“Bild” ist Aktuelle-Äpfel-alte-Birnen-Europameister

“Wir setzen uns für eine freie und soziale Marktwirtschaft ein”, lautet einer der fünf “Grundsätze und Werte” des Axel-Springer-Konzerns. Und auch die “Bild”-Redaktion vertritt in ihrer Berichterstattung überwiegend die Ansicht: Soll der Markt es regeln. Aber wenn es ums Autofahren geht oder genauer: um die Spritpreise, ja, dann

Screenshot Bild.de - Zwei-Euro-Marke teilweise schon geknackt - Wann kommt die Spritpreis-Bremse, Herr Scheuer? Wie der Verkehrsminister sein Versprechen halten will

Zum Zapfsäulen-Aktivismus der “Bild”-Redaktion passt auch diese exklusive “Bild”-Meldung von gestern:

Screenshot Bild.de - Auf diesen Titel hätten wir gerne verzichtet - Deutschland ist Spritpreis-Europameister

Keine Frage: Die Preise für Benzin und Diesel sind in letzter Zeit stark gestiegen. Das stellt viele Menschen, die aufs Autofahren angewiesen sind, vor größere finanzielle Herausforderungen. Aber dass die Spritpreise in Deutschland die höchsten in Europa sind, ist schlicht falsch.

Bei Bild.de steht dazu:

Die Preise an deutschen Tankstellen ziehen weiter an: Diesel und Super E10 erreichen 9-Jahre-Hochs, teilte der ADAC am Mittwoch mit. Und damit gewinnt Deutschland das, was Hansis Jungs zuletzt 1996 packten: Wir sind (Spritpreis-)Europameister! (…)

BILD macht den Check, wie es im europäischen Vergleich an den Zapfsäulen anderer Länder preislich derzeit aussieht.

Die erschütternde Bilanz vorab: Deutschland ist Spitzenreiter! Bei teuerstem Super UND Diesel. Dicht gefolgt von Norwegen.

Die “Bild”-Redaktion präsentiert in ihrem Artikel eine Tabelle mit den Super- und Dieselpreisen aus 15 verschiedenen Ländern: Deutschland, Norwegen, Italien, Dänemark, die Niederlande, Frankreich, Griechenland, Spanien, die Schweiz, Tschechien, Kroatien, Österreich, Polen, die Türkei und Bulgarien. Deutschland steht mit den höchsten Preisen ganz oben. Bild.de beruft sich dabei auf die Seite benzinpreis.de. Die schreibt über sich selbst:

benzinpreis.de ist ein Projekt, in dem Benzin- und Dieselpreise weltweit von Benutzern der Seite eingegeben und vom System statistisch aufbereitet werden.

Die Verlässlichkeit der Zahlen von benzinpreis.de hängt also davon ab, wie oft und wie genau die Nutzer dort Preise eintragen. Und das findet nicht so irre häufig statt: Der aktuellste Eintrag für Norwegen beispielsweise stammt sowohl bei Super als auch bei Diesel vom 20. April 2020. Aus den Niederlanden kam die letzte Super-Meldung am 3. August 2020 rein. Für Italien stammt der neueste Eintrag immerhin vom 15. September 2021 – ist damit aber auch schon einen Monat alt. Die Preise aus Kroatien stammen vom 22. Juni 2020. Die aus der Türkei vom 20. April 2020. Und so weiter. Die Preise für Deutschland stammen laut benzinpreis.de hingegen von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts.

Die “Bild”-Redaktion vergleicht also aktuelle Zahlen aus Deutschland mit veralteten aus dem Ausland, teilweise von vor eineinhalb Jahren.

Schaut man sich hingegen aktuellere Zahlen an, beispielsweise auf der Seite GlobalPetrolPrices.com, die bei der Preisermittlung laut eigener Angabe auf mehrere voneinander unabhängige Quellen zurückgreift (PDF), sieht man, dass Deutschland bei weitem nicht “Spritpreis-Europameister” ist: Beim Superbenzin lagen am 11. Oktober die Niederlande, Norwegen, Dänemark, Griechenland und Italien mit höheren Preisen vor Deutschland. Nimmt man noch weitere europäische Staaten in den Vergleich mit auf, die, warum auch immer, in der “Bild”-Liste nicht auftauchen, liegen auch noch Schweden, Finnland, Island, Portugal und Monaco vor Deutschland. Beim Diesel waren die Preise in Schweden, Norwegen, Großbritannien, Island, Dänemark, Belgien, Monaco, Finnland, Kroatien, Italien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz höher als in Deutschland.

Mit Dank an Marian und Theo für die Hinweise!

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Falscher Tätername, Undercover bei Neonazis, Antisemitismus im Netz

1. Medien verbreiten falschen Täternamen
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Nach dem möglichen Terroranschlag in Norwegen verbreiteten Medien einen erfundenen Namen des Verdächtigen. Verschiedene italienische, griechische und französische Redaktionen behaupteten, der mutmaßliche Täter von Kongsberg heiße “Rainer Winklarson”. Sie waren auf böswillig gestreute Falschinformationen von Internet-Trollen hereingefallen, die dafür den Namen eines deutschen Youtubers verballhornt hatten.

2. Neutralität gibt es nicht
(taz.de, Ulrike Herrmann)
Die “taz”-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann wundert sich: “Seit vielen Jahren schreibe ich für die taz über Wirtschaftsthemen. Meine Mitgliedschaft bei den Grünen war dabei nie ein Problem. Bis jetzt.” Weil sie der Neutralitätsdebatten müde sei, habe sie bei der Partei das Ruhen ihrer Mitgliedschaft beantragt.
Gucktipp: Wer Ulrike Herrmann kennenlernen und noch dazu viel über Wirtschaftsthemen lernen möchte, sollte sich ihr Gespräch mit Tilo Jung anschauen: Jung & Naiv: Folge 451 (youtube.com, Video: 1:25:51 Stunden).

3. Siegfried Borchardt, 67, Kampfname: “SS-Siggi” ist tot. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte.
(facebook.com, Gerhard Kromschröder)
Bei Facebook erzählt der Journalist Gerhard Kromschröder, wie er mit einem Kollegen, dem Fotografen Harmut Schwarzbach, 1983 für den “Stern” undercover in der Dortmunder Neonazi-Szene unterwegs war und dabei den jüngst verstorbenen Siegfried Borchardt (Kampfname: “SS-Siggi”) kennenlernte: “Unsere ‘Stern’-Reportage ‘Blut, Blut muss fließen …’ war der erste Beleg für das neue Phänomen [von rechtsradikalen Fußballfans] und erregte Aufsehen. Doch der BVB und Dortmunds Polizei wiegelten ab: Neonazis unter Fußballfans kennen wir nicht, gibt’s nicht, Ende der Durchsage. Statt gegen Borchardt und seine ‘Borussenfront’ wurde erst einmal gegen Schwarzbach und mich ermittelt.” Zudem sei ihm damals in der “Bild am Sonntag” unterstellt worden, er hätte “eine Gruppe Dortmunder Fußballfans als ‘Neo-Nazis’ diffamiert.”

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4. Wieso kann Youtube #allesaufdentisch abermals löschen?
(faz.net, David Lindenfeld)
Der Streit zwischen Youtube und den Anti-Corona-Maßnahmen-Aktivisten von #allesaufdentisch geht in die nächste Runde: Die Videoplattform habe abermals zwei Beiträge gesperrt, weil sie gegen die Richtlinien zu Fehlinformationen im Zusammenhang mit Covid-19 verstoßen würden. Der Jurist Joachim Steinhöfel, der #allesaufdentisch rechtlich vertritt und in einem der Videos auch selbst zu Wort kommt, habe die neuerliche Löschung als “pure Provokation” gegenüber dem Landgericht Köln bezeichnet.

5. MDR und sächsische Polizei wollen enger zusammenarbeiten
(mdr.de)
Der MDR und die sächsische Polizei wollen künftig enger zusammenarbeiten und haben dazu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel dieser Vereinbarung soll sein, dass Journalistinnen und Journalisten einerseits und Polizistinnen und Polizisten andererseits mehr Verständnis für die Arbeit der jeweils anderen Seite entwickeln. Zudem sollen Medienschaffende von der Polizei besser geschützt werden – etwa vor Übergriffen bei Demonstrationen.

6. Antisemitismus in sozialen Netzen weit verbreitet
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Allen Bemühungen gegen Hate Speech zum Trotz sei Antisemitismus in Sozialen Netzwerken immer noch weit verbreitet, so das Ergebnis einer Studie der Amadeu Antonio Stiftung. Die Stiftungs-Mitarbeiterin Simone Rafael kommentiert: “Dass Antisemitismus im Jahr 2021 immer noch auf jeder Plattform mit wenigen Klicks und den plattesten Vorurteilen als Suchbegriffe zu finden ist, ist ein Armutszeugnis. Jüdinnen und Juden als Betroffene weisen seit über einem Jahrzehnt darauf hin, wie sehr sie online attackiert werden. Es wird Zeit, dass die Netzwerke ihre Verantwortung für die Sicherheit ihrer Nutzer:innen endlich ernst nehmen und Antisemitismus von den Plattformen verbannen.”

Empörung über Aussagen, die “Bild” aus dem Zusammenhang reißt, ist am billigsten

In den vergangenen Tagen konnte man gut beobachten, wie die “Bild”-Redaktion manipuliert, um an eine Geschichte zu kommen, und wie sehr sie Aussagen aus dem Zusammenhang reißt und verdreht, um skandalisieren zu können.

Es sei ein “DREISTER SPARTIPP VON KATARINA BARLEY”, empörte sich “Bild” am Dienstag. Die Aussage der SPD-Politikerin in der Talkrunde “Hart aber fair” scheine “mehr als weltfremd”, es handele sich um einen “Arroganz-Anfall”:

Screenshot Bild.de - Hammerpreise fürs Heizen - Arroganz-Anfall von SPD-Politikerin Katarina Barley - Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten

In dem Artikel schreibt das “Bild”-Trio Peter Tiede, Sebastian Ahlefeld und Lou Siebert:

Mit einer dreisten Äußerung überraschte SPD-Politikerin und EU-Vizepräsidentin Katarina Barley (52) bei “Hart aber fair” (ARD). Am Montagabend diskutierte sie mit zum Thema Inflation und Energiepreise.

