Das anti-islamische Blog »Politically Incorrect« (PI) ist keine Nachrichtenquelle mehr bei Google News. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte mir, dass Google in seiner Nachrichtensuche seit einigen Wochen keine Beiträge von »Politically Incorrect« mehr aufführe. (Wohlgemerkt: Es geht ausschließlich um die Nachrichtensuche von Google, nicht die Websuche.)
Bislang hatte Google auf Nachfragen nach der Tauglichkeit von »PI« als Nachrichtenquelle entweder gar nicht reagiert oder abwiegelnd geantwortet: Die Quellen würden »ohne Berücksichtigung einer bestimmten politischen Gesinnung oder Ideologie ausgewählt«.
Google gibt nicht bekannt, wer entscheidet, welche Quellen für Google News akzeptabel sind und welche nicht, und nach welchen Kriterien diese Entscheidung erfolgt. In der »Google News Hilfe« findet sich allerdings die Aufforderung, dem Unternehmen »Anmerkungen zu hetzerischen Inhalten im News Index« mitzuteilen.
Was konkret nun zu einem Meinungsumschwung geführt hat, weiß ich nicht. Google teilte mir nur mit, dass man in der Regel keine Blogs als Quellen in seiner Nachrichtensuche aufführen wolle, weil dafür die Google-Blogsuche gedacht sei. (Eine Ausnahme von dieser Regel stellt offenbar BILDblog dar.)
Ich finde die Weigerung, die Kriterien für eine Aufnahme in den Google-News-Index publik zu machen, enttäuschend. Inwieweit diese Kriterien bei jeder Quelle erfüllt wären oder nicht, würde dann natürlich Gegenstand einer öffentlichen Debatte. Google würde sich aber nicht dem Vorwurf reiner Willkür aussetzen. Natürlich darf das Unternehmen frei (und auch willkürlich) entscheiden, welche Quellen es in seiner eigenen Nachrichtensuche zulässt. Angesichts der Dominanz des Unternehmens wäre Transparenz aber wichtig und wünschenswert.
»Politically Incorrect« ist in den vergangenen Monaten zu einer Art Zentralorgan für moderne Rassisten geworden. Es hat nach eigenen Angaben regelmäßig eine fünfstellige Zahl von Besuchern täglich. Es zieht mit seinen Artikeln Scharen hasserfüllter Kommentatoren mit Gewaltphantasien an, die sich vom dumpfen Neonazi im Wesentlichen in zwei Punkten unterscheiden: Sie haben die (vermeintliche oder tatsächliche) Bedrohung des westlichen Lebensstils und der Demokratie durch den Islam als Legitimation und Rationalisierung ihres Ausländerhasses entdeckt. Und sie sprechen nicht mehr von »Kanaken«, sondern von »Musels«. (Außer, wenn sie doch von »Kanaken« sprechen, was im Kommentarbereich von »PI« ebensowenig sanktioniert wird wie zum Beispiel der Aufruf, »jeden Moslem der sich anmasst ehemals christlichen Boden mit seiner Existenz zu beflecken nieder zu machen« und »in einem ersten Schritt Mekka und Medina mit je einer schweren H-Bombe in eine strahlende Glasscherbe« zu verwandeln.)
Meiner Meinung nach denken aber nicht nur viele Stammkommentatoren in rassistischen Kategorien, sondern auch die Verfasser der »Politically Incorrect«-Beiträge. »PI«-Gründer Stefan Herre weist diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, das sei unmöglich: »Moslems bilden keine Rasse, nicht einmal eine Ethnie«. Tatsächlich spielt diese Unterscheidung im von Hass und Beleidigungen geprägten Blog-Alltag auf »PI« aber keine Rolle.
Die Autoren wenden sich nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen den einzelnen Moslem. Und sie schaffen es über den Umweg einer Schein-Auseinandersetzung mit der Religion, Menschen bestimmter Herkunft vollständig abzulehnen. Ihre Fremdenfeindlichkeit tarnt sich als Kritik einer Religion, Ideologie und Kultur, ist aber umfassend.
