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Stefan Niggemeier | Ich bin ein Star holt mich hier raus

Tag Archive for: Ich bin ein Star holt mich hier raus

Peer aspera ad astra: Dschungelkrönung live

29 Jan 11
29. Januar 2011

Ich habe das Vergnügen und die Ehre, das Finale von „Ich bin ein Star — holt mich hier raus“ mit dem Herm gucken zu dürfen. Und Sie können dabei sein. Im Liveblog. Jetzt.

Dschungel-Journalismus aus erster Hand

15 Jan 11
15. Januar 2011

Immer mittags verschickt RTL in diesen Tagen eine Pressemitteilung, in der (mit einer Sperrfrist bis nach der Sendung) steht, was am vergangenen Tag im Dschungelcamp passiert ist und am späten Abend im Fernsehen gezeigt werden wird. Das ist ein Angebot, das von einem Qualitätsmedium wie welt.de für die eigene, äh, Nachberichterstattung natürlich dankbar angenommen wird.
 

RTL-Pressemitteilung Welt.de-Artikel
Indira Weis und Mathieu Carrière müssen zur ersten Dschungelprüfung antreten. (…) Dirk Bach: „Die gute Nachricht: Ihr müsst nichts Unangenehmes essen. Die schlechte Nachricht: Ihr müsst etwas Unangenehmes in den Mund nehmen“. Indira Weis und Mathieu Carrière mussten zur ersten Urwald-Prüfung antreten. „Die gute Nachricht: Ihr müsst nichts Unangenehmes essen. Die schlechte Nachricht: Ihr müsst etwas Unangenehmes in den Mund nehmen“, kündigte Dirk Bach die Aufgabe für die beiden an.
Die Aufgabe: Auf einem Zahnarztstuhl sitzend müssen Indira und Mathieu nacheinander jeweils vier lebende Tiere für 20 Sekunden in den Mund nehmen. Dabei dürfen die Tiere nur mit den Lippen und so sanft wie möglich festgehalten werden, damit kein Tier verletzt wird. Was war konkret zu tun? Auf einem Zahnarztstuhl sitzend nacheinander jeweils vier lebende Tiere für 20 Sekunden in den Mund nehmen. Dabei dürfen die Tiere nur mit den Lippen und so sanft wie möglich festgehalten werden, damit kein Tier verletzt wird.
Und wie beim Zahnarzt üblich wird anschließend ein Abdruck genommen – in diesem Fall allerdings aus essbarem Schleim mit Mehlwürmern. Wenn das geschafft ist, kann jeder fünf Sterne holen (…). Den elften Stern gibt es für eine „Dschungel-Spülung“, die nur ein Kandidat vollständig austrinken muss. Und mit den magischen Worten „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ können Indira und Mathieu die Prüfung jederzeit abbrechen. Und wie beim Zahnarzt üblich wurde anschließend ein Abdruck genommen – in diesem Fall allerdings aus essbarem Schleim mit Mehlwürmern. Dafür bekam jeder fünf Sterne. Den elften Stern gab es für eine „Dschungel-Spülung“, die nur ein Kandidat vollständig austrinken muss. Mit den Worten „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ konnten Indira und Mathieu die Prüfung jederzeit abbrechen.
Tapfer nehmen Indira und Mathieu die Prüfung an und setzen sich auf die Zahnarztstühle. (…) Indira beginnt und bekommt in einer Nierenschale einen 20 cm großen Blauen Flusskrebs serviert. Sie greift das Schalentier, steckt es in ihren Mund und gibt mit Daumen hoch das „Go“. Tapfer nahmen Indira und Mathieu die Prüfung an und setzten sich auf die Zahnarztstühle. Indira begann und bekam in einer Nierenschale einen 20 Zentimeter großen Blauen Flusskrebs serviert. Sie griff das Schalentier, steckte es in ihren Mund und gab mit Daumen hoch das „Go“.
Der hintere Teil des Flusskrebses zappelt in ihrem Mund, die Scheren kneifen kräftig. Vor Schreck reißt Indira den Mund auf – der Flusskrebs fällt zu Boden, die Prüfung: nicht bestanden! Mathieu behält das Schalentier ohne Probleme 20 Sekunden im Mund. Der hintere Teil des Flusskrebses zappelte in ihrem Mund, die Scheren kniffen kräftig. Vor Schreck riss Indira den Mund auf – der Flusskrebs fiel zu Boden, die Prüfung: nicht bestanden! Mathieu behielt das Schalentier ohne Probleme 20 Sekunden im Mund.
