Factually Incorrect (3)

31 Okt 07
31. Oktober 2007

Was mich fasziniert an dem islamfeindlichen Blog „Politically Incorrect“ und ähnlichen Seiten: Wie jede Falschmeldung ihre Glaubwürdigkeit noch erhöht.

Diese Paradoxie beruht auf dem Ur-Mythos der Seite, der sich schon im Namen ausdrückt: der Annahme, dass die etablierten Massenmedien uns ausgerechnet die vitalen Informationen vorenthalten und die Wahrheit im Zweifelsfall nur auf „PI“ steht.

Hat man diesen Gedanken einmal verinnerlicht, ergeben sich interessante Effekte. Schön zeigen lässt sich das am Beispiel dieser Meldung von „PI“. „PI“ berichtet darüber, dass Google vor kurzem den PageRank (also die von Google vergebene Maßzahl für die Relevanz einer Seite) von vielen Internetangeboten nach unten korrigiert hat – offenbar weil sie gegen Geld Links auf andere Seiten gesetzt haben. Diese Praxis, durch die die verlinkten Seiten von der Relevanz der verlinkenden Seite profitieren sollen, lehnt Google ab. Zu den vielen betroffenen Internetangeboten, die vermutlich wegen des Verkaufs von Links seit kurzem einen schlechteren PageRank haben, gehören die von „Forbes“, der „Washington Post“, der „Zeit“ – sowie das BILDblog.

Über diese Fakten wird, mal so mal so kommentiert, an vielen Stellen berichtet.

Aber bei „PI“ gibt es darüber hinaus scheinbar exklusive Informationen: Zum Beispiel, dass der Linkhandel von „besonders vielen politisch Linkskorrekten“ betrieben werde, weil sie „von der Wichtigkeit ihrer Botschaft überzeugt sind“. Und dass Google „einen großangelegten Betrug“ „aufgedeckt“ habe. Und dass ich behaupte, der PageRank von BILDblog sei unverändert. Und dass die Besucherzahlen von BILDblog durch die Google-Aktion schon so weit zurückgegangen seien, dass BILDblog nicht einmal mehr in der Top-100 von Blogcounter auftaucht.

Nichts davon stimmt. (Die gekauften Links führen in aller Regel nicht zu politischen Freunden, sondern zu rein kommerziellen Angeboten; es geht in keiner Weise um Betrug; das Zitat von mir ist 15 Monate alt und hat nichts mit den aktuellen Entwicklungen zu tun; BILDblog lässt sich seit fast einem Jahr schon nicht mehr durch Blogcounter zählen und hat nach wie vor mehr Besucher und PageImpressions als sämtliche dort aufgeführten Blogs).

Mit anderen Worten: Alles, was ausschließlich auf „PI“ zu dem Thema steht, ist deshalb exklusiv, weil es falsch ist. Aber so nimmt das der „PI“-Leser nicht wahr. Gerade die Tatsache, dass die spannendsten Informationen (Betrug! BILDblog kaum noch Leser!) nirgends sonst stehen als bei „PI“ und in deren Dunstkreis, lässt ihn nicht am Wahrheitsgehalt der Informationen und der Seriosität der Quelle zweifeln, im Gegenteil: Es bestätigt ihn darin, dass alle anderen Medien unter eine Decke stecken und diese Informationen unterdrücken.

Jede Meldung, die deshalb ausschließlich auf „PI“ steht, weil sie nicht stimmt, erhöht die Glaubwürdigkeit von „PI“ — mehr noch: Sie bestärkt den Glauben der „PI“-Leser an die Unverzichtbarkeit dieser Quelle. Sie schreibt, was andere sich nicht zu schreiben trauen. Interessanterweise schadet es „PI“ auch nicht, wenn eine Meldung ebenfalls in den Massenmedien zu finden ist. Das beweist dann nur, dass die Wahrheit sich selbst von den etablierten Medien nicht mehr immer verheimlichen lässt — und bestätigt scheinbar die Richtigkeit auch all der Meldungen, die nirgends sonst stehen.

