Das Dschungelcamp und das Sich-Ekel-Fernsehen von »Spiegel-TV«

Es ist immer wie­der ein Kul­tur­schock, wenn im RTL-Programm »Ich bin ein Star — holt mich hier raus« an das Maga­zin von Spiegel-TV stößt. Auf der einen Seite diese läp­pi­sche Sen­dung mit ihren alber­nen Wit­zen und schlech­ten Kalau­ern, die fast nur von Häme lebt. Und auf der ande­ren Seite das Dschungelcamp.

Dabei haben sich die Spiegel-TV-Leute viel Mühe gege­ben in den ver­gan­ge­nen bei­den Wochen, von der Auf­merk­sam­keit für die Dschun­gel­show zu pro­fi­tie­ren. Sie haben einen Bericht gemacht über Rai­ner Lang­hans und einen über »Pro­mis in der Schul­den­falle«. Sie haben berich­tet über den »Dschun­gel unter deut­schen Dächern«, über »Neues aus der Ekel-Forschung« und, natür­lich, über Hit­ler. Hit­ler war näm­lich, genau wie Sarah Din­gens im Camp, Vege­ta­rier! »Die vege­ta­ri­sche Fan­ge­meinde lässt es gern unter den Tisch fal­len, doch es ist wahr: Adolf Hit­ler aß zu Leb­zei­ten kaum Fleisch.«

Und nun das Finale. Keine Wer­be­pause, kein Spon­sor, unmit­tel­bar nach der letz­ten Szene aus dem aus­tra­li­schen Dschun­gel wird die Tem­pe­ra­tur auf Frös­teln heruntergedreht:

Maria Gresz steht da und sagt:

»Jetzt ist es also soweit: Des Deut­schen liebs­tes Hass­ob­jekt ist am Ende und seine Haupt­dar­stel­ler irgend­wie auch. Ab mor­gen kön­nen wir nur hof­fen, dass im Kanz­ler­camp wie­der die Post abgeht. Dass Angela mit Guido rum­knutscht. Dass Clau­dia rot sieht und aus­plau­dert, dass die Regie­rungs­ar­beit nur Show ist und dass die Abge­ord­ne­ten nur mit­spie­len, weil sie dafür Geld vom Pri­va­tern­se­hen bekommne. Ich weiß, das wird nicht pas­sie­ren. Wär aber lus­tig. Der­ar­tige Unter­hal­tung gibt es eben nur im Dschun­gel. Dort wo die Zivi­li­sa­tion frei­wil­lig ihre Hül­len fal­len ließ und damit Mil­lio­nen Zuschauer zu glück­li­chen Voy­eu­ren machte.«

In zwei Wochen im Dschun­gel wird den Kan­di­da­ten, den Tie­ren und der Men­schen­würde nicht so viel Gewalt ange­tan wie der deut­schen Spra­che in einer ein­zi­gen Spiegel-TV-Anmoderation. Wer danach nicht sofort abschal­tet, steckt sofort knie­tief in einem Meta­phern­schlamm­bad, gefüllt mit gam­me­li­gen Tee­kes­sel­chen. »Die ver­meint­li­che Macht­aus­übung« der abstim­men­den Zuschauer, sagt der Spre­cher, »sorgt für beson­de­res Krib­beln — auch am Kör­per des Alt­kom­mu­nar­den Rai­ner Lang­hans.« Das Bild dazu:

Spä­ter heißt es: »Ehe­ma­lige Camp-Bewohner kön­nen ein Lied davon sin­gen« — bitte schön: Wer­ner Böhm tut es.

Spiegel-TV-Leute lei­den unter einer schlim­men Syn­onym­zwangs­stö­rung. Über Rai­ner Lang­hans darf nicht berich­tet wer­den, ohne ihn min­des­tens ein­mal den »Apo-Opa« zu nen­nen. Mit der Alter­na­tive »Gleichmut-Guru« gibt es spä­ter noch Alliterations-Bonuspunkte. Und über­haupt, was ist der Dschun­gel? »Das Guan­ta­namo der Z-Prominenz.«

Auf den ers­ten Blick unge­wöhn­lich ist es, dass Spiegel-TV aus­ge­rech­net das Ber­li­ner Rum­pel­blatt »B.Z.« als Beleg dafür zeigt, dass »das deut­sche Feuille­ton — ganz im Geiste Brechts — eine reflek­to­ri­sche Meta­ebene beim Mit­ein­an­der von Mensch und Made« ent­deckt habe. Ver­mut­lich bringt aber der Autor des ent­spre­chen­den Bei­trags selbst die feh­lende behaup­tete Fall­höhe mit:

Ross Ant­ony, der die Show vor drei Jah­ren gewann und dabei auf sympathisch-schockierend-lustige Weise seine eige­nen Pho­bien über­wand, wird im Spiegel-TV-Deutsch zum »beken­nen­den Homo­se­xu­el­len«, der »etwas Gutes für seine Com­mu­nity tun wollte«.

