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So wird „Unser Song für Malmö“

14 Feb 13
14. Februar 2013


Alle Fotos: NDR

Die ARD hat komische Ideen. Sie veranstaltet heute Abend einen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest und hat viele Zutaten, die einen unterhaltungswilligen und nicht zwingend auf guter Musik bestehenden Zuschauer gefallen können: eine strenge blonde Frau in Glitzersteinbluse, die sich in eine lebende Diskokugel verwandelt; drei Priester, die gemeinsam mit einer klassischen Sängerin einen Vorgeschmack auf die Knödelvorhölle geben; barfüßige Bayernbuam in Lederhose, die den Saal wegblasen. 

Aber bis dieses Spektakel anfängt, lässt sie erst einmal Loreen auftreten mit ihrem letztjährigen Siegertitel „Euphoria“ — okay, kann man machen, ist auch ganz hilfreich, um dann den späteren plumpen Versuch von Cascada, unter dem Namen „Glorious“ den erfolgreichen Song einfach nochmal in plattgestampfter Form in den Wettbewerb zu schmuggeln, besser würdigen zu können.

Dann folgt ein Auftritt von Lena Meyer-Landrut, die den Wettbewerb, um den es hier geht, offenbar mal gewonnen hat. Sie singt einfach noch einmal ihren inzwischen drei Jahre alten Hit „Satellite“, was man ja nicht oft genug machen… naja, obwohl.

Und dann kommt, um auch die letzten Zuschauer dazu zu bringen, mal zur Fernbedienung zu greifen und nachzuschauen, was auf den anderen Kanälen läuft, noch eine längere Erklärung, was das eigentlich ist, dieser „Eurovision Song Contest“, was Udo Jürgens damit zu tun hat, wie dieser Song „Satellite“ nochmal klingt, wo Malmö liegt und wie die Halle aussieht, in der der Wettbewerb in drei Monaten stattfinden wird.

Aber dann, schätzungsweise um kurz nach halb neun, gefühlt eher gegen 22:40 Uhr, geht es los, und was folgt, ist eine abwechslungsreiche Show, bunt und bekloppt, aber auch erstaunlich erwachsen, musikalisch zeitgemäß und mit vielen Kandidaten, für die man sich als deutsche Vertreter beim Eurovision Song Contest nicht schämen müsste.

Einen Hype oder eine heftige Aufmerksamkeitswelle des Boulevards gibt es in diesem Jahr nicht, aber das spricht paradoxerweise gar nicht gegen die Veranstaltung. Es ist eher Folge davon, dass die ARD darauf verzichtet hat, sich von der Musikindustrie einen Rudolf Moshammer oder Zlatko Trpkovski in die Show schicken zu lassen, sondern eher tatsächlich interessante Nachwuchstalente. Die Frage ist natürlich, wieviele Leute eine Show einschalten, die sich so vergleichsweise unauffällig ankündigt.

Für die meisten Künstler ist es eine sehr ernst gemeinte Chance, sich einmal zur Prime-Time einem größeren Publikum mit ihrer Musik bekannt machen zu können. Aus den Vorstellungsfilmen vor ihren Auftritten kann man manchmal die Verspanntheit erahnen, die aus dem Bemühen entsteht, diese Chance bloß zu nutzen. 

Die österreichische Soul-Sängerin Saint Lu schafft es, sich in den eineinhalb Minuten um sämtliche noch nicht gehabten Sympathien zu reden, was aber nicht sehr schadet, weil ihr affektierter Auftritt mit überaus durchdringendem Gesang kurz darauf zumindest bei mir einen ähnlichen Effekt hatte.

Die Söhne Mannheims haben einen Film gedreht, der so breitwandig und breitbeinig daher kommt, dass mein Ironiedetektor im Gehirn die ganze Zeit aufgeregt flackerte, bis zuletzt aber zu keinem eindeutigen Ergebnis kam, was zu einem leicht hysterischen Kichern führte.

