Post von Wagner

– von Jens Oli­ver Haas, z. Zt. Australien* –

Ber­lin, 16.15 Uhr: Franz Josef Wag­ner wirkt erfrischt, nach fünf Stun­den komatö­sem Schlaf. Das Sod­bren­nen ist heute mal erträg­lich, und die Stim­men im Kopf schwei­gen noch. Er lächelt. Sein Arzt hat ihm gesagt, dass er wohl bald eine neue Niere braucht — aber bis dahin funk­tio­niert der Aquarien-Feinfilter von OBI sehr gut.

Beschwingt öff­net sich Wag­ner eine gute Fla­sche fran­zö­si­schen Land­wein. Ein fei­nes Tröpf­chen von 2011, gute Lage, nicht zu viel Tan­nin. Vor­sich­tig gießt er das Weiß­bier­glas voll und setzt sich an die Schreibmaschine.

Liebe Annette Scha­van! Es ist mir pein­lich, Sie wegen des angeb­li­chen Dok­tor­klaus anzu­spre­chen. Es ist, wie wenn man eine liebe, nette, ältere Dame an der Kasse bei Lidl verdächtigt.

Na, das ist ihm doch schon mal gut gelun­gen. Grin­send greift Wag­ner nach rechts und ins Leere. Nanu? Wann hat er denn das Weiß­bier­glas zer­schla­gen. Und wo ist der gute Land­wein? Und warum ist er nackt und riecht so komisch? Und warum ist es schon dunkel?

Fah­rig greift Wag­ner nach dem Tetra­pak mit bil­li­gem, ita­lie­ni­schen Trau­ben­u­rin und lässt sich die Plörre in den Hals lau­fen. Er hat schon mit 17 gelernt, den Schluck­re­flex zu unter­drü­cken — das kommt ihm jetzt zugute. Beim Abset­zen schnei­det er sich leicht an den zer­bis­se­nen Kan­ten des Tetra­paks. Irgend­wann muss er sich eine neue Schere kau­fen — auch wenn sie sie ihm sowieso sofort wie­der weg neh­men. Da war doch was? Ach, rich­tig: Der Brief!

Müh­sam fokus­siert Wag­ner auf das Blatt… Wer hat denn den Mist geschrie­ben? Wer ist Scha­van? Und wer ist die­ser Dok­tor Klaus? Der Pfu­scher, der ihm den Aqua­ri­en­fil­ter ein­ge­setzt hat? Die Schmer­zen sind mör­de­risch. Kon­zen­trier dich! Du kannt es doch, Hans-Jürgen! Ähhh… Franz Josef…

Sie haben ein wun­der­ba­res, unver­hei­ra­te­tes Leh­re­rin­nen­ge­sicht. Ihre Fri­sur ist bubi­haft. So kämm­ten sich Frauen vor 30 Jah­ren. Sie sind wie eine Cou­sine, die kei­nen Mann bekom­men hat.

Wag­ner bricht wei­nend über der Maschine zusam­men und staucht sich eine Rippe an der lee­ren Scharlachberg-Flasche. Er wirft sie zu den ande­ren. Alles kommt wie­der hoch… die Fami­li­en­feier vor 30 Jah­ren… die unver­hei­ra­tete Cou­sine mit dem Bubi-Kopf… der Apfel­korn… das Kind mit sei­nem Gesicht… die Schande.

Er schickt den Nach­bars­jun­gen zu Lidl, zwei neue Fla­schen Queen-Margot-Whisky kau­fen. Warum kann er sich nur die­sen Namen mer­ken? Es gibt so gute Sachen da… zum Bei­spiel die­sen einen Cognac… oder den mit dem Wild­schwein… aber er kommt nur auf Queen Margot.

End­lich kommt der Junge wie­der. Die Tür ist blo­ckiert… Wo kommt die­ses Fäss­chen her? Wirf das Ding doch ein­fach durch die Scheibe! Wag­ner schnei­det sich an einer Scherbe — aber Queen Mar­got strei­chelt ihm sanft die Schmer­zen weg.

Um 23 Uhr kommt die kor­si­sche Putz­frau. Sie wischt die Kotze weg und bringt die Fla­schen zum Con­tai­ner. Es ist nicht weit, Wag­ner hat ja seit 2003 einen eige­nen im Hof.

Sie rollt Wag­ner ins Bade­zim­mer und kärchert ihn ab, bevor sie den Not­arzt ruft. Dann schreibt sie, wie immer, schnell die Kolumne zu Ende. Sie kann nur wenig Deutsch, aber dafür reicht es immer.

Ein paar Kolum­nen hat sie ja auch schon kom­plett selbst geschrie­ben und es hat kei­ner gemerkt. Man muss nur ein­fach das auf­schrei­ben, was man beim Ein­kau­fen zuletzt gehört hat. Und viel­leicht noch ein paar Sätze aus der Zei­tung auf der Treppe. Wenn es zu lang wird, streicht der Dru­cker ein­fach was weg.

Wahr­schein­lich essen Sie gerne Ziegenkäse.

