Das Katastrophen-Interview

Das ist zwar jetzt schon drei Tage alt, aber sol­che Dinge wer­den ja nicht wirk­lich schlecht. Sehen Sie Udo Güm­pel, Ita­li­en­kor­re­spon­dent des Rum­pel­sen­ders n-tv, im Gespräch mit zwei Über­le­ben­den des Schiffs­un­glücks von Giglio:
 

Weiß eigent­lich jemand, ob das damals auch schon die Original-Frage war, die Über­le­ben­den der »Tita­nic« gestellt wurde? Ob Wan­dern in der Eifel im Nach­hin­ein die bes­sere Wahl gewe­sen wäre?

Vorgerichterstattung und Nachverurteilung: Das Kachelmann-Urteil im Fernsehen

Repor­te­rin: Wieso äußert sich Herr Kachel­mann denn jetzt nicht vor der Presse?

Anwalt Johann Schwenn: Warum sollte er das tun? Damit Sie ihn fra­gen, wie es ihm geht?

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Eines muss man den n-tv-Leuten las­sen: Sie schaf­fen es, ihre eigene Hölle anzu­mo­de­rie­ren, als sei sie das Paradies.

Stolz und Vor­freude spie­geln sich im Gesicht von Mode­ra­tor Ulrich von der Osten, als er um 8.30 Uhr eine Son­der­sen­dung zum Kachelmann-Prozess mit den Wor­ten eröffnet:

»Um 9 Uhr ver­kün­digt die Straf­kam­mer des Land­ge­richts Mann­heim das Urteil gegen den ehe­ma­li­gen Wet­ter­mo­de­ra­tor, und wir wer­den ganz viel bis dahin auch schon nach Mann­heim schalten.«

Natür­lich hatte n-tv auch zuvor schon »ganz viel« nach Mann­heim geschal­tet, zu einem rou­ti­nier­ten und doch bemit­lei­dens­wer­ten Repor­ter namens Tho­mas Prä­kelt. Erst drei­zehn Minu­ten zuvor hat der Mode­ra­tor ihn gefragt: »Wann wer­den die ers­ten Betei­lig­ten im Gerichts­ge­bäude erwar­tet?« Und Prä­kelt hat die Schlange von Zuschau­ern vor dem Gebäude gezeigt und die »rela­tive Leere« im Foyer: »Es sind also noch nicht so viele Kol­le­gen rein­ge­kom­men«, stellt er fest, als hätte das irgend­eine Bedeu­tung für ihn, die Zuschauer, Jörg Kachel­mann, das Gericht, die Welt.

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Das tollste und schlimmste an Tagen wie die­sen ist immer die Vor­be­richt­er­stat­tung im Fern­se­hen. Der Zuschauer ist das von Sport­er­eig­nis­sen so gewohnt, dass man nicht erst anfängt, wenn es los­geht, und für einen Sen­der wie n-tv ist so ein Pro­zess (»einer der auf­se­hen­er­re­gends­ten in der deut­schen Nach­kriegs­ge­schichte«) auch nichts ande­res als ein Sport­er­eig­nis. Kon­se­quen­ter­weise bezeich­net n-tv die Urteils­ver­kün­dung als »Finale« im Kachelmann-Prozess.

8.32 Uhr, Nach­frage beim Repor­ter: »Tho­mas, was tut sich denn bei Ihnen? Herrscht so kurz vor dem Urteils­spruch wei­ter reger Andrang?« Man wünschte sich, er ant­wor­tete nur ein­mal: »Nein, Ulrich, die Leute sind jetzt plötz­lich alle nach Hause gegan­gen, um sich das lie­ber im Fern­se­hen anzusehen.«