Der Elektropopper Ben Ivory immerhin lässt in seinem Selbstportrait keine Frage, dass er Formulierungen wie „Selbst ein einziges Lied kann Mauern einreißen“ bierernst meint. Offenbar ist auch die Botschaft seines Songs „We are the righteous ones“ exakt so gemeint: Wir sind die Rechtschaffenen. Puh. Aber tolle Lasershow dann.

Die leicht folkpoppige Nummer „Little Sister“ von Mobilée war im Vorfeld einer meiner Favoriten, aber es spricht wenig dafür, dass die Sängerin ausgerechnet in der Finalsendung dann mal die passende Tonart findet und in ihr bleibt. 

Mein persönlicher Favorit ist, auch zu meiner eigenen Überraschung, „Heart on the Line“ von Blitzkids mvt. geworden, eine Großraumdiskonummer, die in der Halle mit entsprechendem Wumms fantastisch kommt, sich aber vermutlich über den Fernseher nur überträgt, wenn man die Lautstärke voll aufdreht. Die Künstlerattitüde der Gruppe ist vielleicht ein bisschen angestrengt, aber ihr Auftritt ist großes Kino.

Betty Dittrich singt einen Sechziger-Jahre-Schlager, der so eingängig ist, dass man ihn schon nach drei Sekunden mitsingen kann und dafür drei Tage nicht mehr aus den Ohren bekommt. Ihr „Lalala“ ist von größter Banalität, aber diese Schlichtheit kommt mit soviel Charme und guter Laune daher, dass ich mir vorstellen kann, dass das ganz vorne landet. 

Cascada und die Söhne Mannheims müssen wohl schon aufgrund ihrer großen Zahl von Fans — leider — als Mitfavoriten gelten. Und dann sind da noch LaBrassBanda, nach deren Auftritt in der Generalprobe Grand-Prix-Superexperte Lukas Heinser sowie Imre Grimm, der Lena-Sonderbeauftragte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, spontan einen Sieg vorhersagten. (Ich hab dagegen gehalten, was beide lachend als Bestätigung nahmen, richtig zu liegen.)

Jedenfalls, LaBrassBanda. Das wäre wunderbar, diese Musik-Verrückten ins internationale Finale zu schicken, ich wäre prinzipiell dafür, und die Arena in Hannover wird ganz sicher brennen nach ihrem Auftritt. Ich werde nur leider mit ihrem nervigen Song überhaupt nicht warm.

Mia Diekow singt ein Lieblingslied, das von Frank Ramon geschrieben worden sein könnte (und ich meine das nicht im Positiven). Sie trägt es in einer Choreographie vor, die von Ralph Siegel stammen könnte. Das will man auch nicht.

Und „Change“ von Finn Martin könnte ein ganz okayer Popsong sein, würde er nicht von diesem Grinsepeter vorgetragen, dessen Haare allein mir eine faire Bewertung schon unmöglich machen.

Über Nica & Joe möchte ich bitte nicht reden, weil ich mich dazu wieder an den Auftritt erinnern müsste, und bei den Priestern & Mojca Erdmann ist meine größte Sorge, dass es irgendwelche Rammstein- oder gar Unheilig-Fans in größerer Zahl geben könnte, die dafür stimmen.

Ich habe keine Ahnung, wer gewinnt, lege mich aber jetzt einfach mal fest:

1. Betty Dittrich
2. Cascada
3. Söhne Mannheims
4. LaBrassBanda
5. Finn Martin
6. Blitzkids mvt.
7. Mobilée
8. Saint Lu
9. Die Priester & Mojca Erdmann
10. Mia Diekow
11. Nica & Joe
12. Ben Ivory

Der eigentliche Gewinner des Abends wird aber mal wieder Anke Engelke sein. Der größte Teil der medialen Aufmerksamkeit im Vorfeld galt ihr, der Moderatorin, und die Show wird zeigen: völlig zurecht. Sie hat sich mit einer solchen Lust, Leidenschaft und Leichtigkeit durch die Generalprobe moderiert, dass sie sich hinterher hoffentlich vor Show-Angeboten nicht retten kann, die sie nicht ablehnen kann.

Also, wenn ich nicht in der Halle säße: Ich würd’s einschalten. Und das wirklich nicht nur aus Gründen der Konträrfaszination. 

