Die Preisfrage

Ich habe lange über­legt, ob ich nach Köln fah­ren soll, um dort heute den Grimme-Online-Award in Emp­fang zu neh­men, und Freunde und Kol­le­gen nach­hal­tig mit mei­nem End­los­ge­grü­bel genervt.

Ein net­ter Kol­lege von dpa fragte ges­tern den Tag über immer wie­der nach, ob ich mich schon ent­schie­den hätte oder ihm wenigs­tens eine Ten­denz sagen könnte. Denn wenn ich führe, sei das Thema für die Agen­tur abge­schlos­sen. Wenn nicht, müsse man das noch mal ganz neu aufziehen.

Natür­lich schmei­chelt es mei­ner Eitel­keit, wenn eine per­sön­li­che Ent­schei­dung plötz­lich angeb­lich Nach­rich­ten­wert hat. Aber eigent­lich war mir das nicht Recht. Ich wollte kein gro­ßes State­ment gegen das Grimme-Institut abge­ben. Aber ich wollte eigent­lich auch nicht Teil die­ses Rum­mels in Köln sein und auf der Bühne ste­hen und gute Miene zum bösen Spiel machen.

Denn das waren dann doch zu viele Pan­nen und Feh­ler in die­sem Jahr. Ein Preis, der pro­fes­sio­nell gemachte Internet-Angebote aus­zeich­nen will, kann sich nur ein begrenz­tes Maß an Unpro­fes­sio­na­li­tät leis­ten. Er müsste zum Bei­spiel wis­sen, wie man eine Zuschau­er­ab­stim­mung so orga­ni­siert, dass sie nicht Stun­den zu früh plötz­lich zuende ist. Er müsste wis­sen, was für eine Auf­re­gung ent­steht, wenn es auf­fällt und man hin­ter­her womög­lich noch faden­schei­nige Ent­schul­di­gun­gen sucht.

Ich kann auch nicht ver­ste­hen, dass weder die Jury noch das Grimme-Institut vor­aus­ge­se­hen haben, wie ihre Ent­schei­dung, das Ange­bot eines Jury-Mitgliedes »nach­zuno­mi­nie­ren« (ohne­hin ein erklä­rungs­dürf­ti­ger Pro­zess), in der Öffent­lich­keit wir­ken würde. Ent­we­der hät­ten sie diese Ent­schei­dung gar nicht tref­fen dür­fen (wovon ich immer noch über­zeugt bin), oder sie hät­ten sie viel frü­her und gründ­li­cher auf die Kri­tik ein­ge­hen müssen.

Viele der Kri­ti­ker aber haben bis heute den Ablauf der Ent­schei­dun­gen nicht rich­tig ver­stan­den. Sie sehen in der Ent­schei­dung der Jury, den nach­no­mi­nier­ten Kan­di­da­ten aus ihrer Mitte nun auch noch aus­zu­zeich­nen, eine Bestä­ti­gung dafür, dass die Jury die Kri­tik nicht nur igno­riert, son­dern sich auch noch extra trot­zig über sie hin­weg­setzt. Dabei ist diese Ent­schei­dung bereits vor dem gan­zen Wir­bel gefal­len. Und wer das Abstim­mungs­ver­fah­ren bei Grimme kennt (ich war einige Male in der Jury des Grimme-Fernsehpreises), weiß: Wenn eine Jury jeman­den nach­no­mi­niert, hält ihn eine Mehr­heit der Jury ver­mut­lich auch für preis­wür­dig — des­halb sind Nach­no­mi­nierte immer beson­ders heiße Kan­di­da­ten dafür, tat­säch­lich einen Preis zu bekommen.

Dass die Abläufe, die man­che Ver­schwö­rungs­theo­rie wider­le­gen, vie­len Kri­ti­kern nicht bekannt sind, liegt zum Teil daran, dass einige von ihnen seit Wochen so sehr damit beschäf­tigt sind, laut zu brül­len, dass sie inzwi­schen nur noch ihre eige­nen Echos hören. Aber es liegt auch an der Unfä­hig­keit Grim­mes, sie zu erklä­ren. Gerade im Inter­net und mit den Mit­teln des Internets.

