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Schicksalsstromausfall bei Herrn Lestat

05 Jan 09
5. Januar 2009

Der Mann nennt sich Malkiël Rouven Dietrich, Christian-Lestat Dietrich oder auch nur Lestat, bezeichnet sich als „Astrologe, Trance-Medium, Reiki-Meister-Lehrer, Hypnosetherapeut“, ist nach eigenen Angaben Besitzer eines seit sieben Generationen vererbten zweiten Gesichts und verfügt über einen „Medien-Anwalt“. Mit letzterem droht er nun dem Mathematiker Michael Kunkel. Kunkel überprüft seit langem regelmäßig, ob die Weissagungen von Leuten wie Dietrich eintreten, und hatte auch Dietrichs Prognose für 2009 zitiert. Dietrich und sein Geschäftspartner Jochen U. Lieblein beschwerten sich:

Einer Verlinkung muss gemäß unseren AGB´s zugestimmt werden, hiermit widerspreche ich Ihrer Verlinkung meiner Website auf Ihre Seite. Ich fordere Sie auf den Link, Ihren Kommentar bis zum 31.12.2008 zu entfernen. Für alle meine Texte liegt das Copyright bei mir, sie sind weder befugt diese Texte zu kopieren, speichern oder in Teilen zu veröffentlichen.

Obwohl Kunkel Link und Zitate entfernte, ist Dietrich nicht zufrieden und lässt nun juristische Schritte prüfen.

Ich kann verstehen, dass der auch im Fernsehen aktive Meister nicht möchte, dass man seine Texte archiviert. Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem er sie teilweise von seiner Homepage löscht. Zum Beispiel seine Prognose über den Ausgang der Wahlen in den Vereinigten Staaten, veröffentlicht am 16. Oktober 2008:

Am 4. November wird in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ein neuer Präsident gewählt.

Ui: Volltreffer! Ach so, das war noch gar nicht die Prognose.

(…) Am 4. November läuft der Mond durch den Steinbock. Der Mond repräsentiert das Volk. Und da der Steinbock ein eher konservatives Zeichen ist, würde diese Verbindung für einen Erfolg der Partei der Republikaner sprechen – zumal der Mond eine Verbindung mit Jupiter eingeht.

Nö.

(…) Mars und Neptun in Spannung lassen auf großen Unmut und Anfeindungen im Zusammenhang mit der Wahl schließen.

Och.

Es dürfte also ein heißer und spannender Wahltag werden.

Nicht wirklich.

Diese Verbindung könnte aber ebenso ein Hinweis auf die geplanten Attentate auf Barack Obama sein.

„Die geplanten Attentate“? Meint er das hier?

Die Wahl wird Aufsehen erregen.

Ach was!

Dazu passt auch, dass dank des Quadrates zwischen Uranus und Venus wohl nicht der Favorit gewinnen dürfte.

Nicht?

Auch eine Täuschung, ein Betrug könnte noch zum Thema der Wahl werden, denn Neptun steht in Spannung zur Venus.

Ja, hätte können.

Denkbar wären demnach Manipulationen bei der Wahl.

Ja, wären gewesen.

Am Ende des Wahltages in den USA steht auch Merkur schwierig. Auch diese Stellung steht für die große Unzufriedenheit des Volkes mit dem Ausgang der Wahl.

Huch! Also: Nee.

Komischerweise ist diese komplett in die Hose gegangene Prognose von der „Prognosen“-Seite Dietrichs verschwunden — die schon vorher abgegebene und wenig gewagte Vorhersage „Talfahrt an den weltweiten Börsen geht noch wochenlang weiter“ steht dagegen noch da.

Nachdem Obama gewählt wurde, wusste Dietrich aber plötzlich nicht nur, dass Obama gewählt wurde, sondern auch, dass man das vorher hätte wissen können: wegen der „Opposition von Saturn und Uranus“. Er schrieb:

Er hat diese Konstellation anhand geschichtlicher Daten und Ereignisse überprüft und ist zu dem Schluss gekommen, dass immer dann, wenn diese Opposition exakt wurde, vor allem links orientierte Parteien (im Falle der USA die Demokraten) mehr Zuspruch erfuhren.

(„Er“ ist Dietrich — der Mann redet von sich selbst in dritter Person, was womöglich seit ebenso vielen Generationen vererbt wird wie das zweite Gesicht.)

Entscheidend ist aber auch, dass Obamas Aszendent im Wassermann steht:

Der Wassermann-Aszendent zeigt außerdem, dass Obama gut bei den Menschen ankommt und dass er große Veränderungen anstoßen kann.

Tja: Ohne Astrologie hätte man sich womöglich auf so unzuverlässige Indizien wie die Bilder der euphorisierten Besuchermassen bei seinen Wahlkampfauftritten verlassen müssen, um zu solchen Urteilen zu kommen. Dietrichs warnendes Fazit:

Nichtsdestotrotz bleibt die aktuelle Sternkonstellation sehr kritisch. Die Bedingungen, unter denen der neue Präsident in sein Amt eintritt, sind alles andere als günstig und stabil. Die Konstellation des Wahltags spricht dafür, dass sich die Amerikaner einen ebenso tatkräftigen wie resoluten Präsidenten wünschen. Die „Werte“ der Bürger sollen dabei aber nicht auf der Strecke bleiben.

Und es gibt Menschen, die diesem Mann ernsthaft Geld dafür geben, dass er ihnen die Zukunft voraussagt oder gar in ihren „Schicksalsstrom“ eintaucht?

[via GWUP, sapere aude, ScienceBlogs]

Nachtrag, 14:20 Uhr. Herr Dietrich nimmt hier in einem Kommentar Stellung.