Und fast jeder Satz trieft von Her­ab­las­sung. Es ist Sich-Ekel-Fernsehen bis hin zur Anma­ßung, den Teil­neh­mern pau­schal »ver­un­glückte Lebens­ent­würfe« zu unter­stel­len. Dann ist der Dschun­gel­bei­trag vor­bei (oder wie Spiegel-TV sagen würde: am Ende), und die Mode­ra­to­rin lei­tet wie folgt zum nächs­ten Thema über:

»Es soll in die­ser Welt noch Men­schen geben, die weni­ger scharf auf Kame­ras sind. Waf­fen­händ­ler zum Beispiel.«

Den Bei­trag auf spiegel.de ansehen

Die schlechten Menschen von »Deutschland sucht den Superstar«

Bei »Deutsch­land sucht den Super­star« gibt es drei Grup­pen von Men­schen, deren Ver­hal­ten ich nicht verstehe.

Die erste sind die Leute, die das gucken. Sie­ben­ein­halb Mil­lio­nen haben die erste Folge der neuen Staf­fel gese­hen — obwohl die Sen­dung so bere­chen­bar, for­mel­haft und aus­ge­walzt ist wie kaum eine andere.

Das zweite sind die Leute, die da hin­ge­hen. Zig­tau­send Kan­di­da­ten hat­ten sich wie­der bewor­ben — obwohl sie wis­sen könn­ten, dass sie nur Roh­ma­te­rial für eine Maschi­ne­rie sind, die bes­ten­falls ver­spricht, nach einem absur­den Auf­wand und vie­len Demü­ti­gun­gen, eine ein­zige erfolg­rei­che Sin­gle zu produzieren.

Das dritte sind die Leute, die das produzieren.

Über die ers­ten bei­den Grup­pen ist aus­dau­ernd dis­ku­tiert wor­den. Über die Anzie­hungs­kraft der Show auf das Publi­kum und noch viel mehr über die Frage, ob man die Men­schen, die dort mit­ma­chen, vor sich selbst schüt­zen müsste. Einige der Kan­di­da­ten, über die sich RTL aus­führ­lich lus­tig macht, wir­ken geis­tig behin­dert. Aber ers­tens ist das kein kla­res Kri­te­rium und zwei­tens keine Ant­wort auf die Frage, wie man mit ihnen umge­hen müsste. Diese Leute dür­fen, mut­maß­lich, wäh­len, Geld aus­ge­ben, hei­ra­ten, ihr Leben selbst bestim­men. Womög­lich haben sie auch das Recht, sich vor der Nation zu Dep­pen zu machen.

Es ist wie beim alten Dilemma vom Zwer­gen­weit­wurf: Ver­stößt eine sol­che Ver­an­stal­tung gegen die Men­schen­würde oder gehört zu die­ser Men­schen­würde, im Gegen­teil, auch das Recht eines Zwer­gen, sich aus freien Stü­cken zum Objekt eines sol­chen Spek­ta­kels zu machen?

Min­des­tens so inter­es­sant finde ich aber eine andere Frage: Was sind das für Men­schen, die mit Zwer­gen wer­fen wollen?

Auf »Deutsch­land sucht den Super­star« bezo­gen, ist das natür­lich die­je­nige der ein­gangs genann­ten Grup­pen, deren Ver­hal­ten ober­fläch­lich am ein­fachs­ten zu erklä­ren ist: Leute arbei­ten für »Deutsch­land sucht den Super­star«, weil sie damit Geld ver­die­nen. Sie tun nur ihren Job.

Und doch ver­stehe ich diese Gruppe am wenigs­ten. Ich kann die Scha­den­freude beim Gucken nach­voll­zie­hen, ich kann die Selbst­täu­schung der Kan­di­da­ten erah­nen, aber ich weiß nicht, wie ver­kom­men man sein muss, um die Liebe einer tod­kran­ken Frau zu ihrem Sohn, der sie rund um die Uhr pflegt, als Mit­tel zu benut­zen, um seine öffent­li­che Demü­ti­gung zu maximieren.

Der drei­ßig­jäh­rige Ste­fan hat nichts von einem Super­star, er hat nicht ein­mal etwas von einem RTL-»Superstar«. Er kann nicht sin­gen; er ist, wenn er es vor der Jury ver­sucht, eine lächer­li­che Figur. Ande­rer­seits bringt er eine unge­wöhn­lich tra­gi­sche Lebens­ge­schichte mit sich.

Das ist eine unge­wöhn­li­che Kom­bi­na­tion von zwei Eigen­schaf­ten, die RTL für seine Show braucht, sonst aber streng trennt: Eigent­lich sind es die Gewin­ner, die die per­sön­li­chen Schick­sale mit­brin­gen und dadurch noch bewun­derns­wer­ter wirken.

Ste­fan erzählt Die­ter Boh­len und den zwei Jury­sta­tis­ten von sei­ner Liebe zur Musik und von sei­nem har­ten Leben. Nach­dem er gesun­gen hat, bemü­hen sich die drei, ihm unge­wöhn­lich scho­nend bei­zu­brin­gen, dass er nicht in die nächste Runde kommt. Jedem Zuschauer ist klar, dass das milde Urteil nicht die wahre Leis­tung wider­spie­gelt, son­den raus­schließ­lich Zei­chen des Respekts ist vor dem per­sön­li­chen Schick­sal des Kan­di­da­ten. Selbst Die­ter Boh­len schafft es, eine mensch­li­che Seite von sich zu zeigen.

