
Konstantin Neven DuMont hat die Feiertage in diesem Blog verbracht.
Heiligabend übermittelte er seinen Wunschzettel und verteidigte die schmerzhaften Einschnitte, zu denen Verlage wegen der Digitalisierung gezwungen seien; am ersten Weihnachtstag plädierte er für eine strikte Trennung zwischen Artikeln und Kommentaren und eine viel größere Meinungspluralität in den reichweitenstarken Medien, und wehrte sich gegen den Vorwurf der Scheinheiligkeit; am 28. Dezember verzettelte er sich in eine Diskussion mit einem anderen Kommentator, dem er „unbeholfene Kläffereien” und „skurrile Thesen” vorwarf, bekannte sich zu seiner Liebe zu Hamburg und übte ein wenig Kritik an einem Artikel aus der „Hamburger Morgenpost”, wies mich auf ein fehlendes Wort in meinem Blogeintrag hin, erzählte, dass er gerne eine Reality-Doku mit mir produzieren würde, gähnte, fühlte sich belästigt und setzte sich für höhere Polizistengehälter ein; am 29. Dezember wies er auf ein Interview mit ihm im Deutschlandfunk hin, fragte, ob die sogenannten Partikularinteressen womöglich zunehmen und wies noch einmal auf ein Interview mit ihm im Deutschlandfunk hin, wünschte einem Kommentator alles Gute, wünschte einem anderen Kommentator alles Gute, verabschiedete sich aus der Diskussion, bekundete die Absicht einer Zusammenarbeit mit mir und versuchte, seinen Urlaub im Bergischen Land zu genießen; am 30. Dezember kündigte er an, 2010 ein eigenes Videoblog zu eröffnen, in dem er politische Lieder und gelegentlich Liebeslieder singt, beschwerte sich über anonyme Kommentare, die irgendwelche Gerüchte in die Welt setzen, freute sich über die Existenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und einiger Blogger, regte einen kleinen Wettbewerb in Sachen intellektueller Intelligenz an, prahlte mit seinen erwiesenen spitzenmäßigen Managementfähigkeiten, bestritt, dass das alles nur ein Spaß sei und kündigte ein Treffen mit Sascha Lobo an; an Silvester veröffentlichte er vor der Vorbereitung der Silvesterparty seine Agenda für 2010 und bemängelte die „persönlichen Beleidigungen” durch einen Kommentator; an Neujahr forderte er, dass private Besitzer von Wettbewerb tangierenden Versorgungslinien nicht gleichzeitig die Inhalte darauf bespielen dürfen sollen; gestern erklärte er, dass das kein medientheoretisches Essay war und es ein Fehler von ihm gewesen sei zu glauben, dass man in diesem Blog sachlich diskutieren könne, und heute Mittag wies er darauf hin, bereits mehrere Aktionen zur Förderung der Demokratie angestoßen zu haben.
Nun ist das grundsätzlich natürlich eine feine Sache. Also, nicht nur, dass jemand die Kommentarspalten dieses Blogs so anregend und heimelig findet. Sondern vor allem, dass sich einer der wichtigsten Medienmanager dieses Landes (er sitzt in Leitungspositionen bei „Berliner Zeitung”, „Frankfurter Rundschau”, „Berliner Kurier”, „Hamburger Morgenpost” und „Mitteldeutscher Zeitung”, und als Sohn von Alfred Neven DuMont wird ihm eines Tages Köln gehören) mit solcher Begeisterung mitten in das Getümmel des sogenannten Web 2.0 stürzt.
Praktisch ist Neven DuMonts Beigesterung dann aber doch ein bisschen beunruhigend. Als Ende November jemand begann, unter seinem Namen hier Kommentare abzugeben, war ich zunächst nicht sicher, ob es sich um den echten Verleger handelte. Dann war ich sicher, dass es sich nicht um den echten Verleger handeln könne: Zu sehr lasen sich seine Beiträge wie eine Parodie auf das Kommunikationsverhalten von jemandem, der es gewohnt ist, dass alles, was er sagt, als wichtiger Debattenbeitrag (miss)verstanden wird, und in dessen Weltsicht die Welt vor allem damit beschäftigt ist, auf seine Einschätzungen zu denen brennenden Fragen unserer Zeit zu warten.
