Aus dem Online-Angebot von »Vanity Fair« sind nun sämtliche Artikel von Peter Turi verschwunden, der dort bis vorletzte Woche noch unter dem Titel »Turi am Sonntag« über Medien bloggte. Wer die Seiten aufruft, erhält nur eine Fehlermeldung — und in einem Fall eine einzelne, traurige Überschrift, die wohl versehentlich stehengeblieben ist.
Ob und wie das mit der Abmahnung durch Don Alphonso zusammenhängt, der erfolgreich gegen ein Foto und eine Formulierung vorgegangen ist, oder mit der fehlerhaften Berichterstattung über einen Rechtsstreit mit anderen Beteiligten im selben Artikel oder mit Turis Weigerung, sich mit der Kritik überhaupt auseinanderzusetzen — ich weiß es nicht.
[via Blogbar]
Nachtrag, 12.20 Uhr. Der Condé-Nast-Verlag teilt mir mit:
»Der Blog wird in seiner bisherigen Form nicht weitergeführt; Peter Turi ist jedoch nach wie vor als Autor für Vanity Fair tätig.«
Auf meine Frage, warum alle bisherigen Beiträge Turis gelöscht wurden, habe ich bisher keine Antwort bekommen.
Nachtrag, 12.55 Uhr. Jetzt aber:
»Sie wurden nicht gelöscht; die wichtigsten Beiträge von Turi werden gerade in Artikel überführt, daher sind sie gerade nicht online.«
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[Disclosure: Peter Turi war vor vielen Jahren ein Auftraggeber von mir; José Redondo-Vega ist vor etwas weniger Jahren — weitgehend erfolgreich — juristisch gegen einen Artikel von mir vorgegangen; mit ix bin ich befreundet. Man könnte diesen Eintrag also als persönliche Angelegenheit verstehen. Das wäre aber ein Missverständnis.]
In den vergangenen Tagen sind ein paar Dinge aus dem Internet verschwunden. Eine Art Jugendfoto von Don Alphonso auf den Online-Seiten von »Vanity Fair« zum Beispiel (verkleinerter und verfremdeter Screenshot rechts). Und aus dem Artikel namens »Minenfeld 2.0″, den es bebilderte, fünf Wörter:
Auftritt Don Alphonso, selbsternannter Rächer der Entbehrten, Beschützer von Web-Witwen und Waisenknaben. Heißt im wahren Leben Rainer Meyer, lebt vom Erbe seiner Eltern und dem Glauben, dass ohne ihn die Blogosphäre unter die »Johurnaille, PR-Nutten und Blog-Versager« fällt.
Auch aus turi2.de, der »Seite für Medienmacher« von Peter Turi, dem Autor des vanityfair.de-Artikels sind Foto und Textstelle ohne Erklärung entfernt worden.
Don Alphonso (oder Rainer Mayer) ist juristisch gegen beides vorgegangen. Das mit dem Erbe seiner Eltern sei in doppelter Hinsicht falsch, sagt er: Sie leben, und er lebt nicht von ihnen. Da geht es um Rufschädigung und falsche Tatsachenbehauptung. Und das Foto hätten Turi bzw. vanityfair.de rechtswidrig verwendet, dazu noch ohne Quellenangabe. Seine Abmahnungen haben offenkundig Wirkung gezeigt.
Es ist noch etwas verschwunden in den letzten Tagen aus dem Online-Auftritt von »Vanity Fair«: Turis Name in der Übersicht über die Blogs, die die Illustrierte anbietet. Das muss nicht unbedingt miteinander zusammenhängen, aber Tatsache ist: Aktuell gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Medienkolumne »Turi am Sonntag« auf vanityfair.de noch fortgesetzt wird.
Mindestens so interessant ist allerdings, was nicht verschwunden ist aus dem Online-Auftritt von »Vanity Fair« und Turis Artikel: Mehrere falsche Aussagen über einen Rechtsstreit zwischen dem Blogger ix (Felix Schwenzel) und dem Kress-Verlag. Turis Blog-Einträge sind notorisch ungenau, und auch in diesem Fall hat er einige Behauptungen aufgestellt, die nachweislich nicht stimmen. Das ist für die Beteiligten besonders ärgerlich, weil es sich um einen laufenden Rechtsstreit handelt.
