Flausch am Sonntag (61)

23 Feb 14
23. Februar 2014

[eingesandt von BlueKO]

Huffington Copy & Paste

21 Feb 14
21. Februar 2014

An dieser Stelle hatte ich der „Huffington Post Deutschland“ vorgeworfen, dass sie einen Artikel auf ihre Seite gestellt hat, der fast eins zu eins mit einem Artikel auf Süddeutsche.de identisch ist. Der Text wurde aber von der „SZ“ selbst als Vorabmeldung verschickt, samt dem Zusatz: „Sofort frei zur Veröffentlichung!“

Das hatte ich übersehen. Tut mir leid!

Matthias Matussek scheitert an Fragebogen für Siebtklässler

20 Feb 14
20. Februar 2014

Okay, ich bin dann doch nicht so wahnsinnig gut darin, Matthias Matussek zu ignorieren. Aber ich habe einen winzigen Rest Hoffnung, dass es gelingen könnte, ihm eine Sache zu erklären, nur diesen einen Punkt, den er an dieser Homosexualitätssache so grotesk missverstanden hat und der einen furchtbaren und furchtbar unnötigen Schnappatmungsanfall bei ihm ausgelöst hat.

Es ist die Sache mit der Handreichung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „Lesbische und schwule Lebensweisen – ein Thema für die Schule“. Darin hat Matussek etwas gefunden, was er für „das Dümmste und Seichteste an versuchter Gehirnwäsche und Erziehung zum ‚Neuen Menschen‘“ hält, das er „seit Jahren“ gelesen hat. Und was er für den zentralen Punkt hält, um den es in Baden-Württemberg („und auch in den Millionenmärschen in Paris“) geht.

Ich zitiere mal ausführlich und am Stück aus dem, was er im „European“ schreibt, damit man eine Ahnung davon bekommt, wie sehr die Pferde mit ihm durchgegangen sind:

In einem „heterosexuellen Fragebogen“ für Siebtklässler, also pubertierende 13– bis 14-Jährige wird diese Gewissenserforschung betrieben:

  • Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität?
  • Wann und warum hast Du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
  • Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?
  • Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen gleichen Geschlechts kommt?

Und ist es möglich, dass da ein paar schlechtgelaunte bärtige Sandalenträger in selbstgestrickten Pullovern ebenso selbstgestrickte Kulturstrategien ausknobeln, die zwischen Unverschämtheit und Klippschusterwissen hin und herpendeln, um den „neuen Menschen“ zu erziehen?

Was soll ein 13-Jähriger auf die Frage antworten, woher seine Heterosexualität kommt? Und was, ob diese eine Phase ist? Ganz nebenbei wird hier übrigens insinuiert, dass Homosexualität kein genetisches Schicksal ist, sondern eine frei zu entscheidende Wahl. Ihr müsst euch mal langsam entscheiden, Leute! Um die pubertierenden 14-Jährigen völlig verrückt zu machen, wird ihnen die beliebte Vermutung, dass die Normalen, die man „Heterosexuelle“ nennt, eine „neurotische Angst vor Menschen gleichen Geschlechts“ hätten, in eine Frage gegossen — sind die noch zu retten?

Doch damit nicht genug. Während Homosexualität offenbar als genetisch bedingt angesehen wird, wird nun die Heterosexualität zu einer Variablen; zu einer Wahl, die sich ändern lässt.

Denn Frage 11 — und jetzt kommt’s — lautet: „Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschock-Therapie zu machen?“

Das steht da tatsächlich! Das haben sich diese Frankensteins tatsächlich aus ihren wirren Schädeln qualmen lassen.

Vielleicht kann mir ein Deutschlehrer unter den Lesern sagen, ab welcher Klasse man ein Leseverständnis bei den Schülern voraussetzen würde, das zur richtigen Interpretation dieses Fragebogens befähigt.

Ich versuche es, für Matussek, mit einfachen Worten zu erklären. Das Ziel dieses Fragebogens ist nicht, die Schüler an ihrer Heterosexualität zweifeln zu lassen. Das Ziel dieses Fragebogens ist es, die Schüler am Sinn dieser Fragen zweifeln zu lassen.

