Das Gute an Blogs wie »Politically Incorrect« ist, dass sie Prozesse, die früher weitgehend im Privaten stattfanden, an Stammtischen und in Diskussionen am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, mit einem Mal sichtbar machen. Nun kann man gelegentlich zusehen, wie die latente, oft subtile Fremdenfeindlichkeit der »Bild«-Zeitung Wirkung zeigt. Wie sie neuen Treibstoff für alte Ressentiments liefert, Irrglauben mit Missverständnissen und Viertelwahrheiten erhärtet.
Da ist der Prozess gegen einen ausländischen Mann, der zum wiederholten Mal ohne (deutschen) Führerschein gefahren ist und zuletzt einen Motorradfahrer übersah und tödlich verletzte (siehe BILDblog). Der Fall an sich ist schrecklich und empörend genug: Dass da jemand ist, der sich nachhaltig nicht davon abhalten lässt, mit dem Auto zu fahren, obwohl er das nicht darf. Und doch ist das Unglück offenbar auch schlicht ein Unglück: Der Fahrer ist anscheinend nicht zu schnell gefahren, sondern mit 6 km/h abgebogen. Auf Prozessdeutsch ist vom »Augenblicksversagen« die Rede. Der Motorradfahrer, der ihm entgegenkam, war ein bisschen zu schnell unterwegs — vielleicht hätte er den Unfall vermeiden können, wenn er sich an Tempo 50 gehalten hätte, man weiß es nicht. Das Gericht folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten.
Man kann das empörend wenig finden, selbst wenn es im Rahmen des Üblichen liegen sollte, und dass die Angehörigen des Opfers außer sich sind vor Trauer, Wut und Zorn über dieses Urteil, verstehe ich gut. Man kann sich auch als Boulevardzeitung ganz auf ihre Seite stellen und das Urteil skandalisieren. Aber darum geht es nicht.
Es geht darum, dass sich die »Bild«-Zeitung in ihrer Berichterstattung mit keinem der Details, die mit dem Unfall zu tun haben, beschäftigt. Stattdessen beschäftigt sich »Bild«-Redakteur Damian Imöhl ausführlich mit der Nationalität des Fahrers. Er erwähnt nicht nebenbei, dass der Fahrer aus dem Irak kommt. Er stellt es demonstrativ an den Anfang seiner Artikel zum Thema. An den Anfang jedes seiner bisher drei Artikel zum Thema. Die Art, wie »Bild« beschreibt, dass der Autofahrer kein Asyl, aber von den Behörden eine »Duldung« bekommen habe, skandalisiert schon diese Form der formalen Aussetzung einer Abschiebung an sich. Im Grunde, suggeriert »Bild«, lebt der Fahrer illegal bei uns.
Er ist für »Bild« ein durch und durch schlechter Mensch, was stimmen mag, aber das Schlechtsein ist in »Bild« kaum trennbar mit seiner Nationalität verbunden. (Und ähnlich wie »Bild« kürzlich titelte: »Tod durch BVG-Streik«, könnte die Überschrift diesmal lauten: »Tod durch Asylrecht«.)
Und dann ist da das Gericht. »Bild« sieht in Bewährungsstrafen grundsätzlich keine Strafen; eine Verurteilung auf Bewährung ist wie ein Freispruch. In diesem Fall schreibt »Bild«, der Richter habe den Fahrer »laufen lassen«. Weil die »Bild«-Zeitung ihren Lesern sämtliche Hinweise für die sachlichen Erwägungen, die hinter diesem Urteil stehen, vorenthält und fälschlicherweise noch behauptet, der Fahrer sei »gerast«, ist es ein Leichtes für die Leser, als Erklärung für das unerklärliche Urteil das zu nehmen, worüber »Bild« ausführlich schreibt: die Nationalität des Fahrers.
Von dort ist es ein kleiner Schritt zu dem Gedanken: Unser Land ist voller illegaler Ausländer, die unsere Kinder totfahren, und die Gerichte kuschen vor ihnen, soweit ist es schon gekommen.
Das steht nicht explizit in diesen »Bild«-Zeitungs-Artikeln, aber durch ihr geschicktes Weglassen, Verdrehen und Hinzufügen kann sich der mutmaßlich erhebliche Teil der Bevölkerung, der diesen Gedanken nicht für völlig abwegig hält, in seinen schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen.