Turi wusste, bevor er den Artikel veröffentlichte, über die Fehler darin. Und der Redaktionsleiter von vanityfair.de, José Redondo-Vega, ist am Tag darauf von ix darauf hingewiesen worden. Als ix zwei Wochen später noch keine Antwort hatte und der Artikel unverändert dastand, fragte ich bei Redondo-Vega nach:
- Ist es Politik von vanityfair.de, Artikel auch dann zu veröffentlichen, wenn sie fehlerhaft sind?
- Ist es Politik von vanityfair.de, fehlerhafte Artikel auch nachträglich nicht zu korrigieren?
- Antworten Sie grundsätzlich nicht, wenn Sie ein Betroffener auf Fehler in einem Artikel auf vanityfair.de hinweist, oder ist das nur im konkreten Fall so?
Redondo-Vega antwortete mir, dass die Klärung des Sachverhaltes laufe, er sich aber nur gegenüber den Betroffenen äußern werde. (Er lehnte meine Bitte ab, seine Antwort hier veröffentlichen zu dürfen.) Plötzlich bekam aber auch ix eine Antwort (die man ebenfalls nicht veröffentlichen darf), in der Redondo-Vega beteuerte, die Vorwürfe ernst zu nehmen und ix empfahl, niemandem mehr von der Angelegenheit zu erzählen (einen Grund, warum das in Felix‹ Interesse sein sollte, nannte er nicht). Redondo-Vegas Wunsch nach Akteneinsicht lehnte ix ab; seitdem hat er nichts mehr von vanityfair.de gehört.
Dafür bekam ich eine E-Mail von Peter Turi, der schrieb, er sei von Redondo-Vega gebeten worden, meine Mail zu beantworten. Seine Antwort lautet vollständig:
Mir ist die Zeit zu schade, um auf Mails ohne jedwede Substanz einzugehen.
Vielleicht fehlte ihm die Substanz, die Don Alphonso in Form eines Anwalts mitbrachte.
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Es ist ja nicht nur 9Live.
Da gibt es auch noch Stephan Mayerbacher und seine Firma CallActive, die täglich im Auftrag von MTV dubiose Anrufsendungen produziert. Zu den Spezialitäten seiner Sendungen, die von Frauen moderiert werden, die man nicht »Animösen« nennen darf, gehört es, über einen längeren Zeitraum mit sehr hohen Gewinnsummen zu locken, die später wieder reduziert werden. Während der Phasen mit hohen Gewinnsummen wird oft niemand durchgestellt. Oder, wenn doch, ist auffallend oft niemand dran, jemand legt sofort wieder auf, der Anrufer ist nicht zu verstehen oder er gibt (selbst bei leichten Rätseln) eine grotesk falsche Antwort.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese merkwürdigen Anrufe zufällig zu diesen für CallActive günstigen Zeiten so ballen, ist gering. Wer die Sendungen häufig sieht, kommt fast zwangsläufig auf den Gedanken, diese Anrufe würden vom Veranstalter gefälscht.
Als im Forum call-in-tv.de, das sich intensiv mit den entsprechenden Shows beschäftigt, diese merkwürdigen Anrufe aus naheliegenden Gründen »Fake-Anrufe« genannt wurden, ging Stephan Mayerbacher aus ebenso naheliegenden Gründen dagegen vor. Marc Doehler, Betreiber des Forums, musste eine Unterlassungserklärung abgeben. Nun ja: Der Beweis, dass es sich wirklich um »Fake-Anrufe« handelt, ist schwer und wäre wohl nötig.
Um zu verhindern, dass andere Forennutzer weiter das verbotene Wort benutzten, baute Doehler in das Forum eine Sperre ein: Begriffe wie »Fake-Anrufer« werden von der Software automatisch in »verwirrte Anrufer« umgewandelt.
Dennoch wurde Doehler gestern wieder von CallActive abgemahnt. Meyerbachers Anwalt schreibt:
»Inzwischen hat sich (…) auf der Website der Begriff ›verwirrte Anrufer‹ als Synonym für ›Fake-Anrufer‹ durchgesetzt. Jeder User weiß, dass mit ›verwirrte Anrufer‹ tatsächlich ›gefakte‹ Anrufe gemeint sind, und die User benutzen inzwischen den Begriff ›verwirrte Anrufer‹ auch entsprechend.