Kurz.

Dann ist der Kan­di­dat gegan­gen und Boh­len sagt zu der Frau neben sich: »Hätte er die kranke Mut­ter nicht, hätte ich ihn fer­tig gemacht.«

Das war den Zuschau­ern schon klar. Aber dass Boh­len es aus­spricht und dass RTL es aus­strahlt, gibt dem gan­zen eine andere Dimen­sion. Boh­len schafft es, gleich­zei­tig zu beto­nen, dass er zu Mit­leid fähig ist, und seine Mit­leids­lo­sig­keit zu demons­trie­ren, indem er dem Kan­di­da­ten und der Welt auf die­sem Weg trotz­dem noch mit­teilt, dass er rich­tig scheiße war — nur damit da keine Miss­ver­ständ­nisse bleiben.

Wäh­rend des Auf­trit­tes des Kan­di­da­ten hatte die Pro­duk­tion ihre eigene Skru­pel­lo­sig­keit bewie­sen. Wäh­rend er die letz­ten Zwei­fel, ob er wirk­lich so schlecht ist, weg­sang, schnitt sie noch ein­mal die Aus­sa­gen sei­ner Mut­ter dazwi­schen, die sich wünschte, dass DSDS für ihn ein »Sprung­brett« sein könnte, »weg von sei­ner kran­ken Mut­ter«. Mit bil­ligs­tem Gei­gen­kitsch und ver­dun­kel­ten Zeit­lu­pen­auf­nah­men hat­ten RTL und die Pro­duk­ti­ons­firma Grundy die Geschichte der tod­kran­ken Frau, die im Roll­stuhl sitzt und einen Sau­er­stoff­schlauch trägt, vor­her in Szene gesetzt — rei­ner Zynis­mus, wie sich herausstellte.

Wäh­rend Ste­fan seine Talent­lo­sig­keit zeigte, zeigte RTL noch ein­mal, wie seine Mut­ter schwärmte: »Ste­fan ist der neue Super­star. Und er hat das Talent.«

Diese Dis­kre­panz zwi­schen der Liebe und Hoff­nung einer Mut­ter und der Rea­li­tät wäre dem Zuschauer auch so schmerz­haft bewusst gewor­den, aber die Pro­du­zen­ten von »Deutsch­land sucht den Super­star« gin­gen auf Num­mer sicher und schnit­ten das direkt inein­an­der. Sie benutz­ten Ste­fan und sei­nen miss­ra­te­nen Auf­tritt, um seine kranke Mut­ter zu ver­höh­nen. Und sie nutz­ten die kranke Mut­ter und ihren ver­klär­ten Blick auf ihren Sohn, um Ste­fan zu verhöhnen.

Ganz unab­hän­gig davon, wie der Kan­di­dat das fand, der anschei­nend dank­bar war, dass er über­haupt teil­neh­men durfte: Das muss man erst ein­mal tun wollen.

Das ist die Frage, die ich mehr als jede andere stelle, wenn ich »Deutsch­land sucht den Super­star« gucke: Was sind das für Men­schen, die an einer solch ver­kom­me­nen Insze­nie­rung mit­wir­ken? Tom Sän­ger, der Unter­hal­tungs­chef von RTL, hat ein­mal gesagt: »Wir sind sehr dar­auf bedacht, die Akteure nicht zu beschä­di­gen.« Ich weiß nicht, ob das Zynis­mus ist. Oder ob man, wenn man lange genug in die­sem Umfeld gear­bei­tet hat, abstumpft. Oder ob es doch ein­fach schlechte Men­schen sind, die dort arbeiten.

(Den Auf­tritt kann man sich bei Clip­fish ansehen.)

Die verspätete Fernsehkritik: Thilo Sarrazin bei Günther Jauch

Ver­gan­gene Woche war Thilo Sar­ra­zin bei Gün­ther Jauch, und kei­ner hat’s gemerkt.

Das stimmt natür­lich nicht; die Sen­dung hatte fast vier Mil­lio­nen Zuschauer, fast genau so viele wie »Anne Will« am Sonn­tag zuvor. Aber wäh­rend keine Aus­gabe von »Anne Will« unre­zen­siert bleibt, hat Sar­ra­zins Auf­tritt bei »Stern TV« fast keine mediale Reso­nanz gefun­den. Sein Maga­zin werde »publi­zis­tisch kaum mehr wahr­ge­nom­men«, stellte Jauch vor einem hal­ben Jahr fest. In die­sem Fall war das viel­leicht bes­ser so.

Der Besuch von Sar­ra­zin war ein guter Anlass, sich ein­mal anzu­se­hen, wie Jauch mit einem sol­chen Gast und einem sol­chen Thema umgeht, bevor er dem­nächst den tra­di­ti­ons­rei­chen Polit-Talk am Sonn­tag­abend im Ers­ten über­nimmt. Er machte kei­nen guten Eindruck.

