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So lügt Udo Ulfkotte

29 Aug 08
29. August 2008

Vor zwei Wochen hat sich die britische Boulevardzeitung „The Sun“ bei Arunas Raulynaitis entschuldigt. Im März hatte sie unter der Überschrift „Everyone off my bus, I need to pray“ berichtet, dass der muslimische Londoner Busfahrer seine Fahrgäste aufgefordert habe, seinen Bus zu verlassen, damit er beten konnte. Und dass sich die Fahrgäste hinterher geweigert hätten, wieder einzusteigen, weil sie gesehen hätten, dass er einen Rucksack dabei hatte, und ihn für einen potentiellen Attentäter gehalten hätten.

Nun räumte die „Sun“ öffentlich ein, dass ihre Verdächtigungen „komplett unwahr“ waren:

Mr Raulynaitis is not a fanatic and he did not ask passengers to leave his bus to allow him to pray.

In fact, he was praying during his statutory rest break.

(Herr Raulynaitis ist kein Fanatiker und hat die Fahrgäste nicht dazu aufgefordert, den Bus zu verlassen, damit er beten konnte.

In Wahrheit hat er während seiner gesetzlich vorgeschriebenen Pause gebetet.)

Aber wer glaubt schon, was ein im Zweifel rassistisches und notorisches Lügenblatt wie die „Sun“ schreibt?

Udo Ulfkotte. Udo Ulfkotte, Autor des Buches „So lügen Journalisten“. Ex-FAZ-Redakteur, Möchtegern-Politiker, Islam-Kritiker, Kreuzretter, Seher des bevorstehenden Untergangs des Abendlandes.

Die von ihm betriebene Sammlung von vermeintlichen Beispielen für die angebliche Islamisierung Europas, „Akte Islam“, berichtete unter Bezug auf die „Sun“:

London: Busfahrer schmeisst [sic] Fahrgäste raus — um zu Allah zu beten

Im multikulturellen Großbritannien ist man vieles gewohnt. Und es bedarf schon einigen Interesses der Medien, um merkwürdiges multikulturelles Verhalten überhaupt noch wahrzunehmen. Einem Londoner Busfahrer ist das nun gelungen. Der Mann ist Moslem. Und er fährt einen der weltweit bekannten roten Doppeldecker. Zur Gebetszeit im morgendlichen Berufsverkehr hat er den Bus angehalten und alle Passagiere aussteigen lassen. Dann entrollte er seinen Gebetsteppich und betete zu Allah. Die Fahrgäste staunten ungläubig und dachten an einen Streich mit einer versteckten Kamera — doch es war kein Scherz.

Einer der Fahrgäste filmte den betenden Busfahrer am Strassenrand mit seinem Mobiltelefon, sonst hätten ihm die Geschichte wohl auch die Medien nicht geglaubt. Dürfen Busfahrer während der Arbeitszeit zu Allah beten — und Menschen zu spät zur Arbeit kommen lassen…?

Anders als bei der „Sun“, die ihren ursprünglichen Bericht offenbar gelöscht hat, steht die Meldung heute noch bei Ulfkotte. Erst habe ich mich gefragt, wie es Ulfkotte und seine Gesinnungsgenossen schaffen, regelmäßig jede noch so kleine Meldung über eine Gräueltat im Namen des Islam zu finden, aber ihre Korrektur zu übersehen (was natürlich eine rhetorische Frage ist).

Aber die Frage ist falsch. Ulfkotte hat die Korrektur gar nicht übersehen. „Akte Islam“ hat wenige Tage später sogar auf eine Darstellung des Vorfalls verlinkt, die der „Sun“-Version widersprach. Konkret auf einen Artikel im „Slough and Windsor Observer“ vom 6. April, in dem es heißt:

Bosses have analysed evidence, including CCTV footage, and say the driver was actually on his 10-minute break when the incident took place at around 1.30pm on Thursday.

(Vorgesetzte haben Beweise einschließlich von Aufnahmen der Überwachungskamera untersucht und sagen, dass der Fahrer in Wahrheit gerade seine zehnminütige Pause hatte, als es zu dem Vorfall gegen 13.30 Uhr am Donnerstag kam.)

Der Bus sei aufgrund einer großen Verspätung von der Zentrale außer Betrieb genommen worden. Die Fahrgäste hätten ihn verlassen müssen, um ihre Reise mit einem nachfolgenden Bus fortzusetzen.

Verlinkt hat Ulfkottes „Akte Islam“ diesen Artikel, wie gesagt. Aber seinen Inhalt gibt „Akte Islam“ ganz anders wieder:

Sonderrechte für Moslems im Strassenverkehr

Wir hatten unlängst an dieser Stelle über einen moslemischen Busfahrer aus London berichtet, der den erstaunten Passagieren während der Fahrt erklärte, er müsse jetzt zu Allah beten, dann anhielt, alle Fahrgäste aussteigen ließ, einen Gebetsteppich ausrollte und sich auf dem Boden des Busses in Richtung Mekka verneigte.

Die Passagiere glaubten an einen Streich mit verstärkter [sic] Kamera — doch die Arbeitgeber des Mannes gaben ihm nun Recht. Der muslimische Busfahrer habe schließlich seine Pausenzeit für das islamische Gebet genutzt. Und damit sei die Angelegenheit in Ordnung. Als Moslem müsse er ja zu bestimmten Zeiten zu Allah beten (…).

Nein. Das haben die Arbeitgeber nicht gesagt. Das steht da nicht. Und das stimmt nicht.

[gerade erst gesehen: bei „Too Much Cookies“ steht diese Geschichte schon lange]

Nachtrag, 12:50. Na sowas. Plötzlich fehlen die entsprechenden Einträge bei „Akte Islam“. Im Google-Cache findet man sie noch: (1), (2).