Lemminge Online

von Christoph Schultheis
29 Jun 07
29. Juni 2007

Heute Nacht um kurz vor 2 Uhr veröffentlichte die Nachrichtenagentur dpa eine kurze Meldung, in der sie die Titelgeschichte der heutigen „Bild“-Zeitung zusammenzufassen glaubte — gleichzeitig aber auch der Onlinemedienwelt die Gelegenheit gab, sich mal wieder ein Armutszeugnis auszustellen.

Unter der Meldung stand „(Der Beitrag lag dpa in redaktioneller Fassung vor)“ und in der Meldung hieß es:

Knapp vier Jahre nach dem tödlichen Fallschirmabsturz des früheren FDP-Politikers Jürgen W. Möllemann am 5. Juni 2003 sorgt jetzt ein weiteres Amateur-Video für Diskussionen. Die „Bild“-Zeitung berichtet am Freitag erstmals über die Aufnahmen, von denen bisher nur bekannt war, dass sie Teil der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft waren.

Selbst einem unbedarften Leser hätte bei der Lektüre auffallen können, dass da was nicht stimmt: Ein „weiteres“ Video, das „Teil der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft“ war?!

Zum Glück aber war ja, als dpa seine Meldung veröffentlichte, der „Bild“-Artikel (der dpa in redaktioneller Fassung vorlag) bereits seit mehreren Stunden auf der Internetseite von „Bild“ mühelos aufzufinden und kostenlos nachzulesen gewesen. Und dort hätte der unbedarfte Leser feststellen können, dass „Bild“ gar nicht behauptet, es sei ein „weiteres“ Video aufgetaucht. Im Gegenteil: „Bild“ behauptet bloß, ein Video, „das auch Bestandteil der Ermittlungsakte war“, sei „jetzt bekannt geworden“ und „liegt BILD vor“…

Offensichtlich sitzen in den Online-Redaktionen der großen Nachrichtenportale jedoch keine unbedarften Leser, sondern Online-Redakteure.

Und ohne mit der Wimper zu zucken, haben die sich bei „Spiegel Online“, bei sueddeutsche.de, bei „Focus Online“*, bei Netzeitung.de, bei FAZ.net und bei „Welt Online“ entschieden, die dpa-Meldung über den (ohnehin völlig erkenntnisfreien) „Bild“-Aufmacher ohne weitere Recherche zu übernehmen:

Besonders peinlich ist das natürlich für „Focus Online“. Denn der gedruckte „Focus“ selbst hatte vor vier Jahren erstmals und sehr ausführlich über das Video berichtet, das laut „Focus Online“ nun „aufgetaucht“ sei.

Aber auch in den Archiven der „Süddeutschen Zeitung“, „FAZ“ und „Welt“ finden sich aufschlussreiche Artikel aus dem Jahr 2003, in denen das Möllemann-Video bereits Gegenstand der Berichterstattung war — und aus denen eindeutig hervorgeht, dass „Bild“ gar nicht „erstmals“ über die Aufnahmen berichtet und von denen weit mehr bekannt ist, als dass sie „Teil der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft waren“. Die Artikel sind zum Teil bis heute online — und bei FAZ.net beispielsweise sogar direkt neben dem dpa-Unsinn in einem „Zum Thema“-Kasten verlinkt. Sueddeutsche.de behauptet sogar (mit Link auf einen eigenen Archivtext) ahnungslos: „Die Existenz des Videos war (…) schon lange bekannt, die Details sind neu.“

Aber natürlich bringt es viel mehr Klicks, einfach nachzubeten, was „Bild“ (mit freundlicher Unterstützung von dpa) als Neuigkeit verkauft, als selbst mit zwei drei Klicks festzustellen, dass es gar keine Neuigkeit ist.

*) Bei „Focus Online“ ist das Armutszeugnis inzwischen samt Kommentaren aus dem Angebot entfernt worden bzw. „leider nicht vorhanden“. Dafür gibt es dort einen neuen Text (Überschrift: „Neuer Wirbel um altes Video“) der sich vom ursprünglichen „Bild“-Bericht deutlich distanziert, dafür aber vermutet, es handele sich um Aufnahmen „von zwei Amateurfilmern“. Das jedoch behauptet nicht nur niemand sonst, sondern nicht mal „Bild“.

