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Keine gemischte Sauna für Cem Özdemir

Schon aus Unterhaltungsgründen wäre es zu begrüßen, wenn auch deutsche Medien begönnen, ihre Fehler konsequent zu korrigieren. Das hier ist eine Meldung der Nachrichtenagentur AP:

Correction: German-Turkish Trailblazer story

BERLIN (AP) — In a Nov. 14 story about German Green Party politician Cem Ozdemir, The Associated Press incorrectly reported an anecdote that he uses to illustrate a cultural difference between Germans and Turks.

In the anecdote, Ozdemir recounts entering a sauna in Turkey to find a group of naked German men. He starts talking to them and loosens his towel in accordance with German custom. When an older German-Turkish man enters wearing a towel, as is Turkish custom, Ozdemir said he put his towel back. After he put his towel back on, the man told Ozdemir that he had been right to follow German custom.

The AP story erroneously quoted Ozdemir as having said that the incident involved a naked German woman walking into the sauna.

[via Regret The Error, natürlich]

 
— 23. November 2008, 0:28 — 27 Kommentare

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»morgen bestellen wir ap ab«

Ich bin kein Fan von »Welt Kompakt«, aber diese Wortmeldungen aus der Redaktion sind eine wunderbar ungefilterte Form von Medienkritik und ein schöner Einsatz des Mikro-Blogging-Tools »Twitter«:



AP hatte um 21:23 Uhr eine Eilmeldung mit folgendem Inhalt versandt:

US-Regierung: Verschwörung zur Ermordung Obamas aufgedeckt

Washington (AP) Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben eine Verschwörung zur Ermordung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama aufgedeckt.

Erst eine Stunde später, aber ungleich treffender berichtete Reuters, ganz ohne aufgeregtes »Eil«: »Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl haben die US-Behörden offiziellen Angaben zufolge möglicherweise einen Anschlag auf den demokratischen Kandidaten Barack Obama vereitelt.«

Mehr bei Medienrauschen.

 
— 27. Oktober 2008, 23:39 — 61 Kommentare

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Doppelt tragisch

AP-Meldung von heute:

[via Regret the Error, natürlich]

 
— 4. August 2008, 23:17 — 29 Kommentare

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Wenn »Bild« das schreibt, wird’s stimmen

Kommen wir zu weiteren Antworten auf die beliebte Frage: »Wer glaubt schon, was in der ›Bild‹-Zeitung steht?«

Die Nachrichtenagentur AP glaubt es. Sie übernahm bekanntlich aus »Bild« die ebenso doofe wie falsche Behauptung, das »Gerangel um die Aust-Nachfolge … zieht offensichtlich auch die Auflage [des ›Spiegel‹] nach unten«, die »Bild« zufällig einfiel, nachdem der »Spiegel« über den Auflagenrückgang von »Bild« berichtete.

Die »taz« glaubt es auch. Sie ließ die Quelle »Bild« weg, machte sich die Interpretation aber zu eigen und vermeldete sie sogar unter der Überschrift »Nach Posse um Chefredaktion / »Spiegel«-Verkauf bricht ein«:

(…) Die Einzelverkäufe sind im vierten Quartal 2007 auf 337.500 Exemplare gesunken. (…) Ein Einbruch von fast 20 Prozent und das schlechteste Ergebnis seit 2003. Möglicherweise liegt das an der schlechten Presse, die im vierten Quartal ordnerweise über den Spiegel erschien und nicht gut fürs Image war.

Und im Zweifel glaubt es auch »turi2«, der »Aufsteiger unter den Branchendienst für Medien und Kommunikation« und BILDblog-Kritiker, der gestern berichtete:

Übrigens hat die dilettanische [sic] Nachfolgersuche für Aust dem »Spiegel« einen erheblichen Imageschaden verpasst: Im vierten Quartal 2007 ging der Einzelverkauf laut IVW um 20 Prozent zurück.

(Von einem Rückgang um 20 Prozent zu sprechen, wie »taz« und »turi2« es tun, ist ohnehin unzulässig, weil nur ein Vergleich mit dem Vorjahresquartal aussagekräftig ist; nicht der des Herbstes mit dem Sommer.)

taz.de und turi2.de demonstrieren auch schön die Attrappenhaftigkeit vieler Kommentarfunktionen. Unter beiden Artikeln stehen Kommentare von Lesern, die unter Verweis auf BILDblog schreiben, dass der behauptete Zusammenhang zwischen der Personalie Aust und dem Auflagenrückgang nicht stimmen könne. Und bei beiden Artikeln gibt es keine Reaktion auf diese Hinweise: Keine Korrektur, Ergänzung oder wenigstens Antwort eines Redakteurs oder Mitarbeiters in den Kommentaren. Das ist so interaktiv und Web-2.0-ig wie ein Anrufbeantworter.