In welchem Maße das tatsächlich geschieht, ausgelöst von der »Bild«-Version der Ereignisse und unter ausdrücklichem Bezug sie, lässt sich zum Beispiel an den Kommentaren auf Shortnews ablesen. Oder, in der drastischsten Form, auf »Politically Incorrect«. Das Fazit der anonymen Autoren aus dem »Bild«-Artikel steht dort gleich im ersten Satz:
Die Ungleichbehandlung von Menschen vor deutschen Gerichten nach ihrer Herkunft nimmt immer dreistere Formen an.
Entsprechend durch die vermeintlichen Fakten angespornt, toben sich in Hunderten Kommentaren dann in großer Zahl die sich nicht für Rassisten haltenden Rassisten aus:
Als Moslem hat man halt die Lizenz zum töten. (…)
Ich verstehe und akzeptiere die Entscheidung jeden Bürgers der sich entscheidet selbst für Gerechtigkeit zu sorgen. (…)
Wäre ich die Mutter/der Vater des Opfers, bedürfte es keiner Gerichtsverhandlung.
Über deutsche Schicksen, die auf die »Liebesschwüre« nur geduldeter Moslems reinfallen, verliere ich hier lieber kein Wort…würde gegen die Regeln des Anstands verstoßen. (…)
Und: wenn ich schon den Namen Hassan, Mohamed, Hussein und wie sie alle heißen höre, dann bekomme ich eine Hasskappe! (…)
Schade das der Täter auf dem Foto nicht zu erkennen ist. (…)
Bürgerwehren bilden!
Femegerichte abhalten und solche dreckigen Kanacken wenn sie von RichterIn “Almuth Gut-Gnädig” laufengelassen werden ihnen durch eine bewaffnete Bürgermiliz die angemessene Strafe zukommen lassen (…)
Gibt es Bilder des Richters?
Ich möchte die Fresse eines solchen »Richters »sehen.
Solche Abschaum-Belohner……. wo werden die groß?
Direkt von der Gosse in den Gerichtssaal?
Diese Fresse sollte jeden Laternenpfahl zieren! So richten deuschlands Richter. (…)
Ist doch klar, dass man ihn sofort laufen ließ. Er mußte doch dringend zu seiner deutschen Schlampe, weil die wohl noch nicht schwanger ist.
(Kleine, repräsentative Auswahl)
Vermutlich würden viele der Deutschen, die dort und anderswo gegen Ausländer hetzten und verschiedene mögliche Reaktionen bis hin zur Lynchjustiz abwägen, auch ohne die »Bild«-Zeitung Material finden, mit dem sie glauben, ihre Ausländerfeindlichkeit legitimieren zu können. Aber dieser konkrete Fall taugte dazu nur dadurch, dass die »Bild«-Zeitung aus der Geschichte eine Ausländergeschichte gemacht und entscheidende Tatsachen verschwiegen oder verdreht hat — und fahrlässig das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat beschädigt.
Es spricht leider nichts dafür, dass »Bild« das versehentlich tut.
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Er muss sich kein Freisemester nehmen, der Henryk M. Broder, wenn er für »Spiegel Online« wieder einmal einen langen Text über die angeblich fortschreitende Islamisierung Westeuropas verfasst. Ungefähr alles, was er zu dem Thema zu sagen hat, hat er schon viele Male gesagt, auch auf »Spiegel Online«. Es ist ein fröhliches Copy & Paste, und dagegen wäre nicht einmal etwas zu sagen, wenn nicht einige dieser recycelten Textbausteine entweder falsch oder zumindest unbelegt wären. Oft sind die einzigen Quellen, die sich für die Informationen finden lassen, fanatische und notorisch unwahre Seiten wie »Politically Incorrect«. Oder Broder selbst. Oder »Politically Incorrect«, das Broder zitiert. An manchen Stellen wird der vielfache Zirkelschluss so überzeugend, dass ich wetten würde, dass Broder selbst am Ende die Dinge glauben würde, die er selbst erfunden hätte.
Heute schreibt Broder also:
Derweil gab die BBC in ihrer Internet-»Section on Islam« eine Neuerung bekannt: Wann immer der Name des Propheten erwähnt werde, solle sogleich der Zusatz folgen: »Peace be upon him«, der Friede sei mit ihm. Das, erklärte ein Sprecher der BBC, sei man einer »fairen und ausgewogenen« Darstellung des Islam schuldig.
Vor nicht einmal acht Wochen formulierte er an gleicher Stelle:
Wesentlich weiter geht die BBC in ihrer Internet-»Section on Islam«. Wird der Name des Propheten erwähnt, folgt sofort der Zusatz: »Peace be upon him«, der Friede sei mit ihm. Das sei man einer fairen und ausgewogenen Darstellung des Islam schuldig.