Einige der Stel­lung­nah­men des Ver­an­stal­ters in den letz­ten Tagen deu­ten lei­der dar­auf hin, dass man das in Marl immer noch nicht ver­stan­den hat. Dass man immer noch glaubt, alles sei letzt­lich rich­tig gelau­fen, abge­se­hen von ein paar Pan­nen, für die man nichts könne. Eine Spre­che­rin sagte ges­tern zum Bei­spiel, erst durch »nicht ganz kor­rekte Dar­stel­lun­gen in eini­gen Blogs« seien die Vor­gänge zum Skan­dal gewor­den. Mit Ver­laub: Das zu sagen, ist unklug und falsch. Die Nach­no­mi­nie­rung eines Jury-Mitglied darf man auch bei kor­rek­tes­ter Dar­stel­lung für einen »Skan­dal« hal­ten. Und übri­gens auch dann, wenn die Regeln des Grimme-Online-Awards bei die­ser Ent­schei­dung peni­bel ein­ge­hal­ten wor­den sind. Wie Mar­tin Schöb ges­tern in der »taz« schrieb:

Auch hier wur­den die Sta­tu­ten also nicht ver­letzt, wie Uwe Kam­mann, Direk­tor des Grimme-Instituts, in einer Stel­lung­nahme schreibt. Das stimmt, spricht aber umso kla­rer gegen die Statuten.

Ich finde, es gibt zu Recht viel Kri­tik am Grimme-Online-Award in die­sem Jahr — vor allem beun­ru­higt mich, wie wenig die Ver­an­stal­ter die­ses Internet-Preises das Inter­net ver­stan­den zu haben scheinen.

Aber man­che Kri­tik ist maß­los, hys­te­risch und abwe­gig. Zum Teil zielt sie erkenn­bar ohne­hin nicht auf den Preis, son­dern nutzt ihn nur, um mit ande­ren Geg­nern abzu­rech­nen. Zum Teil steckt dahin­ter anschei­nend auch die Lust an der gemein­sa­men Jagd auf ein leich­tes Opfer.

Der mas­sivste Vor­wurf ist der der »Mau­sche­lei«; er ist auch der unbe­grün­detste. Wenn es die Absicht der Jury­mit­glie­der gewe­sen sein sollte, einem befreun­de­ten Kol­le­gen »mit undurch­sich­ti­gen Geschäf­ten« oder »nach gehei­men Abspra­chen« (die Bedeu­tung von »mau­scheln«) einen Award zuzu­schus­tern, sind sie die schlech­tes­ten Mau­sch­ler der Welt. Sollte mit »Mau­sche­lei« eigent­lich »Vet­tern­wirt­schaft« gemeint sein, muss die Jury im Fall des »Elek­tri­schen Repor­ters«, wie gesagt, mit die­sem Vor­wurf leben. Jen­seits die­ses Ein­zel­falls sehe ich aber keine Indi­zien, die es recht­fer­ti­gen wür­den, die Ent­schei­dun­gen der Nomi­nie­rungs­kom­mis­sion und der Jury pau­schal durch die­sen Vor­wurf zu ent­wer­ten. (Mehr dazu habe ich hier schon ein­mal aufgeschrieben.)

Es ist ja auch nicht so, dass es inhalt­lich absurd wäre, den »Elek­tri­schen Repor­ter« in die­sem Jahr aus­zu­zeich­nen. Absurd ist es nur des­halb, weil sein Betrei­ber in der Jury saß. (Wie berech­tigt die Preise im Ein­zel­nen sind, wer statt­des­sen eine Aus­zeich­nung ver­dient hätte, dar­über wird ja lei­der fast gar nicht dis­ku­tiert. Auch daran trägt Grimme eine Mit­schuld – aber die Blog­ger zum Bei­spiel könn­ten es ein­fach ändern.)

Ich halte das Grimme-Institut für eine der unbe­stech­lichs­ten Insti­tu­tio­nen in der deut­schen Medi­en­land­schaft. Man kann Grimme vie­les vor­wer­fen – aber dass sie kor­rupt seien? In der Jury des Grimme-Fernsehpreises hat­ten wir alle Frei­hei­ten. Nie­mand sagte uns, »öhm, schön wär aber auch, mehr Sen­dun­gen vom ZDF aus­zu­zeich­nen«. Kei­ner räus­perte sich auch nur, als wir ein­mal dabei waren, Hein­rich Bre­loer, einen der Säu­len­hei­li­gen des Insti­tuts, bewusst leer aus­ge­hen zu lassen.

