Das »Handelsblatt« gegen ARD und ZDF: Wenn Ahnungslose Kampagnen machen

Dies ist das Niveau, auf dem die Kam­pa­gne des »Han­dels­blatts« gegen ARD und ZDF ange­kom­men ist:

Ein Dos­sier bläst auf zehn Sei­ten annä­hernd alles, was der Medi­en­re­dak­teur Hans-Peter Sie­ben­haar in den ver­gan­ge­nen Tagen und Jah­ren schon über ARD und ZDF ins »Han­dels­blatt« sowie in sein Buch »Die Nim­mer­sat­ten« geschrie­ben hatte, noch ein­mal neu auf und schafft damit das Kunst­stück, selbst das Som­mer­pro­gramm des Hes­si­schen Fern­se­hens an Wie­der­ho­lun­gen zu übertreffen.

Es recy­celt erneut eine angeb­li­che »Stu­die« für den Auto­ver­mie­ter Sixt, wonach die Gebüh­ren­ein­nah­men von ARD und ZDF durch die neue Haus­halts­ab­gabe um 1,6 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich stei­gen. Sixt hatte im Okto­ber 2010 ein zufäl­lig vor­bei­kom­men­des Milch­mäd­chen gebe­ten, das zu errech­nen. Seit­dem wird die Zahl vom »Han­dels­blatt« und ande­ren Geg­nern von ARD und ZDF benutzt, eine Gebets­mühle anzu­trei­ben. Dass seriöse Schät­zun­gen die­ser Zahl wider­spre­chen und nach­voll­zieh­bar erläu­tern, warum sie sich nicht so leicht errech­nen lässt wie es Sixt behaup­tet, erwähnt das »Han­dels­blatt« ebenso wenig wie die Tat­sa­che, dass ARD und ZDF diese Ein­nah­men, wenn sie wider Erwar­ten tat­säch­lich rea­li­siert wür­den, nicht behal­ten dürften.

Zur umfas­sen­den Des­in­for­ma­tion packt das »Han­dels­blatt« die Zahl nun sogar in eine Sta­tis­tik mit offi­zi­ell wir­ken­der Quellenangabe:

Die Dossier-Artikel selbst prägt die inzwi­schen bekannte Denk­ver­wei­ge­rung. Das »Han­dels­blatt« wirft es ARD und ZDF ebenso vor, bloß auf die Quo­ten zu schauen, wie Pro­gramme zu machen, die keine gro­ßen Quo­ten haben. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen den Pri­va­ten Sport­rechte weg­kau­fen, hält das »Han­dels­blatt« das für ver­werf­lich; wenn sie im Kampf um teure Film­rechte den Pri­va­ten das Feld weit­ge­hend über­las­sen, hält das »Han­dels­blatt« das auch für verwerflich.

Immer­hin ist mir nach dem Lesen die­ser zehn Sei­ten klar gewor­den, warum das »Han­dels­blatt« sich so aus­dau­ernd an den Öffentlich-Rechtlichen und ihrer neuen Finan­zie­rung abar­bei­tet: nicht nur aus ideo­lo­gi­schen Grün­den, wegen des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses, aus Neid, Popu­lis­mus oder weil es nichts kos­tet (vor allem keine Recher­che). Offen­kun­dig gehö­ren die Leute, die im »Han­dels­blatt« übers Fern­se­hen schrei­ben, zu denen, die nie Fern­se­hen schauen und jetzt trotz­dem zah­len müs­sen. Anders lässt sich die Flut von sach­li­chen Feh­lern kaum erklären:

Die ARD, die den Vor­abend bis dahin [gemeint ist der Start der RTL-Soap »Gute Zei­ten, schlechte Zei­ten«] mit bie­de­ren Fami­li­en­se­rien bestrit­ten hatte, zog nach: mit dem Liebes-und Intri­gen­sta­del »Ver­bo­tene Liebe« rund um das Schloss der Fami­lie von Anstet­ten. (…) Bald legte die ARD »Mari­en­hof« und »Rote Rosen« nach.

»Ver­bo­tene Liebe« ging erst 1995 auf Sen­dung, »Mari­en­hof« schon 1992.

An den Erfolg von Cas­ting Shows wie »Deutsch­land sucht den Super­star« (RTL) oder »Pop­stars« (Sat1), ver­suchte das ZDF mit dem Polit-Klamauk »Ich kann Kanz­ler« oder dem »Musi­cal Show Star« anzuknüpfen.

»Pop­stars« lief auf RTL 2 und Pro­Sie­ben, aber nie auf Sat.1.

Die Wirk­lich­keit sieht dann so aus: Der Erfolgs­re­gis­seur Bora Daget­kan etwa hat für die ARD die Vor­abend­se­rie »Tür­kisch für Anfän­ger« ent­wor­fen. Die sorgte zwar nicht für tolle Quo­ten, laut Kri­ti­kern aber für Über­ra­schung, Esprit und Witz. Dinge, die bei
ARD und ZDF nicht gerade im Über­fluss vor­han­den sind. Eine Zukunft hatte die Serie den­noch nicht.

Der Mann heißt Bora Dağ­te­kin, und »Tür­kisch für Anfän­ger« brachte es, trotz durch­wach­se­ner Quo­ten, immer­hin auf drei Staf­feln mit ins­ge­samt 52 Folgen.

Die US-Erfolgsserien »Mad Men« und »West Wing« wur­den gleich in den Spar­ten­ka­nal ZDF neo verbannt.

»West Wing« läuft nicht auf ZDFneo.

Als sich die Dis­kus­sion über die Haus­halts­ab­gabe immer stär­ker zuspitzte, ent­schloss sich das ZDF zu einem in der Sen­der­ge­schichte ein­ma­li­gen Expe­ri­ment. Die Anstalt machte sich erst­mals selbst zum Thema.

Das ZDF hat eine lange Tra­di­tion, sich selbst im Pro­gramm zum Thema zu machen. Es tat das zum Bei­spiel in Sen­dun­gen wie »Gespräch mit dem Inten­dan­ten« (1963–1976) und »Wir stel­len uns« (1984–1992). Übri­gens hat auch die ARD schon den öffentlich-rechtlichen Rund­funk und die Kri­tik daran in einer Talk­show am Haupt­abend zum Thema gemacht: Im Januar 2006 dis­ku­tier­ten bei »Hart aber fair« unter ande­rem Pri­vat­fern­seh­lob­by­ist Jür­gen Doetz und Hen­ryk M. Bro­der mit Sen­der­ver­ant­wort­li­chen über Kom­mer­zia­li­sie­rung, Schleich­wer­bung, Volksmusikwahn.

Sams­tag, 20.15 Uhr, beste Sen­de­zeit im deut­schen Fern­se­hen. Die ARD zeigt »Das Win­ter­fest der flie­gen­den Stars«. Am kom­men­den Sams­tag sieht es ähn­lich aus: Die ARD zeigt, wie­der am Sams­tag, 20.15 Uhr, die Sen­dung »Ser­vus, Hansi Hin­ter­seer«. Beim ZDF heißt es am16. Februar, natür­lich auch ein Sams­tag, 20.15 Uhr: »Will­kom­men bei Car­men Nebel«. Drei Sen­dun­gen, ein Pro­gramm. Das öffentlich-rechtliche Fern­se­hen zeigt zur Prime­time am Wochen­ende Volksmusik.

»Will­kom­men bei Car­men Nebel« ist keine Volks­mu­sik­sen­dung. In der letz­ten Sen­dung tra­ten auf: Eros Ramaz­zotti, Il Divo, Rolando Vil­la­zón, Unhei­lig, Pur, Andreas Gaba­lier, Chris de Burgh, Patri­cia Kaas, Peter Cor­ne­lius, Nik P., Linda Hesse, Wolf­gang Trep­per, Leo Rojas, Sir Roger Moore.

In der Rang­liste der belieb­tes­ten Fern­seh­for­mate kommt Volks­tüm­li­ches laut Allens­bach mit elf Pro­zent erst auf Rang 18 — noch hin­ter Daily Soaps und Talent­shows. Nur eins boomt in dem Genre: die TV-Präsenz am Samstagabend.

Die Zahl der volks­tüm­li­chen Sen­dun­gen am Sams­tag­abend geht zurück.

Hin und wie­der zei­gen sich die Sen­der ein­sich­tig. Der MDR etwa hat kürz­lich den Wer­nes­grü­ner Musi­kan­ten­stadl eingestellt.

Die Sen­dung hieß »Wer­nes­grü­ner Musi­kan­tenschenke«. Ihre Ein­stel­lung hat übri­gens zu zahl­rei­chen Pro­tes­ten von Poli­ti­kern, Musi­kern und Zuschau­ern geführt.

Als das ZDF vor eini­ger Zeit moder­ner wer­den wollte, kün­digte Pro­gramm­di­rek­tor Tho­mas Bel­lut an, weni­ger Volks­mu­sik und statt­des­sen mehr Schla­ger zei­gen zu wol­len. Ver­bes­sert hat das die Lage nur unwesentlich.

Das ZDF hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren »Weih­nach­ten mit Mari­anne & Michael« abge­setzt, »Lie­bes­grüße mit Mari­anne & Michael«, den »Grand-Prix der Volks­mu­sik«, »Lus­tige Musi­kan­ten on Tour« und »Das ZDF-Wunschkonzert der Volks­mu­sik«. Es würde mich über­ra­schen, wenn das »Han­dels­blatt« auch nur eine Volksmusik-Sendung im ZDF benen­nen könnte.

