Von Pontius nach Pilates

Man hatte ja immer wie­der ein Rau­nen über diese pri­va­ten Abgründe im Hause Wulff gehört, aber nun gibt es end­lich einen unzwei­deu­ti­gen Foto­be­weis: Wir sehen die Fami­lie in ihrem Auto bei der Abreise aus Ber­lin am ver­gan­ge­nen Frei­tag — und sie sitzt am Steuer!

Die ein­schlä­gi­gen Blät­ter ver­such­ten das Unge­heu­er­li­che natür­lich gleich zu interpretieren:

Am Steuer saß Bet­tina Wulff — ein Hin­weis dar­auf, wer künf­tig in Groß­burg­we­del das Sagen hat?

Wei­ter heißt es in dem Text:

Hin­ter den Eltern saßen die Söhne Linus (mit Ted­dy­bär) und Lean­der. Man fragt sich, über was die Wulffs auf der Fahrt gere­det haben.

Es muss eine über­stürzte Abreise gewe­sen sein: In der Ein­fahrt zur Dienst­villa des Bun­des­prä­si­den­ten in Dah­lem liegt an die­sem Mon­tag­vor­mit­tag noch eine gelbe Sand­kas­ten­schau­fel und ein rot­blauer Sand­kas­ten­ei­mer. Hat das nicht mehr in den Skoda Yeti gepasst?

Am frü­hen Frei­tag­abend erreich­ten die Wulffs das Haus in Groß­burg­we­del, des­sen Finan­zie­rung Wulffs Rück­tritt aus­ge­löst hat. Ein paar­mal haben die Wulffs das Haus seit­dem ver­las­sen: Am Sams­tag­abend für zwei Stun­den und am Sonn­tag­mor­gen gegen 9 Uhr 30. Da brachte ein Lie­fe­rant fri­sche Bröt­chen und Zei­tun­gen vorbei.

In der zwei­stö­cki­gen Prä­si­den­ten­villa, die vor dem Ein­zug der Wulffs für 800 000 Euro reno­viert wer­den musste, weil das Dach undicht war und man in der Bau­sub­stanz Asbest ent­deckt hatte, ist an die­sem Mon­tag kein Leben aus­zu­ma­chen. Man könnte jetzt lüf­ten, aber alle Fens­ter sind zu. (…)

Joa­chim Gauck wohnt in einer Alt­bau­woh­nung im Baye­ri­schen Vier­tel von Schö­ne­berg, wo es, im Gegen­satz zu Dah­lem, viele Knei­pen, Restau­rants und Kinos gibt. Ob er sei­nen Kiez ver­las­sen wird?

Gegen­über der Bundespräsidenten-Villa öff­net sich eine Haus­tür. Eine Frau tritt her­aus, sport­lich geklei­det. Sie sagt, sie sei auf dem Weg zum Pilates-Unterricht. (…) Bet­tina Wulff habe immer gelä­chelt, wenn sie den Nach­barn begeg­net sei. (…)

Und jetzt die Frage: Aus wel­chem Blatt stammt die­ser Text? Klei­ner Tipp: Es han­delt sich aus­nahms­weise weder um »die Aktu­elle« noch »das Neue«.

Heucheln und heucheln lassen

Ste­fan Win­ter­bauer, der Blinde unter den Ein­äu­gi­gen beim Bra­an­chen­dienst »Mee­dia«, hat das Spiel längst abge­pfif­fen. Die »taz« sei zum wie­der­hol­ten Male beim Ver­such geschei­tert, »Bild«-Chef Kai Diek­mann vor­zu­füh­ren. »Genauso wie Lucy Char­lie Brown in letz­ter Sekunde den Ball weg­zieht, lässt sich die taz immer wie­der von Kai Diek­mann am Nasen­ring durch die Medi­en­ma­nege füh­ren«, urteilte er ges­tern.

Die »taz« hatte Diek­mann öffent­lich Fra­gen gestellt zum undurch­sich­ti­gen Umgang sei­nes Blat­tes mit der Nach­richt, die Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff auf sei­ner Mail­box hin­ter­las­sen hatte. Diek­mann machte erst einen Witz dar­aus, der von »Mee­dia« gleich auf­ge­regt nach­er­zählt wurde, und ließ die Pres­se­stelle dann ant­wor­ten. »Die Ant­wor­ten der Bild«, urteilt Win­ter­bauer, »ent­hiel­ten nichts Bri­san­tes oder Neues, son­dern aus­führ­lich dar­ge­stellt noch ein­mal die Anga­ben zu den Abläu­fen und die redak­tio­nel­len Erwä­gun­gen, warum die Mailbox-Nachricht zunächst in der Bericht­er­stat­tung the­ma­ti­siert wurde.«

(Er meint ver­mut­lich: nicht.)

Dabei ist die Ant­wort von »Bild« in mehr­fa­cher Hin­sicht ent­lar­vend. Zum Bei­spiel schreibt die Pressestelle:

Nach­dem die Redak­tion die Abschrift der Nach­richt an das Büro des Bun­des­prä­si­den­ten über­mit­telt hatte, häuf­ten sich bei der Axel Springer-Pressestelle Anfra­gen von Jour­na­lis­ten zum voll­stän­di­gen Inhalt der Nach­richt. In Gesprä­chen wur­den einige der bereits bekann­ten Pas­sa­gen erläutert.

Wer in sei­nem Beruf ein biss­chen mit Ant­wor­ten von Pres­se­stel­len zu tun hat, kann erah­nen, dass die For­mu­lie­run­gen im letz­ten Satz wohl vor allem der Ver­schleie­rung die­nen. Jour­na­lis­ten rufen bei Sprin­ger an, wol­len den kom­plet­ten Text wis­sen und die Pres­se­stelle »erläu­tert« »einige der bereits bekann­ten Pas­sa­gen«? Was bedeu­tet das über­haupt? Man muss ver­mut­lich bei einem PR-affinen Unter­neh­men wie »Mee­dia« arbei­ten, um das für eine befrie­di­gende oder gar erschöp­fende Ant­wort von »Bild« zu halten.