Damals fügte er noch hinzu:
Einen aufregenden Praxistest dürfte die Sprachregelung bestehen, wenn die BBC über einen Selbstmordanschlag gläubiger Muslime berichtet, deren letzte Worte ihrem barmherzigen Gott Allah und seinem Propheten, Peace be upon him, galten.
Anders als Broders Text behauptet, stammt diese Praxis nicht aus dem Jahr 2007, sondern gilt mindestens seit März 2006. Vor allem aber wird es zu Broders »Praxistest« nicht kommen, denn die Sprachregelung bezieht sich ausschließlich auf die BBC-Seiten, auf denen die islamische Religion sich, ihre Praktiken und ihren Glauben erklärt und vorstellt. Auf Nachrichten bezieht sie sich nicht. Die BBC schreibt unmissverständlich:
We decided that a less biased and more consistently fair approach would be to write about each faith from the point of view of that faith — so that our explanatory pages were in essence, a particular religion explaining itself to the reader. From that position it made sense to use pbuh [peace be upon him] on pages explaining Islam.
Ein weiterer Fall aus Broders Zwischenablage:
Etwas weiter südlich, in Zürich, wurden die Polizisten aufgefordert, sich mit der islamischen Kultur vertraut zu machen, indem sie im Ramadan freiwillig einen Tag lang auf Essen und Trinken verzichten.
Oder wie er vor zwei Monaten schrieb:
Auch die Polizisten der Stadt Zürich sind aufgefordert worden, sich mit der islamischen Kultur vertraut zu machen, indem sie im Monat Ramadan freiwillig einen Tag lang fasten. Das Interesse an diesem Vorschlag soll aber angesichts des kulinarischen Angebots in Zürich gering gewesen sein.
Wurden die Polizisten wirklich »aufgefordert«, einen Tag zu fasten? Richtig ist: Die Polizeichefin hatte ihre Leute zu einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Muslimen eingeladen. Der »Tagesanzeiger« berichtete:
Auf dem Programm stehen eine Ansprache der Polizeiseelsorgerin, die Erfahrungen eines muslimischen Polizisten, der Ruf des Muezzins sowie ein gemeinsames Abendgebet samt Abendessen mit Sufi-Musik.
«Der Anlass gibt die Möglichkeit, sich mit ansässigen Musliminnen und Muslimen zu unterhalten und über ihren Alltag mehr zu erfahren», schreibt Maurer.
Das klingt für mich sehr unskandalös, und wenn es so war, ist Broders Witz, dass »angesichts des kulinarischen Angebots in Zürich« niemand gekommen sei, besonders dumm. Es ist ein Festmahl, das im Ramadan nach Sonnenuntergang aufgefahren wird!
Ich würde auch gerne eine vertrauenswürdige Quelle für diese Aussage Broders finden:
Zugleich [vor dem 11. September 2007] wurden die Brüsseler Polizisten angewiesen, während des Fastenmonats Ramadan nicht in der Öffentlichkeit zu rauchen oder zu essen, um die religiösen Gefühle der Muslime nicht zu verletzen.
Auch die stand schon vor zwei Monaten auf »Spiegel Online«:
(…) zugleich hat seine Verwaltung die Polizisten in der Hauptstadt Europas angewiesen, während des Fastenmonats Ramadan nicht in der Öffentlichkeit zu rauchen oder zu essen, um die religiösen Gefühle der Muslime nicht zu verletzen.
Und bei der Suche nach der Quelle findet man vor allem: Broder. Ein Interview im Deutschlandfunk, ein Gespräch mit blauenarzisse.de. Ich habe im Internet nur einen möglichen Urheber der Geschichte gefunden: Christian Ortner, einen Kolumnisten der »Wiener Zeitung«. Er schrieb am 31. August 2007:
Brüssel hat mittlerweile eine so umfangreiche muslimische Wohnbevölkerung, dass etwa biedere flämische Polizisten ohne jeden »Migrationshintergrund« von ihren Vorgesetzten angehalten werden, während des Ramaddan nicht in der Öffentlichkeit zu essen oder zu rauchen.
Auf Ortners Artikel scheinen sich viele rechte und anti-islamische Seiten zu berufen, die die Geschichte weitererzählen. Aber auch Ortner nennt keine Quelle.