Der Kaba­ret­tist Vol­ker Pis­pers wagte, im öffentlich-rechtlichen WDR aus­zu­spre­chen, was viele den­ken: »Von mei­nen GEZ-Gebühren dür­fen keine Volksmusik-Sendungen finan­ziert werden.«

Ja, das wagte er. Aber viel­leicht hätte die Berufs­be­zeich­nung »Kaba­ret­tist« den eif­ri­gen Stroh­halm­klam­me­rern des »Han­dels­blat­tes« eine War­nung sein sol­len. Der Kon­text des Sat­zes von Pis­pers lau­tet näm­lich so:

Was die unsach­ge­mäße Ver­wen­dung Ihrer Gebüh­ren angeht, möchte ich Sie an die­ser Stelle ein­mal beru­hi­gen. Ich sel­ber lege gro­ßen Wert dar­auf, dass meine Hono­rare aus­schließ­lich aus den Gebüh­ren der­je­ni­gen Höre­rin­nen und Hörer bezahlt wer­den, die meine Bei­träge mögen. Schließ­lich bin ich sel­ber Gebüh­ren­zah­ler und fände es uner­träg­lich, wenn von mei­nen Gebüh­ren Sen­dun­gen oder Mode­ra­to­ren bezahlt wür­den, die ich über Gebühr schreck­lich finde. So habe ich zum Bei­spiel ver­fügt, dass von mei­nen GEZ-Gebühren keine Volks­mu­sik­sen­dun­gen finan­ziert wer­den dür­fen. Auch die Hono­rare der Her­ren Rein­hold Beck­mann, Wolf-Dieter Posch­mann und Peter Hahne dür­fen unter gar kei­nen Umstän­den aus Gel­dern bestrit­ten wer­den, die ich zwangs­weise über­wie­sen habe.

Das habe ich der GEZ unmiss­ver­ständ­lich klar gemacht. Natür­lich kann die GEZ Ihre kost­ba­ren Gebüh­ren, liebe Höre­rin­nen und Hörer, nur dann kor­rekt ver­wen­den, wenn in der dor­ti­gen Gebüh­ren­ver­tei­lungs­stelle ihre per­sön­li­chen Vor­lie­ben bzw. Abnei­gun­gen auch bekannt sind. Da reicht übri­gens ein form­lo­ses Schrei­ben. Es ist zwar für die GEZ ein Rie­sen­auf­wand, die ein­ge­hen­den Gebüh­ren auf die ver­schie­de­nen Töpfe, aus denen bestimmte Sen­dun­gen nicht finan­ziert wer­den dür­fen, zu ver­tei­len. Aber das machen die da gerne. Genauso wie mein Finanz­amt ohne mit der Wim­per zu zucken zur Kennt­nis genom­men hat, dass ich nicht möchte, dass von mei­nen Steu­er­gel­dern die Diä­ten von Abge­ord­ne­ten der FDP bzw. Poli­zei­ein­sätze bei Castor-Transporten oder Fuß­ball­spie­len des FC Bay­ern Mün­chen bezahlt werden.

Es immer schwie­rig mit der Iro­nie. Aber kann man wirk­lich so dumm sein, diese Sätze als For­de­rung zu ver­ste­hen, keine Volks­mu­sik mehr mit den Rund­funk­ge­büh­ren zu finan­zie­ren, und nicht als Kri­tik an genau der Art von Igno­ranz, wie sie das »Han­dels­blatt« demonstriert?

Aber ja. Man muss nur dumm genug sein wollen.

Rundfunkbeitrag bald fast so schlimm wie Hitler

Es gibt allem Anschein nach nichts, was dem »Han­dels­blatt« zu falsch oder zu dumm ist, um es im Kampf gegen ARD und ZDF zu ver­wen­den. Den vor­läu­fi­gen (und schwer zu unter­tref­fen­den) Tief­punkt mar­kiert ein Gast­bei­trag der frü­he­ren CDU-Bundestagsabgeordneten Vera Lengs­feld, den die Zei­tung ges­tern auf ihrer Inter­net­seite veröffentlichte.

Ich fürchte, man muss das lesen, um eine Ahnung davon zu haben, auf wel­chem Niveau inzwi­schen die — an sich nicht nur legi­time, son­dern auch not­wen­dige — Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rund­funk geführt wird.

wei­ter­le­sen →

Die Nimmerklugen: Die »Handelsblatt«-Propaganda gegen ARD und ZDF

Es ist unmög­lich, auch nur im Ansatz all die Des­in­for­ma­tio­nen zu doku­men­tie­ren oder gar zu berich­ti­gen, die die deut­sche Presse in die­sen Tagen über die neue Haus­halts­ab­gabe für den öffentlich-rechtlichen Rund­funk ver­brei­tet. Ich habe das ges­tern im BILD­blog wenigs­tens mit eini­gen Details aus der »Bild«-Kampagne ver­sucht, aber es kom­men jeden Tag neue Unwahr­hei­ten nach.

Heute lie­fert der Medi­en­re­dak­teur und Wider­stands­kämp­fer Hans-Peter Sie­ben­haar im »Han­dels­blatt« ein beson­ders kras­ses Bei­spiel dafür, wie umfas­send man die Leser (und natür­lich andere ver­meint­li­che Fach­jour­na­lis­ten) in die Irre füh­ren kann, wenn man alt­be­kannte Tat­sa­chen als neu prä­sen­tiert und falsch interpretiert.

