Archiv zum Stichwort: Peter Turi

turi2 nimmt Christoph Mohn ins Visier

26 Nov 08
26. November 2008

Bislang waren die Fotomontagen im MS-Paint-Stil, mit denen Peter Turi seine Medienlinkliste turi2.de illustriert, nur bizarr. Diese hier ist — bei aller berechtigten Empörung, dass Christoph Mohn an der Einstellung von Lycos Millionen verdient, während 500 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren — indiskutabel:

Turi Frutti bei Bild.de

05 Aug 08
5. August 2008

Vielleicht sind Sie auch über den Artikel von Peter Heinlein gestolpert, den Medienexperten der „Bild“-Zeitung, der heute in seiner Bild.de-Kolumne meldet:

Nackte Haut sorgt für Klick-Rekord im Internetangebot der Süddeutschen Zeitung gemacht. Als der Medienbeobachter Peter Turi in seinem Blog darauf hinwies, dass die SZ in einer Klickgalerie zeige, wie unterschiedlich ausgezogen sich die Titeldamen der internatonalen Ausgaben des Playboy präsentieren, war die dazu veröffentlichte Internetadresse prompt der meistgeklickte Link des Tages.

Und für den Fall, dass Sie sich nicht nur gefragt haben: „Liest das denn keiner nochmal, bevor das veröffentlicht wird?“ (nein), sondern auch: „Hä?“, will ich gerne versuchen zu erklären, was Peter Heinlein damit sagen wollte — oder genauer: Was er hätte sagen sollen, wenn er es denn verstanden hätte.

Am 31. März 2007 veröffentlichte sueddeutsche.de eine klickgeile Bilderstrecke mit „Playboy“-Titelbildern.

Nicht einmal eineinhalb Jahre später, genauer: am vergangenen Freitag, wurde sie von der Medienlinkliste turi2.de entdeckt, die auf sie mit dem Satz verwies:

Nackte Fakten, knallhart recherchiert — so muss Qualitätsjournalismus im Netz aussehen: Die „Süddeutsche“ zeigt in einer Nannen-Preis-verdächtigen Klickgalerie, wie unterschiedlich ausgezogen sich die Titelgirls des „Playboy“ weltweit präsentieren.

Der Link war an diesem Tag nach Angaben von turi2 der meistgeklickte auf turi2.de. Das entspricht erfahrungsgemäß ungefähr einer niedrigen dreistelligen Zahl. Die PageImpressions von sueddeutsche.de explodierten also in der Folge um schätzungsweise 0,03 Promille.

Ja, das ist die ganze Geschichte. Und wenn Sie in ihr einen „Klickrekord im Internet-Angebot der Süddeutschen Zeitung“ vermissen, liegt das nicht an mir.

[Disclosure: Bild.de ist „Premium-Werbepartner“ von turi2.de]

Nachtrag: Bild.de hat die Rekord-Meldung gelöscht.

Ersatzlektüri2

18 Jul 08
18. Juli 2008

Vorgestern Abend war dieser BILDblog-Eintrag der meistgeklickte Link bei turi2. Das ist eine feine Sache, denn turi2 ist ein Internetangebot, das nach Angaben von turi2 „werktäglich von 4.000 — 5.000 Medienmachern besucht“ wird (genau genommen von Medienmachenlassern, denn turi2 sagt, es handele sich bei diesen Menschen um „Vorstände, Geschäftsführer, Verleger, Chefredakteure, Programmchefs, Online-Chefs, Marketingleiter“).

Zweimal täglich produziert turi2 Linklisten mit Nachrichten zu Medienthemen. Rund 50 Links stecken da jeweils drin. Und keiner davon wurde von den tausenden turi2-Lesern am Mittwochabend so häufig geklickt wie derjenige, der zu BILDblog führte.

Und wie oft wurde er geklickt? 43 mal.

Und am nächsten Tag: 42 mal.

Die Leute lesen turi2 also nicht, um auf diese Weise interessante Artikel zu finden; sie lesen turi2, um die interessanten Artikel nicht zu lesen. Sie vertrauen darauf, dass turi2 die Inhalte der verlinkten Artikel zuverlässig so treffend auf den Punkt bringt, dass sie auf die Lektüre der Quelle verzichten können. Kein Wunder also, dass turi2 vor allem von Leuten gelesen wird, die nicht auf die Links klicken. Denn wer auf die Links klickt, hat dieses Vertrauen in turi2 eher nicht mehr lange.

[Disclosure: Ich habe vor vielen Jahren für Peter Turi gearbeitet und würde es nicht wieder tun.]

Wenn „Bild“ das schreibt, wird’s stimmen

08 Feb 08
8. Februar 2008

Kommen wir zu weiteren Antworten auf die beliebte Frage: „Wer glaubt schon, was in der ‚Bild‘-Zeitung steht?“

Die Nachrichtenagentur AP glaubt es. Sie übernahm bekanntlich aus „Bild“ die ebenso doofe wie falsche Behauptung, das „Gerangel um die Aust-Nachfolge … zieht offensichtlich auch die Auflage [des ‚Spiegel‘] nach unten“, die „Bild“ zufällig einfiel, nachdem der „Spiegel“ über den Auflagenrückgang von „Bild“ berichtete.