»Politically Incorrect« bekämpft nicht nur fundamentalistische Moslems oder Islamisten (die Unterscheidung zwischen »Islam« und »Islamismus« lehnt »PI« als bedeutungslos ab). »Politically Incorrect« bekämpft auch explizit moderate, den Dialog suchende Vertreter des Islam. Das geschieht vor allem über das Konzept der »Taqiyya«, nach dem es der Islam seinen Gläubigen erlaubt, in Zwangslagen religiöse Pflichten zu verletzen und den eigenen Glauben zu verheimlichen. »PI« übersetzt »Taqiyya« schlicht als »erlaubte Täuschung der Nichtmuslime zur Ausbreitung des Islams« und kann mit diesem Konzept jede noch so versöhnliche Äußerung eines Moslems ins Gegenteil verkehren: Ihm wird einfach unterstellt, sich bewusst zu verstellen, um seine wahren, kämpferischen, extremen Vorstellungen verwirklichen zu können.
Selbst Nichtmoslems wie der Christ Barak Obama gelten »PI« als besonders verdächtig. Die Logik lautet: »Einmal ein Moslem immer ein Moslem«, oder genauer: Obamas Vater (den Obama selbst einen »konfirmierten Atheisten« nennt) war einmal ein Moslem, und aus islamische Sicht sei man Moslem, wenn der Vater ein Moslem gewesen ist.
Im Alltag verzichtet »PI« aber gerne auch vollständig darauf, die Religion zum Beispiel von Türken in Deutschland oder türkischstämmigen Deutschen überhaupt zu kennen, um sie abzulehnen. Ein entsprechend ausländischer Vorname reicht. »PI« nennt die Zuwanderer ironisch »Kulturbereicherer«. Das Wort klingt besser als »Kanake«. Das ist aber ungefähr der einzige Unterschied.
Mehr zum Thema »PI« z.B. von Arne Hoffmann, »Limited«, Telepolis.
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— 15. Oktober 2007, 18:27 — 18 Kommentare
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Jerry Sanders, republikanischer Bürgermeister von San Diego, erklärt in einer bewegenden Rede, warum er plötzlich für die Homo-Ehe ist. Oder wie salon.com schreibt:
This is the way necessary social change happens. It starts out unthinkable, and then one day it’s inevitable. (…)
Grab a Kleenex, and press play.
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Hilfe, die Fernseh-Abzockspiele von 9Live, Callactive & Co. schaffen den Mediensprung ins Print. In der Schweiz jedenfalls.
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Lernen von »Politically Incorrect«: »limited« stellt den praktischen »Bastelbogen Hassblog« vor:
Mit wenigen zentralen Bausteinen läßt sich auch für den geistig minderbemittelten Kellernazi eine eingängige Ideologie stricken.
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Noch ein paar (verspätete) Links zur Debatte um Klimaforscher Stefan Rahmstorf —
In der »Welt« findet Eckhard Fuhr schöne Worte, um die unfassbare Antwort von Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner u.a. auf Rahmstorf zu charakterisieren:
Der Leser findet nicht den geringsten Hinweis darauf, dass es sich bei dieser ganz und gar durchgeknallten Tirade um eine Parodie auf den Klima-Glaubenskrieg handeln könnte. Die »Klimaskeptiker« halten sich offenbar wirklich für eine kleine verfolgte Minderheit von »Andersdenkenden« und ihre mediale Dauerpräsenz für ein heroisches Aufbegehren in aussichtloser Lage.
