Um 10.25 Uhr hat gestern ein Leser die Redaktion des Online-Angebotes der »Rheinischen Post« darauf hingewiesen, dass es sich bei ihrer von AFP übernommenen und (wie bei »RP Online« üblich) zum Eigenbericht umdeklarierten Meldung über das geplante EU-Verbot von Synchronisationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen um eine Falschmeldung handelte:

Er fügte als Beweis einen Link zur Homepage des Europaparlamentes bei und fasste seinen Kommentar sicherheitshalber mit den Worten zusammen:
Nochmal: Niemand im EP hat vor, Synchronisierungen zu verbieten.
Vier Minuten später kommentierte ein anderer Leser an der gleichen Stelle:
Vielleicht hat die RP hier etwas missverstanden?
(…) Wer sich die Pressemitteilung des Parlaments einmal anschaut, wird schnell feststellen, um was es dabei wirklich geht: darum, TV-Informationen generell mit Untertiteln für Hörgeschädigte zu versehen. (In ARD und ZDF ist das bei vielen Sendungen auch jetzt schon üblich.) Dass man dies so interpretiert, als wolle das Europäische Parlament die Synchronisierung von Filmen verbieten, ist … tja, was? Dummheit? Böse Absicht?
Am Fuß der Presseinfo http://www.europarl.europa.eu/news/expert/… ist ein Link zum Text der Erklärung. Einfach mal nachlesen. :)
Und was machten also die Leute von »RP Online« mit diesen sachdienlichen Hinweisen? Was sie ungefähr immer machen: Sie ignorierten sie.
Und als dann am Nachmittag um 16:40 Uhr die Agentur AFP ihre Falschmeldung endlich zurückzog, was machten die Leute von »RP Online« dann? Was sie ungefähr immer machen: Sie löschten kommentarlos die ganze Seite, mitsamt den Hinweisen. Stattdessen steht da nur noch eine Fehlermeldung:

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Umgang mit Kritik bei den beiden hilfreichen Kommentatoren und denen, die ihre Kommentare gelesen haben, das Ansehen der »Rheinischen Post« gemehrt hat. Aber das ist sicher ohnehin nur eine verschwindend kleine Minderheit. Sicher kann die »Rheinische Post« auf diese paar Leute als Leser gut verzichten. Sie macht dann halt ein Medienangebot für all die Ahnungslosen, Unkritischen, Desinteressierten. (Und für diejenigen, natürlich, denen es vor allem wichtig ist, dass ein »Artikel« über ein angebliches Sex-Video mit Shakira nicht weniger als vier Fotogalerien enthält. Ich schweife ab.)
Es sind nicht alle so. Der »Spiegel« hat seinen Gaga-Artikel über die angeblichen EU-Pläne immerhin korrigiert und mit einem ausführlichen Hinweis auf die Korrektur versehen. Das Medienmagazin »DWDL« hat seine Meldung (ohne Erklärung) überarbeitet und sich im Redaktionsblog entschuldigt.
Hier enden die positiven Beispiele.
Die »Bild«-Zeitung hat den Fehler, den sie gestern auf ihrer ersten Seite verbreitete, der Einfachheit halber gar nicht korrigiert.
Das erscheint mir allerdings fast weniger unanständig als das, was »WAZ«–Autor Heiko Kruska heute zu schreiben gefiel:
Die Diskussion um EU-Pläne, deutsche Synchronisation abzuschaffen, löste sich am Donnerstag in Luft auf. Eine Nachrichtenpanne in Brüssel hatte Öffentlich-Rechtlichen und der Synchronbranche die Sprache verschlagen.
Das Europaparlament will TV-Filme in öffentlich-rechtlichen Sendern nur noch als Original ohne deutsche Synchronübersetzung laufen lassen, hieß es am Mittwochnachmittag aus Brüssel. Eine glatte Fehlmeldung, wie sich gestern herausstellte. Eine Nachrichtenagentur hatte sich verzettelt – was indes einige Politiker nicht davon abhielt, ernsthaft zur fiktiven Materie Stellung zu beziehen. (…)
Die »Nachrichtenpanne« einfach mal klar in Brüssel zu verorten, weit weg vom »WAZ«-Sitz in Essen — soviel Schönung ist vielleicht normal. Aber wie sehr muss man seinen Lesern (und sich selbst) etwas vormachen wollen, wenn man sich über »einige Politiker« mokiert, die »ernsthaft zur fiktiven Materie Stellung« bezogen, und nicht erwähnt, dass das Verzetteln einer Nachrichtenagentur »indes« ihn selbst nicht davon abhielt, einen schwachsinnigen Kommentar zum Thema zu verfassen und per Pressemitteilung in die Welt zu pusten — wo er hoffentlich auf alle Zeit als Mahnmal für die Dämlichkeit und Verlogenheit von Herrn Kruska ergoogelt werden kann.
Natürlich ist der Fehler auch im sogenannten Korrekturblog des »WAZ«-Onlineportals »Der Westen« nicht korrigiert. Um das zu wissen, hätte ich dort aber auch nicht nachgucken müssen. Nachdem dort in den letzten fünf Monaten kein einziger Fehler korrigiert wurde: Könnte man diesem Blog vielleicht endlich den Gnadenschuss verpassen?
Rührend auch die Kollegen von »Welt Online«. Die haben sogar gestern nachmittag noch einen eigenen Beitrag zur Ente veröffentlicht:

Als irgendjemandem schließlich auffiel, dass ARD und ZDF zu Recht ein Missverständnis vermuteten, wurde der Artikel einfach wieder entfernt. Ohne Kommentar, ohne Erklärung, ohne Ersatz. Mit anderen Worten: Der Journalisten von »Welt Online« sehen sich nicht in der Lage, dieses Missverständnis aufzuklären. Sie können den Fehler nur entweder verbreiten oder ihn nicht verbreiten.
Was für eine Bankrotterklärung.
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Spiegel Online ist aufgefallen, dass im Dschungelcamp nicht über den Hitlergruß von DJ Tomekk diskutiert wurde, und schreibt:
Offenbar war es den Machern des Dschungelcamps zu heikel, einen Ex-Torwart, eine Ex-Pornoqueen und einen Ex-Popstar über Vorfälle mit echter Relevanz diskutieren zu lassen.
Tja, blöder Anfängerfehler von RTL, das Camp nicht mit einem Ex-Journalistenschüler, einem Ex-Ressortleiter und einem Ex-Chefredakteur zu bestücken, die jedes beliebige Thema natürlich unabhängig von seiner Fallhöhe spontan und angemessen hätten diskutieren können. Aber mal abgesehen von dieser Arroganz: Ist das nicht traurig? Journalisten produzieren nicht nur lächerliche Erregungswellen; sie halten sie dann auch noch für »echte Relevanz«!
Das scheint eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit zu sein, dass nach solchen Entgleisungen wie der von DJ Tomekk ein gemeinsamer öffentlicher Wettlauf beginnt, mit dem sich möglichst viele Leute so lächerlich zu machen versuchen, dass die auslösende Dummheit dagegen fast verblasst.
Die Medienmaschine war sofort angesprungen. Bild.de hatte das Video, das bis dahin noch niemand kannte, von dessen Existenz außer »Bild« noch niemand wußte, bereits bei der Erstausstrahlung mit dem Satz vertont: »Dieses Skandalvideo schockiert Deutschland«. Und die Nachrichtenagentur AFP reagierte reflexartig und brachte noch vor dem Aufstehen eine Meldung, die mit dem Satz begann:
Ein handfester Nazi-Skandal erschüttert das RTL-»Dschungelcamp«.
