
Hö, werden Sie jetzt vielleicht fragen, was ist denn daran ein Symbolfoto? Das ist doch Miley Cyrus und womöglich stammt die Aufnahme sogar vom Tag nach kleines Mädchen.
Warten Sie, bis Sie den zugehörigen Bildtext gelesen haben:

Ist das nicht fantastisch? Üblicherweise stellen Symbolfotos abstrakte oder generische Begriffe dar oder Dinge, von denen es keine Aufnahme gibt. Dieses Symbolfoto aber symbolisiert ein anderes Foto: dieses hier.
Das ist einerseits bahnbrechend, andererseits mutlos. Konsequent wäre es natürlich gewesen, wenn der diensthabende Bildergalerienbefüller von »Spiegel Online« zugunsten einer möglichst genauen Reproduktion der Pose auf die Posierende verzichtet hätte. Vielleicht lässt sich das ja nachträglich korrigieren — ich bin sicher, Lukas würde seinen Rücken zur Verfügung stellen.
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Ein »Premium-Angebot« wie der überaus erfolgreiche Internet-Auftritt der »Rheinischen Post« weiß, was die Leute sehen wollen, wenn eine beliebte Schauspielerin wie Natasha Richardson nach einem tragischen Unfall gestorben ist: Eine mehrteilige Bildergalerie, die zeigt, wie ihre Familie das Krankenhaus verlässt.

Bilder, auf denen das Blitzlicht der Fotografen dafür sorgt, dass man das Gesicht des Witwers auch im dunklen Wagen sieht.

Und die armen Kinder! Fotografien, die dokumentieren, wie schlimm es für einen Zwölf– und einen Dreizehnjährigen sein muss, in dieser Situation auch noch fotografiert zu werden:

Wer beim Formulieren dieses Bildtextes nichts merkt, der merkt nichts.
Aber, hey, die »Rheinische Post«, viele große internationale Seiten, die Agenturen AP und AFP, die die Fotos verbreiten — alles respektable Leute. Und keiner, der ihnen mal in den Briefkasten kotzt.
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Da sind sie bestimmt ganz schön ins Rödeln gekommen, die Leute von der stern.de-Infografik, als sie erfuhren, dass der »Stern« schon wieder einen Bespitzelungsskandal aufgedeckt hat, diesmal bei der Deutschen Bahn, und sie sich an eine angemessene Aufbereitung für Online machen sollten. Glücklicherweise war die Bahn so nett, jeder ihrer Ausspähaktionen einen anderen Namen zu geben, dann lohnt sich das auch bei den Klickzahlen.
Und so präsentiert Ihnen stern.de: »Die Codenamen der Spitzel-Aktionen.« Als superinformative 16-teilige Bildergalerie zum Durchklicken.







etc.
Und als wär das nicht schon genug Arbeit gewesen, mussten die stern.de-Infografiker dann in den vergangenen Minuten auch noch Bild für Bild das Gesicht des armen Lokführers auf dem Symbolfoto, der da mal als »Kabeljau«, mal als »Büroklammer« herhalten muss, unkenntlich machen. Als ich die Screenshots gemacht habe, waren sie bis Bild 4 gekommen, inzwischen scheinen sie durch zu sein.
(Mal abgesehen von dem Klickschinderwahn und der Sinnlosigkeit des Ganzen: Was mag wohl ein Leser denken, der zufällig auf der Seite mit der Bildergalerie landet, die nicht einmal einen erklärenden Satz, geschweige denn einen Link zum zugehörigen Artikel bereithält?)
[mit Dank an Jan-Claude Bischoff]
— 21. Januar 2009, 13:56 — 31 Kommentare
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Ein schepperndes Vibrieren geht durch den Hubschrauber. Nach kurzer Zeit stehen wir so über der Autobahn, dass sich eine Zentralperspektive im modellierenden Gegenlicht ergibt, die die dramatische Situation der versunkenen Autos in den Schneewellen deutlich macht. Ich belichte dieses Motiv alternativ noch eine Blende unter bevor wir endgültig abdrehen und weiß, dass ich die Szene der Schneekatastrophe im Kasten habe.
Im Ressort »Eines Tages« auf »Spiegel Online« erzählt der Fotograf Kai Greiser, wie er seine spektakulären Aufnahmen von der Schneekatastrophe in Norddeutschland vor 30 Jahren machte. Unterwegs war er damals im Auftrag von »Spiegel« und »Geo«, aber auch der »Stern« wollte hinterher seine exklusiven Fotos haben — das von der Autobahn sogar für seine Titelseite.
Das entsprechende »Stern«-Cover sieht bei »Spiegel Online« so aus:

Aber das muss eine Fotomontage sein. In der Bildergalerie mit den Fotos von Greiser sieht dieselbe Autobahn-Szene nämlich so aus:

Es fehlen die beiden Menschen im Vordergrund. Die tauchen stattdessen auf einer anderen Aufnahme von Greiser auf:

Legt man beide Bilder übereinander, bleibt kein Zweifel, dass jemand die Menschen aus dem eingeschneiten Dorf ausgeschnitten und auf die Autobahn verfrachtet hat:

War dem »Stern« damals das dramatische Autobahn-Bild nicht dramatisch genug? Brauchte die Illustrierte den gestikulierenden Mann im Vordergrund, um die menschliche Dimension zu zeigen? Hat man sich damals beim »Stern« routinemäßig Fotos zur Effektmaximierung zusammengeklöppelt? Ging das damals, ohne Photoshop und die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung, so einfach? Oder hat Greiser selbst im Labor schon aus zwei Bildern eins gemacht? Und warum ist die Manipulation bei »Spiegel Online« niemandem aufgefallen — obwohl sogar ein Leser schon darauf hingewiesen hat? Ist das womöglich gar nicht das Original-»Stern«-Titelbild, sondern eine nachträgliche Collage? Aber warum sollte jemand die anfertigen?
[mit Dank an Cédric Menge!]
Nachtrag, 30. Dezember. »Spiegel Online« berichtet nun:
Der »Stern« hat vor dreißig Jahren ein Titelbild getürkt — unbemerkt, bis einestages-Mitglied Dennis Winckler aufdeckte, dass die Illustrierte zwei Fotos der Schneekatastrophe von 1978/79 zu einem besonders dramatischen montiert hatte. Jetzt stürzen sich auch Medienblogs [sic] auf den Fall. (…)
»Ja, das ist so«, gibt der heutige »Stern«-Chefredakteur Thomas Osterkorn gegenüber einestages unumwunden zu, nachdem er zwei Negative aus dem Archiv auf den Schreibtisch bekommen übereinandergelegt hat. Und betont, dass beim »Stern« nicht gekennzeichnete Bildmanipulationen heute »tabu« seien — auch wenn das früher offenbar »etwas laxer gehandhabt« worden sei. (…)
Chefredakteur Osterkorn schwört Stein und Bein, dass ein ähnlicher Schnitzer heute nicht möglich wäre. Im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung sei man längst hochsensibilisiert für mögliche Manipulationen — schon, weil sie heute so viel einfacher herzustellen und so viel schwerer zu entdecken seien als damals, als mit Schere und Klebestift getrickst wurde. »Wann immer wir feststellen, dass in einem Foto rummontiert wurde, fliegt das Bild raus«, erklärt Osterkorn kategorisch.
Fotograf Greiser sieht den Fälschungsfall von vor dreißig Jahren entspannt. »Ich habe das damals erst beim zweiten Hingucken gemerkt«, sagt der heutige Yachtfotograf. Den Retoucheuren beim »Stern« ist er jedenfalls nicht Gram: »Das war so minimal in der Dramaturgie, ich habe das einfach hingenommen.«
Was »Spiegel Online« nicht weiß, aber Alexander Svensson: Die Szene, die es später manipuliert auf den »Stern«-Titel schaffte, war als Bewegtbild am 1. Januar 1978 sogar in der »Tagesschau« zu sehen (bei 1:10 Min.).
— 26. Dezember 2008, 13:45 — 111 Kommentare
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Vor zwei Wochen hätte »Horizont«, die Fachzeitschrift für Werbung und Medien, ja beinahe einen journalistischen Artikel mit unangenehmen Wahrheiten veröffentlicht, was durch eine größere Rückrufaktion gerade noch verhindert werden konnte. Inzwischen hat man sich in der Redaktion gefasst und produziert wieder Meldungen nach dem üblichen eigenen Qualitätsstandard.
Meldungen wie die, dass Anke Schäferkordt von »Horizont« als »Medienfrau des Jahres 2008″ ausgezeichnet wird.
Das kann man natürlich machen. Man kann den von ihr geleiteten Sender RTL zum Beispiel dafür bewundern, wie er es geschafft hat, angesichts einer sich ganz von allein zerbröselnden Konkurrenz, einfach stillzuhalten und auf eigene Ideen, Impulse und Risiken zu verzichten. Man kann Frau Schäferkordt auch dafür feiern, dass sie nicht nur Rekordgewinne einfährt, sondern nach Angaben von ver.di auch fleißig weiter Stellen abbaut. Und bestimmt findet man in einem Jahr, in dem die Quoten für RTL fast durchweg schlechter waren als im Vorjahr, auch eine Ausnahme, die man hervorheben kann.
Und natürlich wird man die Gewinnerin des eigenen Preises auf ein hohes Podest stellen. Aber »Horizont«-Chefredakteur Jürgen Scharrer hat es nicht dabei belassen, Schäferkordt Kränze zu flechten. Er hat die fertigen Kränze aufgepumpt, vergoldet und mit einer dicken Schicht rosa Zuckerwatte gerahmt. Aber lesen Sie selbst:
Eine makellose Erfolgsbilanz hat zweifellos Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin bei der Mediengruppe RTL und Medienfrau des Jahres, vorzuweisen. Im November erzielte das Senderflaggschiff RTL bei den 14– bis 49-Jährigen einen Marktanteil von famosen 17 Prozent, mit »Doctor’s Diary« gelang zudem das Kunststück, endlich auch mal wieder mit einer deutschen Serie Erfolg zu haben. Gute Zahlen, starke Quoten, effiziente Strukturen: So schnell wie bei Schäferkordt war sich die Jury selten zuvor einig, wem die Auszeichnung gebührt.
In einem weiteren Text fügt »Horizont« sicherheitshalber hinzu:
Die Bilanz Schäferkordts bei RTL kann man nur makellos nennen. Die RTL-Gruppe hat sich als überaus verlässliche Cashcow etabliert. Als gelernte Controllerin hat Schäferkordt das Unternehmen konsequent auf Effizienz getrimmt.
Solche Texte muss man als Journalist erst einmal schreiben wollen.
Wissen Sie übrigens, wer u.a. in der Jury war, die die Männer und Frauen für »Horizont« gekürt hat? Doch, Sie kommen drauf.
Nachtrag, 11:40 Uhr. Nach Angaben von RTL hat Frau Schäferkordt an der eigenen Wahl selbstverständlich nicht teilgenommen.
— 22. Dezember 2008, 1:46 — 46 Kommentare
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