Er weiß zu berich­ten, dass Kachel­mann »in weni­gen Minu­ten in die Tief­ga­rage des Land­ge­rich­tes ein­fah­ren wird«. Er habe den Kopf wie­der auf die Hand gestützt, so dass man sein Gesicht nicht so gut erken­nen könne: »Auch an die­sem letz­ten, fina­len Tag hat er sich der Öffent­lich­keit ver­wei­gert.« Im Gerichts­saal sei jede Form von elek­tro­ni­schen Gerät ver­bo­ten, mit dem man die Urteils­ver­kün­dung auf­neh­men könne, was streng kon­trol­liert werde, erzählt Prä­kelt und weiß auch wieso: »Ich glaube, dass YouTube und andere Ver­brei­tungs­wege sehr dank­bar wären, wenn es sowas gäbe.« YouTube und andere Ver­brei­tungs­wege, natürlich.

Zwei Stun­den spä­ter wird der n-tv-Kameramann hin­ter dem Wagen hin­ter­her­lau­fen, in dem Kachel­mann und zwei sei­ner Anwälte sit­zen. »Jeder ver­sucht natür­lich, jetzt noch­mal ein Foto von Jörg Kachel­mann in Frei­heit zu bekom­men«, erklärt Prä­kelt. Der n-tv-Kameramann beweist in dem gan­zen Chaos beson­dere Sprint­qua­li­tä­ten, erwischt den Wagen noch ein­mal an der nächs­ten Kreu­zung und filmt erneut ins Innere. Prä­kelt kom­men­tiert: »Zufrie­den, aber auch auf der Flucht vor der Öffent­lich­keit, fährt Kachel­mann jetzt nach 43 Ver­hand­lunngs­ta­gen in die Freiheit.«

Wohin genau, weiß er nicht zu sagen, es klingt aber so, als hätte Kachel­mann noch eine Ver­ab­re­dung mit dem Son­nen­un­ter­gang — und wer, wenn nicht Kachel­man, wüsste, wo der zu tref­fen ist?

Etwas spä­ter, in »Punkt 12″, nutzt Mode­ra­to­rin Katja Bur­kard die Gele­gen­heit, in die­ser wich­ti­gen Sache noch ein­mal nach­zu­ha­ken: »Tho­mas, wo ist Jörg Kachel­mann jetzt? Was wird er heute und in den nächs­ten Tagen tun, was mei­nen Sie?« Tho­mas Prä­kelt weiß es nicht, meint aber:

»Er wird sich jetzt natür­lich Ruhe gön­nen. Er wird auch seine Frau wie­der­se­hen wol­len und einige Tage der Ruhe seien ihm auch zu gön­nen nach die­sem Freispruch.«

Es bleibt unklar, was der RTL– und n-tv-Mann meint, wo Kachel­mann in den ver­gan­ge­nen Mona­ten ein­ge­ker­kert war.

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Bei der Kon­kur­renz von N24 ergibt sich nach der Urteils­ver­kün­dung die ver­wir­rende Situa­tion, dass der Sen­der zu sei­ner Repor­te­rin schal­tet, die vor dem Gerichts­ge­bäude steht und des­halb lei­der noch nicht die Frage beant­wor­ten kann, wie genau das Gericht denn seine Ent­schei­dung begrün­det habe. Gleich­zei­tig sieht man aber auf dem Split-Screen, wie Men­schen vor dem Saal, aus dem sie gerade gekom­men sind, genau das erzäh­len. Man sieht sie, aber man hört sie nicht, denn zu hören ist ja die N24-Moderatorin drau­ßen. Bis die Regie sich end­lich ent­schließt, sie ein­fach für den Moment rabiat vom Sen­der zu nehmen.