Man kann mir natür­lich vor­wer­fen, als Preis­trä­ger und Juror selbst schon Teil des kor­rup­ten Grimme-Systems zu sein. Man kann über­haupt allen alles vor­wer­fen und man wird, wenn man nur ver­blen­det genug ist, für jede sei­ner Ver­schwö­rungs­theo­rien Indi­zien fin­den. Man ris­kiert damit aber, eine Insti­tu­tion wie Grimme, mut­wil­lig und dau­er­haft zu beschä­di­gen — und das noch unter dem schein­hei­li­gen Vor­wand, sie ret­ten zu wol­len. Ich glaube, wir brau­chen so eine Insti­tu­tion wie Grimme. Und ich glaube, wir brau­chen einen Preis wie den Grimme-Online-Award. Ich wüsste (trotz allem!) kei­nen renom­mier­tere Aus­zeich­nung im deut­schen Inter­net, und ich glaube (so sehr das alt­ehr­wür­dige Insti­tut sicht­lich mit dem Medium Inter­net frem­delt), dass es eine gute Hei­mat für einen sol­chen Preis ist.

Jeden­falls bin ich jetzt in Köln, gehe gleich zu der Ver­lei­hung und bin wild ent­schlos­sen, mich über mei­nen Preis zu freuen und sogar ein biss­chen stolz zu sein. Und ich hoffe sehr, dass Grim­mes mer­ken, dass es nicht nur an den bösen Blog­gern liegt, dass ihr schö­ner Preis in Ver­ruf gera­ten ist, son­dern auch an ihnen. Und dass sie das bis zum nächs­ten Jahr ändern kön­nen und müssen.

Nach unten offen

Sehr lus­tig finde ich übri­gens, wie sehr die Kol­le­gen beim Ver­such, die­ses Blog­d­ings zu beschrei­ben, um Worte rin­gen. dpa zum Bei­spiel hat sich für die schöne For­mu­lie­rung entschieden:

Zu den sechs Aus­ge­zeich­ne­ten in drei Kate­go­rien gehört der Medi­en­jour­na­list Ste­fan Nig­ge­meier, der für sei­nen nach ihm benann­ten Blog aus­ge­zeich­net wird (…).

Und was lobt die Jury selbst an die­sem von mir nach mir benann­ten Blog vor allem? Das Grimme-Institut weiß es: die »nach unten offe­nen Kommentarspalten«.

Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint ist und inwie­fern Öff­nun­gen in andere Rich­tun­gen weni­ger preis­wür­dig gewe­sen wären; ent­schei­dend schei­nen aber weder die »Kom­men­tare« noch die »Spal­ten« an sich zu sein. Die Agen­tur epd berich­tet nämlich:

Die Juro­ren lob­ten die »nach unten offe­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sei­ten« des Medi­en­jour­na­lis­ten Ste­fan Niggemeier (…).

Pöh.

Das Grimme-Online-Award-Debakel

Kann bitte jemand den Grimme-Online-Award aus den Hän­den die­ser Orga­ni­sa­to­ren befreien?

Erst wurde ein Ange­bot nomi­niert, das offi­zi­ell erst gestar­tet ist, nach­dem die Nomi­nie­rungs­frist endete. Das sah nicht gut aus.

Dann wurde ein Ange­bot nach­no­mi­niert, das von jeman­dem betrie­ben wird, der selbst in der Jury saß — jeden­falls bis unmit­tel­bar nach ihrer Ent­schei­dung, sein Ange­bot nach­zuno­mi­nie­ren. Oder unmit­tel­bar vor ihrer Ent­schei­dung. Irgend­wie so. Das sah nicht gut aus.

Und jetzt wur­den die Sie­ger auf der offi­zi­el­len Grimme-Online-Award-Seite ver­öf­fent­licht, heute, zwei Tage zu früh. Das sieht nicht gut aus:

Was beson­ders schlecht aus­sieht daran: Dort steht auch schon der Gewin­ner des Publi­kums­prei­ses. Theo­re­tisch sollte man über den zu die­ser Stunde immer noch abstim­men kön­nen. Tat­säch­lich klappt das auf den ent­spre­chen­den Sei­ten schon min­des­tens seit dem spä­ten Nach­mit­tag nicht mehr.

Ich habe also die­sen Grimme-Online-Award 2007 gewon­nen. Will ich ihn haben?

[via Judith in den Kommentaren]

Grimme und die Kirche im Dorf

Ich habe gezö­gert, mich zu dem Thema zu äußern (mal abge­se­hen davon, dass die­ser Ein­trag auf der nach oben offe­nen Selbstreferenz-Skala rekord­ver­däch­tig punk­tet). Ich bin selbst für den Grimme-Online-Award nomi­niert. Man kann mir also vor­wer­fen, befan­gen und unauf­rich­tig zu sein oder auch ein­fach die für mich bequemste Hal­tung zu dem Thema ein­zu­neh­men. Ande­rer­seits erzähle ich den Leu­ten dau­ernd, dass es sich im Inter­net aus­zahlt, offen zu sein und auf Kri­tik ein­zu­ge­hen. Also wollte ich nicht kneifen.

