Schöner sterben mit dem »SZ-Magazin« (3)

Georg Diez, Autor des »SZ-Magazins«, den ich von unse­rer gemein­sa­men Zeit in der Redak­tion der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung« kenne, ant­wor­tet in den Kom­men­ta­ren auf die Kri­tik an dem Son­der­heft zur Zukunft des Jour­na­lis­mus und wirft mir vor, unge­nau und unfair gewe­sen zu sein:

Lie­ber Ste­fan Niggemeier,

am 8. Mai erschien ein SZ-Magazin über die schwie­rige Situa­tion des Jour­na­lis­mus, nicht nur des Print­jour­na­lis­mus, auch des Online­jour­na­lis­mus — es geht dabei um inhalt­li­che und um finan­zi­elle Dinge, wobei bei­des nicht so leicht von­ein­an­der zu tren­nen ist.

Auch auf die­ser Web­page wurde dar­über dis­ku­tiert, vor allem über einen Bei­trag, eine Kri­tik der deut­schen Blogger-Sphäre von Felix Sal­mon, einem eng­li­schen Blog­ger, der in New York lebt.

In einem hast du natür­lich recht (wir duzen uns, weil wir uns ken­nen): Wir haben einen ziem­lich dum­men Feh­ler gemacht, als wir Felix Sal­mon mit »Port­fo­lio« in Ver­bin­dung brach­ten, er hatte dort zu dem Zeit­punkt längst auf­ge­hört, »Port­fo­lio« war eine Zeit­schrift, die einen Online-Ableger hatte, bei­des ist der Presse-Krise zum Opfer gefal­len. Sal­mon »betreibt mit portfolio.com« also nicht »einen der erfolg­reichs­ten ame­ri­ka­ni­schen Blogs«. Das war ein hand­werk­li­cher Feh­ler, den wir bedauern.

Eini­ges würde ich aber doch gern auf­klä­ren, was bis­her mei­ner Mei­nung nach falsch oder miss­ver­ständ­lich in der Dis­kus­sion war:

Du schreibst vom »eng­li­schen Ori­gi­nal des Arti­kels«, was nahe legt, dass das SZ-Magazin den Text nach­ge­druckt habe. Wir haben den Text aber in Auf­trag gege­ben, Sal­mon hat dann für den vorab ver­öf­fent­lich­ten Blog-Eintrag den Begriff »Eco­no­blog­ger« ein­ge­fügt — alle seine Wer­tun­gen bezo­gen sich aber ganz all­ge­mein auf das Blog­gen in Deutsch­land. Es ging nicht darum, dass es »dem SZ-Magazin wohl nicht sexy genug« war, nur von »Eco­no­blog­gern« zu schreiben.

Oder in Sal­mons Wor­ten, auf Nach­frage von uns: »Eco­no­blogs are the sub­jet of the blo­gos­phere which I know best, and one can extra­po­late from the eco­no­blo­gos­phere to the blo­gos­phere more gene­rally — to some extent, and with a bit of care. I’m more com­for­ta­ble wri­t­ing about eco­no­blogs than blogs gene­rally just because I know what I’m tal­king about in the first case, and less so in the second. But as a blog­ger, that’s never stop­ped me before!«

Am 18. Mai nun folgte ein wei­te­rer Ein­trag, der Ver­weis auf ein Inter­view, das Sal­mon dem Online-Magazin »The Local« gege­ben hat. Hier will er, so schreibst du, »aus der merk­wür­di­gen Art, wie die Zeit­schrift sei­nen Text umde­kla­rierte, noch nicht auf den Zustand der eta­blier­ten deut­schen Medien ins­ge­samt schließen«.

Als Beleg dafür zitierst du zwei Fra­gen und zwei Ant­wor­ten, von denen eine von dir gekürzt wurde. Was du nicht zitierst, ist die erste Frage und die erste Ant­wort von Salmon.

Frage: »How does it feel to be the whip­ping boy du jour of the Ger­man blogosphere?«

Ant­wort: »It feels as though it was almost too easy. But maybe it just goes to show how import­ant news­pa­pers are and how unim­port­ant blogs are, in Ger­many at least: when my blog entry first appeared on April 19, the reac­tion was much more muted. Once it was rati­fied by appearing in print, howe­ver, the reac­tion was much stronger.«

Das weg­zu­las­sen ist mehr als ein hand­werk­li­cher Fehler.

Gekürzt wurde auch ein wei­te­rer Satz, der doch ganz hilf­reich ist, das Blogger-Selbstverständnis zu erklären.

Die zweite Frage im Inter­view war:

»Were you aware your column was picked up by the Süd­deut­sche Maga­zin and that it had kicked up such a stink in the Ger­man blog world?«

Ant­wort: »I actually wrote the column at the request of Süd­deut­sche Maga­zin« — nun folgt die Aus­las­sung: »I pride mys­elf on taking requests, and in this case they were going to pay me, too.« Die­ser Satz fehlt lei­der in dei­nem Zitat.