Konstantin Neven DuMont ist im vergangenen Jahr 40 geworden. Zu seiner Geburtstagsfeier kamen der Außenminister, der Oberbürgermeister, der IHK-Präsident, der Präsident des 1. FC Köln, Christoph Daum, Tom Gerhardt, Reiner Calmund und sogar ein Cousin Neven DuMonts aus New York Mallorca. In einer Ansprache warnte das Geburtstagskind davor, dass Journalisten, die nicht aus Köln kommen, nur darauf warten, dass „wir”, also die Kölner, Fehler machen. Gerade Journalisten aus einer Stadt wie Berlin seien zum Teil neidisch auf „unsere”, also die Kölner, Wirtschaftskraft. Er wies darauf hin, dass kaum jemand darauf hingewiesen habe, dass die „New York Times” Köln zu den 30 besuchenswertesten Städten gewählt habe. Er forderte, das Wort „Hartz IV” jetzt endlich mal zu ändern, „aber im Ernst”. Er bat den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, auch „stärker in die Offensive zu gehen”, was die Öffentlichkeitsarbeit von Köln angeht. Er fragte, warum nicht häufiger in der Zeitung steht, dass zwei Prozent der Menschen auf der Welt 50 Prozent des Reichtums besäßen. Er forderte die Gäste auf, als Geburtstagsgeschenk für ihn mehr Geld für die armen Kinder zu spenden. Und fragte den anwesenden Sparkassenchef, warum das eigentlich immer so lange dauert, bis das Geld von Banküberweisungen auf dem eigenen Konto eingetroffen ist.
Der „Kölner Stadt-Anzeiger” veröffentlichte ein Video des unsortierten Monologs unter der Überschrift „Unternehmerische Verantwortung” und schrieb darunter den erstaunlichen Satz:
Anlässlich einer Feier zu seinem 40. Geburtstag hielt Konstantin Neven DuMont eine viel beachtete Rede.
(Das ist ein Grund, warum mir Familienmedienbetriebe Angst machen.)
Jedenfalls fand der Mann, der sich „Konstantin Neven DuMont” nannte, dass die Rede noch nicht genug beachtet war und postete hier fleißig Links zu diesem Video und anderen ähnlich wichtigen Wortmeldungen des Verlegersohns in diversen Medien. Ungefähr, als er ankündigte, demnächst ein Musikvideo seiner Band hier einzustellen (”Singen ist nämlich meine Leidenschaft”), beschloss ich, dass es sich um ein Fake handeln müsse — auch die E-Mail- und IP-Adresse deuteten nicht darauf hin, dass es sich um den „echten” Neven DuMont handelte. Ich löschte daraufhin einige seiner Kommentare und ließ neue nicht mehr automatisch erscheinen.
Dann bekam ich erst eine Facebook-Nachricht von ihm mit dem Betreff „Zensur auf Ihrer Seite!” Und dann eine E-Mail seiner Sekretärin, die um Rückruf bat. Es stellte sich heraus, dass es sich sehr wohl um den „echten” Konstantin Neven DuMont handelte, der erfragen ließ, warum seine Beiträge nicht mehr freigeschaltet werden. Es erforderte dann noch mehrere weitere Telefonate mit der Sekretärin, bis wir zur Zufriedenheit ihres Chefs klären konnten: dass seine Kommentare nun wieder sofort erscheinen würden; dass der eine, der dann noch nicht sofort erscheinen war, nur deshalb nicht sofort erschienen war, weil er zu viele Links enthielt; dass ich ihn aber sofort aus der Moderationsschleife befreien würde; dass er leider die bereits gelöschten Kommentare noch einmal würde eingeben müssen etc.