Seine Redak­tion auch nicht. Bevor Sar­ra­zin im »Stern TV«-Studio sprach, sprach er, wie in die­ser Sen­dung üblich, in einem »Stern TV«-Filmbericht und erklärte, wie Deutsch­land zu ret­ten sei. Zum Bei­spiel: »Wer seine Kin­der nicht ver­nünf­tig beschult, dem wird die Sozi­al­hilfe teil­weise gestri­chen. Wenn Kin­der die Schule schwän­zen, gibt es Geld­stafe für die Eltern.« Sar­ra­zin erwähnte nicht, dass Schul­schwän­zen bereits jetzt eine Ord­nungs­wid­rig­keit dar­stellt und Eltern von Schul­ver­wei­ge­rern ein Buß­geld droht. »Stern TV« erwähnte es auch nicht.

Jauch rollte Sar­ra­zin einen kusche­li­gen roten Tep­pich aus. Seine erste Frage lau­tete: »War ihnen klar, dass Sie über eine Mil­lion Bücher ver­kau­fen wür­den und dass sie im Grunde so einen Inte­gra­ti­ons­de­bat­tents­u­nami über Deutsch­land aus­lö­sen wür­den?« Kri­ti­sche Fra­gen ver­packte er in dickste Watte: »Viele sagen: ›Der hat ja nicht ganz unrecht, aber er bringt uns nicht wei­ter. Durch sein Buch wer­den die Dinge nicht bes­ser, der Gra­ben zwi­schen Deut­schen und Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, der wird dadurch ver­tieft anstatt dass er zuge­schüt­tet wird.‹ Sie wür­den die Pro­bleme nicht lösen, son­dern nur ver­tie­fen. Ist da nicht was dran?« Oder: »Wenn Sie mit Ihrem Buch gar nicht pro­vo­zie­ren woll­ten, wenn man das alles, was sie schrei­ben, ja wohl auch noch wird sagen dür­fen in die­sem Land, warum haben Sie denn dann den Dienst quit­tiert?« Ob der Halb­satz mit dem, was man ja wohl nach sagen dür­fen wird in die­sem Land, ein Zitat der ent­spre­chen­den »Bild«-Schlagzeile oder Jauchs Mei­nung, blieb offen.

Jauch sagte: »Es gibt Umfra­gen, die besa­gen, dass Sie mit ihren The­sen durch­aus eine neue poli­ti­sche Par­tei grün­den könn­ten, die auf Anhieb erfolg­reich wäre. Die einen sagen 18 Pro­zent, andere sagen 20 Pro­zent, andere sind in ihren Schät­zun­gen noch opti­mis­ti­scher.« Die Zah­len, die Jauch nennt, sind tat­säch­lich durch die Medien gegan­gen, aber ihre Inter­pre­ta­tion ist falsch. 18 ist — laut einer Emnid-Umfrage — nicht der Pro­zent­satz, den eine Sarrazin-Partei bei Wah­len errin­gen würde, son­dern die Zahl der Men­schen, die es sich »vor­stel­len« kön­nen, eine sol­che Par­tei zu wäh­len. Ein gewal­ti­ger Unterschied.

Jauch zitierte den Satz von Bun­des­prä­si­dent Chris­tian Wulff, der Islam gehöre zu Deutsch­land, und fragte Sar­ra­zin: »Sehen Sie das auch so?« Sar­ra­zin ant­wor­tete unter anderem:

»Was er meint und hätte sagen sol­len: Wer isla­mi­schen Glau­bens ist und bei uns die Gesetze ein­hält und sich ein­fügt, kann und soll bei uns leben, wenn er denn sein Brot sel­ber ver­dient. Das wäre eine ver­nünf­tige Aussage.«

Was für eine bemer­kens­werte For­mu­lie­rung, die deut­lich macht, wie Sar­ra­zin Mos­lems dis­kri­mi­niert. Sie müs­sen auf­grund ihrer Reli­gion offen­kun­dig Anfor­de­run­gen erfül­len, die Chris­ten, Athe­is­ten und Agnos­ti­ker nicht erfül­len müs­sen. Was soll, sei­ner Mei­nung nach, mit mus­li­mi­schen Deut­schen pas­sie­ren, die nicht ihr Brot sel­ber ver­die­nen? Oder meint Sar­ra­zin hier nur mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rer? Das wäre aber eine erstaun­li­che Unge­nau­ig­keit, wo er unmit­tel­bar zuvor dem Bun­des­prä­si­den­ten, stot­ternd und sich ver­has­pelnd, vor­ge­wor­fen hat, unsau­ber zu formulieren.

Und was machte Jauch? Er hakte nicht nach, er sprach Sar­ra­zin nicht dar­auf an, er las die nächste Frage von sei­ner Karte ab.

Sar­ra­zin sagte noch mehr erstaun­li­che Sätze. Zum Beispiel:

»Die Wahr­heit bringt immer wei­ter. Und die Wahr­heit kann auch nie schäd­lich sein. Ich habe immer dar­auf gewar­tet, dass irgend­wer mal kommt und sagt: ›Das und das in dem Buch ist falsch. Das und das ist logisch falsch, hier sind fal­sche Zah­len.‹ Das hat es nicht gege­ben. Von den Argu­men­ta­ti­ons­li­nien mei­nes Buches ist bis heute eigent­lich keine wider­legt oder auch nur hin­ter­fragt worden.«

Spä­ter sagte er, die »Tat­sa­chen und Zusam­men­hänge« aus sei­nem Buch seien »bis heute unbe­strit­ten«. Man kann sich womög­lich dar­über strei­ten, ob Aus­sa­gen und Argu­men­ta­tio­nen aus Sar­ra­zins Buch wider­legt wur­den. Aber zu behaup­ten, nie­mand hätte ihm fak­tisch wider­spro­chen oder seine Argu­mente hin­ter­fragt oder bestrit­ten, ist offen­sicht­lich unwahr. Jauch ließ es ihm durchgehen.