Mich haben die Reak­tio­nen auf Sal­mons Bei­trag sehr über­rascht, es war nicht unsere Absicht, die alten und die neuen Medien gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len. Im Gegen­teil. Was wir woll­ten, war eine Qua­li­täts– und Zukunfts­dis­kus­sion über den Jour­na­lis­mus, egal in wel­cher Form, am bes­ten in allen und von so vie­len wie mög­lich, alle haben ihre unter­schied­li­chen Stär­ken. Prä­zi­sion und Ver­läss­lich­keit soll­ten auf jeden Fall dazu­ge­hö­ren, im Netz und im Print. Und Fair­ness auch.

Best,
Georg Diez

(Links von mir)

Schöner sterben mit dem »SZ-Magazin« (2)

Das Online-Magazin »The Local« hat mit Felix Sal­mon über sei­nen Arti­kel über deut­sche Blogs im »SZ-Magazin« und die Reak­tio­nen dar­auf gespro­chen. Immer­hin will er aus der merk­wür­di­gen Art, wie die Zeit­schrift sei­nen Text umde­kla­rierte, noch nicht auf den Zustand der eta­blier­ten deut­schen Medien ins­ge­samt schlie­ßen. Das ist doch nett.

TL: Were you aware your column was picked up by the Süd­deut­sche Maga­zin and that it had kicked up such a stink in the Ger­man blog world?

I actually wrote the column at the request of Süd­deut­sche Maga­zin (…). But I didn’t get to see the column after it was edi­ted and before it appeared, so I wasn’t aware that they had taken out the refe­ren­ces to eco­no­blogs in par­ti­cu­lar, or the stuff about the lan­guage problems.

TL: What does it say about Germany’s old media when they alter your copy to include all Ger­man blogs instead of just ones focu­sed on eco­no­mic issues and that they also fai­led to men­tion you’ve moved to Reuters?

That was a little weird, but I’m hesi­tant to gene­ra­lise from one instance. I’d alre­ady been at Reu­ters for about three weeks when the initial blog entry appeared on reuters.com, so I don’t really under­stand the attri­bu­tion to Port­fo­lio — where I used to work.

Wutmäander zur Qualitätsdebatte

Ich bin kein inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list. Mir feh­len dafür nicht nur die Kon­takte, son­dern vor allem Aus­dauer und Dis­zi­plin. Als mir das »SZ-Magazin« in der ver­gan­ge­nen Woche ange­bo­ten hat, hier einen Bei­trag aus dem Heft über die Pro­bleme deut­scher Blog­ger zu ver­öf­fent­li­chen, wollte ich mir vor­her nur kurz einen Ein­druck von dem Autor machen und habe sei­nen Namen schnell mal gegoo­gelt. Nach einer Minute wusste ich immer noch nicht viel über die­sen Felix Sal­mon, aber immer­hin schon mehr als das »SZ-Magazin«, das behaup­tete, er betreibe das außer­or­dent­lich erfolg­rei­che ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schafts­blog portfolio.com. (»Port­fo­lio« ist kein Blog, es wird man­gels wirt­schaft­li­chem Erfolg gerade ein­ge­stellt, und Sal­mon bloggt da seit Wochen nicht mehr.)

Das her­aus­ge­fun­den zu haben, ist nichts, wor­auf ich stolz sein könnte. Ich hätte die­ses Nach­schla­gen, das man kaum »Recher­che« nen­nen mag, für einen selbst­ver­ständ­li­chen Reflex gehal­ten, bevor man einen Arti­kel von jeman­dem auf sei­ner Seite ver­öf­fent­licht, den man nicht kennt.

Ist es aber nicht. Das »SZ-Magazin« hat den­sel­ben Bei­trag auch ande­ren Medien ange­bo­ten, die ihn — im Gegen­satz zu mir — ver­öf­fent­licht haben. Bei taz.de hat man die fal­schen Auto­ren­an­ga­ben erst über­nom­men, aber inzwi­schen kor­ri­giert. »Spie­gel Online« ver­linkt immer noch sinn­los auf das »Wirt­schafts­blog portfolio.com«; der Online-Auftritt der »Finan­cial Times Deutsch­land« behaup­tet nach wie vor den Unsinn, den das »SZ-Magazin« über Sal­mon ver­brei­tet hatte.

Man mag das für einen unwe­sent­li­chen Feh­ler hal­ten, wie man jeden ein­zel­nen Feh­ler für unwe­sent­lich hal­ten kann, aber ist das nicht erstaun­lich? Das sind alles Online-Angebote, die sich bestimmt für Qua­li­täts­me­dien hal­ten, und wenn sie so ein kos­ten­lo­ses Text– und PR-Angebot bekom­men, reicht das eigene Enga­ge­ment exakt dafür, mit einer schwung­vol­len Maus­be­we­gung den Arti­kel aus dem Mail­pro­gramm ins Redak­ti­ons­sys­tem zu zie­hen und auf »Ver­öf­fent­li­chen« zu drü­cken? Es ist ihnen ganz egal, wer den Text geschrie­ben hat? Und es klickt nicht ein­mal jemand pro­be­weise auf den selbst gesetz­ten Link unter portfolio.com und stutzt?

