Tag Archive for: Callactive

MTV-Kritiker leben gefährlich

04 Jun 08
4. Juni 2008

Das Unternehmen MTV sieht keine Notwendigkeit, die Kritiker seiner Sendungen davor zu schützen, von seinen Geschäftspartnern eventuell mundtot gemacht zu werden. Auf eine Anfrage, ob MTV das radikale Vorgehen der Firma Callactive gegen ein kritisches Forum billige, erklärte eine Sprecherin, sie könne „Handlungen unserer Dienstleister, die über die zwischen uns vereinbarte Produktion eines Format hinausgehen, nicht kommentieren“.

Die Firma Callactive hat (wie berichtet) vorletzte Woche die Domain call​-in​-tv​.de unter merkwürdigen Umständen übernommen und nutzt sie nun, um anstelle des kritischen Forums für ihre im Auftrag von MTV produzierte Anrufsendung „Money Express“ zu werben, die nachts auf Viva, Comedy Central und dem Kindersender Nick läuft. Frank Metzing, der Anwalt des Forumbetreibers Marc Doehler, hält es für sehr wahrscheinlich, dass Callactive als nächstes versuchen wird, Doehler auch die Ersatzadresse call​-in​-tv​.net und überhaupt den Namens „Call-in-TV“ streitig zu machen. Bereits am 19. Februar 2008 hat die Firma Callactive den Namen „Call-in-TV“, den das Forum seit über zwei Jahren nutzt, als eigene Marke registrieren lassen. Das Logo (rechts oben), das sich die Firma hat schützen lassen, wirkt nicht so, als hätte jemand viel Zeit, Geld oder Mühe investiert. Es verwendet auch ähnliche Farben wie das „Call-in-TV“-Logo der Kritiker (rechts unten).

Metzing schätzt die Chancen von Callactive, aufgrund der neu eingetragenen Marke erfolgreich gegen das Forum vorzugehen, allerdings als gering ein. Der Begriff „Call-in-TV“ bezeichne eine ganze Gattung von Fernsehprogrammen — und sei als Wortmarke daher zu allgemein. Deshalb habe die Firma markenrechtlichen Schutz beim Patent- und Markenamt überhaupt nur über den „Umweg“ erreicht, eine Wort-/Bildmarke registrieren zu lassen. Die Nutzung des Begriffes „Call-in-TV“ im Internet könne man nach der bisherigen Rechtsprechung jedenfalls auf diese Weise nicht verbieten lassen. Metzing geht aber davon aus, dass Callactive es dennoch versuchen werde.

Im Februar hatte die Produktionsfirma in einer Pressemitteilung erklärt, die Unterstellung, „Callactive wolle das Forum durch übertriebene Zahlungsforderungen zerstören“, sei unrichtig. Das Vorgehen der vergangenen Wochen lässt allerdings wenig andere Interpretationen zu, als die, dass Callactive das Forum zerstören will — wenn nicht durch übertriebene Zahlungsforderungen, dann womöglich anders.

Mayerbacher sagte gegenüber der Internetseite „TV Matrix“, sein Unternehmen habe die Domain call​-in​-tv​.de „nicht gepfändet, sondern im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Domaininhaber […] eine Übertragung auf uns erreichen können“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Callactive hatte zuvor sehr wohl einen gerichtlichen Pfändungsbeschluss gegen Doehler erwirkt: Der Wert der Domain wurde in dem Pfändungsantrag auf 2000 Euro geschätzt. Doehler kam der drohenden Einziehung jedoch zuvor, indem er die Domain auf einen anderen Inhaber übertragen ließ. Richtig ist, dass Callactive die Adresse von diesem dann nicht pfändete; das Unternehmen soll es aber nach Darstellung Doehlers geschafft zu haben, den neuen Besitzer durch massiven Druck zur Übertragung der Adresse zu bewegen. Der zwischenzeitliche Domaininhaber selbst sagt, er dürfe sich zu den Vorgängen nicht äußern.

Das ist der Stand der Dinge. Und bei MTV Networks wollte man nicht einmal meine Frage „Gehört es zu den Geschäftspraktiken des Unternehmens MTV, Kritiker seiner Sendungen mundtot zu machen oder machen zu lassen?“ mit „Nein“ beantworten.

Eine ausführliche Darstellung der Vorgänge der vergangenen Wochen aus Doehlers Sicht auf gulli​.com

[Disclosure: Callactive führt auch gegen mich mehrere Rechtsstreite.]