Seitdem also lebt Konstantin Neven DuMont in den Kommentarspalten dieses Blogs, erzählt, dass sein Lieblingsgetränk „gefiltertes Brunnenwasser” ist, schlägt vor, dass er und ich und Kai Diekmann uns treffen sollten, um „der Bloggemeinde gemeinsam die Zusammenhänge [zu] erklären”, proklamiert investigativen Journalismus als Zukunftsstrategie, und versucht weitgehend vergeblich, ernsthafte Diskussionen über irgendwas anzustoßen. Zwischendurch fetzt er sich mit einer Ausdauer, von der ich noch nicht weiß, ob ich sie bewundernswert finden soll, mit mehreren Kommentatoren, die ihn mit großer Aggressivität und teils wilden Vorwürfen angreifen, was die Diskussion über andere Themen (zum Beispiel die der jeweiligen Blog-Einträge) ein bisschen erschwert.
Ich würde Herrn Neven DuMont daher, wie versprochen, als nicht ganz uneigennütziges Geschenk den Platz unter diesem Eintrag zur Verfügung stellen: für Links in eigener Sache, Vorschläge zur Rettung der Medienwelt, biographische Notizen, was auch immer. Und zur Auseinandersetzung mit seinen Kritikern natürlich, die ich um ein bisschen Gelassenheit und Anstand bitten möchte.
Keine Sorge: Die Kommentarspalte ist nach unten offen.
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Man kann lange Aufsätze darüber schreiben, wie sich der Charakter der Online-Medien regelmäßig von ihren Print-Müttern unterscheidet, wie Qualitätsstandards, die in der gedruckten Zeitung selbstverständlich sind, plötzlich im Internet keine Rolle mehr spielen, wie so viele ihrer Klickgeilheit erliegen und versuchen, dem Gossenjournalismus der „Bild”-Zeitung Konkurrenz zu machen.
Man kann es aber auch anhand einer einzigen Bildergalerie im Online-Ableger der „Frankfurter Rundschau” zeigen.
Die „Frankfurter Rundschau” hat sich Fotos herausgesucht.
Ein Foto von dem Skifahrer Hermann Maier, wie er weint, weil er aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden muss. Ein Foto von dem Schriftsteller Günter Grass, wie er weint, weil er an den Krebs-Tod seiner Mutter im Alter von 57 Jahren denkt; das größte Unglück seines Lebens, wie er sagt. Ein Foto von der Schauspielerin Sibel Kekilli, wie sie weint, als sie 2004 den Bambi entgegennimmt und eine wütende, verzweifelte Rede hält gegen die feinen Leute von „Bild” und „Kölner Express”, denen sie zu Recht eine „dreckige Hetzkampagne” und „Medienvergewaltigung” vorwirft. Ein Foto von dem Sänger Herbert Grönemeyer, wie er weint, als er 2003 den Echo für die Single „Mensch” bekommt, einem Lied, in dem er beschreibt, wie sehr er seine verstorbene Frau vermisst.
Die „Frankfurter Rundschau” hat diese und andere Fotos genommen und stellt sie jetzt in einer 15-teiligen Bildergalerie aus. Sie hat ihr den Titel „Prominente Heulsusen” gegeben.
Ich hoffe, dass es mir nie so schlecht geht, für ein solches Medium arbeiten zu müssen.
— 28. Oktober 2009, 1:45 — 54 Kommentare
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Claudia Pechstein vermutet, dass Jens Weinreich gedopt war, als er über sie schrieb, dass vieles dafür spricht, dass sie gedopt hat, aber das hier wird kein Text über Leute, die Dinge sportlich nehmen. Im Gegenteil.
Jens Weinreich (die Älteren werden sich noch an seine Auseinandersetzung mit DFB-Präsident Theo Zwanziger erinnern) ist einer von den Kollegen, nach denen auf irgendwelchen Podien über Qualität im Journalismus dauernd gerufen wird. Er ist einer der wenigen investigativen Sportjournalisten, kritisch und unabhängig, er recherchiert statt abzuschreiben, er verbeißt sich in Themen, auch wenn sie gerade keine Konjunktur haben. In seinem Blog zapft er das Wissen seiner Leser an und veröffentlicht Original-Dokumente, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann. Und wenn er etwas nicht weiß, schreibt er das ebenso auf, wie wenn er etwas falsch gemacht hat.