2. Runde: Die Stars müssen nun eine Wasserspinne komplett in den Mund nehmen. Indira öffnet ihren Mund, empfängt die Spinne und lässt sie tapfer 20 Sekunden im Mund. (…) Indira: „Oh, Gott. Ich dachte, ich bekomme ein Zungenpiercing“. Die Stars mussten in der zweiten Runde eine Wasserspinne komplett in den Mund nehmen. Indira bestand dieses Mal. „Oh, Gott. Ich dachte, ich bekomme ein Zungenpiercing“, sagte sie.
3. Runde: Nun wird eine große Rhinozeros-Kakerlake gereicht. Deren Hinterteil muss in den Mund. Sonja Zietlow: „Du musst aufpassen, diese Kakerlake hat scharfe Füße und kann kratzen“. Indira öffnet den Mund (…). Das Tier spuckt, doch Indira hält durch. Mathieu Carrière wirft im Zahnarztstuhl seinen Kopf nach hinten, presst die Lippen zusammen und behält die Rhinozeros-Kakerlake 20 Sekunden im Mund. Eine große Rhinozeros-Kakerlake wurde in der dritten Runde gereicht. Deren Hinterteil muss in den Mund. Sonja Zietlow warnte: „Du musst aufpassen, diese Kakerlake hat scharfe Füße und kann kratzen“. Als Indira es in den Mund nahm, spuckte das Tier, doch die Sängerin hielt durch. Mathieu Carrière musste dieses Mal mit sich kämpfen. Er warf im Zahnarztstuhl seinen Kopf nach hinten, presste die Lippen zusammen. Geschafft.
Jetzt bekommen die Stars eine Stabheuschrecke in der Nierenschale serviert. Diese müssen sie quer in den Mund nehmen. Stabheuschrecken in der Nierenschale wurden als nächstes serviert. Diese mussten die beiden Dschungelcamper quer in den Mund nehmen.
Richtig zubeißen heißt es jetzt! Ein Abdruck aus essbarem Schleim mit Mehlwürmern muss in den Mund. Richtig zubeißen, hieß es zuguterletzt. Ein Abdruck aus essbarem Schleim mit Mehlwürmern musste in den Mund.
Die zweite Dschungelprüfung steht bereits fest: „Friedhof der Kuscheltiere“. Dafür wird der prominente Teilnehmer in einen Sarg gelegt, den er oder sie sich mit einigen Ratten teilen darf. Für jede ausgehaltene Minute erhält der Kandidat einen Stern. Doch damit nicht genug: Während des Sargaufenthalts wird die ursprünglich gläserne Kiste nach und nach freigelegt und dabei über eine 70 Meter hohe Schlucht gezogen. Nichts für einen Star mit Rattenphobie oder Höhenangst also! Der „Friedhof der Kuscheltiere“ wartet in der nächsten Folge von Dschungelcamp auf die prominenten Teilnehmer. Sie werden in einen Sarg gelegt, den er oder sie sich mit einigen Ratten teilen darf. Für jede ausgehaltene Minute erhält der Kandidat einen Stern. Doch damit nicht genug: Während des Sargaufenthalts wird die ursprünglich gläserne Kiste nach und nach freigelegt und dabei über eine 70 Meter hohe Schlucht gezogen. Nichts für einen Star mit Rattenphobie oder Höhenangst also.

Und falls Ihnen dieser Eintrag bekannt vorkommt, ist das kein Zufall. Manche Dinge ändern sich nicht.

(Auch beim Online-Auftritt des „Express“ verlässt man sich der Einfachheit halber auf die praktischen PR-Texte von RTL.)

Ingrid van Nepomukhausen

25 Jan 09
25. Januar 2009

Ich kann die Ähnlichkeit schwer erklären, aber: Bin ich der einzige, den Dschungelkönigin Ingrid van Bergen an Nepi Nepomuk aus „Hallo Spencer“ erinnert?

Guten Morgen aus Tralien: Dirk Bach am Dschungeltelefon

24 Jan 09
24. Januar 2009

Heute Abend geht sie zu Ende, die vierte Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Kurz vor dem großen Finale spricht Moderator Dirk Bach über das Phänomen Peter Bond, das Improvisieren im Dschungel, den erstaunlichen Abstand von Fremd- und Selbstbild bei den Kandidaten und Giulia Siegel, die nicht so gerne „der vierunddreißigjährige Krieg“ genannt werden möchte.