  • Unser Song für Malmö, gleich, 20.15 Uhr, ARD.

(Ich werde versuchen, aus der Halle zu twittern: @niggi)

Wie die Eurovision Schwulenfeinden nicht entgegentritt

17 Mai 12
17. Mai 2012

Ich hatte eigentlich nicht erwartet, dass sich meine Verachtung für die Europäische Rundfunkunion (EBU) nach ihrem Kotau vor der aserbaidschanischen Regierung noch steigern lassen könnte. Tatsächlich ist das gerade passiert.

Heute haben Hacker die Grand-Prix-Nachrichten-Seite esctoday​.com zerstört. Sie hinterließen unter anderem eine Grafik mit folgendem Text:

“Was bringen Schwule nach Aserbaidschan? Was wird in aserbaidschanischen Familien nach der Gay Parade passieren? Es gibt keinen Platz für unmoralische Schwule in Aserbaidschan. Verlasst unser Land. Kein Platz in Aserbaidschan für Schwule, die aussehen wie Tiere.”

Das Eurovisions-Blog von „Prinz“ hat daraufhin die EBU als Veranstalterin des Eurovision Song Contest um eine offizielle Stellungnahme gebeten. Die Kollegen erhielten folgende Antwort:

„Es ist natürlich sehr bedauerlich für diese Websites und die engagierten Leute, die sie betreiben, dass sie die Angriffe von Hackern erleiden. Diese sehen den Grund für ihre Taten in unkorrekten Informationen. Wir sind hier, um den Eurovision Song Contest zu organisieren, und nicht eine Gay Parade. Wie immer existiert ein solides Sicherheitskonzept für den Eurovision Song Contest, und wir haben bereits im vergangenen Jahr entsprechende Garantien von den relevanten Behörden erhalten, unterschrieben vom Premierminister Aserbaidschans. Wir haben Vertrauen in ihre Arbeit und freuen uns auf einen erfolgreichen Eurovision Song Contest 2012 in Baku.“

Mal abgesehen von der holprigen Übersetzung:

Das Problem besteht nach Ansicht der EBU nicht darin, dass Leute etwas gegen Schwule haben und tun, sondern dass sie den Eurovision Song Contest mit einer schwulen Veranstaltung verwechseln?

Die EBU verurteilt nicht die Homophobie, sondern bedauert das (nur bedingte) Missverständnis, den Grand-Prix für schwul zu halten?

Die EBU ruft nicht: „Lasst uns gemeinsam gegen Schwulenfeinde und für Toleranz und Akzeptanz kämpfen“, sondern: „Wir sind gar nicht schwul“?

Und dann ist es ihr nicht einmal peinlich, dem noch das übliche PR-Gewäsch hinzuzufügen, dass ja nichts passieren kann, weil es ihr die Regierung Aserbaidschans ja versprochen hat? 

Der Tag kann nicht mehr fern sein, an dem die EBU sich bei ihrem fortschreitenden Bemühen, sich zu nichts zu verhalten, auch von sich selbst distanziert. Dann wird sie erklären, nichts mit sich zu tun zu haben, aber darauf zu vertrauen, dass irgendwelche Regierungen zu ihren Garantien stehen, dass alles gut sein wird. Mit etwas Glück löst sie sich zeitgleich auf. 

Die EBU ist eine Vereinigung von Rundfunkanstalten mit öffentlichem Auftrag. Deutsche Mitglieder sind ARD und ZDF. 

Der subversivste Song Contest aller Zeiten?

13 Mai 12
13. Mai 2012


Zeichnung: Martin Reinl

Ich bin so gespannt. Ich habe gehört, dass ich die Stadt kaum wieder erkennen würde, dabei ist es keine vier Monate her, dass ich da war. Baku, das sich schon in den Jahren davor vermutlich schneller verändert hat als fast jede andere Stadt der Welt, hat noch eine Turbopolitur bekommen, Blumen, Herzen, die fantastisch aussehende Kristallhalle natürlich. Und Fassaden, die trotzdem noch unansehnlich sind, wurden einfach hinter anderen Fassaden verborgen.

