Im Wortlaut: Der „Code of Ethics“ von „Zeit Online“

13 Mrz 14
13. März 2014

Ein Problem an der ganzen Sache mit „Zeit Online“ und Moritz Gathmann war, dass sich die Redaktionsleitung auf „interne ethische Richtlinien“ berief, die außerhalb der Redaktion gar nicht bekannt waren und sind. Der „Code of Ethics“ gilt seit Sommer 2012 und ist nach Angaben von Markus Horeld, dem stellvertretenden Chefredakteur, allen Redakteuren bei „Zeit Online“ „bekannt und zugänglich“. Chefredakteur Jochen Wegner schrieb hier in den Kommentaren, es sei „sicher sinnvoll“, die Richtlinien „so schnell wie möglich zu publizieren. Auch das ist ein Versäumnis, das wir in den kommenden Monaten nachholen werden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das so eine langwierige Angelegenheit sein soll, wenn sich andere Dinge in der Redaktion innerhalb von zwei Stunden und drei Tweets erledigen lassen. Vielleicht kann ich das abkürzen. Das hier ist der „Code of Ethics“ von „Zeit Online“:

1. JOURNALISTISCHE UNABHÄNGIGKEIT

a. Wir legen offen, wenn ein Autor zu den in seinen Artikeln beschriebenen Personen oder Institutionen persönliche Beziehungen unterhält. Dies betrifft Mitgliedschaften bei Parteien und Verbänden, gegebenenfalls auch bei Kirchen, ebenso wie in Jurys oder ähnlichen Gremien.

Die Offenlegung kann im Fließtext eines Artikels, in einer Autorenbox oder auch unter dem Text vorgenommen werden.

b. Aktienbesitz wird innerhalb des Wirtschaftsressorts offen gelegt.

c. Die Redaktion von ZEIT ONLINE nimmt keine Journalistenrabatte in Anspruch. Auch von der privaten, außerdienstlichen Nutzung von Journalistenrabatten wird abgeraten. Insbesondere ist es nicht gestattet, bei privater Beantragung von Journalistenrabatten auf ZEIT ONLINE als Arbeitgeber zu verweisen.

d. Reisen im Rahmen journalistischer Berichterstattung werden selbst bezahlt. Bei Einladungen wird eine den Reisekosten entsprechende Summe gegen Rechnung überwiesen. Begleiten Journalisten Politiker, Manager oder andere auf Reisen im In– und Ausland, wird in der Regel von den Ausrichtern die Übernahme der Kosten angeboten. Solche Kostenübernahme-Angebote lehnt ZEIT ONLINE ab. Eine Ausnahme bildet das Ressort Reisen.

Ausnahmen sind in begründeten Einzelfällen Reisen in Krisengebiete oder Reisen mit Politikern bzw. an Bord von Flugzeugen oder Schiffen der deutschen Bundeswehr, wenn über Themen von erheblichem öffentlichen Interesse berichtet wird und diese Berichterstattung aus eigenen Mitteln oder aus Gründen der persönlichen Sicherheit des jeweiligen Reporters nicht realisierbar wäre. Ausnahmen sind auch ergebnisoffene Reisestipendien von Organisationen wie IJP oder der Arthur F. Burns Fellowship. Auch wenn ZEIT ONLINE–Redakteure von einer externen Organisation zu einer Reise eingeladen werden und sämtliche Reisekosten von ZEIT ONLINE selbst getragen werden, sollte in den mithilfe dieser Reise entstanden Texten oder Videos dennoch darauf hingewiesen bzw. erwähnt werden, wer diese Reise organisiert hat.

