Minus mal Minus ergibt EinsPlus: Das Digitalkanalelend von ARD und ZDF

Heute ler­nen wir, wie die ARD sich vor­stellt, in Zukunft junge Zuschauer für den öffentlich-rechtlichen Rund­funk begeis­tern zu kön­nen. Keine Sorge: Um Inhalte geht es dabei nicht.

Zur Ein­stim­mung hilft eine Übung: Wir ver­su­chen, die Digi­tal­ka­näle der ARD von­ein­an­der zu unterscheiden.

Las­sen wir tagesschau24 mal weg, das ist zu leicht, da lau­fen den gan­zen Tag Nach­rich­ten und abends Wie­der­ho­lun­gen aktu­el­ler Maga­zine, Talk­shows und Dokumentationen.

Aber es gibt ja noch Eins­fes­ti­val und EinsPlus.

Laut »Pro­gramm­kon­zept Digi­tale Fern­seh­pro­gramme der ARD« ist Eins­fes­ti­val ein »inno­va­ti­ves, kul­tu­rell ori­en­tier­tes Ange­bot mit jün­ge­rer Aus­rich­tung«. Eins­Plus hin­ge­gen sei zu einem »öffentlich-rechtlichen Service-, Rat­ge­ber– und Wis­sens­an­ge­bot wei­ter­ent­wi­ckelt« wor­den, »das schnell Akzep­tanz bei den Fern­seh­zu­schau­ern gefun­den hat«.

Markt­an­teile I/2013
ZDF­neo 0,8 Pro­zent
ZDF­info 0,6 Pro­zent
ZDF­kul­tur 0,2 Pro­zent
Eins­fes­ti­val 0,3 Pro­zent
Eins­Plus 0,1 Pro­zent
tagesschau24 0,1 Pro­zent
Zuschauer ab 3 Jah­ren. Quelle: ARD

Eins­Plus brachte es im ers­ten Quar­tal 2013 auf einen Markt­an­teil von 0,1 Pro­zent. Das ist unge­fähr das Maß an Zuschauer-»Akzeptanz«, das ent­steht, wenn meh­rere Leute beim Durch­zap­pen ver­se­hent­lich drei Sekun­den bei einem Sen­der hän­gen bleiben.

Die Defi­ni­tio­nen sind also offen­bar nicht hilf­reich. Die Namen schon gar nicht. Aber viel­leicht hilft ein Blick ins Programm:

Auf Eins­Plus läuft die »Late­Line mit Jan Böh­mer­mann«. Auf Eins­fes­ti­val läuft der »1Live Talk« mit Sabine Heinrich.

Eins­Plus zeigt aktu­elle Musik­vi­deos in der Sen­dung »Eins­Plus Charts«. Eins­fes­ti­val zeigt aktu­elle Musik­vi­deos in der Sen­dung »Clipster«.

Eins­Plus bringt »Es geht um mein Leben« mit Pierre M. Krause. Eins­fes­ti­val bringt die »SWR3 late­night« mit Pierre M. Krause.

Gut, ande­rer­seits zeigt Eins­Plus »Die aller­beste Sebas­tian Wink­ler Show« am Diens­tag­abend und Ein­fes­ti­val am Don­ners­tag­abend. Und der aktu­elle »Tat­ort« läuft auf Eins­fes­ti­val am jewei­li­gen Sonn­tag noch­mal um 21:45 und 23:45 Uhr und auf Eins­Plus gar nicht.

Es hilft, das zu wis­sen, um zu ver­ste­hen, warum die Inten­dan­ten der ARD dem ZDF am Mon­tag öffent­lich vor­ge­schla­gen haben, die jeweils drei Digi­tal­ka­näle der bei­den zu fusio­nie­ren. Die ARD ist mit dem, was man euphe­mis­tisch eine Digital-»Strategie« nen­nen könnte, umfas­send geschei­tert. Sie ver­an­stal­tet zwei Sen­der mit irre­füh­ren­den Namen und unkla­rem Pro­fil, die nie­mand aus­ein­an­der­hal­ten kann und kei­ner guckt, sowie eine Nach­rich­ten­dau­er­schleife. Es gelingt ihr nicht, ein kla­res unter­scheid­ba­res Pro­fil für die bei­den Kanäle Eins­Plus und Eins­fes­ti­val zu ent­wi­ckeln, weil das Kon­zept in Wahr­heit darin besteht, dass das eine Pro­gramm vom SWR gemacht wird und das andere vom WDR.

Des­halb ist es für die ARD auch unmög­lich, das zu tun, was nahe­lie­gend wäre: einen ihrer bei­den Möch­te­gern­ju­gend­ka­näle zu schlie­ßen. Denn dann müss­ten ja der WDR oder der SWR etwas auf­ge­ben. Und wenn ARD-Anstalten so etwas könn­ten, gäbe es keine fünf wöchent­li­chen Talk­shows und das ARD-Wirtschaftsmagazin »Plus­mi­nus« würde nicht im Wech­sel von fünf ver­schie­de­nen Mode­ra­to­ren präsentiert.

Doch nun hat die ARD doch noch eine sinn­volle Ver­wen­dung für ihre ver­murks­ten Digi­tal­ka­näle gefun­den: Sie bie­tet an, sie zu opfern, und nutzt sie gleich­zei­tig als Pfand, um das ZDF in eine Sen­der­ehe zu zwingen.

