Wiederholungstäter V

26 Mai 07
26. Mai 2007

(nur fürs Protokoll)

Oktober 2006. Die „Frankfurter Rundschau“ schreibt über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen. Zwei Wochen später macht derselbe Autor denselben Fehler noch einmal.

Dezember 2006. „Jetzt.de“ schreibt über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen.

März 2007. Die „Fach“-Zeitschrift „werben & verkaufen“ schreibt über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen.

März 2007. Die Morgenzeitschrift „Tomorrow“ schreibt über Blogs — und verwechselt Zehntausend mit Tausend.

25. Mai 2007. Der Hamburger Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg spricht über Blogs — und verwechselt Monate mit Tagen*:

(Die Leute, die da im Hintergrund so fies lachen und ihre Ahnungslosigkeit zur Schau stellen, sind übrigens Journalisten, die glauben, es sei schlecht für das Volk, wenn sie ihr Informationsmonopol verlieren. Und ja, Weischenberg spricht danach auch noch von größeren und vermeintlich „interessanteren“ Blogs. Die ganze Deutschlandfunk-Sendung als mp3 hier.)

Um es noch einmal auszuschreiben: Man kommt laut einer Untersuchung von Jan Schmidt nicht mit 450 Lesern im Monat unter die Top 100 der deutschen Blogs, sondern mit 450 am Tag. Und selbst das reicht längst nicht mehr.

[via Medienblogger]

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Blinde sorgen sich um Zukunft der Farbe

25 Mai 07
25. Mai 2007

Auf Einladung des Deutschlandfunks diskutierte heute abend ein so genanntes „Medienquartett“ die Frage: „Verändern Leserreporter und Blogger den Journalismus?“ Es ist eine Sendung, die sich aufzuheben lohnt [mp3]. Schon um in ein paar Jahren, falls „der Journalismus“ tot aufgefunden werden sollte, belegen zu können, dass es sich nicht um Mord handelte, sondern um Selbstmord.

Das Gespräch begann (leicht gekürzt) so:

Moderator: Tissy Bruns vom „Tagesspiegel“ in Berlin, gibt es bei Ihnen auch Bürgerjournalismus?

Bruns: Es gibt ihn in Form von Teilnahme an Blogs. Es gibt in der Online-Abteilung des „Tagesspiegel“ Blogs, an denen sich natürlich nicht nur Redakteure beteiligen können.

Moderator: Warum? Haben die Journalisten nicht genügend zusammengebracht an interessanten Stoffen?

Bruns: Naja, das ist ja der Teil, der online läuft, also nicht in der gedruckten Zeitung selber erscheint.

Man muss Frau Bruns dankbar sein, dass sie einem gleich am Anfang eines solchen Gesprächs keine Illusionen lässt, dass sie für das Thema qualifiziert sein könnte. Offenkundig kennt sie die „Tagesspiegel“-Blogs nicht. Sie weiß nicht, dass sämtliche „Tagesspiegel“-Blogs von professionellen Journalisten geschrieben werden, überwiegend von „Tagesspiegel“-Redakteuren. Es gibt keinen Bürgerjournalismus in der „Online-Abteilung“ des „Tagesspiegel“.

Und zur Ahnungslosigkeit kommt Arroganz. Die gedruckte Zeitung ist das, worauf es ankommt. Online kann man natürlich allen möglichen Unsinn ausprobieren, scheint sie zu sagen, solange wir einen Damm haben, der unsere „gedruckte Zeitung“ vor irgendwelchen Ausflüssen schützt.

Moderator: Gibt es bei Ihnen denn auch Blogs zum Thema Doping beispielsweise?

Bruns: Ich hab jetzt heute leider nicht danach geguckt. (…) Ich würde mal auf Verdacht sagen: Ja. Weil die Erfahrung ist, immer wenn Themen dieser Art hochkommen in der Öffentlichkeit, also zum Beispiel Berliner Themen über Kindesmisshandlung, über die Frage, ob McDonald’s in Kreuzberg das erste Geschäft aufmachen darf, dann ist die [unverständlich] aus unserem Leser-Publikum besonders hoch. Insofern sag ich ungeschützt mal, es wird auch beim Doping-Thema besonders hoch sein.