Ein Sonderfall ist das Ressort „Reisen“, das oft auf die Unterstützung von Fremdenverkehrsorganisationen angewiesen ist. Hier wird unter dem Artikel von ZEIT ONLINE deklariert, wenn die Reportage mithilfe von Drittmitteln zustande gekommen ist. Selbstverständlich ist die Redaktion auch in diesen Fällen verpflichtet, Sponsoren in keiner Weise Einfluss auf Themenauswahl oder Inhalt der Reportage zu gewähren. Die Finanzierung einer Reise durch das unmittelbare Berichtsobjekt, also beispielsweise ein Hotel, das redaktionell besprochen wird, ist nicht möglich.

e. Alle Arten von Geschenken werden sozialisiert, soweit sie einen Wert von 40 Euro überschreiten. Redakteure liefern Geschenke an einer zentralen Stelle ab. Am Ende des Jahres werden sie zugunsten eines wohltätigen Zwecks versteigert.

f. Bücher oder andere Produkte von Redakteuren werden nicht redaktionell bewertet. Bei eventuellen Vorabveröffentlichungen solcher Werke wird die Befangenheit für den Leser deutlich gekennzeichnet. Redakteure können ihre Bücher auf ihren persönlichen Profilseiten erwähnen. Diese Erwähnungen können auf begleitende Websites dieser jeweiligen Bücher oder Leseproben der jeweiligen Verlags-Site verlinkt werden, nicht jedoch zu Amazon oder anderen Shop-Seiten, auf denen das Buch gekauft werden kann. Bei der Besprechung von Büchern ehemaliger Redakteure von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT wird auf den Umstand ihrer früheren Redaktionszugehörigkeit hingewiesen.

g. Jede Nebentätigkeit von Redakteuren muss der Chefredaktion zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Prüfung erfolgt unter den Kriterien möglicher Beeinflussung der Berichterstattung, einer möglichen Beschädigung der Marke ZEIT ONLINE sowie unter arbeits-ökonomischen Gesichtspunkten der Redakteure. Der Chefredakteur muss seine Nebentätigkeiten dem Verleger mitteilen.

h. Freie Mitarbeiter müssen Tätigkeiten in dem Journalismus nahen Bereichen — Marketing, PR — offen legen. Eine Tätigkeit in einem dieser Bereiche schließt in der Regel die redaktionelle Bearbeitung inhaltlich verwandter Themen bei ZEIT ONLINE für den Zeitraum eines Jahres nach Abschluss der jeweiligen Tätigkeit in Marketing und PR aus, wenn nicht in beiderseitigem Einvernehmen eine Regelung getroffen werden konnte, die eine Einflussnahme auf die Berichterstattung ausschließt.

2. QUALITÄTSSICHERUNG

a. Jeder auf ZEIT ONLINE erscheinende Text wird außer vom Autor noch von mindestens einer weiteren Person auf sachliche und stilistische Qualität überprüft und anschließend von einem Korrektor bzw. Schlussredakteur auf Rechtschreibung überprüft. Die Verantwortung für die Richtigkeit von Daten und Fakten verbleibt beim Autor bzw. dem im Impressum als „verantwortlich“ genannten.

b. Bei berechtigter Kritik durch Online-Leser an einem Text aus der Redaktion von ZEIT ONLINE melden sich Online-Redakteure im Kommentar-Thread unter ihrem Artikel selbst zu Wort. Faktische Fehler werden dabei in folgender Weise berichtigt:

  • Korrektur der betreffenden Textstelle
  • Ein Hinweis unter dem Text, dass korrigiert wurde.
  • Sofern geboten: Im Kommentarthread eine Antwort an den jeweiligen Leser, die seinen Hinweis anerkennt.

Inhaltliche Fehler online nur stillschweigend auszubessern, ist nicht akzeptabel.

