Die meisten Zeitungen zahlen ihren freien Mitarbeitern erbärmliche Honorare. Eine gängige Antwort auf die Frage, wie die freien Journalisten denn davon leben sollen, lautet: Die meisten müssen ja gar nicht davon leben, sondern verdienen noch anders ihr Geld. Das könnte sogar stimmen.

Unten auf der Ostvorpommern-Seite der »Ostsee-Zeitung«, zum Beispiel, erschien gestern ein Artikel über die Zeugnisübergabe an der Außenstelle Bandelin der Berufsfachschule Greifswald:

Es scheint eine wunderbare Schule zu sein, deren Absolventen wirklich allerbeste Voraussetzungen haben.

(…) Die 23-jährige Greifswalderin hat ab August einen Job beim hiesigen Diakonieverein und fühlt sich für die Herausforderungen im Therapiebereich gut gewappnet.

Mit 18 Jahren startete Katharina in Bandelin die zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin. Anschließend
hängte sie an der Außenstelle der Berufsfachschule Greifswald, einem Unternehmen der Medigreif Gruppe, noch drei Jahre dran und ist nun Heilerzieherin. (…)

Für das neue Schuljahr sind die Klassen für die Zweige Sozialassistenz und Erzieher mit je 28 Schülern bereits
komplett belegt, wie Gerlinde Beyer sagt. »Lediglich bei den Heilerziehungspflegern haben wir noch einige Plätze frei.“ Die Berufsschüler kommen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern nach Bandelin, ergänzt Dr. Barb Neumann, die Leiterin der Berufsfachschule. (…)

Nun weiß ich natürlich nicht, was »Ostsee-Zeitungs«-Autor Dirk Lenz, dessen Kürzel »D. L.« unter dem Artikel steht, für ein Zeilenhonorar bekommen hat für den Text. Aber ich nehme an, er wird auch mit ein paar Cent zufrieden gewesen sein. Dirk Lenz arbeitet bei der Medigreif Gruppe, die die Berufsfachschule betreibt, und verantwortet deren Presse– und Öffentlichkeitsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Aber das steht natürlich nicht in der »Ostsee-Zeitung«.

[mit Dank an Thomas Niehoff]