Dirk Bach mit Co-Moderatorin Sonja Zietlow. Fotos: RTL

Das Fernsehblog: Herr Bach, es ist kurz nach Mitternacht in Deutschland, die Show ist gerade vorbei. Wo sind Sie gerade? Ist da hinter dem Baumhaus gleich ein großer Studiokomplex angebaut?

Dirk Bach: Nein, das Baumhaus ist schon mittendrin im Dschungel. Von da aus muss man ganz oben auf den Berg fahren, da ist zwar immer noch Dschungel um uns herum, aber der fällt nach unten ab. Da ist unsere Technikzentrale. Da ist die Redaktion, die Schneideräume und da steht ein großer Wagen, in dem Sonja und ich wohnen.

Sie hatten gerade die heikle Aufgabe, mit Gulia Siegel zu plaudern, die nach ihrem Auszug erfahren musste, dass ihre Außenwirkung nicht ganz die war, die sie sich erhofft hatte. Haben Sie vorher schon Kontakt gehabt zu ihr?

Nein, wir sind von den Kandidaten komplett getrennt. Das vor der Kamera jetzt war unser erstes Interview mit Giulia Siegel. Wir lassen die Kandidaten dabei immer so lange warten, wie es geht, um es alles ganz frisch zu halten, und nicht vorher schon all die Sachen besprochen werden.

Sind sind also nicht im selben Hotel wie die ausgeschiedenen Kandidaten? Das ist vermutlich auch ein Schutz für Sie.

Deren Hotel ist richtig, richtig weit weg, aber gar nicht um uns zu schützen – bislang wollte uns noch keiner schlagen. Die müssen einfach weit weg sein. Wir wollen das nicht vermischen. Wir wohnen viel näher am Camp, obwohl wir auch schon ganz schön weit weg sind.

Giulia Siegel hat sich jedenfalls nicht wiedererkannt und meinte, dass Sie ihre Erlebnisse bösartig einseitig zusammengeschnitten haben.

Natürlich überhöhen wir die Dinge, die passieren, in den Filmen und auch in unseren Moderationen. Ich glaube aber nicht, dass das so weit ist von der Realität. Es ist keine Dokumentation, und es ist auch kein großes Experiment, wie „Big Brother“ vorgibt zu sein. Es ist einfach eine Unterhaltungssendung mit Prominenten, die ausprobieren: Wie gut halte ich es zwei Wochen dort aus, wo es nicht so ist wie zuhause. Ein bisschen, denke ich immer, liegt es an einem selbst, was man da macht. Ich glaube, dieses: „Hätte man doch nur alle 24 Stunden gezeigt, dann hätte man gesehen, was für ein guter Mensch ich bin“, das stimmt nicht. Vielleicht wird Giulia Siegel das auch mal erkennen. Sie ist ja ein ganz verständiger und kluger junger Mensch.


Dschungelprüfung mit Peter Bond.

Das ist ja ein roter Faden der Show, insbesondere in diesem Jahr, die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung. Bei Peter Bond, der sich die Welt und seinen Platz darin zurechtdenkt, war es besonders krass. Ist das ein spezielles Phänomen bei Prominenten?

Nein, das haben wir alle. Wir erleben ja selbst, wieviele Missverständnisse man produziert, wenn man etwas sagt und das von anderen ganz anders aufgenommen wird. Vielleicht hat man hier zwei Exemplare gefunden, die dann doch besonders weit auseinanderliegen, in dem, wie sie denken zu sein, und wie sie dann erscheinen.

Mit den beiden sind Sie und Sonja Zietlow in den Moderationen aber auch besonders gnadenlos umgegangen. Peter Bond hatte von der ersten Sekunde keine Sympathien bei Ihnen, oder?

