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Stefan Niggemeier | ich

Tag Archive for: ich

Nervt’s?

31 Aug 07
31. August 2007

Schwerer Selbstreferenz-Überschuss im Moment in diesem Blog, aber was soll’s.

Stefan Winter hat auf jetzt.de einen Text darüber geschrieben, wie ihn BILDblog nervt. Und wie ich ihn nerve. Er beginnt so:

Es passiert selten, dass Stefan Niggemeier das in Frage stellt, was er den ganzen Tag so tut. Der Mann, der für Bildblog und sein Privatblog bereits zwei Grimme-Online-Awards bekommen hat, inszeniert sich lieber so, als habe er allein den doofen Deutschen den Segen des Internets gebracht. Heute jedoch scheint Internet-Gott Niggemeier eine menschliche Regung in sich gespürt zu haben.

Okay, das ist nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Es passiert oft, dass ich das in Frage stelle, was ich den ganzen Tag so tue. Eigentlich ununterbrochen. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich mir nicht zuviele Fragen stelle, aber das fügt den Zweifeln nur noch Metazweifel hinzu. Und Kopfschmerzen.

Jetzt sitze ich hier und frage mich zusätzlich noch, womit ich bei Leuten den Eindruck erweckt haben könnte, ich hielte mich für einen „Internet-Gott“ (und ich hatte gedacht, das absurde Etikett „Blog-Papst“, das mir mal jemand anbappen wollte, ließe sich nicht mehr toppen). Na bravo. Andererseits: Als Journalist, vor allem als Fernsehkritiker, urteile ich dauernd über Leute, die ich nicht kenne, und packe sie in Schubladen, in denen sie vermutlich gelegentlich ähnlich entgeistert sitzen wie ich jetzt in dieser.

Im Kern scheint Stefan Winter mir und BILDblog zwei Dinge vorzuwerfen. Das eine ist, unmoralisch zu sein.

Wenn Stefan Niggemeier das Bildblog als seine Arbeit bezeichnet und davon leben will, heißt das: Er lebt (zumindest indirekt) von dem Dreck, den die Bildzeitung täglich verbreitet. Für jemanden mit seinem moralischen Standard, finde ich das zumindest fragwürdig.

Das finde ich eine erstaunliche These. Sie bedeutet, dass es legitim ist, davon zu leben, die Leute zu desinformieren. Aber nicht, davon zu leben, die Leute über diese Desinformation aufzuklären. Das ist eine ähnliche Argumentation wie die der „Bild“-Zeitung, die meint, BILDblog dürfte sich beim Presserat nicht über „Bild“ beschweren, weil wir die Institution dadurch für unsere kommerziellen Zwecke missbrauchten.

Trifft das Urteil der moralischen Fragwürdigkeit jeden, der zum Beispiel Journalist geworden ist, um Missstände aufzudecken? Müssen sich Journalisten wie Thomas Kistner oder Jens Weinreich, die sich darauf spezialisiert haben, Korruption und Doping im Sport aufzudecken, auch vorwerfen lassen, dass sie (zumindest indirekt) von dem Fehlverhalten anderer leben? Ist Hans Leyendecker letztlich auch nur ein Schmarotzer, der das Aufdecken von Skandalen als lukrative Marktlücke entdeckt hat und einpacken kann, sobald sich alle anständig verhalten? (Nicht ganz unberechtigt ist auch die Frage von Kommentatoren auf jetzt.de, wie unmoralisch eigentlich Müllmänner sind, die sich ja letztlich auch nur ihr kommerzielles Süppchen aus unserem Dreck kochen.)

Das zweite, das Stefan Winter an uns nervt, sind eigentlich nicht wir und unsere Arbeit, sondern deren Rezeption. Wir würden von Blogosphäre und klassischen Medien „in (ungewohnter) Eintracht hofiert“, schreibt er und beklagt sich über „Kamerateams“, die in unser Büro „einfielen“, um „(meist völlig unkritisch)“ über unsere Arbeit zu berichten.

Ich glaube, das täuscht. Abgesehen vom NDR-Medienmagazin „Zapp“, das mehrmals und freundlich über uns berichtete, wird es Winter schwerfallen, Spuren von eingefallenen Horden von Fernsehleuten in unserem Büro zu finden. Ja, wir sind so etwas wie ein „Vorzeigeblog“, auf das klassische Medien kommen, wenn sie über Blogs überhaupt berichten, was zum einen an ihrer Einfallslosigkeit liegt, zum anderen an unseren Leserzahlen. Aber wer „hofiert“ uns wirklich? Die „Süddeutsche Zeitung“ sicher nicht, die vergangene Woche Donnerstag erstmals einen eigenen kleinen Artikel über uns geschrieben hat. Hofiert wird von den Medien Tag für Tag die „Bild“-Zeitung, durch Aufmerksamkeit, ungeprüfte Übernahme ihrer Meldungen, Ausblenden von Kritik. Bei der Nachrichtenagentur dpa zum Beispiel sind kritische Berichte über „Bild“ — und damit jeder Bericht über uns — Tabu heikel. Eine PR-Geschichte für Katja Kesslers neues Buch ist erlaubt.