3. BEZIEHUNG ZU ANZEIGENKUNDEN

a. Anzeigenkunden haben keine Möglichkeit, den redaktionellen Inhalt zu beeinflussen. Einzelne Themen tauchen zwar durchaus auch aufgrund möglicher Anzeigenerlöse in ihrem jeweiligen Umfeld auf, potenzielle Inserenten haben jedoch keine Möglichkeit, auf Umfang, Art und Urteil der Berichterstattung Einfluss zu nehmen.

b. Kein Anzeigenkunde kann durch die Drohung, Aufträge zu stornieren, kritische Berichterstattung verhindern. Droht ein Anzeigenkunde damit, wird die Redaktion diesen Vorgang veröffentlichen.

c. Anzeigen mit journalistisch wirkenden Inhalten (zum Beispiel Anzeigen-veröffentlichungen/ Advertorials) müssen sich in der Darstellung vom Layout der redaktionellen Inhalte von ZEIT ONLINE so offensichtlich unterscheiden, dass keine Verwechslung möglich ist. Dies betrifft zum Beispiel Schrifttype oder Linkfarbe. Online-Advertorials müssen stringent als „Anzeige“ gekennzeichnet sein. Eine Benennung als „Spezial“, „Verlagsbeilage“ oder „Sonderveröffentlichung“ darf nicht vorkommen.

d. Die Details der auf ZEIT ONLINE einzusetzenden Werbemittel sind in der zwischen Chefredaktion und Verlagsgeschäftsführung regelmäßig definierten Werbemittelkonvention geregelt.

4. VERHÄLTNIS ZU KOMMERZIELLEN PRODUKTEN IM EIGENEN HAUS

a. Kommerzielle Produkte des Verlages werden im redaktionellen Teil nicht besprochen. Beworben werden sie durch Anzeigen. Ausnahmen bilden Non-Profit-Produkte des Verlages.

b. Veranstaltungen, die der Verlag ausrichtet, werden in aller Regel im redaktionellen Teil ZEIT ONLINE nicht besprochen. Wertende Berichterstattung dazu findet grundsätzlich nicht statt. Eine dokumentierende Wiedergabe als Video ist möglich und liegt im Ermessen der Redaktion.

c. Geschäftspartner, die Veranstaltungen, Produkte oder andere Aktivitäten des Verlages unterstützen, haben keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung.

e. Für journalistische Produkte im Bereich von Corporate Publishing (Tempus Corporate GmbH) dürfen Redakteure und feste freie Mitarbeiter nicht aktiv werden. Freie Mitarbeiter von ZEIT ONLINE müssen ihre Mitarbeit im Corporate Publishing offen legen — und sind daraufhin im entsprechenden Themenbereich als Autoren von ZEIT ONLINE für ein Jahr nach Abschluss der jeweiligen Tätigkeit im Corporate Publishing gesperrt.

5. Der Code of Ethics ist eine freiwillige Selbstverpflichtung.

Etwaige Verstöße dagegen ziehen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen nach sich. Davon ausgenommen sind Verstöße gegen Pflichten, die sich bereits aus dem Arbeitsverhältnis der jeweiligen Kollegin/des jeweiligen Kollegen ergeben.

Das scheinen mir Richtlinien mit vielen vorbildlichen und brauchbaren Regeln zu sein. Es ist mir ein Rätsel, warum man sie quasi geheim halten wollte.

Allerdings könnte man angesichts des Wortlautes auch noch einmal fragen, warum sich „Zeit Online“ von Moritz Gathmann trennen musste. Der freie Journalist hatte, wie berichtet, für eine vom Kreml mitfinanzierte Zeitungsbeilage gearbeitet. Er hat diese Arbeit aber jetzt beendet. Unter Punkt 1h heißt es im Kodex, dass eine solche Tätigkeit „in der Regel“ die Bearbeitung ähnlicher Themen bei „Zeit Online“ ausschließe. Die folgende Sperre gelte nur, „wenn nicht in beiderseitigem Einvernehmen eine Regelung getroffen werden konnte, die eine Einflussnahme auf die Berichterstattung ausschließt“.

Jochen Wegner hatte es dagegen so dargestellt, als hätte es keinerlei Entscheidungsspielraum gegeben.

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Gegen einen Notgroschen für besseres öffentlich-rechtliches Fernsehen

12 Mrz 14
12. März 2014

Morgen entscheiden die Ministerpräsidenten, was mit den überschüssigen Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag passieren soll. Nach der Umstellung auf die Haushaltsabgabe wurde viel mehr Geld eingenommen, als dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusteht.