Christoph Schultheis ist einer der Betreiber von BILDblog.de

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Es gibt Sachen, die gibt es gar nicht

29 Jun 07
29. Juni 2007

Man stellt sich das so einfach vor, das Geschäft mit den Anrufsendungen. Einfach ein Rätsel aus dem Archiv holen, drei Stunden niemanden durchstellen, 700 Countdowns starten, doch noch jemanden durchstellen und ihm einen Bruchteil der Einnahmen plus Plasmafernseher geben.

So einfach ist das nicht. Die Firma Callactive jedenfalls, die für drei MTV-Sender täglich den „Money Express“ produziert, gibt sich da schon ein bisschen mehr Mühe. Sie beschäftigt nicht nur Anwälte, die sich um nervige Kritiker kümmern, sondern offenbar auch Menschen, die sich intensiv mit der Konkurrenz auseinandersetzen. Mutmaßlich, um von ihr zu lernen. Vielleicht auch, um Material gegen sie in der Hand zu haben. Man weiß es nicht.

Es sind eindrucksvolle Excel-Tabellen, die auf diese Weise entstehen. Oben angegeben sind darauf jeweils zwei „Watcher“ — vermutlich die beiden bemitleidenswerten Menschen, die das 9Live-Programm des jeweiligen Tages genau verfolgen mussten, um es minutiös zu dokumentieren. Interessant ist anscheinend ungefähr alles. Es gibt eine Tabelle, in der notiert ist, wann genau 9Live auf die Mitmachregeln oder den Ausschluss Minderjähriger hingewiesen hat:

Es gibt eine Aufstellung der Gewinnsummen, die 9Live pro Tag, pro Woche, pro Monat ausgespielt hat, Sachpreise inklusive:

Notiert wird, wer von wann bis wann moderiert, welche Fragen gestellt werden, wie die Antworten lauten, in welchem Modus gespielt wird, ob es Trostpreise gab. Da stehen die Namen derjenigen, die gewonnen haben, mitsamt ihres Gewinns — und die Namen derjenigen, die nicht gewonnen haben:

Jede Erhöhung der Gewinnsumme ist mit genauer Sendezeit protokolliert, und wenn „ein Pflegeset zusätzlich zum Fixpreis“ ausgelobt wird oder Moderator Max „tanz und turneinlagen einlegt“, wird auch das vermerkt. Anscheinend hat am 15. April um 11.40 Uhr ein „Hr. Foss (Arzthelfer)“ angerufen und von Jürgen 20 Euro Trostpreis bekommen, weil er das Spiel nicht verstanden hat. Am 20. April um 18.09 Uhr notierten die „Watcher“ aufgeregt: „Countdowns onhe Evetn!!!! unerlaubter Zeitdruck Trommelwirbel/Ticken/ Sirene“ (als sei das nicht Alltag bei ihrem eigenen Sender). Und am 24. April um 20.46 Uhr stöhnen sie über „ewige stressalarme“.

„Verstöße/Besonderheiten“ werden in einer eigenen Spalte erfasst, und schlimme Dinge scheinen noch einmal rot oder kursiv hervorgehoben zu werden:

Als Autorin ist in den Excel-Dateien Nadine Rumpf angegeben, die Leiterin der Callactive-Redaktion, die selbst von 9Live kommt und laut Callactive „als eine der erfahrensten Führungskräfte in der Produktion von interaktiven Formaten in Europa gilt“.

Vielleicht sind solch detaillierte Konkurrenzbeobachtungen üblich in dieser Branche, ich weiß es nicht. Verboten oder irgendwie schlimm sind sie sicher nicht. Aber die Excel-Dateien von Callactive mit den Auswertungen des Programms und / oder der Gewinnsummen sind etwas ganz besonderes. Es sind Zauber-Dateien. Man kann sie zwar ansehen, kopieren, bearbeiten, ausdrucken, weiterschicken. Aber es gibt sie gar nicht. Die Rechtsanwälte von Callactive teilten dem Rechtsanwalt des kritischen Call-TV-Forums call-in-tv.de jedenfalls nach dessen Darstellung auf Nachfrage mit:

„(…) eine Auswertung des Programms und / oder der Gewinnsummen bei 9live hat die Callactive GmbH nicht.“

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Blindgänger bei Callactive

28 Jun 07
28. Juni 2007

Die Firma Callactive, die für MTV täglich eine Sendung mit dubiosen Anrufspielen produziert, ist vorläufig mit dem Versuch gescheitert, einem kritischen Internetforum zu untersagen, die erstaunlich vielen verwirrten Anrufer „verwirrte Anrufer“ zu nennen. Das Landgericht München wies am vergangenen Montag einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung zurück.

Die Sendungen „Money Express“, die nachts auf Viva, Comedy Central und Nick laufen, zeichnen sich dadurch aus, dass auffallend häufig Anrufer durchgestellt werden, die bei hohen Gewinnsummen sehr abwegige Antworten geben, nichts sagen oder gleich wieder auflegen. Der Verdacht, dass es sich dabei um „Fake-“ oder „Schein-Anrufer“ handelt, liegt nahe, ist aber unbewiesen. Marc Doehler, der Betreiber des Forums call-in-tv.de, hat deshalb eine Unterlassungserklärung abgegeben, in der er sich verpflichtet, solche Behauptungen nicht mehr aufzustellen. Er richtete im Forum eine Sperre ein, die die Begriffe „Fake-Anrufer“ oder „Schein-Anrufer“ automatisch durch „verwirrte Anrufer“ ersetzt.

Callactive beklagt nun, dass auf call-in-tv.de der Begriff „verwirrte Anrufer“ als Synonym für „Fake-Anrufer“ verwendet werde und somit der verbotene Vorwurf weiter erhoben werde: Die „unwahre Behauptung“, es gäbe in Callactive-Sendungen Fake-Anrufe, werde weiterhin aufgestellt, „jedoch auf eine viel hintersinnigere, ‚codierte‘ Art und Weise“.

Die Anwälte argumentierten:

Dass [Callactive] jederzeit damit rechnen muss, dass die „wahre Bedeutung“ dieses Begriffs weitere Kreise zieht, zeigt sich schon an der Reaktion auf ihr Abmahnschreiben, das in einschlägigen Foren hämisch diskutiert wird. Die Behauptung, in ihren Sendungen würden Fake-Anrufe platziert, ist aber für [Callactive] existenzbedrohend.

Das Gericht widersprach:

Unter der Formulierung „verwirrte Anrufer“ sind nach objektivem Verständnis solche Anrufer zu verstehen, die sofort auflegen oder plötzlich keinen Ton herausbingen. Dies kommt gerichtsbekannt im Rahmen der Sendungen der Antragstellerin auch vor. (…) Es handelt sich lediglich um eine objektive Beschreibung der Tatsache, dass zahllose Anrufer sich als Blindgänger entpuppen. (…)

Dass ein „eingeschworener Kreis von Forumsbesuchern“ die Formulierung „verwirrter Anrufer“ in dem Sinne „Schein-“ bzw. „Fake“-Anrufer verstehe, mache keinen Unterschied, so das Gericht. Die würden die Änderung auch durchschauen, wenn call-in-tv.de den Begriff „FAke-Anrufer“ beispielsweise durch „Ehrenmänner“ ersetzen würde.

[call-in-tv.de] muss es möglich sein, ein kritisches weblog aufrechtzuerhalten. Dies wäre ihm jedoch verwehrt, wenn man ihm jede Formulierung untersagen würde, aus der Nutzer, die seine Seite schon vorher kannten, möglicherweise den Schluss ziehen könnten, er wolle damit sagen, bei den Sendungen der Klägerin gebe es unter Umständen „Fake“–Anrufer.

Nachtrag, 1. August. In zweiter Instanz hat das Oberlandesgericht München den Beschluss kassiert.

Alle Einträge zum Thema Callactive.

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Wie ich mal im „Nachtmagazin“ war

27 Jun 07
27. Juni 2007

Bis gestern dachte ich, der Satz „Wir haben dieses Gespräch vor der Sendung aufgezeichnet“ sei nur eine Floskel. Eine merkwürdiges Ritual, mit dem öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen ungefragt ihre Transparenz beweisen.