Und in der »taz« diskutiert Bernhard Pötter die heikle Rolle der Medien in der Berichterstattung über wissenschaftliche Forschung:
Der Umgang mit abweichenden Meinungen ist völlig unterschiedlich: Wer in der Klimadebatte längst aufgegebene Positionen verteidigt, ist für Wissenschaftler ein Scharlatan — Journalisten schätzen so jemanden dagegen gerne als prinzipienfesten Querdenker. Und wer verlässlich das Gegenteil von dem behauptet, was der Mainstream für richtig hält, sichert sich auf diese Weise Einkommen und Bedeutung in der Medienlandschaft. (…)
»Wir nehmen uns das Recht zu zweifeln«, schreiben die Rahmstorf-Kritiker, »irgendjemand muss die Türen eines skeptischen Weltverständnisses gegen die praktisch gleichgeschaltete öffentliche Meinung offen halten, damit wir für die Zukunft lernen können«. Nur: Die Klimadebatte ist nie gleichgeschaltet gewesen, sondern nach jahrzehntelangem Streit haben sich praktisch alle relevanten Klimaforscher auf einen Konsens geeinigt. Wer nun grundsätzlich den Gegenpart zu diesem herrschenden Konsens vertritt, der verhindert genau das, was er angeblich erreichen will: eine informierte öffentliche Debatte über die Konsequenzen des Klimawandels.
Lesenswert ist auch ein Stück von Jan-Philipp Hein und Markus Becker bei Spiegel Online zum Thema, ein schrecklicher Artikel, aus dem man aber viel über das Selbstverständnis von Journalisten erfahren kann: Wer sie öffentlich kritisiert oder sich gar bei ihren Vorgesetzten beschwert, stellt beinahe schon die Pressefreiheit in Frage.
Wenn ein Journalist sich mit dem Klimawandel befasst und Argumente bringt, die Rahmstorf schlecht findet, kann es schonmal Stunk geben. Der Professor vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schreibt dann Briefe. Allerdings nicht an die Autoren, sondern gleich an die zuständigen Chefredakteure oder Ressortleiter.
Ja, Wahnsinn. Überschrift des Werkes: »Die rabiaten Methoden des Klimaforschers Rahmstorfs«.
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René Kriest erklärt vermeintlich »7 Fehler von Blogeinsteigern und wie man sie vermeidet«, dabei ist der einzige Fehler, den ein Blogeinsteiger machen könnte, solchen blöden Listen zu glauben anstatt einfach drauflos zu bloggen. Zum Glück muss ich mich dazu nicht in Rage schreiben, weil es andere schon getan haben.
— 22. September 2007, 20:38 — 38 Kommentare
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Ein schönes kleines Beispiel dafür, wie »Politically Incorrect« schlichteste Tatsachen ignoriert, ist auch dieser Eintrag von gestern:

Mal abgesehen davon, dass nicht die »Wikipedia« den Eintrag zu »Taqiyya« löschen wollte, sondern ein einziger Benutzer — die Sache hatte sich, als PI den Artikel gestern gegen 20.45 Uhr veröffentlichte, längst erledigt, sogar ganz ohne die sonst übliche Abstimmung Entscheidung eines Administrators. Bereits gestern Morgen um 9.41 Uhr hatte der Nutzer seinen Löschantrag zurückgezogen; ab 9.44 Uhr war der Eintrag nicht mehr als Löschkandidat gekennzeichent.
Aber die Meldung »Wikipedia will ›Taqiyya‹ nicht löschen« hätte die PI-Autoren und –Leser wohl einfach nicht genug in ihrem Verfolgungswahn bestätigt.
— 19. September 2007, 13:27 — 5 Kommentare
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Beate Klein, eine der Hauptautorinnen beim erfolgreichen Hass– und Hetzblog »Politically Incorrect« (PI), schreibt:
Als relativ häufig aufgerufene Internetseite gegen den Mainstream ist PI immer wieder Zielscheibe linker Journalisten, die in Schmähartikeln ihre oft vor Un– und Halbwahrheiten strotzenden Diffamierungen verbreiten. Da die eigentlichen Beiträge für diese Medien zwar ärgerlich, in der Regel aber nicht angreifbar sind, zieht man einzelne Kommentare heran, um die Bösartigkeit und radikale Gesinnung PIs »beweisen« zu können.
Ja, das ist echt blöd, dass die eigentlichen Beiträge von PI so selten angreifbar sind.