Er ist, mit anderen Worten, eine unfassbare journalistische Nervensäge, und es gibt sicher eine erhebliche Zahl von Leuten, die nur darauf warten, dass sie ihm an den Karren fahren können.
Am vergangenen Donnerstag berichtete er über die Blutdoping-Fernsehshow der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und machte einen Fehler. Er schrieb zum Beispiel in der Online-Ausgabe der „Frankfurter Rundschau”:
Inhaltliche Schwer- und Reizpunkte setzten die beiden von der Verteidigung beauftragten und bezahlten Gutachter: Holger Kiesewetter aus Berlin und Rolf Kruse vom Referenz-Institut für Bio-Analytik in Bonn.
Weinreich selbst hatte in der Pressekonferenz nach der Bezahlung gefragt, aber die Antwort teilweise falsch verstanden. Kiesewetter bekam Geld für sein Gutachten, Kruse nicht.
Nun hätte es vermutlich ausgereicht, Weinreich eine kurze Mail mit der Bitte um Korrektur zu schreiben, und alles spricht dafür, dass er dieser Bitte auch dann sofort nachgekommen wäre. Aber Weinreich erhielt keine Bitte um Korrektur, sondern noch am selben Abend per Fax eine Abmahnung von Simon Bergmann, dem Anwalt von Claudia Pechstein. Er wurde aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben.
So eine richtige Abmahnung hat gegenüber einer bloßen Aufforderung zur Richtigstellung einen schönen Nebeneffekt: Sie kostet den Abgemahnten Geld, sogar dann, wenn er der Forderung sofort nachkommt. Im konkreten Fall sind es Abmahngebühren in Höhe von 775,64 Euro inklusive Mehrwertsteuer für die Arbeitszeit des Anwalts.
Das kann man natürlich machen. Womöglich ist es im besten Interesse von Claudia Pechstein, wenn ihr Anwalt gleich mit großer Wucht gegen falsche Darstellungen ihrer Verteidigungsstrategie vorgeht, vielleicht war das auch ein Anliegen von Frau Pechstein selbst, die „Weinrich” für den „naivsten Sportjournalisten” hält, von dem sie „bislang je etwas lesen durfte”. Und natürlich muss ein Journalist für seine Fehler geradestehen — auch wenn er in diesem Fall einen unverhältnismäßig hohen Preis für ein offenkundiges Missverständnis zahlt.
So weit, so alltäglich.
Am nächsten Tag bekam Jens Weinreich eine weitere Abmahnung. Er sollte sich noch einmal verpflichten, den bereits einmal abgemahnten Satz nicht mehr zu wiederholen. Diesmal trat Simon Bergmann allerdings nicht als Anwalt, sondern als Klient auf. Absender des Schreibens war sein Sozius Christian Schertz.
Das ist ein lustiger Trick. Man behauptet, dass die falsche Aussage über Rolf Kruse und die „Verteidigung” von Pechstein nicht nur die Rechte von Pechstein verletze, sondern auch die ihres Anwalts. Und verdoppelt so die Zahl der Abmahnungen. Und die Höhe der geforderten Abmahngebühren: auf schlappe 1551,28 Euro.
Hier ist Simon Bergmann nicht mehr für Claudia Pechstein im Einsatz. Hier handeln er und Christian Schertz quasi auf eigene Rechnung. Und womöglich hatten sie davon noch eine offen. Denn Weinreich und Schertz kennen sich persönlich — von der Auseinandersetzung zwischen dem Journalisten und Theo Zwanziger. Schertz vertrat dabei den DFB und seinen Präsidenten und musste eine Reihe peinlicher juristischer Niederlagen hinnehmen.