Sechs Verbände von Schauspielern, Drehbuchautoren, Filmschaffenden und Produzenten haben heute einen Vorschlag gemacht: Rund 100 Millionen von dem zuviel eingenommenen Geld sollen ARD und ZDF behalten dürfen, um damit besseres Programm zu machen.

Gut, eigentlich sollen ARD und ZDF das Geld natürlich den Schauspielern, Drehbuchautoren, Filmschaffenden und Produzenten geben, damit die damit ein besseres Programm machen können. Es ist insofern ein leicht durchschaubares, aber völlig legitimes Werben in eigener Sache. Aber die Argumentation dahinter ist von rührender Naivität.

In der gemeinsamen Presseerklärung heißt es:

Die Produzentenallianz und verschiedene Kreativen-Verbände haben sich in mehreren Stellungnahmen dafür ausgesprochen, jedenfalls Teile der zu erwartenden Überschüsse zu nutzen, um ARD und ZDF in die Lage zu versetzen, eine Programmoffensive zu starten (…).

Ahem. Wenn die Sender statt, grob gerechnet, 8 Milliarden Euro 8,1 Milliarden Euro zur Verfügung hätten, dann wären sie plötzlich „in der Lage“, eine Programmoffensive zu starten? Mit all den tollen innovativen Sendungen, die bislang irgendwie nur das Ausland hinkriegt?

Ja, genau so stellen sich das die Filmverbände vor:

Eine solche Programm-Initiative würde es beiden Sendern ermöglichen, vermehrt Programme in Auftrag zu geben, die international Qualitätsstandards setzen und die mit Produktionsbudgets ausgestattet wären, welche es den Produzenten ermöglichen, den Kreativen und den Filmschaffenden Arbeits– und Vergütungsbedingungen zu bieten, die der hohen Qualität ihrer Leistungen entsprechen.

Und dann gibt es endlich auch ein deutsches „House of Cards“, ein deutsches „Homeland“, ein deutsches „Downton Abbey“, ein deutsches „Borgen“? Genau:

Die Mittelkürzungen in den Programmetats von ARD und ZDF sind eine Ursache dafür, dass die heute international anerkannten Programmideen nicht mehr aus Deutschland kommen. Hier sind etwa die TV Serien („House of Cards“, „Homeland“, „Downton Abbey“, „Borgen“ etc.) zu nennen, die weltweit — und auch in Deutschland — wegen der Qualität und Sorgfalt, mit der sie produziert wurden, Anerkennung finden.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Produzenten mit „nicht mehr“ meinen. Welche frühere international anerkannte Programmidee kam denn aus Deutschland? Okay, „Derrick“.

Die Bedingungen, unter denen in Deutschland Fernsehen entsteht, sind sicher schwieriger geworden; Etats, Drehtage, Gagen schrumpfen. Der Anspruch an ARD und ZDF, Arbeitsbedingungen zu schaffen, unter denen hochwertiges, auch innovatives Fernsehen entstehen kann, ist absolut berechtigt. Das ist ihr Auftrag.

Aber was für ein absurder Gedanke, dass dieser Auftrag nicht mit 8 Milliarden Euro erfüllt werden könnte. Oder wenn er nicht mit 8 Milliarden Euro erfüllt werden kann, dass er mit 8,1 Milliarden Euro erfüllt würde.

Ich bin prinzipiell ein Freund des dualen Systems und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Finanzierung durch die Allgemeinheit (obwohl mir die Programme von ARD und ZDF zunehmend Probleme bereiten, das zu begründen). Aber die Idee, dass man den Sendern zusätzlich Geld geben müsste, damit sie herausragendes Fernsehen machen, ist komplett abwegig.