Die „taz“ glaubt es auch. Sie ließ die Quelle „Bild“ weg, machte sich die Interpretation aber zu eigen und vermeldete sie sogar unter der Überschrift „Nach Posse um Chefredaktion / „Spiegel“-Verkauf bricht ein“:

(…) Die Einzelverkäufe sind im vierten Quartal 2007 auf 337.500 Exemplare gesunken. (…) Ein Einbruch von fast 20 Prozent und das schlechteste Ergebnis seit 2003. Möglicherweise liegt das an der schlechten Presse, die im vierten Quartal ordnerweise über den Spiegel erschien und nicht gut fürs Image war.

Und im Zweifel glaubt es auch „turi2“, der „Aufsteiger unter den Branchendienst für Medien und Kommunikation“ und BILDblog-Kritiker, der gestern berichtete:

Übrigens hat die dilettanische [sic] Nachfolgersuche für Aust dem „Spiegel“ einen erheblichen Imageschaden verpasst: Im vierten Quartal 2007 ging der Einzelverkauf laut IVW um 20 Prozent zurück.

(Von einem Rückgang um 20 Prozent zu sprechen, wie „taz“ und „turi2“ es tun, ist ohnehin unzulässig, weil nur ein Vergleich mit dem Vorjahresquartal aussagekräftig ist; nicht der des Herbstes mit dem Sommer.)

taz.de und turi2.de demonstrieren auch schön die Attrappenhaftigkeit vieler Kommentarfunktionen. Unter beiden Artikeln stehen Kommentare von Lesern, die unter Verweis auf BILDblog schreiben, dass der behauptete Zusammenhang zwischen der Personalie Aust und dem Auflagenrückgang nicht stimmen könne. Und bei beiden Artikeln gibt es keine Reaktion auf diese Hinweise: Keine Korrektur, Ergänzung oder wenigstens Antwort eines Redakteurs oder Mitarbeiters in den Kommentaren. Das ist so interaktiv und Web-2.0-ig wie ein Anrufbeantworter.

Und wer glaubt noch, was in der „Bild“-Zeitung steht? Das Fernsehen natürlich. Die Mär, dass der Hai, der auf einem „Bild“-Leserreporter-Video zu sehen ist, 3,50 Meter lang sein soll, verbreiteten nach Informationen von BILDblog-Lesern gestern „Brisant“ (ARD) und „Hallo Deutschland“ (ZDF), ProSieben und der „Nachrichtensender“ N24 — und betonten dabei teilweise auch noch diese unglaubliche Länge, die schon bei einem Blick auf das Video selbst noch unglaublicher wird.

Massenphänomen Recherchophobie

22 Aug 07
22. August 2007

Die Faulheit von Journalisten, ihr Widerwille, schnell mal anzurufen und nachzufragen bei demjenigen, über den man etwas schreibt, ist grenzenlos. Zugegeben: Ich kenne das von mir selbst. Und ich erlebe es gerade von der anderen Seite, als Gegenstand der Berichterstattung.

Peter Turi hat heute morgen als einer der ersten die Pressemitteilung des „Stern“ aufgegriffen, dass Anke Engelke und Christoph Maria Herbst ab morgen im Fernsehen für BILDblog werben. Er fügte den „Stern“-Informationen den Satz hinzu:

Wer die Schaltkosten zahlt oder spendiert — unklar.

Klingt gut. Klingt nach: „War nicht in Erfahrung zu bringen.“ Oder nach: „Wollte niemand sagen.“ Heißt aber in Wahrheit nur: „Stand nicht in der Pressemitteilung des ‚Stern‘, und ich hatte keine Lust, nachzufragen.“

Die Wahrheit ist: Wir bezahlen die Schaltkosten selbst, teils (wie üblich, wenn ein Medium in einem anderen wirbt) in Form eines Gegengeschäftes. Das wäre leicht rauszukriegen gewesen. Er hätte uns nur fragen müssen.

Die Kollegin vom Branchendienst kress.de hatte auch keine Lust dazu und beantwortete sich die Frage lieber selbst:

Es ist anzunehmen, dass auch Viacom, die den Spot ab Donnerstag auf ihren Sendern MTV, Viva und Comedy Central ausstrahlen, die Sendezeit für lau vergeben haben. Bildblog dürfte trotz hoher Nutzerfrequentierung kaum in der Lage sein, für die Schaltung zu bezahlen.

Auch ein gutes journalistisches Genre neben Nachrichten und Kommentaren: „Annahmen“.

Und damit schalten wir um zum Onlineableger der Fachzeitschrift „werben & verkaufen“, der (lustigerweise unter Verweis auf den „Stern“ und nicht die gedruckte „w&v“ von morgen) auch über die BILDblog-Werbung berichtet. Und jetzt alle im Chor:

Unklar ist, wer die Schaltung finanziert.

Ja. So sind sie wir, die Journalisten.

(Bonuslink für Peter Turi, der Anke Engelkes Aussage über BILDblog, „die fotografieren einen wenigstens nicht beim Müllrausbringen“, für einen „Gaga-Satz“ hält: http://www.bildblog.de/694/anke-engelke-und-der-muell.)