Mein flüch­ti­ges Goog­len war für diese Medien schon zu viel ver­langt (schnel­le­bi­ges Inter­net / Redak­ti­ons­stress / ist doch egal)?

Man müsste keine Zeile dar­über ver­lie­ren, wenn nicht immer noch und gerade wie­der mit zuneh­men­der Hef­tig­keit die­ser publi­zis­ti­sche Krieg der eta­blier­ten Medien gegen die neue Kon­kur­renz tobte. Im Mit­tel­punkt steht fast immer die Behaup­tung, dass nur der pro­fes­sio­nelle Zei­tungs­jour­na­lis­mus die Qua­li­tät garan­tiere, die Vor­aus­set­zung für eine infor­mierte Debatte und eine auf­ge­klärte Gesell­schaft sind.

Es sind die schlich­tes­ten Gegen­satz­paare, die da auf­ge­stellt wer­den: Eta­blierte Medien recher­chie­ren, infor­mie­ren, prü­fen und sind unbe­stech­lich, Blog­ger plap­pern nach, kra­kee­len und fal­len auf jede PR-Finte her­ein. Auch durch viele Texte der Son­der­aus­gabe des »SZ-Magazins« zur Krise der Tages­zei­tung, die sich selbst­kri­tisch und nach­denk­lich geben, wabert das Gefühl eige­ner Über­le­gen­heit oder, schlim­mer: Das Gefühl, dass diese Über­le­gen­heit selbst­ver­ständ­lich ist.

Im Kapi­tel »F wie Fak­ten« behaup­tet Andrian Kreye, dass die »neuen Medien die Gene­rie­rung von har­ten Fak­ten« erschwer­ten. Das halte ich für schlicht falsch. Kreye fügt hinzu:

Emo­tio­nen (Angst, Wut, Lust) und Glaube (an Reli­gio­nen, poli­ti­sche Mei­nun­gen, das eigene Recht­ha­ben) spie­len im Netz min­des­tens eine so große Rolle wie Fakten.

Da möchte ihm nicht wider­spre­chen, aber emp­feh­len, in dem Satz ver­suchs­weise die Wör­ter »im Netz« durch »in den Zei­tun­gen« zu erset­zen. Er ver­liert nichts an Wahr­heit. Im Gegen­teil, die schöne For­mu­lie­rung vom Glau­ben an das eigene Recht­ha­ben gewinnt erst rich­tig an Anschaulichkeit.

Auch Kurt Kis­ters Plä­do­yer unter »H wie Hal­tung«, dass Jour­na­lis­ten recher­chie­ren, berich­ten und klug ein­ord­nen sol­len, dege­ne­riert am Ende zu einem plum­pen Her­ab­re­den des­sen, was Nicht-Journalisten publizieren:

Weder das Fin­den noch das Erklä­ren von Din­gen ist die Sache der berühm­ten 2.0-Bürgerjournalisten. Die kön­nen am bes­ten kom­men­tie­ren, was andere schon auf­ge­schrie­ben, schon kom­men­tiert haben. (…) Eine Viel­zahl der Blogs, Chat­rooms und was es an Gezwit­scher mehr gibt, besteht aus sol­chen Kom­men­ta­ren der Kom­men­tare ande­rer. Das ist oft ein­fach, befrie­di­gend für alle und außer­dem völ­lig in Ord­nung. Es ist nur kein Jour­na­lis­mus, son­dern eine manch­mal durch­aus inter­es­sante Mischung aus Mei­nungs­äu­ße­rung, Stamm­tisch­ge­schwätz und Laut-auf-dem-Bürgersteig-vor-sich-Hinschimpfen. Für die, die es mögen, ist es das Höchste. Die einen essen eben gern Vogel­nes­ter, die ande­ren fah­ren mit dem Fahr­rad durch Nepal, und die Drit­ten schrei­ben irgendwo in der welt­um­span­nen­den Vir­tua­li­tät, dass Zei­tun­gen Holz­me­dien sind und Jour­na­lis­ten mori­bund, alt­mo­disch sowie wahn­sin­nig arrogant.

Das ist natür­lich die hohe Kunst der Arro­ganz, es arro­gant als Spleen abzu­tun, für arro­gant gehal­ten zu wer­den. Aber das Pro­blem ist nicht die Gering­schät­zung des­sen, was im Netz pas­siert. Das Pro­blem ist die eigene Selbst­über­schät­zung. Wie­viele Jour­na­lis­ten erfül­len mit ihrer Arbeit Kis­ters Defi­ni­tion des­sen, was Jour­na­lis­mus ist?