Die ARD hat ange­sichts der doku­men­tier­ten Erfolg­lo­sig­keit unge­fähr nichts zu ver­lie­ren, aber eini­ges zu gewin­nen: Gemein­sam mit dem ZDF würde ein Neu­start mög­lich, der nicht nur gesichts­wah­rend ist, son­dern sogar image­träch­tig: Es wirkt unge­mein ein­sich­tig und spar­sam und poli­tisch vor­aus­ei­lend, mit dem Vor­schlag, drei Sen­der ein­zu­spa­ren, nach vorne zu pre­schen. Gemein­sam könn­ten die Kanäle mehr Geld haben. Und auf eine bizarre Art ist es aus ARD-Sicht womög­lich sogar tat­säch­lich ein­fa­cher, die Riva­li­tä­ten zwi­schen den eige­nen Anstal­ten zu lösen, wenn man Gemein­schafts­sen­der mit dem ZDF bildet.

Alles würde bes­ser wer­den. Durch »inten­si­vere Koope­ra­tio­nen« wäre es mög­lich, die Digi­tal­ka­näle »wei­ter und bes­ser zu pro­fi­lie­ren« — sagt der Sen­der­ver­bund, dem es nicht ein­mal im Ansatz gelun­gen ist, zwei eige­nen Kanä­len ein eige­nes Pro­fil zu geben.

Wenn die sechs Digi­tal­sen­der zu dreien zusam­men­ge­legt wür­den, biete das »die Chance zu einer wei­te­ren Pro­fil­schär­fung der schon beste­hen­den Gemein­schafts­pro­gramme Pho­enix und 3sat«, träumt die ARD. Als ob es da bis­lang an »Chan­cen« geman­gelt hätte und nicht am Wil­len! Was die ARD und das ZDF bis­her daran hin­dert, das Pro­fil von Pho­enix und 3sat zu schär­fen, ver­rät die Pres­se­mit­tei­lung der ARD nicht.

Der Plan der ARD sieht vor, Eins­Plus und ZDF­kul­tur zu einem neuen Kanal für 14– bis 29-Jährige zu ver­ei­nen und Eins­fes­ti­val und ZDF­neo zu einem für 30– bis 49-Jährige. (Dass die ARD letz­tere als »jün­gere Erwach­sene« bezeich­net, spricht Bände.)

Das öffent­lich vor­zu­schla­gen und das ZDF so unter Druck zu set­zen, ist frech. Aber schon das Kon­zept auf der Grund­lage einer sol­chen Alter­sauf­tei­lung an sich ist Unsinn. Ist »Mad Men« eine Sen­dung für 30– bis 49-Jährige? Wie groß ist die Über­ein­stim­mung zwi­schen dem, was ein frisch Puber­tie­ren­der und ein Fami­li­en­va­ter mit­ten im Berufs­le­ben sehen will? Ange­sichts der gründ­lich doku­men­tier­ten Schwie­rig­keit der Öffentlich-Rechtlichen, über­haupt Zuschauer unter­halb von 50 Jah­ren anzu­spre­chen, wäre »ambi­tio­niert« ein schil­lern­der Euphe­mis­mus für den Ver­such, diese dann auch noch nach zwei Alters­grup­pen zu differenzieren.

Aber genau so scheint sich die ARD die zukünf­tige öffentlich-rechtliche Lebens­be­glei­tung der Men­schen vor­zu­stel­len. Erst gucken sie den gemein­sa­men Kika, mit ein­set­zen­der Puber­tät schal­ten sie zum gemein­sa­men Jugend­ka­nal um, mit 30 wech­seln sie dann zum gemein­sa­men jün­ge­ren Älterenkanal.

Des­halb sei es auch keine Lösung, dass die ARD ein­fach einen ihrer Digi­tal­ka­näle abschalte und sich mit dem ande­ren auf ein jun­ges Publi­kum kon­zen­triert, sagte Lutz Mar­mor, der NDR-Intendant und amtie­rende ARD-Vorsitzende, heute Vor­mit­tag bei der Pres­se­kon­fe­renz nach der Früh­jahrs­ta­gung der Inten­dan­ten: Wie soll das gehen? »Die ARD hat die ganz Jun­gen, und dann wech­seln sie zu ZDFneo?«

Mit kei­nem Wort wurde bei der weit über ein­stün­di­gen Pres­se­kon­fe­renz ange­spro­chen, was jün­gere Leute über­haupt sehen wol­len, wel­che For­men der Anspra­che rich­tig wären, wel­che Inhalte feh­len. »Die Ziel­grup­pen fächern sich auf, des­halb brau­chen wir Zusatz­an­ge­bote für diese Ziel­grup­pen«, sagte Mar­mor — als lie­ßen sich diese Ziel­grup­pen formal-technisch auf­grund ihres Alters unterscheiden.

