»die aktuelle«-Bingo (7)

Er lebt sein Leben... Die seltsame Ehe des Herrn Jauch. Die Spur führt nach Postdam

Die »aktu­elle«, die Qua­li­täts­quat­schil­lus­trierte der WAZ, hat meh­rere Indi­zien dafür, dass mit der Ehe von Gün­ther Jauch mög­li­cher­weise etwas nicht stimmt. Eins davon ist, dass er bei einem der sel­te­nen öffent­li­chen Auf­tritte mit sei­ner Frau neu­lich »Jeans und Schlabber-Rolli in Beige« trug. Aber ein schreck­li­cher Pull­over reicht der »aktu­el­len« natür­lich noch nicht für eine spek­ta­ku­läre Titel­ge­schichte (jeden­falls dies­mal nicht). Und so lau­tet die Quiz­frage in unse­rer belieb­ten Reihe heute:

  • Was ist das »Erstaun­li­che«, das die »aktu­elle« im Zusam­men­hang mit dem Pri­vat­le­ben von Herrn und Frau Jauch ent­deckt hat und sie zu einer »Spu­ren­su­che« veranlasste?

(Klei­ner Tipp: Bei einem ande­ren Paar, das sich inzwi­schen getrennt hat, »fing’s genauso an…«.)

Auf­lö­sung hier.

Mats und Moritz gehen ans Ende des Regenbogens

Schon der Name ist schön. »Topf voll Gold« haben Mats Schö­nauer und Moritz Tscher­mak ihr Blog genannt, in dem sie über den Markt der Regen­bo­gen­presse in Deutsch­land berich­ten. Sie mei­nen nicht die Bou­le­vard­zei­tun­gen wie »Bild« oder soge­nannte »People-Magazine« wie »Gala« und »Bunte«, nicht ein­mal vier­tel­se­riöse Angrei­fer wie »Clo­ser«, son­dern das Seg­ment, des­sen jour­na­lis­ti­sche Ansprü­che noch dar­un­ter lie­gen: Hefte wie »Frei­zeit Revue«, »Das gol­dene Blatt«, »Neue Woche« und meine alte Freun­din, »Die Aktu­elle«, die Woche für Woche viele Hun­dert­tau­send Exem­plare verkaufen.

Aus irgend­ei­nem Grund gibt es kaum jour­na­lis­ti­sches Inter­esse an die­sen schil­lern­den Pro­duk­ten und ihrer Art, sich aus­zu­ma­len, was in der Welt der Rei­chen und Schö­nen wohl gerade viel­leicht hätte pas­siert sein kön­nen, wenn das Leben die bes­ten Geschich­ten schrei­ben würde und das nicht doch Woche für Woche die Redak­teure die­ser Blät­ter über­neh­men müss­ten. Nur Jörg Tho­mann ver­edelt in der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung« die (Fehl-)Leistungen der Blät­ter regel­mä­ßig zu »Herzblatt-Geschichten«.

»Und so läuft das Geschäft unterm Regen­bo­gen, ohne dass sich jemand groß damit aus­ein­an­der­setzt«, schrei­ben Mats und Moritz, was ange­sichts der üblen Metho­den und dreis­ten Lügen schon erstaun­lich ist. So berich­tet die Zeit­schrift »Promi-Welt«, dass die nor­we­gi­sche Kron­prin­zes­sin Mette-Marit »in einer Nacht– und Nebel-Aktion [in Indien] zwei Säug­linge aus einer Kin­der­kli­nik entführte«.

Schö­nauer und Tscher­mak stu­die­ren am Insti­tut für Jour­na­lis­tik der TU Dort­mund und betrei­ben den »Topf voll Gold« als Teil ihrer Bache­l­or­ar­beit. Im schrift­li­chen Teil wol­len sie unter ande­rem ver­glei­chen, wie sich die Zeit­schrif­ten unter­ein­an­der unter­schei­den und im Lauf der Zeit ver­än­dert haben, und fra­gen, wel­chen Ein­fluss und wel­che Funk­tion Blogs neben der her­kömm­li­chen Medi­en­kon­trolle und –kri­tik haben können.

