Heute spielen wir endlich wieder eine Folge des beliebten Rätsels »Welcher harmlose Unsinn verbirgt sich hinter den brisanten Schlagzeilen auf der Titelseite der ›aktuellen‹?«

Um gleich mal die Sache mit der schwedischen Kronprinzessin Victoria aufzuklären, die als Rätsel wirklich zu leicht wäre: Das »erste Foto vom Baby« ist natürlich eine angebliche Ultraschallaufnahme, die Victoria gesehen und gleich freudestrahlend ihrem Mann gezeigt haben soll. Die »aktuelle« selbst hat dieses Bild zwar nicht, ist aber ganz dicht dran:

Und ist es nicht wirklich herzerwärmend, wie Victoria da übers ganze Gesicht strahlt, die Hand auf der Stirn, als könnte sie ihr Glück über das »Engelchen«, das sie gerade gesehen hat, nicht fassen?
Sie kommt auf dem Foto, auf das der Pfeil mit der Zeile »Hier kommt sie von ihrer Ärztin« zeigt, natürlich nicht von ihrer Ärztin. Das Bild entstand am 13. September beim Jahrestreffen des Internationalen Paralympischen Kommittees in Apeldoorn in den Niederlanden. Aber vermutlich war Victoria irgendwann in den Tagen oder Wochen vorher auch mal bei ihrer Ärztin, insofern ist die Beschriftung für »aktuelle«-Verhältnisse beinahe schon übertrieben wahr.
Auch der Cover-Teaser »Enthüllt! John F. Kennedy: Seine frivolen Bade-Spiele« ist absolut zutreffend, wenn man weiß, dass »frivol« auf aktuellisch so viel heißt wie »harmlos«, »anständig«. Kennedy hatte, wie seine Witwe Jackie in Gesprächen erzählte, die jetzt veröffentlicht wurden, Quietsche-Enten mit in die Badewanne genommen, um seine Kinder zu amüsieren.
Bleibt also als Rätselaufgabe zur Titelseite der »aktuellen«: Worin besteht der »Krebs-Schock« von Wolfgang Fierek?
(»die aktuelle« ist eine Zeitschrift der WAZ-Gruppe, deren Geschäftsführer Christian Nienhaus und Bodo Hombach wie kein Dritter für Qualität im Journalismus kämpfen. Die ersten beiden Bingo-Ausgaben stehen hier und hier.)
— 24. September 2011, 23:29 — 47 Kommentare
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Vermutlich gilt »die aktuelle« verlagsintern (also im Gong-Verlag bzw. der WAZ-Gruppe) tatsächlich als qualitätsjournalistisches Hochglanzprodukt. Im Vergleich jedenfalls zum Schwesterblatt »die zwei«, das vor einigen Wochen berichtete, dass der Fernsehmoderator Günther Jauch einen »liebevollen Kontakt« zu seiner Mutter pflege, die »in einem Altenheim unweit seiner Villa in Potsdam« lebe. Jauchs Mutter ist, wie der »Spiegel« berichtet, vor sechs Jahren gestorben.
Die dänische schwedische Kronprinzessin Victoria hingegen lebt wenigstens noch, wenn auch mutmaßlich immer noch noch unschwanger.

Victoria und Daniel sind zum vierten Mal in zwei Monaten mit einer Baby-Suggestion auf dem Cover der »aktuellen« — »bitte nicht wiederwählen«, hätte Dieter Thomas Heck gesagt, aber die Ausgabe vor zwei Wochen scheint sich so gut verkauft zu haben, dass die »aktuelle« fast dasselbe Foto jetzt einfach noch einmal verwendet (man hat ja als Zeitschrift, die nicht journalistisch arbeitet, viele Freiheiten).
In unserer heutigen »Bingo«-Ausgabe jedenfalls geht es zum zwei andere Schlagzeilen auf dem Cover der aktuellen »aktuellen«:
- Inwiefern stellt sich bei Yvonne Catterfeld die Frage »Trennung oder Baby?«
- Und was hat — »Psst, streng geheim!« — bei Prinzessin Kate »geklappt«?
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Zur Überbrückung der Zeit bis zur Veröffentlichung eines Eintrags mit wenigstens rudimentärer Rest-Relevanz spielen wir das beliebte »Die aktuelle«-Bingo. Aufgabe ist es zu erraten: Welcher wahre Sachverhalt verbirgt sich hinter der Quatsch-Schlagzeile auf dem Titel der Qualitätszeitschrift aus dem Haus der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung«.

