Über Enke und Werther

Die Medien arbei­ten seit einer Woche daran, die Zahl der Selbst­morde in Deutsch­land in die Höhe zu treiben.

Selbst­mord ist anste­ckend. Bericht­er­stat­tung über Sui­zide erhöht die Zahl der Sui­zide. Das ist der soge­nannte »Werther«-Effekt, benannt nach Goe­thes Roman. Nach­dem er erschie­nen war, soll sich eine Reihe von Lesern in ähn­li­cher Form das Leben genom­men haben wie die lie­bes­kranke Titelfigur.

Der ame­ri­ka­ni­sche Sozio­loge David Phil­ipps wies vor 35 Jah­ren nach, dass immer, wenn die »New York Times« pro­mi­nent über einen Selbst­mord berich­tet hatte, die Zahl der Selbst­morde signi­fi­kant anstieg. In vie­len wei­te­ren Unter­su­chun­gen wurde der beun­ru­hi­gende Effekt seit­dem immer wie­der bestä­tigt: Je län­ger und pro­mi­nen­ter über den Sui­zid berich­tet wurde, umso grö­ßer war der fol­gende Anstieg der Selbst­mord­rate. Wenn ein Selbst­mord nur in New York groß auf der Titel­seite behan­delt wurde, nicht aber in Chi­cago, stieg die Zahl der Selbst­morde in New York stär­ker als in Chi­cago. Wäh­rend eines neun­mo­na­ti­gen Zei­tungs­streiks in Detroit 1967/68 sank die Zahl der Selbst­morde hier signifikant.

1981 zeigte das ZDF in bes­ter Absicht Robert Strom­ber­gers rea­lis­ti­sches Drama »Tod eines Schü­lers« über einen Jugend­li­chen, der sich vom Zug über­rol­len lässt. Hin­ter­her nahm die Zahl der Eisen­bahn­sui­zide bei jun­gen Män­nern um 175 Pro­zent zu. Auch bei der Wie­der­ho­lung der Serie ein­ein­halb Jahre spä­ter stell­ten Wis­sen­schaft­ler noch einen erheb­li­chen Nach­ah­mungs­ef­fekt fest.

Der aus­tra­li­sche Psych­ia­ter Robert D. Goldney‌ fasste die Ergeb­nisse der For­schung 1989 so zusam­men, dass sich auch Jour­na­lis­ten ver­ste­hen könnten:

»Es besteht kein begrün­de­ter Zwei­fel mehr, dass die Medien zu Selbst­mor­den bei­tra­gen. Eine unre­flek­tierte Bericht­er­stat­tung wird zwangs­läu­fig zu wei­te­ren Selbst­mor­den führen.«

Wäre es also am bes­ten, wenn Medien gar nicht über Selbst­morde berich­ten? In den meis­ten Fäl­len, wenn es zum Bei­spiel nicht darum geht, etwa die Miss­stände in einer Schule auf­zu­de­cken, wo sich plötz­lich viele Jugend­li­che das Leben neh­men, lau­tet die Ant­wort: Ja. Es wäre am bes­ten, wenn Medien gar nicht über Selbst­morde berichten.

Das ist für Jour­na­lis­ten eine uner­träg­li­che Ant­wort. Jour­na­lis­ten gehen davon aus, dass es gut ist, wenn etwas an die Öffent­lich­keit kommt. Dass es erlaubt sein muss, über etwas zu berich­ten, das sich unzwei­fel­haft ereig­net hat.

Klei­ner kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­li­cher Exkurs: Nach Max Weber lässt sich zwi­schen Gesin­nungs­ethik und Ver­ant­wor­tungs­ethik unter­schei­den. Ver­ant­wor­tungs­ethik bewer­tet Hand­lun­gen nicht danach, ob sie in bes­ter Absicht gesche­hen, son­dern nach den Fol­gen, die sie haben (»zweck­ra­tio­na­les Han­deln«). Gesin­nungs­ethik bewer­tet Hand­lun­gen dage­gen vor allem auf­grund von Über­zeu­gun­gen und Wer­ten wie dem der Wahr­haf­tig­heit. Ein Jour­na­list, der sich gesin­nungs­ethisch rich­tig ver­hält, muss allein dafür Sorge tra­gen, dass das, was er berich­tet, wahr ist. Man spricht dabei vom wer­tra­tio­na­len Han­deln, das Weber so definiert:

»[Wer­tra­tio­nal han­delt], wer ohne Rück­sicht auf die vor­aus­zu­se­hen­den Fol­gen han­delt im Dienst sei­ner Über­zeu­gung von dem, was Pflicht, Würde, Schön­heit, reli­giöse Wei­sung, Pie­tät oder die Wich­tig­keit einer ›Sache‹ gleich­viel wel­cher Art, ihm zu gebie­ten schei­nen. Stets ist […] wer­tra­tio­na­les Han­deln ein Han­deln nach ›Gebo­ten‹ oder oder gemäß ›For­de­run­gen‹, die der Han­delnde an sich gestellt glaubt.«

Jour­na­lis­ten (nicht nur) in Deutsch­land füh­len sich, wie unschwer zu erra­ten ist, ganz über­wie­gend einer Gesin­nungs­ethik ver­pflich­tet und leh­nen Ver­ant­wor­tung für die Fol­gen ihres Han­delns ab. So glaube sie, die Pflicht zu haben, über Sui­zide zu berich­ten — unab­hän­gig davon, ob diese Bericht­er­stat­tung zu wei­te­ren Sui­zi­den führt.

Die Erkennt­nis, dass es am bes­ten wäre, wenn Medien über die meis­ten Sui­zide gar nicht berich­ten wür­den, wider­spricht also nicht nur dem Wett­lauf um Auf­lage und Quote, son­dern auch ganz fun­da­men­tal dem jour­na­lis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis eines gan­zen Berufsstandes.

Aber dem besin­nungs­lo­sen Kampf um Auf­merk­sam­keit, Auf­lage und Quote wider­spricht es natür­lich auch, und ver­mut­lich lässt sich nur so die flä­chen­de­ckend gro­tesk ver­ant­wor­tungs­lose Bericht­er­stat­tung der ver­gan­ge­nen Tage erklä­ren. Man könnte den Ein­druck haben, eine ganze Bran­che hätte sich zu einem gro­ßen Feld­ver­such ent­schlos­sen, ein­mal zu tes­ten, wie weit sich die Zahl der Selbst­mör­der in die Höhe trei­ben lässt, wenn man jeden ein­zel­nen Rat­schlag zur Sui­zid­prä­ven­tion ignoriert.

Stu­dien haben gezeigt, dass die Sui­zid­rate nach Berich­ten über Sui­zide unter ande­rem ansteigt,

  • wenn das Opfer beson­ders pro­mi­nent ist

  • wenn die Bericht­er­stat­tung pro­mi­nent auf den Titel­sei­ten stattfindet
  • wenn sich die Bericht­er­stat­tung über Tage hinzieht
  • wenn der Ort und die Methode des Sui­zids genau beschrie­ben wird
  • wenn sich gefähr­dete Men­schen mit dem Opfer iden­ti­fi­zie­ren können.

Der »Spie­gel­fech­ter« Jens Ber­ger ist schon am ver­gan­ge­nen Mitt­woch die Medien-Empfehlungen der Deut­schen Gesell­schaft zur Sui­zid­prä­ven­tion durchgegangen:

Ein Sui­zid sollte nicht als Auf­ma­cher auf der Titel­seite erschei­nen. Geschenkt, bis auf die FTD erschien heute kein ein­zi­ges Publi­kums­me­dium mit einem ande­ren Thema als Aufmacher.

Es soll­ten weder Fotos noch Doku­mente wie der Abschieds­brief publi­ziert wer­den. Natür­lich wäre es naiv, anzu­neh­men, dass eine Bericht­er­stat­tung über den Frei­tod eines Sport­stars ohne Foto aus­käme. Die Wahr­schein­lich­keit, dass der Abschieds­brief nicht in den nächs­ten Tagen 1:1 von der BILD-Zeitung abge­druckt wird, geht der­weil aller­dings gegen Null.