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Aus Ber­lin ist bei n-tv, wie so oft, der Medi­en­be­woh­ner Jo Gro­ebel zuge­schal­tet. Vor der Urteils­ver­kün­dung fragt ihn die Mode­ra­to­rin, ob in der Bericht­er­stat­tung über den Pro­zess oft über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen wurde. Gro­ebel antwortet:

»Ganz ehr­lich? Ich möchte auch da mit mei­nem Urteil etwas zurück­hal­tend sein.«

Um unmit­tel­bar hinzuzufügen:

»Aber mein Ein­druck ist, dass hier sehr häu­fig übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen wurde. Ich fand’s, ganz ehr­lich, atemberaubend.«

Gro­ebel hat irgend­was mit Medien stu­diert, des­halb kann er fun­diert ana­ly­sie­ren, warum die­ser Pro­zess die Men­schen und Medien so bewegt hat:

»Sex & Crime, das ist jetzt sehr flap­sig for­mu­liert, aber sehr ernst gemeint, Sex & Crime ist natür­lich immer etwas, das sehr, sehr, sehr inter­es­sant für Men­schen ist.«

Das klingt viel­leicht banal. Ande­rer­seits hätte eine Fern­seh­se­rie mit dem Arbeits­ti­tel »Dinge, die sich Jo Gro­ebel vor­stel­len kann« durch­aus große sur­reale Momente:

»Ich kann mir gut vor­stel­len, dass [Kachel­mann] im Sinne einer Fast-Rehabilitation auch für sich selbst durch­aus vor die Kamera strebt. Nicht als der nette Mann, aber viel­leicht als ein Talk­mas­ter für eine Gesprächs­runde, in der schwere mensch­li­che Dra­men her­aus­kom­men. Und da weiß er dann wahr­lich, was er fra­gen muss und wovon er spricht.«

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Einig ist sich Gro­ebel den­noch mit unge­fähr allen Fern­seh­leu­ten, dass Kachel­mann trotz oder wegen des Frei­spruchs, den ins­be­son­dere RTL kon­se­quent als »Frei­spruch zwei­ter Klasse« bezeich­net, erle­digt ist:

»Kachel­mann hat nicht nur einen Karriere-Knick, der hat einen kom­plet­ten Karriere-Einbruch, eine Karriere-Katastrophe erlebt.«

ZDF-Vormittags-Frau Nadine Krü­ger for­mu­liert in »Volle Kanne« volle Kanne:

»Gibt es eine Ent­schä­di­gung für den ver­lo­re­nen Ruf? Die Kar­riere ist ja nun hin, das kann man ja so sagen.«

Bei n-tv wusste die Mode­ra­to­rin das schon mor­gens um sechs in den (offen­kun­dig auf­ge­zeich­ne­ten) Nachrichten:

»Eines ist klar: Ob das Ergeb­nis nun gut oder schlecht aus­fällt für Kachel­mann — Spott und Ver­ach­tung wer­den bleiben.«

Es ist eine typi­sche Form einer sich selbst erfül­len­den Pro­phe­zei­ung: Je häu­fi­ger Medien behaup­ten, dass Kachel­manns Rück­kehr auf den Bild­schirm undenk­bar ist, desto wahr­schein­li­cher ist es, dass das schließ­lich auch stimmt.

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Aber für irgend­eine Form von Selbst­re­fle­xion ist an die­sem Vor­mit­tag keine Zeit, geben wir lie­ber noch ein­mal zu Tho­mas Prä­kelt, der vor dem Gerichts­saal gerade in Bezug auf Kachel­manns Anwalt Johann Schwenn formuliert:

»Ver­tei­di­gung ist Krieg.«

Und Medi­en­be­richt­er­stat­tung, mut­maß­lich, auch. Bei RTL gibt man sich jeden­falls alle Mühe, den Ein­druck zu erwe­cken, Kachel­mann sei jeden­falls ein Täter. Gleich in der ers­ten Minute von »Punkt 12″ heißt es zwei­mal: »Sie konn­ten ihm die Tat nicht nach­wei­sen« bzw.: »Man konnte ihm die Ver­ge­wal­ti­gung nicht nach­wei­sen« — so als habe sie zwei­fel­los stattgefunden.

