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„Es ist manchmal so schlicht, wie man’s unterstellt“

20 Nov 12
20. November 2012

Ich habe jetzt herausgefunden, warum ich schlecht über Markus Lanz schreibe: Weil er vor fünf Jahren die Anfrage, einen Gastbeitrag für BILDblog zu schreiben, abgelehnt hat.

Ich hatte das längst vergessen. Lanz nicht. Und so kam es, als er kurz vor seiner ersten „Wetten, dass“-Sendung beim österreichischen Radiosender Ö3 zu Gast war, zu folgendem Dialog:

Claudia Stöckl: Jetzt hast du auch schon in einem „Focus“-Interview gesagt: Eigentlich spürst du schon lange, seit du in der Fernsehbranche bist, man bekommt Dresche. Die Kritik ist hart. Das merkst du jetzt, glaub ich, besonders. Es gibt Leute, die sagen, sie trauen dir das nicht zu. Und da gibt es ja diesen „Spiegel“-Redakteur, den Stefan Niggemeier, der einen ganz bösen Blog über dich geschrieben hat. Zum Beispiel hat er geschrieben: „Es sind ja nicht nur diese Posen, das Finger-an-den-Mund-legen, der Dackelblick, dieses sich Spreizen, die Witzelsucht, die konsequente Unterforderung des Zuschauers, die persönlichen Zudringlichkeiten, die Phrasen, die Wichtigtuerei, das ganze streberhafte Gehabe.“ Ja, also, er hat’s ganz böse über dich geurteilt.

Lanz: Das war ein Pamphlet!

Stöckl: Kann man dich vergiften so? Im Sinne: Trifft dich dieses Gift?

Lanz: Ich beschäftige mich, ehrlich gesagt, nicht damit, aber speziell in seinem Fall habe ich eine Vermutung, diesem Menschen mal wirklich auch das Gewicht zu geben, das er eigentlich in meinem Leben nicht hat. Der hat vor vielen Jahren mich mal angefragt, ob ich an seinem Anti-„Bild“-Zeitungs-Blog mitwirken möchte. Ich hab damals zu ihm gesagt, ich mache das nicht. Ich habe kein Interesse daran, in irgendeiner Form gegen die „Bild“-Zeitung zu hetzen, genauso wenig wie ich ein Interesse daran habe, mich mit der „Bild“-Zeitung gemein zu machen. Ich hab mein journalistisches Handwerk gelernt und versuche immer, so ne gewisse Distanz zu wahren. Und als ich das so gelesen hab, hatte ich schon das Gefühl: Da sind noch ein paar alte Rechnungen offen. Es ist manchmal so schlicht, wie man’s unterstellt.

Ich habe, als ein Kommentator mir diese Stelle vorhielt, natürlich erst alles abgestritten: Lanz, am BILDblog mitwirken, wie lächerlich ist das denn?

Dann fiel mir ein, worauf er sich beziehen könnte. Ende 2007 haben wir viele bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten gefragt, ob sie für uns einen Gastbeitrag schreiben, als „BILDblogger für einen Tag“ für unsere damalige Adventsaktion. Darunter war auch Markus Lanz (oder „Mario Lanz“, wie es auf einer Liste mit über 50 Namen von Wunsch-Teilnehmern steht), damals noch Moderator des RTL-Sprengstoffmagazins „Explosiv“.

Ich habe sogar die Mail wiedergefunden, die ich damals an den RTL-Pressesprecher geschickt hatte:

Von: Stefan Niggemeier [mailto:stefan.niggemeier@bildblog.de]
Gesendet: Donnerstag, 29. November 2007 16:02
An: Körner, Christian [RTL Television]
Betreff: Anfrage für Markus Lanz / BILDblogger für einen Tag

Lieber Herr Körner,

darf ich Sie mal als Boten missbrauchen? Könnten Sie für mich die folgende Anfrage an Markus Lanz weiterleiten? Das wäre supernett!

Vielen Dank,
schöne Grüße
Stefan Niggemeier

Lieber Herr Lanz,

wir brauchen Sie. Für unsere große, natürlich 24-teilige Adventsaktion „BILDblogger für einen Tag“.

Unser Weihnachtswunsch ist es, im Advent jeden Tag einen anderen Gastautor zu präsentieren, der uns einen BILDblog-Eintrag schenkt. Der aufschreibt, was ihm an der „Bild“-Zeitung aufgefallen ist: die kleinen Merkwürdigkeiten oder das große Schlimme. Das können Fehler oder journalistische Entgleisungen des jeweiligen Tages sein, aber auch grundsätzliche Ärgernisse oder Gedanken zur „Bild“-Zeitung, was Sie immer schon mal bloggen wollten — am liebsten natürlich mit Bezug zur aktuellen „Bild“-Ausgabe. Gerne im BILDblog-Stil, gerne aber auch ganz anders: in der Form und Länge, die Sie sich wünschen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie dabei wären. Können Sie sich das grundsätzlich vorstellen? Wenn Ja: Sagen Sie uns schnell Bescheid, damit wir gemeinsam nach einem passenden Termin suchen können. Und wenn Sie noch zögern, sagen Sie uns, was Sie zweifeln lässt — wir überreden Sie gern (mit guten Argumenten natürlich und mit Details über das Wie, Mit Wem und Warum).

Eine Antwort von Lanz habe ich nicht gefunden, und ich kann mich nicht erinnern, ob Lanz oder der RTL-Pressesprecher telefonisch abgesagt haben. Fest steht nur: Markus Lanz war damals nicht dabei, beim „Hetzen“ gegen die „Bild“-Zeitung.

Und deshalb schreibe ich heute schlecht über Markus Lanz. Woran soll es auch sonst liegen? An seinen Moderationen?

Manchmal ist es so schlicht, wie man’s unterstellt.