Ich bin ja ein Freund davon, sich sprachlich Steigerungsmöglichkeiten offen zu lassen, und frage mich: Was war — abgesehen von einem möglichen schlechten Kalauer — an diesem »Skandal«, wenn es denn einer war, »handfest«? Und was wird AFP schreiben, wenn es einmal im Dschungelcamp oder sonstwo wirklich zu einem »handfesten Nazi-Skandal« kommen sollte?
Aber »Bild« hatte den Fall ja noch vor der Veröffentlichung mithilfe des offiziellen Naziskandalometers messen lassen: dem Zentralrat der Juden in Deutschland. »Die Sache ist schockierend und erklärungsbedürftig«, attestierte dessen stellvertretender Vorsitzende Dieter Graumann. »Wer Hitler feiert, muss geächtet werden.«
Ich würde mir so sehr wünschen, der Zentralrat würde nicht jedesmal über dieses Stöckchen springen, das ihm »Bild« oder sonst ein Medium hinhält, sondern wenigstens einmal dem Kollegen so etwas antworten wie: »Wissen Sie was? Ich glaube, das können Sie auch als Nichtjude ganz gut beurteilen, was von so einem Hitlergruß zu halten ist. Sie müssen da nicht jedesmal einen organisierten Juden anrufen und als Empörungshansel missbrauchen. Oder wäre der Hitlergruß okay, wenn wir Juden sagen würden, er ist okay? Wäre es nicht ein Zeichen von Reife der deutschen, überwiegend nicht-jüdischen Gesellschaft, sechs Jahrzehnte nach dem Holocaust, von ganz alleine, ohne Vorgabe von uns, die nötige Empörung oder Nicht-Empörung aufzubringen? Und whothefuck ist DJ Tomekk?«
Aber stattdessen sagt der Zentralrat, was von ihm erwartet wird, und »wir« sind auf eine komplizierte Art von einer eigenen Auseinandersetzung entlastet, aber auch entmündigt.
Und dann kommt, unvermeidbar wie eine Lawine — Michel Friedman.
Ausgerechnet in der »B.Z.«, einem rechten Witzblatt, kommentiert er DJ Tomekks Sekundenauftritt mit der ihm eigenen Übersteuerung (sein interner Lautstärkeregler ist vor Jahren abgebrochen) und beantwortet die Frage: »Kann man sich für einen Hitler-Gruß so einfach entschuldigen?« in der üblichen Rhetorik, in der nichts abgewogen wird, sondern alles ganz und gar ist, ohne Wenn und Aber, völlig und total. Als offenbar langjähriger Kenner der Psyche von DJ Tomekk und unter Ausblendung all der gegenteiligen Indizien in dem einzigen bekannten Ausschnitt aus dem Video stellt er erst einmal fest:
Dies ist kein spontaner Lausbubenstreich (…), sondern eine bewusste Handlung.
Um sich dann in eine (angesichts der Biographie Tomekks) absurde Oberstudienratspose zu werfen:
Das heutige moderne Deutschland ist die positive Antwort auf die Zerstörungswut von Hitler. Wenn DJ Tomekk das noch nicht begriffen hat, wird es Zeit, dass er es lernt.
Sein heftiger Schluckauf endet so:
Das kann [Tomekk] nur, indem eindeutig und klar die rote Karte gezogen wird und ihm stellvertretend für andere deutlich gemacht wird: In Deutschland 2008 gibt es keine Toleranz mehr gegen Intoleranz.
Friedman ist ein lustiges »mehr« in den Satz gerutscht. Vor allem aber ist ihm bei all dem Wortgetöse irgendwie das Konkrete abhanden gekommen. Was fordert er? Was will er denn nun? Was soll mit DJ Tomekk, eindeutig und klar, geschehen?
Abschieben? Wegsperren? Oder gleich die Höchststrafe: Ins »Vanity Fair«-Interview mit Michel Friedman?
[Mehr zum Thema bei »Coffee and TV« und im Hitlerblog der »taz«.]