»Vor allem aber inter­es­siert uns die Frage«, sagt Mats Schö­nauer, der auch flei­ßig fürs BILD­blog schreibt, »warum Medi­en­jour­na­lis­ten die­sen rie­si­gen Markt der Regen­bo­gen­presse zum größ­ten Teil unbe­ob­ach­tet las­sen. Das gilt inter­es­san­ter­weise auch für die Wis­sen­schaft: Es gibt kaum Lite­ra­tur und so gut wie keine For­schung zu die­sem Bereich, obwohl er — allein gemes­sen an der Auf­lage — ohne Frage von Rele­vanz ist.«

Das Blog soll die prak­ti­sche Ergän­zung dazu sein. Dort sam­meln sie auch die »Ver­ren­kun­gen der Woche« — das ist das Gegen­stück zu mei­nem »die aktuelle«-Bingo und bie­tet eben­falls die Mög­lich­keit mit­zu­ra­ten, wel­che harm­lose Nach­richt für die absurd spek­ta­ku­lä­ren Schlag­zei­len der Titel ver­ant­wort­lich ist. Das ist manch­mal amü­sant, wenn die »Neue Welt« über Schla­ger­sän­ge­rin Nicole titelt: »Knapp am Tod«, wohin­ter sich Fol­gen­des verbirgt:

Drei­mal schon ist Nicole dem Tod noch gerade so von der Schippe gesprun­gen — drei »Erleb­nisse, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen …«

  • 1988 wollte sich Ehe­mann Win­fried unbe­dingt die Flug­schau in Ramm­stein angu­cken. »Weil seine Frau zu Hause zu lange her­um­trö­delte, wurde dar­aus nichts.«
  • 2004 plan­ten die bei­den eine Reise nach Süd­ost­asien. Exakt zu dem Zeit­punkt, als dort der Tsu­nami wütete. Das Paar »ent­schied sich dann jedoch kurz­fris­tig für Südafrika«.
  • Irgend­wann krachte mal bei einer Live­show ein schwe­res Scheinwerfer-Gestell um — »es hätte Nicole erschla­gen kön­nen, fiel aber in die andere Richtung.«

Und manch­mal von aus­ge­such­ter Eklig­keit, wenn die »Frei­zeit Monat« auf ihrem Titel alles tut, um den Ein­druck zu erwe­cken, dass Friso, der Sohn von Bea­trix, der seit einem Unfall im Koma liegt, gestor­ben sei, wenn sie in Wahr­heit nur die ange­kün­digte Abdan­kung der nie­der­län­di­schen Köni­gin meint.

»Kein Plan, wie lange wir das aus­hal­ten«, sagt Mats, »aber noch sind wir hoch­mo­ti­viert.« Ich drü­cke die Daumen.

»die aktuelle«-Bingo (6)

Das ist natür­lich für Bingo–Ken­ner eine zu leichte Auf­gabe, zu erra­ten, was hin­ter die­sem Lie­bes­drama im Leben der Kanz­le­rin steckt:

»Ver­las­sen« wurde Angela Mer­kel natür­lich — auch wenn sich »die aktu­elle« alle Mühe gibt, das zu ver­schlei­ern — bloß von Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Annette Schavan.

Das Titel­foto ist zwar am 29. Januar 2013 auf einer Gala des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Indus­trie ent­stan­den und kann schon des­halb nicht Mer­kels Reak­tion auf Scha­vans Rück­tritt zei­gen, weil die damals noch nicht zurück­ge­tre­ten war und sogar noch ihren Dok­tor­ti­tel hatte. Aber das sind für den Jour­na­lis­mus, wie ihn die aktu­elle Illus­trierte aus dem Haus der WAZ pflegt, bloß läp­pi­sche Details.

Im Inne­ren stöhnt »die aktu­elle« dann: »So ein­sam war unsere Kanz­le­rin noch nie!« und fabuliert:

Es geschah vor einer Woche. Da musste Angela Mer­kel erken­nen, dass sie nie­man­den mehr hat, dem sie wirk­lich ver­trauen kann. Sie ver­lor den letz­ten Men­schen, der bedin­gungs­los hin­ter ihr stand und abso­lut auf­rich­tig zu ihr war.

Annette Scha­van.

Es ist wie ein Fluch:

»die aktu­elle« belässt es aber nicht bei die­ser lus­ti­gen Erzäh­lung von Poli­tik als Schick­sals­ro­man, son­dern zielt dann noch auf das Pri­vat­le­ben der Kanz­le­rin. Es werde »schon län­ger über die Ehe der Kanz­le­rin gemun­kelt«, behaup­tet die Volon­tä­rin der Zeit­schrift, die den Text ver­fasst hat. Selbst im Urlaub wirke Mer­kel an der Seite ihres Man­nes »nicht glück­lich«, wie neu­lich im St. Moritz. Und so schließt sich der Kreis:

Wahr­schein­lich hat Angela Mer­kel auch ihre pri­va­ten Sor­gen da noch mit ihrer Freun­din Annette Scha­van geteilt.