· · ·

Viele Jour­na­lis­ten, die sich in die­sen Debat­ten über die Fol­gen der digi­ta­len Revo­lu­tion äußern, haben die Ver­klä­rung des zu ver­tei­di­gen­den Status-Quo per­fek­tio­niert: Es ver­geht gerade kein Tag, in dem nicht irgend­ein Blatt vol­ler Pathos zur Ver­tei­di­gung des Urhe­ber­rechts gegen­über irgend­wel­chen »Pira­ten« oder Google auf­ruft. Sie for­dern, als sei es ein Men­schen­recht, dass Auto­ren selbst ent­schei­den dür­fen müs­sen, was mit ihren Tex­ten geschieht, wo sie ver­öf­fent­licht wer­den, wer an ihnen ver­dient. In der aktu­el­len »Welt am Sonn­tag«, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen, gip­felte das in der — zuge­ge­ben: tol­len — Über­schrift: »Mein Buch gehört mir.«

In die­sem Empö­rungs­ge­töse fast voll­stän­dig aus­ge­blen­det ist, dass die meis­ten freien Jour­na­lis­ten schon des­halb nicht von Google ent­eig­net wer­den kön­nen, weil die Ver­lage das längst erle­digt haben. Viele Zei­tungs­ver­lage ver­lan­gen von ihren Mit­ar­bei­tern, »Total-Buy-Out«-Verträge zu unter­zeich­nen, mit denen sie die Rechte an ihren Tex­ten inhalt­lich, räum­lich und zeit­lich unbe­schränkt abge­ben, inklu­sive der Rechte, diese Rechte an Dritte zu über­tra­gen. Ist es nur der Gip­fel der Heu­che­lei, wenn Zei­tun­gen diese eigene Pra­xis beim Kampf gegen Google aus­klam­mern, oder schon eine Form von Schizophrenie?

Marc Felix Ser­rao schrieb in der »Süd­deut­schen Zei­tung« über den skan­da­lö­sen Umgang des »Nord­ku­rier« mit sei­nen freien Mit­ar­bei­tern, die »das unbe­schränkte Nut­zungs­recht« an ihren Leis­tun­gen abtre­ten müss­ten: »Das ist zwar Usus für Fest­an­ge­stellte, aber nicht für Freie, die sich finan­zi­ell von Auf­trag zu Auf­trag han­geln.« Ich fürchte, er glaubt das wirklich.

Über­haupt, die »Nordkurier«-Geschichte. Die SZ berich­tete am Frei­tag, dass sich dort unter dem Regime des berüch­tig­ten Geschäfts­füh­rers Lutz Schu­ma­cher freie Mit­ar­bei­ter neu­er­dings in einer Online-Börse um Ter­mine und The­men bewer­ben müs­sen. Der Autor schrieb wörtlich:

Der Nord­ku­rier ver­gibt keine Auf­träge mehr an Freie oder nimmt deren Text– und Bild­an­ge­bote an, son­dern schreibt die von ihm gewünsch­ten Fotos und Arti­kel in einer Art Online-Börse aus. Wer will, kann sich dann bewer­ben und ein Hono­ra­r­an­ge­bot abge­ben. Aller­dings muss er erst der Rah­men­ver­ein­ba­rung zustimmen.

Soweit die For­mu­lie­run­gen der »Süd­deut­schen«. Und hier zum Ver­gleich die For­mu­lie­run­gen, die der Deut­sche Journalisten-Verband (DJV) vier Tage zuvor in einer Pres­se­mit­tei­lung gewählt hatte:

Der Nord­ku­rier ver­gibt keine Auf­träge mehr an Freie und nimmt auch keine Text– und Bild­an­ge­bote mehr von ihnen an, son­dern schreibt die gewünsch­ten Fotos und Arti­kel in einer Online-Börse aus. Die freien Jour­na­lis­ten kön­nen sich dann um das Thema bewer­ben und ein Hono­ra­r­an­ge­bot abge­ben. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass sie vor­her einer Rah­men­ver­ein­ba­rung zustim­men, mit der sie Rechte “für alle Nut­zungs­ar­ten” an den Ver­lag abtreten.

Immer­hin hat die SZ nicht nur die For­mu­lie­run­gen der Gewerk­schaft unge­kenn­zeich­net in ihren Arti­kel kopiert, son­dern auch mit Schu­ma­cher gespro­chen und zitiert ihn mit dem Satz, der Hono­ra­re­tat sei­ner Zei­tung werde nicht gesenkt. Die Frage der Hono­rare ist ohne­hin eher ein Neben­as­pekt in dem Arti­kel. Zur Haupt­sa­che machte ihn der Bran­chen­dienst »turi2«. Aus der SZ-Formulierung, dass die Freien beim Nord­ku­rier »sich bewer­ben und ein Hono­ra­r­an­ge­bot abge­ben« müs­sen, wird bei turi2:

Drei, zwei, eins — dem bil­ligs­ten seins: Der »Nord­ku­rier« aus Neu­bran­den­burg schreibt sämt­li­che Text– und Bild­auf­träge auf einer Ebay-ähnlichen Platt­form im Web aus. In der Online­börse »Nordost-Mediahouse« sol­len Jour­na­lis­ten ihre Hono­ra­r­an­ge­bote zu Berich­ten vom Kanin­chen­züch­ter­ver­ein und Co machen — und der bil­ligste Anbie­ter bekommt den Zuschlag.