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Soeben meldet die Agentur AFP:
Achtung Redaktionen,
bitte streichen Sie in der Meldung «Neues Lebenszeichen von in Afghanistan entführtem Deutschen» von Montagabend um 19.40 Uhr den kompletten dritten und vierten Absatz. Bitte streichen Sie ebenso in der 4.ZF zum selben Thema von 20.58 Uhr den kompletten dritten Absatz sowie die ersten drei Sätze des vierten Absatzes. Die darin unter Berufung auf bild.de zitierten Äußerungen von Rudolf B. sind nicht neu, sondern stammen aus einem bereits im August verbreiteten Video der Geisel. AFP hatte versehentlich auf Archivmaterial von bild.de zurückgegriffen.
Wie peinlich.
Mal abgesehen davon, dass für die Nachrichtenagentur AFP also das Erotik-, Werbe– und Fehlerportal Bild.de eine zuverlässige Nachrichten-Quelle wäre, sie es aber nicht einmal schafft, zwischen aktuellen und Archiv-Artikeln auf Bild.de zu unterscheiden: Ist der Gedanke eigentlich völlig abwegig, dass bei Nachrichtenagenturen mindestens ein Mensch über die Meldungen schaut, der mit dem Thema halbwegs vertraut ist und deshalb merkt, wenn man gerade als falsche Neuigkeit verkauft, was sechs Wochen alt ist?
Gemeldet hatte AFP gestern um 19.40 Uhr:
(…) Die Online-Ausgabe der «Bild»-Zeitung berichtete von einem vom afghanischen Privatsender Tolo TV ausgestrahlten Video, in dem der seit dem 18. Juli entführte Bauingenieur erschöpft wirke. Er halte sich die Brust, während er von einem Hustenanfall geschüttelt werde. «Meine Medizin geht in drei Tagen zu Ende. Ich bitte alle meine Freunde in Deutschland um Hilfe,» sagte der unter Herzproblemen leidende Rudolf B. demnach verzweifelt. «Ich lebe mit den Taliban 3000 Meter hoch in den Bergen. Die Taliban versuchen, mit der afghanischen Regierung zu verhandeln, aber die redet nicht mit den Taliban.»
Bei den Verhandlungen scheine etwas «schief zu gehen», sagt die Geisel laut «bild.de» weiter. Die radikalislamischen Taliban hätten demnach versucht, Verbindung mit der deutschen Botschaft aufzunehmen. «Aber wenn die Zeit vorbei ist, wollen sie uns töten,» sagte Rudolf B. demnach. (…)
Und um 20.58 Uhr:
(…) Die Online-Ausgabe der «Bild»-Zeitung berichtete von einem vom afghanischen Privatsender Tolo TV ausgestrahlten Video, in dem der seit dem 18. Juli entführte Bauingenieur erschöpft wirke. «Meine Medizin geht in drei Tagen zu Ende. Ich bitte alle meine Freunde in Deutschland um Hilfe,» sagte der unter Herzproblemen leidende Rudolf B. demnach verzweifelt.
Bei den Verhandlungen scheine etwas «schief zu gehen», sagt er laut «bild.de» außerdem. Die radikalislamischen Taliban hätten versucht, Verbindung mit der deutschen Botschaft aufzunehmen. «Aber wenn die Zeit vorbei ist, wollen sie uns töten,» sagte Rudolf B. demnach. (…)
Über 14 Stunden vergingen danach, bis AFP sich berichtigte.
In der »Berliner Zeitung« redigiert die Meldungen offenbar auch niemand, der mit dem Thema vertraut ist. Sie hat die AFP-Falschmeldung in ihre gedruckte Ausgabe übernommen. Sie steht auch nach wie vor unkorrigiert auf Focus Online und Zeit Online. sueddeutsche.de und tagesspiegel.de haben den Fehler ebenfalls übernommen, aber inzwischen korrigiert.