Tanken, Heizen und Lebensmittel sind deutlich teurer geworden – das stieß auch einem Zuschauer übel auf. Barley hielt ihm einen dreisten Tipp entgegen: “Die Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten.”

Was die Politikerin damit offenbar sagen wollte: Wir sind selbst schuld, wenn wir zu hohe Rechnungen bekommen! Einfach mal die Heizung abdrehen und Licht ausschalten, um unter dem Strich angeblich noch Geld zu sparen?

Oder zusammengefasst in der Artikel-Überschrift:

Screenshot Bild.de - Dreister Spartipp von Katarina Barley - Strom zu teuer? Einfach weniger Energie verbrauchen

So viel schon mal jetzt: Katarina Barley hat bei “Hart aber fair” nicht derartige Tipps gegeben.

Aber erstmal weiter mit der großen Empörung. Die “Bild”-Redaktion konnte auch einen Politiker einspannen:

Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei (48) zu BILD: “Die Menschen haben begründete Sorge vor steigenden Energiepreisen. Wer diese Sorgen mit einem Aufruf zu mehr Sparsamkeit beantwortet, behandelt die Menschen abfällig und verächtlich. Frau Barley scheint zu glauben, dass die Menschen aus dem Fenster heizen und noch beträchtliche Einsparmöglichkeiten hätten. Wer das annimmt, hat die Bodenhaftung verloren.”

Gestern legte “Bild” nach:

Ausriss Bild-Zeitung - So verhöhnt die Politik den einfachen Bürger

Nikolaus Harbusch, Hans-Jörg Vehlewald und Peter Tiede schrieben dazu:

Deutschland stöhnt unter dramatisch steigenden Strom-, Heiz- und Spritkosten! Rentner, Geringverdiener und Pendler wissen nicht, wie sie über den Winter oder zur Arbeit kommen sollen!

Und was sagt die einstige Arbeiterpartei SPD dazu?

Spitzengenossin Katarina Barley (52) glänzt im WDR-Talk “Hart aber fair” mit Luxus-Ratschlägen: “Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht.” Wer sich “neue Fenster” einbaut oder “gedämmt hat”, der komme “voll in den Genuss” staatlicher Förderung und könne jubeln: “Hey, jede Stunde, die jetzt teurer ist, habe ich mehr gespart” (…)

Für die Bürger, die sich vor dem teuersten Winter seit Jahrzehnten sorgen, müssen solche Sprüche wie Hohn klingen. Sollen sie sich nach der Corona-Krise noch verschulden für Solartechnik, Heizungssanierung oder Wärmedämmung?

Auch wenn die bis hierher erschienenen Artikel zu dem Thema nicht gerade meinungsschwach waren, veröffentlichte “Bild” zusätzlich auch noch einen Kommentar zu Barleys “Hart-aber-fair”-Auftritt:

Screenshot Bild.de - Der blanke Hohn

Julius Böhm schrieb über die “hochnäsigen Sprüche” der SPD-Politikerin:

Geht’s noch abgehobener? (…)

“Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht”, empfahl Katarina Barley. Ihre Spar-Tipps: neue Fenster, Wärmedämmung.

Natürlich sparen Modernisierungs-Maßnahmen langfristig Geld. Doch für Millionen Normalverdiener sind solche Tipps der blanke Hohn. Und Rentner kriegen für solche Investitionen ohnehin keinen Kredit von der Bank.

Für alle, die am Monatsende jeden Euro umdrehen müssen und kein Geld für Dämmung, eine neue Heizung oder stromsparende Elektrogeräte haben, heißt Barleys Spar-Tipp übersetzt: Dann heizt weniger und macht das Licht aus!

Und auch bei “Bild TV” regen sie sich über Katarina Barley auf. Moderator Kai Weise sagt mit Blick auf die derzeit steigenden Energiepreise:

Es gibt immer mehr, die sagen: “Ist doch gut so. Ist doch genau das, was wir wollten.” Und auch die SPD-Politikerin, frühere Justizministerin Katarina Barley, heute in Europa unterwegs, hat diesen Satz bei den Kollegen von “Hart aber fair”, bei Frank Plasberg gesagt.

Es folgt eine Szene aus der “Hart-aber-fair”-Sendung. Weise im Anschluss:

Also das ist die Haltung von vielen Politikern aktuell. Die sagen: “Genau das wollten wir doch. Und jetzt, wenn’s euer Problem ist, dass ihr es euch nicht leisten könnt, dann verbraucht doch einfach weniger.”

“Bild”-Parlamentsbüro-Leiter Ralf Schuler, der ebenfalls im “Bild-TV”-Studio steht, ergänzt:

Absolut. Und wenn’s kein Brot gibt, kann man Kuchen essen. Also, die Sozialdemokratie an der Seite zu haben, da hat man aber echt ein Pfund. Ich mein’, da spricht wirklich eine Blinde von der Farbe.

Soweit die große “Bild”-Aufregung. Zwei Dinge haben die Empörten gemeinsam: Sie sind ganz doll aufgebracht. Und sie haben sich die “Hart-aber-fair”-Folge, wenn überhaupt, nicht besonders aufmerksam angeschaut (oder noch schlimmer: Sie haben sie sich aufmerksam angeschaut und behaupten bewusst Falsches).

Für die Einordnung von Barleys Aussage zur Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist der Kontext wichtig, den man in der “Bild”-Berichterstattung an keiner Stelle korrekt wiedergegeben findet: “Hart-aber-fair”-“Zuschaueranwältin” Brigitte Büscher liest gerade eine Reaktion eines Zuschauers vor (ab Minute 50:07):

Screenshot Hart aber fair

Das ist noch eine sehr spannende Geschichte von Joop van Zee. Er hat uns nämlich geschrieben: Er hat versucht, alles richtig zu machen. Er hat mehrere Beispiel genannt. Er hat gesagt, er hat ein Haus, da hat er eine neue Gasheizung eingebaut. Dann hat er mehrere hundert Euro sparen können und, bums, jetzt gehen die Preise hoch, und kommt für sich dann zu diesem Schluss. Er sagt: “Kostenexplosionen mit Einsparungen zu begegnen, ist so das dämlichste Argument, was ich kenne.”

Moderator Frank Plasberg übernimmt:

Haben Sie das eigentlich im Auge, Frau Barley oder Herr Ramsauer oder auch Frau Neubaur als aktive Politiker, dass man tatsächlich, wenn Menschen das begriffen haben und auch in die Energiewende wirklich investiert haben, jetzt gucken und sagen: “Schwupp, ist weg durch gestiegene Preise.” Was macht das mit der Bereitschaft für andere, denen dann auch zu folgen?

Erst antwortet CSU-Politiker Peter Ramsauer:

Es hätte deswegen auch “Schwupp” gemacht, ganz genauso hätte es “Schwupp” gemacht. (…) Deswegen, weil es “Schwupp” gemacht hat, kann es ja im Nachhinein nicht unbedingt falsch sein, dass zum Beispiel der Umstieg von alten Ölheizungen auf moderne Wärmepumpen-Anlagen massiv gefördert wird.

Anschließend rechnet der Finanzjournalist Hermann-Josef Tenhagen vor:

Ich hätte 1500 Euro bezahlen müssen, habe eine Energiesparmaßnahme gemacht, jetzt zahle ich nur 1000. Jetzt bezahle ich [durch die Preissteigerrungen] künftig vielleicht 1200. Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich bei 1800 gewesen. Das ist eine Milchmädchenrechnung, wenn man sagt: “Das rechnet sich nicht.” Natürlich rechnet sich das.

Und dann klinkt sich Katarina Barley ein:

Ja, und man muss ja auch sagen: Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht. Also wenn man zum Beispiel sich neue Fenster hat einbauen lassen. Oder gedämmt hat. Also …

Ramsauer grätscht rein:

Wird auch gefördert.

Wieder Barley:

… wird alles gefördert, genau. Also weniger verbraucht, dann kommt man voll in den Genuss, dann kann man sogar sagen: “Hey, jede Stunde, die jetzt teuerer ist, habe ich mehr gespart.” Klingt jetzt ein bisschen zynisch, ist nicht so gemeint. Aber Investitionen in Energieeinsparen, die sind immer richtig.

Katarina Barley reagiert also auf einen ganz konkreten Fall, in dem ein Mann sagt, dass seine bereits getätigten Energiesparmaßnahmen nichts brächten. Dem entgegenet Barley, dass es sehr wohl etwas gebracht habe, schließlich habe er dadurch Kilowattstunden eingespart, und die kosten nichts und sind dadurch am billigsten. Diese simple Erkenntnis ist eigentlich auch schon alles. Die SPD-Politikerin sagt nicht, dass all jene, denen das Heizen nun zu teuer ist, künftig einfach die Heizung runterdrehen oder groß investieren sollen (sie spricht ja offensichtlich von bereits erfolgten Energiesparmaßnahmen: “… neue Fenster hat einbauen lassen. Oder gedämmt hat.”). “Bild” gibt sie falsch wieder – sowohl im größeren Zusammenhang als auch im Kleinen bei einzelnen wörtlichen Zitaten.

Es gibt aber solche Tipps, die “Bild” Katarina Barley unterzuschieben versucht und die der Redaktion zufolge “weltfremd” und “DREIST” sind, “abgehoben” und “der blanke Hohn” für “Millionen Normalverdiener” – bei “Bild”. Am Dienstag, also am selben Tag wie der “Arroganz-Anfall”-Artikel, veröffentlichte Bild.de diesen Beitrag:

Screenshot Bild.de - Kälte-Knall schon im Oktober - So senken Sie ganz einfach Ihre Heizkosten

Darin steht:

Der Winter kommt – und die Energiekosten explodieren. Stefan Materne (44), Referent Versorgungstechnik von der Energieberatung des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes gibt Tipps, wie man beim Heizen Geld sparen kann.

