Programmhinweis (39)

Anschei­nend habe ich dem Herm ver­se­hent­lich ver­spro­chen, mit ihm das Finale von »Ich bin ein Star — holt mich hier raus« wie im letz­ten Jahr im Live­b­log zu begleiten.

Ich habe zwar von den letz­ten Fol­gen gar nichts mit­be­kom­men, weil RTL so rück­sichts­los war, die Über­tra­gung trotz mei­ner doku­men­tier­ten Abwe­sen­heit fort­zu­set­zen. Aber da muss ich nun wohl durch.

Wenn Sie mit­wol­len: hier ent­lang bitte.

Medienlexikon: B-Promi

B-Promi, der (meist pejo­ra­tiv): nicht gänz­lich unbe­kann­ter Mensch, der von und in den Medien lebt.

B-Promis sind die Mist­kä­fer der Medi­en­ge­sell­schaft: Obwohl sie nütz­lich sind, mag sie kei­ner. Im Gegen­satz zu den Käfern ver­dauen sie aller­dings den Kot nicht, son­dern pro­du­zie­ren ihn — auf ihrem Mist wach­sen unge­zählte Maga­zin­bei­träge und bunte Seiten.

Wenn es den B-Promi nicht gäbe, läge ein gro­ßer Teil der Inhal­te­pro­duk­ti­ons­in­dus­trie brach. Die Medien brau­chen heute mehr Pro­mi­nente, als die Men­schen ken­nen können.

Man müsste ihn lie­ben, aber dafür ist er nicht da. Er ist dafür da, dass man ihn behan­deln kann wie eine Berühmt­heit, als hät­ten seine Erleb­nisse und Mei­nun­gen einen Nach­rich­ten­wert, aber ohne dass man zu ihm auf­schauen müsste. Er erzählt uns, wenn er frisch getrennt oder ope­riert ist, und wir kön­nen ihn, nach­dem wir das auf­ge­so­gen haben, dafür ver­flu­chen, dass er uns damit behelligt.

Der dama­lige Talk­mas­ter Karl Dall hatte schon 1999 in einem SPIEGEL-Gespräch gesagt, B-Promis seien die dank­bars­ten Opfer: »Die sind noch hung­rig und las­sen sich gerne quä­len.« Auf die Frage nach sei­nen Gäs­ten sagte er damals schon: »Ich habe eine Liste von mehr als 300 Leu­ten, die ich in A– und B-Prominenz auf­ge­teilt habe. Ein Drit­tel hat mir RTL wie­der raus­ge­stri­chen und dafür ein paar aus ihrem Laden reingeschrieben.«

Die Nomen­kla­tur ist ein biss­chen unüber­sicht­lich gewor­den. Frü­her war ein B-Promi jemand, der kein A-Promi war. Dann gab es immer mehr Men­schen, von denen man immer weni­ger wusste, wofür sie eigent­lich nicht berühmt waren, und schließ­lich sogar sol­che, die nur noch dafür pro­mi­nent waren, pro­mi­nent zu sein. Es folgte eine Buchstaben-Inflation, die einige Jour­na­lis­ten im Bemü­hen, sich von ihrer eige­nen Arbeit zu dis­tan­zie­ren, dazu brachte, nur noch reflex­ar­tig von »Z-Prominenten« zu spre­chen. In die­sem Kon­text steht der B-Promi nicht mehr am Ende der Hack­ord­nung, son­dern ist jemand, der es fast geschafft hat. Jemand, der mit etwas Glück oder Pech sogar in die »Tages­schau« kom­men kann, wenn er mit einem Gur­ken­las­ter kol­li­diert. Jemand, der in die Jah­res­kon­fe­renz der B-Promis in den aus­tra­li­schen Dschun­gel gela­den wird wie Bri­gitte Niel­sen. Jemand, der uns, wenn wir ihm jetzt beim Maden­es­sen zuschauen, das Gefühl schenkt, ihm über­le­gen zu sein.

Wir soll­ten ihn dafür lie­ben, dass wir ihn ver­ach­ten dürfen.