Die Redak­tion hatte für einen wei­te­ren Film­be­richt ver­schie­de­nen Fami­lien aus­ge­sucht, die gelun­gene und miss­lun­gene Inte­gra­tion reprä­sen­tie­ren soll­ten. Auf der einen Seite: Ara­bi­sche Groß­fa­mi­lien mit Men­schen, die auch nach vie­len Jah­ren in Deutsch­land kein deutsch spre­chen. Auf der ande­ren Seite: Ein­wan­de­rer aus Kasachs­tan, deren Kin­der schon kein rus­sisch mehr spre­chen, dafür aber jeder ein Musik-Instrument gelernt haben. Der Kon­trast zwi­schen dem abge­schot­te­ten Ghetto im Hoch­haus­vier­tel und der hei­len Welt im Ein­fa­mi­li­en­haus in der Klein­stadt war fast schon lächer­lich maxi­mal — und hätte zu der frucht­ba­ren Frage füh­ren kön­nen, in wel­chem Maß der soziale Sta­tus (im Gegen­satz zur Fixie­rung auf Her­kunft und Reli­gion) eine Rolle bei der »Inte­gra­tion« spielt.

Fak­ten, Sta­tis­ti­ken, Stu­dien dar­über, wie typisch die gezeig­ten Fälle sind, erwähnte »Stern TV« nicht. Jauch sagte bloß, die Nicht-Integrierten, die zu sehen waren, seien ja wohl keine Ein­zel­fälle. Es hätte dann noch eine Dis­kus­sion geben sol­len, aber die schei­terte schon an der Aus­wahl der Gäste. Houaida Taraji, die Fami­lien– und Frau­en­be­auf­tragte im Zen­tral­rat der Mus­lime, hatte zu der Dis­kus­sion nichts bei­zu­tra­gen. Und der Stadt­teil­ma­na­ger von Bremen-Tenever, Joa­chim Bar­loschky, hätte zwar von sei­nen per­sön­li­chen Erfah­run­gen im täg­li­chen Umgang mit vie­len Natio­nen in einem Pro­blem­vier­tel berich­ten kön­nen — dazu hätte man ihn aber dazu befra­gen müssen.

Nach ins­ge­samt über einer hal­ben Stunde zu dem Thema bedankte sich Jauch bei den Dis­kus­si­ons­teil­neh­mern herz­lich dafür, dass es »rich­tig Hin– und Her­ge­gan­gen« sei, denn das sei auch »Sinn der Sache« gewesen.

Dem »Zeit«-Magazin hat Gün­ther Jauch im ver­gan­ge­nen Jahr erzählt, wel­ches Gefühl er manch­mal hat, wenn er eine poli­ti­sche Talk­show sieht:

»Ich sitze oft vor dem Fern­se­her und denke: So, jetzt hat sie oder er den Poli­ti­ker! Der Ball liegt vor dem lee­ren Tor, man muss ihn nur noch rein­schie­ben. Aber was pas­siert? Die Kol­le­gen stop­pen den Ball und lau­fen mit ihm in die andere Richtung.«

Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch hatte er selbst nicht ein­mal Ballkontakt.

Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)

Spre­che­rin: Dass der acht­zig­jäh­rige Rent­ner [Rolf Eden] immer noch so rüs­tig unter­wegs ist, ver­dankt er ganz klar sei­nem Lebensstil.

Eden: Man sieht’s ja an mei­ner Per­son. Ich bin ja nicht mehr der Aller­jüngste. Und trotz­dem hab ich ein Lebens­eli­xier von 18-, 20-, 30-Jährigen. Und das machen die jun­gen Damen natür­lich. Sex mit jun­gen Frauen ist das Gesün­deste, was man haben kann für den Mann.

Das ist das Fazit der RTL-Reportage »Und ewig lockt Lolita« über »Deutsch­lands ers­tes Teeny-Bordell« (sic!), von der ges­tern an die­ser Stelle schon die Rede war. Die Pro­duk­tion der Firma Filet Film für AZ Media zeigt nicht nur, wie sich Män­ner gegen Geld die­ses »Lebens­eli­xier« beschaf­fen kön­nen, son­dern stellt die Arbeit als Lolita-Prostituierte auch als ganz nor­ma­len und lukra­ti­ven Berufs­weg für Acht­zehn­jäh­rige dar, die sich mit Schule oder ande­ren Berufs­aus­bil­dun­gen schwer tun.

Doch das Schulmädchen-Bordell, für das die Sen­dung aus­führ­lich wirbt und das »in eine Welt der Knie­strümpfe, Zöpf­chen, und der Freude an freier Sexua­li­tät« ein­lädt, ist laut RTL nicht nur finan­zi­ell attrak­tiv, son­dern bie­tet sich anschei­nend auch als emo­tio­nale Alter­na­tive für Mäd­chen an, die in ihrer eige­nen Fami­lie auf Ableh­nung stoßen.