Sein Arti­kel beginnt so:

Die öffentlich-rechtlichen Anstal­ten dür­fen die erwar­te­ten Mehr­ein­nah­men durch die neue Rund­funk­ge­bühr in Höhe von 304 Mil­lio­nen Euro behal­ten. Davon ent­fal­len auf die ARD 197,3 Mil­lio­nen Euro, auf das ZDF 60,1Millionen und auf das Deutsch­land­ra­dio 46,7 Mil­lio­nen Euro im Zeit­raum 2013 bis 2016. Das teilte ges­tern die Kom­mis­sion zur Ermitt­lung des Finanz­be­darfs der Rund­funk­an­stal­ten (KEF) in Mainz auf Anfrage des Han­dels­blatts mit.

Das ist fast schon preis­ver­däch­tig irreführend.

Ver­ständ­nis­frage: Wer­den Mehr­ein­nah­men in Höhe von 304 Mil­lio­nen Euro erwar­tet? Oder dür­fen die öffentlich-rechtlichen Anstal­ten von mög­li­chen Mehr­ein­nah­men in unbe­stimm­ter Höhe 304 Mil­lio­nen Euro behalten?

Rich­tig wäre die zweite Inter­pre­ta­tion, aber durch den bestimm­ten Arti­kel (»die erwar­te­ten Mehr­ein­nah­men in Höhe von«) lenkt Sie­ben­haar die Leser in die andere, die fal­sche Richtung.

All die Zah­len, die Sie­ben­haar da nennt und die die KEF angeb­lich ges­tern sei­ner Zei­tung mit­teilte, ste­hen im 18. Bericht, den diese Kom­mis­sion im Dezem­ber 2011 vor­ge­legt hat. Sie ste­hen dort gleich auf der ers­ten Text-Seite. Sie geben die Finan­zie­rungs­lü­cke an, die nach den Schät­zun­gen der KEF bei ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio in den nächs­ten vier Jah­ren entsteht.

Nor­ma­ler­weise hätte die Rund­funk­ge­bühr um 18, 35 Cent erhöht wer­den müs­sen, um diese Lücke zu schlie­ßen. Weil aber außer Burk­hardt Müller-Sönksen und der »Bild«-Zeitung nie­mand weiß, wie­viel Geld durch das neue Ver­fah­ren wirk­lich ein­ge­nom­men wird (und weil es poli­tisch so gewollt war), wurde die Höhe des Bei­tra­ges nicht angehoben.

Es sollte erst abge­war­tet wer­den, wie sich die Ein­nah­men tat­säch­lich ent­wi­ckeln. Lie­gen sie über den Schät­zun­gen, würde dar­aus der Finanz­be­darf gedeckt. Kommt noch mehr Geld zusam­men, als den öffentlich-rechtlichen zusteht, würde das bei der zukünf­ti­gen Fest­set­zung der Gebüh­ren berück­sich­tigt: Sie wür­den weni­ger stark stei­gen oder sogar sin­ken. Kommt weni­ger zusam­men, müss­ten sie ent­spre­chend stär­ker steigen.

Das ist alles seit Jah­ren bekannt. Das ist das Wesen des gan­zen Sys­tems. Das Geld, das ARD und ZDF bekom­men, rich­tet sich nicht danach, was ein­ge­nom­men wird, son­dern danach, was ihnen auf­grund ihrer Kos­ten zuge­stan­den wird. Die seit Tagen anhal­tende mediale Fixie­rung auf die mög­li­che Höhe der Ein­nah­men durch das neue Sys­tem funk­tio­niert als Skan­da­li­sie­rung nur, weil sie die­sen Grund­satz ignoriert.

Des­halb kann Sie­ben­haar fal­sche und längst bekannte Tat­sa­chen zu einer ver­meint­li­chen Nach­richt zusam­men­rüh­ren. Er schreibt weiter:

Mitt­ler­weile ist auch eine Redu­zie­rung der monat­li­chen Rund­funk­ge­bühr, frü­her als GEZ-Gebühr bekannt, kein Tabu­thema mehr. »Wenn es zu deut­li­chen Mehr­ein­nah­men kommt, ist auch eine Sen­kung der Rund­funk­ge­büh­ren denk­bar«, sagte KEF-Geschäftsführer Horst Weg­ner dem Han­dels­blatt. »Eine Gebüh­ren­sen­kung ist frü­hes­tens zum 1. Januar 2015 denk­bar.« Wenn eine Mil­li­arde Euro mehr rein­kommt, müss­ten diese Mehr­ein­nah­men an die Gebüh­ren­zah­ler durch eine Gebüh­ren­sen­kung wei­ter­ge­ge­ben wer­den, sagte ges­tern ein KEF-Experte, der unge­nannt blei­ben will.

Schön dass der unge­nannte KEF-Experte ein­fach noch ein­mal das­selbe sagt wie der genannte KEF-Experte. Aber da auch der genannte KEF-Experte nur sagt, was immer schon fest­stand (und kei­nes­wegs ein »Tabu­thema« war, wie Sie­ben­haar fan­ta­siert), ist es eh wurscht. Redun­danz wird erst in der Wie­der­ho­lung rich­tig schön.