Ich glaube nicht, dass Sie eine Betrü­ge­rin sind.

Wis­sen­schaft­ler müss­ten unter­su­chen, ob ein Dok­tor­ti­tel ein Ersatz für Liebe ist.

Fuchs auf Schwa­nen­jagd in Kanal erfroren.

Mela­nie mag ihren Popo.

Herz­lichst, Ihr F. J. Wagner

*) Jens Oli­ver Haas ist einer der bei­den Moderations-Autoren der RTL-Show »Ich bin ein Star — holt mich hier raus«, was offen­bar kein tages­fül­len­der Job ist. Der Text stammt von sei­ner Face­book­seite. Ver­öf­fent­li­chung hier mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Autors.

50 60 Jahre »Bild«

Zen­tra­les Leit­mo­tiv der Fei­er­lich­kei­ten zum sech­zigs­ten Geburts­tag der »Bild«-Zeitung ist die Behaup­tung, das Blatt sei nun in der Mitte der Gesell­schaft ange­kom­men. Und die viel­leicht am häu­figs­ten dis­ku­tierte Frage ist die, wie sehr sich das Blatt ver­än­dert hat.

Ent­schei­den Sie selbst. Dies ist ein Arti­kel von mir aus der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung«, erschie­nen heute vor zehn Jahren.

· · ·

Nichts zu dan­ken. Die »Bild«-Zeitung wird fünf­zig Jahre alt — und alle, alle gra­tu­lie­ren. Doch gibt es was zu feiern?

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß einem Fami­li­en­mit­glie­der weg­ster­ben in einem furcht­ba­ren Unfall und man am nächs­ten Tag nicht die paar Schritte von der Haus­tür zum Auto gehen kann, weil Foto­gra­fen und Repor­ter von der »Bild«-Zeitung am Grund­stück lau­ern und einen ver­fol­gen und foto­gra­fie­ren und wenig spä­ter anru­fen und fra­gen, ob man sich wirk­lich ganz sicher sei, daß man nicht in einem Inter­view über die eigene Trauer reden wolle, weil man die Fotos von einem selbst und sei­nen Ange­hö­ri­gen ver­öf­fent­li­chen werde, so oder so, aber so wäre es viel­leicht besser.

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß man mit sei­nem Las­ter einen tra­gi­schen Unfall ver­ur­sacht, der zwei Men­schen das Leben kos­tet, um fest­zu­stel­len, daß damit der Tief­punkt noch nicht erreicht ist, son­dern erst am nächs­ten Tag, als die »Bild«-Zeitung ein rie­si­ges Foto von einem abdruckt und einen Pfeil und dane­ben die Schlag­zeile: »Er hat gerade zwei Ber­li­ner totgefahren.«

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß man vor Gericht steht, weil man mög­li­cher­weise als Hand­wer­ker einen Feh­ler gemacht hat und durch eine unglück­li­che Ver­ket­tung von Umstän­den ein Kind einen Strom­stoß erlei­det, der blei­bende Schä­den bei ihm aus­löst, und am nächs­ten Tag sein eige­nes Gesicht in der »Bild«-Zeitung sehen und dane­ben die Frage: »Hat der Elek­tri­ker Timmi auf dem Gewissen?«

Viel­leicht würde es schon rei­chen, wenn man ein­mal erlebt hätte, wie das ist, als halb­wegs pro­mi­nen­ter Mensch von der Klatsch-Kolumnistin der »Bild«-Zeitung ange­ru­fen zu wer­den und sinn­ge­mäß gesagt zu bekom­men: »Sag mir, mit wem du vögelst. Wenn du es mir nicht sagst, schrei­ben wir mor­gen, du vögelst mit XY.«

Wahr­schein­lich wüßte man dann, daß die »Bild«-Zeitung lügt, wenn sie, wie ges­tern, schreibt: »,Bild‹ fei­ert Geburts­tag. Ganz Deutsch­land freut sich, ganz Deutsch­land fei­ert mit.« Wahr­schein­lich würde man dann ver­su­chen, die Jubi­lä­ums­fei­er­lich­kei­ten in der »Bild«-Zeitung weit­räu­mig zu umfah­ren. Und wahr­schein­lich würde man dann ver­zwei­feln, weil man fest­stel­len müßte, daß »Bild« in die­sen Tagen nicht nur Geburts­tag hat, son­dern hei­lig­ge­spro­chen wird, nicht nur von den ange­schlos­se­nen Springer-Blättern, nicht nur von den Kon­ser­va­ti­ven und Staats­tra­gen­den, son­dern auch von der hal­ben libe­ra­len Presse. Vor ein paar Jah­ren war es noch so, daß »Bild« bäh war; alle lasen sie, aber wer sich bekannte, es gerne und inter­es­siert zu tun, war in auf­ge­klär­ten Krei­sen schnell ein Außen­sei­ter. Heute ist es so, daß »Bild« cool ist; alle lesen sie, und wer sich bekennt, sie für ein ent­setz­li­ches men­schen­ver­ach­ten­des Blatt zu hal­ten, ist in auf­ge­klär­ten Krei­sen schnell ein Außenseiter.

