Ich wollte mich ja erst reflex­ar­tig echauf­fie­ren über die sagen­haft irre­füh­rende Über­schrift, die der Online-Auftritt der »Rhei­ni­schen Post« sei­ner Pre­mie­ren­kri­tik von »Ker­ner« auf Sat.1 gege­ben hat:

Dann habe ich aber ver­se­hent­lich den Arti­kel selbst gele­sen, und konnte es nicht glau­ben, wie tref­fend und ver­nich­tend der Autor Ulli Tück­man­tel das Wesen des Fern­seh­mo­de­ra­tors Johan­nes B. Ker­ners dekon­stru­iert hat — nicht allein aller­dings, son­dern mit Hilfe eines fast 50 Jahre alten Auf­sat­zes von Umberto Eco über den ita­lie­ni­schen Quiz­mas­ter Mike Bongiorno.

Tück­man­tel schreibt:

(…) wie kann man nicht an Ker­ner den­ken, wenn man so wun­der­volle Sätze liest, wie: »Er ach­tet sorg­fäl­tig dar­auf, den Zuschauer nicht zu beein­dru­cken, indem er sich nicht nur unwis­send zeigt, son­dern auch ent­schlos­sen, nichts dazuzulernen.«

(…) Ker­ner hat keine Ahnung von den Dimen­sio­nen der Komik, die er erschließt, wenn er einen 29-Jährigen Geis­ter­se­her ohne jeden Anflug von Iro­nie fragt, ob Tote im Stu­dio anwe­send sind, und dann in sei­ner buch­hal­te­ri­schen Manier nach­hakt, wie viele Tote es wohl gemes­sen an der Publi­kums­zahl sein könnten.

Und sel­ten habe ich einen Satz gele­sen, der mein manch­mal dif­fu­ses Unbe­ha­gen gegen­über Ker­ner so auf den Punkt bringt wie dieser:

Wie Bon­giorno akzep­tiert er vom Main­stream abwei­chende Mei­nun­gen sei­ner Gäste nicht aus libe­ra­ler Über­zeu­gung, son­dern aus Desinteresse.

(Schön ist aber auch, dass ich nicht der ein­zige bin, der einen sol­chen Arti­kel nicht in die­sem Medium erwar­tet hat. Ein Leser kom­men­tiert: »Sie müs­sen neu im Team der RPO sein. Bitte machen Sie nach Ihrem Prak­ti­kum doch bitte dort wei­ter so!« Nun: Tück­man­tel lei­tet bereits das »Report«-Ressort der Gesamt­aus­gabe der »Rhei­ni­schen Post« und schreibt in die­ser Funk­tion auch Kom­men­tare, die mir gar nicht beha­gen.)

(Meine eigene Kri­tik steht in der »taz«.)