Gut, jetzt mal abgesehen von Beate Kleins Eintrag über das angebliche Blog von Murat Kurnaz, den sie den »zotteligsten Unschuldigen aller Zeiten« nennt. Das Blog war nicht von Murat Kurnaz, was Frau Kleins Eintrag, sagen wir: angreifbar machte. Sie hat ihn sicherheitshalber nicht korrigiert, sondern ohne Erklärung gelöscht.
Ach so, und mal abgesehen von dem Eintrag von Jens von Wichtingen, der in Südafrika Sprachkurse veranstaltet und bei PI für Übersetzungen zuständig ist, über die angebliche Wandlung der BBC zur »Stimme Mekkas«.
Er berichtet:
Bei der BBC hat man sich entschlossen, den ganzen Schritt zu machen. In Zukunft wird man jedesmal bei Nennung des moslemischen Propheten Mohammed den bei Moslems gebräuchlichen Zusatz (Friede sei mit ihm) verwenden. Begründet wird das mit religiöser Toleranz – weil man dies ja auch bei anderen Religionen machen würde, wenn sie denn einen solchen Brauch hätten.
Die BBC-Seite, die seine Quelle für diesen Hammer ist, der bei den PI-Kommentatoren Fassungslosigkeit auslöst, ist allerdings vom 9.3.2006. Was laut PI »in Zukunft« passiert, scheint also mindestens seit eineinhalb Jahren Praxis zu sein.
Und schon mit einfachsten Englischkenntnissen könnte man der Quelle entnehmen, dass die BBC dem Namen Mohammeds keineswegs »jedesmal« die Worte »Friede sei mit ihm« (peace be upon him / pbuh) hinzufügen wird. Die Regelung betrifft nur die Islamrubrik der Religionsseiten auf bbc.co.uk. Eine einfache Suche zeigt, dass die BBC den Zusatz auf den Nachrichtenseiten nicht verwendet.
(PI-Kommentator Phygos ist dennoch so erschüttert, dass er erklärt, dass England damit für ihn »endgültig als Urlaubsland flach fällt«, während PI-Leser Bokito vor Überreaktionen warnt: Schließlich könne man auch »jeden Samstag in Düsseldorf auf der Königsallee Heerscharen von Schleierschlampen beim Shoppen in den Nobel-Boutiqen anschauen. (…) Vor den Anhängern eines Kinderf**ers auf dem Boden zu kriechen ist die schlimmste Demütigung, die sich ein denkender Mensch vorstellen kann.«)
Ach so, und »angreifbar« sind natürlich auch die PI-Einträge, in denen immer noch die Mär verbreitet wird, britische Banken hätten die Sparschweine abgeschafft, um die Gefühle muslimischer Kunden nicht zu verletzen — eine längst widerlegte Falschmeldung, die auch Henryk Broder und Udo Ulfkotte verbreiten, was dann wiederum PI aufgreift usw usf.
Ja, die PI-Autoren, für die »Gutmensch« ein anderes Wort für »Nazi« ist und die Andersdenkende als »dummdeutsche Multikultischwuchteln« bezeichnen, sind gerne nicht nur politisch, sondern auch faktisch inkorrekt.
Als die »Berliner Morgenpost« es wagt, einen Deutschen, der einen Rabbi angegriffen hat, einfach als »Deutschen« zu bezeichnen, obwohl seine Eltern aus Afghanistan stammen, veröffentlicht ein PI-Gastautor bedeutungsschwanger die E-Mail-Adresse für Leserbriefe der Zeitung. Und die Kommentatoren überbieten sich in empörten Leserbriefen an die Zeitung, und keiner merkt, dass unter dem Artikel die Worte »AP« stehen, weil es sich um eine Agenturmeldung handelt.
Der PI-Beitrag fordert, den mutmaßlichen Täter nicht als Deutschen, sondern als »afghanischen Moslem« zu bezeichnen. Und die Kommentatoren erkennen die Gesinnung dahinter und sprechen offen aus, was die PI-Autoren nur andeuten. Ein »Junker« schreibt:
Er ist kein TATSÄCHLICHER Deutscher, sondern ein “Passdeutscher”. Wenn ein Dackel ein Schild mit der Aufschrift “Schäferhund” um den Hals trägt, bleibt er ein Dackel, bis zu seinem seligen Ende!