Sie hat sich diese schil­lernde Ober­flä­che aus Neben­säch­li­chem, Harm­lo­sig­kei­ten und Selbst­iro­nie zuge­legt, die Medi­en­pro­fis und Intel­lek­tu­el­len gefällt. Die freuen sich über den Ein­fall, zum Fußball-Spiel am frü­hen Mor­gen die »Bild«-Zeitung mit zwei Titel­sei­ten erschei­nen zu las­sen — je nach Sieg oder Nie­der­lage. Sie inter­pre­tie­ren öffent­lich, wie man das zu wer­ten habe, daß die »Bild«-Zeitung, im kal­ku­lier­ten Schein-Tabubruch, vor dem USA-Spiel schreibt: »Ami go home«, höhö. Sie sind süch­tig nach dem täg­li­chen Brief von Franz-Josef Wag­ner und nei­disch auf seine Fähig­keit, den Wirr­warr in sei­nem Kopf ohne Umweg über Fil­ter im Gehirn auf die Sei­ten flie­ßen zu las­sen. Sie schauen mit ein biß­chen Abscheu und viel Fas­zi­na­tion auf die Abgründe, die sich jeden Tag auf Seite eins auf­tun, auf die x-te Wen­dung im Uschi-Glas-Drama, stau­nen, wie »Bild« es an guten Tagen schafft, wenn man glaubt, nun könnte ihnen dazu unmög­lich noch etwas ein­fal­len, sogar meh­rere Dauer-Handlungsstränge zusam­men­lau­fen zu las­sen und die Schick­sale von Klaus-Jürgen Wussow, Uschi Glas und Ireen Sheer unend­lich kunst­voll inein­an­der zu verweben.

Sie lesen die »Bild«-Zeitung, kurz gesagt, als Fik­tion. Und die »Bild«-Zeitung för­dert das, indem sie — selbst­be­wußt und selbst­re­fle­xiv, fest ver­an­kert im post­mo­der­nen und pos­tideo­lo­gi­schen Zeit­al­ter — ihre eigene Rolle im Blatt zum Thema macht und zum Bei­spiel das end­los wei­ter­ge­drehte Wussow-Scheidungsdrama selbst zur Soap erklärt und mit eige­nem Logo »Die Wussows« samt Angabe der »Folge« versieht.

»Kam­pa­gnen« hat man dem Chef­re­dak­teur Kai Diek­mann kurz nach sei­nem Amts­an­tritt vor­ge­wor­fen, und er hat das empört von sich gewie­sen. So ein Unfug: Seit Diek­mann Chef­re­dak­teur ist, fin­den auf der Seite eins der »Bild«-Zeitung fast aus­schließ­lich Kam­pa­gnen statt — nur daß man sie, ange­sichts der The­men, eher »Fort­set­zungs­ro­mane« nen­nen müßte. Jedes Thema wird über Tage, Wochen, Monate gar wei­ter­ge­dreht, bis auch die letzte dra­ma­tur­gi­sche Wen­dung und irre Pointe her­aus­ge­preßt ist. Im Februar stan­den an vier­zehn von vier­und­zwan­zig Erschei­nungs­ta­gen die pri­va­ten Sor­gen von Uschi Glas und ihrer Fami­lie auf der Titel­seite der »Bild«. Ein Thema so ernst zu neh­men ver­langt einen gewis­sen Unernst, ein Augen­zwin­kern. Das ist hohe Kunst. Da staunt die Bran­che. Und lacht.

Ob es auch dem durch­schnitt­li­chen Leser gefällt, ist eine andere Frage. Aus­ge­rech­net im ers­ten Quar­tal, jenem mit den Uschi-Glas-Trennungs-Festspielen, sackte die Auf­lage der »Bild«-Zeitung um 200 000 Stück gegen­über dem Vor­jahr ab, ein Rück­gang um hef­tige fünf Pro­zent. Diek­mann erklärt das damit, daß die Leser nicht mehr abge­zählte Gro­schen rüber­schie­ben konn­ten, son­dern nach Cent kra­men muß­ten. Frage: Würde die »Bild«-Zeitung einem Wirt­schafts­boß oder Minis­ter diese Erklä­rung durch­ge­hen lassen?

