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Wer will Julia Franck remixen?

14 Mai 09
14. Mai 2009

Vielleicht ist es ein Zeichen der Hoffnung, wenn eine Debatte den Punkt erreicht hat, an dem man glaubt, dümmer könne es nun wirklich nicht werden. So gesehen muss man der Schriftstellerin Julia Franck dankbar sein für ihren Beitrag zur Diskussion um die Zukunft des Urheberrechts.

Der „Welt“ hat sie ein Interview gegeben über Google, Piraten und den „Heidelberger Appell“, den sie unterschrieben hat. Und die „Welt“ hat freundlicherweise eine Zeile darüber geschrieben, die darin zwar gar nicht vorkommt, aber ganz gut auf den Punkt bringt, wen Julia Franck als Feind ausgemacht hat:

„Das Internet gefährdet die Existenz der Autoren“

Am besten gefällt mir diese Stelle:

„Ein Text, der digitalisiert im Internet vorliegt hat keinerlei autokratische Aura, keinen unveränderlichen Urhebernachweis mehr, er kann von jedermann jederzeit bearbeitet werden. Jeder macht mit, das ist die Freude der Netzbenutzer, man sieht das auch am Kommentareifer auf den Plattformen der Zeitungen, an YouTube und myspace. Das heißt, in kürzester Zeit kann eine unüberschaubare Zahl von Fassungen und Varianten eines Buches im Internet kursieren. Niemand, der einen Text aus dem Netz runter lädt, wird sich darauf verlassen können, dass er tatsächlich liest, was ein Autor geschrieben hat — oder gekürzte oder von anderen Lesern veränderte, umgeschriebene Fassungen. Eine Reihenfolge von Worten ist ja viel leichter sabotierbar als das Bild oder der Klang.“

Nun weiß ich nicht, wie viele Leute da draußen im Internet nur darauf warten, endlich mal so einen Julia-Franck-Roman in digitaler Form in die Finger zu bekommen, um ein paar Absätze darin umzustellen, aus der Helene eine Chantalle zu machen und das ein oder andere Happy-End hinzuzufügen. Aber mal angenommen, daraus würde ein Massensport: Genau dann wäre es doch ganz besonders attraktiv, sich die Romane nicht kostenlos aus einer dubiosen Quelle zu besorgen, sondern auf legalem Wege zu erstehen — gegen Geld, aber mit der 100-Prozent-Julia-Franck-Reinheitsgarantie.

Es ließe sich noch mehr zu dem Unsinn sagen, den der „Heidelberger Appell“ darstellt und provoziert, aber zum Glück haben das schon andere gemacht: