Tag Archive for: Günther Jauch

Bei Witzen versteht der NDR keinen Spaß

12 Feb 08
12. Februar 2008

In der „Süddeutschen Zeitung“ erschien gestern ein längeres Portrait über Lutz Marmor, den neuen Intendanten des NDR. Es analysierte sportliche Hobbys, Wandschmuck, Schreibtischmodell und Anzugwahl, um zum Ergebnis zu kommen: „Er ist freundlich, grundsätzlich gut gelaunt (…). Ein vergnügter, ehrgeiziger Rheinländer.“

Um die Frage zu klären, ob der neue Intendant des NDR Humor hat, hätte allerdings ein Blick auf einen Text genügt, der nur einen Bruchteil so lang war und am Tag zuvor in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erschien. Er lautete:

Gegendarstellung

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat am 20. Januar 2008 auf Seite 50 den Artikel „Bitte nicht weitersagen“ veröffentlicht. Darin heißt es: „Als am Freitag vor einer Woche der NDR-Intendant Jobst Plog mit einer Gala im ‚Studio Hamburg‘ verabschiedet wurde, war sie (Anmerkung: gemeint ist Anne Will) trotzdem nur eine Notlösung. Denn eigentlich hätte Günther Jauch die Verabschiedung des Senderchefs moderieren sollen — sagte aber ab . . .“ Hierzu stellen wir fest: Günther Jauch ist nie um die Moderation gebeten worden. Er hat deswegen auch nie abgesagt. Anne Will sollte die Moderation von Anfang an übernehmen.

Hamburg, den 23. Januar 2008
Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks
Dr. Werner Hahn, Justitiar des Norddeutschen Rundfunks

Ich hoffe, irgendwer hat den beiden inzwischen den Witz erklärt.

Logorrhoe

16 Jan 07
16. Januar 2007

Freitag, 12. Januar 2007. Die ARD-Intendanten beschließen in einer Schaltkonferenz, dass sich nun keiner mehr öffentlich zum Fall Jauch äußert, nur noch der amtierende ARD-Vorsitzende Fritz Raff.

Montag, 15. Januar 2007. SWR-Intendant Peter Voß publiziert einen „Offenen Brief“ an Jauch.

Die ARD, konkret

14 Jan 07
14. Januar 2007

Günther Jauch, im „Spiegel“:

Ich musste zum Beispiel eine lächerliche Diskussion um die Archivöffnungszeiten der ARD führen. Da sollte ich für eine aktuelle Sonntagabendsendung akzeptieren, dass ab Freitagnachmittag wegen fehlender Planstellen kein Filmmaterial mehr abrufbar sei. So absurde Probleme werden zwar mit einem Anruf von ganz oben gelöst, erklären aber zugleich die innere Verfasstheit des Systems.

Nach allem, was ich über die ARD weiß, trifft es das sehr genau.

Wasch-!

11 Jan 07
11. Januar 2007

Schon wahr — Jauch mag keine zudringlichen Reporter an seiner Haustür. Aber so krass, wie es sich bei „Spiegel Online“ liest…

ist es dann auch wieder nicht.

Günther Jauch

12 Dez 04
12. Dezember 2004
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Müssen Sie eigentlich alles machen, Herr Jauch? Der Fernsehmoderator über Geld, Werbung, Ehrgeiz und den Luxus, sich nicht alles leisten zu müssen, was man sich leisten kann.

· · ·

Herr Jauch, warum locken die Lotterien und Fernsehshows mit immer höheren Jackpots, die immer weniger Menschen gewinnen?

Aber das ist doch das sinnvolle Prinzip einer jeden Lotterie. Wenn Sie früher auf die Kirmes gegangen sind, hätten alle einen Plastikkugelschreiber gewinnen können oder einer den zwei Quadratmeter großen rosa Bären. Und Sie wollten, obwohl Ihr Kinderzimmer schon voll war, doch unbedingt den bescheuerten Bären haben, oder?

Aber können Sie erklären, warum mit immer größeren Summen gelockt wird, aber die Menschen, die sie gewinnen, schwärmen hinterher, daß sich nichts in ihrem Leben verändert hat?

Na ja, verändert hat sich, daß sie finanziell sorgenfrei sind. Die Abwesenheit von Angst ist ein Riesenwert. Unterschätzen Sie auch nicht die Erleichterung vieler Spieler, erstmals nach Jahrzehnten mal wieder auf plus/minus Null zu kommen. Man sollte sich keine Illusion machen, wie viele Leute richtig tief im Schuldensumpf stecken oder durch Hypothekenzinsen immer kurz vorm Tremens sind. Wenn die schuldenfrei sind, fällt von ihnen erst mal alles ab.