Um es deutlich zu sagen: Ich kann nicht ausschließen, dass sie stimmt. Womöglich tut sie es. Ich finde es aber erstaunlich, dass sich dafür in den Nachrichtenagenturen oder Zeitungsarchiven kein Hinweis finden sollte. Nur Broder erzählt sie so lange, bis sie Tatsache geworden ist. Wie das Märchen von den Banken, die keine Sparschweine mehr ausgeben, um die Gefühle von Moslems nicht zu verletzen.
Nachtrag, 22:00 Uhr. Spurensuche in Sachen Essverbot für Brüsseler Polizisten im Ramadan. Es könnte sein, dass es sich nicht um eine Erfindung handelt, aber dann gilt es offenbar nicht in ganz Brüssel, wie Broder schreibt, sondern nur im Vorort Molenbeek, und stammt nicht aus dem vergangenen Jahr, wie Broder schreibt, sondern von 2005.
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Für Hagen Meyer, der an der Axel-Springer-Akademie ausgebildet wurde und gelegentlich für »Bild« schreibt, ist »Politically Incorrect« augenscheinlich eine seriöse Quelle für Nachrichten und ihre angemesse Interpretation.
Nach dem vermeintlichen Flüsterskandal bei »Hart aber fair«, nahm sich das islam– und tatsachenfeindliche Blog (das vorgestern nach eigenen Angaben über 28.000 Besucher hatte) einen der Beteiligten vor: den Grünen-Politiker Özcan Mutlu. »PI« schrieb:
Für sein respektloses Verhalten gegenüber einem Polizisten wurde Mutlu, der Roland Koch bei Plasberg rassistisches Denken unterstellte und durch ständiges Unterbrechen der anderen Gäste störte, 2003 zu 2.000,- Euro Strafe verurteilt.
Wie zum Beweis kopierte »PI« einen fast vollständigen Artikel aus der »Welt« ins eigene Blog. Den letzten Absatz ließ der anonyme Islamhasser weg. Er lautete:
Damit ist diese Posse aber noch lange nicht beendet. Mutlu hat Berufung angekündigt. Jetzt geht es vermutlich vor das Landgericht.
Ich ahne, warum »PI« diesen Teil nicht mitkopiert hat: Mutlu hat in der nächsten Instanz nämlich gewonnen und ist vom Vorwurf der »Herabwürdigung« freigesprochen worden. Der Richter der Berufungsinstanz erklärte, dem Polizisten sei beim Treffen mit Mutlu offenbar die »erforderliche Nüchternheit« abhanden gekommen. Ein Teil des Verhalten des Polizistens könne man »beim besten Willen nur als Schikane bezeichnen«. Die »Berliner Morgenpost« berichtete, inoffiziell werde die Klage als »ausgemachter Blödsinn« bezeichnet. Der »Tagesspiegel« schrieb, der Richter habe die Anzeige als »geradezu lächerlich« bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft zog ihre Revision zurück, der Freispruch wurde rechtskräftig.
All das verschweigt »PI« seinen Lesern.
Und die »PI«-Leser kommentieren:
#1 monsignore (11. Jan 2008 18:57)
Sofort abschieben!
#5 D Mark (11. Jan 2008 19:02)
Mutlu ist ein drecks Fascho-Nazi
#20 Grabowski (11. Jan 2008 19:11)
Wenn ich schon das schleimige Grinsen von diesem widerlichen, kleinen grünen Türken sehe….
#25 smg_getriebe (11. Jan 2008 19:15)
Dampfstrahler frei! Alles wegspühlen! Oder im Lois Trenker seinen Rucksack umschnallen….
#26 AN (11. Jan 2008 19:16)
HEIMREISE JETZT!
#36 Linkenscheuche (11. Jan 2008 19:19)
Hood, noose, drop
#146 DerAlfred (11. Jan 2008 20:34)
Man sollte diesen Mutlu schächten, so wie sie unsere Rinder ungestraft schächten dürfen!
Dutzende »PI«-Leser haben mir neulich vorgeworfen, das sei unglaublich, dass ich behaupte, in den Kommentaren von »PI« tobe sich ein »unverholen rassistischer Mob« aus.
[Mit Dank an BILDblog-Leser Stefan K.!]