“Zu den größten Fehlern zählen zu hohe Temperaturen in den Innenräumen. Bei 24 Grad im Raum anstatt 20 Grad kommt es zu einem Mehrverbrauch von fast 25 Prozent Heizenergie”, erklärt der Experte.

Also: weniger heizen. Und:

Ein Problem gerade in älteren Häusern: schlechte Dämmung. “Dicke Vorhänge und Zugluftstopper vor Fenstern und Türen können den Kaltlufteinfall zwar nicht verhindern, aber mindern”, sagt Versorgungstechniker Materne. “Am besten hilft jedoch eine intakte Dichtung bei Fenster und Türen. Sind die Bauteile zu alt, sollte über einen Austausch nachgedacht werden. Dafür gibt es bei der KfW-Förderbank umfangreiche Förderungen.”

Also: kräftig investieren.

“Bild”-Poltiktchef Jan Schäfer spricht in diesem ganzen Zusammenhang von einer “großen Heuchelei, die wir da sehen”. Er meint damit allerdings nicht die Berichterstattung seiner eigenen Redaktion.

Mit Dank an Jonas L. für den Hinweis!

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Scheitern an Zahlen, Knapp verfehlt, Alkoholische Gärung

1. Wie Journalisten immer noch an Corona-Zahlen scheitern
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 4 Minuten)
Anhand einer irreführenden “Spiegel”-Schlagzeile zu Corona-Impfdurchbrüchen erklärt Samira El Ouassil, wie gefährlich die isolierte Darstellung von Zahlen sein kann: “Wenn uns die Pandemie medial eines vermittelt haben sollte, dann, wie wichtig eine qualitative Einordnung von Zahlen ist. Im abstrakten Raum arithmetischer Größen und absoluter Werte sagen die Ziffern für uns erstmal nichts aus. Wir brauchen Vergleichswerte, Kontext, einen Sinnzusammenhang, der erklärt, was ein Anstieg oder ein Abfall bedeutet – wenn es denn überhaupt eine publizistische Relevanz hat.”

2. Die geheime Liste des Hasses
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Auf einer internen Liste hat Facebook Gruppen, Organisationen und Personen aufgeführt, die als gefährlich eingestuft werden und daher nicht auf der Plattform in Erscheinung treten sollen. Das Portal “The Intercept” hat diese Liste nun veröffentlicht, ausgewertet und um einige Anmerkungen zu den Einträgen ergänzt.
Weiterer Lesehinweis: “Facebook ändert seine Regeln für verbale Angriffe auf seinen Online-Plattformen. Fortan genießen ‘unfreiwillige’ Personen des öffentlichen Lebens einen besonderen Schutzstatus” – Facebook erhöht Schutz für Aktivisten und Journalisten (spiegel.de). Eine Nachricht, die der Journalist Richard Gutjahr bei Twitter wie folgt kommentiert: “Facebook will auf seinen Plattformen keine Todesdrohungen mehr gegen Medienschaffende akzeptieren. – Allein diesen Satz zu schreiben, ist grotesk.”

3. Wegen “Knapp verfehlt”-SMS: Verstoß gegen Gewinnspielsatzung im RTL-Programm beanstandet
(rnd.de)
Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat ein Gewinnspiel des Fernsehsenders RTL beanstandet. Verlierern sei per SMS mitgeteilt worden: “Leider knapp verfehlt. Vielleicht klappt’s beim nächsten Mal”. Nach Paragraf 6 der Gewinnspielsatzung seien der NLM zufolge bei Gewinnspielen falsche, zur Irreführung geeignete oder widersprüchliche Aussagen unzulässig. Die Formulierung “knapp verfehlt” könne als ein “Beinahe-Erreichen” der Auswahl verstanden werden und insofern potenziell irreführend sein. Außerdem könne der SMS-Text dazu verleiten, erneut an dem Gewinnspiel teilzunehmen.

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4. Es ist besser, keine Pressekonferenz zu geben, als so eine Pressekonferenz zu geben
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
SPD, Grüne und FDP treffen sich derzeit zu Sondierungsverhandlungen, zu deren inhaltlichem Verlauf sie sich nicht äußern wollen. Und dieses Nicht-Äußern erfolgt, so sieht es das Ritual vor, auf einer Pressekonferenz. Für Boris Rosenkranz stellt sich da eine Frage: “Pardon. Aber: Wieso gab es noch mal diese Pressekonferenz? Wieso kam Christian Lindner nicht vorbei und sprach: ‘Es ist besser, keine Pressekonferenz zu geben, als so eine Pressekonferenz zu geben’?”

5. Max Schrems vs. Facebook: Konzern muss 36 Mio. Euro Strafe zahlen
(futurezone.at, Barbara Wimmer)
Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems hat durch seine Beschwerde erreicht, dass Facebook eine Millionenstrafe wegen der Umgehung von europäischen Datenschutz-Vorschriften zahlen muss. Was sich wie ein Sieg für den Datenschutz anhört, ist es bei näherem Hinsehen allerdings nicht, wie Schrems erläutert: “Die Datenschutzbeauftragte ermöglicht Facebook, die DSGVO zu umgehen, und verlangt nur, das Gesetz transparenter zu umgehen. So kann Facebook weiterhin rechtswidrig Daten verarbeiten und lediglich eine kleine Geldstrafe zahlen, während die irische Behörde vorgeben kann, etwas unternommen zu haben.” Die angedachte Strafe belaufe sich auf 0,048 Prozent des weltweiten Umsatzes des Konzerns und liege damit weit unter dem möglichen Strafrahmen von 4 Prozent.

6. Alkoholisches
(noemix.wordpress.com, Michael Nöhrig)
Der Alkoholgehalt im Atem werde in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen, der Alko­­holgehalt im Blut hingegen in Promille pro Liter Blut. Etwas, das beim “Spiegel” gerne mal durcheinandergeht, wie Michael Nöhrig anhand einiger Beispiele zeigt.

“Österreich” vs. Österreich, Assange totgeschwiegen, Kessel Sternenstaub

1. “Österreich” verklagt Österreich, riesiges Interesse im TV
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In Österreich überschlagen sich die Ereignisse: Nachdem es – im Zusammenhang mit den Geschehnissen um Ex-Kanzler Sebastian Kurz – bei der Boulevardzeitung “Österreich” zu einer Razzia gekommen war, kündigt das Blatt eine “Millionenklage” gegen die Republik an. Timo Niemeier erzählt, was sich sonst noch in dem österreichischen Medien- und Politikskandal getan hat.

2. Festgehalten wegen Bildrechten?
(taz.de, David Muschenich)
Bei einer Demo gegen die Räumung des Berliner Wohnprojekts Køpi haben Polizisten den Fotojournalisten Ralph Pache an der Arbeit gehindert und kurzzeitig festgehalten. Auf “taz”-Anfrage gibt eine Sprecherin der Polizei an, die Beamten hätten Pache nicht als Journalisten erkannt. Dem widerspricht der Fotograf: Er habe seinen Presseausweis an einem Band um den Hals getragen und sich direkt als Journalist zu erkennen gegeben. Auch Jörg Reichel, Geschäftsführer der Gewerkschaft dju Berlin, halte es für “völlig unrealistisch”, dass die Polizei Pache nicht als Journalisten erkannt habe.

3. Ein Kessel Sternenstaub
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Die bekannte Wissenschafts-Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim (Kanal: “maiLab”) ist im ZDF gleich in zwei Formaten zu sehen: in der etablierten ZDF-Sendung “Terra X” und in der neuen Sendereihe “Wunderwelt Chemie”. Außerdem wird sie vom 24. Oktober an auch “MaiThink X – Die Show” bei ZDFneo moderieren. “Hoffentlich mit weniger Choreografie vom Blatt als ‘Wunderwelt Chemie’. Und noch hoffentlicher mit weniger Blockbuster-Musik, die Info-Formate oft verkleistern, als wären es Wagner-Opern”, wünscht sich Jan Freitag: “Millionen Abonnenten von ‘maiLab’ sind keinerlei Effekthascherei gewohnt. Hier folgt die Form der Funktion.”

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4. Julian Assange wird totgeschwiegen
(kontextwochenzeitung.de, Wolfgang Frommlet)
Bei der Freude über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die philippinische Journalistin Maria Ressa und den russischen Journalisten Dmitri Muratow komme ein Thema zu kurz, findet Wolfgang Frommlet: “Weder RSF [Reporter ohne Grenzen] noch überregionale Zeitungen sowie ARD und ZDF erwähnen einen der mutigsten Journalisten und Whistleblower der letzten 15 Jahre: Julian Assange. Er wird im wörtlichen Sinne totgeschwiegen.”

5. Journalismus muss nicht neutral sein – aber fair
(medienwoche.ch, Marko Ković)
Neutralität, Objektivität, Unparteilichkeit und Ausgewogenheit seien zwar wichtige journalistische Ideale, findet Marko Ković, sie würden sich in der journalistischen Praxis jedoch kaum umsetzen lassen. Als praxistaugliche Leitplanken böten sich eher Werte wie Fairness, Aufrichtigkeit und Stringenz an: “Das Ziel einer Debatte darüber, wie Journalismus jenseits unrealistischer und teilweise gefährlicher Neutralitäts-Anmassungen funktionieren kann, ist letztlich, den Umgang mit Weltanschauungen im Journalismus in gelenkte Bahnen zu leiten.”

6. Der Jekyll und Hyde der digi­talen Welt feiert Geburtstag
(lto.de)
Google Deutschland feiert seinen zwanzigsten Geburtstag. Im Hinblick auf die bislang aufgelaufenen und noch zu erwartenden juristischen Problemfelder, kommentiert “Legal Tribune Online”: “Der Konzern erlebt seit Bestehen einen Spagat zwischen großem Vertrauen und tiefem Misstrauen. Und er sorgt dafür, dass Juristinnen und Juristen sowie Journalistinnen und Journalisten weltweit keinen Grund haben, über mangelnde Beschäftigung zu klagen. Es ist nicht zu erwarten, dass sich daran bis zum nächsten Jubiläum etwas ändern wird.”