Am 22. Sep­tem­ber, zwei Tage nach der spät­abend­li­chen Aus­strah­lung von »Und ewig lockt Lolita«, griff RTL in sei­nem Mit­tags­ma­ga­zin »Punkt 12″ auf die offen­sicht­lich guten Kon­takte zu dem Lolita-Bordell-Betreiber zurück. Tags zuvor hatte näm­lich die »Bild«-Zeitung nega­tiv über das von dem Sen­der bewor­bene Eta­blis­se­ment berich­tet. Eltern eines 18-jährigen Mäd­chens, das dort als Pro­sti­tu­ierte arbei­tet, hät­ten ver­sucht, ihre Toch­ter aus dem »Teenie-Puff« zu befreien. Die Mut­ter behaup­tete in »Bild«, ihre Toch­ter sei labil und werde sys­te­ma­tisch unter Dro­gen gesetzt. Vor Ort sei es zu einem Hand­ge­menge gekom­men, die Poli­zei sei mit einem Groß­auf­ge­bot ange­rückt — aber die Toch­ter habe nicht mit ihrer Fami­lie mit­fah­ren wol­len. (»Bild« titelte den­noch: »Eltern befreien Toch­ter (18) aus Teenie-Puff!«)


Katja Bur­kard, betroffen.

»Punkt 12″ sen­det am nächs­ten Tag eine Art Gegen­dar­stel­lung. Katja Bur­kard fragt die Zuschauer in ihrer Anmo­de­ra­tion zunächst rhe­torsch: »Was geht in Eltern vor, wenn sie erfah­ren, dass ihre 18-jährige Toch­ter in einem Bor­dell arbei­tet?« Doch die »ganze Geschichte«, die sie dann ankün­digt, ist eine andere als erwar­tet. Der Bei­trag schil­dert das Hand­ge­menge und den Poli­zei­ein­satz, und dann:

Spre­cher: Zu die­sem Zeit­punkt den­ken die Beam­ten ver­mut­lich noch, sie müss­ten eine junge Frau aus einem Bor­dell befreien. Aber dann trauen Sie ihren Ohren kaum. Chrissi will gar nicht weg.

Chrissi: Ich bin alt genug, um zu wis­sen, was gut für mich ist und was nicht gut für mich ist. Ich bin hier, weil: Mich hat das inter­es­siert, die­ses Milieu, sag ich ein­fach mal. Und natür­lich spielt das Geld auch eine Nebenrolle.

Spre­cher: Auch wenn es schwer nach­zu­voll­zie­hen ist: Chrissi sagt, hier in dem Bor­dell, habe sie tat­säch­lich so eine Art Fami­lie gefun­den. Denn zuhause, das war für sie die Hölle. (…) Chris­sis Job ist also auch eine Art Flucht. Aber Dro­gen, ver­si­chert sie, die seien hier nie im Spiel gewe­sen. (…) Die 18-Jährige macht eigent­lich einen Job als Alten­pfle­ge­rin. Und jobbt doch lie­ber als Hure.


Der Bordell-Betreiber und seine »Hure«.

Der RTL-Bericht schil­dert nicht die Posi­tion der Gegen­seite, der Eltern und des Ex-Freundes. Das »Punkt 12″-Team hat die Aus­sa­gen des Mäd­chens aber einer Fern­seh­psy­cho­lo­gin gezeigt, die nun als eine Art leben­der Lügen­de­tek­tor attestiert:

Katha­rina Ohana: Auf mich macht sie über­haupt kei­nen unsi­che­ren Ein­druck, also sie scheint sich ihrer Sache ganz sicher zu sein. Sie weiß genau, was sie will. Sie wirkt weder, als würde sie unter Dro­gen gesetzt, noch als hätte sie irgend­ei­nen Zwei­fel an dem, was sie tut. Sie hasst regel­recht ihren Stief­va­ter, sie erfährt von der Mut­ter über­haupt keine Unter­stüt­zung. Dass sie dort in dem Bor­dell eine Art Fami­lie findet.

Ist das nicht schön? Dass es sol­che Orte in Deutsch­land gibt, an denen Kin­der die Wärme erfah­ren, die ihnen ihre Fami­lien nicht geben kön­nen? Orte, an denen diese Kin­der diese Wärme dann wei­ter­ge­ben kön­nen an alte Män­ner, die dafür bezah­len, dass sie ihnen als »Lebens­eli­xier« dienen?


Das Bor­dell wirbt bei Twit­ter für den Fernsehauftritt.

Immer­hin hat sich »Punkt 12″, anders als die im sel­ben Pro­gramm vor zwei Tagen gelau­fene Werbe-Reportage über das­selbe Bor­dell, als Fazit für ein biss­chen Dis­tanz ent­schie­den. Der Spre­cher knarzt moralisch:

Spre­cher: Eine Art Fami­lie im Bor­dell. Allein das sollte Chris­sis Mut­ter und ihrem Stief­va­ter zu den­ken geben. Die Flucht ins Milieu, sie ist damit womög­lich doch nicht so ganz freiwillig.