Dafür müßten es ja keine fünf Millionen Euro sein. Ist es vielleicht wichtiger, Millionen zu gewinnen, als Millionen zu haben?

Nein, es ist einfach eine Frage der Perspektive. Es gibt eine Erwartungshaltung gegenüber Menschen, die viel Geld haben oder gewinnen. Ich werde auch damit konfrontiert: Wenn ich mit meinem Opel zur Waschanlage fahre, wird immer gefragt: „Den Porsche haben Sie aber heute zu Hause gelassen, was?“ Daß ich in meinem Auftreten und Konsumverhalten nicht meinem möglichen Kontostand entspreche, irritiert viele Leute. Mir persönlich geht es schlicht um die Unabhängigkeit, monatelang auf Kreuzfahrt zu sein oder es mir zu leisten, gerade das nicht zu tun. Ich erlaube mir die Freiheit, ein Leben zu führen, das nicht den Erwartungen anderer und schon gar nicht meinen eigentlichen materiellen Möglichkeiten entsprechen muß.

Sie haben die Wahl.

Richtig. Interessanterweise geht es „Neureichen“ gelegentlich ganz genauso. Vor kurzem habe ich einem Gewinner einen Scheck über eine Million Euro überreicht. Der lebt mit seiner Frau in einem Plattenbau in Berlin-Hellersdorf. Drei Zimmer, siebzig Quadratmeter. Er ist bei der Stadtreinigung und fährt jeden Morgen um vier mit einem dieser Bürstenautos raus. Die Frau war arbeitslos. Er sagt: Selbstverständlich wird er seine Arbeit weitermachen. Die Frau sucht weiter nach Arbeit. Sie wollen in der Plattenbauwohnung bleiben, weil es die Kinder nur zehn Meter bis zum Spielplatz und achtzig bis zur Schule haben. Ein bißchen Geld wollen sie in ihre kleine Datsche in Schweden stecken, da können sie jetzt den Balkon endlich reparieren. So eine Reaktion auf Millionengewinne begegnet mir ganz oft.

Sie sind ja dann der ideale Moderator für solche Shows. Sie sind, vermute ich mal, Millionär. Aber Sie arbeiten, als müßten Sie einen Schuldenberg abarbeiten und endlich mal sehen, daß Sie ein bißchen bekannt werden.

Ich arbeite sicher nicht mehr, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Was wiederum nicht heißt, daß ich gratis tätig bin. Was und wer speziell beim Fernsehen nichts kostet, ist da auch ganz schnell nichts mehr wert. Und kommen Sie mir bitte nicht mit der Mallorca-Variante: Alles hinschmeißen und morgens um zehn den ersten Rotwein auf der Luxus-Finca entkorken. Das ist vier Wochen schön, danach öde und langfristig tödlich.

Wenn man so viel verdient hat wie Sie, funktionieren dann noch so Mechanismen wie bei Normalverdienern? Kann man Sie mit Geld überreden zu Dingen, die Sie eigentlich nicht machen wollen?

Sie können mich nicht mehr zu allem überreden. Etwas arrogant formuliert: Weil ich nicht billig bin, bin ich nicht käuflich.

Was meinen Sie damit?

Ich differenziere einfach rechtzeitig, was ich will. Inhaltlich und dann auch finanziell. Wem das nicht zusagt, dem bin ich nicht gram. Dabei verstehe ich, wenn jemand fragt: „Hast du es eigentlich nötig, Werbung zu machen?“ Dann sage ich wahrheitsgemäß: Nein, das habe ich finanziell nicht nötig. Aber das hat von den Leuten, denen Sie da häufiger im Fernsehen begegnen, vermutlich keiner. Es geht da zum Teil auch schlichtweg um die Fragen: Habe ich Lust dazu? Schmeichelt einem die Tatsache, überhaupt gefragt zu werden? Zeigt sich nicht auch auf eine gewisse Weise die gesellschaftliche und ökonomische Wertschätzung, die einem mit einem Werbevertrag entgegengebracht wird? Nehmen Sie die Bundesbank. Die haben in einem halben Jahrhundert nur einmal mit einem Menschen anläßlich des Wechsels zum Euro eine Kampagne gemacht. Ich habe mich gefreut, als die mich gefragt haben. Außerdem sah ich auf dem Schlafmünzenfoto endlich mal halbwegs vernünftig aus.

Aber ist die Werbung nicht eine ständige Bedrohung der eigenen Glaubwürdigkeit?