Hahaha, »dem bil­ligs­ten seins«. Inzwi­schen ist das meiste davon durch­ge­stri­chen, denn nach den Wor­ten Schu­ma­chers gibt es beim »Nord­ku­rier« feste Hono­rar­sätze — es gehe kei­nes­wegs um den Preis. (In der Kor­rek­tur gibt turi2 natür­lich nicht sich, son­dern der »Süd­deut­schen« die Schuld. Sie hätte behaup­tet, die Texte wür­den an den Jour­na­lis­ten mit dem nied­rigs­ten Ange­bot ver­ge­ben. Es muss sich um eine Hal­lu­zi­na­tion handeln.)

Aber »turi2« war nicht das ein­zige Medi­en­an­ge­bot, das alle Ener­gie in die Maxi­mie­rung der Laut­stärke inves­tierte, und keine in die Recher­che. Auf »Mee­dia« schrieb sich Chef­re­dak­teur Georg Altrogge in Rage und beklagte wort– und wut­schaum­reich das Lohn­dum­ping. Über die genaue Rege­lung beim »Nord­ku­rier« wusste er aller­dings so wenig wie über die Lage der Stadt Neu­bran­den­burg, die er von Mecklenburg-Vorpommern nach Bran­den­burg verlegte.

(Dass die Hono­rare, die der »Nord­ku­rier« sei­nen Freien zahlt, erbärm­lich sind, steht außer Frage. Und Schu­ma­chers Argu­ment, die meis­ten freien Mit­ar­bei­ter sei­ner Zei­tung seien eh Stu­den­ten, Haus­frauen und pen­sio­nierte Leh­rer, mer­ken wir uns dann für die nächste Dis­kus­sion der »Natio­na­len Kom­mis­sion Print­me­dien« dar­über, wie wich­tig der Erhalt die­ses hoch­wer­ti­gen Lokal­jour­na­lis­mus für unsere Gesell­schaft ist.)

Auch »Spie­gel Online« über­nahm unge­prüft die Behaup­tung von der Ver­stei­ge­rung der Auf­träge und musste sich hin­ter­her berichtigen.

Bis hier­hin sind an der Pro­duk­tion, Ver­brei­tung und Ver­schlim­me­rung einer Falsch­mel­dung aus­schließ­lich haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­ten betei­ligt. An wel­cher Stelle die­ser Geschichte, Herr Kis­ter, fin­den wir den viel beschwo­re­nen Jour­na­lis­ten, der prüft und wägt, recher­chiert und einordnet?

Ich ahne schon, wel­cher Ein­wand jetzt von den Turis, Mee­dias und SpOns kommt: Sol­len wir denn jede Mel­dung prü­fen? Müs­sen wir uns nicht auf eine Quelle wie die »Süd­deut­sche Zei­tung« ver­las­sen kön­nen? Ich glaube, dass die Frage die fal­sche ist. Denn die ent­schei­dende Per­spek­tive ist nicht die der Macher, son­dern der Leser. Wel­chen Nut­zen hat es für ihn, wenn immer mehr Jour­na­lis­ten damit beschäf­tigt sind, die­sel­ben weni­gen Inhalte zu ver­viel­fäl­ti­gen, unge­prüft, aber ver­zerrt durch immer wei­tere Erhö­hung der Laut­stärke? Wel­chen Wert hat für ihn ein Sys­tem, das Falsch­mel­dun­gen inflationiert?

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Miriam Meckel schreibt heute in der F.A.Z.:

Bis­lang ist es der Jour­na­lis­mus, der die Men­schen mit Neu­ig­kei­ten aus der Welt ver­sorgt, sie durch gut recher­chierte und erzählte Geschich­ten inter­es­siert und fasziniert.

Ist es nicht fas­zi­nie­rend, wie in all die­sen Qua­li­täts­jour­na­lis­mus– und Zei­tungs­ver­tei­di­gungs­ar­ti­keln das ein­fach immer als gege­ben hin­ge­stellt wird, dass unser real exis­tie­ren­der Jour­na­lis­mus seine gesell­schaft­li­che Auf­gabe erfüllt? Die Wör­ter »gut recher­chiert« ste­hen ein­fach in die­sem Satz herum, gucken unschul­dig und ver­su­chen, nicht wei­ter auf­zu­fal­len. Im Gegen­satz dazu:

Das Inter­net hat dem pro­fes­sio­nel­len Qua­li­täts­jour­na­lis­mus einen bun­ten Strauß an publi­zis­ti­schen Akti­vi­tä­ten an die Seite gestellt, bei dem Ama­teure zu Auto­ren wer­den, die eine sub­jek­tive, vola­tile und momen­to­ri­en­tierte Bericht­er­stat­tung praktizieren.

Sie meint das nicht böse, aber wir kön­nen gerne ein­mal gemein­sam eine durch­schnitt­li­che Tages­zei­tung, ver­mut­lich auch eine über­re­gio­nale Tages­presse, durch­blät­tern und schauen, wie viele Filz­stifte wir brau­chen, wenn wir alle sub­jek­tive, vola­tile und momen­to­ri­en­tierte Bericht­er­stat­tung darin durch­strei­chen wollen.