Das ZDF hatte mit sei­nen Digi­tal­ka­nä­len ZDF­kul­tur und ZDF­neo ein bes­se­res Kon­zept: ZDF­kul­tur ist eli­tär, ZDF­neo popu­lär. Auf ZDF­kul­tur lie­fen Kon­zerte, auf ZDF­neo Serien wie »Mad Men« und »30 Rock«. Gleich drei Sen­dun­gen von ZDF­kul­tur sind in die­sem Jahr für einen Grimme-Preis nomi­niert wor­den. Kein Wunder.

Dass das ZDF mit sei­nen Kanä­len ungleich erfolg­rei­cher ist als die ARD, liegt aber auch daran, dass es beson­ders scham­los ist, was das besin­nungs­lose Wie­der­ho­len von zuschau­er­träch­ti­gen Pro­gram­men angeht. Auf ZDF­kul­tur läuft pro Woche 12-mal »Unser Charly«, 13-mal »Ein Heim für Tiere«, 15-mal »Tier­arzt Dr. Engel« und 39-mal die »Hit­pa­rade«. ZDF­neo macht seine Quo­ten nicht zuletzt mit Wie­der­ho­lun­gen von irgend­ei­ner »Soko«, »Inspec­tor Barnaby«, »Raum­schiff Enter­prise« und der schon von RTL end­los wie­der­hol­ten »Nanny«. Und ZDF­info punk­tet mit Hitler.

Eigent­lich hat der feine »Elek­tri­sche Repor­ter« seine Hei­mat auf ZDF­info. Sein ori­gi­nel­ler regu­lä­rer Sen­de­ter­min scheint inzwi­schen der Sonn­tag­vor­mit­tag um 11:30 Uhr zu sein. ZDF­info wie­der­holt die Sen­dung aber auch mon­tags gegen 4:40 Uhr, mitt­wochs gegen 4:35 Uhr, don­ners­tags gegen 0:20 Uhr, sams­tags gegen 4:30 Uhr und sonn­tags gegen 4:45 Uhr. Es scheint eine interne Vor­schrift zu geben, die Sen­dung nicht zu einer Zeit ins Pro­gramm zu neh­men, in der mehr als zwei Dut­zend Men­schen sie zufäl­lig ent­de­cken und schät­zen ler­nen könn­ten.*

Was aus dem eins­ti­gen Anspruch (oder wenigs­tens: Ver­spre­chen) von ZDF­neo (»Wenn ich mich nur berie­seln las­sen will, geh ich unter die Dusche«) gewor­den ist, hat Peer Scha­der neu­lich anschau­lich doku­men­tiert. Zwi­schen den gan­zen Wie­der­ho­lun­gen und dem »Hollywood-Freitag« fand er in einer Woche exakt 45 Minu­ten neues eigen­pro­du­zier­tes Pro­gramm. Sein Fazit über den Kanal:

Bloß ein auf Quo­ten­op­ti­mie­rung getrimm­ter Pro­gramm­pla­ner­sen­der, der sein Publi­kum aus­schließ­lich als Zahl hin­ter der Kom­ma­stelle bei der Markt­an­teils­aus­wer­tung kennt.

Und ZDF­kul­tur ist prak­tisch schon Geschichte: Der Sen­der, der mit sei­ner Spe­zia­li­sie­rung ins­be­son­dere auf Musik immer­hin eine klare Iden­ti­tät hatte, eine höchst öffentlich-rechtliche noch dazu, soll »so rasch wie mög­lich« auf ein »Wie­der­ho­lungs– und Schlei­fen­mo­dell umge­stellt wer­den«, wobei eh längst schon nicht mehr klar ist, woran man erken­nen kön­nen sollte, wann damit begon­nen wird.

Aus­ge­rech­net die­sen — von Inten­dant Tho­mas Bel­lut unge­lieb­ten — Sen­der glaubt sich das ZDF nicht mehr leis­ten zu kön­nen. Und hat dadurch, dass es ihn quasi schon als ein­ge­stellt betrach­tet, den Trumpf in der Hand, dass der Etat, den es nach den Träu­men der ARD mit in eine Jugend­ka­nal­ehe ein­brin­gen soll, gar nicht mehr vor­han­den ist.

»Wir haben ein Manko«, sagte Mar­mor. »Wir haben kein klar defi­nier­tes Ange­bot für die ganz jun­gen, die 14– bis 29-Jährigen.»
Und ich dachte, dass Eins­Plus genau so ein Ange­bot sein wollte und sich bloß man­gels Aus­stat­tung, Krea­ti­vi­tät und Kom­pe­tenz dabei nicht gut anstelle.

Was hätte das ZDF davon, mit der ARD zu koope­rie­ren? Mar­mor sagte, man könne sich heute schon vor­stel­len, wie attrak­tiv ein Sen­der wäre, der die Stär­ken, die ZDF­neo und Eins­fes­ti­val haben, kom­bi­niert. Worin die »Stär­ken« von Eins­fes­ti­val aktu­ell beste­hen, sagte er nicht. Ande­rer­seits deu­tete er an, dass sich, wenn man Eins­fes­ti­val und ZDF­neo zusam­men­legte, viel­leicht Geld spa­ren könnte, das man dann wie­derum in den Jugend­ka­nal ste­cken könnte.

Wie sich tagesschau24 und ZDF­info sinn­voll zusam­men­le­gen lie­ßen, weiß die ARD auch noch nicht. Aber das klingt natür­lich erst­mal gut, und der Pri­vat­sen­der­ver­band VPRT klatschte prompt Beifall.