In einer Lob­hu­de­lei attes­tierte die »Welt« ihrem Schwes­ter­blatt in der ver­gan­ge­nen Woche, daß »das heu­tige Blatt erheb­lich jün­ger und sexier wirkt als die Pro­tes­tie­ren­den von damals« (was natür­lich kein Kunst­stück ist, da es Men­schen ein biß­chen schwe­rer fällt als Zei­tun­gen, den Alte­rungs­pro­zeß durch den Aus­tausch von Chef­re­dak­teu­ren auf­zu­hal­ten). Die »Welt« wei­ter: »Die Intel­lek­tu­el­len haben auf­ge­hört, sich über ›Bild‹ auf­zu­re­gen.« Das Furcht­bare an die­sem Satz ist, daß er in dop­pel­ter Hin­sicht stimmt. Er beinhal­tet näm­lich auch die Ana­lyse, daß es nicht die »Bild«-Zeitung ist, die sich ver­än­dert hat, zah­mer gewor­den sei etwa, son­dern die Intel­lek­tu­el­len die­je­ni­gen sind, die sich geän­dert haben. Die Ori­en­tie­rungs­punkte haben sich ver­scho­ben, die Medi­en­welt ins­ge­samt, nur des­halb ist »Bild« plötz­lich kein Schmud­del­kind mehr. Heute erzählt der nette Herr Röbel, der bis vor ein­ein­halb Jah­ren »Bild«-Chefredakteur war, im »Tages­spie­gel« ganz offen, wie das geht, die­ses Wit­wen­schüt­teln, das ihm sein Chef beige­bracht hat, über den er »nichts Schlech­tes sagen« kann: »Hatte man etwa bei einem Unglück die Adresse von Hin­ter­blie­be­nen her­aus­ge­fun­den, ist man sofort hin­ge­fah­ren, klar. Beim Abschied aber hat man die Klin­gel­schil­der an der Tür heim­lich aus­ge­tauscht, um die Kon­kur­renz zu ver­wir­ren. Ich war damals oft mit dem­sel­ben Foto­gra­fen unter­wegs, wir hat­ten eine per­fekte Rol­len­auf­tei­lung. Er hatte eine Stimme wie ein Pas­tor und begrüßte die Leute mit einem dop­pel­ten Hän­de­druck, herz­li­ches Bei­leid, Herr … Ich mußte dann nur noch zuhö­ren. So kamen wir an die bes­ten Fotos aus den Fami­li­en­al­ben.… Es war ein­fach geil.«

Schwer zu sagen, ob all die Intel­lek­tu­el­len, die sich nicht mehr auf­re­gen, all die libe­ra­len Jour­na­lis­ten mit ihren Eigentlich-ist-sie-doch-gut-Artikeln zum Geburts­tag, ob sie diese Metho­den auch geil fin­den oder ob sich ihre »Bild«-Lektüre auf die wit­zi­gen, schrä­gen, span­nen­den ers­ten bei­den Sei­ten, den Sport und den Klatsch am Schluß beschränkt. Dazwi­schen näm­lich, vor allem in den Lokal­tei­len, läuft das Blut wie eh und je. Es ver­geht kein Tag, ohne daß zum Bei­spiel »Bild Ber­lin« der Leser­schaft die Betei­lig­ten eines Unfalls, eines Pro­zes­ses, irgend­ei­ner Tra­gö­die mit gro­ßen Fotos zum Fraß vor­wirft. Eine Vier­tel­seite füllt das Foto von Chris­tian S. neben der Schlag­zeile: »Ich habe eine nette Oma tot­ge­fah­ren. Was ist mein Leben jetzt noch wert?« Ver­däch­tige wer­den nicht dann zu Mör­dern, wenn sie ver­ur­teilt sind, son­dern wenn »Bild« sie dazu erklärt: »Anna (7) in Schul­toi­lette ver­ge­wal­tigt. Er war’s« steht dann da und ein Pfeil und ein Bild, und im Text ist schon vom »Beweis sei­ner Schuld« die Rede.

Jeder Betei­ligte wird abge­bil­det und trotz eines Alibi-Balkens über sei­nen Augen (den auch nicht alle bekom­men) mit Vor­na­men, abge­kürz­tem Nach­na­men und Orts­an­gabe für sein Umfeld ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar. »Weil sie sich mit ihrem Freund amü­sierte — diese Ber­li­ner Mut­ter ließ ihren Sohn ver­hun­gern«, »Domi­nik (15) erhängte sich auf dem Dach­bo­den« — sie alle dür­fen wir sehen. Es reicht schon, eine blinde Hün­din aus­ge­setzt haben zu sol­len, um mit Foto an den »Bild«-Pranger gestellt zu werden.

Das Blatt Axel C. Sprin­gers kämpft immer noch jeden Tag die alten Kämpfe. Wenn die PDS mit­re­giert in Ber­lin, schreibt »Bild«: »PDS krallt sich drei Senatoren-Posten«. Wenn Gre­gor Gysi Wirt­schafts­se­na­tor wird, steht da an einem Tag die Frage: »Was wird jetzt aus Ber­lin« und an einem ande­ren Tag die Ant­wort: »Gute Nacht, Ber­lin« und nur ganz klein dar­un­ter in Klam­mern: « … sagt Edmund Stoi­ber«. »Neue Stasi-Akten über Gysi gefun­den«, heißt die Über­schrift neben einem Bild, auf dem man ihm den bösen Spit­zel schon anzu­se­hen glaubt, doch im Text sagt ein Spre­cher der Gauck-Behörde nur: »Hier und da wurde noch ein Blatt über ihn gefun­den« und der Autor ergänzt: »Ob bri­sant, dazu wur­den keine Anga­ben gemacht«. Wenn es sein muß, wie vor eini­gen Mona­ten in Bre­men, wird täg­lich neu gegen »Schein-Asylanten« gehetzt. Sexu­al­straf­tä­tern wird kon­se­quent das Mensch-Sein abge­spro­chen; sie sind »Mons­ter«, deren Leben »im Knast schö­ner« wird, »bei­nahe wie im Hotel«. Die Leser ver­ste­hen, ohne daß »Bild« es hin­schrei­ben müßte: Ihre Zei­tung kämpft täg­lich für die Todes­strafe für Kin­der­schän­der und –mörder.