Meckel geht noch wei­ter und malt sich eine Zukunft ohne Jour­na­lis­ten aus:

Wie in einer Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft, in der sich alle nur noch gegen­sei­tig die Haare schnei­den, berei­ten wir am Com­pu­ter die Infor­ma­tio­nen der ande­ren aus dem Netz neu auf, gefan­gen in einer Zeit– und Inhalts­schleife der fort­wäh­ren­den Repro­duk­tion und Rekom­bi­na­tion des immer Gleichen.

Wie kommt dann das Neue in die Welt? Gar nicht. Es wird ledig­lich simu­liert als Ergeb­nis der inno­va­ti­ven Ver­lin­kung von Altbekanntem.

Das ist ein süßer Gedanke, wenn man weiß, dass es reicht, eine Pres­se­mit­tei­lung im Abstand von meh­re­ren Mona­ten noch ein­mal zu schi­cken, damit sie von Jour­na­lis­ten als neue Nach­richt ver­kauft wird, aber im Ernst: Ich möchte in kei­ner Welt ohne pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus leben, aber diese Dysto­pie ent­behrt jeder Grund­lage. In einer Welt ohne Jour­na­lis­ten gin­gen uns die Neu­ig­kei­ten nicht aus, und wir wür­den ein­an­der auch nicht alle das­selbe erzäh­len. Die Law­blog­ger wür­den uns Neu­ig­kei­ten aus den Gerichts­sä­len erzäh­len, Par­tei­mit­glie­der über neue Geset­zes­ent­würfe strei­ten, Food­blog­ger neue Restau­rants erkun­den, Medi­zin­pro­fes­so­ren kri­tisch neue Medi­ka­mente bewer­ten und chi­ne­si­sche und ira­ni­sche Blog­ger uns mit Ein­bli­cken in ihr Leben bereichern.

Was feh­len wür­dem in einer Welt ohne Jour­na­lis­mus, ohne Mas­sen­me­dien, wäre neben den gro­ßen Platt­for­men für einen Dis­kurs der Gesell­schaft vor allem das Sor­tie­ren und Gewich­ten, die Sys­te­ma­tik und Kon­ti­nui­tät. Feh­len würde eine Struk­tur, die dafür sorgt, dass die Bericht­er­stat­tung über wich­tige The­men nicht davon abhängt, ob sich zufäl­lig ein Blog­ger für sie inter­es­siert oder sie sich unmit­tel­bar rech­net, und die die größt­mög­li­che Chance bie­tet, dass diese Bericht­er­stat­tung pro­fes­sio­nell und unab­hän­gig geschieht.

Meckel schreibt:

Wir brau­chen Men­schen, die von ihrem Schreib­tisch auf­ste­hen und sich von ihrem Com­pu­ter lösen, um zu beob­ach­ten, was in der Welt geschieht. Wir brau­chen Men­schen, die unter Recher­che mehr als die Ein­gabe eines Begriffs in eine Such­ma­schine ver­ste­hen. Die mit ande­ren Men­schen spre­chen, um zu ver­ste­hen, was sie bewegt und ihr Leben bestimmt. Wir brau­chen Men­schen, die diese Geschich­ten so erzäh­len kön­nen, dass andere sich für sie interessieren.

Ja! Aber wir brau­chen Men­schen, die unter Recher­che schon ein­mal min­des­tens die Ein­gabe eines Begriffs in eine Such­ma­schine ver­ste­hen. Und ist es nicht eine bizarre Ver­klä­rung, die rela­tiv kleine Elite pro­fes­sio­nel­ler Jour­na­lis­ten mit Drau­ßen und In der Welt gleich­zu­set­zen, die vie­len Men­schen, die aber dort sind, wo die Jour­na­lis­ten erst hin­ge­hen sol­len, als Stu­ben­ho­cker zu beschrei­ben, die den Blick nicht vom hei­mi­schen Com­pu­ter nehmen?

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Wir brau­chen pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus, und wenn ich es mir aus­su­chen kann, dann bitte auch in Zukunft nicht nur online, son­dern auch auf Zei­tungs­pa­pier. Aber wir brau­chen ihn nicht als ver­klär­tes Ideal, das seine Unver­zicht­bar­keit behaup­tet, son­dern einen Jour­na­lis­mus, der ganz kon­kret täg­lich seine Zuver­läs­sig­keit beweist. Einen Jour­na­lis­mus, der trans­pa­rent ist, seine Unzu­läng­lich­kei­ten offen­legt und seine Feh­ler kor­ri­giert, der hin­geht, wo es weh­tut, sich die Zeit nimmt, die nötig ist, der recher­chiert statt kopiert und Ver­ant­wor­tung für die Fol­gen sei­ner Arbeit übernimmt.