Feindliche Übernahme von call​-in​-tv​.de

23 Mai 08
23. Mai 2008

Es scheint auf den ersten Blick der ultimative Triumph für die Firma Callactive: Ihr gehört nun die Domain call​-in​-tv​.de.

Unter dieser Adresse hatten kritische Zuschauer seit mehreren Jahren akribisch die zahlreichen Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten in den teuren Telefon-„Gewinn“-Spielen protokolliert, die das Unternehmen unter anderem für mehrere MTV-Sender produziert („Money Express“). Die Beschwerde eines Mitglieds des Forums hatte sogar dazu geführt, dass die sonst in dieser Sache gerne untätige nordrhein-westfälische Landesmedienanstalt in der vergangenen Woche eine Callactive-Sendung formal beanstandete.

Callactive hatte bereits vorher damit gedroht, die Domain pfänden zu lassen. Die Firma hat aus verschiedenen Prozessen über Äußerungen im Forum noch offene Forderungen gegen Marc Doehler, den Betreiber des Forums.

Die genauen Umstände, unter denen die Domain nun ausgerechnet in den Besitz von Callactive gelangte, sind noch unklar. Doehler hatte sie vor kurzem an einen anderen Domaininhaber übertragen, auf dessen Server das Forum zuletzt auch lief. Doehler sagt, der jetzige Domaininhaber habe ihm heute mitgeteilt, dass er die Domain nun auf Callactive übertragen musste. Wer die Adresse aufruft, erhält zur Zeit nur eine Fehlermeldung.

Doehler sagt, er und sein Team wollten sich auch durch diesen erneuten Rückschlag nicht davon abbringen lassen, die umstrittenen und immer wieder durch Unregelmäßigkeiten auffallenden Anrufsendungen zu beobachten.

Das Forum ist ab sofort unter der Adresse call​-in​-tv​.net erreichbar.

[Disclosure: Die Firma Callactive führt auch gegen mich mehrere Rechtsstreite.]

Medienanstalt entdeckt Call-TV-Sendung

16 Mai 08
16. Mai 2008

Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen hat festgestellt, dass die von der Firma Callactive für MTV produzierte Anrufshow „Money Express“ am 29. November 2007 unzulässigerweise einen nicht vorhandenen Zeitdruck aufgebaut und Anrufer so in die Irre geführt habe. Sie hat die Sendung „formell beanstandet“.

Die einzige konkrete Konsequenz für den Sender und seinen Produzenten ist diese:

Callactive-Geschäftsführer Stephan Mayerbacher hat gegenüber dem Medienmagazin DWDL angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Entscheidung prüfen zu lassen — „auch, um von der Medienaufsicht eine klare Definition zu erhalten, was denn genau ein ‚nicht vorhandener Zeitdruck‘ ist“.

Recht hat er.

In der beanstandeten Sendung, die bis 3.04 Uhr ging, wurde laut (gewöhnlich zuverlässigem) Protokoll von call​-in​-tv​.de erstmals für 1.05 Uhr angekündigt, die Telefonleitungen zu schließen. Dasselbe geschah bis zum Ende der Sendung noch ungefähr ein halbes Dutzend Mal. Bereits um kurz vor 2 Uhr wurde ein erster sogenannter „FINAL COUNTDOWN“ heruntergezählt. Je ein weiterer „FINAL COUNTDOWN“ folgte um 2.26 Uhr und 2.57 Uhr. Hinzu kamen mutmaßlich Dutzende folgenlose Countdowns, die nicht ausdrücklich als „final“ angekündigt wurden. Um 2.40 Uhr wurde „LETZTE CHANCE“ eingeblendet, um 2.50 Uhr ein weiteres Mal.

Mayerbacher fragt zu Recht: Was ist „nicht vorhandener Zeitdruck“? Die Täuschung durch „final Countdowns“, die weder final sind noch zu irgendeinem Ereignis herunterzählen, die falschen Ankündigungen von „letzten Chancen“ oder die fast ununterbrochenen falschen Aussagen der Moderatoren über den Spielablauf können es nicht sein. Denn damit führt „Money Express“ seine Zuschauer fast jeden Abend in die Irre.

Ich hoffe, Mayerbacher klagt wirklich. Entweder er verliert. Oder die Gewinnspielregeln und ihre Auslegung durch die Landesmedienanstalten werden als die Farce entlarvt, die sie sind. Für die Allgemeinheit wäre es in jedem Fall ein Gewinn.

