Testfrage: Wer ist dieser Mann?

Nein, es ist nicht Murat Kurnaz. Er sieht ihm, genau genommen, nicht einmal ähnlich. Da scheint jemand eine andere Gesichtspartie in ein bekanntes Foto von Murat Kurnaz kopiert zu haben.
Nächste Testfrage: Von wem ist dieses Blog?

Nein, es ist nicht von Murat Kurnaz.
Aber wäre es nicht toll, wenn es von ihm wäre? Wir könnten alle bloggen: »Murat Kurnaz bloggt!«, und uns an dem, was wir da lesen, abarbeiten.
Es ist kein Zufall, dass »Politically Incorrect« mit seinem neorassistischen Umfeld zu den ersten gehörte, die auf das Blog hinwiesen und behaupteten, es stamme von Kurnaz:
Der zotteligste Unschuldige aller Zeiten — Murat Kurnaz — hat jetzt einen eigenen Internetauftritt. Dort findet man Aussagen wie diese: »Steinmeier… ein Bürokrat des Todes, der deutschen Lagerverwaltungstradition folgend«.
Zu diesem Zeitpunkt fanden sich in dem Fake-Blog auch noch Formulierungen wie diese:
»Nach einigen Tagen bei meiner Familie nun wieder alleine in der Stadt. Egal wohin ich gehe: man kennt mich bereits. Egal — jeden Abend Kokain, mit einem Amerikaner aus L.A. der mir wie ein CIA-Mann vorkommt. Paranoid? An jedem Abend 1000 Euro, die den Besitzer wechselten und das Kokain war offenbar gerade noch okay… Was soll’s jetzt ist es vorbei.«
Gemeinsam mit den Lesern schafften es die »Politically Incorrect«-Macher sogar später in den Kommentaren, selbst die Vermutung, die Texte seien nicht echt, noch gegen Kurnaz auszulegen: Das Deutsch sei viel zu gut, als dass er, der Türke, der Hauptschüler, es geschrieben haben könnte.
Auch kein Zufall, dass ein Mitglied der »Achse des Guten« von Broder & Co., die auch so gerne politisch unkorrekt wäre, das Blog aufgriff und nutze, sich über Kurnaz lustig zu machen. David Harnasch hält sich nur eine Klammer lang mit der Möglichkeit einer Fälschung auf (»so er [Kurnaz] seinen Blog wirklich selbst schreibt und das hier keine Persiflage ist«), um sie im übrigen zu ignorieren:
Welcome to the Blogosphere, Murat!
Wenn ich kurz nach dem 11.9. 2001 zur Kur nach Pakistan gereist wäre (ohne meiner Familie davon zu erzählen), man mich dann nach Afghanistan und Guantanamo verschleppt und dort gefoltert hätte, dann wäre ich auch paranoid. (…)
Zwei Tipps:
1. Weniger koksen, das macht nämlich paranoid.
2. Weniger im Blog drüber schreiben, dass man kokst und das Zeug auch noch käuflich erwirbt, denn zumindest zweiteres ist strafbar und führt, wenn man sich derart sackblöde anstellt, recht zuverlässig tatsächlich zur Strafverfolgung.
Auch die Blog-üblichen Belanglosigkeiten fehlen nicht: »Heute Abend überbacke ich im Ofen Chilli-Nachos mit Käse und rauche einen Joint mit schwarzem Afghanen. Dann nehme ich mir ein Buch und lese. Ich bekam in letzter Zeit viele Bücher geschenkt. Zum Glück, denn Fernsehen macht mich irgendwie verrückt, weil es dort überhaupt nichts zu sehen gibt.«
Apropos »sackblöde«: Das sind die Leute, die sich damit brüsten, »unkonventionell« zu »denken«? Jede Wette: Wenn auf dem kleinen Foto im Blog Murat Kurnaz mit roter Karnevalsnase abgebildet gewesen wäre, Harnasch und seine Achsenfreunde hätten es immer noch nicht gemerkt und auch das gegen den echten Kurnaz ausgelegt.
Man kann es natürlich auch ganz unideologisch sinnlos machen, wie das Blog medienrauschen (und ähnlich viele andere Blogger):
Kurnaz bloggt
Seit einem Jahr nun ist Murat Kurnaz, »der deutsche Guantánamo-Häftling« — wie der Stern einmal schrieb –, wieder in seiner Heimat Deutschland.