Ist aber nicht so. Ist ein wichtiger Satz. Und bedeutet in Wahrheit ungefähr: „Gehen Sie nicht so streng mit dem Interviewpartner ins Gericht, den sie gerade gesehen haben, denn im Zweifelsfall weiß der gar nicht so genau, in welchem Kontext wir seine Aussagen gebracht haben.“

Fernsehen ist merkwürdig. Ungefähr alles am Fernsehen ist merkwürdig.

Da sitzt man dann um zwanzig nach acht in einem sehr kühlen Studio zwischen Reichstag und Bahnhof Friedrichstraße, weil das „Nachtmagazin“, das vier Stunden später beginnt, ein „Schaltgespräch“ mit einem führen will. Das Studio ist, glaube ich, ganz schön groß, aber davon sieht man nichts, weil alles dunkel ist. Bis auf eine kleine, sehr helle Ecke, in der der unscheinbarste Stuhl steht, den man sich vorstellen kann, und davor eine Kamera und zwei Monitore. Ich bekomme so einen Knopf ins Ohr und ein Mikrofon ans Revers, die Maskenbildnerin tupft mich noch einmal ab, dann geht sie raus, und ich bin allein.

Ich habe bei diesen Fernsehleuten ohnehin immer das Gefühl, ganz auf mich allein gestellt zu sein. Ich bin sicher, wenn ich nicht selbst merke, dass sich der Hemdkragen fies verkantet hat oder mir etwas aus der Nase hängt, wird mich niemand darauf hinweisen, und am nächsten Tag bin ich das Gespött der Leute. Es gibt einem auch keiner so Tipps wie: „Wenn Sie den Kopf ein bisschen so drehen, können Sie locker ein Drittel ihres Doppelkinns verbergen“ oder: „Nein, bei Ihrer Statur müssen Sie sich auf keinen Fall / auf jeden Fall nach vorne beugen“. Nix.

Man sitzt da, und die einzige Anweisung, die man bekommt — über den Knopf im Ohr — lautet: „Immer schön nach vorne in die Kamera gucken.“ Das ist einerseits ein bisschen schwierig, denn diese Kamera ist ein großes schwarzes Loch, in dem nichts zu sehen ist außer ein paar weißen Markierungen. Viel mehr zu sehen wäre auf dem Monitor links von der Kamera, wo ich mich selbst sehe. Und vor allem auf dem Monitor rechts von der Kamera, in dem das fertige Fernsehbild erscheint mit dem Moderator, mit dem ich ja rede (und mit der Reichstagskuppel bei Nacht, dabei war es noch hell). Andererseits sehe ich, sobald ich rechts auf den Monitor sehe, wie ich auf dem Fernsehbild merkwürdig aus dem Bild sehe. Ja, das ist so verwirrend, wie es sich anhört.

Ich bin fast sicher, dass ich das theoretisch sogar gelernt habe, das semiprofessionelle In-die-Kamera-Gucken, damals, an der Journalistenschule in München, bei Sabine Sauer. Die sollte uns in kürzester Zeit zumindest eine Ahnung vom Moderieren und dem Umgang mit der Kamera beibringen, und wenn ich mich recht erinnere, war das schon damals nicht meine Stärke.

Und es hilft nicht, dass ich den Beitrag nicht kenne, der in der Sendung dann unmittelbar vor dem Gespräch mit mir laufen wird und von dem jeder Zuschauer annehmen muss, dass sich meine Sätze irgendwie auf ihn beziehen. Es gab zwar ein kurzes Vorgespräch mit dem Moderator. Und ich weiß, dass die erste Frage ungefähr lauten wird: „Herr Niggemeier, wird im Internet gerade alles schlimmer?“ (Okay, wäre auch ein Grund, das Gespräch an sich abzusagen.) Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob die Zuschauer unmittelbar vor meiner relativierenden Antwort einen Beitrag über eine neue Welle von Kinderpornos im Netz oder nur über lautstarke Auseinandersetzungen in Weblogs gesehen haben. Die Autorin des Beitrags hatte mich eigentlich vor der Sendung noch anrufen und grob über den Inhalt informieren wollen. (Naja, hat sie auch, wie ich am nächsten Tag erfuhr, als ich den Anrufbeantworter im Büro abgehört habe. Da war ich wohl schon zuhause, Hemd bügeln und gucken, ob das zur Not noch mit dem grauen Jackett geht.)