Der Täter ist Afghane mit deutschem Pass, hat seiner Religion entsprechend einen Juden fast getötet und wartet nun darauf, das Selbe mit einem Christen machen zu können.
Wenig später spricht ein »Beowulf« von einem »Kanakenmob«, und ein »Entfernungsmesser« gerät ins Onanieren:
Meine Freundin kam von der Arbeit nach Hause. Ich hatte Besuch von zwei Freunden. Wir saßen im Hof, hinter uns mein alter Bundeswehrunimog. Meine Freundin erzählte uns, sie sei von drei Kanaken in einem roten BMW-Cabrio angemacht worden: Hy Alde, willst figgen?
Als Deutscher Hauptfeldwebel und PzZgFhr habe ich nach kurzer Lagebeurteilung meinen Entschluß gefasst und in die Worte “Aufsitzen, Männer” artikuliert. Wir also den Mog gestartet und auf den Innenstadtring gefahren. Das ist das bevorzugte Cruisin-Gebiet der Kamelf…er! Vor der übernächsten Ampel überholt uns ein rotes BMW-Cabrio. Bestzung: 3 Kanaken. Die halten vo der roten Ampel, wir nicht!
Schön mit gut Schmackes denen den Kofferraum verkleinert. Die guggten wie Säue am Samstag. Meine Männer und ich abgesessen, denen kalr gemacht, wer wir si´nd und was wir machen wenn sie die Fresse aufreisen. Die waren sehr kooperativ. Meine Versicherung hat den Schaden am BMW gelöhnt. Den Schaden am 1,5-Tonner habe ich mit was Farbe und nem Pinsel beseitigt!
»Beowulf« antwortet ihm: »gefällt mir«, und ein »Bavarian« kommentiert: »Gut gemacht!«
Ich weiß nicht, ob Beate Klein, Stefan Herre, Jens von Wichtingen und die anderen PI-Macher auch davon träumen, »Kanaken« in den BMW zu fahren. Bestimmt finden sie schon den Gedanken »diffamierend«. Was können sie schon dafür, dass sich in ihrem Wohnzimmer ein rassistischer Mob trifft, dem sie mehrmals täglich frisches Popcorn und was zu lesen geben?
— 18. September 2007, 16:40 — 21 Kommentare
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Testfrage: Wer ist dieser Mann?

Nein, es ist nicht Murat Kurnaz. Er sieht ihm, genau genommen, nicht einmal ähnlich. Da scheint jemand eine andere Gesichtspartie in ein bekanntes Foto von Murat Kurnaz kopiert zu haben.
Nächste Testfrage: Von wem ist dieses Blog?

Nein, es ist nicht von Murat Kurnaz.
Aber wäre es nicht toll, wenn es von ihm wäre? Wir könnten alle bloggen: »Murat Kurnaz bloggt!«, und uns an dem, was wir da lesen, abarbeiten.
Es ist kein Zufall, dass »Politically Incorrect« mit seinem neorassistischen Umfeld zu den ersten gehörte, die auf das Blog hinwiesen und behaupteten, es stamme von Kurnaz:
Der zotteligste Unschuldige aller Zeiten — Murat Kurnaz — hat jetzt einen eigenen Internetauftritt. Dort findet man Aussagen wie diese: »Steinmeier… ein Bürokrat des Todes, der deutschen Lagerverwaltungstradition folgend«.
Zu diesem Zeitpunkt fanden sich in dem Fake-Blog auch noch Formulierungen wie diese:
»Nach einigen Tagen bei meiner Familie nun wieder alleine in der Stadt. Egal wohin ich gehe: man kennt mich bereits. Egal — jeden Abend Kokain, mit einem Amerikaner aus L.A. der mir wie ein CIA-Mann vorkommt. Paranoid? An jedem Abend 1000 Euro, die den Besitzer wechselten und das Kokain war offenbar gerade noch okay… Was soll’s jetzt ist es vorbei.«
Gemeinsam mit den Lesern schafften es die »Politically Incorrect«-Macher sogar später in den Kommentaren, selbst die Vermutung, die Texte seien nicht echt, noch gegen Kurnaz auszulegen: Das Deutsch sei viel zu gut, als dass er, der Türke, der Hauptschüler, es geschrieben haben könnte.