In Wahr­heit war es offen­bar so, dass »Bild« meh­re­ren Jour­na­lis­ten zu ver­schie­de­nen Zeit­punk­ten die Abschrift der Nach­richt am Tele­fon vor­ge­le­sen hat — unter der Maß­gabe, das Gespräch nicht mit­zu­schnei­den und es nicht voll­stän­dig zu veröffentlichen.

Inso­fern stimmt es in einem sehr engen, sehr wört­li­chen Sinne womög­lich auch, wenn »Bild« der »taz« antwortet:

Eine Abschrift der Nach­richt wurde von der Pres­se­stelle an keine Zei­tung oder Zeit­schrift geschickt. Es gab kei­nen Auf­trag an Redak­teure von Bild, die Nach­richt oder Pas­sa­gen dar­aus weiterzugeben.

Nicht nur an die­ser Stelle klaf­fen grö­ßere Lücken in der Ant­wort von »Bild«. Genau genom­men äußert sie sich nur über ihr Ver­hal­ten vor dem 1. Januar und nach dem 5. Januar — das ist lei­der der »taz« eben­so­we­nig auf­ge­fal­len wie Win­ter­bauer. Dabei ist gerade der Zeit­raum dazwi­schen inter­es­sant, in dem die Geschichte in die »Süd­deut­sche Zei­tung« kam und dann explo­dierte. In dem die »Bild«-Zeitung so tat, als habe sie nichts mit der Bericht­er­stat­tung zu tun. Wes­halb sie dann ganz schein­hei­lig den Bun­des­prä­si­den­ten fra­gen konnte, ob sie die Nach­richt ver­öf­fent­li­chen dürfe, und ganz schein­an­stän­dig dar­auf ver­zich­tete, als er ablehnte.

Ich würde unter­stel­len, dass die Leer­stel­len in den Ant­wor­ten von »Bild« sehr bewusste Leer­stel­len sind. Es wirkt ein biss­chen, als würde man gefragt, ob man eine Geschäfts­be­zie­hung zu einem Unter­neh­mer gehabt habe, und ver­neint, weil man ja nur mit sei­ner Ehe­frau einen Kre­dit­ver­trag hatte.

Als ich den »Bild«-Sprecher für »Spie­gel Online« nach eini­gen die­ser Leer­stel­len fragte, war es plötz­lich vor­bei mit der Trans­pa­renz, die man dem Publi­kum und Leu­ten wie Win­ter­bauer vor­ge­spielt hat. Es gab auf keine mei­ner Fra­gen eine Ant­wort. Das ist kein Wun­der, denn das ist das nor­male Ver­hal­ten des »Bild«-Sprechers. Zu lau­fen­den Ver­fah­ren, zu redak­tio­nel­len Ent­schei­dun­gen, zu Per­so­nal­spe­ku­la­tio­nen, zu Interna, zu Thema XY äußert er sich grund­sätz­lich nicht.

Wenn die­ser Ver­lag, wenn die­ses Blatt, jeman­den anders zu Trans­pa­renz und Wahr­haf­tig­keit auf­for­dert, dann ist das selbst dann ein böser Witz, wenn die For­de­rung berech­tigt sein sollte.

Aber Kai Diek­mann sagt auf kri­ti­sche Nach­fra­gen manch­mal etwas Lus­ti­ges, das man aus der Ferne mit Selbst­iro­nie ver­wech­seln könnte. Nicht nur für die Leute von »Mee­dia« ist das mehr wert als jede Wahr­heit. Auch des­halb kommt »Bild« so oft mit ihren Halb­wahr­hei­ten und Heu­che­leien durch.

Wulffs »400 Fragen, 400 Antworten«

Der »Tages­spie­gel« war sicht­lich stolz auf seine Exklusiv-Meldung. Online hob er sie mit einem gel­ben Textmarker-Hinweis her­vor; gedruckt brachte er sie ganz oben auf Seite 1.

Sie lau­tete:

Wulffs Anwalt: Ant­wor­ten blei­ben geheim

Ber­lin — Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff ver­wei­gert die Her­aus­gabe von Fra­gen und Ant­wor­ten zu sei­ner Affäre. Dies teilte sein Anwalt Ger­not Lehr, der die Fra­gen für Wulff beant­wor­tet hat, dem Tages­spie­gel mit. »Der im Man­dan­ten­auf­trag geführte Schrift­ver­kehr zwi­schen Anwäl­ten und Drit­ten fällt unter die anwalt­li­che Ver­schwie­gen­heits­pflicht. Aus die­sem Grund sowie aus Grün­den der prak­ti­schen Hand­hab­bar­keit für alle Betei­lig­ten ist eine zusam­men­fas­sende Stel­lung­nahme erfolgt«, sagte Lehr. In sei­nem TV-Interview hatte Wulff gesagt: »Ich geb Ihnen gern die 400 Fra­gen, 400 Antworten.« (…)

Die Agen­tu­ren spran­gen sofort dar­auf an. Schon um 5:55 Uhr mor­gens ver­brei­tete Reu­ters die Mel­dung mit fol­gen­dem Hintergrund:

Wulff hatte in der ver­gan­ge­nen Woche in sei­nem Inter­view mit ARD und ZDF gesagt: »Ich gebe Ihnen gern auf die 400 Fra­gen 400 Ant­wor­ten.« Man müsse die Trans­pa­renz wei­ter­trei­ben, was auch neue Maß­stäbe setze. »Mor­gen früh wer­den meine Anwälte alles ins Inter­net ein­stel­len. Dann kann jede Bür­ge­rin, jeder Bür­ger, jedes Detail zu den Abläu­fen sehen (…).«