Beim Peter kam aber noch einiges dazu, was man uns erzählte, was im Flug passiert ist. Und beim Einzug ins Hotel. Das nimmt man natürlich dankbar auf und setzt daraus dieses Bild von ihm zusammen. Und er hat wirklich nicht viel getan, dieses Bild zu verändern, auch jetzt, wo er nicht mehr da ist, hört man immer noch Dinge… Ich glaube, er ist da ganz mit sich im Reinen, dass es so ist mit ihm. Er ist, glaube ich, glücklich so. Aber wir haben hier nicht zehn wehrlose Hartz-IV-Empfänger eingeschlossen, sondern zehn Prominente, deren Beruf es ist, in diesem Medium zu leben, und die Sendung inzwischen gut kennen. Sie halten sich alle für Experten für das, was sie im Camp zu tun haben und wie man sich zu verhalten hätte. Denen ist schon klar, was sie hier tun, und wenn sie da so sind, wie sie sind, dann sind sie das durchaus auch im Einklang mit sich selbst.

Ist es heikel, wenn Sie nach all ihren hämischen Pointen später die Kandidaten treffen? Sie spielen ja dabei nicht nur eine Rolle und sagen Texte auf, sondern genießen es sichtlich, auf deren Kosten zu improvisieren.

Ja, wir haben nicht immer das Glück, alle Einspieler komplett gesehen zu haben, und sind oft selber verblüfft, was wir da hören. Dann müssen wir einfach noch nachsetzen, und klar, da entstehen ein paar Dinge. Wobei Giulia eben im Weggehen noch zu mir sagte: „Also, mich ‚der vierunddreißigjährige Krieg‘ zu nennen, war hart“, und ich dachte, mein Gott, das ist doch eine so süße Bemerkung, dass man der vierunddreißigjährige Krieg genannt wird, das hat mir gefallen. Nein, die Menschen hier wussten, worauf sie sich einlassen, das ist ja durchaus bekannt im vierten Jahr. Und in diesem Business ist es ja auch gut, wenn eine Pointe über einen gemacht wird, auch eine böse.


Lorielle London vor Ihrer Dschungelprüfung.

Beunruhigend ist, wie viele der Kandidaten zu glauben scheinen, dass sie im Camp ganz Deutschland etwas beweisen müssen. Bei Ross Antony war das so, bei Lorielle London noch mehr. Woher kommt das?

Bei Ross war es einfach schön, weil er diese beiden Seiten hat. Er zeigte, dass die Tunte, die immer nur quiekt, auch tough sein kann, auch wenn sie dabei quiekt. Das war ganz süß, weil er genau wusste, was er da machte – das war für mich der bewussteste Kandidat von allen. Bei Lorielle habe ich auch immer ein bisschen Angst, weil die, glaube ich, alles tun würde, nur um zu beweisen, dass sie liebenswert ist, was sie gar nicht müsste. Ich bin kein großer Fan der Dschungelprüfungen, meinetwegen könnte da jeder sagen: nee, mach ich nicht, wie komm ich dazu, ‘nen Hoden zu essen? Vielleicht ist das was Deutsches. Die Briten machen diese Prüfungen zwar auch alle, aber mit soviel Geschrei, dass klar ist: Es ist wirklich nur „Spiel ohne Grenzen“. Bei uns ist das sehr ernst, da fürchte ich mich auch immer ein bisschen vor.

Überhaupt, Lorielle und ihre Transsexualität. Sie ist damit ein Opfer vieler Pointen. Denken Sie darüber nach, welche Grenzen Sie nicht überschreiten wollen, welche Vorurteile nicht bedienen?

Ja, das ist für mich ganz wichtig. Sie ist selber an einem Punkt, wo sie sich ganz viel erfüllt, was sie nie haben konnte. Sie lebt gerade ihre Jungmädchenträume aus, das geht alles durch eine große Öffentlichkeit. Das können wir nicht verhindern, das hat sie selber alles schon angeleiert. Aber wir können versuchen, damit ganz gut umzugehen, und ich glaube, das ist uns gelungen. Sie zum Beispiel als Frau zu nehmen, die sie ja ist, egal, ob da noch was nicht perfekt ist.

Verfolgen Sie das Getöse der Berichterstattung über die Show?

Nicht so gerne. Ich bin natürlich, wie wir alle, quotenabhängig…

Die sind natürlich bei dieser Show eine seltene Freude.

Ja, was ich ja sonst nicht so erlebe. Aber der Rest: nicht so. Ich muss nicht auseinandersetzen mit der Berichterstattung vom „Stern“ oder von der „Bild“.

Müssten Sie sich nicht die gleiche Frage stellen wie die Kandidaten, ob es wirklich eine gute Idee ist, für die Karriere, in den Dschungel zu gehen – auch als Moderator der Show?