Die Dis­kus­sion um die Zahl der Digi­tal­ka­näle ist ohne­hin irre­füh­rend. Es kommt nicht dar­auf an, ob es sechs sind, fünf oder drei, son­dern dar­auf, wie die Sen­der sie nut­zen und ob sie einen kla­ren Mehr­wert dar­stel­len, und sei es auch nur für eine kleine Gruppe. ZDF­kul­tur hat das im Ansatz gezeigt. Aber ZDF­kul­tur wird gerade abgewickelt.

*) Nach­trag, 16:30 Uhr. ZDF­info weist mich dar­auf hin, dass der »Elek­tri­sche Repor­ter« um 0:20 Uhr nicht ver­steckt wird, son­dern dort erwie­se­ner­ma­ßen mehr Zuschauer finde, auch in abso­lu­ten Zah­len, als wenn er nicht so spät in der Nacht liefe.

Günther Jauchs gebührend finanzierte Gehaltlosigkeit

So sprach Gün­ther Jauch, als er vor Jah­ren neben Cars­ten Maschmeyer vor einem gro­ßen AWD-Logo auf der Bühne stand:

Ich mach sol­che Ver­an­stal­tun­gen rela­tiv sel­ten. Zum einen, weil ich ja rela­tiv viel zu tun habe, und zum ande­ren, weil man natür­lich dann ja immer fragt: Was kom­men da für Leute, wer ist da der Chef, in wel­chem Rah­men ist das?

In die­sem Fall war das furcht­bar ein­fach. Weil: Ich frage zu die­sem Zweck immer den Kol­le­gen Tho­mas und sage: »Pass mal auf. Da hat jemand ange­ru­fen und hat gefragt.« Und dann run­zelte er so ein wenig die Stirn. Und als ich ihm dann erzählte, wo ich da hin­gehe und mit wem das ist und für wen das ist, sagte er: »Kenn ich, kenn ich. War ich auch schon­mal. Hab ich doch sel­ber schon gemacht. Kannste hin­ge­hen, über­haupt kein Pro­blem. Die Leute sind prima, und der Chef« — hat er mir zumin­dest gesagt, ich weiß nicht, wie gut Sie sich ken­nen — hat er gesagt, »ist auch in Ordnung.«

Gün­ther Jauch war jung, brauchte aber mut­maß­lich damals schon nicht mehr das Geld. (Ich weiß natür­lich nicht, ob er über­haupt Geld für die­sen Auf­tritt vor AWD-Mitarbeitern bekom­men hat, aber als rei­ner Freund­schafts­dienst wäre es ja noch schlimmer.)

Das Video von die­sem Besuch Gün­ther Jauchs bei Cars­ten Maschmeyer machte in den ver­gan­ge­nen Tagen die Runde, als bekannt wurde, dass Cars­ten Maschmeyer zu Besuch bei »Gün­ther Jauch« sein würde. Es trägt bei YouTube die Über­schrift »Auch Gün­ther Jauch stand auf der Pay­roll des Drückerkönigs«.

Wer es gese­hen hatte, fragte sich, wie Jauch in der Sen­dung mit sei­ner so doku­men­tier­ten eige­nen Rolle umge­hen würde, ins­be­son­dere weil das Ver­hält­nis zwi­schen Jauchs Sen­der, dem NDR, und Maschmeyer sonst eini­ger­ma­ßen zer­rüt­tet ist.

Jauch tat es fast bei­läu­fig und mit einer Flucht in eine Ach­tel­wahr­heit. Nach­dem er einen Film von einem Auf­tritt Maschmey­ers gezeigt hatte, sagte er:

Ich hab sel­ber mal vor mehr als 20 Jah­ren bei Ihnen erlebt, wie Sie da Leute motivieren.

Das war alles. Jauch hielt es offen­bar für not­wen­dig, die Sache nicht ganz unan­ge­spro­chen zu las­sen, aber nicht für zweck­dien­lich, irgend­et­was zu sagen, das eine ehr­li­che Erklä­rung sei­ner eige­nen Befan­gen­heit dar­ge­stellt hätte.

Ich kann das schon ver­ste­hen. Er möchte nicht Thema sei­ner eige­nen Talk­show wer­den. Das Pro­blem ist nur: Er ist es längst.

Er war es schon, als er mit Peer Stein­brück über Trans­pa­renz redete, der ihn auf sei­nen eige­nen gehei­men Ver­trag mit der ARD ansprach und Jauch sich in die Unwahr­heit flüch­tete, zu behaup­ten, der sei öffentlich.

Ges­tern in der Sen­dung mit dem Titel »Den Mana­gern ans Gehalt! Brau­chen wir ein Gesetz gegen die Gier?« ging es sech­zig Minu­ten lang um Chefs, die unfass­bar viel mehr ver­die­nen als ihre Mit­ar­bei­ter, um die Frage, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das gerecht sein könnte, und darum, wer dar­über bestim­men sollte.