AFP, dapd, dpa zogen alle noch im Lauf des Vor­mit­tags nach. Bei dpa las sich der ent­schei­dende Wider­spruch so:

Wulff hatte in der ver­gan­ge­nen Woche im Inter­view von ARD und ZDF ange­kün­digt, er wolle in der Affäre für voll­stän­dige Trans­pa­renz sor­gen. »Mor­gen früh wer­den meine Anwälte alles ins Inter­net ein­stel­len. Dann kann jede Bür­ge­rin, jeder Bür­ger jedes Details zu die­sen Abläu­fen sehen und bewer­tet sehen, auch recht­lich«, sagte er. »Ich geb‹ Ihnen gern die 400 Fra­gen, die 400 Antworten.«

In spä­te­ren Mel­dun­gen behaup­tete dpa, der Bun­des­prä­si­dent habe »eine öffent­li­che Doku­men­ta­tion der Fra­gen und Ant­wor­ten zu den Vor­wür­fen gegen das Staats­ober­haupt« »versprochen«.

Hat er das wirklich?

Die Zitate Wulffs stim­men. Sie stam­men alle aus dem Inter­view, das er in der ver­gan­ge­nen Woche ARD und ZDF gege­ben hat. Aber der Satz, dass seine Anwälte »alles ins Inter­net ein­stel­len wer­den«, und der Hin­weis auf »die 400 Fra­gen, die 400 Ant­wor­ten«, fie­len kei­nes­wegs im sel­ben Zusammenhang.

Wulff sagte einer­seits:

Mor­gen früh wer­den meine Anwälte alles ins Inter­net ein­stel­len. Dann kann jede Bür­ge­rin, jeder Bür­ger jedes Detail zu die­sen Abläu­fen sehen und bewer­tet sehen, auch rechtlich.

Er sagte das im Kon­text, dass »man« (er meint: »ich«) »die Trans­pa­renz wei­ter­trei­ben muss«. Über die »400 Fra­gen« spricht er sehr viel spä­ter:

Schaus­ten: Kön­nen Sie denn garan­tie­ren, dass nicht noch etwas ande­res nach­kommt in der Affäre, über die wir jetzt sprechen?

Wulff: Also bei 400 Fra­gen und wenn gefragt wird, was es zu essen gab, bei Ihrer ers­ten Hoch­zeit und wer Ihre zweite bezahlt hat und ob Sie den  Unter­halt für Ihre Mut­ter gezahlt haben und ich könnte jetzt tau­send Sachen mehr nen­nen und wer die Klei­der für Ihre Frau gezahlt hat, wel­che gelie­hen waren, wel­che sozu­sa­gen als geld­wer­ter Vor­teil ver­steu­ert  wer­den, dann kann ich nur sagen, ich geb Ihnen gern die 400 Fra­gen – 400 Ant­wor­ten. Da ist jetzt etwas, was einen dann inner­lich auch nach sol­chen drei Wochen irgendwo frei­macht, dass man sagt, also jetzt ist wirk­lich alles von innen nach oben und umge­kehrt gewen­det. Und man muss sich dann auch fra­gen, ob nicht dann auch es irgend­wann akzep­tiert wird, dass auch ein Bun­des­prä­si­dent ein pri­va­tes Leben haben darf.

Er spricht hier davon, dass er glaubt, sich keine Sor­gen dar­über machen zu müs­sen, dass noch neue Ent­hül­lun­gen ans Tages­licht kom­men. Die 400 Fra­gen, auf die er ebenso viele Ant­wor­ten gege­ben habe, hät­ten wohl alles abge­deckt. Er blickt nicht in die Zukunft, wenn die Anwälte irgend­et­was ver­öf­fent­li­chen wür­den, son­dern in die Ver­gan­gen­heit: Es hätte ihn »inner­lich frei­ge­macht«, das Gefühl zu haben, alles gefragt wor­den zu sein und alles beant­wor­tet zu haben.

Womög­lich kann man das auch anders ver­ste­hen. Ganz sicher war Wulff — wie­der ein­mal — dumm, dass er das Ver­öf­fent­li­chen eines sechs­sei­ti­gen Papiers mit Ant­wor­ten als revo­lu­tio­nä­ren Akt der Trans­pa­renz ver­brämte. Aber es spricht eini­ges dafür, dass er nicht ange­kün­digt oder ver­spro­chen hat, alle 400 Fra­gen und Ant­wor­ten im Inter­net ver­öf­fent­li­chen zu lassen.

Die Agen­tur Reu­ters ist immer­hin genau genug, in einer Mel­dung am Diens­tag­abend so zu formulieren:

Mitt­woch ver­gan­ge­ner Woche hatte Wulff im Inter­view von ARD und ZDF ange­kün­digt, auf die bis dahin 400 ein­ge­reich­ten Fra­gen gebe er gerne 400 Ant­wor­ten. Er wolle mit der Trans­pa­renz neue Maß­stäbe set­zen. Seine Anwälte wür­den noch am Fol­ge­tag »alles ins Inter­net ein­stel­len«. Jeder Bür­ger könne dann jedes Detail bewer­ten. Dies war viel­fach so ver­stan­den wor­den, als werde er sämt­li­che Ant­wor­ten auf Anfra­gen von Medien öffent­lich machen.

Ja: Es war viel­fach so ver­stan­den wor­den. Ein­deu­tig gesagt hatte er es nicht.

Doch die Medien taten so, als hätte er. Und hat­ten fri­sche Munition.