Nein, neu ist das alles nicht. Das ist es ja: Im Kern ist die »Bild«-Zeitung die alte. Ein ent­setz­li­ches, men­schen­ver­ach­ten­des Blatt.

Bit­ter daran, daß dies von wei­ten Tei­len der ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung nicht mehr so gese­hen wird, ist auch, daß es Kai Diek­mann ermun­tert, ein Bild von sei­ner Arbeit und sei­ner Zei­tung zu zeich­nen, das höchs­tens in einem Sprin­ger­schen Par­al­lel­uni­ver­sum Berüh­rungs­punkte zu dem hat, was täg­lich nach­zu­le­sen ist. Der Mann, des­sen Zei­tung vom Pres­se­rat immer wie­der wegen der immer glei­chen Ver­stöße gerügt wird, die­ser Mann sagt gegen­über der Katho­li­schen Nach­rich­ten­agen­tur: Die Gren­zen des Bou­le­vards seien dort, »wo Men­schen ver­letzt wer­den könn­ten« — daher messe sich die Zei­tung regel­mä­ßig an den jour­na­lis­ti­schen Leit­li­nien des Deut­schen Pres­se­rats. Mes­sen schon, nur ver­fehlt sie sie regelmäßig.

Der »Frank­fur­ter Rund­schau« erzählt Diek­mann: »Ich bin ein Strei­ter für jour­na­lis­ti­sche Sorg­falt, gegen die Ver­lu­de­rung der Sit­ten.« Jeder Repor­ter müsse selbst ent­schei­den, wo die Gren­zen sind, aber er sage ihnen: »,Lie­ber haben wir drei­mal das Bild nicht, als daß wir den Ange­hö­ri­gen der Opfer zu nahe tre­ten.‹ Schließ­lich sind das Men­schen, die ohne eige­nes Zutun ins Licht der Öffent­lich­keit gerückt sind.« Das ist ein Satz, der so atem­be­rau­bend ist, daß er in jedes Schul­buch gehört. Und dane­ben der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Mau­rer, der in sei­nem Dach­stuhl ver­brannt ist. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem drei­zehn­jäh­ri­gen Unfall­op­fer: »Tot, weil er eine Sekunde nicht auf­ge­paßt hat«. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Vize­bür­ger­meis­ter, der sich »in Pfütze tot­ge­fah­ren« hat. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Acht­zehn­jäh­ri­gen, der nach einem Unfall auf regen­nas­ser Straße im Auto sei­nes bes­ten Freun­des starb.

Dann sagt Kai Diek­mann der »Frank­fur­ter Rund­schau« noch dies: »Ganz im Ernst: Wer wirk­lich pri­vat sein will, kann das selbst­ver­ständ­lich sein. Es gibt Men­schen, Poli­ti­ker, die set­zen bewußt ihre Fami­lie ein. Und andere, wie Gün­ther Jauch oder Harald Schmidt, tun’s nicht. Die haben unbe­ding­ten Anspruch auf Schutz ihrer Pri­vat­sphäre.« Wirk­lich pri­vat wollte, nach eige­nen Anga­ben, Alfred Bio­lek mit sei­nem Part­ner sein. Kai Diek­manns »Bild«-Zeitung gewährte ihm diese Ehre nicht. Zwei Tage lang zele­brierte sie eine Home-Story, die auch noch den Ein­druck erweckte, sie sei von Bio­lek selbst initi­iert. Wirk­lich pri­vat wollte auch Anke S. sein, die Geliebte des Ehe­manns von Uschi Glas. Anders als die »Luder«-Fraktion wollte sie ent­schie­den nicht in die Presse, ging gegen die Ver­öf­fent­li­chung ihrer Bil­der vor, doch im Februar gab es Zei­ten, in denen sie Tag für Tag auf der ers­ten Seite der »Bild«-Zeitung nackt abge­bil­det war, einen schwar­zen Bal­ken nicht über den Augen, son­dern ihrem Busen, als wäre der das Merk­mal, an dem sie zu erken­nen wäre. Bio­lek und Anke S. gehen juris­tisch gegen die »Bild«-Zeitung vor, wie Hun­derte Pro­mi­nente vor ihnen. Einige bekom­men vor Gericht recht, die meis­ten eini­gen sich irgend­wie mit der Zei­tung, weil Recht eine Sache ist, die Feind­schaft der »Bild«-Zeitung eine andere.