Wie skru­pel­los »die aktu­elle« bei ihren Lügen­ge­schich­ten ist, demons­trierte sie beson­ders ein­drucks­voll vor vier Wochen. Gezeigt wur­den Karl-Theodor zu Gut­ten­berg und seine Frau. Die Frage: »Was hat er damit zu tun?« bezieht sich auf einen tra­gi­schen Unfall, bei dem der Rek­tor der Bay­reu­ther Hoch­schule ums Leben kam, als er beim Jog­gen von einer Stra­ßen­bahn erfasst wurde. Es ist die Hoch­schule, die Gut­ten­berg den Dok­tor­ti­tel aber­kannte. Was »die aktu­elle« dar­aus machte, fasste Jörg Tho­mann in sei­nen »Herzblatt-Geschichten« in der FAS so zusam­men:

»Der rät­sel­hafte Tod sei­nes größ­ten Fein­des« sei »span­nen­der als jeder Krimi« und ein »Unfall, der die Phan­ta­sie anheizt, der Raum für viele Spe­ku­la­tio­nen lässt«. Und wenn auch Gut­ten­berg dem Ver­un­glück­ten nicht den Tod gewünscht habe, »klingt diese Tra­gö­die nach Rache, nach Ver­gel­tung«. Nein, Aktu­elle, es klingt alles nur nach ganz mie­sem Jour­na­lis­mus, und wir sind froh, dass wir deine ange­heizte, dre­ckige Phan­ta­sie nicht tei­len müs­sen. Keine Pointe.

»Die aktuelle«-Bingo (5)

Hammer-Panne diese Woche bei »die aktu­elle«: Sie titelt, dass Caro­line von Monaco Oma wird, und Caro­line von Monaco wird tat­säch­lich Oma. Ich weiß nicht, was da schief­ge­lau­fen ist.

Dann müs­sen wir das beliebte »die aktuelle«-Bingo halt mit der klei­nen Geschichte oben rechts spie­len: Wel­ches »ver­heim­lichte Drama« hat sich im Wei­ßen Haus abge­spielt? Worum trau­ert seine Familie?

(»die aktu­elle« ist eine Zeit­schrift der oft kurio­ser­weise immer noch als seriö­ser Ver­lag behan­del­ten WAZ-Gruppe. Alle Bingo-Ausgaben ste­hen hier.)

Nach­trag, 16:35 Uhr. Auf­lö­sung hier.

»Die aktuelle«-Bingo (4)

Lange kein Bingo mehr gespielt!

Dies ist das Cover der aktu­el­len »aktuellen«:

Und die Frage lau­tet natür­lich: Warum ist Char­lene — zum Schock in Monaco — keine Prin­zes­sin mehr?

Als Hilfe für alle, die nicht wis­sen, wie der Jour­na­lis­mus der »aktu­el­len« funk­tio­niert, ver­rate ich gerne, was hin­ter den bei­den ande­ren dra­ma­ti­schen Titel­ge­schich­ten steckt.

»Oh nein! Samuel Koch: Dra­ma­ti­scher Sturz aus dem Roll­stuhl!« bedeu­tet, dass Koch in sei­ner gerade erschie­ne­nen Auto­bio­gra­phie unter ande­rem auch beschreibt, wie er ein­mal aus sei­nem Roll­stuhl gefal­len ist.

Und »Also doch! Nico­las Sar­kozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den fak­ti­schen Hin­ter­grund, dass Sar­kozy die erste Runde der Prä­si­dent­schafts­wah­len ver­lo­ren hat und die »aktu­elle« sich nicht vor­stel­len kann, dass die Bruni mit einem Ver­lie­rer zusam­men sein will.

Also noch ein­mal die Frage: Inwie­fern ist Char­lene keine Prin­zes­sin mehr?

(»die aktu­elle« ist eine Zeit­schrift der oft kurio­ser­weise immer noch als seriö­ser Ver­lag behan­del­ten WAZ-Gruppe. Die ers­ten drei Bingo-Ausgaben ste­hen hier, hier und hier.)

Nach­trag: Auf­lö­sung hier.

Blättern: 1 2 3