Wenn der Zei­tungs­jour­na­lis­mus so wäre, wie er in den vie­len Zeitungsjournalismus-Verteidigungstexten beschrie­ben wird, dann müss­ten Zei­tun­gen zum Bei­spiel in der gegen­wär­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung um die Zukunft des Urhe­ber­rechts der Ort für die gepflegte Debatte sein, allen begrün­de­ten Stand­punk­ten ihren Raum geben, abwä­gen und dif­fe­ren­zie­ren und die eige­nen Inter­es­sen deut­lich machen. Ich sehe statt­des­sen an vie­len Stel­len Zei­tun­gen als Pro­pa­gan­da­in­stru­mente in eige­ner Sache, die ein­sei­tig und pene­trant Stim­mung machen und dabei gro­tesk über­trei­ben. Es ist das Gegen­teil einer ver­trau­ens­bil­den­den Maßnahme.

Wie über­zeu­gend sind all diese Plä­do­yers für die Groß­ar­tig­keit, die Ein­zig­ar­tig­keit des Zei­tungs­jour­na­lis­mus, den wir haben, wenn die Men­schen im All­tag das Gegen­teil erle­ben? Wie sehr würde sie, zum Bei­spiel, die Leute über­zeu­gen, die gegen den Wei­ter­bau einer Auto­bahn demons­trie­ren und fest­stel­len müs­sen, dass die lokale Mono­pol­zei­tung, die für den Wei­ter­bau ist, ihre Aktion bewusst so foto­gra­fiert hat, dass sie viel win­zi­ger wirkt als sie war?

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Das »SZ-Magazin« hat für seine »Wozu Zeitung«-Ausgabe auch auf »turi2« Anzei­gen geschal­tet. Sie füh­ren zu einer Selbst­be­schrei­bung, in der der Ver­lag dem Maga­zin »krea­ti­ven Jour­na­lis­mus auf höchs­tem Niveau« beschei­nigt. Ist es nicht iro­nisch, dass die­ses sen­sa­tio­nell anspruchs­volle Maga­zin in einer Aus­gabe, in der er fast auf jeder Seite um Fak­ten­liebe und Qua­li­tät und den gedruck­ten Jour­na­lis­mus als Garant von bei­dem geht, es nicht ein­mal schafft, den Hin­ter­grund sei­nes Gast­au­tor Felix Sal­mon zu recher­chie­ren? Und, schlim­mer, sei­nen Text, der sich im Ori­gi­nal mit dem (angeb­li­chen) Feh­len spe­zi­el­ler Wirt­schafts­blogs in Deutsch­land beschäf­tigt, flugs zu einer Ana­lyse der deut­schen Blogs schlecht­hin umdeklariert?

Über­haupt ist es inter­es­sant, sich die Form des Hef­tes genauer anzu­schauen. Fast alle Texte sind Mini-Essays, die ohne all das aus­kom­men, was angeb­lich den Zei­tungs­jour­na­lis­mus so aus­zeich­net: die Vor-Ort-Recherche, das Neue-Fakten-Schöpfen. Es sind nette Arti­kel dabei, keine Frage, viele sind klug und gut geschrie­ben und man­che sehr lesen­wert. Aber eigent­lich ähneln sie ver­blüf­fen­der­weise: Blog-Einträgen. Es sind aus per­sön­li­cher Betrof­fen­heit geschrie­bene Kom­men­tare. Das ist nichts Schlim­mes (sagt ja auch Kis­ter), bleibt aber doch ver­blüf­fend hin­ter den behaup­te­ten eige­nen Mög­lich­kei­ten zurück.

Aber die Auto­ren sind dann doch keine Blog­ger. »SZ«-Chefredakteur Hans-Werner Kilz schreibt unter »Q« wie »Qua­li­tät« zwar:

Wer schreibt, braucht kämp­fe­ri­sches Tem­pe­ra­ment, eine pole­mi­sche Bereit­schaft, eine Freude an Kontroversen.

Aber wenn ich es rich­tig gese­hen habe, hat sich an kei­ner Stelle einer der Auto­ren dazu her­ab­ge­las­sen, tat­säch­lich mit­zu­dis­ku­tie­ren. Das »SZ-Magazin« hat die Texte breit gestreut, damit andere über sie dis­ku­tie­ren kön­nen. Man­che Kri­ti­ker haben posi­tiv bemerkt, dass das »SZ-Magazin« auf all diese Debat­ten ver­linkt, und das muss man tat­säch­lich wür­di­gen, weil die Online-Ableger der klas­si­schen Medien gerade erst ganz lang­sam ler­nen, dass es im Inter­net die Mög­lich­keit gibt, Links zu set­zen, die auf andere Sei­ten als die eige­nen füh­ren. Aber das reicht nicht.

Es ist natür­lich auch eine Folge des Gefühls der eige­nen Über­le­gen­heit, dass viele Jour­na­lis­ten nicht im Traum auf die Idee kämen, mit Lesern in den Kom­men­ta­ren über ihre Arti­kel zu dis­ku­tie­ren. Den Abstand zwi­schen dem, der etwas publi­ziert, und denen, die das lesen und — neu­er­dings — öffent­lich dar­über dis­ku­tie­ren dür­fen, muss doch bitte gewahrt bleiben.