Im Eng­li­schen gibt es die schöne Redens­art vom »Ele­fan­ten im Raum«: einer gro­ßen, eigent­lich unüber­seh­ba­ren Wahr­heit, die trotz­dem von allen igno­riert wird. Der Ele­fant in Gün­ther Jauchs Stu­dio war Gün­ther Jauch: die Tat­sa­che, dass all die kri­ti­schen Fra­gen, was denn jemand ver­die­nen dürfe, nicht zuletzt ihm selbst gestellt wer­den müssten.

Jauch spielte den mil­lio­nen­schwe­ren Anwalt des klei­nen Man­nes gegen­über den Mil­lio­nä­ren — mit der beson­de­ren Iro­nie, dass er sei­nen unbe­kann­ten, aber mut­maß­lich üppi­gen Lohn für diese Sen­dung von uns Zuschau­ern und Nicht-Zuschauern bekommt. Maschmeyer sprach das ein­mal kurz an, als er fragte, was wohl dabei raus­käme, wenn die Gebüh­ren­zah­ler über sein Hono­rar abstim­men dürf­ten, aber zum Glück für Jauch fiel ihm jemand ins Wort, bevor er hätte ant­wor­ten kön­nen oder müs­sen, und führte das Gespräch von ihm weg. Es gab auch spä­ter noch eine Situa­tion, in der Jauch wirkte, als müsste er die Rich­tung fürch­ten, in die Maschmeyer den Ball dribbelte.

Wäre es nicht schön, wenn der Mode­ra­tor der am wich­tigs­ten gemein­ten öffentlich-rechtlichen Talk­show im deut­schen Fern­se­hen einem Cars­ten Maschmeyer frei von Angst und Inter­es­sens­kon­flik­ten gegen­über­tre­ten könnte? Wäre das nicht, genau genom­men, das Mindeste?

Natür­lich wäre es popu­lis­tisch, Jauch zu fra­gen, ob es nicht gut wäre, wenn er mit der Sen­dung nicht mehr als das 20-fache eines Cut­ters ver­die­nen würde. Aber genau das ist die Frage, die bei Jauch ver­han­delt wurde, und wo, wenn nicht bei einem von Gebüh­ren­gel­dern finan­zier­ten Pro­gramm, wäre es legi­tim, sie zu stellen?

Jauch hat offen­bar in kei­ner Weise das Gefühl, dass er sei­nen Zuschau­ern und den Finan­zie­rern sei­nes ARD-Einkommens Rechen­schaft schul­dig ist. Das ist schon trau­rig genug. Beson­ders schein­hei­lig wird es aber, wenn er glaubt, stell­ver­tre­tend für seine Zuschauer ande­ren sol­che heik­len Fra­gen stel­len zu können.

Ich weiß nicht, ob das Kal­kül ist oder nur Selbst­blind­heit, weil er als ein­zi­ger den Ele­fan­ten im Raum wirk­lich nicht sieht: Dass es eine Unmög­lich­keit ist, als jemand, des­sen mut­maß­lich exor­bi­tan­tes Ein­kom­men in der Dis­kus­sion ist, über exor­bi­tante Ein­kom­men zu dis­ku­tie­ren, ohne die eigene Rolle in irgend­ei­ner Weise zu the­ma­ti­sie­ren, und sei es, wenn schon nicht mit Trans­pa­renz, dann wenigs­tens mit einem Augen­zwin­kern und einem Hin­weis auf die eigene Befangenheit.

Aber wenn er es nicht ein­mal schafft, offen und ehr­lich mit einem zwan­zig Jahre alten Werbe-Einsatz für Cars­ten Maschmeyer umzu­ge­hen, ist das natür­lich viel zu viel erwartet.

Langjährige ARD-Krimireihe mit sechs Buchstaben, aber nicht vorsagen!

Die ARD stößt sich an einer Buch­reihe, die sich mit dem »Tat­ort« beschäftigt.

Unter dem Namen »Ermitt­lun­gen in Sachen TATORT« hat der Ber­li­ner Ver­lag Bertz + Fischer bis­lang zwei kleine Bücher her­aus­ge­bracht: »Sex & Crime« ist ein Streif­zug durch die Sit­ten­ge­schichte der Krimi-Reihe, in dem Den­nis Gräf und Hans Krah zu dem Ergeb­nis kom­men, dass sie im Gegen­satz zu ihrem liberal-aufgeklärten Image ein kon­ser­va­ti­ves Welt­bild auf­weise, wenn es um die Bewer­tung sexu­el­ler »Abwei­chun­gen« gehe. Unter dem Titel »›Herr­lich inkor­rekt‹« ana­ly­siert Mat­thias Dell, wie sich die Thiel-Boerne-»Tatorte« aus Müns­ter zwang­haft an der ver­meint­li­chen Poli­ti­cal Cor­rect­ness abarbeiten.

Nach Ansicht der ARD ver­stößt der Ver­lag mit dem Wort »Tat­ort« im Rei­hen­ti­tel gegen ihr Mar­ken­recht. Über eine Anwalts­kanz­lei hat sie den Ver­lag auf­ge­for­dert, es in Zukunft nicht mehr in die­ser Form zu verwenden.