Konkret:
- Worin besteht der »geheime Plan«?
- Wozu sagt Günther Jauch bestimmt »JA«?
Bonusfrage:
- Was sind die »interessanten Details«, die »die aktuelle« herausgefunden hat und sie im Inneren titeln lässt: »Das kann doch alles kein Zufall sein…«?
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Sie haben diesmal keine verlogene Wie-konnte-uns-das-nur-passieren-Geschichte gemacht, wie damals bei Günther Jauch. Sie haben diesmal ihre falsche Titelschlagzeile einfach richtiggestellt, ohne sich anmerken zu lassen, dass es sich um eine Richtigstellung handelt:

»Die Aktuelle«, eine Zeitschrift aus dem Haus der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung«, die sich über Lügen auf der Titelseite verkauft, hatte im April getitelt: »Stephanie zu Guttenberg — Glücklich getrennt!« Im Inneren stellte sich heraus, dass damit bloß gemeint war, dass die RTL-2-Gastmoderatorin öffentliche Auftritte ohne ihren Ehemann, den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, absolviert hat.
Guttenberg zog vor Gericht und bekam Recht.
»Wir stellen klar!« steht deshalb auf dem aktuellen Cover, wobei es die Profis der »Aktuellen« hinbekommen haben, dass nicht klar ist, ob mit »Wir« die Zeitschriftenmacher oder die Guttenbergs gemeint ist. Auf zwei Seiten im Inneren heißt es dann mit vielen schönen Fotos und schmeichelhaften Bildtexten:
Sie sind lange nicht mehr gemeinsam aufgetreten. Doch das heißt nicht, dass sie getrennt wären. Im Gegenteil…
Ihre Liebe ist noch gewachsen…
Woran sieht man, wie groß eine Liebe ist? Woran kann man ablesen, ob ein Paar wirklich glücklich ist? Fest steht: Es hängt nicht davon ab, wie oft man gemeinsam auftritt. (…) Bestes Beispiel: Die zu Guttenbergs. Sie sind lange nicht mehr gemeinsam aufgetreten. Doch jetzt kam heraus, dass sie ganz im verborgenen wunderbare Pläne geschrieben haben. Für ihre Zukunft. Ihre gemeinsame Zukunft. (…)
Der Plan der letzten Monate ist aufgegangen: Getrennte Auftritte? Ja. Getrennte Leben? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil: Er unterstützt sie, wo er kann. Und sie hat dieses innere Strahlen, das nur ein Mensch hat, der von ganzem Herzen geliebt wird. (…)
Ach so, falls Sie sich angesichts der Titelseite oben fragen, ob die schwedische Kronprinzessin Victoria nun »endlich« schwanger ist und einen Sohn bekommt: Keine Ahnung. Das »Baby-Interview zum ersten Hochzeits-Tag!« hat die »Aktuelle« bloß mit Victorias Tante Birgitta geführt. Kostprobe:
Ist es nicht langsam an der Zeit, dass [Victoria und Daniel] ein Baby bekommen?
Ja, das stimmt. Das ist alles ziemlich spannend.
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Das Landgericht München hat laut einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift »Die Aktuelle« bestätigt. Das Lügenblatt aus dem Haus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) muss eine Gegendarstellung von Karl-Theodor zu Guttenberg abdrucken.
Es geht um die Titelseite hier rechts vom 22. April. Jörg Thomann hatte damals in seiner wunderbaren FAS-Kolumne »Herzblattgeschichten« die Genesis der Schlagzeile entschlüsselt:
Frau zu Guttenberg hat ihre öffentlichen Auftritte zuletzt, weil ihr Gatte ja durch die Korrespondenz mit Universitäten und Anwälten ausgelastet ist, allein absolviert; man »könnte sagen«, findet daher Die Aktuelle, »glücklich getrennt von Karl-Theodor«. Nach wie vor nur rätseln wir, auch nach Lektüre des Artikels, was hier »keiner wissen sollte«. Dass Die Aktuelle mit Leidenschaft ihre Leser veräppelt? Aber das weiß doch jeder.