Die Frage, ob Schertz im Recht ist und Bergmann einen Anspruch gegenüber Jens Weinreich jenseits der (längst erfolgten) Korrektur des Fehlers hat, überlasse ich gerne Juristen. Aber was die Motivation des Vorgehens angeht, spekuliere ich gerne: Es könnte ein persönlicher Akt der Revanche sein. Oder der Versuch, einen kritischen, lästigen Journalisten einzuschüchtern. Es geht nicht um Gerechtigkeit (und um die Wahrheit schon gar nicht); es geht um Schadensmaximierung. Wer es wagt, kritisch über Pechstein und ihre Fernsehshow zu berichten, wer sich traut, kritisch über Simon Bergmann und seine PR- und Verteidigungsstrategie zu berichten, wer hartnäckig nervt, soll gewarnt sein: Schon ein blöder Fehler kann richtig teuer werden.
Christian Schertz hat uns bei BILDblog und mich bei den juristischen Auseinandersetzungen um dieses Blog sehr unterstützt. Aber ich habe mich (auch weil es schon früher Anlass für Zweifel gab) entschieden, mich in Zukunft nicht mehr von der Kanzlei Schertz-Bergmann vertreten zu lassen.
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Um 13 Uhr lief über die Ticker die Nachricht, auf die alle gewartet hatten. Reuters meldete:
Steinmeier präsentiert Wahlkampfteam ohne Überraschungen
Die Überraschung war perfekt: Der SPD-Kanzlerkandidat hatte sich tatsächlich, wie erwartet, gegen Überraschungen entschieden. Seit Tagen hatten die Medien atemlos spekuliert, ob Steinmeiers Wahlkampfteam wohl Überraschungen enthalten könnte, denn das ist ja, wie alle wissen, das, wonach sich die Menschen in diesen Krisenzeiten wirklich sehnen. Begierig hatten sich die Journalisten auf überraschend vorab bekannt gewordene Details über geplante Überraschungen gestürzt und überrascht festgestellt, dass die Bekanntgabe geplanter Überraschungen Überraschungen ihren Überraschungscharakter nimmt.
Heute Mittag aber beendete Frank-Walter Steinmeier alle Spekulationen, und endlich konnten die Politprofis in den Medien sich der entscheidenden politischen Frage zuwenden, die mit der Vorstellung eines Wahlkampfteams verbunden ist, nämlich: ob es eine Überraschung war.
Zeichnen wir also den politischen Diskurs der vergangenen Tage noch einmal nach:
- „Und was macht die Parteispitze? Sie stellt in dieser Woche ein Kandidatenteam vor. Darin finden sich die allseits bekannten Minister der Bundesregierung und – der Versuch einer Überraschung – ein paar bundesweit bislang weniger bekannte Sozialdemokratinnen.”
— Süddeutsche Zeitung, 27. Juli
- „Auftrieb erwarten die Wahlkampfberater um Steinmeier und SPD-Chef Franz Müntefering nun von der Präsentation eines Spitzenteams am Donnerstag. (…) Als sicher gilt, dass die bewährten SPD-Minister aus der großen Koalition allesamt mit dabei sein werden — auch die Gesundheitsministerin. Zugleich soll es aber neue Personen geben, Bekannte und auch Überraschungen.”
— dpa, 28. Juli.
- „Doch mit größeren Coups, die die Republik elektrisieren könnten, wird in Berlin nicht gerechnet. Als Überraschung gilt allenfalls das Engagement der bis dato weithin unbekannten 35-jährigen Manuela Schwesig, über das der „Spiegel” vorab Kenntnis erlangte.”
— Hamburger Abendblatt, 28. Juli.
- „Die größte Überraschung dürfte Manuela Schwesig, Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, sein.”
— Rheinische Post, 28. Juli
- „Es wäre eine riesengroße Überraschung, wenn SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag mit seinem Kompetenzteam auch eine prominente Persönlichkeiten aus der Welt jenseits der Politik als Wahlhelfer vorstellen würde.”