Apro­pos. Sie­ben­haar schreibt heute:

Für Unter­neh­men kön­nen die neuen Bei­träge nach Berech­nun­gen des Han­dels­blatts und von Wirt­schafts­ver­bän­den um den Fak­tor 17 höher aus­fal­len als die alten Gebüh­ren. Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz etwa zahlte bis­lang 26.000 Euro Rund­funk­ge­büh­ren im Jahr, künf­tig wer­den es 472.000 Euro sein. Den Drogeriemarkt-Filialisten DM kos­te­ten ARD und ZDF bis­lang 94.000 Euro, mit dem Jah­res­wech­sel wer­den dar­aus 266.000 Euro. Deutsch­lands Lebens­mit­tel­händ­ler Rewe erwar­tet eine Kos­ten­stei­ge­rung um 500 Prozent.

Nach frü­he­ren Berech­nun­gen des Auto­ver­mie­ters Sixt dro­hen Bür­gern pro Jahr Zusatz­kos­ten von 600 Mil­lio­nen Euro und Fir­men von 950 Mil­lio­nen Euro.

Ges­tern hatte Sie­ben­haar zusam­men mit »Handelsblatt«-Kollegen geschrieben:

Für Unter­neh­men kön­nen die neuen Bei­träge nach Berech­nun­gen des Han­dels­blatts und von Wirt­schafts­ver­bän­den um den Fak­tor 17 höher aus­fal­len als die alten Gebüh­ren. Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz etwa zahlte bis­lang 26.000 Euro Rund­funk­ge­büh­ren im Jahr, künf­tig wer­den es 472.000 Euro sein. Den Drogeriemarkt-Filialisten dm kos­te­ten ARD und ZDF bis­lang 94.000 Euro, mit dem Jah­res­wech­sel wer­den dar­aus 266.000 Euro. (…) Deutsch­lands Lebens­mit­tel­händ­ler Rewe erwar­tet eine Kos­ten­stei­ge­rung um 500 Pro­zent. Nach frü­he­ren Berech­nun­gen des Auto­ver­mie­ters Sixt dro­hen Bür­gern pro Jahr Zusatz­kos­ten von 600 Mil­lio­nen Euro und Fir­men von 950 Mil­lio­nen Euro.

Neinn­ein, das ist nicht der­selbe Text. Ges­tern war »DM« klein geschrieben.

Viel­leicht ver­öf­fent­licht das »Han­dels­blatt« jetzt aus Pro­test gegen die Finan­zie­rung von ARD und ZDF diese Absätze ein­fach täg­lich neu, ange­rei­chert mit Infor­ma­tio­nen, die man sich ein bis vier Jahre nach ihrer Ver­öf­fent­li­chung noch­mal von den jewei­li­gen Behör­den bestä­ti­gen lässt und dann falsch interpretiert.

Wenn Leser dafür tat­säch­lich Geld aus­ge­ben, hätte das »Han­dels­blatt« ein Finan­zie­rungs­sys­tem für seine Pro­pa­gan­da­ma­schine erfun­den, das fast so zukunfts­si­cher ist wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Wie ARD und ZDF ihren Gebührenbedarf kleinrechnen

Die ARD behaup­tet, der zusätz­li­che Finanz­be­darf, den sie für die kom­men­den vier Jahre ange­mel­det habe, ent­spre­che einer jähr­li­chen Stei­ge­rung um 1,1 Pro­zent. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel hat diese Zahl auch in diver­sen Inter­views genannt. Das ZDF rech­net sei­nen zusätz­li­chen Bedarf öffent­lich in eine jähr­li­che Stei­ge­rung von 1,3 Pro­zent um. Beide Anga­ben sind falsch. In Wahr­heit sind die Stei­ge­run­gen deut­lich höher.

Das wird jetzt ein biss­chen kompliziert.

Es gibt meh­rere Gründe, warum die Zah­len über die von ARD und ZDF bei der zustän­di­gen Kom­mis­sion KEF bean­trag­ten Mit­tel so schwer ein­zu­ord­nen und so leicht zu skan­da­li­sie­ren sind. Der nahe­lie­gendste sind natür­lich die schie­ren abso­lu­ten Größe der Zah­len, die Mil­lio­nen– und Mil­li­ar­den­be­träge. Aber es kommt noch etwas hinzu: Die Gebüh­ren­pe­riode läuft über vier Jahre. Die bewil­lig­ten Etats stei­gen am Anfang sprung­haft an und blei­ben dann konstant.

Die ARD zum Bei­spiel hat eine Bedarfs­stei­ge­rung um ins­ge­samt 900 Mil­lio­nen Euro ange­mel­det. Das ent­spricht 225 Mil­lio­nen Euro jähr­lich. Diese 225 Mil­lio­nen Euro stel­len eine Zunahme des Etats um 4,1 Pro­zent dar. Dem ste­hen dann aber drei Jahre ohne wei­te­res Wachs­tum gegen­über. Die 4,1 Pro­zent las­sen sich des­halb nicht mit jähr­li­chen Stei­ge­rungs­ra­ten wie etwa der Infla­tion vergleichen.