Inseratenkorruption, Löschung nicht rechtmäßig, Schlaue Schulkinder

1. Indirekte Medienförderung als Einfallstor für Korruption?
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz & Isabelle Klein, Audio: 7:08 Minuten)
Dem gerade zurückgetretenen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz wird unter anderem vorgeworfen, sich mit Steuergeldern eine positive Berichterstattung erkauft zu haben. Für den Medienforscher Andy Kaltenbrunner zeigt diese Art der möglichen Inseratenkorruption, “was seit vielen Jahren in Österreich systematisch möglich ist”. Kaltenbrunner hat die Inserate der Bundesregierung und der Ministerien in Österreichs Tageszeitungen und die Presse- und Rundfunkförderung für eine Studie (PDF) analysiert. Insgesamt habe die öffentliche Hand in Österreich 222 Millionen Euro für Inserate ausgegeben. Verglichen mit Deutschland sei das das Fünf- bis Zehnfache pro Kopf.

2. “Für beide Seiten nützlich”
(journalist.de, Christian Rath)
Carsten Brennecke ist Rechtsanwalt in der Kölner Medienrechtskanzlei Höcker und berät das Erzbistum Köln bei der Pressearbeit zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Im Januar endete ein Pressetermin des Bistums im Fiasko, weil sich die eingeladenen Journalistinnen und Journalisten weigerten, die geforderte Verschwiegenheitsvereinbarung zu unterzeichnen. Im Interview geht es um die Frage, ob solche Verschwiegenheitserklärungen im Vorfeld von Presseterminen in Ordnung sind, und wie weit der Einfluss von Rechtsanwaltskanzleien in die Berichterstattung geht beziehungsweise gehen darf.

3. “So werden Schulkinder schlauer”
(medien-doktor.de)
Unter der Überschrift “So werden Schulkinder schlauer” hat der “Nordkurier” einen Online-Beitrag mit Ernährungstipps für Schulkinder veröffentlicht, die sich angeblich förderlich auf die Gedächtnisleistung und die Konzentrationsfähigkeit auswirken würden. Der “Medien-Doktor” hat den Beitrag genauer gelesen und vermisst Zahlen und Belege für die Behauptungen. Außerdem würden die Leserinnen und Leser über die Aktualität des Beitrags getäuscht: “Dass es sich bei dem Artikel um eine fast vollständig kopierte Pressemitteilung eines Ärzteverbands aus dem Jahr 2007 handelt, und ein Arzt als Pressesprecher zitiert wird, der dies gar nicht mehr ist, verschweigt das Medium.”

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4. Desiderius-Erasmus-Stiftung – Politische Bildung von Rechtsaußen
(otto-brenner-stiftung.de, Arne Semsrott & Matthias Jakubowski)
In der neuesten Ausgabe des “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann ging es um die Desiderius-Erasmus-Stiftung der AfD. Tiefergehende Informationen zum dort besprochenen Thema findet man im Arbeitspapier 51 der Otto-Brenner-Stiftung, das kostenlos heruntergeladen oder in der Printversion bestellt werden kann.

5. Löschung von #allesaufdentisch-Videos war nicht rechtmäßig
(zeit.de)
Youtube hat zwei Videos der umstrittenen Aktion #allesaufdentisch gelöscht. Zu Unrecht, wie nun das Landgericht Köln entschieden hat: “Das Gericht erließ auf Antrag der Initiatoren von #allesaufdentisch zwei einstweilige Verfügungen gegen YouTube. Die Plattform habe den Kanalbetreibern nicht konkret genug mitgeteilt, welche Passagen gegen welche Vorschrift ihrer Richtlinie verstießen”.

6. “Warner Late Show”: Neuer LateNight-Anlauf mitten in Köln
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die Film- und Fernsehproduktionsfirma Warner Bros. startet auf eigenes Risiko den Versuch, eine Late-Night-Show zu etablieren. Man wolle dafür nicht länger auf einen Sender oder Plattform-Partner warten: “Wir drehen das Geschäft mal um: Wir machen jetzt erstmal was, wie wir es uns vorstellen, probieren aus und schauen dann, ob sich dafür jemand findet”, so Warners “Head of Comedy” Martin Brindöpke.

Starke Botschaft, Werbebedrohte Mediathek, Kampf der Wetteransager

1. Starke Botschaft für mutigen Journalismus
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen freut sich über die Verleihung des Friedensnobelpreises 2021 an Maria Ressa und Dmitri Muratow: “Sie verkörpern in ganz besonderer Weise den Kampf für die Unabhängigkeit des Journalismus. Diese Auszeichnung ist eine Würdigung des Journalismus, aber auch ein Aufruf zur Mobilisierung, denn das vor uns liegende Jahrzehnt wird entscheidend sein für die Zukunft des Journalismus. Es ist eine starke Botschaft in einer Zeit, in der Demokratien weltweit durch Desinformation und Hassrede bedroht werden.”
Weiterer Lesehinweis: “Gerade erst wurde Maria Ressa mit dem Friedensnobelpreis geehrt. In einem ihrer ersten Interviews attackiert sie Facebook. Die Algorithmen der Plattform würden eher Lügen und Hass streuen, als Fakten zu verbreiten” – Nobelpreisträgerin Ressa nennt Facebook Gefahr für Demokratie (spiegel.de).

2. Könnten in der ARD-Mediathek bald Werbespots laufen?
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Eigentlich sind die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Mediatheken werbefrei, doch bei einem Branchentreff empfahl der scheidende Intendant des Hessischen Rundfunks listig eine Art Revolution von unten: “Sie sollten sich dafür einsetzen”, empfahl er den Werbekunden und Agenturchefs, “dass Sie bei uns auch in der Mediathek und in der Audiothek werben dürfen, wenn Sie weiterhin Menschen erreichen wollen, die Qualität suchen und denen Gemeinwohl am Herzen liegt. Wir sind da eher schüchtern und zurückhaltend, wie es unsere Art ist. Aber Sie können das zum Thema machen.”

3. Der einsame Klimakampf der Wetteransager
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Wenn TV-Meteorologen immer deutlicher über Extremwetterkatastrophen reden, habe das auch mit dem Versagen öffentlich-rechtlicher Sender zu tun, findet Christian Stöcker in seiner “Spiegel”-Kolumne: “Tatsächlich ist der Wetterbericht in vielen Nachrichtensendungen mittlerweile politischer – oder vielmehr: relevanter als weite Teile der übrigen Berichterstattung. Das liegt daran, dass die einst so unpolitischen Wetterleute offenkundig die Nase voll davon haben, dass das wichtigste Thema der Gegenwart auch in den Öffentlich-Rechtlichen oft noch immer wie eine Randnotiz behandelt wird.”

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4. Polizei behindert mehrfach Pressearbeit und nimmt Fotografen in Gewahrsam
(tagesspiegel.de, Madlen Haarbach)
Am Rande einer Demonstration gegen die Räumung des linksalternativen Køpi-Wagenplatzes in Berlin habe die Journalistengewerkschaft dju am Samstagabend mindestens drei Verstöße gegen die Pressefreiheit durch die Polizei registriert. Insgesamt seien ihm zwei grobe Behinderungen und ein tätlicher Angriff seitens der Einsatzkräfte bekannt, so dju-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel.
Weiterer Lesetipp: “Das Netzwerk ‘Copservation’ will polizeiliches Fehlverhalten dokumentieren. Fast jeden Tag erhalten die Mitglieder in sozialen Medien Berichte über Vergehen” – “Das Einzelfall-Narrativ ist absurd” (taz.de, Emeli Glaser).

5. Was mit Medien? Das braucht Hartnäckigkeit
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Im Journalismus Fuß zu fassen, ist oftmals gar nicht so leicht. Obwohl in manchen Bereichen, wie den Lokalredaktionen, von Nachwuchsmangel die Rede sei, hätten es junge Leute schwer mit dem Berufseinstieg. Susanne Stracke-Neumann hat für das Verdi-Medienmagazin zwei junge Frauen auf ihrem Weg in den Beruf begleitet.

6. Ich habe einen langen Atem.
(planet-interview.de, Jakob Buhre & Adrian Arab)
Tilo Jung ist mit seinen Interviews für das Format “Jung & Naiv” und seinen regelmäßigen Berichten von der Bundespressekonferenz inzwischen fester Bestandteil des Politikjournalismus in Deutschland. Im ausführlichen Interview spricht er über die Ära Merkel, heikle Interview-Partner, Absagen von der AfD, seine Kritik an Boris Reitschuster, über die Frage, wo er die Öffentlich-Rechtlichen als “staatstragend” empfindet. Und er beantwortet die Frage, unter welchem Kanzler er Regierungssprecher werden würde: “Ich werde niemals Sprecher eines Politikers oder einer Politikerin, das habt ihr hiermit auf Band. Ich glaube, das wird auch nie irgendjemand wollen. Okay, eine Ausnahme würde ich machen: Wenn Jürgen Todenhöfer Kanzler wird.”

KW 40: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Wie tief ist der Medien- und Politiksumpf in Österreich?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:02 Minuten)
Das politische Österreich hat in der Vergangenheit einige Skandale durchleben müssen, doch die aktuelle Affäre könnte dafür sorgen, dass Kanzler Sebastian Kurz seinen Posten räumen muss: Sein ÖVP-Team soll vor Jahren mit Steuergeld viele Inserate im Boulevardblatt “Österreich” geschaltet haben, um im Gegenzug wohlwollende Berichte und Umfragen zu erhalten. Bei “Übermedien” spricht Holger Klein mit Florian Klenk, dem Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung “Falter”, über den Medienskandal, die Rolle der Fellner-Brüder, denen “Österreich” gehört, und die Frage, was die Geschehnisse für die österreichische Pressefreiheit bedeuten.
Weiterer Sehtipp: Über die möglichen politischen Folgen spricht Klenk in der ORF-Nachrichtensendung “ZIB Nacht”: Wie tief ist der Medien- und Politiksumpf in Österreich? (tvthek.orf.at, Christiane Wassertheurer, Video: 8:16 Minuten)

2. Propagandamaschine Social Media
(arte.tv, Video: Alexandra Jousset & Philippe Lagnier, Video: 1:34:42 Stunden)
Bei Arte geht es in einem investigativen Dokumentarfilm um die “Ingenieure des Chaos”, die am Computerbildschirm und mit Hilfe riesiger Datenbanken Online-Strategien für Politiker erstellen – Informatiker, Meinungsforscher und Big-Data-Experten: “Um ihren Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, schüren sie durch Mikro-Targeting und Online-Manipulation den Hass im Netz und heizen die Stimmung immer weiter auf. Sie nehmen dabei in Kauf, dass die Gesellschaft gespalten und der demokratische Diskurs untergraben wird.”