Der Sui­zid sollte nicht als nach­voll­zieh­bare, kon­se­quente oder unaus­weich­li­che Reak­tion dar­ge­stellt wer­den oder als alter­na­tiv­los dar­ge­stellt wer­den. Im Falle Enke hat­ten die lie­ben Kol­le­gen der schrei­ben­den Zunft bereits am gest­ri­gen Abend nichts Bes­se­res zu tun, als den Frei­tod als nach­voll­zieh­bare Reak­tion auf den Tod sei­ner Toch­ter darzustellen.

Die Sui­zid­me­thode und der Ort des Sui­zids soll­ten weder detail­liert beschrie­ben, noch abge­bil­det wer­den. »Natür­lich« weiß heute ganz Deutsch­land ganz genau, an wel­chem Ort sich Robert Enke wie umge­bracht hat. Selbst kom­plett irre­le­vante Details wer­den in den Rang einer Son­der­nach­richt gehoben.

Und es ist nicht nur die »Bild«-Zeitung, die seit einer Woche alles dafür tut, Auf­lage, Leid der Ange­hö­ri­gen und Zahl der Sui­zide zu stei­gern — und sich im Zwei­fels­fall wie immer auf ihre »Infor­ma­ti­ons­pflicht« beru­fen würde. Und nicht nur die genauso skru­pel­lose Fern­seh­ver­sion namens RTL.

Bei kaum einem Medium (die »FAZ« viel­leicht aus­ge­nom­men, bei der ich aller­dings natür­lich befan­gen bin) habe ich in den ver­gan­ge­nen Tagen so etwas wie Zurück­hal­tung aus Sorge um den »Werther-Effekt« fest­stel­len kön­nen. Schon am Diens­tag­abend ent­hiel­ten die Mel­dun­gen der Nach­rich­ten­agen­tur dpa jedes ver­dammte Detail über den Ort und den Ablauf des Geschehens.

Dabei lässt sich sogar zei­gen, dass eine ver­än­derte, zurück­hal­tende Bericht­er­stat­tung Leben ret­tet. In Wien gelang es, die Zahl der Sui­zide und Sui­zid­ver­su­che in der U-Bahn um 60 Pro­zent zu sen­ken, nach­dem die Redak­tio­nen Emp­feh­lun­gen des öster­rei­chi­schen Ver­eins für Sui­zid­ver­hü­tung umge­setzt hat­ten, über Selbst­morde nicht emo­tio­nal, auf kei­nen Fall mit Foto, nicht auf der Titel­seite und mög­lichst kurz zu berichten.

Noch ein­mal die Emp­feh­lun­gen, was Medien tun kön­nen, um den »Werther-Effekt« mög­lichst gering zu halten:

  • Sie soll­ten jede Bewer­tung von Sui­zi­den als hero­isch, roman­tisch oder tra­gisch ver­mei­den, um mög­li­chen Nach­ah­mern keine post-mortalen Gra­ti­fi­ka­tio­nen in Form von Aner­ken­nung, Ver­eh­rung oder Mit­leid in Aus­sicht zu stellen.

  • Sie soll­ten weder den Namen der Sui­zi­den­ten noch sein Alter und sein Geschlecht ange­ben, um eine Zielgruppen-Identifizierung auszuschließen.
  • Sie soll­ten die Sui­zid­me­thode und — beson­ders bei spek­ta­ku­lä­ren Fäl­len — den Ort des Sui­zi­des nicht erwäh­nen, um die kon­krete Imi­ta­tion unmög­lich zu machen.
  • Sie soll­ten vor allem keine Infor­ma­tio­nen über die Moti­va­tion, die äuße­ren und inne­ren Ursa­chen des Sui­zi­des andeu­ten, um so jede Identifikations-Möglichkeit und Motivations-Brücke mit den ent­spre­chen­den Lebens­um­stän­den und Pro­ble­men des Sui­zi­den­ten vermeiden.

Oder in kon­kre­ter Empfehlung:

  • Beschreibe den Sui­zi­den­ten, die Methode, den Ort, die Lebens­ver­hält­nisse und die Gründe so abs­trakt, dass sie kein Anschau­ungs­ma­te­rial mehr ent­hal­ten, das einer mög­li­chen Iden­ti­fi­ka­tion und Ent­hem­mung Vor­schub leis­ten könnte (nach W. Zieg­ler und U. Hegerl, 2002).