Selbst einige von jenen, denen die »Bild«-Zeitung übel mit­ge­spielt hat, haben ihre Ein­wil­li­gung gege­ben, daß der Ver­lag ihr Foto für die Jubiläums-Kampagne benut­zen darf, die auf geschickte Weise offen­läßt, ob »Bild« ihnen dankt oder sie »Bild« dan­ken. Öffent­lich nicht mit­fei­ern wol­len nur die Wall­raffs die­ser Welt, die man leicht als Ewig­gest­rige, Mie­se­pe­ter, Spiel­ver­der­ber dar­stel­len kann. Ach, und viel­leicht der ein oder andere Mensch, des­sen pri­va­tes Unglück so ungleich uner­träg­li­cher dadurch wurde, daß die »Bild«-Zeitung davon lebt, es der gan­zen Nation zu zeigen.

Im Internet ist jeder Freiwild für »Bild«

Die Kol­le­gen von Radio Eins hat­ten heute mor­gen Niko­laus Blome im Gespräch, den stell­ver­tre­ten­den »Bild«-Chefredakteur. Sie spra­chen ihn auf die Bericht­er­stat­tung über den gewalt­sa­men Tod einer jun­gen Frau in Ber­lin an. »Bild« hatte den Fall ver­se­hent­lich mit dem Foto einer ganz ande­ren jun­gen Frau illus­triert. Die­ses Foto hatte »Bild« ein­fach aus deren Blog genommen.

Blome sagte, dass sei ein »Miss­griff« gewe­sen, aber er halte das nicht für das grund­sätz­li­che »Funk­ti­ons­prin­zip« von »Bild«. Das Gespräch ging so weiter:

Mode­ra­tor: Unab­hän­gig davon, dass es die fal­sche Per­son war: Ist es denn gut, dann ein­fach Fotos von irgend­wel­chen Inter­net­sei­ten run­ter­zu­zie­hen? Statt zu ver­su­chen, sich die von Ange­hö­ri­gen zu besorgen?

Blome: Na gut, dann hät­ten Sie uns vor­ge­wor­fen, wir wür­den irgend­wel­che Wit­wen schüt­teln, wie es frü­her hieß. Da sind wir in einer sehr grund­sätz­li­chen Frage. Wenn Leute, Men­schen — viele, viele Men­schen offen­kun­dig — ihr gan­zes Pri­vat­le­ben im Inter­net aus­brei­ten, und das ist nun mal frei zugäng­lich, dann sind sol­che Fol­gen lei­der mit ein­zu­prei­sen. Das heißt, dann müs­sen sich Men­schen auch bewusst sein, dass sie sich öffent­lich gemacht haben. Und das kann dann auch dazu füh­ren, dass Zei­tun­gen von die­sen öffent­lich zugäng­li­chen Recher­che­fel­dern, also zum Bei­spiel Face­book, also zum Bei­spiel Inter­net ins­ge­samt, Gebrauch machen.

So ist das bei der Axel-Springer-AG. Der Kon­zern möchte kleinste Schnip­sel, die er pro­du­zie­ren lässt, im Inter­net durch ein eige­nes Recht schüt­zen las­sen, wäh­rend sein wich­tigs­tes Blatt Per­sön­lich­keits– und Urhe­ber­rechte im sel­ben Medium kon­se­quent ignoriert.

(Man kann sich aller­dings, wenn »Bild« vom Inter­net ent­spre­chend »Gebrauch gemacht« hat, per­sön­lich bei Diet­rich von Kla­eden von der Axel-Springer-AG beschwe­ren, der sich dann nicht darum kümmert.)

Wo Kai Diekmann arbeitet, werden Fehler gemacht

»Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann beherrscht eine Art Zau­ber­trick. Sein Standard-Vortrag, mit dem er vor eini­gen Jah­ren vor ihm gewo­ge­ne­ren Zuschau­ern auf­trat, war in wei­ten Tei­len ein Appell zur Selbst­kri­tik. Er sagte darin Sätze wie: »Beim Bou­le­vard ist Hal­tung und der Mut, Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen, beson­ders wich­tig.« Er zählte dann viele, viele Feh­ler auf. Kein ein­zi­ger war von ihm.

Und wer nicht genau auf­ge­passt hat, ging mit dem Gefühl nach Hause, dass die­ser Diek­mann ein wirk­lich vor­bild­lich selbst­kri­ti­scher Jour­na­list ist, ohne dass er es tat­säch­lich sein musste.

Das habe ich vor zwei­ein­halb Jah­ren geschrie­ben, aber das kann man ja immer wie­der schrei­ben. Man kann alles immer wie­der schreiben.

Der Bran­chen­dienst turi2 stellt heute ein aktu­el­les Zitat von Diek­mann heraus:

»Wo gear­bei­tet wird, wer­den Feh­ler gemacht. Das heißt aber nicht, dass da, wo mit gro­ßen Buch­sta­ben gear­bei­tet wird, zwangs­läu­fig die Feh­ler grö­ßer sind.«

Es stammt aus einem Inter­view mit dem MDR und war Diek­manns Schein-Antwort auf die Frage: »Gibt es Ent­schei­dun­gen, die Sie am Ende bereut haben? Wo Sie gesagt haben, okay, das hätte in unse­rer Zei­tung so nicht ste­hen dürfen?«

Er nannte natür­lich kein Bei­spiel. Die alte Masche funk­tio­niert also immer noch. Er muss sie nicht ein­mal variieren.