3. Fifty shades of grey – Wie sieht Macht aus?
(deutschlandfunkkultur.de, Christine Watty und Emily Thomey, Audio: 35:48 Minuten)
“Kevin Kühnert und die SPD”, so der Titel einer vielgelobten sechsteiligen NDR-Dokuserie von Katharina Schiele und Lucas Stratmann. Im Podcast “Lakonisch Elegant” von Deutschlandfunk Kultur sind Filmemacherin Schiele und der Drehbuchautor Stefan Stuckmann zu Gast, der die Politsatire “Eichwald, MdB” geschrieben hat. Wie schaut Stuckmann auf die Kühnert-Doku? Was machen solche Settings mit den Menschen darin?

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4. Anfang vom Ende? Facebook in der Krise
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 17:50 Minuten)
Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer sprechen mit dem Netzaktivisten Markus Beckedahl (netzpolitik.org) über die aktuellen Vorgänge beim Facebook-Konzern. Sind wir zu abhängig von diesem Diensteanbieter? Und was ist dran an den Vorwürfen der Whistleblowerin Frances Haugen?

5. Friedensnobelpreis für Maria Ressa: Wie die philippinische Journalistin Hass und Drohungen trotzt
(br.de, Linis Lühring, Audio: 27:09 Minuten)
Im Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks geht es um die Verleihung des Friedensnobelpreises an die philippinische Journalistin Maria Ressa, die Auswirkungen der “Pandora-Papers”-Enthüllungen, die umstrittene österreichische Medienförderung und die Diversität im deutschen Fernsehen.

6. Der Königsmacher: Mit den Waffen der Werbung
(arte.tv, Diana Neille & Richard Poplak, Video: 1:23:58 Stunden)
Der PR- und Politikberater Lord Timothy Bell hat es mit seiner umstrittenen Londoner PR- und Onlinemarketing-Agentur Bell Pottinger zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in den Aufstieg und den Fall der Agentur und ergründet die moralisch fragwürdige Karriere Bells, der unter anderem Margaret Thatcher zu ihrem Ruf als “Eiserne Lady” verhalf.

Mit Grausen, Legitime Sondierungs-Leaks, Indigener Journalismus

1. «Wenn sich alle mit Grausen abwenden, erreicht die Berichterstattung nichts»
(medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Benjamin von Wyl hat sich für die Schweizer “Medienwoche” mit Matthias Katsch darüber unterhalten, wie eine angemessene und sensible Berichterstattung über Missbrauch aussehen könnte. Katsch kritisiert die Fälle, bei denen “die emotionale Ergriffenheit der Betroffenen herausgefordert wird” und Tränen provoziert werden: “Der Hintergedanke ist mir klar: Tränen machen einen Bericht eindrücklich. Ich möchte nicht im Fernsehen auf so brutale Weise auf menschliches Leid hingewiesen werden. Und es ist auch dem Anliegen gegenüber unfair. Bei vielen Zuseherinnen und Zusehern verursacht das Fremdscham, man möchte das Elend in dieser Brutalität nicht sehen. Man sollte darauf verzichten, Menschen in ihrem Leid in dieser Weise vorzuführen – so wie man keine toten Körper im Fernsehen zeigt oder keine Szenen, die bestimmte Brutalaspekte haben. Wenn sich alle mit Grausen vom Thema abwenden und sagen, das ist ja so fürchterlich und das geht mir zu nah, das ist mir zu persönlich, erreicht die Berichterstattung nichts.”

2. Der Boulevard ist am Ziel
(taz.de, Steffen Grimberg)
Darf man beispielsweise einem Boulevardmedium wie “Bild” übelnehmen, dass dort regelmäßig Indiskretionen aus den Sondierungsverhandlungen verbreitet werden? Nein, findet Steffen Grimberg: “Es ist das Problem der Politik bzw. der handelnden Politiker*innen. Da wird ja alles rausgeblasen. Dass sie danach den Medien vorwerfen, dass sie ihnen zugespielte Info-Schnipsel verwenden und weitermelden, zäumt das Pferd von hinten auf.”

3. Das soll die Zukunft sein?
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Der Abosender Sky will künftig Fernseher unter der Marke Sky Glass verkaufen. Caspar Busse erklärt die dahintersteckende Strategie: “Mit den neuen Fernsehern soll allerdings nicht unbedingt Geld verdient werden, hieß es am Donnerstag. Ziel sei es, die Abonnenten enger und langfristiger an Sky zu binden. Klar, wer trennt sich schon leichtfertig von seinem Fernseher?”

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4. Die Journalistin, die den “großen Zaren” kritisierte
(deutschlandfunk.de, Florian Kellermann, Audio: 4:40 Minuten)
Der Deutschlandfunk erinnert an die vor 15 Jahren ermordete Journalistin Anna Politkowskaja. Diese hatte unter anderem über den Tschetschenien-Krieg berichtet und dabei aufgedeckt, wie grausam die russische Armee und ihre tschetschenischen Verbündeten vorgingen. Unabhängige Beobachter würden davon ausgehen, dass die Auftraggeber für den Mord an Anna Politkowskaja in Verbindung zu staatlichen Strukturen in Russland und besonders in Tschetschenien stehen.

5. Indigener Journalismus: Das Recht, gehört zu werden
(de.ejo-online.eu, Roman Winkelhahn)
“EJO”-Mitarbeiter Roman Winkelhahn ist im US-Bundesstaat Arizona und hat dort beobachtet, wie indigene Gruppen durch Medien ihre Interessen vertreten. Davon könne auch der deutsche Journalismus etwas lernen: “Angemessener Minderheitenjournalismus (…) muss aktiv von der demokratischen Masse und von etablierten journalistischen Einrichtungen getragen werden, um – so wie im Fall der Native Americans in Nordarizona – effektiv seiner Informationsaufgabe nachgehen zu können.”

6. “Trump-TV”: Fox News sendet seit 25 Jahren
(rnd.de)
Die Abwahl von Donald Trump hat dem Sender anscheinend weniger geschadet als man hätte annehmen können: Der Kanal Fox News ist ein Vierteljahrhundert nach seinem Start der erfolgreichste im US-Kabelnetz. Der verlinkte Beitrag schildert die symbiotische Beziehung zwischen dem Ex-US-Präsidenten und dem Privatsender, die bei einer neuerlichen Kandidatur Trumps eine Fortsetzung erfahren könnte.

Falscher “HEIZ-KOSTEN”-“WINTER-WAHNSINN” auf der Titelseite

Momentan wird viel über die steigenden Energiepreise gesprochen und berichtet. Das Heizen könnte in diesem Winter deutlich teurer werden als im vergangenen. Und dann kam gestern die “Bild”-Redaktion mit dieser Hammerzahl auf der Titelseite:

Ausriss Bild-Titelseite - Heiz-Kosten bis zu 650 Euro rauf! Was diesen Winter alles teurer wird und wie Sie trotzdem sparen können

Laut Bild.de herrscht bald der “WINTER-WAHNSINN”:

Screenshot Bild.de - Winter-Wahnsinn - Heiz-Kosten bis zu 650 Euro rauf

Nur leider stimmt das so nicht. Die Kostensteigerung von 650 Euro – oder genauer: 652 Euro – bezieht sich nicht auf die “HEIZ-KOSTEN” eines Musterhaushalts mit drei Personen, sondern auf dessen gesamte Energiekosten. Da gehören die Heizkosten dazu, aber nicht nur, sondern zum Beispiel auch die Kosten fürs Benzin für das Familienauto. Die “Bild”-Autoren Albert Link, Julian Röpcke und Hans-Jörg Vehlewald schreiben das selbst in ihrem Artikel:

Folge für die Verbraucher: Ein Durchschnittshaushalt zahlt (Preisstand August) in diesem Jahr 4063 Euro für Energie (Heizung, Strom, Sprit). 2020 waren es 3411 Euro. Mehrkosten: 652 Euro! Ein Anstieg um satte 19 Prozent, so die Tarifwächter von Verivox!

Auch in der Pressemitteilung des Unternehmens Verivox von Anfang September, auf die sich die “Bild”-Autoren beziehen, wird klar, dass es sich bei der Steigerung um 652 Euro um die allgemeinen Energiekosten handelt:

Die Energiekosten für einen Musterhaushalt lagen im August 2021 bei 4.063 Euro pro Jahr. Im August 2020 kostete die gleiche Menge Energie noch 3.411 Euro. Damit sind die Ausgaben für Energie innerhalb von zwölf Monaten um 19,1 Prozent gestiegen. Die Haushaltskasse eines Drei-Personen-Musterhaushalts wird mit 652 Euro zusätzlich belastet.

Es sind die zwei kraftvollsten Mittel, die der “Bild”-Redaktion zur Verfügung stehen, gesehen von Millionen Menschen: Ein Aufmacher auf der Titelseite der gedruckten “Bild”, eine Top-Story auf der Startseite von Bild.de. Da wäre es doch toll, wenn das, was dort zu lesen ist, auch stimmt.

Mit Dank an Jens für den Hinweis!

Nachtrag, 17:48 Uhr: Die “Bild”-Redaktion hat beim Onlineartikel die Überschrift geändert. Sie lautet nun:

Energie-Kosten bis zu 650 Euro rauf!