Gegen die Ver­wen­dung des Wor­tes »Tat­ort« im Titel der jewei­li­gen Bücher selbst hat die ARD nichts ein­zu­wen­den, »solange die Benut­zung im Fließ­text ver­bleibt«. Sie stört sich am Rei­hen­ti­tel. Der sei

nicht not­wen­dig, um den Inhalt des Buches zu beschrei­ben, viel­mehr wird hier­durch eine beson­dere Auf­merk­sam­keit für die bewor­bene Buch­reihe durch die Ver­wen­dung des bekann­ten Titels »tat­ort« hervorgerufen.

Der ARD stün­den dadurch Unter­las­sungs– und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zu. Die Anwälte haben den Ver­lag des­halb aufgefordert,

bei Nach­druck der Bücher die­ser von Ihnen avi­sier­ten »Reihe« den Rei­hen­ti­tel künf­tig nicht mehr zu verwenden.

Der Ver­lag will dem aus Angst vor even­tu­el­len Pro­zess­kos­ten nach­kom­men, obwohl er sich fragt, wel­chen Sinn ein Rei­hen­ti­tel ohne Nen­nung des Gegen­stan­des hat.

Er hat die ARD-Anwälte des­halb um »recht­lich unbe­denk­li­che und inhalt­lich pas­sende Alter­na­tiv­vor­schläge« gebe­ten. Wenn keine kom­men, will er seine »Tatort«-Reihe umbe­nen­nen in:

»Ermitt­lun­gen in Sachen jener bekann­ten Sonntagabend-Krimireihe der ARD, deren mar­ken­recht­lich geschütz­ten Titel zu nen­nen uns an die­ser Stelle unter­sagt wurde.«

Soll­ten gegen die Ver­wen­dung der Abkür­zung »ARD« Ein­wände beste­hen, bitte man um umge­hende Mitteilung.

[Offen­le­gung: Ich habe ver­gan­gene Woche eine Ver­an­stal­tung des Ver­la­ges zum Buch von Mat­thias Dell moderiert.]

Das »Handelsblatt« gegen ARD und ZDF: Wenn Ahnungslose Kampagnen machen

Dies ist das Niveau, auf dem die Kam­pa­gne des »Han­dels­blatts« gegen ARD und ZDF ange­kom­men ist:

Ein Dos­sier bläst auf zehn Sei­ten annä­hernd alles, was der Medi­en­re­dak­teur Hans-Peter Sie­ben­haar in den ver­gan­ge­nen Tagen und Jah­ren schon über ARD und ZDF ins »Han­dels­blatt« sowie in sein Buch »Die Nim­mer­sat­ten« geschrie­ben hatte, noch ein­mal neu auf und schafft damit das Kunst­stück, selbst das Som­mer­pro­gramm des Hes­si­schen Fern­se­hens an Wie­der­ho­lun­gen zu übertreffen.

Es recy­celt erneut eine angeb­li­che »Stu­die« für den Auto­ver­mie­ter Sixt, wonach die Gebüh­ren­ein­nah­men von ARD und ZDF durch die neue Haus­halts­ab­gabe um 1,6 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich stei­gen. Sixt hatte im Okto­ber 2010 ein zufäl­lig vor­bei­kom­men­des Milch­mäd­chen gebe­ten, das zu errech­nen. Seit­dem wird die Zahl vom »Han­dels­blatt« und ande­ren Geg­nern von ARD und ZDF benutzt, eine Gebets­mühle anzu­trei­ben. Dass seriöse Schät­zun­gen die­ser Zahl wider­spre­chen und nach­voll­zieh­bar erläu­tern, warum sie sich nicht so leicht errech­nen lässt wie es Sixt behaup­tet, erwähnt das »Han­dels­blatt« ebenso wenig wie die Tat­sa­che, dass ARD und ZDF diese Ein­nah­men, wenn sie wider Erwar­ten tat­säch­lich rea­li­siert wür­den, nicht behal­ten dürften.

Zur umfas­sen­den Des­in­for­ma­tion packt das »Han­dels­blatt« die Zahl nun sogar in eine Sta­tis­tik mit offi­zi­ell wir­ken­der Quellenangabe:

Die Dossier-Artikel selbst prägt die inzwi­schen bekannte Denk­ver­wei­ge­rung. Das »Han­dels­blatt« wirft es ARD und ZDF ebenso vor, bloß auf die Quo­ten zu schauen, wie Pro­gramme zu machen, die keine gro­ßen Quo­ten haben. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen den Pri­va­ten Sport­rechte weg­kau­fen, hält das »Han­dels­blatt« das für ver­werf­lich; wenn sie im Kampf um teure Film­rechte den Pri­va­ten das Feld weit­ge­hend über­las­sen, hält das »Han­dels­blatt« das auch für verwerflich.

Immer­hin ist mir nach dem Lesen die­ser zehn Sei­ten klar gewor­den, warum das »Han­dels­blatt« sich so aus­dau­ernd an den Öffentlich-Rechtlichen und ihrer neuen Finan­zie­rung abar­bei­tet: nicht nur aus ideo­lo­gi­schen Grün­den, wegen des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses, aus Neid, Popu­lis­mus oder weil es nichts kos­tet (vor allem keine Recher­che). Offen­kun­dig gehö­ren die Leute, die im »Han­dels­blatt« übers Fern­se­hen schrei­ben, zu denen, die nie Fern­se­hen schauen und jetzt trotz­dem zah­len müs­sen. Anders lässt sich die Flut von sach­li­chen Feh­lern kaum erklären:

Die ARD, die den Vor­abend bis dahin [gemeint ist der Start der RTL-Soap »Gute Zei­ten, schlechte Zei­ten«] mit bie­de­ren Fami­li­en­se­rien bestrit­ten hatte, zog nach: mit dem Liebes-und Intri­gen­sta­del »Ver­bo­tene Liebe« rund um das Schloss der Fami­lie von Anstet­ten. (…) Bald legte die ARD »Mari­en­hof« und »Rote Rosen« nach.

