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Was vom Oslog übrig blieb

Es ist ein verstörender Blick hinter die Kulissen. Erstmals wird die ganze grausame Wahrheit hinter der glatten Fassade einer „lustigen“ Videoproduktion sichtbar: all die Witzleichen und abgebrochenen Pointenversuche, der Wahn, der Rausch, die Gier, notdürftig kaschierte menschliche Abgründe, die sich zwischen den Protagonisten auftun, endlose Wiederholungen und immer wieder: Schweigen.

In der ersten Folge der neuen Reality-Reihe „Oslog: The Outtakes“ sehen Sie:

  • wie Lukas mir was hustet
  • warum wir die Siegfried & Roy des deutschen Internet-Fernsehens sind
  • wie man eine Fähre verschwinden lässt
  • warum Lena Meyer-Landrut in Oslo nicht ausschlafen musste und Sie das im Zweifel auch schaffen
  • wieviel Lukas mit den Beinen baumelt
  • wie eine zwielichtige Gestalt am Bahnhof uns unsere Kamera (fast) und unsere Konzentration (ganz) raubt
  • warum Lukas und ich bald verwandt sein werden
  • was sich alles Schlechtes über Dinslaken sagen lässt
  • was Stefan Raab von RTL-Zuschauern hält
  • und vieles mehr

Andererseits besteht das Filmchen überwiegend daraus, dass wir sinnlos vor uns hin kichern, was bekanntlich für andere nie so lustig ist, wie man selber glaubt.

Bedenken Sie also, dass es jeweils gute Gründe gab, all das, was da zu sehen ist, nicht in einer der regulären Oslog-Folgen zu zeigen. Und beschweren Sie sich hinterher nicht, dass Sie die knapp zehn Minuten Ihrer Lebenszeit zurückhaben wollen. Ich habe Sie gewarnt!

Ohne Windschutz in Oslo


Zeichnung: Elias Hauck (ursprünglich für die „taz“)

Bevor hier das Alltagsgenörgel wieder losgeht, muss ich noch ein bisschen vom Oslog schwärmen. War das anstrengend! Hat das einen Spaß gemacht!

Ich hatte vorher überhaupt keine Erfahrung mit Filmen und Schneiden, Lukas hat immerhin schon diverse Familienfeste und -reisefilme gedreht und geschnitten und Beiträge für „Coffee And TV“ produziert. Aber natürlich sind es lächerlichste Anfängerfehler, zwar mit einer supermodernen Kamera nach Oslo zu reisen, aber nicht die Paareurofünfzig für einen Windschutz und ein Stativ auszugeben. Deshalb sind wir zum Beispiel einen Abend ungefähr eine Stunde lang hilflos um die Oper herumgeirrt auf der (vergeblichen) Suche nach einem Ort, wo wir die Kamera so abstellen können, dass wir vor dem fantastischen Gebäude im Bild sind. Und deshalb sieht man in der letzten Folge auch nur die Spitze des Segelschiffes hinter uns. Andererseits mag ich die schrägen Perspektiven, die sich dadurch ergeben, dass die Kamera irgendwo auf dem Boden liegt (oder, wie man am Anfang von Folge 6 sieht, auf anderen zufällig gerade verfügbaren Utensilien).

Interessant war auch die Erfahrung, vom Moderationsdreh vor dem Schloss in Oslo nach Hause zu kommen und zu bemerken, dass ein fieses Störgeräusch auf unseren ganzen Aufnahmen liegt. (In den 20 Minuten, bis wir gemerkt haben, dass es nur auf einem der beiden Tonkanäle liegt, bin ich um ca. 20 Jahre gealtert.)

Aber wir haben versucht, den Mangel an Professionalität durch Spaß an der Sache auszugleichen, und ich bin ein bisschen stolz, wie gut das funktioniert hat.

Wir hatten vorher ungefähr nichts geplant, und der Ausdruck „unvorbereitet“ ist fast ein Euphemismus für unsere Zwischenmoderationen. Erschreckenderweise (und vermutlich aufgrund der zunehmenden Müdigkeit) wurden wir auch nicht besser, sondern schlechter im Auf-den-Punkt-Kommen, weshalb das Rohmaterial Tag für Tag länger wurde. Abends setzten wir uns dann ins Hotelzimmer, lernten schmerzhaft die komplizierten orts- und zeitabhängigen Regeln für die Verfügbarkeiten von Bier in Norwegen kennen, überspielten unsere endlosen Aufnahmen, sichteten den Stoff und schnitten uns einen Wolf. Ich fürchte, man kann die Folgen, die wir nicht von 20 bis 0 Uhr, sondern von 23 bis 3 Uhr geschnitten haben, ganz gut erkennen.