Leider hat Frau Bruns nicht nur heute nicht danach geguckt, sondern auch gestern nicht, sonst hätte sie natürlich den Blog-Eintrag zum Thema gesehen. Insofern sag ich ungeschützt mal, Frau Bruns hat die „Tagesspiegel“-Blogs in ihrem ganzen Leben noch nicht besucht. Muss sie natürlich auch nicht, sie schreibt ja für die „gedruckte Zeitung“, und Blogs sind ja nur online. Und was die Erregung des Leser-Publikums mit der Frage zu tun hat, ob es einen entsprechenden Blog-Eintrag zum Thema gibt, bleibt völlig offen, es sei denn, man verwechselt „Blogs“ mit „Leser-Foren“ (die es aber beim „Tagesspiegel“ auch nicht gibt), mit Bürgerjournalismus (den es aber beim „Tagesspiegel“ auch nicht gibt) oder mit Kommentaren unter Artikeln (na also).

Als nächstes wurde Manfred Bissinger, Ex-Chefredakteur der Zeitschriften „Konkret“, „Natur“ und „Merian“, gefragt, ob die von ihm herausgebene und gegründete frühere Zeitung „Die Woche“ heute bei Blogs ganz vorne dabei wäre.

Bissinger: Damals [zu Lebzeiten der „Woche“] gab es das Internet auch schon und Internetauftritte, natürlich hat die „Woche“ auch da mitreagiert, aber wir haben keine Blogs gemacht, wir waren eigentlich mit unseren Leserbriefen zufrieden, das hat uns gereicht, und die Zeitung war nicht so auf Exhibitionismus angelegt wie Leserreporter, die auf Exhibitionismus angelegt sind.

Gut, Herr Bissinger hat offenbar gedacht, was Frau Bruns kann, kann ich schon lange, und sich noch schneller und noch weiter ins Aus geschossen. Leserreporter sind auf Exhibitionismus angelegt? Vielleicht meint er Voyeurismus, und hätte so pauschal trotzdem Unrecht. Wirklich entlarvend ist aber die Formulierung, „das hat uns gereicht“. Den „Woche“-Machern hat es es gereicht, ein paar Leserbriefe abzudrucken. Ob es den „Woche“-Lesern reichte? Who cares?

Bissinger: Bei der Schwierigkeit, in der sich Printmedien befinden, glaube ich nicht, dass es eine Lösung ist, dass man über Leserreporter oder Blogs versucht, da rauszukommen, weil: Das beschädigt die Glaubwürdigkeit noch mehr, die so Produkte haben. Und ich glaube, dass nur Kundenprodukte überleben können, wenn sie eine hohe Glaubwürdigkeit haben und wenn das Publikum das Gefühl hat, da bekomme ich etwas vorgesetzt, das nachgedacht, recherchiert, genau erörtert ist und da wird nicht nicht so was hingerotzt. Und Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.

Da dies ein Blog ist, könnte ich nun natürlich ganz beleidigt sein. Aber ich sage das mal ganz ungeschützt: Herr Bissinger kennt dieses Blog so wenig wie irgendein anderes. Bissinger hat weder nachgedacht, noch recherchiert, noch etwas genau erörtert. Er hat, vermutlich aus persönlicher Befindlichkeit, irgendwelchen Unsinn in die Öffentlichkeit gerotzt. Und trotzdem wären die meisten Blogger, die ich kenne, beleidigt, wenn man sie mit Manfred Bissinger vergliche.

Ich habe danach ausgemacht. Ich habe es nicht mehr ertragen zuzuhören, wie Leute meines Berufsstandes, die sich für klug, professionell und vor allem sehr überlegen halten, ihre Ahnungslosigkeit und Untauglichkeit öffentlich so stolz zur Schau stellen.

Nachtrag, 29. Mai: Tissy Bruns antwortet auf meine Kritk.

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Don’t Panic!

25 Mai 07
25. Mai 2007

(via Lukas)

Nachtrag. Jojo Beetlebum ist bereit!