»Ver­bo­tene Liebe« ging erst 1995 auf Sen­dung, »Mari­en­hof« schon 1992.

An den Erfolg von Cas­ting Shows wie »Deutsch­land sucht den Super­star« (RTL) oder »Pop­stars« (Sat1), ver­suchte das ZDF mit dem Polit-Klamauk »Ich kann Kanz­ler« oder dem »Musi­cal Show Star« anzuknüpfen.

»Pop­stars« lief auf RTL 2 und Pro­Sie­ben, aber nie auf Sat.1.

Die Wirk­lich­keit sieht dann so aus: Der Erfolgs­re­gis­seur Bora Daget­kan etwa hat für die ARD die Vor­abend­se­rie »Tür­kisch für Anfän­ger« ent­wor­fen. Die sorgte zwar nicht für tolle Quo­ten, laut Kri­ti­kern aber für Über­ra­schung, Esprit und Witz. Dinge, die bei
ARD und ZDF nicht gerade im Über­fluss vor­han­den sind. Eine Zukunft hatte die Serie den­noch nicht.

Der Mann heißt Bora Dağ­te­kin, und »Tür­kisch für Anfän­ger« brachte es, trotz durch­wach­se­ner Quo­ten, immer­hin auf drei Staf­feln mit ins­ge­samt 52 Folgen.

Die US-Erfolgsserien »Mad Men« und »West Wing« wur­den gleich in den Spar­ten­ka­nal ZDF neo verbannt.

»West Wing« läuft nicht auf ZDFneo.

Als sich die Dis­kus­sion über die Haus­halts­ab­gabe immer stär­ker zuspitzte, ent­schloss sich das ZDF zu einem in der Sen­der­ge­schichte ein­ma­li­gen Expe­ri­ment. Die Anstalt machte sich erst­mals selbst zum Thema.

Das ZDF hat eine lange Tra­di­tion, sich selbst im Pro­gramm zum Thema zu machen. Es tat das zum Bei­spiel in Sen­dun­gen wie »Gespräch mit dem Inten­dan­ten« (1963–1976) und »Wir stel­len uns« (1984–1992). Übri­gens hat auch die ARD schon den öffentlich-rechtlichen Rund­funk und die Kri­tik daran in einer Talk­show am Haupt­abend zum Thema gemacht: Im Januar 2006 dis­ku­tier­ten bei »Hart aber fair« unter ande­rem Pri­vat­fern­seh­lob­by­ist Jür­gen Doetz und Hen­ryk M. Bro­der mit Sen­der­ver­ant­wort­li­chen über Kom­mer­zia­li­sie­rung, Schleich­wer­bung, Volksmusikwahn.

Sams­tag, 20.15 Uhr, beste Sen­de­zeit im deut­schen Fern­se­hen. Die ARD zeigt »Das Win­ter­fest der flie­gen­den Stars«. Am kom­men­den Sams­tag sieht es ähn­lich aus: Die ARD zeigt, wie­der am Sams­tag, 20.15 Uhr, die Sen­dung »Ser­vus, Hansi Hin­ter­seer«. Beim ZDF heißt es am16. Februar, natür­lich auch ein Sams­tag, 20.15 Uhr: »Will­kom­men bei Car­men Nebel«. Drei Sen­dun­gen, ein Pro­gramm. Das öffentlich-rechtliche Fern­se­hen zeigt zur Prime­time am Wochen­ende Volksmusik.

»Will­kom­men bei Car­men Nebel« ist keine Volks­mu­sik­sen­dung. In der letz­ten Sen­dung tra­ten auf: Eros Ramaz­zotti, Il Divo, Rolando Vil­la­zón, Unhei­lig, Pur, Andreas Gaba­lier, Chris de Burgh, Patri­cia Kaas, Peter Cor­ne­lius, Nik P., Linda Hesse, Wolf­gang Trep­per, Leo Rojas, Sir Roger Moore.

In der Rang­liste der belieb­tes­ten Fern­seh­for­mate kommt Volks­tüm­li­ches laut Allens­bach mit elf Pro­zent erst auf Rang 18 — noch hin­ter Daily Soaps und Talent­shows. Nur eins boomt in dem Genre: die TV-Präsenz am Samstagabend.

Die Zahl der volks­tüm­li­chen Sen­dun­gen am Sams­tag­abend geht zurück.

Hin und wie­der zei­gen sich die Sen­der ein­sich­tig. Der MDR etwa hat kürz­lich den Wer­nes­grü­ner Musi­kan­ten­stadl eingestellt.

Die Sen­dung hieß »Wer­nes­grü­ner Musi­kan­tenschenke«. Ihre Ein­stel­lung hat übri­gens zu zahl­rei­chen Pro­tes­ten von Poli­ti­kern, Musi­kern und Zuschau­ern geführt.