»Ein Mädchen, das bei uns anfängt, ist auch wirkliche Anfängerin«: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt

Ältere Män­ner, die jün­gere Mäd­chen begeh­ren, machen sich gut im Fern­se­hen. RTL 2 ver­sucht zur Zeit, sich als gesell­schaft­lich ver­ant­wor­tungs­voll han­deln­der Sen­der dar­zu­stel­len, indem er sie bei Kon­takt­ver­su­chen im Inter­net in eine Falle lockt und dann ein­dring­lich fragt, was sie sich eigent­lich dabei den­ken. Halb­schwes­ter­sen­der RTL macht der­weil Lust auf »Lolita-Sex« und wirbt für »Deutsch­lands ers­tes Teeny-Bordell« (sic!).

Mon­tag vor drei Wochen. Am spä­ten Abend läuft »30 Minu­ten Deutsch­land«, eine Sen­dung der Pro­duk­ti­ons­firma AZ Media, einem ver­meint­lich »unab­hän­gi­gen« Anbie­ter, dem RTL Sen­de­zeit abge­ben muss. AZ Media ist RTL freundschaftlich-geschäftlich ver­bun­den; der Sen­der nennt die Reihe »Unser Reportage-Highlight«.

Dem Thema der Pro­sti­tu­tion jun­ger Frauen, die noch jün­ger aus­se­hen, wid­met sich diese Sen­dung wie folgt:

Spre­che­rin: In Köln wurde jetzt ein Bor­dell eröff­net, das sich mit sei­nem Ange­bot spe­zi­ell an Lieb­ha­ber von Loli­tas wendet.

Kunde Hein­rich: Diese Mäd­chen, kna­cki­ger Kör­per, und die sind genau so ver­saut wie ›ne reife Frau. Das ist ja das Geile daran.

Spre­che­rin: Der 60-jährige Hein­rich ist Stamm­gast in »Teeny-Land«, einem Bor­dell, das sich auf Lieb­ha­ber von Loli­tas spe­zia­li­siert hat.

Wir sehen Hein­rich im Gespräch mit der »Haus­dame« Sonja.

Hein­rich: (…) Jetzt zieht es mich wie­der hin zu den Teenies.

Sonja: So ist das schön.

Hein­rich: Wer ist heut alles da?

Sonja: Heute ist da, die Ari­ella ist da, die Lucie ist da, die Micky ist da, viele Mäd­chen… Ich bring dir die Mäd­chen mal, und dann kannst du dich entscheiden. (…)

Die Mäd­chen kom­men ein­zeln ins Zim­mer und stel­len sich Hein­rich vor.

Spre­che­rin: Seit dem Tod sei­ner Frau vor zwei Jah­ren kommt Hein­rich min­des­tens zwei Mal im Monat und sucht sich ein jun­ges Mäd­chen aus. Aller­dings erst nach aus­führ­li­cher Betrach­tung des aktu­el­len Ange­bots. Die Bestel­lung nimmt Haus­dame Sonja entgegen.

Sonja: Was für Dich dabei?

Hein­rich: Super, ja. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Ari­elle gefällt mir ziem­lich gut. Die Lucy ist ne ganz süße. Und die Janine!

Sonja: Ja, die ist ganz süß. Ist ›ne ganz neue auch.

Hein­rich: Ich will also ›ne Stunde. Und… fran­zö­sisch opti­mal, macht das auch die Lucy?

Sonja: Die Lucy macht das lei­der nicht.

Hein­rich: Na, ich würde sagen, dann nehm ich die Janine.

Sonja: Okay, dann schick ich dir die Janine für ›ne Stunde. (…)

Spre­che­rin: Janine ist noch neu hier im »Teeny-Land«. Das Geschäft mit der bezahl­ten Liebe kennt die 20-jährige aller­dings schon aus dem Eff­eff. Bis zu zehn Kun­den erfüllt sich Tag für Tag fast alle Wünsche.

Janine: Hi, ist ja schön, dass du dich für mich ent­schie­den hast.

Hein­rich: Du bist ja ganz neu hier.

Janine: Ja.

Hein­rich: Mir gefällt sowas. Wir wer­den ne geile Stunde ver­brin­gen, glaube mir.

Spre­che­rin: Für die Real­schü­le­rin ist der Sex mit dem 40 Jahre älte­ren Mann ein ganz nor­ma­ler Job. (…) Mit ihren jugend­li­chen Kör­pern und eini­gen Tricks beim Make-up und der Klei­der­wahl gelingt es Janine und ihren Kol­le­gin­nen, den zah­len­den Kun­den das Image der unschul­di­gen Lolita zu verkaufen. (…)

Janine: Die Mäd­chen sehen nicht aus wie über Zwan­zig. (…) Jeder von uns hat noch ein biss­chen die Teenie-Art.

Hein­rich: Seit eh und je fühl ich mich hin­ge­zo­gen zu Teenie-Mädchen. (…)

Spre­che­rin: Der 60-jährige Kunde ist nicht der ein­zige Fan von jun­gen Mäd­chen. Die Idee vom »Teeny-Land« wird von der Kund­schaft hono­riert. Betrei­ber Kas­par hat stän­dig neue Ideen für die Aus­ge­stal­tung sei­ner Räume.

