Tag Archive for: Welt Online

Super-Symbolfotos (55)

08 Jan 09
8. Januar 2009

„Welt Online“:

[mit Dank an Felix Stein]

David Copperfield ist nicht Uri Geller

22 Dez 08
22. Dezember 2008

Man muss das natürlich prinzipiell begrüßen, wenn ein Medium nicht einfach stumpf eine Agenturmeldung übernimmt, sondern sich eigene Gedanken dazu macht. Es ist nur nicht ohne Risiko.

Bei „Welt Online“ kam ein Mitarbeiter am vergangenen Freitag auf die Idee, aus zwei Meldungen eine zu machen. Leider hatten beide nur in seinem Kopf etwas miteinander zu tun.

GEFÄHRLICHE ZAUBER-SHOWS: TV-Verbot für Mentalisten in Ecuador / Ein Assistent des US-Magiers David Copperfield ist bei einer Vorstellung in Las Vegas in einen Ventilator geraten und schwer verletzt worden. Für die Gegner von Parapsychologie ein gefundenes Fressen: In Ecuador hat der Nationale Rundfunkrat bereits beschlossen, dass Zauberer oder Mentalisten nicht mehr im TV gezeigt werden dürfen.

Man kann beim Lesen des Vorspanns schon fast das Knirschen im Übergang hören.

Im Artikel selbst wird es nicht besser. „Welt Online“ beschreibt erst, wie ein Assistent Copperfields schwer verletzt wurde, weil er in einen Ventilator gesogen wurde, durch den der Zauberer scheinbar schreiten sollte. Und dann folgt der Satz: „Dass auch eine psychische Gefahr von solchen Shows ausgeht, hat jetzt den Nationalen Rundfunkrat in Ecuador dazu veranlasst, Parapsychologie aus dem Fernsehen zu verbannen.“

Die Entscheidung des Rundfunkrates in Ecuador hat sicher nichts mit dem Unfall in Las Vegas zu tun — vor allem aber hat David Copperfield nichts mit Parapsychologie zu tun. Der Mann ist Zauberer. Er nennt sich Illusionist, was ein sehr klarer und treffender Begriff für seine Kunst ist. Er behauptet nicht, mithilfe übersinnlicher Fähigkeiten durch Ventilatoren gehen, fliegen oder die Freiheitsstatue verschwinden lassen zu können. Er weiß nur, wie man es so aussehen lässt, als könne er durch Ventilatoren gehen, fliegen oder die Freiheitsstatue verschwinden lassen.

Ich vermute, die Entscheidung in Ecuador richtet sich eher gegen verschärfte Varianten von „Astro-TV“ mit Wunderheilungen, Ritualen und allem drum und dran. (Vielleicht kennt einer der Leser ja entsprechende Fernsehsendungen von dort?) Das ist ein riesiger Unterschied. Die einen können tolle Tricks und unterhalten uns. Die anderen sind Scharlatane und verkaufen uns für dumm.

Den dämlichen Schluss des Artikels hat „Welt Online“ sich nicht selbst ausgedacht, der stammt original aus der Agenturmeldung:

Auch im deutsche Fernsehen treten immer wieder so genannten Mentalisten auf, die behaupten, über übernatürliche Fähigkeiten zu verfügen. So strahlte der Sender Pro Sieben Anfang des Jahres eine Casting-Show mit Uri Geller aus, der für das Verbiegen von Löffeln per Gedankenübertragung bekannt ist.

Newsflash für AP und „Welt Online“: Niemand kann Löffel per Gedankenübertragung verbiegen. Uri Geller schon gar nicht.

Entsetzen in Bombay, symbolisch

27 Nov 08
27. November 2008

Das Foto auf „Welt Online“ ist zwar aus Bombay. Aber es ist schon eine Woche alt. Es zeigt die Reaktion eines Mannes auf den Kurssturz an der Börse am vergangenen Donnerstag.

[mit Dank an Peter Raffelt]

Happy Klicking

20 Nov 08
20. November 2008

Was meinst Du eigentlich, wie viele Platten James Last gemacht hat?

140.

Und was passiert mit Dingen, von denen es so viel gibt?

Sie interessieren keinen?

Fast.







etc.

Die allerzeitenste Liste aller Zeiten

20 Nov 08
20. November 2008

Ich habe mich immer gefragt, was in irgendwelchen Besten- oder Schlechtestenlisten die Formulierung „…aller Zeiten“ bedeuten soll, wenn es doch eigentlich nur „…bisher“ heißen kann. Ich meine, wer fällt schon auf eine solch billige Suggestion von Zeitlosigkeit und Ewigkeit herein?

Ah: die Kollegen von der „Welt“.

Mit der Naivität eines kleines Jungen, der auch noch glaubt, dass ihn keiner sehen kann, wenn er sich die Augen zuhält, prahlen sie damit, zu wissen, welche Platten der „Rolling Stone“ zu den „500 besten Alben aller Zeiten“ gewählt hat. Sie haben brav eine neunteilige Fotogalerie und zwei je 50-teilige Textklickstrecken produziert, verweisen noch auf eine 16-teilige Bilderstrecke über die Beatles, deren „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ „jetzt“ zum „Besten Album aller Zeiten“ gekürt worden sei, und laden zu mehreren Rätseln nach dem Motto „Wie gut kennen Sie Abba?“ ein.

Was sie nicht gemacht haben: Sich genauer die Jahreszahl vorne in dem gerade auf deutsch erschienenen Buch mit der Top-500 oder auf der zugehörigen Homepage des „Rolling Stone“ anzusehen oder kurz ins eigene Archiv zu gucken. Denn es mag zwar sein, dass „die amerikanische Ausgabe des ‚Rolling Stone‘ besonders eifrig Listen fertigt“, wie sie schreiben. Aber diese Liste ist aus dem Jahr 2003. Was vielleicht zumindestens teilweise erklärt, warum sich in ihr noch keine Platte findet, die nach der Jahrtausendwende entstanden ist, wie die „Welt“-Autoren bemängeln:

Hier muss mit der Zeit noch verbessert werden. Doch dafür sind Listen ja da: Zum ständigen ändern, überarbeiten, neu erstellen.

Ja. Oder zum immer wieder Reproduzieren, Neuverpacken, „Welt“-Redakteure reinlegen.

(Darauf, dass die Liste fünf Jahre alt ist, hat übrigens auch ein Leser die „Welt Online“-Leute schon in den Kommentaren hingewiesen. Aber wer liest schon Leserkommentare? „Welt Online“ sicher nicht.)

[entdeckt von BILDBlog-Leser Sascha K.]