Das Dschungelcamp und das Sich-Ekel-Fernsehen von »Spiegel-TV«

Es ist immer wie­der ein Kul­tur­schock, wenn im RTL-Programm »Ich bin ein Star — holt mich hier raus« an das Maga­zin von Spiegel-TV stößt. Auf der einen Seite diese läp­pi­sche Sen­dung mit ihren alber­nen Wit­zen und schlech­ten Kalau­ern, die fast nur von Häme lebt. Und auf der ande­ren Seite das Dschungelcamp.

Dabei haben sich die Spiegel-TV-Leute viel Mühe gege­ben in den ver­gan­ge­nen bei­den Wochen, von der Auf­merk­sam­keit für die Dschun­gel­show zu pro­fi­tie­ren. Sie haben einen Bericht gemacht über Rai­ner Lang­hans und einen über »Pro­mis in der Schul­den­falle«. Sie haben berich­tet über den »Dschun­gel unter deut­schen Dächern«, über »Neues aus der Ekel-Forschung« und, natür­lich, über Hit­ler. Hit­ler war näm­lich, genau wie Sarah Din­gens im Camp, Vege­ta­rier! »Die vege­ta­ri­sche Fan­ge­meinde lässt es gern unter den Tisch fal­len, doch es ist wahr: Adolf Hit­ler aß zu Leb­zei­ten kaum Fleisch.«

Und nun das Finale. Keine Wer­be­pause, kein Spon­sor, unmit­tel­bar nach der letz­ten Szene aus dem aus­tra­li­schen Dschun­gel wird die Tem­pe­ra­tur auf Frös­teln heruntergedreht:

Maria Gresz steht da und sagt:

»Jetzt ist es also soweit: Des Deut­schen liebs­tes Hass­ob­jekt ist am Ende und seine Haupt­dar­stel­ler irgend­wie auch. Ab mor­gen kön­nen wir nur hof­fen, dass im Kanz­ler­camp wie­der die Post abgeht. Dass Angela mit Guido rum­knutscht. Dass Clau­dia rot sieht und aus­plau­dert, dass die Regie­rungs­ar­beit nur Show ist und dass die Abge­ord­ne­ten nur mit­spie­len, weil sie dafür Geld vom Pri­va­tern­se­hen bekommne. Ich weiß, das wird nicht pas­sie­ren. Wär aber lus­tig. Der­ar­tige Unter­hal­tung gibt es eben nur im Dschun­gel. Dort wo die Zivi­li­sa­tion frei­wil­lig ihre Hül­len fal­len ließ und damit Mil­lio­nen Zuschauer zu glück­li­chen Voy­eu­ren machte.«

In zwei Wochen im Dschun­gel wird den Kan­di­da­ten, den Tie­ren und der Men­schen­würde nicht so viel Gewalt ange­tan wie der deut­schen Spra­che in einer ein­zi­gen Spiegel-TV-Anmoderation. Wer danach nicht sofort abschal­tet, steckt sofort knie­tief in einem Meta­phern­schlamm­bad, gefüllt mit gam­me­li­gen Tee­kes­sel­chen. »Die ver­meint­li­che Macht­aus­übung« der abstim­men­den Zuschauer, sagt der Spre­cher, »sorgt für beson­de­res Krib­beln — auch am Kör­per des Alt­kom­mu­nar­den Rai­ner Lang­hans.« Das Bild dazu:

Spä­ter heißt es: »Ehe­ma­lige Camp-Bewohner kön­nen ein Lied davon sin­gen« — bitte schön: Wer­ner Böhm tut es.