Der Export der letzten Folge am Sonntag nach YouTube war ziemlich genau zehn Minuten, bevor der Zug zum Flughafen abfuhr, fertig — was angesichts von sieben Minuten Fußweg und zweieinhalb Minuten Kampfzeit mit dem Ticketautomaten unnötig aufregend war. (Und vielleicht kann ich bei dieser Gelegenheit noch darauf hinweisen, dass ich vor meiner „Satellite“-Performance vor dem Hauptbahnhof knapp vier Stunden geschlafen hatte, was man an meinen Augen ganz gut erkennen kann, und dass Lukas mit eineinhalb in die Kamera genuschelten Strophen als Einlösung meines Wetteinsatzes völlig zufrieden war.)

Vermutlich erschließt sich auch höchstens ein Bruchteil der, nun ja: Pointen. Aber uns hat es einen riesigen Spaß bereitet, die Schnipsel überraschend zu montieren und jeweils eine Szene herauszusuchen, die sich eignet, als Pre Roll noch vor den Vorspann zu kommen. Und dadurch, dass wir Oslog.tv auf eigene Faust gemacht haben und nicht an irgendeine Zielgruppe oder die Bedenken irgendwelcher Auftraggeber denken mussten, konnten wir so albern sein, wie wir wollten. Und wir konnten die virtuelle Heimat einfach von einem genialen Verrückten wie Herm gestalten lassen.

Für mich ist oslog.tv ein weiteres Beispiel für die großartigen neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung und das Internet bieten. Es ist heute so einfach, Dinge zu produzieren und zu publizieren, für die vor Jahren noch ein riesiger, teurer Apparat nötig war. Wir haben alles an einem einfachen MacBook geschnitten und mithilfe von YouTube und WordPress veröffentlicht. Selbst deutsche Untertitel bei der Folge mit dem finnischen Pyrotechniker lassen sich bei YouTube inzwischen ganz leicht einblenden (wie ich nach nicht viel mehr als 17 gescheiterten Versuchen herausfand).

Das Ergebnis mag (anders als das offizielle Videoblog, das die sehr geschätzten Kollegen von Freeeye.tv für den NDR produziert haben, der es tief in den Sackgassen von eurovision.de versteckte) nicht fernsehtauglich sein, aber ich glaube, es ist sehr internettauglich. Und auf die Gefahr hin, dass das arrogant klingt: Das Gefühl, das alles mehr oder weniger selbst gemacht zu haben, ist — trotz aller Pannen, Schwächen, Fehler und Anstrengungen, die das bedeutet hat — sensationell.

Lukas und ich sind immer noch ganz besoffen von der überwältigenden Resonanz unter anderem in den Kommentaren. Und falls jemand an Zahlen interessiert ist: Auf YouTube ist das Video mit unserem Lena-Interview über 50.000 mal angesehen worden; oslog.tv hatte bis jetzt rund 120.000 Besucher. Davon kamen die wenigsten über Google, und wenn doch, suchten sie meistens nach „oslog“.

Ob wir, nachdem wir und andere daran so viel Spaß hatten, auch von anderen Veranstaltungen in ähnlicher Form berichten werden, steht noch in den Sternen. Ich glaube, dass sich der Grand Prix ganz besonders gut für einen solchen Zugang zum Thema eignet und es bei anderen Anlässen schwieriger werden könnte. Als nächstes basteln wir erst einmal an einer weiteren Oslog-Folge den Outtakes (oder genauer: mit den Outtakes, die es nicht ohnehin schon in die Videos geschafft haben…).

Und dann müssen wir einen Weg finden, dass Herr Heinser diese ganzen Grand-Prix-Nummern aus dem Kopf bekommt. Gestern Nacht, sagt er, sei er mit dem estnischen Beitrag im Ohr aufgewacht. Schweißgebadet, nehme ich an.

Showhasen unter sich

Das Beunruhigende an unserem exklusiven Interview mit Lena Meyer-Landrut finde ich ja, dass diese schreckliche braune Konferenzzimmeratmosphäre und dieses lächerliche Mikrofon und meine amateurhafte Kameraführung dazu führen, dass die Szenen ästhetisch wirken, als stammten sie aus einer schwer öffentlich-rechtlichen Siebziger-Jahre-Dokumentation über das Leben in einer WG oder so.

Außerdem in der aktuellen Ausgabe von Oslog.tv: Knallharte investigative Fragen von mir an den diesjährigen deutschen Jury-Präsidenten und Punkte-Verleser Hans-Peter Wilhelm Kerkeling.

Lena und die Nööööööte von RTL

Von Lena Meyer-Landrut weiß man, dass sie keine privaten Fragen beantwortet. RTL aber ist ein Privatsender. Bei der ersten Pressekonferenz der deutschen Delegation in Oslo kam es zu einer Art Showdown.