Als das ZDF vor eini­ger Zeit moder­ner wer­den wollte, kün­digte Pro­gramm­di­rek­tor Tho­mas Bel­lut an, weni­ger Volks­mu­sik und statt­des­sen mehr Schla­ger zei­gen zu wol­len. Ver­bes­sert hat das die Lage nur unwesentlich.

Das ZDF hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren »Weih­nach­ten mit Mari­anne & Michael« abge­setzt, »Lie­bes­grüße mit Mari­anne & Michael«, den »Grand-Prix der Volks­mu­sik«, »Lus­tige Musi­kan­ten on Tour« und »Das ZDF-Wunschkonzert der Volks­mu­sik«. Es würde mich über­ra­schen, wenn das »Han­dels­blatt« auch nur eine Volksmusik-Sendung im ZDF benen­nen könnte.

Der Kaba­ret­tist Vol­ker Pis­pers wagte, im öffentlich-rechtlichen WDR aus­zu­spre­chen, was viele den­ken: »Von mei­nen GEZ-Gebühren dür­fen keine Volksmusik-Sendungen finan­ziert werden.«

Ja, das wagte er. Aber viel­leicht hätte die Berufs­be­zeich­nung »Kaba­ret­tist« den eif­ri­gen Stroh­halm­klam­me­rern des »Han­dels­blat­tes« eine War­nung sein sol­len. Der Kon­text des Sat­zes von Pis­pers lau­tet näm­lich so:

Was die unsach­ge­mäße Ver­wen­dung Ihrer Gebüh­ren angeht, möchte ich Sie an die­ser Stelle ein­mal beru­hi­gen. Ich sel­ber lege gro­ßen Wert dar­auf, dass meine Hono­rare aus­schließ­lich aus den Gebüh­ren der­je­ni­gen Höre­rin­nen und Hörer bezahlt wer­den, die meine Bei­träge mögen. Schließ­lich bin ich sel­ber Gebüh­ren­zah­ler und fände es uner­träg­lich, wenn von mei­nen Gebüh­ren Sen­dun­gen oder Mode­ra­to­ren bezahlt wür­den, die ich über Gebühr schreck­lich finde. So habe ich zum Bei­spiel ver­fügt, dass von mei­nen GEZ-Gebühren keine Volks­mu­sik­sen­dun­gen finan­ziert wer­den dür­fen. Auch die Hono­rare der Her­ren Rein­hold Beck­mann, Wolf-Dieter Posch­mann und Peter Hahne dür­fen unter gar kei­nen Umstän­den aus Gel­dern bestrit­ten wer­den, die ich zwangs­weise über­wie­sen habe.

Das habe ich der GEZ unmiss­ver­ständ­lich klar gemacht. Natür­lich kann die GEZ Ihre kost­ba­ren Gebüh­ren, liebe Höre­rin­nen und Hörer, nur dann kor­rekt ver­wen­den, wenn in der dor­ti­gen Gebüh­ren­ver­tei­lungs­stelle ihre per­sön­li­chen Vor­lie­ben bzw. Abnei­gun­gen auch bekannt sind. Da reicht übri­gens ein form­lo­ses Schrei­ben. Es ist zwar für die GEZ ein Rie­sen­auf­wand, die ein­ge­hen­den Gebüh­ren auf die ver­schie­de­nen Töpfe, aus denen bestimmte Sen­dun­gen nicht finan­ziert wer­den dür­fen, zu ver­tei­len. Aber das machen die da gerne. Genauso wie mein Finanz­amt ohne mit der Wim­per zu zucken zur Kennt­nis genom­men hat, dass ich nicht möchte, dass von mei­nen Steu­er­gel­dern die Diä­ten von Abge­ord­ne­ten der FDP bzw. Poli­zei­ein­sätze bei Castor-Transporten oder Fuß­ball­spie­len des FC Bay­ern Mün­chen bezahlt werden.

Es immer schwie­rig mit der Iro­nie. Aber kann man wirk­lich so dumm sein, diese Sätze als For­de­rung zu ver­ste­hen, keine Volks­mu­sik mehr mit den Rund­funk­ge­büh­ren zu finan­zie­ren, und nicht als Kri­tik an genau der Art von Igno­ranz, wie sie das »Han­dels­blatt« demonstriert?

Aber ja. Man muss nur dumm genug sein wollen.

Rundfunkbeitrag bald fast so schlimm wie Hitler

Es gibt allem Anschein nach nichts, was dem »Han­dels­blatt« zu falsch oder zu dumm ist, um es im Kampf gegen ARD und ZDF zu ver­wen­den. Den vor­läu­fi­gen (und schwer zu unter­tref­fen­den) Tief­punkt mar­kiert ein Gast­bei­trag der frü­he­ren CDU-Bundestagsabgeordneten Vera Lengs­feld, den die Zei­tung ges­tern auf ihrer Inter­net­seite veröffentlichte.

Ich fürchte, man muss das lesen, um eine Ahnung davon zu haben, auf wel­chem Niveau inzwi­schen die — an sich nicht nur legi­time, son­dern auch not­wen­dige — Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rund­funk geführt wird.

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