Spiegel-TV-Leute lei­den unter einer schlim­men Syn­onym­zwangs­stö­rung. Über Rai­ner Lang­hans darf nicht berich­tet wer­den, ohne ihn min­des­tens ein­mal den »Apo-Opa« zu nen­nen. Mit der Alter­na­tive »Gleichmut-Guru« gibt es spä­ter noch Alliterations-Bonuspunkte. Und über­haupt, was ist der Dschun­gel? »Das Guan­ta­namo der Z-Prominenz.«

Auf den ers­ten Blick unge­wöhn­lich ist es, dass Spiegel-TV aus­ge­rech­net das Ber­li­ner Rum­pel­blatt »B.Z.« als Beleg dafür zeigt, dass »das deut­sche Feuille­ton — ganz im Geiste Brechts — eine reflek­to­ri­sche Meta­ebene beim Mit­ein­an­der von Mensch und Made« ent­deckt habe. Ver­mut­lich bringt aber der Autor des ent­spre­chen­den Bei­trags selbst die feh­lende behaup­tete Fall­höhe mit:

Ross Ant­ony, der die Show vor drei Jah­ren gewann und dabei auf sympathisch-schockierend-lustige Weise seine eige­nen Pho­bien über­wand, wird im Spiegel-TV-Deutsch zum »beken­nen­den Homo­se­xu­el­len«, der »etwas Gutes für seine Com­mu­nity tun wollte«.

Und fast jeder Satz trieft von Her­ab­las­sung. Es ist Sich-Ekel-Fernsehen bis hin zur Anma­ßung, den Teil­neh­mern pau­schal »ver­un­glückte Lebens­ent­würfe« zu unter­stel­len. Dann ist der Dschun­gel­bei­trag vor­bei (oder wie Spiegel-TV sagen würde: am Ende), und die Mode­ra­to­rin lei­tet wie folgt zum nächs­ten Thema über:

»Es soll in die­ser Welt noch Men­schen geben, die weni­ger scharf auf Kame­ras sind. Waf­fen­händ­ler zum Beispiel.«

Den Bei­trag auf spiegel.de ansehen

Ingrid van Nepomukhausen

Ich kann die Ähn­lich­keit schwer erklä­ren, aber: Bin ich der ein­zige, den Dschun­gel­kö­ni­gin Ingrid van Ber­gen an Nepi Nepo­muk aus »Hallo Spen­cer« erinnert?

Guten Morgen aus Tralien: Dirk Bach am Dschungeltelefon

Heute Abend geht sie zu Ende, die vierte Staf­fel von »Ich bin ein Star — holt mich hier raus!« Kurz vor dem gro­ßen Finale spricht Mode­ra­tor Dirk Bach über das Phä­no­men Peter Bond, das Impro­vi­sie­ren im Dschun­gel, den erstaun­li­chen Abstand von Fremd– und Selbst­bild bei den Kan­di­da­ten und Giulia Sie­gel, die nicht so gerne »der vier­und­drei­ßig­jäh­rige Krieg« genannt wer­den möchte.


Dirk Bach mit Co-Moderatorin Sonja Ziet­low. Fotos: RTL

Das Fern­seh­blog: Herr Bach, es ist kurz nach Mit­ter­nacht in Deutsch­land, die Show ist gerade vor­bei. Wo sind Sie gerade? Ist da hin­ter dem Baum­haus gleich ein gro­ßer Stu­dio­kom­plex angebaut?

Dirk Bach: Nein, das Baum­haus ist schon mit­ten­drin im Dschun­gel. Von da aus muss man ganz oben auf den Berg fah­ren, da ist zwar immer noch Dschun­gel um uns herum, aber der fällt nach unten ab. Da ist unsere Tech­nik­zen­trale. Da ist die Redak­tion, die Schnei­de­räume und da steht ein gro­ßer Wagen, in dem Sonja und ich wohnen.

Sie hat­ten gerade die heikle Auf­gabe, mit Gulia Sie­gel zu plau­dern, die nach ihrem Aus­zug erfah­ren musste, dass ihre Außen­wir­kung nicht ganz die war, die sie sich erhofft hatte. Haben Sie vor­her schon Kon­takt gehabt zu ihr?

Nein, wir sind von den Kan­di­da­ten kom­plett getrennt. Das vor der Kamera jetzt war unser ers­tes Inter­view mit Giulia Sie­gel. Wir las­sen die Kan­di­da­ten dabei immer so lange war­ten, wie es geht, um es alles ganz frisch zu hal­ten, und nicht vor­her schon all die Sachen bespro­chen werden.