Es ist des­halb prin­zi­pi­ell sinn­voll, diese Zahl auf eine jähr­li­che Stei­ge­rungs­quote umzu­rech­nen, wie es ARD und ZDF tun. Mit der behaup­te­ten jähr­li­chen Anpas­sung von 1,1 Pro­zent der ARD ergäbe sich aller­dings fol­gen­des Bild:

Tat­säch­lich ist nach vier Jah­ren mit einer jähr­li­chen Stei­ge­rung von 1,1 Pro­zent die neue bean­tragte Etat­höhe erreicht. Nur hat die ARD diese Höhe ja auch schon für die Jahre zuvor bean­tragt. Anstatt der 900 Mil­lio­nen, die sie angeb­lich ins­ge­samt zusätz­lich braucht, bekäme sie mit einer jähr­li­chen Stei­ge­rungs­rate von 1,1 Pro­zent in vier Jah­ren nur rund 614 Mil­lio­nen zusätzlich.

Um auf 900 Mil­lio­nen Mehr­ein­nah­men zu kom­men, müsste der Etat nicht vier Jahre lang um 1,1 Pro­zent, son­dern um 1,6 Pro­zent steigen.

Das ZDF hat exakt den­sel­ben Rechen­feh­ler gemacht. Es hat — nach neu­es­ten Zah­len — einen Bedarf von 411 Mil­lio­nen Euro ange­mel­det. (Die von der »Zeit« behaup­te­ten 435 Mil­lio­nen sind falsch; die vom ZDF spä­ter bestä­tig­ten 428 Mil­lio­nen inzwi­schen nach ZDF-Angaben überholt.)

Der Sen­der erklärt mir:

Die­ser Finanz­be­darf (411 Mio) würde bezo­gen auf die Bei­trags­pe­riode 2013–2016, bei dem ange­nom­me­nen Bei­trags­auf­kom­men eine Erhö­hung des Rund­funk­bei­trags um 0,248 € bedeu­ten. Der aktu­elle Anteil des ZDF an der Rund­funk­ge­bühr beträgt 4,735 €. Setzt man die ermit­tel­ten 0,248 € in Rela­tion dazu, ent­spricht dies einer Stei­ge­rung von 5,2 Pro­zent für den Zeit­raum von vier Jah­ren. Ver­teilt man diese Stei­ge­rung gleich­mä­ßig über die vier Jahre, ergibt sich mit Hilfe des geo­me­tri­schen Mit­tel­werts eine jähr­li­che Stei­ge­rung von 1,3 Prozent.

Nur ver­teilt sich die Stei­ge­rung eben nicht gleich­mä­ßig über die vier Jahre, son­dern wird sofort im ers­ten Jahr wirk­sam und bleibt dann kon­stant. In Wahr­heit ent­spricht der ange­mel­dete zusätz­li­che Bedarf des ZDF nach mei­nen Berech­nun­gen einer jähr­li­chen Stei­ge­rung um gut 2,0 Prozent.

Das ist immer noch eine Grö­ßen­ord­nung, die ver­mut­lich bes­ten­falls einen Infla­ti­ons­aus­gleich dar­stellt. Inso­fern halte ich die Reak­tio­nen auf diese Bedarfs­an­mel­dung (die ohne­hin von der KEF deut­lich gekürzt wer­den wird) für unver­än­dert abwe­gig und hys­te­risch. Ich hätte mich aber nicht auf die Zah­len ver­las­sen dür­fen, die ARD und ZDF ange­ge­ben haben. Sie erwe­cken einen fal­schen, zu nied­ri­gen Ein­druck von dem zusätz­li­chen Bedarf, den sie ange­mel­det haben.

[via Michael in den Kom­men­ta­ren]

Frau Piel, wir müssen reden

Sehr geehrte Frau Piel,

Sie haben zu Beginn Ihrer zwei­jäh­ri­gen Amts­zeit als Vor­sit­zende der ARD eine Flut von Inter­views gege­ben, in denen sie viele erstaun­li­che Dinge gesagt haben. Ein Satz aber ist ganz beson­ders bemer­kens­wert. Er lautet:

Wenn der Ver­le­ger­ver­band die Apps kos­ten­pflich­tig macht, dann werde ich mich auch vehe­ment dafür ein­setz­ten, dass unsere öffentlich-rechtlichen Apps kos­ten­pflich­tig sind.

Ich dachte erst, dass ich mich ver­le­sen hätte. Oder dass die Medien, die diese Stelle zitie­ren, einen Feh­ler gemacht haben müs­sen. Aber genau so schei­nen Sie das gegen­über der »Frank­fur­ter Rund­schau« auto­ri­siert zu haben. Im Zusammenhang:

Man ist offen­sicht­lich von Sei­ten der Ver­lage auf dem Holz­weg, wenn man jour­na­lis­ti­sche Inhalte kos­ten­los anbie­tet. Diese Kos­ten­lo­skul­tur kann nicht Ziel füh­rend sein. Das kann für die Ver­lage nur hei­ßen, man muss dahin kom­men, die jour­na­lis­ti­schen Inhalte zu ver­kau­fen. Da sind kos­ten­pflich­tige Apps der rich­tige Anfang. Bei die­sen füh­len sich die Ver­le­ger jedoch im Markt behin­dert. Wenn der Ver­le­ger­ver­band die Apps kos­ten­pflich­tig macht, dann werde ich mich auch vehe­ment dafür ein­setz­ten, dass unsere öffentlich-rechtlichen Apps kos­ten­pflich­tig sind.

