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Lachen, Lernen und Staunen mit der WAZ

19 Jun 07
19. Juni 2007

Die sind lustig, bei der „WAZ“.

Letzte Woche rief ja der Herr Binder bei mir an, der neue Unternehmenssprecher, und sagte, ich könne jetzt aufhören, die „WAZ“ zu „schlagen“: Sie hätten die Falschmeldung von der G8-Randale längst berichtigt. Auf waz​.de. Als ich ihm sagte, dass das, was da steht, keine Berichtigung, sondern eine Verschlimmbesserung ist, weil das Zitat nicht stimmt, beendete er schnell das Gespräch und sagte, da müsse sich Frau Fischer (der Autorin des Textes mit der Falschmeldung) noch einmal drum kümmern.

Ich habe danach nichts mehr von ihm gehört. Die „Korrektur“ mit dem falschen Zitat steht unverändert da.

Am 8. Juni schon hatte ich in der Sache auch eine Mail an Ulrich Reitz geschickt, den Chefredakteur der „WAZ“. Ich fragte ihn:

  • Hat die WAZ diesen Fehler berichtigt?
  • Berichtigt die WAZ grundsätzlich Fehler in ihrer Berichterstattung; gibt es z.B. eine feste Korrekturrubrik?
  • Warum fehlt das Thema Fehlerkorrektur im neuen Verhaltenskodex der WAZ? Glauben Sie, dass es weniger wichtig ist als das Thema Schleichwerbung, wenn es darum geht, das „Vertrauenskapital“, das Regionalzeitungen genießen, nicht zu gefährden?

Ich habe darauf bis heute keine Antwort bekommen.

Aber am vergangenen Donnerstag nahm Reitz an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Printmedien im Wandel“ im Wandel teil und beklagte sich, ohne meinen Namen zu nennen, über meine Impertinenz. „Was soll ich da reagieren“, fragte er sinngemäß und sagte, ebenfalls sinngemäß (ich war nicht dabei): „Ich lasse mir doch nicht meine Agenda aufzwingen!“

Das ist eine interessante Formulierung für einen Journalisten. Denn mal abgesehen davon, dass ich das Thema ja nicht frei erfunden habe, sondern es durch die Weigerung der „WAZ“ aufkam, ihre Leser korrekt zu informieren — machen Journalisten das jeden Tag: anderen ihre „Agenda“ aufzwingen. Sie rufen Politiker, Unternehmen, Sportler, Kulturschaffende an und erwarten Antworten zu den Themen, die sie für wichtig erklären. (Diskussionsteilnehmer hatten das Gefühl, dass Herr Reitz größere Probleme mit dem Gedanken hat, dass auch Journalisten und Medien damit leben müssen, Gegenstand von Berichterstattung und kritischen Nachfragen zu sein. Aber das ist ja nichts Neues.)

Heute saß versehentlich Stephan Holthoff-Pförtner, ein Vertreter der „WAZ“-Gesellschafter, beim Kölner „Medienforum“ auf der Bühne und sagte Sätze wie:

„Blogger verdienen nach meiner Ansicht nicht den Schutz des Artikel 5.“

Besonders gut hat mir gefallen, dass er laut dem Branchendienst DWDL sagte, Bloggen sei „wie Wikipedia“. Dort könne auch schon mal drei Wochen lang stehen, dass der österreichische Kanzler Moser heiße.

Ganz anders als bei der „WAZ“ also. Dort stünde es für immer.

(Mit Dank an Jens!)