Die Zusam­men­fas­sung des Pro­zess­ver­lau­fes ist dann bemerkenswert:

Off-Sprecher: Zuerst sah es so aus, als würde sich die Schlinge um [Kachel­manns] Hals immer wei­ter zuzie­hen. Rein­hard Bir­ken­stock war Kachel­manns Ver­tei­di­ger. Doch er hatte immer wie­der Pro­bleme, sei­nen Man­dan­ten als glaub­wür­dig darzustellen.

Bir­ken­stock: Die­ser Pro­zess (…) wird zu dem Ergeb­nis kom­men, dass Jörg Kachel­mann unschul­dig ist.

Off-Sprecher: Obwohl genau das jetzt ein­ge­trof­fen ist: Kachel­mann ist offen­bar unzu­frie­den, wech­selt den Anwalt.

Das ist eine hüb­sche Ver­rü­ckung des Zeit-Kontinuums sowie der Kau­sa­li­tä­ten: Obwohl Kachel­mann heute frei­ge­spro­chen wurde, hat er damals den Anwalt gewechselt.

Wei­ter im Text:

»Kachel­mann punk­tet immer mehr. Und die Neben­klä­ge­rin, das angeb­li­che Opfer Sabine W., gerät, wie es aus­sieht, immer mehr in die Situa­tion, bewei­sen zu müs­sen, dass sie Opfer ist.«

Sie geben sich bei RTL also offen­sicht­lich Mühe, dass die vor­pro­du­zier­ten Bei­träge sich nicht zu posi­tiv von den hek­ti­schen Live-Berichten abset­zen. Und Katja Bur­kard for­mu­liert den hüb­schen Satz:

»Dann stür­men Jour­na­lis­ten aus dem Saal, um die Nach­richt wie ein Lauf­feuer zu verbreiten.«

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Bei n-tv hatte sich die Mode­ra­to­rin, als alles vor­bei war und alle alles gesagt hat­ten, von dem Repor­ter mit den Wor­ten verabschiedet:

»Vie­len Dank für den Moment. Und wir behal­ten die Lage in Mann­heim natür­lich wei­ter im Auge.«

Man weiß nicht, was da noch hätte pas­sie­ren kön­nen. Aber als Abmo­de­ra­tion passt das natür­lich immer. Ob da in Mann­heim ein Haus brennt, ein Kind weint oder ein Pro­zess zuende geht.

Käßmann

Das Gute an der Sache war, dass man end­lich ein­mal erfuhr, wie das eigent­lich aus­sieht, was Frau Käß­mann da über­fah­ren hatte: eine »rote« »Ampel«. Der Fern­seh­sen­der n-tv hatte Film­auf­nah­men von meh­re­ren Exem­pla­ren auf­ge­tan und zeigte sie viele Dut­zend Mal in einer Dau­er­schleife, zusam­men mit Archiv­bil­dern von Autos, Poli­zis­ten, ande­ren Autos, ande­ren Poli­zis­ten und einer Szene, bei der jemand der Bischö­fin ein Glas Was­ser ein­gießt. Auf­grund einer Panne konnte n-tv am Mitt­woch nicht live die Rücktritts-Pressekonferenz über­tra­gen. Also schal­tete der Sen­der nach Ber­lin statt nach Han­no­ver und ließ dort Hei­ner Bre­mer in sei­ner gewohnt ros­ti­gen Art spe­ku­lie­ren, was Käß­man wohl »gleich in der Pres­se­kon­fe­renz« tun wird, die längst auf N24 und Pho­enix lief.