Ja. Und dann spricht man drei oder vier Minuten nach geradeaus in diese weißen Markierungen auf der großen Kamera, versucht, nicht zu viel Gehirnzellen mit dem Gedanken zu blockieren, wie das wohl im Fernsehen aussieht, wie man gerade guckt und sitzt und den Kopf hält, und dann ist alles vorbei und noch schlimmer. Denn den Fernsehleuten, soviel ist ja mal klar, ist es völlig egal, ob ich mich da gerade um Kopf und Kragen geredet habe. Die sagen mir sicher nicht: „Äh, Herr Niggemeier, sind Sie sicher, dass Sie das so sagen wollten? Wir könnten das sonst zur Not auch nochmal…“ Und ich stehe auf der Straße und bin auf eine merkwürdige Weise gleichzeitig euphorisiert und verunsichert und weiß wieder, dass ich eigentlich sehr gerne einfach hinter meinem Computer sitze und jeden Satz dreimal umschreiben kann und mir nicht einmal überlegen muss, wie ich dabei aussehe.

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Kurz verlinkt (8)

25 Jun 07
25. Juni 2007

Farid Müller hat eine »paradoxe gesellschaftliche Entwicklung« ausgemacht. »Die zunehmende Liberalität hat offenbar einen Rollback produziert. Die Toleranz geht insgesamt zurück.« Ein Trend, den auch Professor Wilhelm Heitmeyer in seiner Langzeitstudie Deutsche Zustände festgestellt hat.

Danach ist der Anteil der Deutschen, die Homosexualität für unmoralisch halten, im vorigen Jahr von 16,6 auf 21,8 Prozent gestiegen. Als Grund für zunehmende Feindseligkeit, auch gegen andere Minderheiten, nennt die Studie Orientierungslosigkeit und Angst vor dem Abstieg. Dabei gingen die Aggressionen gegen die vermeintlich Schwächeren nicht von den Rändern der Gesellschaft aus, sie kämen aus der Mitte – jene tragende Schicht, die bislang als Garant von Normalität und politischer Stabilität galt, sei im Begriff, sich zu radikalisieren.

Die „Zeit“ hat ihr Dossier über das Leben Schwuler in Deutschland online gestellt. Differenziert, widersprüchlich, beunruhigend — und besonders lesenswert, weil es nicht auf eine steile These hin gebürstet ist, was selten (geworden) ist im Journalismus.

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If a queer comes on to you in Indiana and you kill him, pipe up about it because you just might get a pass. And hey, if you happen to kill someone who isn’t queer, just call him queer anyway and you still might get a pass.

Gabriel Rotello in der „Huffington Post“ über den grausamen Mord an einem jungen Mann in Indiana — und die Frage, warum die Mörder behaupten, ihr Opfer sei schwul gewesen.

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Only a lean, mean, twelve-thousand hours stand between us and election day. In the meanwhile, your cable news professionals will help pass the time by reporting on all sorts of nonsense.

Die „Huffington Post“ über die Vor-Vor-Wahlkampfberichterstattung in den amerikanischen Medien mit der entscheidenden Frage: Wäre Michael Bloomberg überhaupt groß genug, um Präsident zu werden?(Auch bei Newshounds mit FOX-News-Video.)

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Was jetzt schön wäre: Nächstes Mal nicht gleich die Nerven zu verlieren und Christian Pfeiffer zu fragen.

Alexander Svensson über die zweifelhaften Instant-Diagnosen des Medienlieblings Christian Pfeiffer.

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Ich würde mir wünschen, dass die Politik endlich aufhört, IT-Themen als kleine Randthemen zu belächeln und merkt, dass die Situation, die der aktuelle juristische Wildwuchs schafft, ein gewaltiges Hindernis für die Entwicklung der IT-Industrie darstellt.

Gernot Poetsch über das Problem der deutschen Politik mit dem Internet. Oder umgekehrt.

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