letzten Jahr gewonnen, mit großem Abstand? Wie passen Lordi mit ihrem Monsterrock und Finnland als relativ geschwisterloser Staat fern des Balkans in diese These? Wie kommt es, dass nicht dauernd ein Land aus dem ehemaligen Jugoslawien gewinnt; dass — genau genommen — noch nie ein Land aus dem ehemaligen Jugoslawien gewonnen hat? Dass gestern auch Kroatien und Montenegro rausflogen? Vor ein paar Jahren, als nacheinander Estland und Lettland gewannen, schrieben alle: Ja, bravo, dann wird der Grand-Prix jetzt ne baltische Veranstaltung. In Wahrheit schneiden Estland, Lettland und Litauen sehr unterschiedlich ab, selten gut, mal schafft es einer von ihnen halbwegs nach vorne, mal ein anderer. Wieso schafft es Schweden seit zehn Jahren, fast ohne Ausnahme unter den Top-Ten zu landen? Ach: Das ist dann nicht die Ost-, sondern die Nordeuropa-Connection? Und warum profitiert dann Dänemark so nachhaltig nicht von ihr?

Drittens finde ich sie anmaßend und chauvinistisch. Nach was sehnen wir uns denn zurück? Den alten Grand-Prix Ralph Siegelscher Prägung? Ist es schlimm, dass es den nicht mehr gibt? Der Schwerpunkt Europas hat sich nach Osten verlagert, politisch und kulturell, Berlin liegt plötzlich nicht mehr am Rand, sondern irgendwie in der Mitte. Aber wir ertragen es nicht, dass wir damit nicht nur ein paar schöne neue Reiseländer vor der Haustür haben, sondern sich auch der Durchschnittsgeschmack nach Osten verlagert hat?

Ja: Die osteuropäischen Länder haben es etwas leichter. Weil sie in der Überzahl sind. Und auch, weil es eine große nachbarschaftliche Verbundenheit gibt. Aber entscheidend sind diese Freundschaftspunkte nicht. Man wühle sich durch die Tabellen der letzten Jahre (der Song Contest ist schließlich mindestens so sehr ein Fest der Statistik wie der, äh, Kultur): Es gibt keine Dominanz des Balkans. Es gibt keine quasi-gesetzten Länder. Es ist für westeuropäische Länder nicht unmöglich, weit vorne zu landen. Und osteuropäische Geschmacksverirrungen siegen nicht zwangsläufig über westeuropäische Geschmacksverirrungen. Wer in den vergangenen Jahren vorne mitspielen wollte, musste den Nerv ganz Europas treffen. Und die Veranstaltung mag nach Osten gerückt und in mancher Hinsicht abwegiger geworden sein, aber vorhersagbarer wurde sie kein Stück. Monster aus Finnland. Umzieh-Latin aus Lettland. Feuer-Trommel-Tanz-Gewirbel aus der Ukraine. Opa-Duo aus Dänemark. Funk aus Estland. Kommerz-tauglicher Pop aus der Türkei.

Wo ist das Problem?

Der andere Grand-Prix

11 Mai 07
11. Mai 2007

Ich hab schon einen Grimme-Online-Award, einen halben. Die andere Hälfte gehört Christoph Schultheis, bekommen haben wir ihn vor zwei Jahren für BILDblog, und zur Zeit lebt er bei uns im Büro in der Küche (der Preis, nicht Schulle). Das ist kein Zeichen von Respektlosigkeit — wer uns kennt, weiß, dass wir nicht die Leute sind, die eine Glasvitrine oder sonstwie angemessenes Mobiliar zur Präsentation hätten, und so zwischen den Gläsern und den Teebeut—

Grimme-Online-AwardWas wollt‘ ich sagen? Ach ja: Dieses Blog ist für den Grimme-Online-Award 2007 nominiert. Die Nominierungskommission schreibt:

Kritisch über Medien berichten, das ist Stefan Niggemeiers Beruf. In seinem Weblog zeigt der Medienjournalist tagesaktuell auf, was schief läuft in den deutschen Medien. Einzelne Themen verfolgt er über lange Zeit, um so auch Strategien der Anbieter aufzuzeigen. Mit den Beiträgen regt Niggemeier immer wieder zu Debatten an — in den Kommentaren des Weblogs, aber auch innerhalb des Internets und der traditionellen Medien.

Ich bedanke mich bei der Jury, meinen Eltern, Al Gore, ohne den das alles nicht möglich gewesen wäre, Felix Schwenzel, ohne den ich nie angefangen hätte, meinen Kommentatoren, Sascha Lobo, adical, Host Euro… [Rest unverständlich unter der einsetzenden Musik].

Im Ernst: Ich freue mich sehr über die Nominierung, insbesondere aber auch für den unermüdlichen Kollegen Patrick Gensing vom NPD-Blog. Über die Preisträger entscheidet nun eine Jury. Und hier kann man abstimmen, welcher der 20 Vorschläge den Publikumspreis bekommen soll.

Grand-Prix-Wette: Erster Zwischenstand

10 Mai 07
10. Mai 2007

Toll: Fast 50 Leute haben schon getippt bei meiner kleinen Grand-Prix-Wette. Weit vorne liegen im Augenblick Schweden und Russland, dahinter drängeln sich Dänemark, Deutschland, Finnland und die Ukraine.

Ganz schlechte Karten hat nach Meinung der Tipp-Gemeinschaft Albanien. Andorra scheint besonders umstritten zu sein: Die kleinen „anonymen“ Punkrocker werden genauso oft auf den letzten Platz getippt wie unter die ersten Fünf. (Hier alle Kandidaten im kommentierten Überblick.)

Gleich geht das Halbfinale los. Livebloggen (wie beim deutschen Vorentscheid) werde ich diesmal nicht.

Und um mich gleich mal richtig aus dem Fenster zu lehnen — mein Tipp, wer es heute schafft, sich fürs Finale zu qualifizieren, lautet so:

Andorra
Bulgarien
Dänemark
Georgien
Island
Litauen Lettland
Schweiz
Türkei
Ungarn
Weißrussland

23.40 Uhr. Geschafft haben es:

Bulgarien
Georgien
Slowenien
Lettland
Mazedonien
Moldau
Serbien
Türkei
Ungarn
Weißrussland

Sechs von zehn ist doch nicht schlecht. (Ich hatte Litauen geschrieben, aber Lettland gemeint, naja, wurscht.)

Aber der Hammer: Kein einziges westeuropäisches Land hat es aus dem Halbfinale ins Finale geschafft. Nicht Dänemark, die ich ganz, ganz weit vorne gesehen hätte, nicht Andorra, die mal was anderes gewesen wären, nicht die Schweiz, die sich mit DJ Bobo viel versprochen hatte, nicht der Retro-Funk der Belgier, nicht der Teflon-Grand-Prix-Pop der Niederländer.