Nach diversen Medienschauläufen, Aussagen und einem Buch kommt Kurnaz scheinbar so langsam zur Ruhe — oder einem gewissen Alltag. Und in dem spielt ein Weblog auch eine Rolle.
Echt oder Fake?
Was für eine Nullnachricht. Eine Mail an Bernhard Docke, den Rechtsanwalt von Murat Kurnaz, hätte genügt, um zu erfahren, dass er nichts mit diesem Blog zu tun hat und nun dagegen vorzugehen versucht.
Update, 7. September. Als Urheber hat sich ein Moritz […] zu erkennen gegeben, der die Fälschung im Blog nun mit einigem Geschwurbel als »gelebte Literatur« verbrämt.
»Politically Incorrect« bleibt bei seiner Darstellung — vermutlich sind die Verantwortlichen voll und ganz damit ausgelastet zu hassen.
Und Gutachsist David Harnasch, der sich als »Journalist für TV, Print und Radio« bezeichnet, erklärt nun, ihm habe »schlicht die Zeit« für eine Recherche gefehlt. Na sowas: Die Zeit, Murat Kurnaz öffentlich zu diffamieren und verhöhnen, die hat er irgendwie gefunden.
(Kommentare geschlossen.)
— 6. September 2007, 16:02 — 11 Kommentare
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Ich bin mir nach all den Monaten immer noch nicht sicher, ob ich es beruhigend oder beunruhigend finde, dass bei den Hasspredigern des erfolgreichen Anti-Islam-Blogs »Politically Incorrect« die Ahnungslosigkeit immer noch größer ist als der Hass.
Wenn der Grünen-Politiker Volker Beck und andere beim Versuch, in Moskau für Versammlungsfreiheit und Grundrechte für Schwule und Lesben zu demonstrieren, geschlagen und zeitweise festgenommen werden, erntet er von »PI«-Macher Stefan Herre und seinen Mitstreitern dafür nur Häme und Beschimpfungen. Unter dem Eintrag überbieten sich »PI«-Stammkommentatoren in schwulenfeindlichen Kommentaren: Sie nennen Beck eine »dämliche *****tel« (»bah was widert einen dieser Typ an: kotz brech würg«), »Sodomist« und »bekennenden Pädophilen«, malen sich aus, wie er im Iran mit einem »seiner warmen Brüder« am Baukran erhängt wird, und nennen Homosexualität einen »genetischen Defekt«. Das ist der Hass.
Und das ist die Ahnungslosigkeit: »PI«-Macher Stefan Herre wirft Beck vor, dass er nach Moskau reist, anstatt sich »zur Abwechslung einmal für die Versammlungsfreiheit der Schwulen und Lesben in Kreuzberg oder Neukölln« [einzusetzen]. Herre suggeriert, dort könne keine Schwulenparade stattfinden — wegen der dort herrschenden und durch die Grünen mitzuverantwortenden »islamischen Gegenkultur«. Und Dutzende Kommentoren empören sich mit Herre darüber, was das für ein Skandal ist, dass in Kreuzberg und Neukölln keine Schwulen demonstrieren können wegen der vielen Moslems. Und keiner lässt sich das schöne Vorurteil dadurch kaputt machen, dass Schwule und Lesben seit 1998 jährlich durch Kreuzberg und teilweise Neukölln ziehen und demonstrieren und feiern: Auf dem »Transgenialen CSD«.
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Wir sehen, insbesondere im Hinblick auf die deutsche Geschichte und die daraus erwachsene Verantwortung, die Notwendigkeit und moralische Pflicht, gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung, Totalitarismus und Gewalt – sei es von rechts oder von links – eine klare Position der Missbilligung zu beziehen. Stefan Herre, „Politically Incorrect“
Die folgende Auflistung ist eine willkürliche, aber nicht untypische Auswahl von Kommentaren auf „Politically Incorrect“ aus dem vergangenen Jahr. Fast alle stammen von regelmäßigen Kommentatoren, die auch immer wieder als Anreger und Zulieferer von Blog-Beiträgen auftauchen:
„AntiMusel“: man kann nunmal in kundenorientierten arbeitsmarkt keine musel oder ähnliches gelumpe einstellen, weil sonst die kunden weglaufen zur konkurrenz die nicht so blöd ist. boykott musel– und ausländerfreundlicher unternehmen ist die pflicht jedes deutschen!
„cartman“: Die einzige sinnvolle Reform des Islam ist dessen kompromisslose Vernichtung.
„AntiMusel“: was für werte willst du muselpack vermitteln. das macht der iman mit koran. da hilft nur die peitsche.
