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Hajo Schumacher rächt seinen Prometheus

Der Kolumnist, Buchautor und N24-Kommentator Hajo Schumacher ist ein Mann, der dafür plädiert, Verantwortung zu übernehmen. Sich zum Beispiel nicht darüber zu beklagen, wenn Verlage ihre Mitarbeiter mit einem lächerlichen Hungerlohn abspeisen, sondern einfach die Fesseln der Abhängigkeit abwerfen, sich selbständig machen, und — wie ich — mit Haltung, Fleiß und Leidenschaft Arbeitsplätze schaffen.

Nun gut, ich finde die Formulierung mit den »Arbeitsplätzen«, was mich betrifft, ziemlich abwegig, und wenn ich ehrlich bin, erleichtert es mein Leben ganz enorm, dass ich nicht vom Bloggen allein leben muss, sondern auch für eine Zeitung wie die FAZ arbeiten kann, die mich ordentlich bezahlt. Aber irgendwie bin ich zu einem Positivbeispiel in einem Text des Kollegen Hajo Schumacher geworden, und das ist unangenehm genug.

Jedenfalls plädiert dieser Hajo Dampf in allen Gassen dafür, dass Menschen Verantwortung für ihr Leben übernehmen anstatt nur jammern und andere für das eigene Elend verantwortlich machen. Das gilt aber nicht für ihn selbst. Daran, dass der von ihm ins Leben gerufene Preis »Goldener Prometheus« das Zeitliche segnete, ist jedenfalls nicht Hajo Schumacher Schuld — sondern der freie Journalist und Autor Tom Schimmeck.

Als Schumacher in seinem PDF »V.i.S.d.P.«, einem Überbleibsel des gleichnamigen gleichfalls verblichenen Vorgängermagazins, vor ein paar Wochen das Ableben bekannt gab, blieb er noch vage und schrieb:

Nun wird dem Goldenen Prometheus das Licht ausgeblasen, denn selbst mit der bisher praktizierten Selbstausbeutung ist die Party nicht mehr finanzierbar. Zudem nervt das bisweilen bösartige Gemäkel einer notorisch schlechtlaunigen Branche.

Gegenüber der Seite journalistenpreise.de aber sprach er jetzt etwas, das man für Klartext halten könnte:

»Ungerecht in die Fresse«

»Heftig touchiert« habe ihn 2009 außerdem ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung. »Der Artikel hat mir zuerst die Laune versaut und uns dann die Sponsoren vertrieben. Autor Tom Schimmeck, der früher mal für ordentliche Recherche bekannt war, hat es nicht für nötig gehalten, mit uns zu reden. Aber vorher hat er die ganze alte Stereotypen-Soße ausgekippt, weil man es doch tatsächlich gewagt hat, Sponsoren aufzutreiben. Das soll im Preis-Gewerbe allerdings relativ normal sein, weil so ein Abend um die 200 000 Euro kostet. In Frankfurt beim Deutschen Journalisten Preis holen sich die feinsten Kollegen Kohle ab, die von der Derivate-Branche spendiert wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand aus ethischen Gründen auf 10 000 Euro verzichtet hätte«, so Dr. Schumacher.

Seit der Veröffentlichung habe er großes Verständnis für Politiker und anderen Personen, die sich heftig zur Wehr setzen gegen recherchefreien Totschläger-Feuilletonismus. »Es gibt kaum Chance zur Gegenwehr. Fakt ist: So ein Artikel, mag er noch so dünn sein, steht auf ewig in den Archiven. Dass potentielle Sponsoren sich solche Kritiken anschauen und dann abwinken, das ist doch normal. Und am nächsten Tag wird in derselben Süddeutschen Zeitung mit viel Timbre im Text von den Machenschaften böswilliger Kollegen berichtet — dieses Empörungsgeheuchel ist widerwärtig.«

Schimmecks Artikel, den er meint, kann man hier nachlesen, und es überrascht mich nicht, dass Hajo Schumacher zwar kein Problem mit PR-treibenden Journalisten hat, aber mit kritischem Journalismus.

Der Text auf journalistenpreise.de lässt nur vermuten, dass die beunruhigende Formulierung vom »recherchefreien Totschläger-Feuilletonismus« auch von Schumacher stammt, aber auch den Vorwurf, dass Schimmeck mit »uns« nicht geredet hat, widerlegt der SZ-Artikel selbst: Offenkundig hat der Autor mit Rudolf Hetzel gesprochen, dem Eigentümer des rührigen PR-Verlages Helios und früheren Geldgeber von Schumachers Projekten. Hetzel kommt mit vielen Zitaten zu Wort. Schimmeck sagt, dass er für den Artikel zwei Interviews mit Hetzel geführt habe.

Das muss die »Recherchefreiheit« sein, die Schumacher meint. Wenigstens ist jetzt klar, warum er neulich, als es um die Verantwortung von Verlegern und Journalisten ging, so besinnungslos auf Schimmeck eingeschlagen hat, sein Denken »zutiefst menschenfeindlich« nannte und ihn mit dem »Fossil« Margot Honecker verglich. Weil er glaubt, dass Schimmeck seinem Prometheus das Feuer ausgepustet hat.

(Dass ich der Meinung bin, dass es um diesen komischen Preis nicht schade ist, ist keine Überraschung.)