Das Haus in der Agil-Gulijew-Straße 5, das im Januar noch mit brutalen Methoden entmietet wurde und mit dessen verzweifelten Bewohnern unter anderem meine Kollegen Till Krause, Peter-Philipp Schmitt und ich gesprochen haben, wird jetzt verschwunden sein. Dort ist jetzt wohl eine prächtige Straße, über die die Besucher und Berichterstatter des Eurovision Song Contest zur Halle gelangen. (Wenn Sie jemanden wie Sietse Bakker fragen, den der Grand-Prix-Event-Chef, wird der ihnen erzählen, dass der Abriss dieses Hauses und der daneben nichts, aber auch gar nichts mit dem ESC zu tun hat. Sietse Bakker hat ein Motivationsbuch namens „How To Live WOW?!“ geschrieben, und so tritt er auch auf. Ich schweife ab.)

Jedenfalls bin ich nachher dann mit Lukas in Baku, und hier im Blog wird sich zwei Wochen lang wenig tun, dafür hoffentlich umso mehr auf Bakublog​.tv und auf „Spiegel Online“, dessen gewaltige Leserschaft uns und unser kleines Videoblog in diesem Jahr kennenlernen soll.

Die Show in Baku wird zweifellos spektakulär werden, aber vielleicht geht ja auch der Traum von Emin Milli wenigstens ein bisschen in Erfüllung. Milli ist ein junger Blogger, der es gewagt hatte, über die aserbaidschanische Regierung zu spotten, und verprügelt, verhaftet und verurteilt wurde. Milli lebt heute in London und wünscht sich, dass dieser Grand-Prix das „subversivste Ereignis in der Geschichte des Eurovision Song Contest“ wird. 

In diesem Sinne:

„We are people with sand and we draw the sand“

19 Mai 11
19. Mai 2011

Ich habe mich ja vergangene Woche neu in Anke Engelke verliebt. Und auf YouTube ist vor ein paar Tagen ein Video aufgetaucht, das einen Grund dafür zeigt.

Es sind Aufnahmen vom Ende der Generalprobe fürs Finale des Eurovision Song Contest. In der (zufälligen) Punktevergabe hatte der sandige Beitrag aus der Ukraine gewonnen. In der Probe übernahm Frau Engelke nun kurzerhand den Part, den Siegertitel noch einmal vorzutragen:

[Nachtrag, 23. Mai: Der NDR hat das Video anscheinend löschen lassen.]

Übrigens hatte die ARD dann glücklicherweise doch nicht die komplette Berichterstattung über den Grand-Prix an das Vertretungspersonal am Brainpool-Fließband ausgelagert. Versteckt am späten Sonntagabend im NDR-Fernsehen lief eine angenehm klassische Reportage.

Anders als die Leute, die für das schlimme Vorabgetöse verantwortlich waren und offenbar verzweifelt versucht hatten, irgendetwas aus dem Grand Prix zu machen, hatten die Filmemacher Andreas Ammer und Anke Hunold gemerkt, dass die Veranstaltung ein solches Übermaß an Stoff hergibt, dass es genügt, dabei zu sein, zuzusehen, mitzugehen, nachzufragen. Hier gibt es (für Duslog-Gucker) ein Wiedersehen mit Florian Wieder, der Estin, dem Finnen und natürlich Lena. Die Episode mit dem estnischen Silhouettenkrempel auf der Bühne wird in schöner Ausführlichkeit erzählt (und weitere wunderbar alberne Momente mit Anke gibt es auch):

Der mittelgroße gemeinsame Nenner

16 Mai 11
16. Mai 2011

(Schon als Kind habe ich mich beim Eurovision Song Contest mindestens so sehr für die Zahlen wie für die Musik interessiert. Früher habe ich meine Freunde und Eltern mit statistischen Auswertungen der Stimmen gelangweilt. Heute müssen die Leser dieses Blogs dran glauben.)

