Von Paul Watzlawik stammt der bekannte Satz: „Man kann in einer sozialen Situation nicht nicht-kommunizieren.“
In Blogs verschärft sich die Lage dramatisch. Hier gilt der nicht so bekannte Satz: „Man kann in Blogs nicht nicht-kommentieren.“
Die Möglichkeit, jemanden, den man für dringend ignorierenswert hält, einfach zu ignorieren, existiert hier nicht. Stattdessen schreibt man in sein Blog, warum jemand dringend ignoriert werden sollte, und ignoriert ihn also nicht. Es folgt eine längere Kommentarschlacht, in der es wiederum unmöglich ist, vernachlässigenswerte Bemerkungen einfach zu vernachlässigen. Bestenfalls werden aus besonders abwegigen Diskussionen Metadiskussionen über ihre Abwegigkeit.
Es scheint keine [ignore]-Funktion im Netz zu geben.
Bei der „Tier-Nanny“ im Fernsehen sieht man fast jede Woche, dass es nicht hilft, das Verhalten einer kläffende Töle zu ändern, in dem man …
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Wir sehen, insbesondere im Hinblick auf die deutsche Geschichte und die daraus erwachsene Verantwortung, die Notwendigkeit und moralische Pflicht, gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung, Totalitarismus und Gewalt – sei es von rechts oder von links – eine klare Position der Missbilligung zu beziehen. Stefan Herre, „Politically Incorrect“
Die folgende Auflistung ist eine willkürliche, aber nicht untypische Auswahl von Kommentaren auf „Politically Incorrect“ aus dem vergangenen Jahr. Fast alle stammen von regelmäßigen Kommentatoren, die auch immer wieder als Anreger und Zulieferer von Blog-Beiträgen auftauchen:
„AntiMusel“: man kann nunmal in kundenorientierten arbeitsmarkt keine musel oder ähnliches gelumpe einstellen, weil sonst die kunden weglaufen zur konkurrenz die nicht so blöd ist. boykott musel– und ausländerfreundlicher unternehmen ist die pflicht jedes deutschen!
„cartman“: Die einzige sinnvolle Reform …
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29. Januar 2006
Das Publikum an der Macht. Die digitale Revolution kommt gerade erst richtig in Schwung: Die Tage, in denen eine Handvoll Leute bestimmen konnte, was wir hören, sehen, lesen, sind gezählt. In naher Zukunft werden wir alle Programmdirektoren und Chefredakteure sein.
Trotz fünfzig Jahren Berufserfahrung hätte Deborah Howell nicht damit gerechnet, je in dem Maße beschimpft und beleidigt zu werden, wie es vorletzte Woche tausendfach geschah. Die Ombudsfrau der »Washington Post« hatte sich mit einer Kolumne den Zorn vieler Leser zugezogen, die sich im Internet zu einer Art Mob formierten. Ihre Haßtiraden füllten die Kommentare in einem Weblog der »Post«, in dem Redakteure mit Lesern über ihr Blatt diskutieren, weshalb man sich schließlich entschloß, die Kommentarmöglichkeit für unbestimmte Zeit …
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21. Oktober 2005
Das große Schweigen. Warum der Deutsche Fernsehpreis so wenig Bedeutung hat.
Ein gutes halbes Jahr lang haben wir so getan, als sei der Deutsche Fernsehpreis wichtig. Wir haben uns, jeder für sich, durch immer neue Postpakete mit Videokassetten und DVDs gearbeitet. Haben uns an die Geschäftsordnung gehalten, die es Jurymitgliedern untersagt, sich bei Abstimmungen zu enthalten, selbst dann, wenn sie wirklich, wirklich nicht entscheiden wollen, ob nun »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« oder »Unter uns« es verdient hätte, als »beste tägliche Sendung« nominiert zu werden. Haben ausführlich und mit großer Ernsthaftigkeit darüber diskutiert, ob es überhaupt vorstellbar ist, »Speer und Er« nur für die »Beste Ausstattung« zu nominieren, und was die Konsequenzen wären. Haben neue Kategorien erfunden, alte abgeschafft, Probeabstimmungen veranstaltet, durchgezählt, …
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2. Oktober 2005
Der Herr der Monster. Wiwaldi & die Kassler-Zwillinge: Martin Reinl läßt seine Puppen herrlich schlechte Witze machen
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Wer kann das schon sagen, als Dreißigjähriger, daß er nun wirklich lange genug die anspruchsvollen Rollen gespielt hat?
Martin Reinl kann das sagen. Drei Jahre lang hat er sie gespielt: die zickige Küchenrolle, die grummelige Klopapierrolle, die langweilige Nackenrolle und den unterschätzten kleinen Rollmops. Auf einem Putzwagen saßen sie und unterhielten sich mit den Gästen in der WDR-Show »Zimmer frei«, immer bereit, durch angemessen schlechte Laune zu demonstrieren, daß das alles hier eigentlich unter ihrem Niveau ist. Die Küchenrolle gestand Katja Riemann, daß sie ihr ganz, ganz großes Vorbild sei, schon seit ihrem Auftritt damals als »Das Superweib«, und als Riemann schüchtern …
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