Auch kein Zufall, dass ein Mitglied der »Achse des Guten« von Broder & Co., die auch so gerne politisch unkorrekt wäre, das Blog aufgriff und nutze, sich über Kurnaz lustig zu machen. David Harnasch hält sich nur eine Klammer lang mit der Möglichkeit einer Fälschung auf (»so er [Kurnaz] seinen Blog wirklich selbst schreibt und das hier keine Persiflage ist«), um sie im übrigen zu ignorieren:
Welcome to the Blogosphere, Murat!
Wenn ich kurz nach dem 11.9. 2001 zur Kur nach Pakistan gereist wäre (ohne meiner Familie davon zu erzählen), man mich dann nach Afghanistan und Guantanamo verschleppt und dort gefoltert hätte, dann wäre ich auch paranoid. (…)
Zwei Tipps:
1. Weniger koksen, das macht nämlich paranoid.
2. Weniger im Blog drüber schreiben, dass man kokst und das Zeug auch noch käuflich erwirbt, denn zumindest zweiteres ist strafbar und führt, wenn man sich derart sackblöde anstellt, recht zuverlässig tatsächlich zur Strafverfolgung.
Auch die Blog-üblichen Belanglosigkeiten fehlen nicht: »Heute Abend überbacke ich im Ofen Chilli-Nachos mit Käse und rauche einen Joint mit schwarzem Afghanen. Dann nehme ich mir ein Buch und lese. Ich bekam in letzter Zeit viele Bücher geschenkt. Zum Glück, denn Fernsehen macht mich irgendwie verrückt, weil es dort überhaupt nichts zu sehen gibt.«
Apropos »sackblöde«: Das sind die Leute, die sich damit brüsten, »unkonventionell« zu »denken«? Jede Wette: Wenn auf dem kleinen Foto im Blog Murat Kurnaz mit roter Karnevalsnase abgebildet gewesen wäre, Harnasch und seine Achsenfreunde hätten es immer noch nicht gemerkt und auch das gegen den echten Kurnaz ausgelegt.
Man kann es natürlich auch ganz unideologisch sinnlos machen, wie das Blog medienrauschen (und ähnlich viele andere Blogger):
Kurnaz bloggt
Seit einem Jahr nun ist Murat Kurnaz, »der deutsche Guantánamo-Häftling« — wie der Stern einmal schrieb –, wieder in seiner Heimat Deutschland.
Nach diversen Medienschauläufen, Aussagen und einem Buch kommt Kurnaz scheinbar so langsam zur Ruhe — oder einem gewissen Alltag. Und in dem spielt ein Weblog auch eine Rolle.
Echt oder Fake?
Was für eine Nullnachricht. Eine Mail an Bernhard Docke, den Rechtsanwalt von Murat Kurnaz, hätte genügt, um zu erfahren, dass er nichts mit diesem Blog zu tun hat und nun dagegen vorzugehen versucht.
Update, 7. September. Als Urheber hat sich ein Moritz […] zu erkennen gegeben, der die Fälschung im Blog nun mit einigem Geschwurbel als »gelebte Literatur« verbrämt.
»Politically Incorrect« bleibt bei seiner Darstellung — vermutlich sind die Verantwortlichen voll und ganz damit ausgelastet zu hassen.
Und Gutachsist David Harnasch, der sich als »Journalist für TV, Print und Radio« bezeichnet, erklärt nun, ihm habe »schlicht die Zeit« für eine Recherche gefehlt. Na sowas: Die Zeit, Murat Kurnaz öffentlich zu diffamieren und verhöhnen, die hat er irgendwie gefunden.
(Kommentare geschlossen.)
— 6. September 2007, 16:02 — 11 Kommentare
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