Sind sind also nicht im sel­ben Hotel wie die aus­ge­schie­de­nen Kan­di­da­ten? Das ist ver­mut­lich auch ein Schutz für Sie.

Deren Hotel ist rich­tig, rich­tig weit weg, aber gar nicht um uns zu schüt­zen — bis­lang wollte uns noch kei­ner schla­gen. Die müs­sen ein­fach weit weg sein. Wir wol­len das nicht ver­mi­schen. Wir woh­nen viel näher am Camp, obwohl wir auch schon ganz schön weit weg sind.

Giulia Sie­gel hat sich jeden­falls nicht wie­der­er­kannt und meinte, dass Sie ihre Erleb­nisse bös­ar­tig ein­sei­tig zusam­men­ge­schnit­ten haben.

Natür­lich über­hö­hen wir die Dinge, die pas­sie­ren, in den Fil­men und auch in unse­ren Mode­ra­tio­nen. Ich glaube aber nicht, dass das so weit ist von der Rea­li­tät. Es ist keine Doku­men­ta­tion, und es ist auch kein gro­ßes Expe­ri­ment, wie »Big Bro­ther« vor­gibt zu sein. Es ist ein­fach eine Unter­hal­tungs­sen­dung mit Pro­mi­nen­ten, die aus­pro­bie­ren: Wie gut halte ich es zwei Wochen dort aus, wo es nicht so ist wie zuhause. Ein biss­chen, denke ich immer, liegt es an einem selbst, was man da macht. Ich glaube, die­ses: »Hätte man doch nur alle 24 Stun­den gezeigt, dann hätte man gese­hen, was für ein guter Mensch ich bin«, das stimmt nicht. Viel­leicht wird Giulia Sie­gel das auch mal erken­nen. Sie ist ja ein ganz ver­stän­di­ger und klu­ger jun­ger Mensch.


Dschun­gel­prü­fung mit Peter Bond.

Das ist ja ein roter Faden der Show, ins­be­son­dere in die­sem Jahr, die Dis­kre­panz zwi­schen Fremd– und Selbst­wahr­neh­mung. Bei Peter Bond, der sich die Welt und sei­nen Platz darin zurecht­denkt, war es beson­ders krass. Ist das ein spe­zi­el­les Phä­no­men bei Pro­mi­nen­ten?

Nein, das haben wir alle. Wir erle­ben ja selbst, wie­viele Miss­ver­ständ­nisse man pro­du­ziert, wenn man etwas sagt und das von ande­ren ganz anders auf­ge­nom­men wird. Viel­leicht hat man hier zwei Exem­plare gefun­den, die dann doch beson­ders weit aus­ein­an­der­lie­gen, in dem, wie sie den­ken zu sein, und wie sie dann erscheinen.

Mit den bei­den sind Sie und Sonja Ziet­low in den Mode­ra­tio­nen aber auch beson­ders gna­den­los umge­gan­gen. Peter Bond hatte von der ers­ten Sekunde keine Sym­pa­thien bei Ihnen, oder?

Beim Peter kam aber noch eini­ges dazu, was man uns erzählte, was im Flug pas­siert ist. Und beim Ein­zug ins Hotel. Das nimmt man natür­lich dank­bar auf und setzt dar­aus die­ses Bild von ihm zusam­men. Und er hat wirk­lich nicht viel getan, die­ses Bild zu ver­än­dern, auch jetzt, wo er nicht mehr da ist, hört man immer noch Dinge… Ich glaube, er ist da ganz mit sich im Rei­nen, dass es so ist mit ihm. Er ist, glaube ich, glück­lich so. Aber wir haben hier nicht zehn wehr­lose Hartz-IV-Empfänger ein­ge­schlos­sen, son­dern zehn Pro­mi­nente, deren Beruf es ist, in die­sem Medium zu leben, und die Sen­dung inzwi­schen gut ken­nen. Sie hal­ten sich alle für Exper­ten für das, was sie im Camp zu tun haben und wie man sich zu ver­hal­ten hätte. Denen ist schon klar, was sie hier tun, und wenn sie da so sind, wie sie sind, dann sind sie das durch­aus auch im Ein­klang mit sich selbst.