Wie sehr die Debatte um den dies­jäh­ri­gen Grimme-Online-Award ent­glit­ten ist, kann man an vie­len Stel­len sehen. Zum Bei­spiel an der heu­ti­gen sonn­täg­li­chen Wochen­schau, die Det­lef Bor­chers alias Hal Faber für Heise Online schreibt. Er zitiert aus der Stel­lung­nahme des Grimme-Institues:

»Im Unter­schied zu ande­ren Medi­en­prei­sen, bei denen fach­kun­dige Beob­ach­ter und Kri­ti­ker in einer Jury nicht unbe­dingt selbst Akteure sind, ist eine sol­che Über­schnei­dung beim Medium Inter­net nicht auszuschließen.«

Hal Faber nennt diese Erklä­rung »selt­sam« und fügt höh­nisch hinzu:

Das muss ja höl­lisch kom­pli­ziert sein, die­ses Internet.

Nur geht es weder in der Stel­lung­nahme Grim­mes noch bei dem Streit über­haupt um die Frage, wie »kom­pli­ziert« »die­ses Inter­net« ist. Es geht um die Frage, wie eng die Nomi­nier­ten und die, die über die Nomi­nie­run­gen und die Aus­zeich­nun­gen ent­schei­den, mit­ein­an­der ver­ban­delt sind.

In der Jury des Grimme-Fernsehpreises sit­zen Men­schen, die über das Fern­se­hen schrei­ben. Das sind in aller Regel keine Men­schen, die Fern­se­hen machen. Diese Tren­nung zwi­schen Kri­ti­kern und Machern gibt es Inter­net fast nicht. Wer über das Inter­net berich­tet, publi­ziert in der Regel auch im Inter­net. Des­we­gen sind die meis­ten Jury­mit­glie­der beim Grimme-Online-Award (anders als beim Grimme-Fernsehpreis) poten­ti­ell immer auch Preis­trä­ger. Und des­we­gen gibt es zwi­schen allen Betei­lig­ten enge Bande.

Das ist ein Pro­blem. Man wird das ver­mut­lich nicht lösen kön­nen. Aber man müsste es auch nicht noch dadurch noch dra­ma­tisch ver­schär­fen, dass die Jury ein Ange­bot eines Jury­mit­glieds für den Preis nomi­niert. Das geht nicht. Auch dann nicht, wenn das betrof­fene Jury­mit­glied dar­auf­hin sofort die Jury ver­lässt. Das müsste eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein.

Dass die Jury den­noch den »Elek­tri­schen Repor­ter« von Mario Six­tus nach­no­mi­niert hat, war mei­ner Mei­nung nach ein Feh­ler. Er war, gelinde gesagt, naiv und unsen­si­bel und scha­det der Glaub­wür­dig­keit des Prei­ses. (Mario Six­tus hat es viel­leicht am meis­ten gescha­det, weil die Nomi­nie­rung und der even­tu­elle Preis nun mit einem Makel ver­se­hen ist, den sein fei­ner »Elek­tri­scher Repor­ter« nicht ver­dient hat.)

Und auch wenn man bei Grim­mes anschei­nend unbe­irrt der Mei­nung ist, dass das Ver­fah­ren kor­rekt war, scheint die Kri­tik doch ange­kom­men zu sein: Für das nächste Jahr soll eine »Ände­rung des Sta­tuts« erör­tert wer­den, damit die »Klar­heit des Ver­fah­rens« auch »öffent­lich nach­voll­zieh­bar« ist.

Nun kann man dar­über, dass man bei Grim­mes nicht gese­hen hat, wie pro­ble­ma­tisch die Ent­schei­dung der Jury war, noch län­ger den Kopf schüt­teln, wenn man will. Für mich aber ist die Sache damit erle­digt. Ich war einige Male in der Jury des Grimme-Fernsehpreises. Ich habe die Arbeit dort als dis­kus­si­ons­freu­dig, trans­pa­rent, demo­kra­tisch, unab­hän­gig erlebt und habe auch des­halb ein hohes Grund­ver­trauen in die Inte­gri­tät des Grimme-Institutes.