»Spie­gel Online« brachte den Vor­wurf auf die schlichte schlag­zeil­en­taug­li­che Formel:

Wulff bricht sein Versprechen

Und kom­po­nierte ent­spre­chend Wulffs Zitate sehr frei wie folgt zusammen:

Am Mitt­woch hatte das Staats­ober­haupt in einem Inter­view mit ARD und ZDF noch ange­kün­digt: »Ich geb Ihnen gern auf die 400 Fra­gen 400 Ant­wor­ten.« Man müsse die Trans­pa­renz wei­ter­trei­ben, »die setzt auch neue Maß­stäbe«. »Mor­gen früh wer­den meine Anwälte alles ins Inter­net ein­stel­len. Dann kann jede Bür­ge­rin, jeder Bür­ger jedes Details zu den Abläu­fen sehen — und bewer­tet sie auch rechtlich.«

Der par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der Uni­ons­frak­tion im Bun­des­tag Peter Alt­maier sagte dem »Ham­bur­ger Abend­blatt«: »Ich hielte es für unglück­lich, wenn der Ein­druck ent­stünde, dass die Anwälte des Bun­des­prä­si­den­ten jetzt hin­ter dem zurück­blei­ben, was er selbst in einem Fern­seh­in­ter­view ange­kün­digt hat.« Gegen­über der WAZ-Mediengruppe nutzte der SPD-Vorsitzende Sig­mar Gabriel den angeb­li­chen Wider­spruch zwi­schen Ver­spre­chen und Ein­lö­sung für neue, alte Angriffe auf Wulff. Die »WAZ« behaup­tete in die­sem Zusam­men­hang:

In sei­nem Fernseh-Interview in der ver­gan­ge­nen Woche hatte Wulff erklärt, er wolle die 400 Medi­en­an­fra­gen, die er über seine Anwälte beant­wor­tet habe, der Öffent­lich­keit zugäng­lich machen und so in der Trans­pa­renz »neue Maß­stäbe« setzen.

Die Agen­tur dapd nutzte die Kri­tik an der Nicht­ver­öf­fent­li­chung am Mitt­woch­abend für eine Mel­dung mit dem sich selbst­er­fül­len­den Titel: »Wulff-Affäre nimmt keine Ende«.

Den Anlass für die wei­te­ren nega­ti­ven Schlag­zei­len hat zu einem grö­ße­ren Teil wie­der Wulff selbst gelie­fert. Aber wäre es zuviel ver­langt von den Medien, im Umgang mit dem Bun­des­prä­si­den­ten, bei dem sie jetzt alles ganz genau neh­men, alles ganz genau zu nehmen?

[via Wer­ner Ber­ger in den Kom­men­ta­ren]

Vom Glück, »Bild« zu sein

Ich frage mich, ob man als »Bild«-Zeitung-Macher manch­mal dar­un­ter lei­det, dass man es zu leicht hat. Man kann heute alle Regis­ter eines unse­riö­sen Schmud­del­blat­tes zie­hen, und sich mor­gen wie­der als seriöse Zei­tung geben. Man hat die Wahl, Dinge zu ver­öf­fent­li­chen, Dinge nicht zu ver­öf­fent­li­chen und Dinge zu ver­öf­fent­li­chen, ohne sie zu ver­öf­fent­li­chen. Man kann es mit der Wahr­heit ganz genau neh­men oder schon das Kon­zept »Wahr­heit« an sich als eine Erfin­dung von Korin­then­ka­ckern abtun. Man muss nie­man­dem Rechen­schaft able­gen oder tut es ein­fach nicht. Und keine Sekunde muss man sich um sein dum­mes Geschwätz von ges­tern kümmern.

· · ·

Fan­gen wir der Ein­fach­heit hal­ber ganz hin­ten an: Beim Auf­tritt von Niko­laus Blome bei Gün­ther Jauch ges­tern abend. Blome ist der stell­ver­tre­tende Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung. Sein Dackel­blick ist in den ver­gan­ge­nen Mona­ten so etwas wie das mensch­li­che Ant­litz von »Bild« in der Öffent­lich­keit geworden.

Auch bei Jauch hatte er es leicht. Nie­mand wollte so recht die Rolle der »Bild«-Zeitung in dem Spek­ta­kel der letz­ten Wochen the­ma­ti­sie­ren; es ging um Wulff.

Immer­hin stellte jemand eine berech­tigte Frage: Warum es zwei Wochen gedau­ert hat, bis Wulffs angeb­li­che Droh-Nachricht auf der Mail­box von »Bild«-Chef Kai Diek­mann an die Öffent­lich­keit kam.

Blome hatte einen ori­gi­nel­len Erklä­rungs­ver­such: Er ver­mu­tet, dass der Aus­lö­ser die Kri­tik von Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert gewe­sen sei, der es an Sil­ves­ter gewagt hatte zu sagen: »Auch die Medien haben Anlass zu selbst­kri­ti­scher Betrach­tung ihrer offen­sicht­lich nicht nur an Auf­klä­rung inter­es­sier­ten Bericht­er­stat­tung.« Dar­auf­hin, so Blo­mes These, hät­ten die sich zu Unrecht ange­grif­fen füh­len­den Jour­na­lis­ten die Mailbox-Sache in die Öffent­lich­keit gebracht.

Außer­dem, fügte er hinzu, sei die Geschichte mit der Nach­richt auf der Mail­box ja erst rich­tig groß gewor­den, nach­dem Wulff selbst in sei­nem Inter­view in ARD und ZDF dar­über gere­det und ihren Inhalt — Blo­mes Ansicht nach — falsch dar­ge­stellt habe, näm­lich als blo­ßen Ver­such, einen Tag Auf­schub herauszuhandeln.