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Dominik Reinle hat für WDR.de einen Artikel über das erfolgreiche islamfeindliche Blog »Politically Incorrect« (PI) geschrieben. Bei »PI« freut man sich, dass Gründer Stefan Herre ausführlich zu Wort kommt (unter anderem mit der Einschätzung, dass es keinen Klimawandel gibt und der »Hype« um ihn »nur vom Thema Islam ablenken« soll). Aber man ärgert sich über dies und das und auch über mich. Ein anonymer Mitarbeiter schreibt:
Medienexperte Niggemeier, mal wieder. Der umstrittene Journalist, der wegen Verstrickungen in eine Betrugsaffaire um manipulierte Leserzahlen seines eigenen Blogs in Verruf geraten war und aus den Blogstatistiken entfernt wurde, gibt sich besorgt um die Kommentare bei PI. Er muss es wissen. Schließlich hat er gerade einen spektakulären Prozess um die Leserkommentare seines eigenen Blogs verloren, und wurde verurteilt, in Zukunft alle Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen.
Nun ja. Es gibt keine »Betrugsaffaire«, und ich bin in keine verstrickt; die Leserzahlen meines Blogs wurden nie manipuliert; weder ich noch mein Blog sind je aus diesem oder einem anderem Grund aus irgendwelchen Blogstatistiken entfernt worden, und kein Gericht hat mich dazu verurteilt, in Zukunft alle Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen.
Stolz endet der Absatz mit der Behauptung: »Ähnliche Urteile gegen PI gibt es nicht.« Das könnte unter anderem daran liegen, dass ich noch nie juristisch gegen »PI« vorgegangen bin, auch nicht wegen Kommentaren dort, in denen ich mit Hitler verglichen werde.
Aber die falsche Behauptung mit dem Betrug hat »PI« selbst nun schon das zweite Mal aufgestellt. Ich habe eigentlich nicht vor, irgendjemanden abmahnen zu lassen, aber was, wenn es Menschen gibt, die den Unsinn glauben, der auf »Politically Incorrect« steht, und weitererzählen? Ab wann wird aus einer Lüge eine Tatsache, weil ich nicht gegen sie vorgegangen bin?
— 19. Dezember 2007, 22:16 — 100 Kommentare
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Jens von Wichtingen, einer der Autoren von »Politically Incorrect« (PI), hat seine Mitarbeit für das erfolgreiche antiislamische Hass– und Hetzblog offenbar beendet und nennt sie nun einen »Fehler«.
In einem Gastbeitrag im Blog des Journalisten Ramon Schack schreibt er unter anderem:
Man vergleicht PI jetzt mit einer Sekte. Soweit würde ich nicht gehen, wesentliche Merkmale einer Sekte fehlen. Jeder hat die Möglichkeit, PI ohne grosse Probleme den Rücken zu kehren. Allerdings hat PI zumindest sektenähnlichen Charakter. Man lebt in einer eigenen Welt. Gut und Böse, Schwarz und Weiss. Man nimmt Nachrichten vollkommen anders auf, man fühlt sich im Besitz der Wahrheit. Und alle die PI kritisieren haben unrecht. Gutgemeinte Ratschläge werden ignoriert, die anderen sowieso. Man steigert sich gegenseitig in einen – man kann schon fast sagen – Wahn, der hoffentlich niemals zu Auswirkungen im realen Leben kommen wird. (…)
Ich war wie benebelt, wie im Rausch. Ich habe mich ausschliesslich auf den einschlägigen Webseiten über die Horrormeldungen zum islamischen Jihad informiert. Ein extrem einseitiges Weltbild war die Folge. Und – jetzt bitte ich um Verständnis – aus dieser Sicht heraus, musste ich schreiben. Ich war davon überzeugt, aufrütteln zu müssen. Kann man dies nachvollziehen? Und genau dies ist es, was die anderen Autoren von PI antreibt. Dies sind keine schlechten Menschen. Aber sie fühlen sich berufen, zu schreiben, aufzurütteln. Aus ihrer Sicht.
Und hier haben wir wieder die sektenähnlichen Verhältnisse. Jegliche Ratschläge, Warnungen und Kritik werden in den Wind geschlagen. Man ist im Besitz der Wahrheit und man ist süchtig, diese zu verbreiten. (…)
Mittlerweise tummle sich bei »PI« »ein Mob, der mit Demokratie nichts am Hut hat«, schreibt von Wichtingen.
Wichtingen hat mir auf Anfrage bestätigt, dass der Gastbeitrag authentisch und von ihm sei. Von der Autorenseite auf »Politically Incorrect« ist sein Name verschwunden. Die Dutzenden von ihm geschriebenen Beiträge — darunter ironischerweise auch dieser über die Warnung einer Schweizer Sektenbauftragten vor »PI« — sind nicht mehr mit seinem Namen, sondern nur noch dem Kürzel »PI« gekennzeichnet. Ihren Lesern haben die Macher von »PI« das plötzliche Verschwinden eines ihrer aktivsten Autoren noch nicht erklärt.
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