Nachtrag, 20.23 Uhr. Gut, heute morgen hätte das vielleicht ein bisschen albern aussehen können, mit einem Handtuch rumzurennen. Aber gerade, nachdem der Himmel mal so richtig gezeigt hat, was in ihm steckt, wäre ich damit echt der Größte gewesen. Geschieht mir recht.

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9Live erklärt erstmals den „Hot Button“ (2.Update)

24 Mai 07
24. Mai 2007

9Live hat in einer langen und schwer verständlichen Presseerklärung auf die Vorwürfe geantwortet. Der Sender räumt dabei (soweit mir bekannt) erstmals öffentlich ein, dass der „Hot Button“, der einen Anrufer ins Studio durchstellt, kein reines Zufallssystem ist, sondern wesentlich davon abhängt, wann der verantwortliche Redakteur diesen Mechanismus auslöst. Das genaue Verfahren sei der Aufsichtsbehörde BLM ebenso bekannt wie der Staatsanwaltschaft München, behauptet 9Live.

Damit steht nun Aussage gegen Aussage. Wolfgang Flieger, Sprecher der BLM, sagte der „Berliner Zeitung“: „Wir wissen nicht im Detail, wie diese Technik funktioniert.“

Darüber hinaus stelle ein Zufallsmechanismus sicher, so 9Live, dass gelegentlich auch vor dem vom Redakteur bestimmten Zeitpunkt Anrufer ins Studio durchgestellt werden können. Deshalb habe jeder Anrufer jederzeit eine Gewinnchance. Wenn das stimmt, muss dieser Zufallsmechanismus auf extrem kleine Gewinnchancen eingestellt sein. Anders ließe es sich nicht erklären, warum oft über Stunden kein Anrufer ins Studio gestellt wird.

Dass es der Redakteur ist, der maßgeblichen Einfluss darauf hat, wann der „Hot Button“ „zuschlägt“, scheint auch 9Live endlich nicht mehr wirklich zu bestreiten. Der Sender erklärt, es sei „ganz offensichtlich, dass es allein der Redakteur“ (und nicht der Moderator) „der eigenverantwortlich und nach strengen Maßstäben die Entscheidung über die Aktivierung des Zufallsmechanismus ‚Hot Button‘ trifft“. Und hier zum Vergleich die Aussage von 9Live-Moderator Robin Bade am 18. Mai live auf 9Live:

„Auf den Hot-Button hat niemand Einfluss. Und wer das behauptet, der lügt und hat keine Ahnung, glauben Sie mir.“

Oder in den Worten von 9Live-Sprecherin Sylke Zeidler: „9Live (…) ist (…) auch im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber seinen Zuschauern Marktführer im Bereich des Mitmachfernsehens.“

Nachtrag, 25. Mai, 9.40 Uhr. Keine Frage, die 9Live-Erklärung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Mindestens in einem entscheidenden Punkt scheine ich sie missverstanden zu haben. Gelegentlich scheint man beim Anrufen bei 9Live, wenn der „Hot Button“ noch nicht „zugeschlagen“ hat, nicht die übliche Ansage zu bekommen, nicht gewonnen zu haben, sondern etwa folgenden Satz: „Noch hat der Hot Button nicht zugeschlagen. Sie haben die Möglichkeit, sich zu registireren und die Chance, später zurückgerufen zu werden und Ihre Lösung zum laufenden Spiel dennoch zu nennen. Sind sie damit einverstanden wählen Sie die 1.“ Auf diese Weise würde ein Redakteur zwar ganz alleine entscheiden, ob zum Beispiel drei Stunden lang niemand durchgestellt wird. Aber wenn nach drei Stunden jemand durchgestellt wird, könnte es auch jemand sein, der schon zwei Stunden früher angerufen hatte. Insofern wäre die 9Live-Behauptung richtig, dass jeder Anrufer zu jeder Zeit gewinnen könne. Wie groß diese Wahrscheinlichkeit ist, sagt 9Live nicht.