Bei den von unserer Mandantin produzierten Programmen gibt es keine gefälschten bzw. gefakten Anrufe. Durch die bewusste Verwendung des Wortes ›verwirrte Anrufer‹ für ›Fake-Anrufe‹ behaupten Sie aber gerade dies.«
Doehler wird aufgefordert, es künftig zu unterlassen,
»unter Bezug auf Quizsendungen in den Fernsehprogrammen VIVA plus [gemeint ist vermutlich Viva], NICK oder Comedy Central, zu behaupten und/oder behaupten zu lassen,
dort gäbe es ›verwirrte Anrufer‹, insbesondere wenn dieser Begriff ›verwirrte Anrufer‹ als Synonym für ›Fake-Anrufe‹ verwendet wird.«
Als Gegenstandswert haben die Anwälte 50.000 Euro festgelegt; allein für die Abmahnung verlangen sie daher von Doehler 1379,80 Euro.
Nachtrag: Marc Doehler wird die geforderte Unterlassungserklärung nach Angaben seines Anwaltes nicht abgeben.
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— von Sascha
Oft wird Blogs vorgeworfen, unsachlich, übersubjektiv und vor allem quellenlos gerüchteverseucht zu sein. Ich kann das bestätigen. Mir werden praktisch ständig — fast immer anonym — Gerüchte zugetragen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, diesem zum Grossteil widerwärtigen, hanebüchenen und hinterhältigen Gerede ein für alle Mal eine deutliche Absage zu erteilen.
Am deutlichsten möchte ich mich von dem unfairen Gerücht distanzieren, Peter Turi sei »ein aufgeblasener Windbeutel«, der »vor Selbstherrlichkeit kaum laufen« könne und »aus dem richtigen Winkel« könne man »durch sein eines Ohr rein durchs andere Ohr hinaus auf die andere Seite sehen«. Eine glatte Unverschämtheit. Mir ist das nun mehrfach zugetragen worden, ich muss widersprechen, denn als ich Turi das letzte Mal sah, konnte er sehr wohl laufen. Ob aus Selbstherrlichkeit oder anderen Gründen konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht nachprüfen.
Aber auch das Gerücht, dass der Kress Report mit seiner angeblichen Abmahnung von verschiedenen Bloggern »kackdackelhaft gehandelt« habe, damit »unsouveräne Unsouveränität bewiesen« habe und sich sowieso »auf einem gladbachartig absteigenden Ast« befinde, halte ich in dieser rohen Form ausgedrückt für explizit falsch, gemein und generell unflauschig gesprochen (auch Borussia Mönchen-Gladbach gegenüber).
Das von Harald Martenstein in die Welt gesetzte Gerücht, Adolf Hitler sei »innerlich … ein Gegner des NS-Regimes« gewesen, kann ich so ebenfalls nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil habe ich den schrecklichen Verdacht, dass Hitler Antisemit gewesen sein könnte.
Beinahe ebenso ärgerlich ist das aktuelle Gerücht, Stefan Niggemeier habe Felix Schwenzel und mich als Urlaubsvertretung engagiert, um im Kontrast zu unseren »käsekuchigen Bloggerscherzchen« seinen »Qualitätsjournalismus in Blogform« besonders deutlich herausstechen zu lassen. Niggemeier habe sich letztlich nur »wegen einer Mischung aus Ekelfaszination und Experimentierfreude an der Grenze zur Selbstverachtung« darauf eingelassen, werde sich aber »nach einer Woche Dauerplattitüden zweier noch nicht mal witziger Witzfiguren« als »Qualitätserlöser« feiern lassen.
Um ehrlich zu sein, denke ich unter dem Einfluss von einer solchen Vielzahl von Abscheulichkeiten doch wieder über einen Blogger-Kodex nach und könnte mir inzwischen sogar die Einführung eines Zwangssmileys für ironische Beiträge vorstellen.
