Bislang waren die Fotomontagen im MS-Paint-Stil, mit denen Peter Turi seine Medienlinkliste turi2.de illustriert, nur bizarr. Diese hier ist — bei aller berechtigten Empörung, dass Christoph Mohn an der Einstellung von Lycos Millionen verdient, während 500 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren — indiskutabel:
Turi Frutti bei Bild.de
Vielleicht sind Sie auch über den Artikel von Peter Heinlein gestolpert, den Medienexperten der »Bild«-Zeitung, der heute in seiner Bild.de-Kolumne meldet:

Und für den Fall, dass Sie sich nicht nur gefragt haben: »Liest das denn keiner nochmal, bevor das veröffentlicht wird?« (nein), sondern auch: »Hä?«, will ich gerne versuchen zu erklären, was Peter Heinlein damit sagen wollte — oder genauer: Was er hätte …
Ersatzlektüri2
Vorgestern Abend war dieser BILDblog-Eintrag der meistgeklickte Link bei turi2. Das ist eine feine Sache, denn turi2 ist ein Internetangebot, das nach Angaben von turi2 »werktäglich von 4.000 — 5.000 Medienmachern besucht« wird (genau genommen von Medienmachenlassern, denn turi2 sagt, es handele sich bei diesen Menschen um »Vorstände, Geschäftsführer, Verleger, Chefredakteure, Programmchefs, Online-Chefs, Marketingleiter«).
Zweimal täglich produziert turi2 Linklisten mit Nachrichten zu Medienthemen. Rund 50 Links stecken da jeweils drin. Und keiner davon wurde von den tausenden turi2-Lesern am Mittwochabend so häufig geklickt wie derjenige, der zu BILDblog führte.
Und wie oft wurde er geklickt? 43 mal.
Und am nächsten Tag: 42 mal.
Die Leute lesen turi2 also nicht, um auf diese Weise interessante Artikel zu finden; sie lesen …
Wenn »Bild« das schreibt, wird’s stimmen
Kommen wir zu weiteren Antworten auf die beliebte Frage: »Wer glaubt schon, was in der ›Bild‹-Zeitung steht?«
Die Nachrichtenagentur AP glaubt es. Sie übernahm bekanntlich aus »Bild« die ebenso doofe wie falsche Behauptung, das »Gerangel um die Aust-Nachfolge … zieht offensichtlich auch die Auflage [des ›Spiegel‹] nach unten«, die »Bild« zufällig einfiel, nachdem der »Spiegel« über den Auflagenrückgang von »Bild« berichtete.
Die »taz« glaubt es auch. Sie ließ die Quelle »Bild« weg, machte sich die Interpretation aber zu eigen und vermeldete sie sogar unter der Überschrift »Nach Posse um Chefredaktion / »Spiegel«-Verkauf bricht ein«:
(…) Die Einzelverkäufe sind im vierten Quartal 2007 auf 337.500 Exemplare gesunken. (…) Ein Einbruch von fast 20 Prozent und das schlechteste Ergebnis seit 2003. Möglicherweise …
Massenphänomen Recherchophobie
Die Faulheit von Journalisten, ihr Widerwille, schnell mal anzurufen und nachzufragen bei demjenigen, über den man etwas schreibt, ist grenzenlos. Zugegeben: Ich kenne das von mir selbst. Und ich erlebe es gerade von der anderen Seite, als Gegenstand der Berichterstattung.
Peter Turi hat heute morgen als einer der ersten die Pressemitteilung des »Stern« aufgegriffen, dass Anke Engelke und Christoph Maria Herbst ab morgen im Fernsehen für BILDblog werben. Er fügte den »Stern«-Informationen den Satz hinzu:
Wer die Schaltkosten zahlt oder spendiert — unklar.
Klingt gut. Klingt nach: »War nicht in Erfahrung zu bringen.« Oder nach: »Wollte niemand sagen.« Heißt aber in Wahrheit nur: »Stand nicht in der Pressemitteilung des ›Stern‹, und ich hatte keine Lust, nachzufragen.«
Die Wahrheit ist: Wir bezahlen die Schaltkosten …