Nun kann man natür­lich sagen, dass es unrea­lis­tisch ist, diese Emp­feh­lun­gen im Fall eines so pro­mi­nen­ten und belieb­ten Men­schen wie Robert Enke umzu­set­zen. Aller­dings sind es gerade die Sui­zide von sol­chen Men­schen, die beson­ders viele Nach­ah­mungs­tä­ter her­aus­for­dern. Und bei aller Trauer um den Natio­nal­tor­wart, bei aller Aner­ken­nung, was für ein beson­de­rer Sport­ler und Mensch er gewe­sen sein mag, muss man die Frage auch stel­len, inweit die gren­zen­lose Heroi­sie­rung, die in den ver­gan­ge­nen Tagen pas­siert ist, gefähr­lich ist.

Und natür­lich hilft es wenig, wenn sich nur zwei, drei Medien an die Emp­feh­lun­gen hal­ten und sich alle ande­ren mit spek­ta­ku­lä­ren Bil­dern, knal­li­gen Titel­sei­ten, detail­lier­ten Gra­fi­ken und exklu­si­ven Abschieds­brie­fen über­bie­ten. Natür­lich müsste es eine Abspra­che, eine Ver­ein­ba­rung der Medien geben, sich gemein­sam an bestimmte Vor­ga­ben bei der Suizid-Berichterstattung zu hal­ten. Ich kann aber auch sechs Tage nach dem Tod von Robert Enke kei­nen Betei­lig­ten, kein Medium erken­nen, das über­haupt eine Dis­kus­sion über einen sol­chen Kodex in Gang setzt.

Mag sein, dass es unrea­lis­tisch ist, davon aus­zu­ge­hen, dass die Medien anders über einen Fall wie den des Robert Enke berich­ten könn­ten. Dann seien wir aber auch ehr­lich genug zu sagen, was der Preis für diese ver­meint­li­che Infor­ma­ti­ons­pflicht und die­sen Ver­kaufs­wett­kampf ist. Er lässt sich in Men­schen­le­ben zählen.

Freigegeben


(»Bild«, 14. Novem­ber 2009)

Es hat natür­lich eine gewisse Kon­se­quenz, das dazu­zu­schrei­ben, dass die Paparazzi-Fotos von der Foto­gra­fier­ten »frei­ge­ge­ben« wur­den, bei einer Zei­tung, für die Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten keine Selbst­ver­ständ­lich­keit sind. Und wahr­schein­lich sind sie bei »Bild« am Don­ners­tag­abend mit einem sel­te­nen, woh­li­gen Gefühl ins Bett gegan­gen, end­lich mal das Rich­tige getan zu haben, und trotz­dem nicht dar­auf ver­zich­ten zu müs­sen, die Trauer einer Frau in gro­ßen Bil­dern aus­stel­len zu können.

Ich wär aber trotz­dem gern dabei gewe­sen, bei dem Gespräch, in dem Teresa Enke die Fotos von ihr »frei­gab«, und stelle mir das unge­fähr so vor:

Ding Dong, wir sind’s, »Bild« Han­no­ver. Hallo Frau Enke, kön­nen wir kurz rein­kom­men? Nee, danke, wir haben schon was getrun­ken. Ja, Frau Enke, hamSe ja sicher gemerkt, dass wir Sie heute den gan­zen Tag ver­folgt haben, vorm Haus, auf dem Weg zum Auto, auf dem Fried­hof, mit Ihrer süßen Toch­ter — die ist aber auch wirk­lich ein Schatz. Ja, das haben wir natür­lich alles foto­gra­fiert. Doch, auch auf dem Fried­hof, haben Sie viel­leicht gar nicht mit­ge­kriegt, mit so einem Tele, von hin­ter die­ser klei­nen Baum­gruppe! Na, wir woll­ten da ja auch nicht mehr stö­ren als nötig. Jeden­falls, sehen Sie mal, das hier sind die Fotos, die wir gemacht haben, also unsere kleine Vor­aus­wahl. Und, naja, das soll ja nicht so aus­se­hen, als wür­den wir die gegen Ihren Wil­len ver­öf­fent­li­chen, ist ja auch eine schwere Zeit für Sie. Viel­leicht kön­nen Sie ein­fach wel­che raus­su­chen, die Ihnen gefal­len, die okay wären? Das hier, aus dem par­ken­den Auto, wo der Rück­spie­gel so eine male­ri­sche Unschärfe macht, und Sie ganz in Schwarz in der Ferne, das hat doch was. Ach, eine Hand­voll würde schon rei­chen, muss gar nicht viel sein, das hier, wo Sie allein mit einem Regen­schirm am Grab Ihrer Toch­ter Lara ste­hen, das kön­nen wir zum Bei­spiel ganz groß zie­hen, das wär schon schön. Also, Frau Enke, über­le­genSe sich’s. Und Bei­leid nochmal!