Nachtrag, 25. Mai, 18.05 Uhr. 9Live hat mir gegenüber diesen Ablauf mit dem Rückruf bestätigt. Die Ansage, die einzelne, zufällig ausgewählte Mitspieler hören, die vor dem „Zuschlagen“ des „Hot-Button“ angerufen haben, laute genau:

„Noch hat der Hot Button nicht zugeschlagen. Gleich noch mal versuchen. Außerdem haben Sie nun die Möglichkeit, sich zu registrieren. Mit etwas Glück rufen wir Sie zurück. Sie erhalten dann eine neue Chance, die aktuelle Gewinnspielfrage zu beantworten. Wenn Sie damit einverstanden sind, dann drücken Sie jetzt bitte die 1.“

Wie hoch die Chance ist, diese Ansage zu hören, wollte 9Live nicht sagen.

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CallActive will Kritiker mundtot machen

24 Mai 07
24. Mai 2007

Es ist ja nicht nur 9Live.

Da gibt es auch noch Stephan Mayerbacher und seine Firma CallActive, die täglich im Auftrag von MTV dubiose Anrufsendungen produziert. Zu den Spezialitäten seiner Sendungen, die von Frauen moderiert werden, die man nicht „Animösen“ nennen darf, gehört es, über einen längeren Zeitraum mit sehr hohen Gewinnsummen zu locken, die später wieder reduziert werden. Während der Phasen mit hohen Gewinnsummen wird oft niemand durchgestellt. Oder, wenn doch, ist auffallend oft niemand dran, jemand legt sofort wieder auf, der Anrufer ist nicht zu verstehen oder er gibt (selbst bei leichten Rätseln) eine grotesk falsche Antwort.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese merkwürdigen Anrufe zufällig zu diesen für CallActive günstigen Zeiten so ballen, ist gering. Wer die Sendungen häufig sieht, kommt fast zwangsläufig auf den Gedanken, diese Anrufe würden vom Veranstalter gefälscht.

Als im Forum call-in-tv.de, das sich intensiv mit den entsprechenden Shows beschäftigt, diese merkwürdigen Anrufe aus naheliegenden Gründen „Fake-Anrufe“ genannt wurden, ging Stephan Mayerbacher aus ebenso naheliegenden Gründen dagegen vor. Marc Doehler, Betreiber des Forums, musste eine Unterlassungserklärung abgeben. Nun ja: Der Beweis, dass es sich wirklich um „Fake-Anrufe“ handelt, ist schwer und wäre wohl nötig.

Um zu verhindern, dass andere Forennutzer weiter das verbotene Wort benutzten, baute Doehler in das Forum eine Sperre ein: Begriffe wie „Fake-Anrufer“ werden von der Software automatisch in „verwirrte Anrufer“ umgewandelt.

Dennoch wurde Doehler gestern wieder von CallActive abgemahnt. Meyerbachers Anwalt schreibt:

„Inzwischen hat sich (…) auf der Website der Begriff ‚verwirrte Anrufer‘ als Synonym für ‚Fake-Anrufer‘ durchgesetzt. Jeder User weiß, dass mit ‚verwirrte Anrufer‘ tatsächlich ‚gefakte‘ Anrufe gemeint sind, und die User benutzen inzwischen den Begriff ‚verwirrte Anrufer‘ auch entsprechend.

Bei den von unserer Mandantin produzierten Programmen gibt es keine gefälschten bzw. gefakten Anrufe. Durch die bewusste Verwendung des Wortes ‚verwirrte Anrufer‘ für ‚Fake-Anrufe‘ behaupten Sie aber gerade dies.“

Doehler wird aufgefordert, es künftig zu unterlassen,

„unter Bezug auf Quizsendungen in den Fernsehprogrammen VIVA plus [gemeint ist vermutlich Viva], NICK oder Comedy Central, zu behaupten und/oder behaupten zu lassen,

dort gäbe es ‚verwirrte Anrufer‘, insbesondere wenn dieser Begriff ‚verwirrte Anrufer‘ als Synonym für ‚Fake-Anrufe‘ verwendet wird.“

Als Gegenstandswert haben die Anwälte 50.000 Euro festgelegt; allein für die Abmahnung verlangen sie daher von Doehler 1379,80 Euro.

Nachtrag: Marc Doehler wird die geforderte Unterlassungserklärung nach Angaben seines Anwaltes nicht abgeben.

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