— Tagesspiegel, 29. Juli.
- „Frank-Walter Steinmeier zog gestern die logische Konsequenz: Die Gesundheitsministerin werde vorerst nicht zum Kompetenzteam der SPD gehören. Doch ob das als Befreiungsschlag reicht? Denn das Kompetenzteam, das der Außenminister heute offiziell vorstellen will, um neuen Schwung für den Wahlkampf zu entfachen, enthält wenig Überraschungen.”
— Handelsblatt, 30. Juli.
- „Größere Überraschungen erwartet dabei niemand mehr: Mit Ausnahme der 35-jährigen Manuela Schwesig setzen die SPD und ihr Kandidat offenbar auf bekannte Kräfte.”
— Mannheimer Morgen, 30. Juli.
- „Einzige positive Überraschung in der Mannschaft ist die Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig.”
— Frankfurter Rundschau, 30. Juli.
- „Bei der Besetzung seines Kompetenzteams für den Wahlkampf hält SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier einige Überraschungen bereit.”
— B.Z., 30. Juli.
- „Eine Überraschung hat Steinmeier im Bereich Kulturpolitik zur Hand: Auch Christina Rau, Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, soll im SPD-Team sein.”
— Hamburger Abendblatt, 30. Juli.
- „Steinmeiers Schattenkabinett: Bekannte Gesichter, wenig Überraschungen.”
— Spiegel Online, 30. Juli.
- „Es ist ein grundsolides Team geworden. Ohne Ecken und Kanten, ausgewogen, was die Geschlechter angeht, die Parteiflügel und die wichtigen Landesverbände. Aber eben auch ein Team, das nicht gerade regelmäßig in den Glamour-Gazetten auftauchen dürfte und keinerlei wirkliche Überraschung bietet.”
— Spiegel Online, 30. Juli.
- „Ansonsten bot die bunte Truppe, die sich am Seeufer gutgelaunt zum Foto-Termin präsentierte, wenig Überraschendes. Dass Deutschlands jüngste Ministerin, Mecklenburg-Vorpommerns Sozial-Ressortchefin Manuela Schwesig (35) zumindest optisch der Star sein würde, war bereits am vergangenen Freitag durchgesickert.”
— Bild.de, 30. Juli.
- „Eine Überraschung ist sicher auch Nominierung von Harald Christ.”
— Zeit Online, 30. Juli.
- „Namhafte Überraschungen blieben aus. Steinmeier präsentierte in seinem Team auch einen Multimillionär, den Jungunternehmer und Vermögensverwalter Harald Christ.”
— Reuters, 30. Juli, 15:55 Uhr.
- „Der selbstständige Finanzinvestor und ehemalige Banker Harald Christ ist die größte Überraschung im SPD-Kompetenzteam, das Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auf der Potsdamer Halbinsel Hermannswerder am Donnerstag vorstellt.”
— Stuttgarter Nachrichten, 30. Juli.
- „Große Überraschungen blieben aus.”
— dpa, 30. Juli, 16:02 Uhr.
- „Der ganz große Überraschungscoup blieb bei der Präsentation des SPD-Wahlkampfteams aus.”
— dpa, 30. Juli, 16:31 Uhr.
- „Der Kanzlerkandidat überrascht mit seinem Team durch unbekannte Namen. Prominente Überraschungen gibt es nicht. Vor allem zwei Gesichter sind es, die niemand auf der Liste hatte und Neugier wecken: Unternehmer Harald Christ, der sich um Mittelstandspolitik kümmern soll, und Landwirt Udo Folgart, dessen Kompetenz die Agrarpolitik ist.”
— n-tv.de, 30. Juli.
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- „Acht Wochen vor der Bundestagswahl hat SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sein ‚Schattenkabinett’ vorgestellt. Viele Frauen und ein Multimillionär sind dabei – aber keine Überraschungen.”
— Deutsche Welle, 30. Juli.