Das Geschäft mit den Bildern

Die Firma, die die Ber­gungs­ar­bei­ten am Bahn­über­gang gefilmt hat, an dem sich Robert Enke das Leben genom­men hat, und die das Glück hatte, auch Teresa Enke in dem Moment gefilmt zu haben, als sie an die Unglücks­stelle kommt und ver­zwei­felt die Poli­zis­ten fragt, was mit ihrem Mann ist, diese Firma heißt Non­stop­News.

Sie ist nach eige­nen Anga­ben der zweit­größte »unab­hän­gige Nach­rich­ten­dienst« Deutsch­lands, und Auf­nah­men von Unfäl­len und Ber­gungs­ar­bei­ten, ein­ge­klemm­ten Ver­letz­ten und weg­ge­tra­ge­nen Lei­chen sind ihr Geschäft.

Am Diens­tag ver­schickte sie um kurz vor Mit­ter­nacht das Ange­bot per E-Mail an die Redaktionen.

Bil­der­an­ge­bot: Schock für ganz Fußball-Deutschland: Natio­nal­tor­wart Robert Enke von Zug erfasst und töd­lich verletzt

NewsNr. 10007
Stand: 2009-11-10 20:54:30
Länge: 6+6:00 Min.
Ver­füg­bar: 23.55 Uhr (…)

Datum: Diens­tag , 10. Novem­ber 2009, 18:30 Uhr
Ort: Eil­vese, Region Han­no­ver, Nie­der­sach­sen
(…)

Die aktu­el­len NonstopNews-Bilder und die O-Töne :

  • Totale der Ein­satz­stelle, Groß­auf­ge­bot Feu­er­wehr und Poli­zei vor Ort

  • Regio­nal­bahn auf den Gleisen,
  • Feu­er­wehr­leute ste­hen rund um den Regionalzug
  • Auto von Robert Enke unweite des Bahnübergangs,
  • Exklu­siv: Abfahrt Ret­tungs­wa­gen
  • Exklu­siv: Mer­ce­des M-Klasse von Robert Enke wird auf Abschlep­per sicher­ge­stellt
  • Not­fall­seel­sor­ger vor Ort Poli­zei bei Unfallaufnahme
  • Bahn­hof Eilvese
  • Seel­sor­ger mit Feu­er­wehr­leu­ten im Gespräch
  • Frau von Robert Enke, Teresa: »Jetzt sagen sie mir end­lich was mit mei­nem Mann ist»
  • Abfahrt Lei­chen­wa­gen
  • Zahl­rei­che Fans an der Ein­satz­stelle, Regio­nal­zug fährt an ste­hen­den Zug vor­bei
  • Fans mit Han­no­ver 96 Tri­kots und Schals legen Ker­zen nie­der
  • O-Töne mit meh­re­ren Fans an der Ein­satz­stelle: …kann gar nicht sein dass Robert Enke tot ist…können uns nicht vor­stel­len das er das ist…haben aus dem Fern­se­hen davon erfah­ren und sind zur Ein­satz­stelle gefahren…trifft uns wie ein Schlag…kann nicht glau­ben das er das getan hat…können uns aber nicht vor­stel­len das er sich umge­bracht hat weil Jogi Löw ihn nicht in der Natio­nal­elf spie­len lässt…kenne ihn per­sön­lich aus dem Dorf und ist als super­lie­ber net­ter Typ bekannt, hat ihm aus dem Dorf kei­ner zugetraut…
  • O-Ton Poli­zei Han­no­ver (Name auf Band): …Lok­füh­rer mel­dete Per­son auf den Glei­sen… voll­be­setzte Regionalbahn…als wir gemerkt haben wer das ist waren wir alle sehr erschüttert…haben Auto gefunden…
  • O-Ton Ste­fan Wittke, Spre­cher von Robert Enke:…sind alle sehr betroffen…habe ihn am Mon­tag das letzte Mal gese­hen, gab keine Anzei­chen das was nicht in Ord­nung ist…war ein gro­ßer Mann der uns ver­lo­ren gehr…man kann noch nicht abschät­zen was das für den Ver­ein für Kon­se­quen­zen hat…
  • Schnitt­bil­der