Kas­par: Hier fin­den unsere klas­si­schen Rol­len­spiele statt. Das bedeu­tet, Lehrer-Schüler-Geschichten, haupt­säch­lich. (…) Teil­weise auch rich­tige Unterrichtsstunden.

Spre­che­rin: Die Kli­en­tel, die die Schulmädchen-Erotik bucht, ist bunt gemischt. Junge Män­ner sind die große Auf­nahme, drei Vier­tel der Män­ner älter als 40.

Kas­par: (…) Im jun­gen Alter ist der nor­male Sex meis­tens hin­rei­chend und aus­rei­chend für die eigene Lust­be­frie­di­gung. Und mit zuneh­men­dem Alter (…) expe­ri­men­tiert man mehr, ent­wi­ckelt andere Fan­ta­sien, und irgend­wann wol­len die auch ver­wirk­licht werden. (…)

Spre­che­rin: Die Frauen, die hier im Bor­dell arbei­ten, sind zwi­schen 18 und 20 Jahre alt.

Kas­par: Ein Mäd­chen, das bei uns anfängt, ist in der Regel auch wirk­li­che Anfän­ge­rin. Ganz ein­fach auf­grund des Alters ist das meis­tens gar nicht anders mög­lich. Es gibt viele Mäd­chen, die war­ten gerade auf den Tag, wo sie 18 wer­den, um dann hier beruf­lich, ich sag’s jetzt ein­fach mal, Kar­riere zu machen. Wir sind im End­ef­fekt nichts ande­res als ein ande­rer Betrieb auch. Es geht auch tat­säch­lich um viel Geld, das kann man offen so sagen, beson­ders für die Mädels.

Spre­che­rin: Im Schnitt kom­men die Jung­pro­sti­tu­ier­ten auf min­des­tens 200 Euro pro Schicht. Kein schlech­ter Ver­dienst für die Mäd­chen, die oft weder Schul­ab­schluss noch Aus­bil­dung haben. Um diese küm­mert sich ein­mal im Monat Bor­dell­chef Kas­par persönlich.

Kas­par: (vor einer Schul­ta­fel, zu den Mäd­chen) Wer gut reden kann, muss weni­ger bla­sen. Ich sag auch ja immer, wer gut bla­sen kann, muss weni­ger (Wort über­piept). Aber es gilt auch anders­rum: Wer gut reden kann, muss weni­ger blasen.

Nun ist es nicht so, dass der Film die Pro­bleme die­ser Lei­den­schaft für junge Mäd­chen völ­lig aus­blen­det. So lapi­dar, wie das Thema dann ange­schnit­ten und gelöst wird, wünscht man sich aller­dings, er hätte es getan.

Spre­che­rin: Dabei ist die Grenze zwi­schen der Fas­zi­na­tion für früh­reife junge Men­schen und kri­mi­nel­ler Pädo­phi­lie nicht immer leicht zu zie­hen. Doch Pädo­phile kom­men nicht in sein Bor­dell, da ist sich Betrei­ber Kas­par sicher.

Kas­par: Ich glaube, dass pädo­phile Gäste wir hier nicht haben. Es ist ein ganz gro­ßer Unter­schied zwi­schen einer Lolita, einem jun­gen Mäd­chen, und einem Kind da. Die Mädels, die hier mit uns arbei­ten, sind Frauen, kör­per­lich Frauen. Das heißt, sie haben weib­li­che Reize, Brüste, Hüf­ten, und so wei­ter und so fort. Und genau das ist es ja nicht, was einen Pädo­phi­len reizt.

Das Bor­dell wirbt auf sei­ner Inter­net­seite damit, die ein­zige Adresse Deutsch­lands »spe­zi­ell für Teeny– mäd­chen und Freunde von Unbe­schwert­heit und Jugend« zu sein: »Taucht ein in eine Welt der Knie­strümpfe, Zöpf­chen, und der Freude an freier Sexua­li­tät. Im Teen­y­land legen die süs­sen Loli­tas ihre Schul­bü­cher bei­seite und tau­schen den Abitur­stress gegen die wun­der­bare Mög­lich­keit ihre Sexua­li­tät zu ent­de­cken, und Dinge aus­zu­pro­bie­ren, die auf dem Pau­sen­hof tabu sind. Hier­für benö­tigt man Leh­rer, die wis­sen wor­auf es ankommt und nicht bloss Bücher wäl­zen kön­nen. Im Teen­y­land ste­hen Lust, Spass und Freude an der Sache im Vor­der­grund.« Alle Mäd­chen hät­ten das acht­zehnte Lebens­jahr voll­en­det, »auch wenn es nicht immer so aussieht«.

Ob man als Mann, der Teen­ager begehrt und ihre Nähe sucht, in der RTL-Familie am Pran­ger lan­det oder in einem Wer­be­film für ein »Teeny-Bordell«, ist offen­bar nur eine Frage des Zufalls. Und in der Welt von AZ Media scheint die Pro­sti­tu­tion für junge Mäd­chen ohne Aus­bil­dung und mit Geld­nö­ten eine ganz nor­male und sehr attrak­tive Mög­lich­keit der Berufs­wahl zu sein.

(via fernsehkritik.tv; Screen­shots: RTL)

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