Archiv zum Stichwort: B.Z.

Släsch, Släsch, Schupelius

19 Okt 10
19. Oktober 2010

Der „B.Z.“-Kolumnist Gunnar Schupelius ist jetzt nicht jemand, der sich besonders gut auskennt oder komplizierte Sachen gut versteht. Aber er hat jemanden, den er immer fragen kann.

Und so fragt er sich heute, warum wir Kinder, die in Berlin geboren sind, eigentlich „Migranten“ nennen, obwohl „Migrant“ „Wanderer“ heißt und Kinder, die hier aufwachsen, gar keine Wanderer sind.

(…) Früher sagte man „Ausländer“ und meinte damit alle Fremden, die man als nicht deutsch ansah. Dann wurde der Begriff als politisch unkorrekt eingestuft und gelöscht. Stattdessen lernten wir, „Migrant“ zu sagen. Aber was haben wir damit erreicht? Gar nichts. Wer heute Migrant sagt, meint Ausländer und wer als Migrant bezeichnet wird, der fühlt sich irgendwie nicht ganz für voll genommen.

In Berlin leben 863.000 Menschen, die als Migranten bezeichnet werden. 42 Prozent von ihnen sind aber eigentlich gar keine Migranten, denn sie haben einen deutschen Pass. Wem wir unsere Staatsangehörigkeit verliehen haben, den sollten wir als Deutschen ansprechen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zum Beispiel ist natürlich ein Deutscher und kein Migrant. (…)

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, es gibt kein Happy End — das Wort „Hintergrund“ kommt in der ganzen Kolumne nicht vor.

Niemand bei der „B.Z.“ hat Schupelius sachte beiseite genommen und ihm langsam und mit einfachen Worten erklärt, dass die 863.000 Menschen gar nicht als „Migranten“ bezeichnet werden, sondern als Menschen „mit Migrationshintergrund“. Vermutlich dachte Schupelius, dass das auch nur wieder nur so ein künstlich aufgeblähtes Quatschwort ist, wie es die Gutmenschen gerne benutzen, weil es „politisch korrekt“ ist, und hat den lästigen „Hintergrund“ einfach weggelassen, obwohl der, wie Schupelius unwissentlich zeigt, entscheidend ist. Ein Berliner Junge, dessen Eltern aus der Türkei stammen, ist kein Migrant. Er hat einen Migrationshintergrund. (Schupelius ist mit seinem Unwissen leider nicht allein.)

So kann man natürlich gut eine tägliche Volkszorn-Kolumne füllen: Erst etwas falsch verstehen und sich dann darüber beklagen, dass es falsch ist.

(Man könnte, womöglich mit viel Geduld, natürlich versuchen, Schupelius auch noch zu erklären, dass das Wort „Ausländer“ gar nicht „gelöscht“ oder als politisch unkorrekt klassifiziert ist und dass es schon gar nicht durch das Wort „Migrant“ ersetzt wurde. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, zum Beispiel, ist zwar aus deutscher Sicht Ausländer, aber kein Migrant (hat aber Migrationshintergrund). Ein Migrant ist ein Ein– oder Auswanderer. Dass sich jemand, der von Schupelius als Migrant bezeichnet wird, irgendwie nicht ganz für voll genommen fühlt, kann natürlich trotzdem sein und wäre sogar erklärbar.)

Neulich hat Schupelius sich etwas anderes gefragt, nämlich: Wie viele Sicherheitsleute eigentlich in den Berliner Freibädern eingesetzt werden. Anscheinend hätte Schupelius auch da lieber noch jemand anders fragen sollen als sich selbst, jedenfalls musste die „B.Z.“ einen Widerruf drucken. Und weil Schupelius seine Kolumnen bekanntlich immer auch noch mal in die Kamera spricht, gibt es von dem Widerruf auch eine Videoversion, der es erstaunlicherweise gelingt, den Wahnsinn einer durchschnittlichen Schupelius-Videobotschaft noch zu toppen, aber sehen Sie selbst:

[flashvideo file=http://stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/gegendarstellung.flv /]

Andererseits ist es fast wieder Kunst.

Ja, mir san mim Adel da

15 Mrz 09
15. März 2009

Die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ gewährte ihren Lesern am Freitag unfreiwillig einen kleinen Einblick in ihre Arbeitsweise, als sie folgende Gegendarstellung über den (online inzwischen gelöschten) ersten Artikel ihres neuen „Gesellschafts-Reporters“ Philipp v. Studnitz veröffentlichte:

Gegendarstellung

Auf der Titelseite der B.Z. vom 4. März 2009 schreiben Sie über mich: „Schöneberger heiratet adlig — Das erzählte sie bei einem Dinner in der Wohnung von Vicky Leandros dem neuen B.Z.-Gesellschafts-Reporter Philipp v. Studnitz“.

