Grand-Prix-Wette: vor dem Finale

12 Mai 07
12. Mai 2007

Gleich geht’s los. Ab 21 Uhr überträgt die ARD den 52. Eurovision Song Contest aus Finnland. (Hier zum Vergleichen, Ärgern, Zustimmen und Lachen alle Kandidaten im kommentierten Überblick von Lukas und mir.)

Nach den Auftritten der 24 Finalisten können all die, die keine Lust hatten, sich die Teilnehmer vorab im Internet anzusehen, noch ihre Stimme bei meiner kleinen Grand-Prix-Wette abgeben. Einsendeschluss ist der Beginn der Punktevergabe in der Show.

Die Wette ist natürlich irgendwie auch ein Test der These von der „Weisheit der Massen“. Ich weiß nicht, ob man bei bis jetzt 70 Teilnehmern schon von „Massen“ sprechen kann. Jedenfalls glaubt die bisherige Tippgemeinschaft hier, dass der Abend wie folgt ausgeht:

1. Schweden
2. Russland
3. Deutschland
4. Finnland
5. Türkei

Am häufigsten auf den letzten Platz im Finale getippt wurde Großbritannien, gefolgt von Frankreich.

Mein persönlicher Tipp kann schon deshalb nicht mehr stimmen, weil sich Dänemark nicht fürs Finale qualifizieren konnte. Aber was soll’s:

1. Russland
2. Dänemark
3. Finnland
4. Georgien
5. Bosnien

Letzter: Rumänien

Viel Vergnügen! (Liveblogging gibt’s ein andermal wieder.)

Nachtrag. Lukas bloggt live!

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Kurz verlinkt (5)

12 Mai 07
12. Mai 2007

Beckmann: (…) Ich möchte mit Ihnen, liebe Zuschauer, und mit meinen Gästen hier im Fernsehstudio über die Gewalt der Jugend sprechen – damals in der Waffen-SS und heute im Computerspiel. (…)

Beckmann: Sehen Sie in Computerspielen wie »Counter-Strike« oder »Doom« (Beckmann reißt die Augen bedrohlich auf), in denen Jugendliche heutzutage das Töten mit der Feuerschusswaffe, sogenannten Guns erlernen – wir haben früher noch »Kanone« dazu gesagt (Beckmann lächelt kurz, Hoeneß auch) – sehen Sie darin eine Gefährdung? Eine Verführung? (…)

Beckmann: Bei Heino heißt es: Die Kunst der Deutschen ist die Liebe. Heino, falls du zuschaust: Liebe Grüße! Nehmen wir einmal an, es ist so, wie er sagt – müssen wir nicht verzweifeln an dem Geballere und Gelynche, das ein 17-jähriger Kerl heute in seinem Kinderzimmer erlebt? In Deutschland? (…)

Christian Ulmen hat für das „SZ-Magazin“ eine täuschend echte Ausgabe von Reinhold Beckmanns Talkshow erfunden.

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Debatte auf „Welt-Debatte“?

11 Mai 07
11. Mai 2007

Tim Bonnemann, der für „Welt Debatte“ aus dem Silicon Valley bloggt, versucht es: Er hat einen Eintrag über den „Fall Posener“ geschrieben, verlinkt auf diverse Medien und Blogs und beantwortet meine Frage, ob „Welt“-Blogger eine Freiheit beim Bloggen haben:

In den wenigen Wochen seit dem Relaunch von WELT ONLINE im Februar 2007 hat es bei mir keinerlei Einflussnahme seitens der Redaktion oder sonstiger Mitarbeiter gegeben. Alle Artikel werden von mir geschrieben und immer unverändert, ungefiltert und umgehend online gestellt — wann ich will und wie ich will. (…)

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass hier bisher ja auch noch nie der BILD-Chefredakteur angegriffen wurde. Insofern muss sich erst noch zeigen, wie belastbar man bei etwaigen Konflikten im Grenzbereich zwischen gewünschter Meinungsfreiheit und der als nötig empfundenen Kontrolle wirklich ist.