Ob es eine gute Idee ist, hängt davon ab, wo man hinmuss. Als homosexueller, dicker Mann in diesem Business hatte ich nie einen großen Plan, was mit mir passiert. Ich habe nur mal das englische Original gezeigt bekommen, und fand das sehr lustig und unterhaltsam, und war dann verwundert über die Reaktionen, die das hervorrief und wie man dann auf einmal als unappetitlich ausgegrenzt wurde. Aber das hat mich nie verunsichert. Für mich ist Fernsehen immer eine große Vielfalt von Dingen. Und in zwei Monaten fange ich an, in Bern an der Oper für den Sommernachtstraum von Benjamin Britten zu proben, und ich glaube, da wird mir das auch nicht so sehr schaden, was ich hier jetzt mache.

Warum wirkt „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ so anders als andere Fernsehsendungen? Es scheint den Machern selbst mehr Spaß zu machen.

Es hilft, dass wir weiter weg sind von den großen Zentralen. Auch von der Umgebung her. Wir sitzen nicht in den deprimierenden, großen Unterhaltungskasernen, sondern wirklich im Dschungel. Die Entscheidungen werden hier viel kurzfristiger getroffen, wir produzieren viel mehr Material in kürzerer Zeit. Und das Team besteht fast vollständig aus Leuten, die seit der ersten Staffel dabei sind.

Aber Sie sind der Marco Schreyl des Dschungel, weil sie Ihre Texte dauernd von den Moderationskarten ablesen.

Wir müssen die haben. Wir machen ja noch nicht einmal einen richtigen Durchlauf, sondern nur Stellproben. Während die Einspielfilme laufen, versuchen wir uns zu erinnern, was wir uns ausgedacht hatten.

Es gibt keine Probe, in der Sie alles einmal durchspielen?

Nee, dafür ist keine Zeit. Es gibt eine Stellprobe für die Kameras, bei der wir aber nur ablesen, weil wir die Texte selber noch nicht kennen. Das ist alles ziemlich live rausgehauen.

Die endlosen Pausen, bis nach Ihren Moderationen endlich der nächste Beitrag kommt, während Sie noch irgendwie weiterplaudern, sind inzwischen fast stilprägend.

Da sind wir auch selbst immer unsicher: Sind wir durch? Und der Regisseur weiß auch nicht: Reden die da noch was Wichtiges? Und dann möchte er auch immer ausführlich mit den Kameras durch den Dschungel fliegen, um zu zeigen, wo wir sind. Um endlich Schluss zu machen mit diesen Aachener Gewächshausgerüchten.

Und wer gewinnt heute abend? Wer soll gewinnen?

Sonja und ich waren traurig, dass Gundis rausgewählt wurde, weil wir sie sehr geschätzt haben. Wir hätten eigentlich gerne drei Frauen am Schluss gehabt. Aber für mich ist es egal, wer jetzt welchen Platz macht: Es sind Königin Mutter, eine Prinzessin und der Prinz.

„Ich bin ein Star – legt vernünftige Musik unter mich!“

22 Jan 09
22. Januar 2009

Ein Fluch liegt auf dem deutschen Fernsehen, der Terror der naheliegendsten musikalischen Untermalung. Egal ob ein Bauer seine Frau sucht, ein Restaurant seinen Rach oder ein Auswanderer sein Glück – unter jeder Szene liegt ein Musiktitel, der das Geschehen oder die aktuelle Stimmung doppelt. Die Auswahl scheint sich auf eine Doppel-CD mit den größten Hits der 80er und 90er zu beschränken (plus „Viva la Vida“ von Coldplay). Fast immer handelt es sich um die naheliegendste Idee oder den ersten Treffer bei der Titelsuche. Keine Kornfeld-Szene ohne Jürgen Drews; wenn jemand sagt, dass ihm etwas egal ist, kommt Shakespeare’s Sister mit „I Don’t Care“, und wenn Hilfe naht, naht sie nicht ohne die Beatles und „Help!“ Manchmal ist die Textzeile, die das Gesehene exakt wiederholt, sogar nur für drei Sekunden zu hören.