Bestel­len Sie das TV-Material unter (…) — Stand­ort: Han­no­ver (…)

(Alle For­ma­tie­run­gen im Original)

Und die Fern­seh­sen­der nah­men das Ange­bot an und kauf­ten die Auf­nah­men. Min­des­tens das ZDF, RTL und Kabel 1 zeig­ten auch die Szene, in der wir erfah­ren, wie es aus­sieht, wenn eine Frau an den Ort kommt, an dem sich ihr Mann gerade das Leben genom­men hat — Pro­Sie­ben sogar unver­pi­xelt, mit Ton und, für alle Fälle, Unter­ti­teln.

Unverbesserlich

(Bitte beach­ten Sie wie­der das pas­sende Gewinn­spiel.)

»Lebt er noch?«

Mitt­woch­abend, 18 Uhr. Die ProSieben-Nachrichtensendung »New­stime« macht mit dem Tod von Natio­nal­tor­wart Robert Enke auf. Ste­fan Land­graf berichtet.

»Der 32-Jährige hatte sich am Abend vor einen Zug gewor­fen, ganz in der Nähe sei­nes Wohn­or­tes. Enkes Ehe­frau Teresa eilt sofort zum Ort der Tragödie.«

Wir sehen den Zug auf den Glei­sen, das hel­ler­leuch­tete Füh­rer­haus, Feu­er­wehr­leute, die unter die Lok sehen. Dann die Straße, die Gleise, den Bahn­über­gang. Und eine junge Frau, die auf­ge­regt mit einer Gruppe von Hel­fern spricht. Sie dreht sich einem Poli­zis­ten zu. Wir hören, was sie sagt, aber weil ihre Stimme schrill und panisch ist, hat Pro­Sie­ben es sicher­heits­hal­ber dazugeschrieben:

"Sagen Sie bitte, was mit meinem Mann ist."
(Screen­shot: Pro Sie­ben. Unkennt­lich­ma­chung von mir.)

Von links läuft ein wei­tere Hel­fer ins Bild. Wir hören, wie der Poli­zist ant­wor­tet: »Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen.« Die Stimme der Frau über­schlägt sich jetzt:

"Lebt er noch?"
(Screen­shot: Pro Sie­ben. Unkennt­lich­ma­chung von mir.)

Der Poli­zist sagt noch ein­mal: »Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen.« Dann geht der Bei­trag wei­ter mit Bil­dern der­sel­ben Frau Enke auf dem Weg zur Pres­se­kon­fe­renz. »Eine tap­fere Frau«, nennt sie der Sprecher.

Als ich bei N24 anrufe, den Sen­der, von dem Pro­Sie­ben seine Nach­rich­ten bezieht, ver­steht man erst meine Frage nach irgend­wel­chen Reak­tio­nen auf die Aus­strah­lung die­ser Szene nicht. (Ich wollte nicht gleich fra­gen, ob der ver­ant­wort­li­che Chef­re­dak­teur noch im Amt ist.) Außer­dem sei das über­all gelau­fen, heißt es aus der Sen­der­gruppe, teil­weise aller­dings verpixelt.

ProSieben-Sprecher Chris­toph Kör­fer sagt: »Aus Sicht der Nach­rich­ten­re­dak­tion war es ange­mes­sen, die Bil­der zu zeigen.«

Nach­trag, 13. Novem­ber. Mehr dazu hier.

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