Und wer glaubt noch, was in der »Bild«-Zeitung steht? Das Fernsehen natürlich. Die Mär, dass der Hai, der auf einem »Bild«-Leserreporter-Video zu sehen ist, 3,50 Meter lang sein soll, verbreiteten nach Informationen von BILDblog-Lesern gestern »Brisant« (ARD) und »Hallo Deutschland« (ZDF), ProSieben und der »Nachrichtensender« N24 — und betonten dabei teilweise auch noch diese unglaubliche Länge, die schon bei einem Blick auf das Video selbst noch unglaublicher wird.

 
— 8. Februar 2008, 17:07 — 29 Kommentare

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Medizin-Nobelpreisträger-Memory

Die Sache mit den drei Medizin-Nobelpreisträgern ist unübersichtlich:

Oliver Smithies lehrt und forscht an der Universität von North Carolina at Chapel Hill in den USA, Mario Capecchi an der Universität von Utah in den USA und Martin J. Evans an der Universität Cardiff in Großbritannien. Der 70-jährige Capecchi stammt aus Italien und ließ sich in den USA einbürgern. Smithies, 82 Jahre alt, hat ebenfalls einen US-Pass, stammt aber aus Großbritannien. Der Brite Evans ist 66 Jahre alt.

So, und wenn Sie jetzt einmal versuchen, auswendig aufzusagen: Welche Nationalität haben die Preisträger? Aus welchen Ländern stammen sie ursprünglich? Und in welchen Staaten lehren und forschen sie?

Agenturen und Online-Medien haben eine Weile gebraucht, um die Antworten korrekt zu sortieren. Nehmen wir tagesschau.de. Erster Versuch:

Das mit der Nationalität ist natürlich falsch. Zweiter Versuch:

Öhm, nein. Dritter Versuch, immer noch bei tagesschau.de:

Nein, tun sie nicht nicht.

Lustig ist, dass die verschiedenen Agenturen sich aus der Fülle möglicher falscher Kombinationen von Nationalität, Herkunft und Namen jeweils eigene Fehler-Varianten herausgepickt haben. dpa meldet um 11.37 Uhr:

Stockholm (dpa) — Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den US-Bürger Mario Cappecchi, sowie die Briten Martin Evans and Oliver Smithies.

Und berichtigt um 11:57 Uhr:

Stockholm (dpa) — Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die US-Bürger Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie den Briten Martin Evans.

AP nähert sich der Sache um 11:38 Uhr so:

Stockholm (AP) Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Italiener Mario R. Capecchi, den Briten Martin J. Evans und den Amerikaner Oliver Smithies.

Das ist in der Mischung aus Herkunftsländern und Nationalitäten Quatsch, geht aber noch schlimmer. Um 12:19 Uhr schafft es AP, sich in einer Meldung selbst zu widersprechen:

Stockholm (AP) Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Amerikaner Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie an den Briten Martin J. Evans. (…)

Der 66 Jahre alte Amerikaner Evans habe Modelle entwickelt, um das das Gen-Targeting bei Mäusen einzusetzen (…). Der 82-jährige Brite Smithies wendete die Technik vor allem auf die Untersuchung erblicher Krankheiten an.

Um 13:02 Uhr wiederholt AP dieselben Fehler einfach noch einmal. Erst um 13:17 hat AP die Nationalitäten und Herkunftsländer richtig sortiert.

Und bei Reuters setzt man konsequent auf die (korrekte) Angabe der Herkunftsländer anstelle der Nationalitäten (wobei es geholfen hätte, das auch dazu zu schreiben):

Stockholm, 08. Okt (Reuters) — Der aus Italien stammende Wissenschaftler Mario Capecchi sowie seine britischen Kollegen Oliver Smithies und Martin Evans werden mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin ausgzeichnet.

Ich wüsste gerne, wieviele Online– und Agenturjournalisten heute wegen der Medizin-Nobelpreise Schreikrämpfe bekommen haben.

 
— 8. Oktober 2007, 17:34 — 21 Kommentare

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