— 9. Oktober 2007, 12:50 — 9 Kommentare
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Die Studie der beiden britischen Wissenschaftler Mark Bellis und John Ashton ist genau der Stoff, nach dem unsere Boulevardmedien (vulgo: unsere Medien) süchtig sind. Sie haben herausgefunden, dass Rockstars ein erheblich erhöhtes Risiko haben, jung zu sterben.
Es gibt dazu mehrere Agenturmeldungen. Eine seriöse ist von AFP und liest sich so:
Studie: Rockstars leben in ersten fünf Jahren des Ruhms gefährlich / Wilde 70er waren für Popmusiker besonders riskant
Rockstars sterben früher als Otto Normalverbraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der John-Moores-Universität in Liverpool, die die Lebenserwartung von globalen Größen der Rockmusik mit der der gewöhnlichen Bevölkerung vergleicht. Der Lebensweg von mehr als tausend Musikern, die aus einer Liste der 1000 meistverkauften Platten aus dem Jahr 2000 ausgewählt wurden, wurde von den Wissenschaftlern ausgewertet. (…)
Insgesamt 100 Weltstars starben in der Zeit von 1956 bis 2005. Über eine Zeitspanne von 25 Jahren war ihre Sterblichkeit 70 Prozent höher als die der Durchschnittsmenschen. Als besonders gefährlich erwiesen sich die ersten fünf Jahre des Ruhmes, während derer die Wahrscheinlichkeit 240 Prozent höher ist, das Zeitliche zu segnen, als bei Normalsterblichen.(…)
Die Version von AP ist, vorsichtig gesagt, nicht ganz so seriös:
Popstars sterben früher
(…) Eine britische Studie zeigt, dass nordamerikanische prominente Musiker durchschnittlich nur 42 Jahre alt werden. Europäische Stars sterben demnach noch deutlich früher, nämlich schon mit 35 Jahren. (…)
Von wegen. Das ist nicht das Alter, das Rockstars durchschnittlich erreichen. Sondern das Alter, das diejenigen 100 der insgesamt 1000 untersuchten Rockstars durchschnittlich erreicht haben, die bereits gestorben sind. Dadurch, dass all die, die früh gestorben sind, in die Berechnung eingegangen sind, aber noch lebende Opas wie Paul McCartney, Mick Jagger und Elton John nicht, wird die Rechnung natürlich verzerrt.
Und eigentlich könnte man als Journalist auch ahnen, dass die Aussage nicht stimmen kann, europäische Rockstars würden im Schnitt nur 35 Jahre alt. Aber natürlich nur, wenn das Gehirn nicht völlig damit beschäftigt ist, sich die dazu passende geile Überschrift oder die Klickzahlen, die sich mit ihre generieren lassen, auszumalen.
Entsprechend findet die Falschmeldung von AP guten Absatz. Sie steht heute zum Beispiel in der gedruckten »Berliner Zeitung«, bei »Welt Online«, auf FTD.de (mit Bildergalerie »Die erfolgreichsten toten Musiker«). Auf der Titelseite von »Bild« ist die AP-Meldung zu dieser erstaunlichen Überschrift geronnen:

Aber den Vogel schießt Spiegel Online beim Versuch ab, das vermeintliche Ergebnis zu personalisieren:
Nordamerikanische prominente Musiker, die die Studie berücksichtigte, wurden durchschnittlich 42 Jahre alt, europäische Stars starben im Schnitt sogar noch früher, nämlich schon mit 35 Jahren. Babyshambles-Sänger Pete Doherty, 28, hätte er [sic] demnach noch sieben Jahre zu leben.
— 4. September 2007, 19:33 — 41 Kommentare
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Auch Herr Knüwer verzweifelt an der schlechten Arbeit der Nachrichtenagenturen und der vielfachen Verbreitung ihrer Fehler. Sein Aufhänger ist die Meldung, die man zum Beispiel bei »Spiegel Online« unter der Überschrift »Rowling schürt Hoffnung auf achten Band« lesen kann. Es ist eine Überschrift, die am Montag sicher häufig geklickt wurde, und sie ist falsch.
