In dieser Woche schrieb Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), in der »FAZ«:
Der Nachrichtenaggregator Google News ist dagegen bisher weitgehend unbeschadet von Ansprüchen Dritter geblieben. Dabei ist hier die fast vollautomatische Zeitung schon heute Realität. Einerseits sorgt die Präsenz auf dieser Seite für mehr »Traffic« bei den dort verlinkten Internetseiten, andererseits übernehmen diese und vergleichbare Angebote einen wichtigen Teil des Anzeigengeschäfts, das die Produktion dieser Inhalte erst möglich macht.
Das konnte man noch für den Irrtum eines schlechtinformierten Lobbyisten halten, der es mit der Wahrheit eh nicht immer so genau nimmt. Aber es ist schlimmer.
In der offiziellen Stellungnahme des DJV zu Änderungen der Urheberrechtes [pdf], die der Verband dem Bundesjustizministerium zukommen ließ, formuliert der Justiziar Benno H. Pöppelmann:
Es ist einerseits ärgerlich, wenn Google Geld mit Werbung verdient, die neben Hinweisen auf von Verlagen finanzierte Veröffentlichungen34 platziert wird. Andererseits kann nicht übersehen werden, dass die Anzeigen durch die Suchmaschine zu Zugriffen auf das Angebot der Verlage führen und damit für die Werbeeinnahmen der Verlage förderlich sind.
Und die Fußnote auf derselben Seite lautet unmissverständlich:
34 http://news.google.de
Weil die Sache so unübersichtlich ist, habe ich sie einmal in einem Schaubild verdeutlicht — als kleinen Service für Herrn Konken, Herrn Pöppelmann und die anderen. Das hier links ist eine verkleinerte Darstellung der aktuellen deutschen Google-News-Seite. Und auf der rechten Seite ist die komplette Werbung zu sehen, die Google darauf platziert hat, sämtliche Anzeigen, mit denen Google News auf der Grundlage der Inhalte der Verlage Geld verdient, das dem Anzeigengeschäft der Medien fehlt:


Ich kann’s aber auch sicherheitshalber noch einmal hinschreiben: Auf news.google.de ist keine Werbung. Google News ist zur Zeit in Deutschland ein kostenloser, werbefreier Service von Google, von dem Leser und Online-Medien profitieren.
Das Schlimme ist: Die differenzierte Position des DJV zur Forderung der Verlage nach einem Leistungsschutzrecht, wie sie in dem Papier formuliert wurde, ist gar nicht dumm; sie ist auch sehr in meinem Interesse als (freier) Journalist. Aber würden Sie diese Leute ernst nehmen?
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Christian Stöcker hat auf »Spiegel Online« einen ziemlich schlecht gelaunten Artikel über Google News veröffentlicht. Er ärgert sich darüber, dass Google bei seiner News-Suche nicht mehr nur auf die Online-Medien verlinkt, sondern zunehmend gleich auf die Agenturenmeldungen selbst, die nun auf von Google vermarkteten Seiten veröffentlicht werden. Bei der Berechnung dessen, was wichtig sei, greife Google aber auf die redaktionelle Arbeit der anderen Medien zurück, weshalb Stöcker steil titelt: »Wie Google News Redaktionen ausbeutet«.
Das wäre eine ziemlich indirekte Form der Ausbeutung. Es geht viel direkter. Die Suchmaschinenprofis von »Welt Online« zeigen, wie.
Auf jeder »Welt Online«-Seite findet sich abgelegen rechts unten eine Rubrik namens »Zweite Meinung«, in der automatisch die aktuellen Nachrichtenfeeds verschiedener Online-Medien einlaufen. Das wurde beim großen Relaunch der Seite als Beispiel für ihre »offene Struktur« gepriesen, war aber für den Leser immer schon fast ohne praktischen Nutzen.
Nun ist es aber so, dass die Google-News-Maschine offenbar ziemlich dumm ist. Sie hält diese Texte von anderen Medien für einen Teil der jeweiligen Nachricht von »Welt Online« und indiziert sie entsprechend. Das hat verblüffende Folgen.
Wenn man zum Beispiel bei Google News gerade nach den neuesten Meldungen zu Mark van Bommel sucht (»nach Datum sortieren«), führen gleich sieben der ersten zehn Treffer zu »Welt Online«…

…aber kein einziger davon zu einer Meldung über Mark van Bommel. Mit dem Familiendrama in Hildesheim hat der Bayern-Spieler genauso wenig zu tun wie mit dem Zweimonatshoch des Euro oder dem Steuerfluchtstreit mit der Schweiz.
All diese Meldungen tauchen deshalb in den Suchergebnissen auf, weil Bild.de gerade eine aktuelle Meldung über Mark van Bommel veröffentlicht hat und der Bild.de-Feed auf den »Welt Online«-Seiten als »Zweite Meinung« angezeigt wird.
Das funktioniert mit vielen Suchbegriffen zu aktuellen Nachrichten. Bizarr ist auch das Ergebnis, wenn man bei Google News gerade nach der Schauspielerin Natasha Richardson sucht.
Oben ballen sich die relevanten Meldungen über ihren Skiunfall — aber den Rest der ersten Trefferseite dominiert »Welt Online« mit den abwegigsten Artikelvorschlägen. Dass die Textanläufe auf englisch sind, lässt sich leicht erklären: Es ist der Nachrichtenfeed von CNN.com, der auf den ganzen Artikelseiten von »Welt Online« abgebildet wird und gerade aktuell mehrere Meldungen über Richardson enthält. So profitiert »Welt Online« von diesen Inhalten anderer Medien, die man als scheinbar großzügigen Akt eingebunden hat.
Ich weiß nicht, ob »Welt Online« das absichtlich so programmiert hat oder ob sich dieser Effekt versehentlich ergibt. Ich würde nur wetten, dass er sich angesichts der überragenden Bedeutung, die die Suchergebnisse von Google für den Besucherverkehr der Online-Medien hat, ganz gut bezahlt macht.
Dass die meisten dieser Treffer für denjenigen, der wirklich nach Informationen über Mark van Bommel oder Natasha Richardson sucht, eine Produktenttäuschung bedeuten, wird man bei »Welt Online« nicht als Problem sehen. Auf langfristige Kundenzufriedenheit ist die Seite eh nicht angelegt.
[entdeckt hat’s der Lukas]
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Bei der automatischen Zuordnung von Bildern zu Artikeln auf Google News geht häufiger mal etwas schief. Diese Kombination allerdings ist nicht nur besonders unglücklich:

Sondern auch besonders hartnäckig:

[via Daniel, Jochen, Marcus und Magerquark.de]
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