„disillusioned_german“: Na, Du Bonner Schwuchtel … auch mal wieder aus der Gosse gekrochen? Was macht Mama??? Ich denke wir sollten uns treffen, um zu sehen wer mehr drauf hat. Mir ist momentan gerade nach physischer Ertüchtigung. Schlag ‚nen Treffpunkt vor, Lutscher.
„CA“: Wenn mich das nächste mal ein Musel anmacht, drohe ich nicht nur mit der Axt. Dann schlage ich zu! Also ihr Muselmeuchelmörder seid gewarnt!
„Verteidiger Wiens“: In Hagen wurde die Innenstadt modernisiert wovon die „normalen“ Einwohner aber nichts haben denn wer möchte sich schon gerne in ein Cafe setzten wenn er dafür an etlichen Gruppen mit „Migrationsgrund“ vorbeigehen muß die sich einer Horde Paviane gleich aufführen. (…)
ümmer aus der Schule kommen als wir sie hinein geschickt haben weil Ali und Mehmet kein Deutsch sprechen wollen.
„Verteidiger Wiens“: bis es jedoch so weit ist werde ich weiterhin versuchen unseren Moslemischen „Freunden“ Feuer unterm Hintern zu machen
„Alex“: [junge Muslime] Mögen keine Schweine, benehmen sich aber wesentlicher schlimmer als solche. Erkläre es uns doch bitte. Hat es etwas mit Verachtung zu tun, oder ist das genetisch bedingt durch die Kamelfi****ei?
„wagrof“: Du solltest eher beunruhigt sein, wenn ein Musel Dir mit dem Dönermesser über DEINE Kehle fährt. Aber dann ist es eh zu spät um noch beunruhigt zu sein.
„CA“: Aber sei Dir sicher Bursche wenn ich weiss wer Du bist dann bezahlst Du dafür Du mieser Untermensch ja Untermensch.
„Alessandro Marzico“: Du kannst dir nicht vorstellen, welche Freunden ich habe. Die machen es mir möglich, deine Adresse zu erfahren, nachdem du hier gepostet hast.
„AntiMusel“: amaphil bitte mach ne anzeige damit ich deinen namen und adresse erfahre. dann unterhalten wir uns mal gepflegt auf muselmanisch.
„AntiMusel“: haut dem typ aufs maul
„AntiMusel“: hättest das gesocks gleich an ort und stelle niederstrecken sollen.
„AntiMusel“: streichung von hartz iv und kindergeld. zwangsarbeit. über alles andere lachen die.
„AntiMusel“: ratet mal wie die arbeitslosenstatistik sich zusammensetzt und dann belasten sie noch die justiz und gefängnisse. deutschland wäre ohne das gesindel schuldenfrei!
„AntiMusel“: war klar, dass wieder ein linksnazi ankommt mit der nazikeule. habe übrigens noch keinen muselmüllfahrer gesehen … harte arbeit ist nichts für das gelumpe. spargelstechen für arbeitslose musel, das wäre mal eine wohltat, aber die zerstören dann die felder. kenne das von der kirschernte, die ruppen die äste uind zweige mit ab.
„AntiMusel“: selbst die polizei kann sich gegen das gesindel nur noch mit pfefferspray und schlagstock durchsetzen. man sollte die idf um unterstützungsluftschläge gegen kreuzberg bitten
„AntiMusel“: surenas halt deine verfickte muselfressee du hurensohn dich sollte man so derbe zusammendreschen dass dir deine spinnereien vergehen!
„AntiMusel“: surenarsch gibs doch endlich auf hier deine scheisse zu fabrizieren du schwule drecksau
„AntiMusel“: amaphil dir hat wohl ne lebanese-rape-gang das hirn rausgefickt. für den nazi würdest du ordentlich die fresse poliert kriegen freundchen. sei froh dass es internet gibt und du hier das maul aufreissen darfst. wir sind ja demokratisch.
Den Angriff auf den Grünen-Politiker Volker Beck bei einer Demonstration in Moskau kommentierten Besucher von „PI“ so:
„Coll“: Endlich hat er auf die Fresse bekommen, dieser pädophile Grünen Politiker [Smiley]
„AntiMusel“: der typ ist aber toraufhalter für die musel, also soll er von seiner eigenen medizin kosten. vielleicht hilft das ja …
„anonymus“: muhahha ist das geil. Ich mache aus meiner Schadenfreude keinen Hehl.