Das ist ein ebenso faszinierender wie beunruhigender Effekt, der nicht nur „PI“ betrifft: Sobald ein Medium sich erfolgreich als Stimme etabliert hat, die die wichtigen Dinge ausspricht, die alle anderen verheimlichen, ist es fast egal, was es berichtet: Seine Leser werden es glauben, und ähnlich wie bei den Anhängern von Verschwörungstheorien gibt es fast keine Möglichkeit, mit Argumenten und Tatsachen daran etwas zu ändern. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Und so sehr ich es begrüße, dass Dank des Internets die etablierten Medien ihr Informationsmonopol verloren haben — dies ist ein Effekt, der nicht für besser, sondern für schlechter informierte Menschen sorgt. Ich glaube, in den ultra-polarisierten großen politischen Blogs in den Vereinigten Staaten kann man die schädliche Wirkung schon ganz gut beobachten.

PS: Während die Werbelinks zum Beispiel auf BILDblog offen für jeden Besucher zu erkennen und klar als bezahlte Anzeigen deklariert sind, verlinken manche Internetseiten versteckt auf andere Angebote und versuchen, deren Google-PageRank so heimlich in die Höhe zu treiben. Ein solcher versteckter Werbe-Link befindet sich zum Beispiel im Code von Blogcounter.de, weshalb viele Blogs dieses Angebot nicht mehr genutzt haben

… Im Gegensatz ausgerechnet zu „Politically Incorrect“, in dessen Quelltext sich eine Zeile findet, die für die Leser unsichtbar, für Google und seine PageRank-Berechnungen aber lesbar dafür sorgt, dass „PI“ ebenso konstant wie heimlich für die von dem umstrittenen Geschäftsmann Thomas Promny betriebene Seite lustich.de wirbt. (Der Link wird am unteren Ende der „PI“-Seite sichtbar, wenn man Javascript ausschaltet.)

Fremde Journalistenwelten

31 Okt 07
31. Oktober 2007

Der britische „Independent“ veröffentlicht auf seiner Titelseite „10 myths about the EU treaty“ und nimmt sie im Inneren einen nach dem anderen auseinander. Was die Zeitung verschweigt: Der Text ist eine fast wörtliche Wiedergabe eines Regierungspapiers zum Thema.

Verurteilt wird diese Praxis knapp zwei Wochen später — im „Independent“. Dessen Medienkolumnist Stephen Glover zitiert dort den Chefredakteur des „Independent“ mit dessen Verteidigung, man habe die Fakten des Papiers geprüft, und widerspricht ihm fundamental:

A newspaper is perfectly within its rights in agreeing with the Government of the day, but if it directly borrows its arguments it should say so. Even then it would be preferable, by way of establishing one’s independent credentials, to amplify and refine those arguments oneself.

Alles im „Independent“ selbst, wohlgemerkt. Warum ist ein solcher offener Pluralismus in eigener Sache, eine solche Debattenkultur in Deutschland undenkbar?

(Und dann waren da noch die Redakteure des „Sydney Morning Herald“, die sich zu Protestkundgebungen versammelten, weil ihre Zeitung zum Jungfernflug des Airbus A380 munter werbliche und redaktionelle Inhalte mischte.)

[beides via Greenslade]

Super-Symbolfotos (31)

31 Okt 07
31. Oktober 2007

Dieses hier aus der „Braunschweiger Zeitung“ ist was für Leute, die wissen, wie ein Computer von innen aussieht:

[Entdeckt von Sascha Wüstemann]

Tod durch Schenkel- und Schulterklopfen

30 Okt 07
30. Oktober 2007

Christian Jakubetz, Journalist, Berater und Dozent unter anderem an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München, hat sich anlässlich unserer Lesung ebenfalls mit der Frage beschäftigt, wie es das BILDblog verändert, wenn wir plötzlich „auf der Showbühne“ stehen — nur kommt er zu dramatisch pessimistischeren Antworten als ich.

Jakubetz vergleicht unsere Entwicklung mit der von Bastian Sick, dem supererfolgreichen Sprachkritiker von „Spiegel Online“:

Aus dem Zwiebelfisch ist eine mittelständische Firma geworden und statt netter Sprachkritik macht Sick heute Linguistik-Entertainment. Apostrophen für die Masse, die sich schenkelklopfend amüsiert und nach zwei Stunden wieder raus an die frische Luft darf mit dem Gefühl: Wir stehen auf der richtigen Seite. Der guten Seite.