Kurz zuvor hatten es die Experten der »Aktuellen« bereits geschafft, aus einer dahingesagten kritischen Äußerung einer beliebigen Sängerin über Guttenberg ein Cover zu basteln, das es aussehen lässt, als habe er ein Verhältnis mit ihr.
So geht das Woche für Woche. Ich habe darüber vor einem Jahr schon einmal geschrieben, als Günther Jauch einen Widerruf auf dem Titel erzwang und »Aktuelle«-Chefredakteurin Anne Hoffmann in einer Weise Zerknirschheit heuchelte, für die mir beim besten Willen kein treffender Vergleich einfällt.
Natürlich hielt sie das nicht ab, sich neue irreführende Schlagzeilen auch über Jauch auszudenken. Hinter dem »Kinder-Drama« und der »bitteren Wahrheit über die Herkunft seiner Töchter« steckt die bekannte Tatsache, dass seine Adoptivtöchter in Russland geboren wurden.
Das »Drama«, das sie sich im Januar ausdachte und sie »Tu’s nicht!« ausrufen und »Trennung vom Glück?« fragen ließ, besteht darin, dass es Stimmen gibt, die Jauchs Vertrag mit der ARD kritisieren. Wie Jörg Thomann halbbedauernd schrieb: »Debil, keine Frage, aber wohl nicht gegendarstellungsfähig.«
Ich habe leider kein Archiv mit Inhalten der »Aktuellen«, deshalb kann ich nur raten, was hinter dieser Schlagzeile hier links steckt. Möglich ist alles: Dass Nachbarn von Frau Lierhaus geheiratet haben, dass sie jemanden kennt, der mal geheiratet hat, oder dass jemand geheiratet hat, der sie schon mal im Fernsehen gesehen hat. Nur dass es um die Hochzeit von Monika Lierhaus geht, das kann man so gut wie ausschließen.
In diesem Fall gibt immerhin das Inhaltsverzeichnis einen Hinweis, welche harmlosen Tatsachen die »Aktuelle« zu dieser Schlagzeile verdreht hat. »Glücklicher Baby-Jubel: Beim Deutschlandbesuch drehte sich alles um Kinder«, steht da. Der Eindruck, dass die schwedische Kronprinzessin Victoria und ihr Gatte jubeln, weil sie (»endlich«, wie die einschlägigen Blätter seit Monaten stöhnen) ein Baby erwarten, ist ebenso gewollt wie falsch.
Weiß jemand, was ein paar Ausgaben zuvor mit »Unser Baby« gemeint gewesen sein könnte? Haben die beiden ein Haustier, einen Garten, irgendein Hobby, das sie (oder auch nur die »Aktuelle«) ihr »Baby« nennen?
Man könnte das alles natürlich amüsant finden, wenn man nicht zufällig in derselben Branche arbeiten muss wie diese Leute oder persönlich betroffen ist. Die WAZ-Leute schrecken auch nicht davor zurück, mit dem Schicksal von Gabi Köster Auflage zu machen:


Im Jahr zuvor hatte die »Aktuelle« erst eine falsche Krankheits-Geschichte gebracht und dann eine falsche Genesungs-Geschichte daraufgesetzt. Dafür kassierte das Blatt eine Rüge vom Presserat:


Für den fälligen Abdruck dieser Rüge fand die »Aktuelle« dann ein Plätzchen unter dem Impressum:

Das sind die Methoden des Blattes, gegen das Guttenberg jetzt juristisch vorgegangen ist. Man ahnt das nicht, wenn man die Meldungen über den Fall liest. Oder die Münchner »Abendzeitung«, die schreibt:
Bei seiner Doktorarbeit hat er großzügig über diverse Regeln hinweg gesehen. (…) Bei anderen Publikationen nimmt es der adelige CSU-Politiker allerdings offenbar sehr genau.
»Aktuelle«-Chefredakteurin Anne Hoffmann aber bastelt sicher schon an einer neuen Titelgeschichte zur Gegendarstellung: »Stephanie zu Guttenberg allein — Was ist da passiert?«
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