Es handelt sich um Fragen, mit denen sich klassischerweise Lesben und Schwule konfrontiert sehen. Dadurch, dass die Fragen, Mythen und Stereotypen (Homosexualität ist nur eine Phase / Homosexualität ist eine Neurose / Homosexuelle haben besonders häufig Geschlechtskrankheiten und sind besonders häufig Päderasten / Homosexuelle sind unglücklich, aber Homosexualität lässt sich mit der richtigen Therapie wieder aberziehen) umgekehrt und auf Heterosexualität angewandt werden, sollen die Schüler erkennen, wie sinnlos diese Fragen sind, wie merkwürdig die Annahmen sind, die ihnen zugrunde liegen, wie groß die Zumutung ist, ihnen ausgesetzt zu sein.

Lesen Sie sich den Fragebogen durch (hier, Seite 20/21), das kann man doch gar nicht missverstehen, wenn man nicht komplett verbohrt ist? (Birgit Kelle und viele ihrer Mitstreiter haben es auch nicht verstanden oder nicht verstehen wollen.)

Das Ziel des Fragebogens ist in der Handreichung selbst angegeben: „Vorurteile und Stereotype“ sollen „deutlich gemacht“ werden.

Und die Vorlage für diesen Fragebogen ist auch angegeben: Es ist das „Heterosexual Questionnaire“ von Dr. Martin Rochlin, dem Gründer der Society for the Psychological Study of Lesbian and Gay Issues, einem Teil der Psychologen-Vereinigung in den USA.

Rochlins Fragebogen ist von 1972. Er ist über vierzig Jahre alt. Und mit einer schlichten Google-Suche hätte Matussek nicht nur das Original gefunden, sondern sogar eine Interpretationshilfe:

The heterosexual questionnaire was created back in 1972 to put heterosexual people in the shoes of a gay person for just a moment. Questions and assumptions made of gays and lesbians that are unfair, are reversed and this time asked to straight people to demonstrate their absurdity.

Ja: Die Fragen, über die sich der homophobe Publizist so echauffiert, sind schlimm, falsch und grotesk. Genau das ist der Witz. Das zu erkennen und auf die Fragen zu übertragen, mit denen sonst Homosexuelle konfrontiert werden, ist das Lernziel dieses Fragebogens.

Dieses Fragebogens für Siebtklässler.

Und der Mann, dessen Leseverständnis nicht ausreicht, um das richtig zu interpretieren, und der sich stattdessen in einen Empörungsrausch über die „Frankensteins“ schreibt, die so etwas „tatsächlich aus ihren wirren Schädeln qualmen lassen“, war eine Weile Kulturchef beim „Spiegel“.

Das wär jetzt wirklich mal ein Punkt zum Hände-über-dem-Kopf-Zusammenschlagen.

Zünglein an der Gage

20 Feb 14
20. Februar 2014

Vielleicht hat Marco Angelini, der aus dem RTL-Dschungelcamp unbekannte österreichische Sänger, neulich hinter den Kulissen einer Wiedersehensshow seine Garderobe verwüstet. Vermutlich nicht.

Ist auch egal, werden Sie jetzt sagen. Egal.

Am Dienstag meldete „Bild“, dass Angelini „komplett“ ausgerastet sei. Mit „komplett“ ist gemeint:

DER ÖSI SOLL SEINE GARDEROBE VERWÜSTET HABEN!

Jaha, soll, Verzeihung: SOLL!

Für ein Blatt, dem es sonst wirklich nicht drauf ankommt, ob etwas stimmt, formuliert „Bild“ erstaunlich vorsichtig:

Dann stürmte ANGRYlini in seine Garderobe und soll seinem Frust freien Lauf gelassen haben — wie ein echter Rockstar. Tische und Stühle sollen geflogen sein, das Fenster der Garderobe ging wohl zu Bruch. Man spricht von 1000 bis 3500 Euro Schaden.

