Wie ich mal im »Nachtmagazin« war

Bis gestern dachte ich, der Satz »Wir haben dieses Gespräch vor der Sendung aufgezeichnet« sei nur eine Floskel. Eine merkwürdiges Ritual, mit dem öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen ungefragt ihre Transparenz beweisen.

Ist aber nicht so. Ist ein wichtiger Satz. Und bedeutet in Wahrheit ungefähr: »Gehen Sie nicht so streng mit dem Interviewpartner ins Gericht, den sie gerade gesehen haben, denn im Zweifelsfall weiß der gar nicht so genau, in welchem Kontext wir seine Aussagen gebracht haben.«

Fernsehen ist merkwürdig. Ungefähr alles am Fernsehen ist merkwürdig.

Da sitzt man dann um zwanzig nach acht in einem sehr kühlen Studio zwischen Reichstag und Bahnhof Friedrichstraße, weil das »Nachtmagazin«, das vier Stunden später beginnt, ein »Schaltgespräch« mit einem führen will. Das Studio ist, glaube ich, ganz schön groß, …

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Ulrich Deppendorf

Man weiß ja nicht, wie das so abläuft, in ARD-Hierarchien. Ob Ulrich Deppendorf, als er vor fünf Wochen wieder Chef der Hauptstadtstudios wurde, gleich am ersten Tag in der Konferenz gesagt hat: Leute, dass eins schon mal klar ist, die Einschätzungen aus Heiligendamm, die mache ich. Oder ob es umgekehrt so war, dass ihm die Leute vorher gesagt haben: Ulli, du hast nur dann eine Chance, wieder Chef des Hauptstadtstudios zu werden, wenn du hier und heute unterschreibst, dass auch jede verdammte Einschätzung von irgendeinem Gipfeltreffen machst.

»Einschätzen« ist ein merkwürdiges, aber irgendwie treffendes Wort für dieses Ritual, nach einem Nachrichtenbeitrag in einem Live-Gespräch noch einmal nachzufragen, was das denn bedeutet. Meistens nicht, was das für uns oder die Welt bedeutet, …

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An einem aus Tischen geformten Quadrat!

Nach einem Bericht der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« hat Caren Miosga die besten Chancen, Nachfolgerin von Anne Will als Moderatorin der »Tagesthemen« zu werden.

Dieser Satz hat 165 Anschläge und würde damit schon knapp ein Fünftel des Platzes füllen, den die »Süddeutsche Zeitung« in ihrer Dienstags-Ausgabe für eine Meldung zum Thema freigeräumt hat. Gut, die Kollegin könnte vielleicht die Konkurrentin »FAZ« als Quelle weglassen, dann hätte sie noch etwa vier Sätze zur Verfügung, zu erklären, wer Frau Miosga ist und wer wann darüber entscheidet, ob sie wirklich Nachfolgerin von Anne Will wird.

Das wäre die eine Möglichkeit.

Die »Süddeutsche« hat sich für eine andere erschienen. Ihre Caren-Miosga-Meldung beginnt so:

Ein bisschen sind sie schon stolz in Stuttgart …

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Logorrhoe

Freitag, 12. Januar 2007. Die ARD-Intendanten beschließen in einer Schaltkonferenz, dass sich nun keiner mehr öffentlich zum Fall Jauch äußert, nur noch der amtierende ARD-Vorsitzende Fritz Raff.

Montag, 15. Januar 2007. SWR-Intendant Peter Voß publiziert einen »Offenen Brief« an Jauch.

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Die ARD, konkret

Günther Jauch, im »Spiegel«:

Ich musste zum Beispiel eine lächerliche Diskussion um die Archivöffnungszeiten der ARD führen. Da sollte ich für eine aktuelle Sonntagabendsendung akzeptieren, dass ab Freitagnachmittag wegen fehlender Planstellen kein Filmmaterial mehr abrufbar sei. So absurde Probleme werden zwar mit einem Anruf von ganz oben gelöst, erklären aber zugleich die innere Verfasstheit des Systems.

Nach allem, was ich über die ARD weiß, trifft es das sehr genau.

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