Man verzweifelt ja häufig am Publikum. Weil es einem so qualitätsverachtend erscheint, so rätselhaft und unverständlich in seinen Konsumentscheidungen.
Aber nicht immer.
In den vergangenen eineinhalb Jahren haben sich nur zwei Hefte des »Stern« am Kiosk so schlecht verkauft wie die Ausgabe 46/2011. Das erleichtert mich sehr. Ich weiß noch, wie ich im Supermarkt vor dem Heft stand, es fassungslos anstarrte und der Impuls, es als Monument der Schrecklichkeit kaufen zu müssen, schnell niedergerungen wurde von der Angst, dass mich jemand dabei sehen könnte.

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Was gestern mit Dominique Strauss-Kahn passiert ist, hätte eigentlich gar nicht passieren dürfen. Der »Stern« hatte es in seiner erst einen Tag zuvor erschienenen Ausgabe quasi ausdrücklich ausgeschlossen, dass das passieren könnte: dass die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens, die den ehemaligen IWF-Chef der Vergewaltigung beschuldigt, erschüttert würde. 
Nafissatou Diallo, das Zimmermädchen, sei eine Frau, »die kleine und große Geheimnisse hat«, heißt es am Anfang des Artikels. Um dann nach vielen Zeilen diesen Gedanken wieder aufzunehmen und zu dem Schluss zu kommen: »Anscheinend ist keines ihrer Geheimnisse groß genug, um aus Nafissatou Diallo eine Lügnerin zu machen.«
Heute weiß die ganze Welt, dass Nafissatou Diallo eine Lügnerin ist. Sie hat zugegeben, falsche Angaben gemacht zu haben …
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»Ein Stadtplan auf dem Rücken« betitelt stern.de den Bericht, dass sich Xavier Naidoo keinen Stadtplan auf seinen Rücken tätowieren lassen will, aber das ist nicht das Merkwürdigste daran. Über dem Artikel steht das Datum »17. Mai 2011″, aber im Text heißt es:
Wenn [Naidoo] am 7. Dezember mit seiner neuen Single »Was wir alleine nicht schaffen« bei der Verleihung der Auszeichnung Eins Live Krone 2006 auftritt, könnte er bereits die ersten Umrisse der Tätowierung präsentieren.
Der Artikel ist viereinhalb Jahre alt. Am 14. November 2006 hatte ihn stern.de erstmals veröffentlicht. Passend zu einem aktuellen Videointerview mit Xavier Naidoo holte man ihn aus dem Archiv, gab ihm eine neue Internetadresse und das aktuelle Datum.
Das hat Methode.
Ein Reuters-Video …
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Auf den ersten Blick ist es leicht, stern.de mit dem hochwertigen journalistischen Angebot zu verwechseln, als das es sich ausgibt. Auf der Startseite verbinden Fotos aktuelle Themen zu großen Blöcken; im Inneren sprudeln rund um die Uhr die Nachrichten.
Der Verlag Gruner+Jahr nennt stern.de »eine Art ›Antwortmaschine‹ von Menschen für Menschen. Alle Nachrichten werden auf ihre Bedeutung für den User fokussiert und mit weiterführenden multimedialen Inhalten verlinkt«. Der Werbevermarkter ems schreibt, stern.de richte sich »an alle, die aktuelle Themen nicht nur wissen, sondern deren Bedeutung für ihr Leben verstehen wollen«. Chefredakteur Frank Thomsen zählt seine Seite zur »Spitzengruppe« der »News-Websites«.
Nun.
367 Artikel hat stern.de gestern veröffentlicht. Knapp 300 davon sind Agenturmeldungen, die vollautomatisch …
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Manches ethische Dilemma löst sich in der praktischen journalistischen Arbeit wie von selbst. Als der »Stern« im Juni vergangenen Jahres die über 200 Opfer des abgestürzten Airbus 447 im Bild zeigte, konnte das Blatt nach den Worten von Chefredakteur Andreas Petzold schon deshalb nicht die Genehmigung von Angehörigen oder Urhebern einholen, weil die Zeit dafür bis zum Redaktionsschluss viel zu knapp war. Und zeigen musste der »Stern« die ganzen Opfer im Bild, weil er seinen Lesern laut Petzold nur so das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich machen konnte.
Es ist vermutlich ein Fortschritt, dass der »Stern«-Chefredakteur sich überhaupt zu solchen Themen äußert. Im Zusammenhang mit dem Amoklauf von Winnenden hatte das Magazin Fragen nach der Herkunft der gezeigten Opferbilder …
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