Ich bin gespannt, ob „Welt Debatte“ diese Debatte erträgt. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass sie aus dem Ausland wieder in die „Welt“ kommt und sich der theoretisch selbst bloggende Chefredakteur Christoph Keese weiter tot stellt. Aber immerhin ist die Debatte nun fast dort, wo sie hingehört.

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Geburtstags-Loboskop

11 Mai 07
11. Mai 2007

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Die Mär vom Ostblock beim Grand-Prix

11 Mai 07
11. Mai 2007

Ich kann sie nicht mehr hören, die Leier, dass aus dem Grand-Prix der East Eurovision Song Contest geworden sei, bei dem sich nur noch Kleinstaaten von kurz vorm Ural gegenseitig die Punkte zuschustern und man als Westeuropäer überhaupt keine Chance hat.

Erstens langweilt sie mich.

Zweitens ist sie falsch. Wer hat denn im letzten Jahr gewonnen, mit großem Abstand? Wie passen Lordi mit ihrem Monsterrock und Finnland als relativ geschwisterloser Staat fern des Balkans in diese These? Wie kommt es, dass nicht dauernd ein Land aus dem ehemaligen Jugoslawien gewinnt; dass — genau genommen — noch nie ein Land aus dem ehemaligen Jugoslawien gewonnen hat? Dass gestern auch Kroatien und Montenegro rausflogen? Vor ein paar Jahren, als nacheinander Estland und Lettland gewannen, schrieben alle: Ja, bravo, dann wird der Grand-Prix jetzt ne baltische Veranstaltung. In Wahrheit schneiden Estland, Lettland und Litauen sehr unterschiedlich ab, selten gut, mal schafft es einer von ihnen halbwegs nach vorne, mal ein anderer. Wieso schafft es Schweden seit zehn Jahren, fast ohne Ausnahme unter den Top-Ten zu landen? Ach: Das ist dann nicht die Ost-, sondern die Nordeuropa-Connection? Und warum profitiert dann Dänemark so nachhaltig nicht von ihr?

Drittens finde ich sie anmaßend und chauvinistisch. Nach was sehnen wir uns denn zurück? Den alten Grand-Prix Ralph Siegelscher Prägung? Ist es schlimm, dass es den nicht mehr gibt? Der Schwerpunkt Europas hat sich nach Osten verlagert, politisch und kulturell, Berlin liegt plötzlich nicht mehr am Rand, sondern irgendwie in der Mitte. Aber wir ertragen es nicht, dass wir damit nicht nur ein paar schöne neue Reiseländer vor der Haustür haben, sondern sich auch der Durchschnittsgeschmack nach Osten verlagert hat?

Ja: Die osteuropäischen Länder haben es etwas leichter. Weil sie in der Überzahl sind. Und auch, weil es eine große nachbarschaftliche Verbundenheit gibt. Aber entscheidend sind diese Freundschaftspunkte nicht. Man wühle sich durch die Tabellen der letzten Jahre (der Song Contest ist schließlich mindestens so sehr ein Fest der Statistik wie der, äh, Kultur): Es gibt keine Dominanz des Balkans. Es gibt keine quasi-gesetzten Länder. Es ist für westeuropäische Länder nicht unmöglich, weit vorne zu landen. Und osteuropäische Geschmacksverirrungen siegen nicht zwangsläufig über westeuropäische Geschmacksverirrungen. Wer in den vergangenen Jahren vorne mitspielen wollte, musste den Nerv ganz Europas treffen. Und die Veranstaltung mag nach Osten gerückt und in mancher Hinsicht abwegiger geworden sein, aber vorhersagbarer wurde sie kein Stück. Monster aus Finnland. Umzieh-Latin aus Lettland. Feuer-Trommel-Tanz-Gewirbel aus der Ukraine. Opa-Duo aus Dänemark. Funk aus Estland. Kommerz-tauglicher Pop aus der Türkei.

Wo ist das Problem?

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