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BILDblog-Klassiker

“Digitales Vermummungsverbot”, Seitenwechsler, Politisches Verfahren

1. Österreich bekommt “digitales Vermummungsverbot”
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” will die österreichische Bundesregierung die Anonymität im Netz einschränken. Am Mittwoch würde sich das Kabinett in Wien mit einer entsprechenden Gesetzesvorlage befassen. Demnach könnten Nutzerinnen und Nutzer zwar weiterhin unter Pseudonym posten, sie müssten jedoch identifizierbar sein. Dem Vernehmen nach soll es auf eine Registrierungspflicht per Handynummer hinauslaufen.

2. Können aus Journalisten gute Pressesprecher werden?
(journalist-magazin.de, Robert von Heusinger)
Robert von Heusinger hat die Seiten gewechselt: Zwei Jahrzehnte war er Journalist, jetzt ist er Kommunikationschef. Beim DJV-Kongress “Brückenschlag” hat sich von Heusinger zu den Vor- und Nachteilen beider Tätigkeiten geäußert. In seiner Keynote erinnert er die Journalistinnen und Journalisten daran, “wie gut sie es doch hätten”, warum ein Wechsel in die PR aber dennoch lohnen könnte. Und das liest sich ganz unterhaltsam und lebensnah.

3. Die Ablehnung von “Gendersprache” – medial produziert
(scilogs.spektrum.de, Henning Lobin)
Henning Lobin kritisiert den Verein Deutsche Sprache, die “FAZ” und in Teilen das ZDF für ihre Stimmungsmache in Sachen geschlechtergerechter Sprache: “Die mediale Produktion von Ablehnung ist hier in Reinkultur zu besichtigen: Ein propagandistisch geschickt agierender Interessenverband, ein Netzwerk von Stiftungen und Unterstützenden im Vorfeld, eine als seriös angesehene Zeitung, die verdeckt Politik betreibt, und ein öffentlich-rechtlicher Sender, der es sich, anstatt zu recherchieren, mit Grobschlächtigkeit und witzelnder Verhöhnung leicht macht.”

4. Axel Springer reicht Urheberrechtsklage gegen Eyeo ein
(horizont.net, David Hein)
Der Springer-Konzern war mit seiner Klage gegen den führenden Adblocker-Anbieter Eyeo vor Gericht gescheitert und unternimmt nun einen weiteren juristischen Anlauf. Nachdem der Hebel “unlauterer Wettbewerb” nicht funktioniert hat, argumentiert man nun mit dem Urheberrecht: “Werbeblocker verändern die Programmiercodes von Webseiten und greifen damit direkt in das rechtlich geschützte Angebot von Verlagen ein”, erklärt Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht bei Axel Springer: “Dadurch beschädigen sie langfristig nicht nur eine zentrale Finanzierungsgrundlage von digitalem Journalismus, sondern gefährden auf Dauer auch den offenen Zugang zu meinungsbildenden Informationen im Internet. Das werden wir nicht hinnehmen.” Bei “heise online” entgegnet Eyeo-Unternehmenssprecherin Laura Dornheim: “Es braucht nicht viel technisches Verständnis, um zu verstehen, dass es durch ein Browser-seitiges Plugin gar nicht möglich ist, irgendetwas auf Springers Servern zu modifizieren.”

5. Ermittlungsverfahren gegen Zentrum für politische Schönheit wird eingestellt
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Nur eine Woche nach Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens gegen die Künstler des “Zentrums für Politische Schönheit”, wurde das Verfahren eingestellt. Davor hatte die Staatsanwaltschaft 16 volle Monate gegen die Aktionskünstler ermittelt. Der Verdacht: “Bildung einer kriminellen Vereinigung”. Nun stellt sich zu allem Überfluss heraus, dass der ermittelnde Staatsanwalt ein Spender der AfD ist und es sich demnach um ein politisch motiviertes Verfahren gehandelt haben könnte.
Weiterer Lesetipp: Der Rechts-Staatsanwalt: “Gegen ein Künstlerkollektiv wird ermittelt, weil es eine Aktion gegen den AfD-Politiker Björn Höcke veranstaltete. Der Ermittler steht der AfD nahe. Wie neutral ist er?” (zeit.de, Christian Fuchs & Luisa Hommerich).

6. Barometer der medialen Welt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Seit nunmehr 70 Jahren existiert der kirchliche Nachrichtendienst epd medien. Anlass für einige, zum Ende hin sogar sakrale, Lobesworte von Steffen Grimberg: “Auch heute ist epd medien unverzichtbares Barometer der medialen Welt und der Berichterstattung über sie. Ganze egal, wie viele meedias oder DWDLs noch kommen und gehen: Die immense Erfahrung (und das Archiv, siehe Grimme), die Unabhängigkeit (dank Kirchensteuer) und die unaufgeregte Professionalität von epd medien sind — wie so ziemlich alles, was in der Bibel steht — für die Ewigkeit. Amen.”

Nicht mehr nominiert, Frankfurter Polizeiskandal, Presserat-Bericht

1. “Oder soll man es lassen?” Warum der Zeit-Beitrag zur Flüchtlingsrettung nicht mehr für den Wolff-Preis nominiert ist
(meedia.de, Georg Altrogge)
Vor wenigen Tagen erschien auf der Nominierungsliste für den Theodor-Wolff-Preis das äußerst umstrittene Pro und Contra der “Zeit” über die Seenotrettung von Geflüchteten “Oder soll man es lassen?”. Dies traf auf allerlei Kritik (siehe auch BILDblog vom 4. April: “Es wäre interessant zu erfahren, was der Namensgeber Theodor Wolff von dieser Nominierung halten würde. Wolff musste nämlich selbst flüchten (vor den Nazis).”) Nun hat eine der zwei Autorinnen — Caterina Lobenstein, welche die Pro-Argumentation übernommen hatte — den Beitrag zurückziehen lassen. Über diesen Schritt gibt es nun erneute Diskussionen.

2. Jahresbericht 2018: Beschwerden auf dem zweithöchsten Stand in der Geschichte des Presserats
(presserat.de, PDF)
Der Deutsche Presserat ist eine Organisation der großen deutschen Verleger- und Journalistenverbände und Herausgeber publizistischer Grundsätze, die auch als “Pressekodex” bezeichnet werden. Auf Verstöße gegen diesen Kodex reagiert der Presserat mit einem Hinweis, einer Missbilligung oder dem härtesten Sanktionsmittel: der Rüge. Laut aktuellem Jahresbericht ist die Anzahl der eingegangenen Beschwerden beim Presserat im vergangenen Jahr deutlich gestiegen — und zwar auf den zweithöchsten Stand seit Bestehen der Institution.

3. Frankfurter Polizeiskandal: Ermittler wollen Daten von “Bild”
(fr.de, Pitt v. Bebenburg & Hanning Voigts)
Für die Aufarbeitung des Frankfurter Polizeiskandals will die Staatsanwaltschaft wissen, wer bestimmte Online-Berichte bei Bild.de gelesen hat, doch bislang hat die “Bild”-Redaktion alle Auskünfte verweigert. Ein richterlicher Beschluss zur Beschlagnahmung der entsprechenden Daten wurde vom Frankfurter Amtsgericht abgelehnt. Dagegen ist die Staatsanwaltschaft nun mit einer Beschwerde vorgegangen. Sollte das Amtsgericht bei seiner Auffassung bleiben, müsste das Landgericht entscheiden.

4. Wir gehören dazu
(taz.de, Beliban zu Stolberg & Eser Aktay & Ronya Othmann)
In deutschen Redaktionen arbeiten zu wenige Menschen mit Migrationsgeschichte, finden die Verfasserinnen und Verfasser des “taz”-Kommentars zur Diversität in den Medien. Obwohl etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung einen sogenannten Migrationshintergrund habe, werde der Anteil der Journalistinnen und Journalisten mit Wurzeln im Ausland in den Redaktionen auf etwa fünf Prozent geschätzt. Daher die Forderung: “Die Vielfalt der Bevölkerung muss sich in den Redaktionen widerspiegeln. Denn nur so können Stereotype, Klischees und Vorurteile in den Medien aufgebrochen werden — und folglich auch in den Köpfen der Menschen.”

5. Talkshow führt zu Eklat in Deutschland
(persoenlich.com)
Die Autorin Salomé Balthus war in der Talksendung des Schweizer Fernsehens “Schawinski” zu Gast. Nach der Aufzeichnung hat sie ihre Erfahrungen in ihrer “Welt”-Kolumne “Das Kanarienvögelchen” beschrieben und dabei diverse Vorwürfe gegen Moderator Schawinski erhoben. Dieser hat sich daraufhin bei der “Welt” über die seiner Ansicht nach unzutreffenden Vorwürfe beschwert und Belege vorgelegt. Eine Intervention mit Folgen: “Die Balthus-Kolumne wurde umgehend gelöscht und der Autorin vom Chefredaktor der «Welt» gekündigt.”

6. Wie Spotify die Musik- und Festivalbranche für immer verändert
(handelsblatt.com, Alexander Demling)
Die Musikindustrie befindet sich im Wandel. Nach LP, Kassette und CD sind wir längst beim Streaming. Einer der wichtigsten Player auf diesem Markt ist Spotify, das nicht nur wegen der Musiktitel und Alben erfolgreich ist, sondern auch wegen seiner Playlists punktet: Die deutsche Hip-Hop-Playlist “Modus Mio” hat zum Beispiel eine Million Follower. Alexander Demling erklärt den aktuellen Umbruch in der Musikindustrie und beschreibt, welche Allianzen geschmiedet werden.

Die Mär von den linken Medien, Russlands Internet, Fremdschämen

1. Deutscher Journalismus: linksgrün und abgehoben
(katapult-magazin.de, Sebastian Haupt)
Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten “linksgrün und abgehoben” seien. Ja, dass die Medien insgesamt links seien. Sebastian Haupt hält die Behauptung für wissenschaftlich nicht haltbar. Sie zeige, wie aus korrekten Daten Falschmeldungen erzeugt werden. Der Beitrag verweist nicht nur auf seine Quellen, sondern ist mit einigen hilfreichen Grafiken illustriert.