 
— 27. November 2009, 12:11 — 27 Kommentare

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An: Hajo Schumacher, Waffelkönig

Lieber Herr Schumacher,

ich weiß, dass Sie schneller schreiben, als Sie denken können, aber Ihr heutiger Beitrag auf der Titelseite der »Berliner Morgenpost«, den Sie auch auf N24 vorgelesen haben, hat mich trotzdem überrascht. Sie haben einen »offenen Brief« an Horst Schlämmer verfasst:

Lieber Horst Schlämmer,

Sie können ein klares Wort vertragen. Deswegen hier mal ein paar Punkte, die manchen Menschen ganz gehörig auf den Sack gehen, wie man bei Ihnen in Grevenbroich so sagt. Erstens: Sie sind gar kein Politiker, sondern ein mehr oder weniger lustiger Komiker.

Sie nehmen sich alle Freiheiten dieses Staates, indem Sie heute diesen und morgen jenen veräppeln. Das ist Ihr gutes Recht.

Zwei Punkte unterscheiden Sie von einem richtigen Politiker. Erstens: das Ziel. Sie wollen dieses Land nicht besser machen, gestalten oder opponieren — Sie wollen einfach nur Filmtickets verkaufen und Werbeverträge einheimsen. (…)

Sie übernehmen keine Verantwortung, sondern verstecken sich in Ihrer Witzewelt. Dass 18 Prozent der Deutschen Sie angeblich wählen würden, beweist nicht Ihre Großartigkeit als Komiker, sondern nur, dass etwa einer von fünf Landsleuten schlichtweg einen an der Waffel hat, wie Sie es ausdrücken würden. (…)

Herr Schumacher? Horst Schlämmer ist kein Komiker. Genau genommen gibt es Horst Schlämmer gar nicht. Horst Schlämmer ist eine Kunstfigur von Hape Kerkeling — das ist der Komiker. Das ist, in Ihren Worten, die »Zecke am Allerwertesten der Demokratie«, die »deren Freiheiten« nutzt, »um sie lächerlich zu machen«.

Vermutlich haben Sie recht, und man muss schon ganz schön blöd sein, um eine Witzfigur mit einem Politiker zu verwechseln — und sogar wählen zu wollen. Ich frage mich nur: Wie viel blöder muss man sein, um eine Witzfigur mit ihrem Schöpfer zu verwechseln — und ihr sogar einen Brief zu schreiben?

Ihr
Stefan Niggemeier

 
— 18. August 2009, 19:53 — 115 Kommentare

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Schon wieder einen Stab zerspart

Hajo Schumacher, Herausgeber des »strikt fröhlichkeitsaffinen« PDF-Medien-Magazins »V.i.S.d.P.« schreibt in seinem heutigen Editorial über eine vermeintliche Pannenserie im Journalismus:

Fehler allerorten, ob aus Schusseligkeit, Hektik, Schlampigkeit oder Absicht. Kein Zufall. Der Druck von oben aus dem Verlag und seitlich von der Konkurrenz wächst stetig. Die Leistungen zersparter Stäbe halten kaum mehr stand angesichts unerbittlich steigender Erwartungen an Tempo, Perfektion und Exklusivität.

Als ein Beispiel für solch nicht-zufällige Fehler nennt er diesen:

Ein erfahrener freier Medienjournalist gibt als Auftraggeber für das Porträt eines einflussreichen Chefredakteurs die SZ und nicht, wahrheitsgemäß, das SZ-Magazin an.

Angenommen, jemand schrübe ein Porträt eines einflussreichen Chefredakteurs für das »SZ-Magazin«. Warum sollte er wahrheitswidrig die »SZ« als Auftraggeber nennen?

[a] Aus Zeitmangel? (»So spar ich ganze drei Silben, über die ganze Recherche kommen so locker 40 Sekunden zusammen — Zeit, die mir als erfahrener freier Medienjournalist sonst echt fehlen würde.«)

[b] Aus Geldmangel? (»Seit ich die drei Silben konsequent weglasse, macht mich auch meine Telefonrechnung nicht mehr so arm.«)

[c] Aus Schusseligkeit? (»Mist, schon wieder vergessen, ›Magazin‹ dazuzusagen. Ruf ich da jetzt nochmal an? Blöd wg. [a] und [b].«)

[d] Wegen des Drucks der Konkurrenz? (»Die machen mich fertig vom ›FAZ-Magazin‹ vom ›Zeit-Magazin‹ von der ›Hörzu‹, wenn die erfahren, dass ich was fürs ›SZ-Magazin‹ schreibe. Ich sag lieber erstmal einfach ›SZ‹.«)

[e] Aus Kalkül? (»Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich fürs ›SZ-Magazin‹ schreibe, reden die bestimmt nicht mit mir. Ich sag lieber, ich schreib für die Zeitung, der das ›SZ-Magazin‹ freitags immer beiligt, dann plaudern die arglos drauflos.«)

[f] .….…. Herr Schumacher?

PS: Ich möchte nicht wissen, wie groß der Zeit-, Konkurrenz-, Rationalisierungs– und Hajodruck in der »V.i.S.d.P.«-Redaktion diese Woche wieder war. Katharina Lukas jedenfalls scheint immer noch Chefredakteurin von »TV direkt« zu sein und nicht, wie »V.i.S.d.P.« schreibt, Programmchefin des Kinderkanals Ki.Ka.

 
— 17. November 2006, 21:39 — 7 Kommentare

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