(Tafelgag nach einer Idee von „Twipsy“.)

[Disclosure: Ich befinde mich in mehreren Rechtsstreiten mit der Firma Callactive.]

Sandra Ahrabian und das falsche Zebra (2)

18 Apr 08
18. April 2008

Das Landgericht München I hat Sandra Ahrabian Recht gegeben. Es erließ bereits am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen Marc Doehler.

Frau Ahrabian verdient Geld damit, Menschen in der Sendung „Money Express“ mit falschen Versprechungen zu teuren Anrufen zu animieren. Als in der Sendung vom 1. April 2008 die Buchstaben „BRAZE“ neben ihr eingeblendet waren (gesucht war das Wort „ZEBRA“), scherzte sie noch on air mit dem für Zuschauer nicht zu hörenden Redakteur darüber und sagte: „Da hast Du an mich gedacht dabei? Ach, Du bist heute aber wieder charming.“ Marc Doehler, der in seinem Forum zusammen mit anderen die vielen Unregelmäßigkeiten dieser und anderer Anrufsendungen protokolliert, veröffentlichte daraufhin einen Screenshot und schrieb darunter scherzhaft: „Da fehlt das ‚HOHL-‘“ (mehr zur Vorgeschichte hier und hier).

Doehler wird nicht gegen die einstweilige Verfügung vorgehen. Es fehlt ihm sowohl der Glaube an die Justiz, als auch das Geld. Allein diese Entscheidung dürfte ihn über 1500 Euro kosten.

[Disclosure: Die Firma Callactive geht in mehreren Fällen juristisch gegen mich vor.]

Auf dem Schlauch mit Sandra Ahrabian

16 Apr 08
16. April 2008

Meine Fähigkeit, juristische Auseinandersetzungen unter dem Gesichtspunkt ihres Unterhaltungswertes zu betrachten, ist in den vergangenen Monaten dank des vielfachen Vorgehens der Firma Callactive gegen mich ein bisschen eingeschränkt worden. Aber manchmal klappt’s noch.

Da ist ja dieser Fall, dass in der Sendung „Money Express“ auf den MTV-Sendern Viva, Comedy Central und Nick eines Nachts neben der Moderatorin Sandra Ahrabian das Wort „BRAZE“ stand, und Marc Doehler in seinem Forum unter einen Screenshot von der Situation schrieb: „Da fehlt das ‚HOHL-“. Die Moderatorin hat nun beim Landgericht München I eine einstweilige Verfügung gegen Doehler beantragt, denn, so erklärt ihr Anwalt:

Das Wort „Hohlbraze“ ist ein Schimpfwort und eine Beleidigung. Es bezeichnet einen Menschen, meist eine Frau, der äußerst unattraktiv und von großer Dummheit ist.

Doehlers Anwalt weist in seiner Erwiderung u.a. darauf hin, dass „Hohlbraze“ schon deshalb kein Schimpfwort sein könne, weil es kein Wort sei. Aber selbst wenn es eines wäre und wenn es die gleiche Bedeutung hätte wie „Hohlbratze“ und wenn es von Doehler in dieser Form benutzt worden wäre… selbst dann müsse das Gericht zwischen dem Ehrenschutz der Moderatorin und dem Schutz von Werturteilen und Meinungsäußerungen abwägen — und dabei berücksichtigen, dass Frau Ahrabian zwar intelligent sei, sich aber in den Sendungen „durchgehend als dumm präsentiere“.

Es folgen nicht weniger als acht Beispiele:

a) In der Sendung „Money Express“ am 15. Oktober 2007, „Bremen“ sollte gelöst werden, „BENREM“ wurde als Anagramm angezeigt:
Die Antragsgegnerin (Sandra Ahrabian) […] führt unter anderem aus: „Was ist denn Benrem für ne Stadt? […] Ich steh heute auf dem Schlauch. […] [auf eine Mitteilung der Regie via Ohrknopf] Wieso: ‚Geht’s noch?‘ […] Ich komm nicht darauf.“

b) Ebenfalls in der Sendung vom 15. Oktober 2007, „Wuppertal“ sollte gelöst werden, „PAULPETRW“ wird angezeigt:
„Ich hab keine Ahnung, was das ist hier. […] Das sind ja neun Buchstaben. Sind das neun Buchstaben?“