Nun erweckt der Rum­pel­sen­der schon an guten Tagen den Ein­druck, man hätte viel­leicht ein halb­wegs ordent­li­ches Nach­rich­ten­pro­gramm machen kön­nen, wenn bloß nicht dau­ernd die Nach­rich­ten dazwi­schen gekom­men wäre. Die­ses end­lose Nichts aber hatte selbst für n-tv-Verhältnisse eine eigene Qua­li­tät. Bre­mer mut­maßte hin­ter dem Rück­tritt einen Rache­akt von Schei­dungs­geg­nern in der Kir­che und meinte, Käß­mann hätte als Alko­hol­sün­de­rin »glaub­wür­di­ger vor Alko­hol war­nen kön­nen«. Mode­ra­to­rin Petra Schwar­zen­berg ana­ly­sierte ähn­lich steil: »Der Schuss ist nach hin­ten los­ge­gan­gen: Sie wollte Reue zei­gen, und gleich­zei­tig bedau­ern jetzt alle den Ver­lust.« Exper­ten­imi­ta­tor Jo Gro­ebel erklärte, es sei »von außen ganz schwer zu beur­tei­len«, ob der Rück­tritt not­wen­dig war, aber »wir werden’s ja gleich hören«, und man könne gar nicht spe­ku­lie­ren, wer Käß­mann jetzt fol­gen werde, aber: »Wahr­schein­lich eine mode­ra­tere Per­sön­lich­keit.« Der n-tv-Internetreporter berich­tete, dass es bei Twit­ter unter­schied­li­che Mei­nun­gen zum Thema gebe.

Nach zwan­zig Minu­ten, in denen die Mode­ra­to­rin um ebenso viele Jahre geal­tert war, stand end­lich die Lei­tung nach Han­no­ver. Der Repor­ter berich­tete live aus dem Raum, in dem Käß­mann gerade ihren Rück­tritt erläu­tert hatte, ihre Stimme sei »brü­chig« gewe­sen. Petra Schwar­zen­ber­ger sagte dann zu ihm: »Sie haben ja sicher schon Reak­tio­nen der Bür­ger in Han­no­ver ein­ge­fan­gen, bevor die Mit­tei­lung bekannt war.« Und er erwi­derte: »Die Reak­tio­nen davor wer­den genau so sein wie sie jetzt auch sein wer­den: gespal­ten«. Es war wie­der All­tag ein­ge­kehrt bei n-tv.







© Frank­fur­ter All­ge­meine Sonntagszeitung

Super-Symbolfotos (70)

Wenn’s der ARD pas­siert wäre, könn­ten die Kol­le­gen ver­mut­lich ein hal­bes gäh­nen­des Som­mer­loch damit stop­fen. Aber bei n-tv fehlt dann wohl doch die Fallhöhe.


(Hier als Video.)

[ein­ge­sandt von Frank — Danke!]

Nach­trag, 22:00 Uhr. Für Sat+Kabel und Bild.de hat’s dann doch gereicht.

»Fragen stellen ist nun mal unser Beruf«

Wenn in Zukunft jemand fragt, was das eigent­lich ist, was wir in Deutsch­land anstelle eines Nach­rich­ten­sen­ders haben, wird man ihm nur die­sen Aus­schnitt zei­gen müssen.

Es ist fast, als hätte ein Sati­ri­ker ein Dreh­buch geschrie­ben, um in knapps­ter Form all die Kata­stro­phen die­ser Art von »Bericht­er­stat­tung« bloß­zu­stel­len — bis hin zu der Iro­nie, dass n-tv, wäh­rend der Mann am Tele­fon davor warnt, sofort unkom­men­tierte Bil­der vom Tat­ort zu zei­gen, in der Dau­er­schleife unkom­men­tiert Bil­der vom Tat­ort zeigt.

[via Alex­an­der Svens­son, dem auch ein Detail im Lauf­band auf­ge­fal­len ist]

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Der ähn­lich ein­drucks­volle Live-Bericht einer RTL-Reporterin aus Win­nen­den bei »Punkt 12″ (»Es ist Wahn­sinn, hier blin­ken die Lich­ter. Man hat nicht erwar­ten kön­nen, dass ein sol­ches Groß­er­eig­nis hier heute ein­tritt. Es ist hier ein Chaos vom Feins­ten!«) ist bei YouTube übri­gens nicht mehr zu sehen. Statt­des­sen heißt es:

Das Merk­wür­dige daran ist, dass RTL beteu­ert, keine Löschung ver­an­lasst haben. Bei YouTube heißt es dage­gen, der Hin­weis, der anstelle des Videos ange­zeigt wird, sei kor­rekt. Genauere Aus­künfte gibt die Firma Google, zu der YouTube gehört, tra­di­tio­nell nicht. Auch auf noch­ma­lige Frage kann man sich bei RTL den Vor­gang nicht erklären.