Ich glaube, dass es einen Men­schen auf Dauer defor­miert, wenn er so etwas sagen kann, ohne dass er schal­len­des Geläch­ter ern­tet oder ihm jemand sachte die Hand auf den Arm legt und sagt: »Herr Blome? Der Bun­des­prä­si­dent musste das Inter­view über­haupt nur geben, weil der öffent­li­che Druck so groß gewor­den war, nach­dem die Sache mit der Mail­box an die Öffent­lich­keit gekom­men war.«

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Was für eine bizarre Situa­tion: In der ARD-Talkshow zitiert Jauch, was der »Spie­gel« unter Beru­fung auf Sprin­ger über Wulffs Anrufe bei Diek­mann und Vor­stands­chef Mathias Döpf­ner schreibt, und fragt Blome, ob das rich­tig sei. Was der »Spie­gel« schreibt. Was er von Sprin­ger weiß. Und Blome bestä­tigt es.

Die »Bild«-Zeitung fragt öffent­lich beim Bun­des­prä­si­den­ten an, ob sie den Wort­laut sei­ner Mailbox-Nachricht ver­öf­fent­li­chen darf. Als er Nein sagt, ver­zich­tet sie, ganz das hyper­se­riöse Blatt, auf eine Veröffentlichung.

Zu die­sem Zeit­punkt haben Springer-Leute ande­ren Jour­na­lis­ten aus­führ­lich aus der Abschrift der Nach­richt am Tele­fon vor­ge­le­sen — unter der Maß­gabe, nicht voll­stän­dig mit­zu­schrei­ben und das Gespräch nicht aufzuzeichnen.

Die »Bild«-Zeitung feu­ert die Muni­tion, die ihr der Bun­des­prä­si­dent in sei­ner Dumm­heit gelie­fert hat, nicht selbst ab. Sie reicht sie an andere wei­ter. Sie kann nach dem gro­ßen Knall ihre Hände vor­zei­gen: keine Schmauchspuren.

Sie muss sich kei­nen Fra­gen stel­len, ob es womög­lich ein Ver­trau­ens­bruch war, Details aus der Nach­richt zu ver­öf­fent­li­chen, wenn Diek­mann doch gegen­über Wulff die Sache nach einer Ent­schul­di­gung als erle­digt bezeich­net hatte. Sie hat sie ja nicht ver­öf­fent­licht. Außer doch.

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Letz­tens hat mich ein Kol­lege gefragt, wer eigent­lich der Böse in der Geschichte sei, »Bild« oder Wulff. Das ist die fal­sche Frage und in Wahr­heit gar keine Alter­na­tive. Klar ist, wer der Depp ist und wer der klug Handelnde.

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Ich ver­stehe den Frust dar­über, in wel­chem Maße sich die Bericht­er­stat­tung auf den Bun­des­prä­si­den­ten kon­zen­triert und wie wenig sie sich um die Rolle von »Bild« küm­mert. Es gibt dafür aber immer­hin einen guten Grund: Es geht auf der einen Seite um die Ansprü­che an das deut­sche Staats­ober­haupt und auf der ande­ren Seite nur um die an eine Boulevardzeitung.

Anders gesagt: Wir haben in den ver­gan­ge­nen Wochen eini­ges Neues über den Cha­rak­ter von Chris­tian Wulff gelernt. Und nichts Neues über den Cha­rak­ter der »Bild«-Zeitung.

Natür­lich kann man sich, wenn man will, dar­über empö­ren, dass das, was man Kai Diek­mann auf die Mail­box spricht, nicht ver­trau­lich bleibt. Oder, alter­na­tiv, dass Diek­mann nicht die Eier hat, die Grenz­über­schrei­tung selbst öffent­lich zu machen und mit offe­nem Visier zu kämp­fen. Aber hat irgend­je­mand etwas ande­res von Kai Diek­mann erwartet?

Es mag aller­dings sein, dass Wulff Grund zur Annahme hatte, er könne sich diese Art der Ein­fluss­nahme erlau­ben. Viel­leicht hat das frü­her geklappt, Freund­schafts­dienste auf diese Weise ein­zu­for­dern. Auch das dürfte — ange­sichts der Art, wie »Bild« für Wulff PR gemacht hat und wie sehr Wulff der »Bild« Exklusiv-Geschichten geschenkt hat — nie­man­den wundern.

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Erin­nert sich noch jemand an das Jahr 2004, als der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rechte die Pres­se­frei­heit in Deutsch­land abschaffte? Durch das soge­nannte »Caroline-Urteil« wurde das Recht ein­ge­schränkt, über Pri­va­tes aus dem Leben von Pro­mi­nen­ten zu berich­ten, wenn es kei­nem ande­ren Inter­esse dient als der Sen­sa­tion oder Unter­hal­tung. Sieb­zig Chef­re­dak­teure rie­fen damals in einem offe­nen Brief »Zen­sur!«, weil die »wich­tigste Auf­gabe der freien Presse, den Mäch­ti­gen auf die Fin­ger zu schauen, mas­siv behin­dert« werde. Es unter­schrie­ben in einem der trau­rigs­ten Akte fehl­ge­lei­te­ter jour­na­lis­ti­scher Soli­da­riät unter ande­rem die Chef­re­dak­teure von »Spie­gel«, »Stern«, »Play­boy«, »Das neue Blatt«, »Neue Post«, »Das Haus« und natür­lich »Bild« und »Bild am Sonntag«.

»Bild« beließ es nicht dabei. Öffent­lich­keits­wirk­sam kün­digte Kai Diek­mann damals an, Kon­se­quen­zen aus dem Urteil zu zie­hen und bis auf wei­te­res auf Homes­t­o­ries über Poli­ti­ker zu ver­zich­ten. Nach dem »Maul­korbur­teil« sei unklar, was an kri­ti­scher Bericht­er­stat­tung noch erlaubt sei. »Des­halb müs­sen wir umge­kehrt beim Leser jetzt von vorn­her­ein jeden Anschein ver­mei­den, wir wür­den mit ein­ge­bau­ter Schere im Kopf nur noch Hof­be­richt­er­stat­tung betreiben.«

Das war damals schon lächer­lich. Und keine zwei Jahre spä­ter begann in »Bild« der große (inzwi­schen abge­schlos­sene) Lie­bes­ro­man »Chris­tian Wulff und sein per­fek­tes Pri­vat­le­ben«, mit Berich­ten über neue Woh­nun­gen, neue Fri­su­ren, neue Kin­der, neues Glück.