Der Vergleich ist interessant und Jakubetz‘ Analyse lesenswert, aber ungefähr in der Mitte ist er so in Fahrt, dass es ihn aus der Kurve schleudert:

Bildblog ist eine perfekt geölte Unterhaltungsmaschine geworden, die den Leuten gibt, was sie wollen: Entertainment.

Eine handelsübliche Unterhaltungsmaschine tat’s nicht, sie musste auch noch perfekt geölt sein? Das sind so Formulierungen, bei denen ich stutze, und in diesem Fall auch deshalb, weil ich weiß, wie wenig bei uns geölt ist, egal von welcher Art Schmiermittel wir reden.

Jakubetz meint jedenfalls, dass das Entertainment die Aufklärung konterkariert. Dass der Abend Anlass zu solchen Fragen gibt, finde ich auch. Aber schließen sich Aufklärung und Unterhaltung aus? Je mehr mir als Journalist ein Thema am Herzen liegt, je wichtiger ich es finde, dass viele Leute einen Artikel lesen, desto mehr Mühe gebe ich mir, ihn unterhaltsam aufzuschreiben, gerade damit er möglichst viele Leute erreicht. Oder, in einer ganz anderen Liga argumentiert: Die „Daily Show“ von Jon Stewart ist sicher sowohl die witzigste als auch die aufklärerischste Nachrichtensendung in den USA.

Um nicht missverstanden zu werden: BILDblog will informieren, und das, wenn es geht, auf unterhaltsame Weise. Nicht unterhalten, und das, wenn es geht, mit ein bisschen Informationen. Ja, bei so einer Lesung verschieben sich die Gewichte vielleicht etwas. Aber, Himmel, da machen wir nach dreieinhalb Jahren zum ersten Mal so etwas wie eine Party und laufen Gefahr, mit Disney World verwechselt zu werden?

Was mich wirklich erschüttert an Jakubetz‘ Text, ist dieser Satz:

Und so, wie wegen Sick kein einziger grammatikalischer Dumpfbeutel weniger unterwegs ist, hat nicht ein einziges Exemplar der verloren gegangenen Bild-Auflage mit Bildblog zu tun.

Sagt Jakubetz das auch seinen Journalistenschülern? Etwa: Glaubt nicht, dass ihr mit euren Artikeln irgendetwas ändern werdet? Es wird kein einziges Gramm CO2 weniger ausgestoßen, nur weil Artikel über die globale Erwärmung erscheinen? Es wird niemand zum Wechselwähler, nur weil ihr über die Abgründe einer Partei berichtet habt? Was immer ihr schreibt, wird nie jemanden klüger machen, die Augen öffnen, zum Nachdenken anregen, sondern immer nur die erreichen, die es vorher schon wussten?

Am Ende meint Jakubetz, wir würden wie „Bild“ und unsere Leser seien schon wie „Bild“-Leser (irgendwie auch wegen der zunehmenden Vermarktung und Entertainmentisierung), und findet hier in den Kommentaren „serviles Gutmenschentum“. Ich glaube, er verkennt gerade das Besondere an der Beziehung zwischen BILDblog und den BILDblog-Lesern. Wir haben erst angefangen, BILDblog-T-Shirts anzubieten, als Leute uns gefragt haben, warum es die eigentlich nicht gibt. Ein Konto haben wir eingerichtet, nachdem Leser uns gefragt haben, ob sie uns eventuell Geld spenden können. Servil sind sie nicht, sie geben uns ordentlich Kontra, wenn wir etwas machen, das ihnen nicht gefällt. Aber viele sind treu und sowas wie Fans, sie versorgen uns mit sachdienlichen Hinweisen und weisen uns auf unsere Fehler hin, und wenn es einen Fragebogen auszufüllen gibt, tun sie das in unfassbarer Zahl.