Viel­leicht könnte jemand, der den Aus­schnitt zufäl­lig hat, ihn noch­mal hoch­la­den? (Oder ein­fach mir schicken.)

Nach­trag, 17.50 Uhr. Georg hat mir freund­li­cher­weise den Auf­tritt geschickt, so dass man ihn sich jetzt wie­der anse­hen kann:

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Unbe­dingt in Erin­ne­rung blie­ben sollte von der media­len Auf­be­rei­tung die­ses Ereig­nis­ses auch die »ZDF-Reportage« zum Thema, die nicht unter den hek­ti­schen Bedigun­gen einer Live­sen­dung ent­stand, son­dern am dar­auf­fol­gen­den Sonn­tag aus­ge­strahlt wurde.

Spre­cher: Tim K., der Amok­läu­fer. Wenig erfährt man über ihn und seine Fami­lie in den Tagen nach der Tat. Die meis­ten Men­schen in Win­nen­den sind Repor­tern gegen­über sehr zurück­hal­tend. Das Eltern­haus von Tim K. am Abend nach dem Amok­lauf. (…) Die Fami­lie wird als wohl­ha­bend und eher zurück­hal­tend beschrie­ben. Bei Nach­barn wol­len wir nachfragen.

Repor­ter: Bei die­ser Woh­nung, wo da noch Licht brennt, ist das Ihre Woh­nung? Dann würde ich da natür­lich nicht noch­mal klin­geln wollen.

Nach­ba­rin: Nein, Sie dür­fen im gan­zen Haus nicht klin­geln. Ich ver­biete Ihnen des.

Spre­cher: Dis­tanz überall.

Repor­ter: (an einer Tür) … okay, gut, dann ent­schul­di­gen Sie die Stö­rung, ich Danke Ihnen.

Spre­cher: Report­er­schick­sal. Win­nen­den will Ruhe. Aber Fra­gen stel­len ist nun mal unser Beruf.

Repor­ter: (an einer ande­ren Tür) … natür­lich. Danke schön.

Spre­cher: Deutsch­land will daheim am Fern­se­her Neu­ig­kei­ten sehen, aber in Win­nen­den möchte kei­ner von Repor­tern an der Haus­tür beläs­tigt wer­den. Auch wir spü­ren den Unmut der Nachbarn.

Repor­ter: (an einer wei­te­ren Tür) …gut, dann haben wir nicht län­ger gestört, danke schön.

Spre­cher: Recht­schaf­fene Leute seien Tims Eltern, hören wir, als die Kamera nicht läuft. Ein paar Kilo­me­ter vom Wohn­ort hat der Vater einen Zulie­fer­be­trieb für Ver­pa­ckun­gen. Damit schir­men die Mit­ar­bei­ter jetzt die Fens­ter ab. Nie­mand möchte sich zei­gen oder gar mit ihnen sprechen.

Repor­ter: (zu einem Mann, der gerade mit dem Auto vor dem Haus geparkt hat) Schö­nen guten Tag, dür­fen wir Sie ganz kurz stö­ren? Sie sind sicher­lich ein Kunde des Hauses.

Pas­sant: Ich geb dazu keine Antwort.

Repor­ter: Wie geht’s Ihnen heute mit der Situation?

Die Sen­dung kann man sich in der ZDF-Mediathek anse­hen — die­ser Aus­schnitt ab ca. 13.15 Minuten.

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