- „Doch größere Coups, die die Republik elektrisieren könnten, gab es nicht. Als Überraschung gilt nur das Engagement der weithin unbekannten Manuela Schwesig.”
— Westfälische Rundschau, 30. Juli.
- „Viele Namen dieses Wahlkampfteams kennt man. Andere muss man sich nicht merken. Große Überraschungen hat es nicht gegeben.”
— Westfalen-Blatt, 31. Juli.
- „Steinmeier bläst zum Angriff – mit einem Kompetenzteam, das alles andere als eine Überraschung ist – sieht man mal von dem Multimillionär aus dem Arbeitermilieu ab.”
— Express, 31. Juli.
Was bleibt also als Fazit über dieses Schattenkabinett? Abgesehen von den Überraschungen war es nicht überraschend. Und natürlich:

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Die Meldung war Chefredakteur Uwe Vorkötter so wichtig, dass er sich am vergangenen Samstag auf Seite 1 der „Frankfurter Rundschau” an seine Leser wandte:
(…) Es gibt (…) viele starke Argumente für die FR. Auf ein weiteres möchte ich Sie, aus aktuellem Anlass, hinweisen.
„Frankfurter Rundschau veröffentlicht Deutschlands meistzitierte Nachricht” – so lautet die Schlagzeile einer Untersuchung, die gestern veröffentlicht wurde. Das Institut Landau Media hat 62 meinungsführende deutsche Publikationen ausgewertet und festgestellt, dass die FR die Exklusiv-Story des Jahres 2008 hatte: Es ging um den Datenklau bei der Landesbank Berlin, von dem Zehntausende Kreditkarten-Kunden betroffen waren. 111 Mal wurde die Enthüllung unseres Autors Matthias Thieme in anderen Medien zitiert.
Na, herzlichen Glückwunsch — wobei: Der „Datenklau”? Die „Enthüllung”?
Die „Exklusiv-Story des Jahres 2008″, die älteren werden sich erinnern, war jene, mit der die FR am Samstag, den 13. Dezember unter der Überschrift „Gigantisches Datenleck” aufmachte. Ein „neuer Datenskandal” zeichne sich ab, der zehntausende Kunden betreffe, die Daten seien der FR „anonym per Post zugespielt” worden. Die Polizei könne nicht ausschließen, hyperventilierte die FR zwei Tage später, dass mit den „Zehntausenden Kreditkarten-Daten illegale Käufe im Internet getätigt wurden” — obwohl derzeit keine Anzeigen vorlägen. „Nach Informationen der FR”, schrieb die FR, „ist es bereits zu kriminellen Abbuchungen bei Kunden gekommen, deren Daten vom Finanzdienstleister Atos Worldline bearbeitet wurden. Bei der FR gingen Schreiben von Kunden aus ganz Deutschland ein, von deren Konten Unbekannte Beträge bis zu 5000 Euro abgebucht hatten.”
Die Zeitung versuchte noch ein paar Tage, aus allem, was nicht völlig auszuschließen war, eine Aufregermeldung zu machen. Dann gab die Polizei bekannt, was hinter dem „Datenklau” steckte: Zwei Kurierfahrer hatten ein an Vorkötter adressiertes Paket mit einem Christstollen geöffnet und den Inhalt gegessen. Das Adressen-Etikett klebten sie stattdessen auf die für die Landesbank Berlin bestimmte Lieferung. (Die „FAZ” meldete am nächsten Tag: „Ungeklärt blieb gestern nur noch, ob dem Chefredakteur noch rechtzeitig zum Fest ein Ersatzstollen zugeschickt werden kann. Der Markt der Kurierdienste, so heißt es in Frankfurt, sei derzeit sehr verunsichert.”)
Das „starke Argument” für die „Frankfurter Rundschau”, das der Chefredakteur seinen Lesern am Samstag nicht vorenthalten wollte, ist das erfolgreiche Öffnen eines Christstollenersatzpaketes. Man kann sich seine größten Erfolge nicht aussuchen.
— 9. Februar 2009, 15:38 — 33 Kommentare
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