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Wir brau­chen guten Jour­na­lis­mus und gute Jour­na­lis­ten. Aber wenn die Dis­kus­sion dar­über, wie wir bei­des auch in Zukunft gewähr­leis­ten kön­nen, irgend­wie kon­struk­tiv sein soll, muss sie sich end­lich von den fal­schen Gegen­sät­zen ver­ab­schie­den. Die Front ver­läuft nicht zwi­schen Pro­fis und Ama­teu­ren oder Redak­teu­ren und Freien oder Ver­la­gen und Ein­zel­kämp­fern oder zwi­schen Print und Online. Sie ver­läuft zwi­schen gutem Jour­na­lis­mus und schlech­tem Jour­na­lis­mus. Es ist wirk­lich so einfach.

Schöner sterben mit dem »SZ-Magazin«

Das »Süd­deut­sche Zei­tung Maga­zin« hat ein The­men­heft über die »größte Sinn­krise der klas­si­schen Medien« pro­du­ziert, meint mit »klas­si­schen Medien« aber, wie sich her­aus­stellt, nur die Zei­tung. Als ver­trau­ens­bil­dende Maß­nahme haben die Kol­le­gen nun die kom­plette, mor­gen erschei­nende Aus­gabe namens »Wozu Zei­tung?« online gestellt (und ver­lo­sen sogar 1 Jah­res­abo der »Süd­deut­schen Zei­tung« an einen Nicht-Zeitungs-Leser unter zwan­zig, damit er damit, wenn ich die Aus­schrei­bung rich­tig ver­stehe, den Boden der Bio-Tonne aus­le­gen kann).

Ver­schie­de­nen Leu­ten und Insti­tu­tio­nen hat das »SZ-Magazin« außer­dem ange­bo­ten, Arti­kel aus der Son­der­aus­gabe auf ihren Inter­net­sei­ten zu ver­öf­fent­li­chen und mit ihren Lesern dar­über zu dis­ku­tie­ren. Die inter­es­san­tes­ten »(natür­lich auch kri­ti­schen)« Leser­kom­men­tare sol­len dann wie­derum auf der »SZ-Magazin«-Seite ver­öf­fent­licht und ver­linkt werden.

Ich hätte hier des­halb einen Bei­trag von Felix Sal­mon ver­öf­fent­li­chen dür­fen, einen Mann, den das »SZ-Magazin« so vorstellt:

Felix Sal­mon, 37, betreibt mit portfolio.com einen der erfolg­reichs­ten
ame­ri­ka­ni­schen Blogs, der sich mit Wirt­schaft und Finan­zen auseinandersetzt.

Das trifft es fast ((hier in der Bedeu­tung von »gar nicht«)). portfolio.com ist kein Blog, son­dern der Online-Ableger von »Port­fo­lio«, einem monat­li­chen Wirt­schafts­ma­ga­zin von Condé Nast. »Port­fo­lio« und portfolio.com wer­den gerade man­gels Wer­be­er­lö­sen ein­ge­stellt. Felix Sal­mon bloggt da aber eh schon seit Ende März nicht mehr, son­dern für Reu­ters.

Okay, das sind nur »Fak­ten«. Und es hätte auch eine gewisse Iro­nie gehabt, sei­nen Bei­trag »Zehn Gründe, warum Blogs in Deutsch­land nicht funk­tio­nie­ren« hier zu ver­öf­fent­li­chen. Aber Sal­mons Gründe sind so doof, dass mir selbst der unend­li­che Platz, den das Inter­net bie­tet, dafür zu schade ist. Sie beru­hen auf Aus­sa­gen wie: »Anse­hen ist etwas, wonach fast alle Deut­schen stre­ben«, »Die Deut­schen neh­men ihre Ferien extrem ernst« und »Deutsch­land hat (…) andere Universitäten«.

Sie kön­nen sich den Bei­trag natür­lich trotz­dem gern auf den Sei­ten des »SZ-Magazins« durch­le­sen und dort oder hier oder woau­chim­mer dar­über dis­ku­tie­ren. Die ande­ren Arti­kel habe ich noch nicht gele­sen, aber Journalistik-Professor Klaus Meier hat es getan.

Nach­trag, 14.35 Uhr. Im eng­li­schen Ori­gi­nal des Arti­kels bei Reu­ters (!) schreibt Sal­mon übri­gens kei­nes­wegs dar­über, »warum Blogs in Deutsch­land nicht funk­tio­nie­ren«, son­dern warum es keine deut­schen Wirt­schaftsblog­ger (»eco­no­blog­gers«) gebe. Aber das war dem »SZ-Magazin« wohl nicht sexy genug.

Nach­trag, 8. Mail. Klaus Jar­chow hat eine schöne Par­odie auf Sal­mons The­sen verfasst.

Ich bin Flauschcontent


… für Kai Diek­mann (Bild 7).

Biss­chen eklig, aber lustig.