Es ist eine Frage des Wollens. Es ist eine Frage der Prioritätensetzung. Und es ist eine Frage der Senderkultur. Man kann das am Beispiel des dänischen Fernsehens nachlesen, dass deren besonderen, hochwertigen, erfolgreichen Produktionen eben in einem besonderen Umfeld entstanden sind, mit Menschen, die eine Vorstellung von dem hatten, was sie tun wollten, mit einem Sender, der sich seines besonderen Auftrages bewusst war, mit einer Kultur, in der nicht Angst und Risikovermeidung und Quotenfixierung herrscht, sondern die Kreativität ermöglicht, Freiräume schafft, Talente fördert.

Es stimmt schon, dass Geld dabei auch hilft, aber so sehr es in den Sendern aufgrund der eher sinkenden Programmbudgets an einigen Stellen empfindlich kneifen mag, kann doch niemand ernsthaft behaupten, dass es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland insgesamt an Mitteln fehlt.

(Und, wie gesagt, das schreibe ich als einer von gefühlt gar nicht so vielen Menschen, die ARD und ZDF das Geld, das sie jetzt bekommen, noch verhältnismäßig gern zugestehen und sie nicht auf irgendwelche Schwarzbrot– oder Pay-TV-Programme reduzieren wollen. Zur vor-vor-(vor?)-letzten Gebührenerhöhung hab ich noch in der FAS einen Artikel mit der Überschrift „Gebt’s ihnen“ geschrieben. So einer bin ich.)

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs hat vorgeschlagen, den Rundfunkbeitrag um 73 Cent zu senken. Das entspricht der Hälfte des Betrags, der nach ihren Schätzungen gerade zuviel eingenommen wird. Die andere Hälfte soll zurückgelegt werden, für den Fall, dass sich diese Schätzungen als falsch herausstellen, und als Puffer, damit der Beitrag dann nicht sofort wieder erhöht werden muss.

Ich bin sehr für diese Senkung, weil genau das immer die Geschäftsgrundlage für die Umstellung der Rundfunkgebühren war: Wenn dadurch mehr eingenommen wird, bekommen die Bürger das zurück. Das war auch ein entscheidendes Argument, den hysterischen Medienberichten der vergangenen Jahre zu widersprechen, die immer neue, immer höhere Prognosen brachten, wie viel Mehreinnahmen zustande kommen könnten: Dass sich das Geld, das ARD und ZDF bekommen, nicht danach richtet, wieviel eingenommen wird, sondern danach, was sie brauchen und ihnen von der KEF zugestanden wird. Dass man erbittert darüber streiten kann, wie viel das sein sollte, liegt in der Natur der Sache. Aber dieses Prinzip jetzt in Frage zu stellen, wäre falsch und ein gefährliches Signal an die rundfunksbeitragsskeptischen Rundfunkbeitragszahler.

Mögen die 73 Cent auch läppisch wirken: Die Reduzierung wäre ein klares Zeichen und eine vertrauensbildende Maßnahme. Und die Kreativen müssen das Geld, das sie brauchen, um bessere oder wenigstens besser bezahlte Arbeit zu machen, aus dem bestehenden Etat heraus verhandeln. Hilft alles nix.

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Journalismus 2014

12 Mrz 14
12. März 2014

Wörtliche Zitate aus der Berichterstattung von „Spiegel Online“ über den Prozess gegen Uli Hoeneß, der, soviel immerhin darf als gesichert gelten, am Montag begonnen hat.

10. März, 9:42
Wenn nichts dazwischenkommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

10. März, 14:47
Wenn nichts dazwischenkommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

10. März, 18:39
Wenn nichts dazwischenkommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

11. März, 9:17
Im Gerichtssaal unterhalten sich Polizisten. Sie mutmaßen, dass es nach der heutigen Zeugenaussage zur Vertagung des Prozesses kommen könnte, weil das Gericht Zeit zur Prüfung der neuen Zahlen brauche.

11. März, 9:34
[U]rsprünglich wollte der Vorsitzende Richter Rupert Heindl bereits am Donnerstag das Urteil verkünden. Nun muss sich zeigen, ob Hoeneß überraschend umfassendes Geständnis den Zeitplan ändert.