Nicht nur des­halb finde ich die Art, wie an man­chen Stel­len nun über den Grimme-Online-Award dis­ku­tiert wird, hys­te­risch. Kri­ti­schen Fra­gen (auch zu ande­ren The­men) muss sich der Preis stel­len, das hält er auch aus. Aber schon der Vor­wurf der »Mau­sche­lei« ist abwe­gig: Mau­sche­leien sind »geheime Abspra­chen«; die Ent­schei­dung der Jury, ein Bis-gerade-noch-Jurymitglied zu nomi­nie­ren, geschah aber in aller Öffent­lich­keit und jeder konnte sich seine Mei­nung dazu bilden.

Gro­tesk finde ich es auch, an die­sem Fall nun ganze Kor­rup­ti­ons­de­bat­ten auf­zu­hän­gen, um den Ruf unse­res Lan­des zu fürch­ten (»Eine Insti­tu­tion, die auch außer­halb der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land geach­tet wird, wird durch wenige aus­ge­nutzt, die eigene Ziele ver­fol­gen«), eine Ver­bin­dung zum Wider­stand Adolf Grim­mes im Drit­ten Reich her­zu­stel­len etc pp. Wer so argu­men­tiert, dem geht es, glaube ich, nicht um Grimme, son­dern darum, die Grenze zwi­schen den ver­meint­lich sau­be­ren, ehr­li­chen, wer­be­freien Blog­gern und den angeb­lich kor­rup­ten, käuf­li­chen, wer­be­ver­seuch­ten Blog­gern um jeden Preis wei­ter zu befestigen.

(Einen Neben­kriegs­schau­platz bil­det seit ges­tern übri­gens das Medi­en­ma­ga­zin DWDL, das die außer­or­dent­lich schlechte Idee hatte, den Redak­teur ein Inter­view zum Thema füh­ren zu las­sen, der jah­re­lang die Pres­se­ar­beit für den Preis gemacht hat.)

Was ich mir im kon­kre­ten Fall und grund­sätz­lich wün­schen würde: Dass es häu­fi­ger gelingt, den Ein­zel­fall zu kri­ti­sie­ren, ohne ihn immer gleich zum Beleg für den Unter­gang des Grimme-Instituts / der Blog­kul­tur / des kri­ti­schen Jour­na­lis­mus / des Abend­lan­des auf­zu­bla­sen. Schon weil es eine frucht­bare Dis­kus­sion über den Ein­zel­fall so erschwert.

Der andere Grand-Prix

Ich hab schon einen Grimme-Online-Award, einen hal­ben. Die andere Hälfte gehört Chris­toph Schult­heis, bekom­men haben wir ihn vor zwei Jah­ren für BILD­blog, und zur Zeit lebt er bei uns im Büro in der Küche (der Preis, nicht Schulle). Das ist kein Zei­chen von Respekt­lo­sig­keit — wer uns kennt, weiß, dass wir nicht die Leute sind, die eine Glas­vi­trine oder sonst­wie ange­mes­se­nes Mobi­liar zur Prä­sen­ta­tion hät­ten, und so zwi­schen den Glä­sern und den Teebeut—

Grimme-Online-AwardWas wollt‹ ich sagen? Ach ja: Die­ses Blog ist für den Grimme-Online-Award 2007 nomi­niert. Die Nomi­nie­rungs­kom­mis­sion schreibt:

Kri­tisch über Medien berich­ten, das ist Ste­fan Nig­ge­mei­ers Beruf. In sei­nem Web­log zeigt der Medi­en­jour­na­list tages­ak­tu­ell auf, was schief läuft in den deut­schen Medien. Ein­zelne The­men ver­folgt er über lange Zeit, um so auch Stra­te­gien der Anbie­ter auf­zu­zei­gen. Mit den Bei­trä­gen regt Nig­ge­meier immer wie­der zu Debat­ten an — in den Kom­men­ta­ren des Web­logs, aber auch inner­halb des Inter­nets und der tra­di­tio­nel­len Medien.

Ich bedanke mich bei der Jury, mei­nen Eltern, Al Gore, ohne den das alles nicht mög­lich gewe­sen wäre, Felix Schwen­zel, ohne den ich nie ange­fan­gen hätte, mei­nen Kom­men­ta­to­ren, Sascha Lobo, adi­cal, Host Euro… [Rest unver­ständ­lich unter der ein­set­zen­den Musik].

Im Ernst: Ich freue mich sehr über die Nomi­nie­rung, ins­be­son­dere aber auch für den uner­müd­li­chen Kol­le­gen Patrick Gen­sing vom NPD-Blog. Über die Preis­trä­ger ent­schei­det nun eine Jury. Und hier kann man abstim­men, wel­cher der 20 Vor­schläge den Publi­kums­preis bekom­men soll.