Die Firma Cal­lac­tive, die für drei Sen­der der MTV-Gruppe in Deutsch­land mehr­stün­dige Anruf-Sendungen pro­du­ziert, ver­sucht auch wei­ter­hin, eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit ihren Geschäfts­me­tho­den zu erschwe­ren. Am Mon­tag for­derte der Anwalt des Unter­neh­mens den Betrei­ber des Forums call-in-tv.de auf, die Screen­shots von Callactive-Sendungen zu entfernen:

Ins­be­son­dere sind der­ar­tige Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht von der Zitier­frei­heit erfasst. (…) Bei der Durch­sicht von Foren-Inhalten konn­ten wir kei­nen ein­zi­gen Screen­shot iden­ti­fi­zie­ren, des­sen Ver­öf­fent­li­chung nicht Rechte der Cal­lac­tive GmbH verletzt.

Schaut man sich die Screen­shots an, ahnt man, warum die Firma sie ungern im Netz sieht: Viele bewei­sen, wie Cal­lac­tive in »Money Express« die Zuschauer sys­te­ma­tisch in die Irre führt und gegen die Regeln der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten (pdf) verstößt.

Bei Ken­nern berüch­tigt ist etwa das im »Money Express« gern gespielte Rät­sel »Zäh­len Sie alle Liter!«. Ver­gan­gene Nacht han­delte es sich um eine ver­gleichs­weise ein­fa­che Version:

Trotz Dut­zen­der durch­ge­stell­ter Kan­di­da­ten kam nie­mand auf die rich­tige Lösung, und so musste die Mode­ra­to­rin am Ende selbst ver­ra­ten, wie es geht.

»Und jetzt muss ich Ihnen die Lösung zei­gen, was wär‹ denn wirk­lich raus­ge­kom­men? 352! Hier unten — haben Sie das gese­hen? Ich hab’s Ihnen andau­ernd gesagt: Das mitt­lere Fass! Das eine ist leer, und da drun­ter, da ist noch eins. Bitte, das nächste Mal machen Sie das rich­tig. Das da drun­ter war voll, und voll und leer, da müs­sen Sie immer oben zäh­len und das was drin ist zäh­len, und das nächste Mal, da zäh­len Sie alles rich­tig und dann gibt’s hof­fent­lich auch wie­der einen tol­len, fünf­stel­li­gen Gewinn, eventuell.

Das Zitat ist unge­kürzt, und die Sen­dung damit zuende. Und nun zum Ver­gleich die For­mu­lie­rung aus den Gewinn­spiel­re­geln der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten, an die sich Cal­lac­tive nach eige­nen Aus­sa­gen hält:

Die an einen fai­ren Wett­be­werb zu stel­len­den Vor­aus­set­zun­gen erfor­dern, dass die Spiele trans­pa­rent auf­ge­löst wer­den. D. h. für den durch­schnitt­li­chen Zuschauer muss es, ins­be­son­dere auch bei schwe­ren Spie­len mög­lich sein, die Lösungs­lo­gik nachzuvollziehen.

Falls Ihnen die Lösungs­lo­gik trotz der Auf­lö­sung durch die Mode­ra­to­rin nicht klar ist — es ist doch ganz ein­fach. Zuerst zäh­len Sie alle Zah­len mit »Liter«:

15 + 15 + 20 + 20 + 25 + 25 = 120.

Aber in »15 Liter« steckt ja auch »5 Liter«, also:

5 + 5 + 0 + 0 + 5 + 5 = 20.

Aber Liter kann man ja auch mit »L« abkür­zen, des­halb müs­sen wir die bei­den Sum­men dop­pelt zählen: :

120 + 120 + 20 + 20 = 280.

Nun zäh­len Sie den Inhalt der Fäs­ser dazu, aber nur die vol­len (also ohne Loch unten) und inklu­sive der verdeckten:

280 + 15 + 20 + 25 = 340.

Und die sechs ein­zel­nen Wör­ter »Liter« zählt auch jeweils als Liter, ebenso die sechs darin ent­hal­te­nen »L«, also:

340 + 6 + 6 = 352!

Ta-daa!

Aber selbst wenn Sie das jetzt ver­stan­den haben soll­ten und irgend­wie logisch fin­den, würde ich drin­gend davon abra­ten, beim nächs­ten »Liter«-Spiel im »Money Express« anzu­ru­fen. Denn, wie gesagt: Die­ses Spiel war ver­gleichs­weise fair. Manch­mal feh­len bei den Beschrif­tun­gen auf den Ton­nen klit­ze­kleine Ecken, dann zäh­len sie nicht mehr. (Auch das wider­spricht übri­gens den Regeln der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten.) Mal sind die Liter als »Ltr.« abge­kürzt, dann zäh­len sie, mal steht da nur »Ltr«, dann zäh­len sie nicht, also, außer das »L« alleine, das zählt natür­lich in jedem Fall als »Liter«. Des­halb kommt bei die­sem Rät­sel, das im »Money Express« vor zwei Wochen gespielt wurde, natür­lich auch 528 her­aus, wie die Lösungs­bild­schirm anschau­lich macht (und nicht 527, wie »Money Express« am Tag zuvor noch behaup­tet hatte):

Wis­sen Sie jetzt, was der Grund sein könnte, dass Cal­lac­tive und ihr Geschäfts­füh­rer Ste­phan May­er­ba­cher sich so dage­gen weh­ren, dass man Screen­shots von der Sen­dung im Netz veröffentlicht?

PS: Ich hatte ver­sucht, ein kur­zes Video, das die erstaun­li­che »Auf­lö­sung« der Sen­dung zeigt, bei Seven­load hoch­zu­la­den. Es war inner­halb kür­zes­ter Zeit gelöscht. Seven­load scheint auf Wunsch von Cal­lac­tive alle Beweis­vi­deos ent­fernt zu haben.

Mit Dank an call-in-tv.de für den Lösungsweg!