»Wo gear­bei­tet wird, wer­den Feh­ler gemacht. Das heißt aber nicht: Wer mit beson­ders gro­ßen Buch­sta­ben arbei­tet, macht des­halb auch grö­ßere Feh­ler als andere. Wenn Feh­ler gemacht wer­den, muss man dazu aber auch stehen.«

(Kai Diek­mann, Juni 2012, im Inter­view mit dpa.)

»Dort, wo gear­bei­tet wird, wer­den auch Feh­ler gemacht. Das gilt für ›Bild‹ genauso wie für alle ande­ren Zei­tun­gen und Medien. Feh­ler bei ›Bild‹ sind aller­dings oft beson­ders auf­fäl­lig, weil wir mit so gro­ßen Buch­sta­ben arbeiten.«

(Kai Diek­mann, März 2012, im Inter­view mit »Die Presse«.)

»Wo gear­bei­tet wird, wer­den Feh­ler gemacht. Macht ›Bild‹ mal einen Feh­ler, ist es gleich eine bös­ar­tige Kam­pa­gne, wenn nicht gleich eine Fäl­schung. Feh­ler pas­sie­ren allen.«

(Kai Diek­mann, 2006, in einem Vor­trag über den »Erfolg der Marke ›Bild‹«.)

»Wo gear­bei­tet wird, wer­den Feh­ler gemacht, lei­der. Große Buch­sta­ben bedeu­ten aber nicht große Fehler.«

(Kai Diek­mann, 2005, im Inter­view mit Maria Elle­bracht und Kat­rin Zeug für das »Trend­buch Journalismus«.)

Wo gear­bei­tet wird, da wer­den Feh­ler gemacht. Das heißt nicht, daß wo mit beson­ders gro­ßen Buch­sta­ben gear­bei­tet wird, des­halb auch beson­ders große Feh­ler gemacht würden.

(Kai Diek­mann, 2004, in einem Brief an seine Mitarbeiter.)

»Wo gear­bei­tet wird, wer­den Feh­ler gemacht.«

(Kai Diek­mann, 2001, im Inter­view mit dem »Spiegel«.)

Ich kann ver­ste­hen, wenn Kai Diek­mann sich lang­weilt.

Perpetuum Mobile

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag, 2. Januar, berich­tete »Spie­gel Online« exklu­siv:

Nach Infor­ma­tio­nen von SPIEGEL ONLINE tele­fo­nierte Wulff auch mit dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Sprin­ger AG, Mathias Döpf­ner, um die­sen zu bit­ten, bei Diek­mann Ein­fluss zu neh­men. Doch der Kon­zern­chef, in des­sen Haus die »Bild« erscheint, soll ihm in knap­per Form beschie­den haben, sich nicht in die Belange der Redak­tion ein­mi­schen zu wollen.

Der Springer-Verlag ant­wor­tete zunächst nicht auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE, ob es ein Tele­fo­nat mit Döpf­ner gab. Am Nach­mit­tag bestä­tigte dann der Ver­lag den Gesprächs­ver­such Wulffs mit dem Vorstandschef.

Was danach geschah:

dapd, 2. Januar, 16:14:

Wulff inter­ve­nierte auch bei Springer-Chef Döpf­ner wegen Artikel

(…) Wulff habe neben dem Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, auch beim Vor­stands­vor­sit­zen­den der Axel Sprin­ger AG, Mathias Döpf­ner, inter­ve­niert, sagte ein Spre­cher des Kon­zerns am Mon­tag der Nach­rich­ten­agen­tur dapd.

Er bestä­tigte damit einen Bericht von »Spie­gel Online«. (…)

epd, 2. Januar, 16:16:

»Süd­deut­sche Zei­tung«: Wulff rief auch bei Springer-Chef Döpf­ner an

Mün­chen (epd). Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff hat nach Infor­ma­tio­nen der »Süd­deut­schen Zei­tung« auch mit einem Anruf beim Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Verlages, Mathias Döpf­ner, ver­sucht, die Bericht­er­stat­tung der »Bild«-Zeitung über die Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. »Es ist kor­rekt, dass der Bun­des­prä­si­dent auch Mathias Döpf­ner in die­ser Ange­le­gen­heit ange­ru­fen hat und es ist auch kor­rekt, dass Herr Döpf­ner auf die Unab­hän­gig­keit der Redak­tion hin­ge­wie­sen hat«, heiße es in einer schrift­li­chen Stel­lung­nahme des Ver­la­ges, aus der die »Süd­deut­sche Zei­tung« in ihrer Diens­tags­aus­gabe zitiert. (…)

dpa, 2. Januar, 17:39:

Wulff wollte »Bild«-Bericht ver­hin­dern — Kri­tik und Protest

(…) Wie die »Bild«-Zeitung am Mon­tag bestä­tigte, ver­suchte Wulff per­sön­lich, die erste Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei »Bild«- Chef­re­dak­teur Kai Diek­mann habe er mit straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für den ver­ant­wort­li­chen Redak­teur gedroht. Auch bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner inter­ve­nierte Wulff erfolg­los. Das bestä­tigte der Verlag. (…)

dpa, 3. Januar, 15:37:

Der öffent­li­che Druck auf Wulff wird stärker

Ber­lin (dpa) — Wegen eines umstrit­te­nen Kre­dits und sei­nes Umgangs mit den Medien gerät Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff immer mehr unter Druck. Ein Rückblick:

12. Dezem­ber 2011: Bun­des­prä­si­dent Wulff besucht die Golf­re­gion und ver­sucht, »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann zu errei­chen, um die Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner ruft er eben­falls an — und laut einem Bericht auch bei Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer. (…)

epd, 4. Januar, 8:47:

(…) Seit­dem nach dem Jah­res­wech­sel öffent­lich wurde, dass der Bun­des­prä­si­dent »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann sowie Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner ange­ru­fen hatte, um Bericht­er­stat­tung über den Kre­dit zu ver­hin­dern, ver­schärfte sich der öffent­li­che Druck auf Wulff noch ein­mal deutlich. (…)

dpa, 4. Januar, 18:56:

Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff hat ARD und ZDF am Mitt­woch ein Inter­view gegeben. (…)

Ulrich Dep­pen­dorf: »Jetzt kom­men wir mal zu den Kri­tik­punk­ten, die Ihnen vor­ge­wor­fen wer­den. Sie sind in den letz­ten Tagen beson­ders in die Kri­tik gera­ten wegen der Anrufe bei dem Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, und bei dem Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Konzerns, Herrn Döpf­ner. Ihnen wird Ver­let­zung des Grund­rechts der Pres­se­frei­heit vor­ge­wor­fen. Sie sol­len auf dem Band beide Her­ren bedroht haben. Sie spre­chen von Krieg füh­ren, vom end­gül­ti­gen Bruch. (…)«

epd, 5. Januar, 8:57:

(…) Seit­dem nach dem Jah­res­wech­sel Wulffs Anrufe bei Diek­mann sowie Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner bekannt­ge­wor­den waren, hatte sich der öffent­li­che Druck auf den Prä­si­den­ten noch ein­mal deut­lich erhöht. (…)

dpa, 6. Januar, 15:20

»Bild« con­tra Wulff — ein Rückblick

Ber­lin (dpa) — Es war ein Bericht der »Bild«-Zeitung, der Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff Mitte Dezem­ber in Erklä­rungs­not brachte. Jetzt strei­ten beide über einen omi­nö­sen Tele­fon­an­ruf. Ein Rückblick:

12. Dezem­ber 2011: Bun­des­prä­si­dent Wulff besucht die Golf­re­gion und ver­sucht, »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann zu errei­chen, um die Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner ruft er ebenso an. (…)

Reu­ters, 7. Januar, 17:58:

Spie­gel — Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin, 07. Jan (Reu­ters) — Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff soll einem Medi­en­be­richt zufolge neben dem »Bild«-Chefredakteur auch Springer-Verlagschef Mathias Döpf­ner mit schar­fen Wor­ten gedroht haben, um die Ver­öf­fent­li­chung eines Berichts über seine Kre­ditaf­färe zu verhindern. (…)

dapd, 7. Januar, 18:08:

Spie­gel: Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin (dapd). Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff soll auch Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner gedroht haben. (…)

dpa, 7. Januar, 18:34:

»Spie­gel«: Wulff soll auch Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin (dpa) — In der Affäre um einen Anruf von Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff beim Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, kom­men wei­tere Details ans Licht. Nach Infor­ma­tio­nen des Nachrichten-Magazins »Der Spie­gel« soll Wulff dem Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Verlags, Mathias Döpf­ner, mit ähn­li­chen Wor­ten gedroht haben wie dem »Bild«-Chef. Eine Stel­lung­nahme des Prä­si­di­al­am­tes war am Sams­tag­abend zunächst nicht zu erhal­ten, ebenso wenig vom Springer-Verlag. (…)

dpa, 7. Januar, 19:22

Sprin­ger bestä­tigt Bericht über Wulff-Drohung bei Döpfner

Ber­lin (dpa) — Der Springer-Verlag hat einen Medi­en­be­richt bestä­tigt, dem­zu­folge Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff in der Kre­ditaf­färe auch Ver­lags­chef Mathias Döpf­ner gedroht haben soll. »Wir kön­nen die Dar­stel­lung des »Spie­gels« bestä­ti­gen, wol­len das aber nicht wei­ter kom­men­tie­ren«, sagte der für die »Bild«-Zeitung zustän­dige Spre­cher Tobias Fröh­lich am Sams­tag­abend auf Anfrage. (…)

dapd, 7. Januar, 19:36:

Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben
(Neu: Bestä­ti­gung Verlagssprecher) (…)

»Spie­gel Online«, aktuell:

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