Kommt’n Meteorologe in’n Knast…

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Twitter die Menschen doof macht oder nur ohnehin vorhandene Doofheit sichtbar. Aber als heute bekannt wurde, dass der Fernseh-Wettermann Jörg Kachelmann unter dem Verdacht verhaftet wurde, eine Frau vergewaltigt zu haben, scheint das der Startschuss zu einem Twitter-Witzewettbewerb zu den lustigen Themen »Wetter« und »Vergewaltigung« gewesen zu sein, frei nach dem alten »Der Preis ist heiß«-Motto: aber nicht überbieten.

Und als wäre es nicht genug, dass das Thema so witzuntauglich, das Identifizieren des Verdächtigen durch sämtliche Medien so zweifelhaft und die Unschuldsvermutung so vergessen scheint — die Sprüche, an denen sich die Westentaschen-Harald-Schmidts aufgeilen, sind auch noch von erbärmlicher Unlustigkeit:




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Elende Twitzbolde

Ist es nicht immer wieder rührend zu sehen, wie sehr sich die Leute von »Bild« freuen, wenn mal einer anderen Zeitung ein Fehler passiert und nicht immer nur ihnen?

Gestern ist mein »FAZ«-Kollege Michael Hanfeld in einer kleinen Randnotiz auf den falschen »Harald Schmidt« auf Twitter reingefallen, und wenn ich die »Verlierer des Tages«-Meldung in der »Bild«-Zeitung heute richtig interpretiere, hätte ihr das schon deshalb nicht passieren können, weil sie an der Existenz von Twitter insgesamt zweifelt.

Es ist aber auch ein Elend mit diesem »vermeintlichen Blogging-Dienst« (»Bild«). Nehmen wir nur den Scherzbold, der sich da als Peter Sloterdijk ausgibt. Nach der Premiere der ZDF-Sendung »Die Vorleser« twitterte er über den neuen Moderator und »Zeit«-Redakteur Ijoma Mangold:

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Twitter macht Journalisten stumm

Vor zwei Wochen ging die Falschmeldung um die Welt, amerikanische Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass Facebook und Twitter ihre Nutzer unmoralisch machen. In Wahrheit behauptete die Studie nichts dergleichen; soziale Netzwerke waren nicht einmal ihr Thema. Wir berichteten auf BILDblog.

Doch die fast systematische Verbreitung solchen Unsinns ist nur die halbe Geschichte. Die andere ist die, wie Medien reagieren, wenn man sie auf ihre Fehler aufmerksam macht.

»Focus Online« vermied eine Berichtigung, ergänzte die Meldung aber um eine »Anmerkung der Redaktion«, der Artikel sei »in die Kritik« geraten. Plötzlich erfuhren die Leser auch, dass es sich nicht um einen Eigenbericht, sondern eine »Meldung der Fachagentur Medical Press« handelte. Komischerweise finden manche Medien das nur erwähnenswert, wenn ein Fehler passiert ist.

Aber …

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»Welt kompakt«, Fanclub für Prügelvideos

Der Kollege Detlef Borchers nennt Twitter ein »nicht-journalistisches Format«. Ich glaube, das ist eine Untertreibung.

Der »Guardian« hat ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie der Passant, der während der G20-Demonstration in London ums Leben kam, kurz zuvor von Polizisten angegriffen wurde. Die »Welt kompakt« hat es in ihr Facebook-Profil gestellt und wirbt dafür auf Twitter so:

[via »freiwild« in den Kommentaren]

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Pöbeljournalismus

Gerd Blank ist Profi. Er arbeitet als Redakteur im Ressort »Digital« bei stern.de. Da weiß er natürlich besser als andere, wie man angemessen mit sowas wie Twitter umgeht. Als gestern die ersten Meldungen von einem Amoklauf einliefen, fand er gleich die richtigen Worte:

Mist, Amoklauf an einer Schule im baden-württembergischen Winnenden. Es gab wohl Tote.

Ja, Mist.

Nun dürfen bei Twitter leider nicht nur Profis wie Gerd Blank Kurznachrichten veröffentlichen, sondern jedermann. Sogar Nicht-Journalisten. Oder, wie Gerd Blank diese Leute nennt: der »Pöbel«. In einem Artikel auf stern.de klagt er:

Wenn der Pöbel gleichzeitig zum Nachrichtenempfänger und Versender wird, bleibt häufig viel auf der Strecke.

Und konkret:

Schnell wird klar, man weiß nichts und will darüber reden. Wo für …

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