2. Russland will sich vom globalen Internet abkoppeln
(sueddeutsche.de, Silke Bigalke)
In Russland plant der Kreml ein Gesetz für ein “souveränes Internet”, welches das russische Runet vom Rest der Welt abkoppelt. An heutigen Donnerstag wird die Duma in der zweiten und wichtigsten Lesung über das Gesetz abstimmen. Doch es gebe Hoffnung: Experten würden bezweifeln, dass sich die geplante digitale Mauer an Russlands Grenzen technisch umsetzen lässt.

3. “Sie werden kürzen, bis irgendwann nichts mehr da ist”
(fr.de, Karl Doemens)
Nahezu alle Regionalzeitungen in den USA haben mit enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Anzeigenkunden sind oftmals zu Google oder Facebook abgewandert. Mit der Folge, dass viele Zeitungen schließen mussten und inzwischen 171 Landkreise ganz ohne Lokalzeitung auskommen müssen. Und es könnte noch schlimmer kommen: Der US-Medienkonzern Gannett, zu dem rund 100 Lokalzeitungen gehören, ist ins Visier eines Hedgefonds geraten. Und der hat sich unter anderem auf das Ausschlachten krisengeschüttelter Zeitungen spezialisiert.

4. Die Wahrheit unter Zeitdruck
(kontextwochenzeitung.de, Nele Günther)
Eine junge Frau will Journalistin werden, doch als nach zwei Semestern Grundstudium die Entscheidung zwischen Journalismus und PR ansteht, entscheidet sie sich für die PR. In einem Beitrag für die “Kontext Wochenzeitung” erklärt Nele Günther, warum sie dem Journalismus den Rücken gekehrt hat. Es hat mit fehlender Wertschätzung und einer angemessenen Entlohnung zu tun: “Reich werden war nie mein Ziel, aber arm sein genauso wenig.”

5. Dresdner Demokratie
(taz.de, Michael Bartsch)
In der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) streiten die beiden Gremien “Versammlung” und “Medienrat” über die Abberufung des Geschäftsführers. Die wieder offen ausgebrochenen Animositäten zwischen den beiden Einheiten ginge auf die Gründungsphase der SLM im Jahr 1991 zurück.

6. Eine Branche erniedrigt sich selbst
(spiegel.de, Markus Böhm)
Markus Böhm war bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises. Dieser habe schon immer eine zu große Nähe zur Politik und zu viele Fremdschäm-Momente gehabt. Dieses Jahr sei er jedoch stellenweise schlicht niveaulos gewesen. Böhms Resümee: “Wenn sich der Preis präsentiert wie dieses Jahr, ist er überflüssig. Allein schon, weil er dem Image der Branche und der Spielerschaft schadet und nicht einmal seine Gewinner gut aussehen lässt. Von einem großen Kulturpreis könnte er so kaum weiter entfernt sein.”

Julian Reichelts Auflagen-Märchen

Was Print angeht, ist unser Ziel, das bei Kaufzeitungen marktübliche prozentual zweistellige Auflagenminus auf das zu beschränken, was strukturell bedingt ist. Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist. Das scheint uns zu gelingen, denn Bild hat rund drei Prozentpunkte weniger an Auflage verloren als der Verlag prognostiziert hat und ist dazu hochprofitabel.

… sagte “Bild”-Chef Julian Reichelt neulich im Interview mit “Horizont”. Wir haben uns mal genauer angeschaut, was an dieser Aussage dran ist: Gelingt es “Bild” wirklich, den Rückgang der Auflage auf den “strukturell bedingten” Anteil zu beschränken?

So sieht die Auflagenentwicklung von “Bild” und “Bild am Sonntag” aus:

Aber wie gering oder stark verlieren “Bild” und “BamS” im Vergleich zur Konkurrenz?

Erstmal wäre die Frage, welchen Markt Julian Reichelt genau meint. Er könnte den Boulevardmarkt meinen. Dort nimmt “Bild” als einzige überregionale Tageszeitung eine Sonderstellung ein. Alle andere deutschen Boulevardblätter erscheinen nur regional: die “Mopo” in Hamburg, die “B.Z.” und der “Berliner Kurier” in Berlin, der “Express” in Köln, die “tz” und die “Abendzeitung” in München und die “Morgenpost” in Sachsen.

Dies ist die relative Auflagenentwicklung der deutschen Boulevardzeitungen seit 1998 (soweit reicht das Archiv der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zurück):


(zum Knick bei der “Abendzeitung” siehe hier)

Bei allen Blättern geht es dramatisch runter, nur die “tz” kann sich noch einigermaßen halten. “Bild” (-67,6 Prozent) verliert, nach “Abendzeitung” (-73,5), “Express” (-72,9) und “B.Z.” (-70,6) am viertstärksten. Schaut man sich nur die Entwicklung seit 2017 an, also seit Julian Reichelt Vorsitzender der “Bild”-Chefredaktionen ist, liegt “Bild” (-9,0) ebenfalls auf dem viertletzten Platz: Nur der “Express” (-17,3), die Hamburger “Mopo” (-17,2) und die ebenfalls von Reichelt verantwortete “B.Z.” (-9,6) haben noch stärker verloren. Wirklich positiv ragt Reichelts Blatt also nicht aus dem Boulevardmarkt heraus.

Nun haben wir aber sowieso Zweifel, dass Julian Reichelt “Bild” auf einem Level mit der “Morgenpost” aus Sachsen oder dem “Berliner Kurier” sieht. Zumal er in einem anderen Interview behauptete, “Bild” halte sich in einer Liga mit “Washington Post” und “New York Times”:

Wir sind da, wo die “Post” oder die “New York Times” sind, oder umgekehrt: Die sind da, wo wir sind. In dieser Liga halten wir uns

Werden wir mal nicht völlig größenwahnsinnig: Wie macht sich “Bild” im Markt der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland? Noch schlechter:


(die Auflage der “Welt” ab 2005 zusammen mit “Welt kompakt”; die “Frankfurter Rundschau” fehlt hier, da die Auflage seit 2013 nicht mehr gesondert gemeldet wird)

Auch hier verlieren alle, aber niemand verliert so stark wie “Bild”. Nicht annähernd. Und dabei ist es völlig egal, welchen Bezugspunkt man nimmt: ob seit 1998 (-67,6 Prozent), seit 2001 (-66,4), als Kai Diekmann die Chefredaktion übernahm, seit 2010 (-50,8), seit 2016 (-15,5), als Tanit Koch die Chefredaktion übernahm, oder seit 2017 (-9,0) — immer liegt “Bild” auf dem letzten Platz.

Genauso schlecht sieht es bei der “Bild am Sonntag” im Vergleich mit anderen Wochen- und Sonntagszeitungen aus:


(“der Freitag” ohne IVW-Angaben für 2009 und 2010; die “FAS” gibt es erst seit 2001)

Was sagte “Bild”-Chef Julian Reichelt noch mal im Interview mit “Horizont”?

Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist.

Das scheint ihm und seinem Team ganz offensichtlich nicht zu gelingen.

Dazu auch:

Bild.de hat kein Problem mit Kreml-Quelle

“WikiLeaks”-Gründer Julian Assange wurde heute in der ecuadorianischen Botschaft in London verhaftet, nachdem Ecuador sein Asyl aufgehoben und ihm die Staatsbürgerschaft entzogen hatte. Auch Bild.de berichtet:

Screenshot Bild.de - Festnahme in London! Hier trägt die Polizei Assange aus der Botschaft

“MIT VIDEO”. Und die Quelle dieses Videos ist recht interessant. Bei Bild.de gibt es keine Angaben dazu, woher die Aufnahmen stammen, die die Redaktion zeigt:

Screenshot Bild.de - Quelle: - es folgt nichts

Aber im Video gibt es einen optischen Hinweis darauf. Diese kleine halbtransparente graue Ecke …

Screenshot Bild.de - Standbild aus dem Assange-Video mit einem Pfeil auf die graue Ecke

… ist das Überbleibsel des nicht komplett rausgeschnittenen Wasserzeichens von “Ruptly”:

Screenshot von Youtube - Standbild aus dem Assange-Video von Ruptly

Die Nachrichtenagentur hatte das Video von Assanges Abtransport exklusiv veröffentlicht, versehen mit dem Hinweis:

MANDATORY ON-SCREEN CREDIT THROUGHOUT: RUPTLY; ONLINE MEDIA MUST CREDIT RUPTLY

*** This file is on request. Please reach out to (…) for access or licensing information ***

Nun ist “Ruptly” nicht irgendeine Nachrichtenagentur. Sie gehört zum Netzwerk des russischen Propagandasenders RT, den die “Bild”-Redaktion wie kaum etwas anderes hasst. Wenn es dort aber ein interessantes Video gibt, bedient sich Bild.de gern, schneidet das Material so zurecht, dass man das Wasserzeichen (fast) nicht mehr sieht, packt das eigene Logo auf die Aufnahmen und schaltet Werbung davor.

Im Januar berichtete “Bild”-Redakteur Julian Röpcke empört, dass das ZDF bei einer Live-Übertragung einer Veranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf die technischen Dienste von “Ruptly” zurückgriff:

Screenshot Bild.de - TV-Gebühren für Russland-Propaganda - ZDF hat kein Problem mit Kreml-Partner

Bild.de bei entsprechenden Videoaufnahmen anscheinend auch nicht.

Mit Dank an @Benno_Leitner für den Hinweis!

Bei Bild.de ruckt es acht Jahre zu spät nach rechts

Gestern fand in Finnland die Parlamentswahl statt. Mit Blick auf das vorläufige Endergebnis fasst Bild.de zusammen:

Screenshot Bild.de - Sozialdemokraten vorn, aber ... Rechtsruck bei Parlamentswahl in Finnland - Auszählungs-Krimi im hohen Norden - Ist das Ergebnis ein Omen für die Europawahl im Mai?