Mag sein, dass sie auch das Gefühl genießen (oder von mir aus auch nur die Illusion), gemeinsam auf der „richtigen Seite“ zu stehen. Aber sie tun das in einer Welt, die nicht von BILDblog-Lesern, sondern von „Bild“-Lesern dominiert wird. Und sie sind mir allemal lieber als die vielen, denen die Frage, ob sie auf der „richtigen Seite“ stehen, einfach vollständig egal ist.

Lesenachlese

29 Okt 07
29. Oktober 2007

Eine der Fragen, die mir am Donnerstagabend immer wieder gestellt wurde, war die, ob ich glaubte, dass auch jemand von „Bild“ da wäre. Jetzt weiß ich’s: mindestens Hagen Meyer. Der Autor von „Bild“-Artikeln wie „Wer läßt sich von mir verhaften? Ich bin unbewaffnet. Du kannst gerne nachgucken … Polizistin Sabrina (22) sucht einen starken Mann“ berichtet im Blog der Axel-Springer-Akademie über die Veranstaltung. (Den Hinweis, dass er selbst für „Bild“ schreibt, hat er vergessen.)

Wenn ich ihn richtig verstehe, war er enttäuscht, dass die Veranstaltung namens „Charlotte Roche liest BILDblog“ im Wesentlichen daraus bestand, dass Charlotte Roche BILDblog las. Er merkte zudem kritisch an, dass das ohne Charlotte Roche nichts gewesen wäre. Recht hat er.

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Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Eigentlich wollte ich schon vor Tagen darüber bloggen, wie das war, diese Veranstaltung vorzubereiten. Ich wollte von den vielen, vielen Stunden berichten, in denen ich daran saß, die (meist extra von Heiko in tagelanger Arbeit noch einmal neu eingescannten) Ausrisse in Form zu bringen. Das war nämlich meine erste Powerpoint-Präsentation überhaupt, und die Idee, das Programm dabei quasi so nebenbei zu lernen, könnte man überambitioniert nennen oder auch einfach dumm. Schön jedenfalls, dass ich jetzt weiß, dass Word nicht das einzige Programm mit der intuitiven Microsoft-Benutzerführung ist: Es errät mit erstaunlicher Trefferquote, was ich tun will, um dann etwas anderes zu machen.

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Apropos: Ist eigentlich schon mal juristisch geprüft worden, ob das Programmverhalten von Word bei der Arbeit mit langen Tabellen und Seitenumbrüchen möglicherweise gegen die Genfer Menschenrechtskonvention verstößt?

(Bevor jemand fragt: Word 2007, PowerPoint 2007, Vista. Ja, ich weiß.)

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Knifflig bei der Zusammenstellung des Programms für den Abend waren die Fragen: Wie witzig muss es sein? Wie ernst darf es sein? Es sollte ein unterhaltsamer Abend werden, die Leute sollten etwas zu lachen haben, keine Frage. Aber wir wollten auch die schlimmen Geschichten erzählen, an deren Ende nicht unbedingt eine Pointe steht, und schon gar keine lustige. Andererseits haben wir schon vorher bei der Auswahl gemerkt, dass viele der krassen Geschichten gar nicht zum Vorlesen in diesem Rahmen taugen; dass wir die Menschen, die „Bild“ zu Opfern gemacht hat, in gewisser Weise noch einmal missbrauchen würden.

Klar: Das war eine Gratwanderung, und bei der Lesung trat noch ein anderer, merkwürdiger Effekt ein. Klaus Raab beschrieb das in der „taz“ so:

Frappierend ist jedoch, dass das Publikum nicht nur über die pointierten Kommentare von Bildblog lacht, sondern – selbst im Fall des Hort-Artikels – schon über die Primärquelle: Bild.

Damit hatten wir so nicht gerechnet, und tatsächlich scheint das auch ein Widerspruch zu dem zu sein, was wir schon sehr früh als eine Motivation für BILDblog formuliert hatten:

Uns stört die Tendenz, alles in „Bild“ als amüsante Unterhaltung wahrzunehmen.

Haben wir nun womöglich genau das selbst gemacht? Und ungewollt bewiesen, wie gut das funktioniert, wie lustig das ist: ein Abend mit „Bild“-Artikeln?