c) In der Sendung vom 7. Januar 2008, „Bielefeld“ wird gesucht, „EDELFIBEL“ angezeigt.
Die Antragstellerin: „Ist das ne deutsche Stadt? Frage ich lieber nochmal nach. Liebster Redakteur [unverständlich], kann es sein, dass Ihr da nen Buchstaben vergessen habt? […] Ich hab manchmal wirklich ein Gehirn wie ein Sieb.“

d) Am 6. Marz 2008, „Landwirt“ sollte gelöst werden, „LIRTWAND“ wird angezeigt.
Die Antragstellerin: „Ich muß jetzt ganz ehrlich eins gestehen: Ich war gerade heute noch in der Sonne, da hat’s mir, glaub ich, die letzte Gehirnzelle weggebrannt.“

e) Am 18. März 2008, „Augsburg“ sollte gelöst werden, „ARGUSBUG“ wird angezeigt:
Die Antragstellerin: „Häh? Hab ich ja noch nie gesehen. […] [nach sehr langer Zeit] Gibt es irgendeine Person in Deutschland oder vielleicht auch in Österreich, die mir bitte sagen kann, welche deutsche Stadt wird hier gesucht? Ist nicht ganz einfach, ich hab’s noch nicht. Jetzt muß ich mal eine Frage … Ich hab die Lösung noch nicht, ich mach diesen Job heute nicht zum ersten Mal, nein, ich habe ihn bisher schon zwei-, dreimal gemacht. [später, nach der Auflösung durch einen Zuschauer] Das ist eigentlich total leicht. Aber ich dachte mir, [unverständlich] Augsburg? Ich hab an Augsburg noch gedacht, aber ich dachte mir, das sind viel zu viele Buchstaben, das ist bestimmt nicht Augsburg.“

f) Am 18. März 2008, „Wiesbaden“ wird gesucht, „BESENDIWA“ angezeigt.
Die Antragstellerin: „Tja, das bin ich manchmal auch, ne Besendiva. Ich ziehe zum Putzen gern mal mein Abendkleid an. Kehr ich schön durch die Wohnung, so’n kleines Diadem, ne, dann die Kronjuwelen, und dann kehr ich schön meine Küche… Und dann bin ich so was wie ne Besendiva […] [später] Ich muss auch mal sagen, ich bin in Geographie wahnsinnig schlecht, denn ich hatte da immer ‚nen Fensterplatz, ja. Wenn die anderen dem Lehrer zugehört haben, habe ich den Vögeln beim Zwitschern zugehört.“

g) Am 1. April 2008, in der streitbefangenen Sendung, „BRAZE“ wird angezeigt, „Zebra“ gesucht.
Die Antragstellerin: „[nachdem die Regie ihr über den Ohrknopf etwas mitgeteilt hat] Da hast Du an mich gedacht dabei? Ach, Du bist heute aber wieder charming. Was, wie? Was ist denn das bitte? Braze? Soll ich Ihnen mal eins überbrazen? […] Vor allem, wisst Ihr, was so angenehm ist, wenn man sein Auto geputzt hat? Ja? Wenn man nicht bei jeder roten Ampel immer die ganzen Flaschen hört, ja. Die dann im Auto immer so „klirr“, wenn man bremst, ja, kennt ihr das? Oder auch die ganzen Dosen, was da immer so alles drin liegt, die sind immer so laut. […] [im Dialog mit der Regie über den Ohrknopf] Ja, stimmt, Du hast recht, ich sollte einfach mal beim Autofahren mal weniger Wodka trinken, weil die Wodka-Flaschen, die klirren immer so laut, die ganzen leeren Wodka-Flaschen.“

h) In der Sendung am 2. April 2008, das Wort „Schicksal“ wird gesucht:
Die Antragstellerin: „Ich weiß definitiv nicht, welches Wort wir suchen, denn ich sage ihnen eines, wenn Sie mich kennen, dann wüßten Sie, die Ahrabian, wenn die das Wort weiß, die verplappert sich. Ist so. Stimmt’s? Ja. […] Ich hab jetzt drei Falschantworten gehört, ich hab gehört, „Schicksal“ — nee, das hab ich nicht gehört, oh! Das hab ich nicht gehört.“

Wenn Ihnen angesichts dieser Beispiele ein Wort einfällt, das Ihnen irgendwie treffend erscheint, Frau Ahrabian zu beschreiben, tun Sie sich einen Gefallen: Schreiben Sie es nicht auf.

[Disclosure: Die Firma Callactive geht in mehreren Fällen juristisch gegen mich vor.]