Aber es stimmt schon: Wir haben viele Fans und Freunde. Ich tue mich ein bisschen schwer damit, das negativ zu sehen, weil es ein so sensationelles, ungekanntes Gefühl ist: das Wohlwollen, die Unterstützung, die Bereitschaft mitzuhelfen. Und wenn Stefan Winter behauptet, „alle“ würden uns „unreflektiert“ gut finden, möchte ich ihm doppelt widersprechen. Erstens hoffe ich, dass es Leute gibt, die uns reflektiert gut finden. Und zweitens stimmt es einfach nicht. Ein einziges Blog hat Winter gefunden, das am BILDblog-Werbespot Kritik übt (und Winter gibt ihm in seiner Verzweiflung recht, obwohl es den Film vor allem deshalb ablehnt, weil die Produktionsfirma Brainpool „eigentlich alle schlechten Formate auf privaten Sendern“ zu verantworten habe).

Herr Winter, schau’n Sie mal: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier.

Ein letzter Gedanke noch. Stefan Winter schreibt: „Bildblog arbeitet nicht ehrenamtlich oder für den guten Zweck, sondern aus einem kommerziellen Interesse.“ Ich streite mich gerne über die Macken und Fehlentwicklungen, das Gefährliche, Blöde und Falsche an BILDblog (und stelle mich und meine Arbeit dabei auch gern in Frage). Aber ich lasse mir ungern den Glauben nehmen, dass „für den guten Zweck“ und „aus einem kommerziellen Interesse“ sich nicht ausschließen müssen. Wär doch furchtbar, wenn man seinen Lebensunterhalt nur mit Dingen verdienen könnte, die eigentlich Scheiße sind.

Und ich sage das nicht als Internet-Gott.

Geschafft

23 Aug 07
23. August 2007

Jetzt ist unser BILDblog-Werbefilm schon ein paar Mal im Fernsehen gelaufen und über 25.000 mal im Internet angesehen worden, und eigentlich wollte ich dazu natürlich noch was Nettes bloggen und ein bisschen erzählen, wie das alles war, und nicht nur an den Kollegen rumnörgeln. Über sieben Monate sind vergangen von der Idee bis zur ersten Ausstrahlung heute — entsprechend groß war der Tag heute für mich und für uns.

Doch jetzt bin ich zu k.o. zum Schreiben. Ich kann nur sagen: Ich bin wahnsinnig dankbar und ein bisschen stolz.

(Und damit das hier kein völlig sinnloser Eintrag bleibt, nutze ich die Gelegenheit, auf den Sprecher in dem Spot hinzuweisen. Es ist Michael Lott, der sonst die Stimme von Premiere ist und auch deren bombastische Werbefilme spricht. Ich bin sein Fan, seit er in der wunderbaren und entsetzlich gefloppten Sat.1-Serie „LiebesLeben“ (Regie übrigens: Tobi Baumann) so herzzerreißend traurig und komisch den hoffnungslosen Verlierer Edwin gespielt hat.)

Sie nennen es koreanisch

14 Aug 07
14. August 2007

In der SZ nichts Neues

13 Aug 07
13. August 2007

Betreff: Fragen zu Ihrem SZ-Artikel

Sehr geehrter Herr Boie,

es ermüdet mich ein wenig, die immer gleichen Zeitungstexte über die angeblich fehlende Relevanz von Blogs in Deutschland zu lesen. Ich weiß nicht, ob Zeitungen sich ihrer eigenen Relevanz dadurch versichern können, dass sie immer wieder ausführlich über etwas berichten, das nach ihrer eigenen Aussage so irrelevant ist. Und ganz bestimmt hilft es der Relevanz von Blogs nicht, sich immer wieder mit irrelevanten Zeitungsartikeln über Blogs zu beschäftigen.

Und doch: Ich kann es nicht lassen. Denn ich verstehe es nicht. Ich verstehe grundsätzlich nicht, warum viele Zeitungen sich Blogs einerseits mit einer solchen Hingabe widmen und ihnen andererseits nicht einmal ein Mindestmaß an Interesse entgegen bringen. Und ich verstehe konkret viele Aussagen in Ihrem Artikel nicht.

Sie kommen zu Ihrem ernüchternden Fazit über die deutsche Blog-Landschaft dadurch, dass Sie sie an extrem hohen Ansprüchen messen. Sie geben aber an keiner Stelle einen Hinweis darauf, wer diese Ansprüche aufstellt. Wer schon in der Überschrift „denkt“, deutsche Weblogs würden mehr bewegen. Und wessen „Erwartungen nicht erfüllt“ werden.