Ist es hei­kel, wenn Sie nach all ihren hämi­schen Poin­ten spä­ter die Kan­di­da­ten tref­fen? Sie spie­len ja dabei nicht nur eine Rolle und sagen Texte auf, son­dern genie­ßen es sicht­lich, auf deren Kos­ten zu improvisieren.

Ja, wir haben nicht immer das Glück, alle Ein­spie­ler kom­plett gese­hen zu haben, und sind oft sel­ber ver­blüfft, was wir da hören. Dann müs­sen wir ein­fach noch nach­set­zen, und klar, da ent­ste­hen ein paar Dinge. Wobei Giulia eben im Weg­ge­hen noch zu mir sagte: »Also, mich ›der vier­und­drei­ßig­jäh­rige Krieg‹ zu nen­nen, war hart«, und ich dachte, mein Gott, das ist doch eine so süße Bemer­kung, dass man der vier­und­drei­ßig­jäh­rige Krieg genannt wird, das hat mir gefal­len. Nein, die Men­schen hier wuss­ten, wor­auf sie sich ein­las­sen, das ist ja durch­aus bekannt im vier­ten Jahr. Und in die­sem Busi­ness ist es ja auch gut, wenn eine Pointe über einen gemacht wird, auch eine böse.


Lori­elle Lon­don vor Ihrer Dschungelprüfung.

Beun­ru­hi­gend ist, wie viele der Kan­di­da­ten zu glau­ben schei­nen, dass sie im Camp ganz Deutsch­land etwas bewei­sen müs­sen. Bei Ross Ant­ony war das so, bei Lori­elle Lon­don noch mehr. Woher kommt das?

Bei Ross war es ein­fach schön, weil er diese bei­den Sei­ten hat. Er zeigte, dass die Tunte, die immer nur quiekt, auch tough sein kann, auch wenn sie dabei quiekt. Das war ganz süß, weil er genau wusste, was er da machte — das war für mich der bewuss­teste Kan­di­dat von allen. Bei Lori­elle habe ich auch immer ein biss­chen Angst, weil die, glaube ich, alles tun würde, nur um zu bewei­sen, dass sie lie­bens­wert ist, was sie gar nicht müsste. Ich bin kein gro­ßer Fan der Dschun­gel­prü­fun­gen, mei­net­we­gen könnte da jeder sagen: nee, mach ich nicht, wie komm ich dazu, ‘nen Hoden zu essen? Viel­leicht ist das was Deut­sches. Die Bri­ten machen diese Prü­fun­gen zwar auch alle, aber mit soviel Geschrei, dass klar ist: Es ist wirk­lich nur »Spiel ohne Gren­zen«. Bei uns ist das sehr ernst, da fürchte ich mich auch immer ein biss­chen vor.

Über­haupt, Lori­elle und ihre Trans­se­xua­li­tät. Sie ist damit ein Opfer vie­ler Poin­ten. Den­ken Sie dar­über nach, wel­che Gren­zen Sie nicht über­schrei­ten wol­len, wel­che Vor­ur­teile nicht bedienen?

Ja, das ist für mich ganz wich­tig. Sie ist sel­ber an einem Punkt, wo sie sich ganz viel erfüllt, was sie nie haben konnte. Sie lebt gerade ihre Jung­mäd­chen­träume aus, das geht alles durch eine große Öffent­lich­keit. Das kön­nen wir nicht ver­hin­dern, das hat sie sel­ber alles schon ange­lei­ert. Aber wir kön­nen ver­su­chen, damit ganz gut umzu­ge­hen, und ich glaube, das ist uns gelun­gen. Sie zum Bei­spiel als Frau zu neh­men, die sie ja ist, egal, ob da noch was nicht per­fekt ist.

Ver­fol­gen Sie das Getöse der Bericht­er­stat­tung über die Show?

Nicht so gerne. Ich bin natür­lich, wie wir alle, quotenabhängig…

Die sind natür­lich bei die­ser Show eine sel­tene Freude.