11. März, 10:23
Gerhard Wipijewski von der Bayerischen Finanzgewerkschaft glaubt, dass sich der Prozess angesichts des spektakulären Geständnisses zu Beginn länger hinziehen könnte.

11. März, 10:53
Die Vernehmung der Finanzbeamtin habe erst angefangen, sagt eine Gerichtssprecherin. Doch schon jetzt seien dadurch „etliche Fragen“ aufgeworfen worden. Deshalb sei auch „nicht sicher, ob die Vernehmung der Zeugin heute abgeschlossen werden kann.“

11. März, 11:34
Alles sieht nach einer Verlängerung des Prozesses aus. Es sei „durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden“, sagte eine Gerichtssprecherin.

11. März, 12:01
Ob die Prozessdauer verlängert wird, hängt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft von den weiteren Aussagen der heute vernommenen Finanzbeamtin ab.

11. März, 12:07
Es wird vermutlich nicht zu einer Urteilsverkündung am Donnerstag kommen. „Es ist nicht mehr sehr wahrscheinlich, dass es so sein wird“, sagt Gerichtssprecherin Andrea Titz. Es sei durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden.

11. März, 13:35
Wegen der neuen Enthüllungen und möglicher weiterer Zeugenaussagen ist es unwahrscheinlich, dass das Urteil wie ursprünglich geplant an diesem Donnerstag verkündet wird. „Es ist durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden“, sagte Titz.

11. März, 15:14
Ein schnelles Ende des Prozesses ist nach dem Hoeneß-Geständnis nicht in Sicht.

11. März, 15:50
Wird der Prozess verlängert? Diese Entscheidung soll laut einer Gerichtssprecherin erst am Mittwoch fallen. Zuvor hatte sie es jedoch bereits als „nicht mehr sehr wahrscheinlich“ bezeichnet, dass das Urteil wie ursprünglich geplant schon am Donnerstag fällt.

11. März, 18:47
Der Zeitplan mit einer raschen Urteilsverkündung am Donnerstag ist (…) trotz der neuen Entwicklungen weiterhin möglich — allerdings keineswegs sicher. Das Gericht will erst noch den Mittwoch abwarten.

12. März, 9:39
Verspätung: Eigentlich hätte der dritte Prozesstag vor einigen Minuten beginnen sollen. Bislang sind aber weder das Gericht noch Anklage, noch Verteidigung im Saal. Warum, ist derzeit unklar.

12. März, 9:57
Laut eines Sprechers der Staatsanwaltschaft ist mit einem Abschluss des Verfahrens am Donnerstag zu rechnen, falls die Zeugenanhörung heute abgeschlossen werden kann. Ob es wirklich dabei bleibt?

12. März, 10:13
Bislang ist noch nichts aus dem Gerichtssaal durchgesickert. Auch wir warten auf neue Informationen.

12. März, 10:58
Ob wie geplant am Donnerstag auch das Urteil gegen den 62-jährigen Hoeneß gesprochen wird, steht im Augenblick nicht fest.

12. März, 11:02
(…) es könnte also tatsächlich beim ursprünglichen Zeitplan bleiben.

12. März, 11:18
Die Gerichtssprecherin hält ein Ende des spektakulären Steuerprozesses gegen Uli Hoeneß bereits am Donnerstag für „höchstwahrscheinlich“ (…) Wenn es keine weiteren Beweisanträge gibt, können am Donnerstag die Plädoyers folgen und dann die Urteilsverkündung, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz.

Aufmacher auf „Spiegel Online“:

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Kurzer Prozess: „Zeit Online“ und der geschasste 150-Euro-Reporter

11 Mrz 14
11. März 2014

Unter den Artikeln, die der freie Journalist Moritz Gathmann für „Zeit Online“ über die Ukraine geschrieben hat, steht seit kurzem folgender Hinweis:

Offenlegung: Der Autor arbeitet für die vom russischen Staat mitfinanzierte Zeitungsbeilage Russland heute. Dies entspricht nicht unseren Grundsätzen. Wir entschuldigen uns dafür.