„D.R.“: Ich finde es in Ordnung was Herrn Beck passiert ist und wünsche ihm noch mehr solcher Erlebnisse. (…)
über Heterosexuellen reduziert! Wer so etwas jungen Menschen versucht schmackhaft zu machen, der ist kriminell, mehr kriminell als derjenige der dem anderen mal eines auf die Nase haut, auch wenn das nicht schön ist.
„AntiMusel“:einerseits schwuchtelsein propagieren und andererseits mit geburtenrückgang begründete museleinwanderung fördern.
„Webwraith“: Hat gepasst wie die Faust auf‘s Auge. Leider nur einmal.
„spital8katz“: DANKE, Russland !!!
ätte aber ruhig etwas mehr sein dürfen.
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Das Foto, das ein gewisser Paule von einem bärtigen Familienvater und seiner verschleierten Frau in der Schwebebahn gemacht hat, ist nicht mehr online. myblog.de hat dieses Bild und alle anderen aus dem konkreten Eintrag bei „Politically Incorrect“ entfernt, weil es zweifelsfrei einen Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild darstelle (§ 22 KunstUrhG). Das ergibt sich schon aus der Beschreibung des Fotografen selbst: „Das obere Bild habe ich beim Aussteigen gemacht, so dass die nicht erwartet haben, daß man sie fotografiert.“
Ich hatte beim myblog.de-Verantwortlichen Nico Wilfer nachgefragt, was sich ein bei ihm gehostetes Blog denn noch zu Schulden kommen lassen muss, um die Kündigung zu bekommen. In den Allgemeinen Geschäftsbedindungen heißt es ja immerhin, dass keine „diffamierenden, verleumderischen, beleidigenden, bedrohenden, volksverhetzenden oder rassistischen Inhalte“ zulässig seien – das beschreibt eigentlich genau das, woraus „Politically Incorrect“ besteht. Nico Wilfert antwortete mir, es gebe folgende interne Richtlinien bei myblog.de:
„1. Wird uns ein offensichtlicher Rechtsverstoß bekannt, deaktivieren wir den betreffenden Beitrag/Kommentar/Gästebucheintrag direkt und informieren den Autor darüber — oder, bei ‚weniger schlimmen’ Verstößen — wir machen den Autor darauf aufmerksam, mit der Auflage, die Rechtsverstöße innerhalb von 24 oder 48 Stunden zu beseitigen
2. Kommt es sehr häufig zu offensichtlichen Rechtsverstößen, sperren wir das Blog, nach einer Vorwarnung, die 48 Stunden vorher erfolgt, bzw. bitten den Autor, sich eine andere Plattform zu suchen.
3. Bei einer ganzen Liste von Verstößen legen wir die Liste dem Autor vor mit der Bitte, sämtliche Verstöße innerhalb von 48 Stunden zu entfernen. Tut er das nicht, deaktivieren wir das Blog.
4. Dient ein Blog lediglich illegalen Zwecken (möglich: Porno-Blogs, Blogs ausschließlich zur Beleidigung von Klassenkameraden), wird es umgehend deaktiviert und der Autor benachrichtigt.“
Vorwürfe (zum Beispiel von Dr. Dean, bluejax, Daniel, Don Alphonso und vielen anderen), wonach myblog.de Beschwerden über „Politically Incorrect“ bislang immer ignoriert habe, seien falsch, sagt Nico:
„Es gab im konkreten Fall 1. äußerst selten Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße, von denen 2. die meisten nicht als klare Rechtsverstöße erkenntlich waren. Waren sie doch berechtigt, haben wir umgehend reagiert und die Texte oder wie in diesem Fall Fotos entfernt. Es waren nicht so viele Rechtsverstöße, dass wir bislang eine Schließung des gesamten Blogs für gerechtfertigt halten. (…)
Wir fordern übrigens auch in unserem Impressum explizit dazu auf, Rechtsverstöße an support@myblog.de zu melden. Das betreffende Weblog werden wir nun weitergehend prüfen.“
Nico schreibt, ich solle ihm Zitate aus „Politically Incorrect“ zuschicken, die die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten und rechtswidrig sein könnten, dann werde er der Sache nachgehen. Deshalb meine Bitte an alle, die sich schon länger und gründlicher mit der Sache beschäftigen als ich: Schickt mir solche Zitate mit Quellenangabe. Ich werde sie an Nico weiterleiten. Und dann schauen wir, ob etwas passiert.
[Dieser Beitrag stammt von hier. Dort stehen auch noch Kommentare.]
— 2. August 2006, 0:37 — 4 Kommentare
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