Sie schreiben: „Vergrößerung [ist] das erklärte Ziel der deutschen Blog-Szene“. Wer hat dieses Ziel erklärt?

Sie schreiben: „Man will eine Alternative zu den etablierten Medien werden.“ Wer will das?

Sie schreiben: „Großes Vorbild sind dabei die USA (…).“ Wessen Vorbild?

Sie schreiben, man spreche bei dem „Teil der deutschen Bloggerszene, der überhaupt wahrgenommen wird“, „intern stolz von ‚Blogosphäre'“. Das passt natürlich gut zu dem Eindruck von dem Größenwahn und der Selbstüberschätzung, den Sie erwecken wollen. Ich glaube, dass weder die Worte „intern“ und „stolz“ noch die Behauptung überhaupt zutreffen.

Sie schreiben, Weblogs hätten großes Potential, denn: „Zahlreiche Nischen warten auf hochwertige Inhalte.“ Sagen Sie mir ein paar dieser wartenden Nischen?

Sie nennen als gelungenes Beispiel für ein relevantes Blog „das Promi-Blog Viply“. Sie wissen sicher, dass es sich dabei um das Zweitverwertungs- und Eigenmarketing-Produkt einer Paparazzi-Agentur handelt, deren Fotos auch die etablierten Boulevardmedien füllen. Erklären Sie mir, worin die spezielle „gesellschaftliche Relevanz“ dieses Angebotes besteht — und was die Mehrzahl der Blogger daraus lernen kann?

Sie schreiben: „Deutsche Leser wollen spezialisierte Angebote zu ihren Lieblingsthemen anstatt eines weiteren Versuches, klassische Zeitungen zu imitieren.“ Woher wissen Sie das? Woraus schließen Sie das? Was sind die Lieblingsthemen der Deutschen? Und welche Blogs versuchen Ihrer Meinung nach, klassische Zeitungen zu imitieren?

Am Ende berufen Sie sich auf den Kommunikationswissenschaftler und Blogger Jan Schmidt und schreiben: „Die Öffentlichkeit von Weblogs bestünde in ihrer technischen Zugänglichkeit für jedermann. Keinesfalls aber besteht sie in ihrer gesellschaftlichen Relevanz.“ Was heißt das: Die Öffentlichkeit von Weblogs besteht nicht in ihrer gesellschaftlichen Relevanz? Ich vermute, Sie wollen einfach sagen: Blogs sind da, aber unwichtig, aber das würde womöglich nicht relevant genug klingen für die „Süddeutsche Zeitung“.

Gleich zweimal hat sie Ihren Artikel online gestellt, mit unterschiedlicher Aufmachung und Überschrift. In beiden Fällen hat sie es nicht geschafft, auch nur ein einziges Blog zu verlinken. Dafür hat sueddeutsche.de eine zehnteilige Bildergalerie mit Screenshots (aber auch ohne Links) der „Top Ten“ der „Deutschen Blogcharts“ dazu gestellt. Erklärt wird das Zustandekommen dieser Hitparade von sueddeutsche.de so:

Analog zu den deutschen Musikscharts [sic!] gibt es auch die deutschen Blogcharts. Statt Media Control liefert die Echtzeit-Internet-Suchmaschinen [sic!] Technorati die Platzierungen über die populärsten Blogs des deutschsprachigen Raumes. Neben Auswertungen von Zugriffen auf Blogs ist die Zahl der Verlinkungen (Erwähnungen) eines Blogs innerhalb der Blogosphäre die wichtigste Messgröße.

Nein, die einzige. Die Zugriffszahlen spielen bei den Platzierungen in den Deutschen Blogcharts keine Rolle.

Vermutlich können Sie, Herr Boie, nichts für die Online-Präsentation Ihres Artikels. Aber würden Sie mir Recht geben, dass Kompetenz eine Voraussetzung für Relevanz ist?

Entschuldigen Sie die Polemik, aber es fällt mir schwer, nicht polemisch zu werden angesichts der Diskrepanz zwischen der Überheblichkeit und Selbstwahrnehmung der „Süddeutschen Zeitung“ und der Realität ihrer Berichterstattung im und über das Internet. Ich würde mich freuen, wenn Sie trotzdem einige meiner Fragen beantworten würden.

Mit freundlichen Grüßen
etc.

(Herr Boie hat mir geschrieben, dass er gerade unterwegs ist und es mit einer Antwort deshalb ein paar Tage dauern kann.)

Betrug mit meinem Namen

30 Jul 07
30. Juli 2007

Wichtiger Hinweis in eigener Sache:

Ein Betrüger verschickt mit meinem Namen als Absender und unter Hinweis auf mein Blog gerade E-Mails, in denen zu Spenden für das Forum call-in-tv.de aufgerufen wird. Diese Mails sind nicht von mir.

Nachtrag, 15.40 Uhr. Die Mails sind offenbar massenhaft verschickt worden. Ich werde Strafanzeige gegen unbekannt erstatten.