Testfrage: Wofür genau entschuldigt sich „Zeit Online“?

Man würde annehmen, dass Leute, deren Beruf es ist, mit Sprache umzugehen, es schafften, eine solche Offenlegung klar zu formulieren. Aber vermutlich ist das im konkreten Fall keine Frage des Könnens, sondern des Wollens.

„Zeit Online“ hat an den Texten von Moritz Gathmann nichts auszusetzen. Markus Horeld, der stellvertretende Chefredakteur, sagte gegenüber dem Mediendienst „Newsroom“: „Wir waren mit seinen Beiträge[n] sehr zufrieden.“

Nicht zufrieden ist „Zeit Online“ damit, dass Gathmann außer für „Zeit Online“ auch für „Russland heute“ gearbeitet hat, ein deutschsprachiges Monatsmagazin, das der „Süddeutschen Zeitung“ beiliegt, vom Kreml finanziert wird und die Aufgabe hat, das angeblich „einseitige Bild“ Russlands in den ausländischen Medien zu korrigieren.

Dass Gathmann für „Russland heute“ gearbeitet hat, war kein Geheimnis. Es stand auf seiner Internetseite. (Vor allem habe er Texte redigiert und über eher unverfängliche Themen berichtet, sagt er.) „Zeit Online“ hat sich dafür wohl nicht interessiert, bis David Schraven sich darüber beschwert hat.

David Schraven leitet das Ressort „Recherche“ bei der Funke-Mediengruppe („WAZ“), er sitzt im Vorstand von „Netzwerk Recherche“ und er hat, was womöglich nicht ganz unwesentlich ist, eine andere Meinung zu den Vorgängen in der Ukraine als Gathmann. „Eher voreingenommen und gefärbt“, nennt er dessen Artikel.

Er fand einen Weg, sehr schnell etwas dagegen zu tun. Am Samstag um 17 Uhr twitterte er Jochen Wegner an, den Chefredakteur von „Zeit Online“:

diverse Sichtweisen in der Zeit sind gut. Aber es wär besser zu sagen, dass Moritz Gathmann für Russlands Propagandadienst schafft

Wegner ist zwar gerade in den USA auf einer Konferenz, antwortete aber eine Stunde später:

Ja, wir diskutieren dies gerade (auch aus anderen Gründen). Ich melde mich in spätestens 2h.

Es dauerte kaum mehr als eine Stunde, bis Wegner schnell mal geklärt hatte, dass die Zusammenarbeit mit dem freien Autor (an dessen Texten für „Zeit Online“ man, wie gesagt, nichts auszusetzen hat) mit sofortiger Wirkung beendet wird, was er ebenfalls auf Twitter bekanntgab.

So zügig geht das heute, dank Twitter, auch am Wochenende, auch aus der Ferne, wer wollte da bis zum folgenden Montag abwarten, um womöglich ein Gespräch mit dem betroffenen und eigentlich respektierten Autor abzuwarten?

David Schraven fand’s jedenfalls super so. „Danke“, twitterte er Wegner zurück, und lobte die unkomplizierte Ruck-Zuck-Trennung auf Facebook als „gut und bewundernswert“. Na, von so einem Mann möchte man doch gerne seine Interessen als Journalist vertreten lassen.

Nun räumt Gathmann selbst ein, dass die Arbeit für ein Medium, das vom russischen Staat mitfinanziert wird, problematisch war — jedenfalls in der aktuellen politischen Situation und „angesichts der immer stärker werdenden medialen Polarisierung aufgrund der Ukraine-Krise“. Er hat diese Arbeit jetzt beendet.