Ich halte diese Äuße­rung für einen Skandal.

Ich weiß nicht, warum Sie der Mei­nung sind, dass die Ver­lage ihre jour­na­lis­ti­schen Inhalte nicht kos­ten­los anbie­ten dür­fen. »Spie­gel Online« müsste der Teu­fel rei­ten, seine Inhalte nur noch gegen Geld anzu­bie­ten. Das Geschäfts­mo­dell, mög­lichst viele Leser zu errei­chen und sich über Wer­bung zu finan­zie­ren, scheint dort gut zu funk­tio­nie­ren. Es hat den Vor­teil, nicht nur lukra­tiv zu sein, son­dern zu einem enor­men publi­zis­ti­schen Ein­fluss zu führen.

In Groß­bri­tan­nien macht gerade der Online-Auftritt der Zei­tung »Daily Mail« Furore. Die Besu­cher­zah­len von »Mail Online« sind im ver­gan­ge­nen Jahr um rund 50 Pro­zent gestie­gen. Wäh­rend Rupert Mur­doch die Inhalte der »Times« nur noch zah­len­den Kun­den zugäng­lich macht, setzt die »Mail« (mit durch­aus zwei­fel­haf­ten jour­na­lis­ti­schen Mit­teln) ganz dar­auf, mit einem kos­ten­lo­sen Ange­bot mög­lichst viele Leser zu errei­chen, bricht Besu­cher­re­korde und macht Gewinn.

Ich ver­stehe nicht, inwie­fern »Spie­gel Online«, »Mail Online« und viele andere mit die­ser Stra­te­gie auf dem »Holz­weg« sind oder wel­che »Ziele« sie nicht errei­chen kön­nen. Ich glaube auch nicht, dass das Ihre Sorge sein müsste, Frau Piel. Aber wenn Sie der Mei­nung sind, dass es im Inter­net eine schäd­li­che »Gra­tis­kul­tur« gibt und dass es gut ist, wenn die Ver­lage jetzt über den Umweg des iPads ver­su­chen, ihre feh­len­den Wer­be­er­löse online durch Ver­triebs­er­löse aus­zu­glei­chen, dann ist das halt so.

Wir bekom­men aber ein Pro­blem mit­ein­an­der, wenn Sie auf mei­nem Rücken und dem von Mil­lio­nen Gebüh­ren­zah­lern den Ver­le­gern bei die­ser Stra­te­gie hel­fen wol­len. Unter bestimm­ten Bedin­gun­gen wol­len Sie öffentlich-rechtliche Inhalte, die für Geräte wie das iPad auf­be­rei­tet wur­den, nur noch gegen Geld zugäng­lich machen. Ich habe Neu­ig­kei­ten für Sie, Frau Piel: Wir haben diese Inhalte schon bezahlt.

Diese Inhalte gehö­ren uns. Nicht im juris­ti­schen Sinne, aber in jedem anderen.

Von 2012 2013 an muss jeder Haus­halt Rund­funk­ge­büh­ren zah­len. Egal, ob er ein Fern­seh­ge­rät hat. Egal, ob er Fern­se­hen guckt. Egal, ob er ARD oder ZDF guckt.

Die Logik dahin­ter ist die, dass es gut für eine Gesell­schaft ist, wenn die Pro­duk­tion von Inhal­ten in einem Mas­sen­me­dium nicht voll­stän­dig den Geset­zen des Mark­tes unter­wor­fen ist. Ich bin ein gro­ßer Ver­tei­di­ger die­ser Logik und der Idee des öffentlich-rechtlichen Rund­funks — auch in Zei­ten, in denen es leich­ter und güns­ti­ger denn je ist, Men­schen publi­zis­tisch zu erreichen.

Zu die­ser Logik gehört es aber auch, dass die von allen bezahl­ten Inhalte dann auch allen zur Ver­fü­gung ste­hen. Das ist ein Kern der Idee des öffentlich-rechtlichen Rund­funks und eine große Chance gerade im digi­ta­len Zeit­al­ter. ARD und ZDF müs­sen sich nicht dage­gen weh­ren, wenn ihre Inhalte auf Platt­for­men wie YouTube wei­ter ver­brei­tet wer­den, denn diese Inhalte sind schon bezahlt. Im Gegen­teil ist es in ihrem Inter­esse, wenn sie so viele Men­schen wie mög­lich erreichen.

Die Ver­le­ger sehen in der Prä­senz von ARD und ZDF in der digi­ta­len Welt eine Wett­be­werbs­ver­zer­rung. Es ist eine Wett­be­werbs­ver­zer­rung, und zwar eine gewollte. Sie bie­tet die Mög­lich­keit, frei von den Zwän­gen, denen kom­mer­zi­elle Anbie­ter aus­ge­setzt sind, gute Inhalte zu pro­du­zie­ren. Öffentlich-rechtliche Anbie­ter sol­len auch dann, wenn es pri­va­ten Medien schlecht geht, für Qua­li­tät bürgen.