Ach, Werbung ist Werbung ist Werbung. Manchmal wird ja so geraunt: Meinen Sie nicht, daß es da Vermischungen gibt? Daß man durcheinanderbringt, ob Sie in der Rolle des Moderators oder einer Werbefigur agieren? Ich bin der Meinung, daß die Leute das sehr genau unterscheiden können. Wenn Harald Schmidt für Hexal Werbung macht und sagt, daß ihm das Kreuz weh tut, dann realisieren die Leute, daß Harald Schmidt gerade erzählt, daß ihm das Kreuz weh tut, weil er Werbung für Hexal macht. Das merkt und weiß nun mittlerweile wirklich jeder.

Anfangs haben Sie besondere Werbung gemacht. Mit Krombacher für den Regenwald, mit der Beton-Industrie für das Potsdamer Stadtschloß. Das war clever.

Das war aber auch ganz normale Werbung.

Aber der gute Zweck war schon eingebaut. Das ist er bei der Werbung, die Sie heute machen, nicht.

Das stimmt deshalb nicht, weil ich das Geld, das ich mit der Werbung verdiene, sowieso komplett nicht behalte.

Wonach entscheiden Sie, für welches Unternehmen Sie werben?

Es sollten Firmen oder Institutionen sein, die eine gewisse Größe haben. T-Com ist ein Weltkonzern, Quelle ein angesehenes Traditionsunternehmen und die SKL eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, für die sich fünf süddeutsche Bundesländer verbürgen.

Entscheiden Sie auch danach, wie genau die Werbeidee aussieht?

Ich rede mit und habe immer ein Vetorecht.

Finden Sie es nicht selbst nervig, wenn Sie durch Deutschland fahren, daß Sie sich selbst an jeder Ecke aus einer riesigen magentafarbenen Null anlachen?

Das passiert mir doch aber schon morgens beim Rasieren, daß mich eine Null anlacht . . .

Gucken Sie bei der Werbung mit sich selbst gar nicht hin?

Doch, aber da gibt’s wirklich größere Strafen. Es gibt ja auch diese Umfragen, welche bekannten Gesichter in der Werbung nerven und welche nicht. Mein Ergebnis ist da ziemlich eindeutig.

Lassen Sie mich raten.

Genau. Da habe ich noch einen fünfzigprozentigen Vorsprung vor dem Kollegen Gottschalk auf Platz zwei. Also, damit kann ich leben.

Entscheiden Sie so was wie die Frage, wieviel und für wen Sie werben, selber? Oder haben Sie eine Armada von Beratern?

Nein, hab‘ ich nicht, brauch‘ ich nicht. Mein persönlicher Eindruck: Neunzig Prozent der sogenannten Berater sind echte Landplagen und halten einfach nur den Betrieb auf. Sich auch um Details zu kümmern kann nervig sein, aber dafür weiß ich dann wenigstens selbst, worum es überhaupt geht. Die Leute sind überrascht, daß sie mich am Telefon haben, wenn ich irgendwo zu- oder absage. Aber es geht einfach viel schneller.

Das ist ein Geheimnis Ihres Erfolges: Daß Sie bei „Wer wird Millionär?“ sitzen und jeder ahnt, was Sie verdienen, aber Sie sind in der Lage, mit Kandidaten darüber zu reden, was eine Tiefkühlpizza kostet. Daß Sie ausstrahlen, in der gleichen Lebenswelt zu leben wie die Leute vor dem Bildschirm.

Zum Teil ist die Lebenswelt identisch, zum Teil zugegebenermaßen nicht. Aber wenn Sie dieser Lebenswelt komplett entrückt wären, würde das auffallen. Wenn Sie sich ersparen, zumindest alle paar Wochen mal durch den Baumarkt zu gehen, „Autobild“ zu lesen, oder wenn Sie sich weigern, beim Aldi an der Kasse anzustehen und lieber den „Käfer-Service“ nach Hause liefern lassen – dann haben Sie in meinem Beruf ganz schnell ein richtiges Problem.

Machen Sie das gezielt: Ich muß mal wieder in den Baumarkt wegen der Zuschauernähe? Oder gehen Sie eh lieber in den Supermarkt, als bei Käfer zu bestellen?

Letzteres, wobei das eine das andere nicht ausschließt. Ich habe zum Beispiel eine kleine Automeise. Im Klartext: Ich habe ein großes und schönes Auto. Aber zum normalen Rumfahren habe ich einen Opel. Der ist praktisch. Variable Sitze, übersichtliche Karosserie, Automatikgetriebe. Kann auch das Au-Pair-Mädchen fahren. Ich bin, ich gebe es zu, da etwas konventionell und vielleicht auch ein bißchen sehr deutsch. Mit positiven und negativen Begleiterscheinungen. Aber es wäre mir wirklich zu anstrengend, krampfhaft darauf bedacht zu sein, einen möglichst volksnahen Eindruck zu machen.

Stellen Sie sich eigentlich nie bei einem Fernseh- oder Werbeangebot die Frage: Muß ich das jetzt auch noch machen?