Natür­lich hatte »Bild« dabei die Schere im Kopf. Es war die ganz eigene Schere der kal­ku­lier­ten Hof­be­richt­er­stat­tung über Men­schen, die sich auf das Spiel von »Bild« ein­las­sen und ihr den Stoff geben, den sie begehrt.

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Als Niko­laus Blome von Gün­ther Jauch gefragt wurde, ob man an der Bericht­er­stat­tung über Wulff — erst rosa­rot ver­klärt, dann gna­den­los ver­nich­tend — das berüch­tigte Aufzugs-Prinzip von »Bild« erken­nen könnte, ant­wor­tete der »Bild«-Mann erst mit einer wit­zig gemein­ten Bemer­kung dar­über, dass es in der Axel-Springer-Zentrale in Ber­lin einen Pater­nos­ter gebe. Dann fand er es abwe­gig, und meinte das offen­bar lei­der nicht mehr als Witz, dass man »Bild« vor­werfe, aus der »eher glimpf­li­chen Schei­dung« der Wulffs »keine Schlamm­schlacht« gemacht zu haben. Und schließ­lich sagte er noch, dass einige der PR-Schlagzeilen, die »Bild« Wulff in den Zei­ten bes­ter Zusam­men­ar­beit schenkte und die Jauch gezeigt hatte, bloß aus den Regio­nal­aus­ga­ben von »Bild« stamm­ten. Blome sagte die Unwahr­heit. Jede der gezeig­ten Geschich­ten war in der Bundesausgabe.

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Es ist schon rich­tig, dass an einen Bun­des­prä­si­den­ten andere Ansprü­che an Ehr­lich­keit zu stel­len sind als an den stell­ver­tre­ten­den Chef­re­dak­teur einer Bou­le­vard­zei­tung. Das bedeu­tet aber nicht, dass man ihm und sei­nem Blatt jede Lüge, jeden schmie­ri­gen Trick, jede irr­wit­zige Pose ein­fach durch­ge­hen las­sen muss.

Ein chro­ni­scher Lüg­ner und Trick­ser beschul­digt jeman­den, zu lügen und zu trick­sen. Das ist selbst dann ekel­haft, wenn der Vor­wurf — wie offen­bar in die­sem Fall — stimmt. Des­halb hat die lang­jäh­rige Freun­din von Wulff Recht, wenn sie bei Jauch rüh­rend hilf­los fomu­liert, sie möchte in kei­nem Land leben, in dem die »Bild«-Zeitung bestimmt, was Moral und was rich­tig ist.

Und des­halb ist der Ein­druck so ver­hee­rend, dass andere Medien sich von »Bild« haben ein­span­nen las­sen, der »Bild«-Geschichte an den ent­schei­den­den Stel­len die eigene Seriö­si­tät lei­hen und Seite an Seite mit »Bild« kämpfen.

»Es gab kei­nen Bruch« in der Bezie­hung zwi­schen »Bild« und Wulff, heu­chelte Blome. Das ist sowohl ange­sichts der real exis­tie­ren­den Bericht­er­stat­tung von »Bild« als auch ange­sichts von Wulffs Nach­richt auf der Mail­box offen­kun­dig unwahr. Blome meint natür­lich, dass es nie eine innige Bezie­hung zu Wulff zum bei­der­sei­ti­gem Vor­teil gege­ben habe.

Das Pro­blem ist, dass bis heute unklar ist, was den Bruch aus­ge­löst hat. Es könnte einen kon­kre­ten Anlass gege­ben haben; viel­leicht war es auch bloß die Abwä­gung von »Bild«, dass sich inzwi­schen ein exklu­si­ver Zugang zu Wulff samt schö­ner Geschich­ten weni­ger lohnt als die Mög­lich­keit, sich an die Spitze sei­ner Kri­ti­ker zu setzen.

Das ist eine grö­ßere Leer­stelle in der Geschichte und sie kor­re­spon­diert mit vie­len klei­nen Leer­stel­len, die der Springer-Verlag gelas­sen hat. Eine Woche lang musste sich die Nation ein Urteil über eine Nach­richt von Chris­tian Wulff erlau­ben, das allein auf ein­zel­nen kur­zen Satz­fet­zen beruhte, die der Springer-Verlag lan­ciert oder frei­ge­ge­ben hat. Offen­bar hat bis jetzt noch nie­mand außer­halb des Springer-Verlages die Nach­richt selbst gehört. Quelle ist allein eine Abschrift des Telefonates.

Dadurch, dass »Bild« das Gespräch nicht voll­stän­dig ver­öf­fent­licht hat, schützte das Blatt nicht Wulff, son­dern maxi­mierte den Scha­den, weil es die Ver­öf­fent­li­chung weit­ge­hend steu­ern und die Inter­pre­ta­tion beein­flus­sen konnte. (Dass der Bun­des­prä­si­dent dann die geschickt spä­ter nach­ge­scho­bene Bitte von »Bild«, die Nach­richt nun auch offi­zi­ell ver­öf­fent­li­chen zu dür­fen, ablehnte, spricht natür­lich wie­der für seine umfas­sende Unge­schick­lich­keit und Dumm­heit in die­ser Sache.)