Zu den unterschätzten Qualitäten von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ gehört es, anders mit Musik umzugehen. Zum Abschluss der letzten Staffel, als die Kandidaten das Camp verließen, in der vagen Hoffnung, ihrer Karriere neues Leben eingehaucht zu haben, und mit der realistischen Aussicht, ihr den endgültigen Todesstoß versetzt zu haben, war „Vielleicht“ von den deutschen Indierockern Madsen zu hören: „Vielleicht ist das der Anfang / Vielleicht ist das das Ende…“

Wenn Giulia Siegel Peter Bond zärtlich im Teich wäscht, liegt „Underwater Love“ von Smoke City darunter. Und das intime Gespräch zweier Männer am Lagerfeuer wird vom Soundtrack zu „Brokeback Mountain“ begleitet.

Die Titel sind oft hintergründige Kommentare zum Gezeigten – und die Interpretenliste kann sich sehen lassen: Am Dienstag untermalten die Smashing Pumpkins, The Verve, Sigur Rós, Feist, Babyshambles, Justin Timberlake, Air, Amy MacDonald und die Dust Brothers das Geschehen im Dschungel.

Anlass für einen Anruf in Australien: bei Markus Küttner, 37, dem Ressortleiter Comedyshow bei RTL.

Das Fernsehblog: Sind Sie der Mann, der die Musik für die Dschungelshow aussucht?

Markus Küttner: Nicht jede Musik für jede Sendung, das sind ja hundert Titel. Aber ich sorge schon dafür, dass wir nicht zu jedem Sonnenaufgang „Morning has broken“ spielen, dass nicht immer „Money“ von Pink Floyd zu hören ist, wenn über Geld geredet wird, und nicht die Miss-Marple-Musik kommt, wenn eine alte Frau durchs Bild geht.

Das heißt, es gibt eine bewusste Vorgabe von RTL, es anders zu machen als in der typischen Doku-Soap?

Das ist eine Vorgabe von mir.

Manchmal entscheiden Sie sich aber auch für die naheliegendste musikalische Illustration. Wenn die Österreicherin „Mausi“ Lugner ins Bild kommt, erklingt zum Beispiel „Der dritte Mann“ oder Falcos „Vienna Calling“.

Die Producer, die den Film geschnitten haben, als Mausi auf der Dachterasse im Hotel erscheint, hatten ursprünglich Wiener Walzer darunter gelegt – das war mir doch eine Nummer zu hart. „Vienna Calling“ war dann der kurzfristige Ersatz – das fand ich noch ganz okay.

Wie läuft das ab bei der Produktion?

Die Producer sitzen hier in Australien ganz normal an Schnittprogrammen wie sonst auch – nur wenn man hier vor die Tür geht, ist nicht ein trauriges Industriegebiet, sondern Dschungel. Die Producer arbeiten dann ziemlich unabhängig und legen unter den Rohschnitt schon Musikvorschläge. Inzwischen wissen alle, in welche Richtung wir da gehen wollen – da schlägt keiner mehr „Money“ vor.

Haben Sie eine ganze Digital-Bibliothek dabei? Oder haben Sie Hundert CDs in den Dschungel mitgenommen?

Das haben wir tatsächlich bei den ersten beiden Staffeln gemacht. Das Internet hier war damals noch sehr langsam, und wenn man morgens um sechs eine Livesendung hat und um vier anfängt, bei iTunes einen Song runterzuladen und es nur millimeterweise vorwärts geht – dann wird man wahnsinnig. Ich habe mein iTunes komplett mitgenommen, was schon mal ganz gut ist, und viele Producer haben ihre Sammlungen mitgebracht. Wir kaufen aber auch viel spontan. Gerade für die Eröffnungssequenz, vor der Begrüßung durch Sonja und Dirk, da liegen ziemlich bombastische Titel drunter. Da ist oft auch Filmmusik drauf, die man nicht unbedingt parat hat.

Zum Einzug, als alle sich zum ersten Mal in dem Lageplatz mit dem Teich umsahen, war Peter Fox zu hören mit „Haus am See“ – allerdings nur der Instrumentalteil. Solche Anspielungen funktionieren also nur für Leute, die das Lied kennen. Was ist die Idee dahinter?