Hierzu stelle ich fest: Herr von Studnitz hat sich bei dem Gespräch in der Wohnung von Frau Leandros mir nicht als B.Z.-Gesellschafts-Reporter vorgestellt, sondern als persönlicher Freund der Familie meines Lebensgefährten.

Berlin, den 9. März 2009
Rechtsanwalt Dr. Christian Schertz für Barbara Schöneberger

Andererseits: Wer geht auch zum Essen zu Menschen, die „B.Z.“-Gesellschafts-Reporter unvorgestellt an den Tisch setzen und Vicky Leandros sind?

Lesen und lesen lassen

08 Feb 09
8. Februar 2009

Das Vorlesen eigener Artikel gehört zu den bislang noch unterschätzten journalistischen Stilformen. Dabei bietet ein schlechter Vortrag eine gute Chance, von argumentativen, logischen und sprachlichen Schwächen des Textes abzulenken.

Gunnar Schupelius zeigt, wie es geht.

Gunnar Schupelius schreibt für die „B.Z.“ jeden Tag über etwas, das ihn ärgert. Die Straße vor dem Kanzleramt (vgl. „Tagesspiegel“-Artikel von Januar 2008) ärgert ihn. Wenn er auf dem Weg nach Moabit, anstatt schnell durch den Tiergartentunnel zu fahren, den Schleichweg am Bundeskanzleramt vorbei nimmt, muss er ganz oft abbiegen. Dabei müsste man das Lenkrad kaum bewegen, wenn die Kanzlerin die Leute durch ihre Rabatten fahren ließe. Wenn das schon nicht geht, aus Sicherheitsgründen, würde Schupelius am liebsten unter dem Vordach des Paul-Löbe-Hauses langfahren. Da müsste er zwar genau so oft scharf lenken wie jetzt, aber nicht so schnell. Außerdem bräuchte man dann nicht diese Teerpiste zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt, über die jetzt alle fahren müssen. Wobei: So viele sind das eh nicht, sagt Schupelius.

Klingt ein wenig krude? Nicht wenn Sie es sich vom Vizesieger im Vorlesewettbewerb der Dritten Klassen erzählen lassen:


Gunnar Schupelius liest: „Gunnar Schupelius: Die Straße vor dem Kanzleramt“

„VideoBlog“ nennt die „B.Z.“ diese neue Form, es handelt sich also um die Zukunft. Wir sollten uns dem nicht verschließen. Deshalb der Aufruf: Macht den Schupelius! Der Lukas ist mit gutem schlechtem einem Beispiel vorangegangen:

Wir feiern das Ende der vorlesungsfreien Zeit! Wenn viele mitmachen, können wir einen richtigen Lies-es-wie-Schupelius-Vorlesewettbewerb veranstalten. Über Gewinnmöglichkeiten und Abstimmungsmodalitäten entscheiden wir dann.

Die „B.Z.“ lässt Roland Koch richtig gewinnen

19 Jan 09
19. Januar 2009

„Überwältigender Sieg von CDU und FDP“, titelt die „B.Z.“ heute.

Ach was, auch die CDU mit ihrem winzigen Prozentzuwachs, der einem realen Wählerverlust entspricht, hat überwältigend gewonnen? Aber ja. Wenn Sie sich mal die Grafik anschauen wollen, die laut „B.Z.“ das „vorläufige amtliche Endergebnis“ darstellt:

Das ist ja wohl ein Supersprung, den der schwarze CDU-Balken gegenüber seinem grauen Vorgänger gemacht hat.

Die lustigen Experten von der kleinen Berliner „Bild“-Schwester haben sich anscheinend nicht die Mühe gemacht, die Graphen dem tatsächlichen Ergebnis anzupassen, sondern beim Malen frei improvisiert. Wie frei, sieht man, wenn man versucht, ein Raster über die Grafik zu legen. Es ist schwer, das genau zu machen, weil die Balken nicht einmal auf gleicher Höhe beginnen, aber nimmt man die 36,8 Prozent der CDU vom letzten Jahr zum Maßstab, ergibt sich folgendes Bild:

Der CDU-Balken entspricht einem Wert von über 42 Prozent. Das ist fast schon überwältigend.

Nachtrag, 22.40 Uhr. Das hatte ich ganz übersehen: Auch die Zahlenangaben sind falsch, die „B.Z.“ hat die 2008er-Ergebnisse von FDP und Grünen vertauscht. Dadurch erscheint der Zuwachs bei der FDP noch dramatischer, als er tatsächlich war.

Pressevielfalt

30 Nov 07
30. November 2007