Es klingt nicht so, als ob „Bild“-Reporter Daniel Cremer selbst überzeugt wäre, dass das Fenster der Garderobe zu Bruch ging, oder jemanden gefunden hätte, der wüsste, was für ein Schaden dabei entstand. („Tja, keine Ahnung, was so ein Garderobenfenster kostet. Tausend Euro? Vielleicht auch das dreieinhalbfache, wasweißich.“)

Nun beschäftigt die „Bild“-Zeitung für solche Fälle jemanden, der sich vorstellen kann, wie etwas passiert ist, von dem man nicht einmal weiß, ob es passiert ist: Die Zeichnerin Silke Bachmann.

Wenn Sie einmal schauen mögen.

Das ist also offensichtlich ein Ikea-„Lack“-Tischchen, das da, öh, hm. (Nach meiner persönlichen Erfahrung wäre es in dieser Konstellation nicht das Fenster, das kaputt geht, aber gut.)

Soweit, so „Bild“.

Nun sagt RTL aber: „An der Verwüstungs-Geschichte ist nichts dran: Weder RTL, der Produktion, noch dem Studiobetreiber ist die angebliche Demolierung bekannt, die Garderobe ist völlig in Ordnung.“

Und verweist unter anderem auf einen Artikel der österreichischen Seite news.at, wo Angelini mit den Worten zitiert wird: „Das ist alles erstunken und erlogen, dafür habe ich Zeugen.“ Er kündigt an, rechtlich gegen „Bild“ vorzugehen, bzw. auf österreichisch: „Ich bin stinksauer. Das ist das erste Mal, dass ich ein Medium klagen werde.“

Nun dachten wir bei BILDblog (genauer: der Mats), fragen wir doch einfach mal direkt beim Management von Angelini nach, was denn da passiert ist und wie genau die rechtlichen Schritte sein sollen. Es handelt sich um die Berliner Firma 2DayRecords GmbH von Alexander J. Benz („Label Owner / Manager / Producer / Songwriter“).

Erst bekamen wir keine Antwort.

Dann doch:

Hallo Herr Schönauer,

dazu können wir uns nur gegen eine Gagenzahlung äußern.

Beste Grüße
Alexander

Ah. Tja, blöd.

Auf dem Fahrrad zu Al-Qaida: Freie Journalisten werben wie die „Zeit“

18 Feb 14
18. Februar 2014

Die „Zeit“ hat vor ein paar Tagen eine etwas merkwürdige Werbekampagne gestartet, in der man einigen ihrer Autoren beim Laufen, Fahren und Gefahrenwerden zusehen und beim Reden zuhören, aber nicht beim Reden zusehen kann. Das hat bestimmt irgendetwas zu bedeuten, soll aber hier gar nicht das Thema sein.

Die „Freischreiber“, der Verband der freien Journalisten (bei dem ich Mitglied bin), fanden das jedenfalls eine wunderbare Vorlage für eine Parodie. Für eigene Filme („ebenfalls hochemotionale, sehr persönliche Erzählstücke“), die nicht das Autorensein poetisch illustrieren, sondern sich mit den Bedingungen beschäftigen, unter denen freie Autoren arbeiten.

Anstelle von Wolfgang Bauer, der auf dem Fahrrad fährt und dabei über Al Qaida redet („Ich glaub, die Welt wird zusammengehalten von Emotionen und gesteuert durch Emotionen“) …

… sehen wir zum Beispiel Jakob Vicari, der auf dem Fahrrad zu Al-Qaida fährt („Ich habe dann lange versucht, ein richtiges Gefährt zu bekommen. Ich wollte einen Panzerwagen, wenigstens einen Jeep. ‚Das Fahrrad reicht‘, hat die Redaktion gesagt“):

Auf der „Freischreiber“-Seite kann man sich alle fünf Originale und Parodien ansehen. „Wir begrüßen das Ansinnen, die Menschen und Bedingungen zu zeigen, die Qualitätsjournalismus schaffen“, erklärt der Verband. Der Vorsitzende Benno Stieber sagt: „Gerne nehmen wir diese Einladung an. Lassen Sie uns gemeinsam für Autoren und faire Produktionsbedingungen im Journalismus werben.“