Warum war das nicht die Lösung: Gathmann arbeitet nicht mehr für „Russland heute“ und dafür weiter für „Zeit Online“? Weil dessen Ethik-Kodex das angeblich nicht erlaubt. „Unsere Grundsätze sehen eine Übergangszeit von mehreren Monaten vor“, antwortet mir Markus Horeld. „Heißt: Ein Autor kann erst nach einer gewissen Zeit wieder für uns über ein Thema schreiben, für das er zuvor PR o.ä. gemacht hat.“

Es geht also nur und ausschließlich ums Prinzip. „Zeit Online“ hat es vorher verschlafen, sich darum zu kümmern, ob der Reporter den Verhaltenskodex erfüllt, erzwingt diesen Verhaltenskodex aber im Nachhinein gnadenlos. Gathmann sagt übrigens, er habe von diesem Kodex und seinen Vorgaben, denen seine Arbeit für „Russland heute“ widersprach, nichts gewusst.

„PR o.ä.“ ist übrigens in diesem Fall eine treffend vage Beschreibung. Hat Gathmann wirklich PR für Russland gemacht? Das soll keine rhetorische Frage sein, sondern eine offene — meiner Meinung nach liegt die Antwort nämlich nicht auf der Hand.

Aber vielleicht bin ich da auch befangen, denn mir hat der „Spiegel“ vor ein paar Jahren vorgeworfen, als Medienjournalist für ein Magazin gearbeitet zu haben, das von ProSiebenSat.1 herausgegeben wird. Mir ist schon klar, dass die Fallhöhe und Brisanz in Gathmanns Fall um ein vielfaches größer sind, aber es geht „Zeit Online“ ja ums Prinzip, und das ist dann vielleicht doch vergleichbar.

Ich glaube im konkreten Fall unabhängig von der Frage, ob „PR“ der richtige Ausdruck ist, dass der Interessenkonflikt zu groß ist. Und dass es notwendig war, dass Gathmann nicht mehr für „Russland heute“ arbeitet. Aber solche und ähnliche Konflikte werden in Zukunft häufiger auftreten, nämlich zunehmend mit der abnehmenden Bereitschaft oder Fähigkeit unabhängiger Medien, Journalismus ordentlich zu bezahlen.

Gathmann formulierte es gegenüber „Newsroom“ so: „In gewisser Weise hat die Redakteursarbeit für Russland Heute mir auch erlaubt, mich in der übrigen Zeit mit ‚reinem‘, aber schlecht bezahltem Journalismus zu beschäftigen.“

Konkret hat er für seine Texte von „Zeit Online“ offenbar den „Standardsatz“ für Texte von mehr als 5000 Zeichen bekommen. Das sind 150 Euro. Außerdem hat sich „Zeit Online“ offenbar an den Spesen beteiligt.

Gathmann will sich über diese Bezahlung gar nicht beklagen. „Wenn gerade Revolution ist“, hätten Journalisten und Experten wie er kaum Finanzierungsprobleme. Schwierig sei eher die Zeit zwischen den Krisen, wenn die Medien keinen besonderen Bedarf an Berichterstattung aus Russland oder der Ukraine haben. Da hilft natürlich, scheinbar, ein Auftraggeber wie „Russland heute“.

Matthias Dell hat im „Altpapier“ heute einen dazu passenden Text von Gemma Pörzgen zitiert, die vor einem halben Jahr in der „taz“ darüber schrieb, dass „deutsche Zeitungen immer weniger Wert auf den eigenen Korrespondenten und ein Büro in Moskau zu legen [scheinen]“. Wieviel günstiger so ein freier Journalist ist, kann man da erahnen, und im Zweifel ist man ihn auch innerhalb von zwei Tweets los.

Gathmann sagt, dass andere deutsche Medien weiter mit ihm zusammenarbeiten wollen.

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Super-Symbolfoto (102)

11 Mrz 14
11. März 2014

Teile des deutschen Journalismus sind ja seit gestern damit beschäftigt, das Gesicht von Uli Hoeneß zu beschreiben und zu interpretieren. „Spiegel Online“ hat freundlicherweise sogar eine Bildergalerie gemacht, mit vier Fotos und vier Stellen aus dem Geständnis des FC-Bayern-Präsidenten.

Und wenn man sich da so durchklickt …

… ich glaube, beim vierten, da wirkt er echt ein bisschen angefasst.

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