Es ist ja gar nicht so viel. Ich habe zweieinhalb Werbeverträge. Ich mache „Stern TV“ seit 15 Jahren. Na schön, und natürlich „Wer wird Millionär“, das gebe ich noch zu.

Und die „SKL-Show“.

Ja.

Und Skispringen.

Das wächst sich ja zu einer medienpolitischen Betriebsprüfung mit Verhörcharakter aus. Also bitte: Ja, ich bekenne, auch Skispringen seit fünf Jahren gerne zu moderieren.

Und den Jahresrückblick und die Uri-Geller-Show und alles.

Wenn Sie jetzt nicht aufhören, übernehme ich in diesem Jahr noch ein paar Formate, nur, um Sie noch besorgter zu machen. Und überhaupt: Johannes B. Kerner ist viel öfter im Fernsehen!

Das Fernsehen ist eine Branche, wo alles plötzlich zu Ende sein kann. Sind Sie da frei von Angst?

Ich habe festgestellt, daß speziell Leute, die sehr gut verdienen, nicht angstfrei sind, im Gegenteil. Die leben auf einem materiell hohen Niveau und haben immer mehr Angst, weil sie viel mehr zu verlieren haben. Andere fürchten im wahrsten Sinne des Wortes den Ansehensverlust, wenn sie nicht mehr auf dem Schirm sind. Da muß ich sagen, daß ich mit mir meinen Frieden gemacht habe. Ich habe in dieser Richtung absolut keine Ängste. Das empfinde ich als sehr befreiend. Es ändert allerdings nichts an Gefühlen wie Ehrgeiz oder Lust am Wettbewerb. Es könnte ja theoretisch sein, daß man viele Dinge nicht mehr so konzentriert angeht, wie man es vor fünfzehn Jahren gemacht hat. Aber da habe ich das Michael-Schumacher-Syndrom. Sich anzustrengen und sich immer wieder mit anderen zu messen ist das eigentlich reizvolle. Es gibt aber etwas, das sich im Vergleich zu früher geändert hat. Ich war bis vor vier Jahren im Grunde nur für meine Familie und mich verantwortlich. Seit ich eine eigene Produktionsfirma habe, hängen viele Existenzen, direkt oder indirekt, vom Wohl und Wehe des Betriebes ab. Das ist eine gewisse Belastung.

Warum haben Sie die Firma gegründet?

Vorher war die programmliche Flexibilität nicht mehr vollständig gesichert. Die Redaktion geriet durch wirtschaftliche Vorgaben inhaltlich so unter Druck, daß insbesondere „Stern TV“ unter Umständen ein Qualitätsproblem bekommen hätte. Das wollte ich nicht und strebte nach einer Konstruktion, die uns sogar die Möglichkeit gibt, Geld in Projekte zu stecken, die sich vielleicht nicht sofort rechnen, die aber entweder Spaß machen oder uns aus anderen Gründen wichtig sind. Diese Freiheit haben wir jetzt.

Aber damit sind Sie eine große Ausnahme im Fernsehen.

Es gibt eine Entwicklung, der zumindest ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Pro Sieben nicht folgen sollten. Es funktioniert so: „Wir holen eine alte Krimiserie aus dem Keller oder produzieren zu absoluten Billigpreisen irgendein neues Schrottprogramm nach amerikanischem Vorbild. Selbst wenn wir damit nur eine schwache Quote schaffen, bleibt letztlich mehr in der Kasse, als wenn wir ein Qualitätsprogramm mit Quote produzieren.“ Dann wäre die Quote sogar im kommerziellen Fernsehen nicht mehr so wichtig. An ihre Stelle tritt die Rendite — oder bei den Öffentlich-Rechtlichen die möglichst billige Produktion. Wenn keiner mehr den Ehrgeiz hat, Qualität zu machen, oder Quote — oder Qualität mit Quote zu verbinden, was durchaus geht –, dann krieg‘ ich als Journalist und Moderator, aber auch als Produzent ein Problem. Denn dann wird das Fernsehen richtig freudlos. Bisher war alles ganz einfach: „Mach ’ne schöne Quote“, das war das wichtigste, „und ’ne schöne Sendung haste auch noch gemacht, prima.“ Danach wurde man bewertet. Da droht gerade ein Paradigmenwechsel, der für Leute, die auf Quote und Qualität setzen, zum Problem werden kann. Aber wissen Sie, was mich hoffen läßt? Ich kenne einen Senderchef, der das inzwischen erkannt und mir versprochen hat: „Da halten wir dagegen!“ Mit dem werde ich mich jetzt öfter unterhalten.

Super, Sie wollen keinen Namen nennen. Kennen wir den Herrn?

Aber sicher.