Zunächst einmal hat die Musik gut zu der Szene gepasst. Selbst wenn das Stück einen ganz anderen Text gehabt hätte, hätte die Musik alleine trotzdem gepasst. Das ist natürlich die Hauptsache. Aber wenn man noch einen kleinen Insider-Gruß für, ich weiß nicht, fünfzehn Prozent unserer Zuschauer mit hineinpacken kann, die es erkennen und sich freuen: um so besser. Die ganze Show ist vielschichtiger als ein Großteil derer, die darüber berichten, überhaupt erkennen. Es steckt viel mehr drin.

Als Giulia Siegel klagte, dass sie ohne eine aufgestockte Zigarettenration nicht im Dschungel bleiben könnte, lief „Better Living Through Chemistry“ von Queens Of The Stone Age.

Ja. Und in der letzten Staffel hatten wir Julia Biedermann, die gleichzeitig im „Playboy“ mit Hochglanzbildern war und im Camp aussah wie Rod Stewart nach einer durchsoffenen Nacht. Darunter haben wir von den Sternen „Was hat dich bloß so ruiniert“ gelegt – lustigerweise auch erst nur das Intro, ohne Text. Wir haben auch gerne mal schöne Intros von Radiohead, allerdings eher die älteren Sachen. Die neuen sind selbst für abgefahrenere Shows ein bisschen zu hart.

Ist es eine bewusste Entscheidung, so stark auf für RTL untypische Musikfarben zu setzen?

Ich weiß nicht, ob die Musikfarben wirklich so untypisch für RTL sind. Ich bin zum Beispiel auch für die Doku-Soap „Teenager außer Kontrolle“ zuständig. Da nehme ich nicht so viel Einfluss und wir haben mehr Filmmusiken, aber das geht in eine ähnliche Richtung. Auch bei der „Super-Nanny“. Ich bin seit Jahren großer Radiohead-Fan, und immer wenn Radiohead in der Show zu hören ist, bekomme ich innerhalb von drei Minuten 15 SMS von Freunden, die sagen: Du Idiot, was spielt ihr Radiohead im RTL-Programm?!

Schöne Situation: Sie müssen sich vor RTL rechtfertigen, dass sie Radiohead spielen, und vor den Radiohead-Fans, dass sie es bei RTL spielen? Sie machen beiden das Programm kaputt!

Vielleicht bringe ich da Welten zusammen, die in Wahrheit zusammen gehören… Nein, das macht einfach Spaß, und am Ende geht es immer um die Sendung.

Haben Sie, so weit weg von der Zentrale, mehr Freiheiten als sonst?

Freiheit habe ich sonst auch. Aber hier im Dschungel gibt es nur wenige Stellen mit Handyempfang. Da ist man nicht immer erreichbar, das kann schon mal praktisch sein. Wir haben uns in früheren Staffeln zum Beispiel über die wunderbaren Dschungelsongs lustig gemacht. Soviel Selbstironie muss erlaubt sein, schließlich machen Sonja und Dirk bei ihren Sprüchen auch vor sich selbst nicht halt.

Und trotzdem hatten sie den schrecklichen aktuellen Song, die Zipfelbuben mit „Hier im Dschungel“ neulich in die Sendung eingebaut.

Ach, das passiert.

Dann ist RTL Enterprises glücklich?

Ja. Aber der eigentliche Kampf als Programmverantwortlicher beginnt eher jetzt, wenn die Single im Handel erhältlich ist und Promo dafür gemacht wird. Ich wehre mich natürlich nicht grundsätzlich dagegen, aber so, wie Sonja und Dirk die Sendung moderieren, würde es nicht passen, das in der üblichen Manier zu tun.

Warum ist es so schwer, in anderen Shows auch so ambitioniert und überraschend bei der Musikauswahl zu sein? Ist es wirklich so, dass die Zuschauer eigentlich nur den Wiedererkennungseffekt wollen, dass in jeder Szene genau die Textzeile kommt, die sie kennen und die das Geschehen eins-zu-eins illustriert?

Tatsache ist, dass beides funktioniert. Es funktioniert der typische Doku-Soap-Stil genauso wie unser eher abwechselungsreiches Konzept. Es gibt eine Berechtigung für beides.

Darf ich mir noch was wünschen?

Klar.

Echt?

Na, ich habe ja nicht gesagt, dass ich Ihren Wunsch erfülle.

(Aber was läuft am Abend, in Folge 7, nach 14 Minuten, wenn sich die Kandidaten auf ein unerwartetes Belohnungsfrühstück mit Toast und Marmelade stürzen? „When Will I Ever Get Home“ von den Kilians!)