Es gibt eine sehr einfache Erklärung dafür, warum Aserbaidschan vor Italien den Grand Prix in diesem Jahr gewonnen hat. Die beiden Lieder waren ungefähr die einzigen, die sowohl Ost- als auch West-Europäern gefielen. Auf den Plätzen dahinter tun sich erstaunlich krasse Unterschiede in der Bewertung auf.

Ich habe einmal auseinandergerechnet, wie die klassischen und die neuen ESC-Länder abgestimmt haben. Das ist zwar weder eine scharfe geographische Trennung nach Ost und West, weil damit Griechenland, Zypern, Israel und die Türkei zum „Westen“ zählen, noch eine kulturelle, weil sich zum Beispiel die Türkei Aserbaidschan verbunden fühlt. Aber es mag als grobe Orientierung funktionieren. Das Ergebnis ist verblüffend unterschiedlich:


(Traditionelle, „westliche“ ESC-Länder sind farbig unterlegt.)

Es zeigt sich eine klare Präferenz von Osteuropäern für osteuropäische Kandidaten und Westeuropäern für westeuropäische Kandidaten, die sich meiner Meinung nach nicht allein durch die üblichen Nachbarschafts-Punkte erklären lassen, sondern unterschiedliche Geschmäcker reflektieren. Der Nu-Metal aus Georgien zum Beispiel kam im Osten hervorragend an und fiel im Westen komplett durch. Umgekehrt konnten die Osteuropäer mit dem Kinderliedpop aus Dänemark nichts anfangen, der den Westeuropäern gut gefiel.

Die bunten Plastikpopper Jedward aus Irland hatten vor allem deshalb keine Chance, weil sie in Osteuropa kaum Fans fanden. Auch Lenas Song stieß im Osten auf kaum Resonanz; die klassisch-kitschige Ballade aus Finnland wäre dort sogar auf dem vorletzten Platz gelandet. Im Westen hätte Schweden gewonnen, im Osten fast die Ukraine.

Für meine These, dass das nicht nur Ausdruck von Freundschafts- und Nachbarschaftpunkten ist, spricht das Abschneiden Rumäniens: Mit einer ausgesprochen harmlosen westeuropäischen Klavierpopnummer, die auf jede Art melodramatischen Ethnopop verzichtete, kam das Land im Westen deutlich besser an als im Osten.

Um den expandierenden Eurovision Song Contest zu gewinnen, muss man also „nur“ einen Auftritt hinlegen, der die Geschmäcker des Ostens wie des Westen gleichermaßen gut trifft ((Wie genau das Aserbaidschan und Italien geschafft haben, ist natürlich eine andere Frage)). Es muss nicht einmal der jeweilige Lieblingstitel sein; es genügt eine ansehnliche Zahl von mittelguten Wertungen. Aserbaidschan bekam gerade einmal aus drei von 42 Ländern die Höchstpunktzahl (Russland, Türkei und Malta), und auch nur aus vier Ländern zehn Punkte. Es war weniger eine überschwängliche Zustimmung, als ein breiter Konsens der Nicht-Ablehnung, der „Running Scared“ zum Sieg trug. 

Die vom Publikum in der Halle rücksichtslos ausgebuhten Nachbarschaftspunkte sind dabei — selbst in einem Jahr ohne klaren Favoriten wie diesem — wieder einmal relativ bedeutunglos gewesen, so auffällig sie auch scheinen. Ja: Zypern hat Griechenland natürlich wieder zwölf Punkte gegeben, und San Marino wird daraus vermutlich mit Italien auch eine Tradition machen. Auch Deutschland hat die höchsten Punkte allesamt von Nachbarländern bekommen. Aber selbst ein Land wie Russland, das eigentlich am meisten von solchem Abstimmungsverhalten profitieren müsste, fällt mit einem schlechten Titel durch. Es mag für solche Länder mit vielen „Verbündeten“ leichter sein, einen Platz ganz am Ende zu vermeiden. Aber um nach vorne zu kommen, reichen diese Art Punkte nicht aus.

Nachtrag, 15:30 Uhr. In der ursprünglichen Version enthielten die Tabellen mehrere Fehler, die jetzt hoffentlich korrigiert sind.