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Ein Schlüs­sel­mo­ment in der Affäre ist, als der spä­ter ent­las­sene Wulff-Sprecher Olaf Gla­e­se­ker den »Bild«-Reporter Mar­tin Hei­de­manns am 6. Dezem­ber ins Schloss Bel­le­vue bit­tet. Er will die Gerüchte aus­räu­men, dass der zwie­lich­tige Unter­neh­mer Cars­ten Maschmeyer hin­ter dem Kre­dit für sein Haus steckt, und des­halb »Bild« ver­ra­ten, von wem das Geld wirk­lich stammt.

Das Doku­ment, mit dem »Bild« von der Ver­bin­dung zu den Geer­kens erfuhr und die Frage auf­wer­fen konnte, ob Wulff das nie­der­säch­si­sche Par­la­ment 2010 belo­gen hat, bekam das Blatt also vom Prä­si­den­ten­spre­cher selbst. Strit­tig ist, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen: Wulff sagt, Hei­de­manns habe ver­spro­chen, den Namen des Kre­dit­ge­bers nicht zu nen­nen. Das erklärt ver­mut­lich auch sei­nen Zorn und seine Dro­hung mit straf­recht­li­chen Schrit­ten. Hei­de­manns sagt, er habe vor Ort diese For­de­rung aus­drück­lich abge­lehnt, und Gla­e­se­kers habe ihm das Doku­ment dann trotz­dem gezeigt.

Ich weiß natür­lich nicht, wer die Wahr­heit sagt. Aber ich weiß, wer Mar­tin Hei­de­manns ist. Er ist bei Men­schen, die mit ihm zu tun haben muss­ten, ein beson­ders ver­hass­ter »Bild«-Mann. Seine Dro­hun­gen und auf die Betrof­fe­nen erpres­se­risch wir­ken­den Metho­den sind berüchtigt.

Und auf die­sen Mann glaubt der Bun­des­prä­si­dent seine Ent­las­tungs­stra­te­gie auf­bauen zu kön­nen? Ihm lässt er die ent­schei­den­den Doku­mente zei­gen? Ich weiß nicht, ob Hei­de­manns Still­schwei­gen ver­spro­chen hat oder nicht. Es ist aber auch voll­stän­dig egal, da man schon außer­or­dent­lich blau­äu­gig sein muss, um ihm zu trauen.

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Chris­tian Wulff ist, das zeigt auch die­ses Detail, nicht dar­über gestol­pert, dass er sich mit »Bild« ange­legt hat, son­dern dar­über, dass er immer noch glaubte, mit ihr gemein­same Sache machen zu können.

Das ist eine wich­tige Erkennt­nis, denn das wäre eine ver­hee­rende Lehre, die Pro­mi­nente und Poli­ti­ker aus der gan­zen Geschichte zie­hen könn­ten: Dass es so töd­lich ist, wie man immer schon ange­nom­men hat, sich mit »Bild« anzu­le­gen. Nein, töd­lich ist es, zu glau­ben, einen Pakt mit der »Bild«-Zeitung schlie­ßen zu kön­nen und davon am Ende pro­fi­tie­ren zu kön­nen. Im Zwei­fel wird nur einer von bei­den von einem sol­chen Pakt pro­fi­tie­ren, und das ist der­je­nige, der es sich erlau­ben kann zu trick­sen und zu lügen, heute mit Schlamm zu wer­fen und mor­gen seriös zu tun, keine Rechen­schaft able­gen zu müs­sen und sich keine Sekunde um sein Geschwätz von ges­tern küm­mern zu müssen.

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Perpetuum Mobile

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag, 2. Januar, berich­tete »Spie­gel Online« exklu­siv:

Nach Infor­ma­tio­nen von SPIEGEL ONLINE tele­fo­nierte Wulff auch mit dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Sprin­ger AG, Mathias Döpf­ner, um die­sen zu bit­ten, bei Diek­mann Ein­fluss zu neh­men. Doch der Kon­zern­chef, in des­sen Haus die »Bild« erscheint, soll ihm in knap­per Form beschie­den haben, sich nicht in die Belange der Redak­tion ein­mi­schen zu wollen.

Der Springer-Verlag ant­wor­tete zunächst nicht auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE, ob es ein Tele­fo­nat mit Döpf­ner gab. Am Nach­mit­tag bestä­tigte dann der Ver­lag den Gesprächs­ver­such Wulffs mit dem Vorstandschef.

Was danach geschah:

dapd, 2. Januar, 16:14:

Wulff inter­ve­nierte auch bei Springer-Chef Döpf­ner wegen Artikel

(…) Wulff habe neben dem Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, auch beim Vor­stands­vor­sit­zen­den der Axel Sprin­ger AG, Mathias Döpf­ner, inter­ve­niert, sagte ein Spre­cher des Kon­zerns am Mon­tag der Nach­rich­ten­agen­tur dapd.

Er bestä­tigte damit einen Bericht von »Spie­gel Online«. (…)

epd, 2. Januar, 16:16:

»Süd­deut­sche Zei­tung«: Wulff rief auch bei Springer-Chef Döpf­ner an

Mün­chen (epd). Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff hat nach Infor­ma­tio­nen der »Süd­deut­schen Zei­tung« auch mit einem Anruf beim Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Verlages, Mathias Döpf­ner, ver­sucht, die Bericht­er­stat­tung der »Bild«-Zeitung über die Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. »Es ist kor­rekt, dass der Bun­des­prä­si­dent auch Mathias Döpf­ner in die­ser Ange­le­gen­heit ange­ru­fen hat und es ist auch kor­rekt, dass Herr Döpf­ner auf die Unab­hän­gig­keit der Redak­tion hin­ge­wie­sen hat«, heiße es in einer schrift­li­chen Stel­lung­nahme des Ver­la­ges, aus der die »Süd­deut­sche Zei­tung« in ihrer Diens­tags­aus­gabe zitiert. (…)

dpa, 2. Januar, 17:39:

Wulff wollte »Bild«-Bericht ver­hin­dern — Kri­tik und Protest

(…) Wie die »Bild«-Zeitung am Mon­tag bestä­tigte, ver­suchte Wulff per­sön­lich, die erste Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei »Bild«- Chef­re­dak­teur Kai Diek­mann habe er mit straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für den ver­ant­wort­li­chen Redak­teur gedroht. Auch bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner inter­ve­nierte Wulff erfolg­los. Das bestä­tigte der Verlag. (…)

dpa, 3. Januar, 15:37:

Der öffent­li­che Druck auf Wulff wird stärker

Ber­lin (dpa) — Wegen eines umstrit­te­nen Kre­dits und sei­nes Umgangs mit den Medien gerät Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff immer mehr unter Druck. Ein Rückblick:

12. Dezem­ber 2011: Bun­des­prä­si­dent Wulff besucht die Golf­re­gion und ver­sucht, »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann zu errei­chen, um die Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner ruft er eben­falls an — und laut einem Bericht auch bei Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer. (…)

epd, 4. Januar, 8:47:

(…) Seit­dem nach dem Jah­res­wech­sel öffent­lich wurde, dass der Bun­des­prä­si­dent »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann sowie Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner ange­ru­fen hatte, um Bericht­er­stat­tung über den Kre­dit zu ver­hin­dern, ver­schärfte sich der öffent­li­che Druck auf Wulff noch ein­mal deutlich. (…)

dpa, 4. Januar, 18:56:

Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff hat ARD und ZDF am Mitt­woch ein Inter­view gegeben. (…)

Ulrich Dep­pen­dorf: »Jetzt kom­men wir mal zu den Kri­tik­punk­ten, die Ihnen vor­ge­wor­fen wer­den. Sie sind in den letz­ten Tagen beson­ders in die Kri­tik gera­ten wegen der Anrufe bei dem Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, und bei dem Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Konzerns, Herrn Döpf­ner. Ihnen wird Ver­let­zung des Grund­rechts der Pres­se­frei­heit vor­ge­wor­fen. Sie sol­len auf dem Band beide Her­ren bedroht haben. Sie spre­chen von Krieg füh­ren, vom end­gül­ti­gen Bruch. (…)«

epd, 5. Januar, 8:57:

(…) Seit­dem nach dem Jah­res­wech­sel Wulffs Anrufe bei Diek­mann sowie Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner bekannt­ge­wor­den waren, hatte sich der öffent­li­che Druck auf den Prä­si­den­ten noch ein­mal deut­lich erhöht. (…)

dpa, 6. Januar, 15:20

»Bild« con­tra Wulff — ein Rückblick

Ber­lin (dpa) — Es war ein Bericht der »Bild«-Zeitung, der Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff Mitte Dezem­ber in Erklä­rungs­not brachte. Jetzt strei­ten beide über einen omi­nö­sen Tele­fon­an­ruf. Ein Rückblick:

12. Dezem­ber 2011: Bun­des­prä­si­dent Wulff besucht die Golf­re­gion und ver­sucht, »Bild«-Chefredakteur Kai Diek­mann zu errei­chen, um die Ver­öf­fent­li­chung von Recher­chen zur Finan­zie­rung sei­nes Pri­vat­hau­ses zu ver­hin­dern. Bei Springer-Chef Mathias Döpf­ner ruft er ebenso an. (…)

Reu­ters, 7. Januar, 17:58:

Spie­gel — Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin, 07. Jan (Reu­ters) — Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff soll einem Medi­en­be­richt zufolge neben dem »Bild«-Chefredakteur auch Springer-Verlagschef Mathias Döpf­ner mit schar­fen Wor­ten gedroht haben, um die Ver­öf­fent­li­chung eines Berichts über seine Kre­ditaf­färe zu verhindern. (…)

dapd, 7. Januar, 18:08:

Spie­gel: Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin (dapd). Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff soll auch Springer-Vorstandschef Mathias Döpf­ner gedroht haben. (…)

dpa, 7. Januar, 18:34:

»Spie­gel«: Wulff soll auch Döpf­ner gedroht haben

Ber­lin (dpa) — In der Affäre um einen Anruf von Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff beim Chef­re­dak­teur der »Bild«-Zeitung, Kai Diek­mann, kom­men wei­tere Details ans Licht. Nach Infor­ma­tio­nen des Nachrichten-Magazins »Der Spie­gel« soll Wulff dem Vor­stands­vor­sit­zen­den des Springer-Verlags, Mathias Döpf­ner, mit ähn­li­chen Wor­ten gedroht haben wie dem »Bild«-Chef. Eine Stel­lung­nahme des Prä­si­di­al­am­tes war am Sams­tag­abend zunächst nicht zu erhal­ten, ebenso wenig vom Springer-Verlag. (…)

dpa, 7. Januar, 19:22

Sprin­ger bestä­tigt Bericht über Wulff-Drohung bei Döpfner

Ber­lin (dpa) — Der Springer-Verlag hat einen Medi­en­be­richt bestä­tigt, dem­zu­folge Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff in der Kre­ditaf­färe auch Ver­lags­chef Mathias Döpf­ner gedroht haben soll. »Wir kön­nen die Dar­stel­lung des »Spie­gels« bestä­ti­gen, wol­len das aber nicht wei­ter kom­men­tie­ren«, sagte der für die »Bild«-Zeitung zustän­dige Spre­cher Tobias Fröh­lich am Sams­tag­abend auf Anfrage. (…)

dapd, 7. Januar, 19:36:

Wulff soll auch Springer-Chef Döpf­ner gedroht haben
(Neu: Bestä­ti­gung Verlagssprecher) (…)

»Spie­gel Online«, aktuell:

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