Man kann sich nämlich ansehen, was Joanne K. Rowling am Freitag in der BBC zu Jonathan Ross über die Zukunft von Harry Potter gesagt hat, und es war wörtlich:
I think that Harrys story comes to quite a clear end in book seven. But I’ve always said that I wouldn’t say never. I can’t say I’ll never write another book about that world, just because I think: What do I know, in ten years‹ time I might want to return to it. But I think it’s unlikely.
(Ich finde, Harrys Geschichte findet im siebten Band ein klares Ende. Aber ich habe immer gesagt, dass ich nie nie sagen würde. Ich kann nicht sagen, dass ich nie wieder ein Buch über jene Welt schreiben werde, einfach weil ich denke: Ich weiß ja nicht, ob ich nicht in zehn Jahren vielleicht dazu zurückkehren will. Aber ich glaube, das ist unwahrscheinlich.)
Sie spricht nicht von einem Harry-Potter-Buch, sondern von einem Buch, das in dessen Welt spielt, und sie macht selbst darauf wenig Hoffnung. Und doch steht das Gegenteil überall, nicht nur online. Quelle ist die Nachrichtenagentur AFP, die seit Montagnachmittag mehrere entsprechende Meldungen sowohl international als auch auf deutsch verbreitet. Herr Knüwer fragt sich, warum überhaupt erst jetzt, wenn doch das BBC-Interview am Freitag war. Die Antwort ist einigermaßen erschütternd: Weil AFP das Zitat umdatiert und in einen anderen, spannenderen Kontext gerückt hat:
Fans der Romanserie »Harry Potter« können möglicherweise aufatmen: Die Schriftstellerin Joanne K. Rowling ist am Montag von ihren vorherigen Äußerungen abgerückt, sie wolle die erfolgreiche Reihe nicht fortsetzen. »Man soll nie nie sagen«, erklärte Rowling nach Angaben ihres Verlags Bloomsbury. (…)
Mit ihrer Erklärung reagierte Rowling auf eine am Montag im Internet gestartete Initiative zur Fortsetzung der Romanserie. (…)
Aber hat sie das nicht schon am Freitag gesagt, also vor dem Start der Unterschriftenaktion im Internet? Ja, hat sie. Und auf Nachfrage am Montag hat ein Sprecher offenbar auch nur bestätigt: »As she said on Friday night in her BBC interview with Jonathan Ross — never say never.«
Wenn Rowling also von früheren Erklärungen abgerückt ist, dann nicht als Reaktion auf die neuen Protestinitiativen. Im BBC-Interview sagt sie aber ausdrücklich, sie sei von gar nichts abgerückt (»I’ve always said…«). Und tatsächlich findet sich zum Beispiel eine Meldung der Nachrichtenagentur AP vom 4. März 2004, in der sie die Frage, ob sie nach dem siebten Band weitere Harry-Potter-Bücher schreibe wolle, so beantwortet:
»Probably not. But I’ll never say never because every time I do, I immediately break the vow.«
Auch am Wortlaut von Rowlings Sätzen in der BBC hat AFP ein bisschen geschraubt. In der deutschen Meldung wird sie mit den Worten zitiert, Harrys Geschichte nehme »traurigerweise« im siebten Roman einen ziemlich deutlichen Ausgang. In der englischen AFP-Meldung ist der ganze Satz zitiert: »I think that Harry’s story comes to quite a clear end, sadly.« Aber das »sadly«, das so gut zur Mär von der Autorin passt, die nicht mehr aufhören kann, über ihren Helden zu schreiben, hat sie im Original nicht gesagt.
Wie man es dreht: Die Nachricht ist keine Nachricht. Es ist nur genau die Geschichte, die die Journalisten schreiben und die Leute lesen wollen, und deshalb steht sie überall.
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