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Wie nennt man den Beruf, den Daniela Aschenbach und andere abends in der Anrufsendung »Quiz-Zone« auf dem Kindersender Nick ausüben? Sie selbst nennen sich Moderatorinnen, aber das ist angesichts stundenlanger Monologe, mit denen die Zuschauer teils aggressiv zum Anrufen animiert werden, ein bisschen abwegig. »Betrüger« kann man auch nicht sagen, denn die Art, wie sie systematisch die Zuschauer über Gewinnhöhe, Gewinnchancen und Ablauf des Spiels in die Irre führen, würde man zwar landläufig Betrug nennen, juristisch womöglich auch — aber man müsste es ihnen natürlich erst beweisen.
Was also ist Daniela Aschenbach? Mitglieder des Forums call-in-tv.de hatten eine Idee: Sie nannten sie »Animöse«.
Darüber war Frau Aschenbach nicht glücklich.
Sie schaltete einen Anwalt ein, der für den »Quiz-Zone«-Produzenten Callactive bereits in einer anderen Sache gegen call-in-tv.de und seinen Betreiber Marc Doehler vorgegangen war. Er mahnte Doehler im März wegen »schwerer Persönlichkeitsrechtsverletzungen« ab: Frau Aschenbach sei durch die Beschreibung im Forum als »AVD — Animöse vom Dienst« beleidigt und auf übelste Weise herabgewürdigt worden.
Doehler wollte die geforderte Unterlassungserklärung allerdings nicht abgeben. »Selbstverständlich nicht«, wie sein Anwalt schrieb. Er hatte offensichtlich größeres Vergnügen beim Formulieren seiner Antwort:
Mir ist völlig unklar, welcher schmutzigen Phantasie die Annahme entsprungen ist, das Wort »Animöse« setze sich aus »Animateurin« und einer abwertenden Bezeichnung für die weibliche Vagina (…) zusammen – ich muss angesichts der im Namen Ihrer Mandantin ausgesprochenen Abmahnung jedoch zu meiner Irritation annehmen, dass diese Phantasie auf den Vorstellungen Ihrer Mandantin beruht. (…)
Sie wollen bitte zur Kenntnis nehmen, dass uns im Rahmen der ungeliebten Rechtschreibreform so manche unerfreuliche »Eindeutschungen« begegnen, so für die Friseurin, hergeleitet aus dem Französischen statt Friseuse »Frisöse«. Ebenso aus Masseuse abgeleitet »Massöse«. Weitere Beispiele wollen Sie freundlicherweise dem »Duden« in einer aktuellen Auflage entnehmen. Ich finde diesen Sprachverfall ebenso bedauerlich wie Sie, vermag hieraus jedoch kein abmahnfähiges Verhalten zu entnehmen.
Es folgte eine längere Ausführung, ob es sich bei dem Wort »Animöse« nicht sogar um eine »intellektuell brillante Wortschöpfung« aus »Animateurin« und »Animosität« halten könne.
Doehler hatte, nachdem Callactive-Geschäftsführer Stefan Mayerbacher das Wort »Animöse« moniert hatte, im Forum von call-in-tv.de eine Wortsperre eingerichtet. Sein Anwalt erklärte, er habe Doehler sogar dazu geraten, »diese Wortsperre wieder zu entfernen«. Einer »instruktiven Auseinandersetzung mit der semantischen Bedeutung des Wortes ›Animöse‹ im Rahmen eines Urteils« sähe er gerne entgegen.
Vor drei Wochen erreichte Marc Doehler eine weitere Abmahnung. Diesmal beklagt »Quiz-Zone«-»Moderatorin« Anneke Dürkopp »schwere Persönlichkeitsrechtsverletzungen«. Frau Dürkopp sei durch die Beschreibung im Forum als »rätselanimöse« beleidigt und auf übelste Weise herabgewürdigt worden. Auch ihre Kollegin Miriam Wimmer vom Schwesterprogramm »Money Express« wehrt sich dagegen, dass ihre Tätigkeit in den Protokollen auf call-in-tv.de »Animöse« genannt wurde.
Inzwischen haben Dürkopp und Aschenbach beim Landgericht Hamburg einstweilige Verfügungen gegen Doehler erwirkt.
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