Gerade wenn alle ande­ren Medien hoch­wer­tige jour­na­lis­ti­sche Inhalte nur noch gegen Geld anbö­ten, müsste der öffentlich-rechtliche Rund­funk kos­ten­los blei­ben: damit auch die­je­ni­gen Men­schen, die sich die kos­ten­pflich­ti­gen Ange­bote nicht leis­ten kön­nen, gut ver­sorgt werden.

(Das Wort »kos­ten­los« im Satz vor­hin ist natür­lich falsch. Wir alle haben diese Inhalte bereits bezahlt. Ich wie­der­hole mich.)

Anschei­nend ist Ihnen das immer­hin nicht völ­lig unbe­kannt. Sie haben der »Frank­fur­ter Rund­schau« noch im Zusam­men­hang mit einer mög­li­cher­weise kos­ten­pflich­ti­gen »Sportschau-App« gesagt:

(…) es gibt hun­dert kos­ten­lose Sport-Apps in Deutsch­land. In so einer Situa­tion kön­nen wir, die wir gebüh­ren­fi­nan­ziert sind, nicht sagen, bei den Kom­mer­zi­el­len kriegt ihr das alles kos­ten­los, bei uns, für die ihr Gebüh­ren gezahlt habt, müsst ihr das noch mal bezah­len. Wir könn­ten das in dem Augen­blick machen, in dem andere Ange­bote auch kos­ten­pflich­tig wären.

Nein. Sie kön­nen das auch in dem Augen­blick nicht machen. Mal abge­se­hen davon, dass es eine Illu­sion ist, dass alle Sport­sei­ten kos­ten­pflich­tig wer­den, und vor allem abge­se­hen davon, dass es erstaun­lich ist, dass eine Vor­sit­zende der ARD von einem Gerät träumt, auf dem alle Inhalte nur noch gegen Geld zugäng­lich sind, die eige­nen ein­ge­schlos­sen: Der Ein­druck, den Sie hier erwe­cken, dass unter dem Motto »Kos­ten­pflich­tige Apps von allen« ein fai­rer Wett­be­werb statt­fände, ist falsch. Sie kön­nen die Inhalte Ihrer »Sportschau-App« aus den Gebüh­ren finan­zie­ren. Die Pri­va­ten kön­nen das nicht. Öffentlich-rechtlicher Rund­funk ist per se eine Wettbewerbsverzerrung.

Sie mei­nen, wenn es keine kos­ten­lose Alter­na­tive mehr gibt, kön­nen Sie die Men­schen für die Inhalte der ARD »noch mal« zur Kasse bit­ten? Das Wort, das ein sol­ches Ver­hal­ten beschreibt, wird infla­tio­när gebraucht, hier stimmt es aber: Abzocke.

Über die »Tagesschau-App« sagen Sie:

Auch die Tagesschau-App kann nicht funk­tio­nie­ren, wenn gleich­zei­tig im Netz jede Zei­tung auch ein kos­ten­lo­ses Info-Internetangebot hat.

Ich ver­mute, Sie mei­nen, dass die »Tagesschau-App« nicht als kos­ten­pflich­ti­ges Ange­bot funk­tio­nie­ren könnte. Die­ser Satz ist gleich dop­pelt falsch. Ers­tens glaube ich, dass die »Tagesschau-App« auch in einer kos­ten­pflich­ti­gen Vari­ante funk­tio­nie­ren könnte, weil die Marke »Tages­schau« so stark ist und in einem Maß für Seriö­si­tät und Rele­vanz steht, mit dem nicht viele kos­ten­lose Online-Angebote der Zei­tun­gen mit­hal­ten kön­nen. Zwei­tens ist der Gedanke, die »Tagesschau-App« kos­ten­pflich­tig zu machen, wenn nur die kos­ten­lose Kon­kur­renz nicht wäre, sehr abwe­gig. Wenn der oft miss­ver­stan­dene Gedanke der »Grund­ver­sor­gung« im digi­ta­len Zeit­al­ter noch irgend­eine Bedeu­tung haben soll, dann doch den, solide Inhalte frei ver­füg­bar anzu­bie­ten und dafür zu sor­gen, dass man nicht gut ver­die­nen muss, um gut infor­miert zu werden.

Ich bin mir bewusst, dass ich hier mit gro­ßer Redun­danz den­sel­ben Sach­ver­halt viele Male auf­schreibe. Ich habe nur das Gefühl, dass das nötig sein könnte, weil Ihnen offen­bar zen­trale Gedan­ken des dua­len Sys­tems in Deutsch­land nicht bekannt sind.

Wenn Sie anfan­gen, Inhalte wie die »Tages­schau« kos­ten­pflich­tig anzu­bie­ten, wird es Ihnen noch schwe­rer fal­len, die Rund­funk­ge­büh­ren zu legi­ti­mie­ren. Die For­de­rung von Ver­le­gern und Poli­ti­kern nach der Pri­va­ti­sie­rung wenigs­tens eines Teils des öffentlich-rechtlichen Rund­funks haben Sie dann schon selbst halb erfüllt.

[via Dirk von Geh­len]