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Rückblick auf die Zukunft: SWR berichtet vorab, wie Live-Sendung war

01 Mai 14
1. Mai 2014


Foto: SWR/Stephanie Schweigert

In zweieinhalb Stunden wird auf diversen Kanälen des Südwestrundfunks die große SWR3-Grillparty beginnen, und das war super.

Lena Ganschow, die sechs Stunden lang von 13 Uhr live im Fernsehen moderieren wird, hat die Herausforderung prima gemeistert, trotz der Länge und der vielen für sie ungewohnten Elemente, aber ihre Erfahrung durch die Nachmittagssendung „Milch oder Zucker“ „Kaffee oder Tee“ hat ihr sehr geholfen. Und das Spargel-Gulasch fand sie so lecker, dass sie das bestimmt nochmal nachgrillen wird. „Abertausende“ waren bei der Veranstaltung dabei. War rundum eine gute Sache, diese Grill-Party. Die nachher beginnen wird.

Ich weiß das aus Medienmagazin der Nachrichtenwelle SWRinfo. Darin hat der Radio-Moderator mit der Fernseh-Moderatorin darüber gesprochen, wie das alles geklappt hat. „Es war ein neuer, interessanter Schritt für mich“, sagt die Fernsehmoderatorin. „Mit großartigen Erfahrungen gehe ich da raus.“ Nach „so viel Trubel“ ziehe es sie aber erstmal „raus in die Natur“. Und der Radiomann attestiert ihr eilfertig: „Das Spargel-Gulasch, das kann ich bestätigen, das war lecker.“

Sie sprachen vor dem Gegrille, taten aber so, als hätte es schon stattgefunden, denn das Medienmagazin wird erst am kommenden Wochenende im Radio ausgestrahlt. Es steht allerdings heute schon online, so dass der SWRinfo-Slogan „Wir haben die News. Jetzt!“ fast unnötig bescheiden wirkt. „Wir haben die News. Vorab!“ wäre für ein solches Futur-II-Medium, das weiß, wie etwas gewesen sein wird, doch die angemessenere Werbezeile.

Es ist auf vielen Ebenen peinlich (und da lasse ich mal das Event an sich mit Johann Lafer, Maite Kelly, Jürgen Drews, Guido Cantz und anderen Prominenten an den Grill-Geräten weg). Es fängt schon damit an, dass sich ein Medienmagazin in den Dienst der Lobhudelei fürs eigene Programm stellen und die vermeintliche Sensation einer Kombination verschiedener Übertragungswege und einer sechsstündigen Live-Sendung feiern muss.

Und wenn man annimmt, dass es tatsächlich interessant ist, wie das geklappt hat, kann man aber genau diese Frage nicht beantworten, weil man das Gespräch schon vorher aufzeichnet. Das zu tun und es nicht kenntlich zu machen, ist im Radio zwar gang und gäbe, aber trotzdem fast nie eine gute Idee, insbesondere nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere nicht bei einem Informationssender.

Sich dabei aber auch noch erwischen zu lassen, indem man die Sendung schon online stellt, wenn das Ereignis, das man nachbetrachtet, noch gar nicht begonnen hat, ist wirklich von ausgesuchter Dämlichkeit. Es sei denn, irgendein SWR-Mitarbeiter fand das ganze Verfahren auch so peinlich, dass er dachte, er macht das dadurch jetzt mal transparent.

[mit Dank an BlueKO für den Hinweis!]

Nachtrag, 14:00 Uhr. Der Beitrag scheint jetzt in der Mediathek gelöscht worden zu sein. Man kann ihn sich aber hier anhören:

[audio:http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/grillparty.mp3]

Nachtrag, 16:50 Uhr. Der SWR entschuldigt sich und bezeichnet eine solche Voraufzeichnung als „journalistisches No-Go“.