RTL-Reporterin: Wer aus Ihrer Familie ist dabei, wer unterstützt Sie? Und wie wichtig ist es tatsächlich, auch jemanden aus der Family dann hier zu haben?
Lena: Nööööööt.
Stefan Raab: Man muss auch nicht jede Scheiße beantworten, Lena.
Lena: Nein, nein. Das beantworte ich nicht.
RTL-Reporterin: Familie zur Unterstützung dabei zu haben, findet Ihr scheiße?
Lena: Nein, die Frage. Also die Familienfrage an sich.
RTL-Reporterin: Okay. Also Familie ist immer Tabu?
Lena: M-h!
Stefan Raab: Joa, muss Frauke Ludowig halt mal ohne so’n Käse auskommen. Müsst ihr euch was anderes aus der Nase ziehen. Irgendwie Häuser-Versteigerungssendungen oder sowas.

Die Szene und vieles mehr — in der dritten Folge von Oslog.tv: „Sha-La-Lena“

Google wusste schon im Januar: Lena siegt

Das ist schon toll, dieses Google. Traut sich aufgrund der Suchanfragen und Werweißwasfürwelcherdaten sogar eine tägliche Prognose zu, wer die meisten Stimmen vom Publikum beim Eurovision Song Contest gewinnen wird: unsere Lena!

Ungefähr alle deutschen Medien sind voll davon. Denn wenn es einer wissen muss, dann ja wohl Google. Toll an dem Eurovisions-Prognose-Tool ist, dass man die Grafik mit der Maus nach rechts schieben und auf diese Weise verfolgen kann, wie sich die Popularität der verschiedenen Kandidaten im Lauf der Zeit verändert hat. Anscheinend lag Lena schon vor einem Monat vorne:

Und schon am Tag, als sie den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix gewonnen hatte:

Und bereits Anfang Februar, als die erste Sendung von „Unser Star für Oslo“ lief.

Ja, selbst Anfang Januar, als die deutschen Fernsehzuschauer Lena Meyer-Landrut bestenfalls aus zweifelhaften Serien von RTL kannten, konnte Google aus den damaligen Suchanfragen schon lesen, dass sie beste Chancen auf den Sieg beim Eurovision Song Contest hatte:

Erstaunlich.

Und woher wusste das Google damals schon? Klar: Weil deren Street-View-Wagen in Hannover versehentlich die Zukunft mit aufgenommen hatte.

(Entdeckt von „Oslog“-Leser Heiko — drüben, auf oslog.tv, habe ich auch noch was über den ganzen Wettfavoriten-Wahn geschrieben.)

Oslo – wir kommen!

Ich habe in meinem Leben schon ganz schön viel über den Eurovision Song Contest geschrieben ((„Unser Mann in Birmingham“, SZ, 28.02.1998)) ((„Gaga? Nur äußerlich!“, SZ, 18.2.2000)) ((„Die Welt versteht uns“, SZ, 21.2.2000)) ((„Der Mann, der nur Spaß vesteht“, SZ, 11.05.2000)) ((„Aufstand alter Männer“, SZ, 15.05.2000)) ((„Deutsche Leitmusik“, SZ, 10.01.2001)) ((„König der Zwerge“, SZ, 21.02.2001)) ((„Waterloo“, SZ, 05.03.2001)) ((„Lustig, lustig, tralalalalaaa“, SZ, 10.05.2001)) ((„Aber hallø!“, SZ, 12.05.2001)) ((„Europa wählt amerikanischen Funk“, SZ, 14.05.2001)) ((„Ein bisschen Soufflé“, FAS, 24.02.2002)) ((„Wie ‚Bild‘ Corinna May vor Männern schützt“, FAS, 19.05.2002)) ((„Bernd Meinunger: Höchstens ein bißchen Frieden“, FAZ, 23.05.2002)) ((„Ralph Siegel: He can’t live without music“, FAZ, 25.05.2002)) ((„Time to say goodbye“, FAZ, 27.05.2002)) ((„Sterne, die nicht gleich verglühen“, FAS, 31.01.2010)) ((u.v.a.m.)). Aber eines habe ich noch nie gemacht: ein Videoblog.

Bis jetzt. Zusammen mit Lukas berichte ich aus Oslo über die diesjährige Ausgabe der wahrscheinlich größten unwichtigen Veranstaltung der Welt. Markus „Herm“ Herrmann hat uns ein bezauberndes Heim eingerichtet für unser… Oslog!

Wir wollen versuchen, uns dem Ereignis in angemessener Form zu nähern: gut gelaunt und unverkrampft, neugierig, mit ein bisschen Distanz, aber Lust am Quatsch: dem der Veranstaltung und unserem eigenem. Die Pilotfolge, „Auf dem Lena-Meyer-Landweg zum Grand Prix“, soll davon schon einen Vorgeschmack geben.

(Bitte beachten Sie unbedingt, wie wir bei 2:31 mit fast beunruhigender Synchronizität „Nicole“ sagen.)

Alles weitere ab sofort unter oslog.tv.