Ja, was ich ja sonst nicht so erlebe. Aber der Rest: nicht so. Ich muss nicht aus­ein­an­der­set­zen mit der Bericht­er­stat­tung vom »Stern« oder von der »Bild«.

Müss­ten Sie sich nicht die glei­che Frage stel­len wie die Kan­di­da­ten, ob es wirk­lich eine gute Idee ist, für die Kar­riere, in den Dschun­gel zu gehen — auch als Mode­ra­tor der Show?

Ob es eine gute Idee ist, hängt davon ab, wo man hin­muss. Als homo­se­xu­el­ler, dicker Mann in die­sem Busi­ness hatte ich nie einen gro­ßen Plan, was mit mir pas­siert. Ich habe nur mal das eng­li­sche Ori­gi­nal gezeigt bekom­men, und fand das sehr lus­tig und unter­halt­sam, und war dann ver­wun­dert über die Reak­tio­nen, die das her­vor­rief und wie man dann auf ein­mal als unap­pe­tit­lich aus­ge­grenzt wurde. Aber das hat mich nie ver­un­si­chert. Für mich ist Fern­se­hen immer eine große Viel­falt von Din­gen. Und in zwei Mona­ten fange ich an, in Bern an der Oper für den Som­mer­nachts­traum von Ben­ja­min Brit­ten zu pro­ben, und ich glaube, da wird mir das auch nicht so sehr scha­den, was ich hier jetzt mache.

Warum wirkt »Ich bin ein Star — holt mich hier raus!« so anders als andere Fern­seh­sen­dun­gen? Es scheint den Machern selbst mehr Spaß zu machen.

Es hilft, dass wir wei­ter weg sind von den gro­ßen Zen­tra­len. Auch von der Umge­bung her. Wir sit­zen nicht in den depri­mie­ren­den, gro­ßen Unter­hal­tungs­ka­ser­nen, son­dern wirk­lich im Dschun­gel. Die Ent­schei­dun­gen wer­den hier viel kurz­fris­ti­ger getrof­fen, wir pro­du­zie­ren viel mehr Mate­rial in kür­ze­rer Zeit. Und das Team besteht fast voll­stän­dig aus Leu­ten, die seit der ers­ten Staf­fel dabei sind.

Aber Sie sind der Marco Schreyl des Dschun­gel, weil sie Ihre Texte dau­ernd von den Mode­ra­ti­ons­kar­ten ablesen.

Wir müs­sen die haben. Wir machen ja noch nicht ein­mal einen rich­ti­gen Durch­lauf, son­dern nur Stell­pro­ben. Wäh­rend die Ein­spiel­filme lau­fen, ver­su­chen wir uns zu erin­nern, was wir uns aus­ge­dacht hatten.

Es gibt keine Probe, in der Sie alles ein­mal durchspielen?

Nee, dafür ist keine Zeit. Es gibt eine Stell­probe für die Kame­ras, bei der wir aber nur able­sen, weil wir die Texte sel­ber noch nicht ken­nen. Das ist alles ziem­lich live rausgehauen.

Die end­lo­sen Pau­sen, bis nach Ihren Mode­ra­tio­nen end­lich der nächste Bei­trag kommt, wäh­rend Sie noch irgend­wie wei­ter­plau­dern, sind inzwi­schen fast stil­prä­gend.

Da sind wir auch selbst immer unsi­cher: Sind wir durch? Und der Regis­seur weiß auch nicht: Reden die da noch was Wich­ti­ges? Und dann möchte er auch immer aus­führ­lich mit den Kame­ras durch den Dschun­gel flie­gen, um zu zei­gen, wo wir sind. Um end­lich Schluss zu machen mit die­sen Aache­ner Gewächshausgerüchten.

Und wer gewinnt heute abend? Wer soll gewinnen?

Sonja und ich waren trau­rig, dass Gun­dis raus­ge­wählt wurde, weil wir sie sehr geschätzt haben. Wir hät­ten eigent­lich gerne drei Frauen am Schluss gehabt. Aber für mich ist es egal, wer jetzt wel­chen Platz macht: Es sind Köni­gin Mut­ter, eine Prin­zes­sin und der Prinz.

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