Chronologie einer Falschmeldung II

Drei Tage hat die Nachrichtenagentur dpa gebraucht, ihre Falschmeldung zu korrigieren, dass ein Redner auf der Anti-G8-Kundgebung in Rostock am 2. Juni die Gewalttäter mit dem Satz angestachelt habe, man müsse den »Krieg in diese Demonstration« bringen. Aber nach drei Tagen hat sie sich umfassend korrigiert und entschuldigt.

Und die Medien, die diese Falschmeldung weitertrugen, obwohl sie es besser hätten wissen können, und teilweise mit eigenen Details noch ausschmückten?

»Frankenpost«, »Neue Presse« Coburg und »Südthüringer Zeitung« brachten am Mittwoch in ihrem gemeinsamen Mantelteil immerhin folgende Meldung:

Kein Aufruf zum »Krieg«

ROSTOCK — Einen Aufruf zum »Krieg« bei den Demonstrationen von Rostock am Samstag hat es nicht gegeben. Das hat eine Überprüfung des Redetextes gezeigt, den der Redner Walden Bello bei einer Kundgebung …

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Chronologie einer Falschmeldung

Was für ein Debakel.

Am Samstag um 18.41 Uhr bringt die Nachrichtenagentur dpa einen Bericht ihres Korrespondenten Helmut Reuter aus Rostock, in dem es heißt:

Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: »Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.«

Es ist eine Falschmeldung. Das Zitat ist weder wörtlich noch sinngemäß gefallen. Walden Bello hatte auf der Kundgebung um 17.17 Uhr im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg gesagt:

»Two years ago they said: Do not bring the war into the discussions. Just focus on poverty reduction. Well, we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without …

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Ein Anschlag auf Diekmanns Kindersitze?

Ich habe eine Frage, was den Brandanschlag auf das Auto von »Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann angeht.

dpa berichtete gestern mehrmals unter der Überschrift »Familienauto mit Kinderwagen und Kindersitzen verbrannt«. AP meldete: »In dem Mercedes-Kombi befanden sich drei Kindersitze und ein Kinderwagen.« Der Sprecher des Axel-Springer-Verlages erklärte: »Es handelt sich um den Privatwagen von Herrn Diekmann mit drei Kindersitzen, nicht um eine Dienstlimousine.« Diekmann selbst sagte: »Das war kein Luxusauto, sondern ein Familienkombi.«

Was ich nicht verstehe: Welche Relevanz haben diese Kindersitze?

Als Detailschilderung in einer Reportage würde ich es verstehen; auch als Mittel, den Leser dazu zu bringen, den Menschen hinter dem Amt des »Bild«-Chefredakteurs zu sehen. Aber in nachrichtlichen Agenturmeldungen? Oder als fast einzige Aussage des Arbeitgebers des Opfers zum Thema überhaupt? Wäre …

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