Es ist dann aber doch eine andere Art des Lachens. Es hat nichts von dieser postmodernen Haltung, die „Bild“-Zeitung als Fiktion zu lesen und ihre Machart, ihre vermeintliche Kunstfertigkeit zu bewundern, unabhängig vom Inhalt. Deutlich wurde das für mich auf der Bühne bei unserem Eintrag zum Brief von Wagner an die türkischen Schüler. Das Gelächter war nicht nur eines über den armen Wirren Franz Josef Wagner. Es war auch ein Ausdruck der Fassungslosigkeit über die Ideologie, die mit solchen „Bild“-Artikeln transportiert wird. Es hat, kurz gesagt, etwas Kathartisches, das Lachen.

Christoph hat diese These noch am Abend entwickelt, und ich glaube, sie stimmt: Da sitzen Leute, die ihre Ablehnung dieser Zeitung und ihrer Methoden vereint, und lachen „Bild“ gemeinsam und öffentlich aus. Oder wie es eine Kommentatorin bei der „taz“ formuliert:

[Das Lachen] ist keine Verharmlosung der BILD, sondern Ausdruck der Unfassbarkeit, dass dieser Schrott in der meistgelesenen Zeitung Deutschlands stehen soll.

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Klaus Raabs Fazit in der „taz“ gefällt mir gut:

An diesem Abend trifft sich also eine nicht bis ins Nachtprogramm hinein politisierte Generation – aber doch ein Milieu, in dem Bereitschaft zu politischem Denken besteht.

Er zitiert mich allerdings davor mit dem Satz, BILDblog werde von „20-Jährigen“ gelesen — dabei habe ich das nur als einen Teil unserer (vermuteten) Leserschaft angegeben.

Ein erster, unverbindlicher Blick in die (noch nicht abgeschlossene) BILDblog-Leser-Umfrage zeigt übrigens, dass unsere Leser im Schnitt 28,5 Jahre alt sind.

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Und es sind die tollsten Leser der Welt. Am Dienstag vor der Lesung haben wir noch ein paar Karten verlost, und wenn ich mal schlechte Laune habe, werde ich in Zukunft nur in den Ordner mit den E-Mails schauen müssen, die da gekommen sind.

Es ist immer noch eine solche Welle von Sympathie und Zustimmung, die uns da entgegen schwappt. Und es geht nicht darum, dass alle jubeln sollen über das, was wir machen, oder dass es an BILDblog allgemein oder im Einzelfall nicht genug zu kritisieren gäbe. Aber ein solches grundsätzliches Wohlwollen von netten Menschen, habe ich noch bei keiner anderen Arbeit erlebt.

Ich erlebe das immer noch als Glück. Ein bisschen Stolz ist auch mit dabei, vor allem aber ist das ein großes, großes Glück.

Wie unfassbar das ist, hat mir unsere Lesung wieder gezeigt: Ich meine, wo gibt es das denn, dass Charlotte Roche einem sagt: Klar, ich les gerne für euch. Dass man bei Fettes Brot anfragt, ob die nicht auflegen wollen, und keine 24 Stunden später sagen die Ja. Einfach so, weil die uns gut finden (und Charlotte Roche). Ach, und überhaupt: Dass man eine Lesung macht und trotz 600 Sitzplätzen nicht alle reinkommen, die reinwollen, und sich mit selbst gemalten „Suche Karten“-Schildern vor die Tür stellen?

Was ich eigentlich sagen will: Danke!

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Wenn Sie das jetzt schon sentimental und selbstbezüglich fanden, dann seien Sie froh, dass ich all das (und viel mehr) nicht schon vergangene Woche im Glücksrausch aufgeschrieben habe. Das ist auch eine interessante Erfahrung: Wenn schon mal wirklich etwas passiert im Leben, über das man bloggen könnte, kommt man nicht dazu, darüber zu bloggen, weil man voll und ganz damit beschäftigt ist, es zu erleben.

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Ach ja, die meistgestellte Frage nach der Lesung war diese: Ob wir damit dann jetzt auf Tournee gehen.

Keine Ahnung. Wir wissen noch nicht, ob wir das könnten. Wir wissen aber auch noch nicht, ob wir das überhaupt wollten.