Dazu schreibt die Redaktion:

Finnland gilt als glücklichstes Land der Erde. Mit dem Ergebnis der Parlamentswahl dürften viele Europäer angesichts der bevorstehenden Europawahl aber nicht so glücklich sein.

Die rechtspopulistische Partei Die Finnen schafft es bei der Parlamentswahl weit nach vorne: Sie erhielt 17,5 Prozent der Stimmen und kommt nun auf 39 der 200 Sitze im Parlament.

Und:

Das Abschneiden der Finnen-Partei gilt als Omen für die Europawahl am 26. Mai: Die Finnen-Partei gehört neben der AfD und der italienischen Lega zu den Parteien, die im EU-Parlament eine neue Allianz der Rechtspopulisten bilden wollen.

Wir können uns nicht erklären, wie Bild.de darauf kommt, dass es gestern einen “Rechtsruck” bei der Wahl in Finnland gegeben habe. Die rechtspopulistische PS (“Basisfinnen” oder “Die Finnen”) hat im Vergleich zur vorherigen Parlamentswahl 0,2 Prozentpunkte verloren: 2015 hatte sie noch 17,7 Prozent der Stimmen bekommen, 2011 sogar 19,1 Prozent. Damals gab es wirklich einen “Rechtsruck”: Die PS hatte vor acht Jahren einen Zugewinn von 15,0 Prozentpunkten. Das Wahlergebnis von gestern ist seitdem das schlechteste der Partei. Und damit ist es auch definitiv falsch, wenn der “Deutschlandfunk” dazu schreibt:

Die Rechtspopulisten konnten die Zahl ihrer Sitze damit mehr als verdoppeln.

Tatsächlich hat die PS gestern, trotz des Minus von 0,2 Prozentpunkten, einen Parlamentssitz dazugewonnen und hat nun 39 Mandate.

Aber zurück zum angeblichen “Rechtsruck” von Bild.de. Auch das Ergebnis der anderen größeren finnischen Partei aus dem rechten Spektrum, der konservativen Nationalen Sammlungspartei (KOK), spricht nicht dafür: Sie hat im Vergleich zur Wahl 2015 ebenfalls verloren, minus 1,2 Prozentpunkte. Der größte Verlierer von gestern ist die liberale Zentrumspartei (KESK) mit einem Minus von 7,3 Prozentpunkten. Weil KOK und KESK stärker verloren haben als die PS, ist diese nun zweitstärkste Partei im finnischen Parlament.

Stärkste Kraft ist die Sozialdemokratische Partei (SDP) mit 17,7 Prozent und 40 Parlamentssitzen. Sie hat gestern 1,2 Prozentpunkte und sechs Sitze gewonnen. Das Linksbündnis (VAS) hat 1,1 Prozentpunkte und vier Sitze gewonnen. Größter Gewinner von gestern ist der Grüne Bund (VIHR) mit einem Plus von 3,0 Prozentpunkten und fünf Parlamentssitzen. Wenn also gestern überhaupt irgendetwas in Finnland irgendwohin geruckt ist, dann nach links.

Mit Dank an Darius D. und Simon für die Hinweise!

Linker “Welt”-Hitler, Notre-Dame, Chaos Computer Club besorgt

1. Hufeisenweitwurf mit der “Welt”
(taz.de, Daniel Kretschmar)
Gestern schlagzeilte die “Welt”: “Hitlers politische Karriere begann im Linksextremismus”. Der “taz”-Redakteur Daniel Kretschmar kommentiert die steile These von Hitler als Linkem: “Die ständigen Versuche, alles Linke durch die bizarrsten Vergleiche zu delegitimieren, tragen aber weder zur Erklärung vergangener noch gegenwärtiger Phänomene bei. Das ist auch nicht der Sinn solcher Rhetorik. Die soll einzig und allein alle Kritik an den gegebenen Verhältnissen vernebeln und für generell unzulässig erklären.”

2. Die Reform kommt – stirbt das Netz?
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Der EU-Rat hat der Urheberrechtsreform zugestimmt. Wie lange dauert es, bis die Richtlinie umgesetzt wird? Drohen Upload-Filter? Und was macht Deutschland? Simon Hurtz mit den wichtigsten Antworten zu dem nicht einfachen Komplex.
Weiterer Lesehinweis: In der “taz” kommentiert Svenja Bergt: “Hätte Deutschland im EU-Rat anders abgestimmt — also mit einem Nein oder auch nur einer Enthaltung –, dann wäre diese Reform gar nicht erst durchgegangen. Dass also am Ende zwei Handvoll deutscher Bundespolitiker:innen darüber entscheiden konnten, ob die EU-weite Reform so kommt oder nicht, das ist wirklich alles andere als lustig.”

3. Notre-Dame brennt und das deutsche Fernsehen sendet…
(youtube.com, Planet Interview Video)
Um sich über den Brand der Pariser Notre-Dame zu informieren, schaltete Jakob Buhre den Fernseher ein und zappte sich durch die Kanäle. Auf CNN und BBC World News wurde live vom Brand berichtet, während unsere Öffentlich-Rechtlichen ihr reguläres Programm abspulten, einschließlich der Nachrichtenkanäle Phoenix, tagesschau24 und ZDFinfo. Allein bei arte hätte man so etwas wie einen aktuellen Bezug konstruieren können: Dort lief eine Liebeskomödie aus … Paris.

4. Wie eine Studie die Tür zur regionalen Presseförderung öffnen könnte
(kress.de, Steffen Grimberg)
Der Lokaljournalismus macht einen Schrumpfungs- und Konzentrationsprozess durch. Besonders deutlich wird dies in Thüringen, das beinahe flächendeckend von drei Titeln der Funke-Gruppe abhängig ist. Ein neues Gutachten legt nun Grundlagen für die inhaltliche Förderung von lokalen und regionalen Presseangeboten, wenn die vom Markt getragene Vielfalt schwindet.

5. Chaos Computer Club besorgt über aktuelle Angriffe auf die Pressefreiheit
(ccc.de, Linus Neumann)
Der Chaos Computer Club bezeichnet die drei jüngsten Festnahmen der Whistleblower Chelsea Manning, Julian Assange und Ola Bini als “frontalen Angriff auf die Pressefreiheit” und als schockierende und koordinierte Verletzungen von Menschenrechten. Der CCC fordert die sofortige Freilassung von Chelsea Manning aus ihrer Beugehaft in den USA, die Freilassung von Ola Bini aus ecuadorianischer Haft und keine Auslieferung von Jullian Assange an die USA, wo dessen Chancen auf ein faires Verfahren gering seien. “Wir rufen die Bürger, Journalisten und Regierungen Europas auf, sich für diese Ziele einzusetzen”, so der Appell des Clubs an die Öffentlichkeit.

6. TV Movie ist die schlimmste Seite im deutschsprachigen Internet. Ein Thread als Beweisführung.
(twitter.com/gavinkarlmeier)
Gavin Karlmeier hat sich angeschaut, was sich hinter den spektakulären Promi-Meldungen der Fernsehzeitschrift “TV Movie” verbirgt. Es ist der Blick ins große leere Nichts.

Bild  

Judenhass? Pfui! Moslemhass? Naja.

Im vergangenen Monat hat der Verfassungsschutz eine Broschüre zum Thema “Antisemitismus im Islamismus” herausgebracht. Darin wird unter anderem erläutert, dass im Jahr 2017 in Deutschland mehr als 100 antisemitische Vorfälle mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund registriert wurden.

Inzwischen hat auch “Bild” die Broschüre entdeckt — und ihr heute einen prominent platzierten Artikel auf Seite 2 gewidmet:

Großer Artikel auf Seite 2 der Bild-Zeitung - Überschrift: Verfassungsschutz warnt - Antisemitismus von radikalen Muslimen immer schlimmer!

Wenn es um Gewalt und Hetze gegen Juden geht, ist die Empörung — zurecht — gleich immer groß bei den “Bild”-Medien. Wenn es um Gewalt und Hetze gegen Muslime geht, hält sie sich dagegen in Grenzen. Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass 2017 in Deutschland mehr als 950 islamfeindliche Vorfälle registriert wurden, war das der “Bild”-Zeitung nur eine Randnotiz wert:

Kleine Meldung auf der Titelseite der Bild-Zeitung: Mindestens 950 Angriffe auf Muslime - Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mindestens 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen wie Moscheen. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, berichtet die NOZ
(Unten links, die Sechs-Zeilen-Meldung über den Lotto-Zahlen.)

Eine Relation mit Tradition: Über Judenhass regen sich die “Bild”-Leute auch sonst viel mehr auf als über Moslemhass. Und am meisten regen sie sich auf, wenn Juden die Opfer sind und Muslime die Täter. Erst gestern schrieb Michael Wolffsohn in einem “Bild”-Kommentar, in dem es eigentlich darum geht, dass ein Gemälde von Emil Nolde wegen dessen Vergangenheit im Nationalsozialismus aus dem Kanzerlamt entfernt wurde:

Streiten kann und muss man über die Frage, ob, wo – gar im Kanzleramt? – und wie in einer Demokratie „belastete Kunst“ gezeigt werden solle. Unbestreitbar wollte Frau Merkel auch (neudeutsch) ein „Zeichen“ gegen Antisemitismus setzen.

Gegen Zeichen dieser Art ist — Merkel-Lob — weniger als nichts einzuwenden.

Es wäre freilich überzeugender, wäre diese Entscheidung zu einem weniger politisch überkorrekten (um nicht zu sagen: opportunistisch) gewählten Zeitpunkt getroffen worden. Erst recht überzeugender würde die wirkliche First Lady Deutschlands handeln, wenn ihre Regierung es nicht bei wohlfeilen Lippenbekenntnissen und leeren Gesten beließe.

Sie sollte den in Deutschland dominanten islamischen Antisemitismus wort- und tatenreich bekämpfen. Stattdessen beteiligt sich Deutschland unter ihrer Regie, gemeinsam mit Außenminister Heiko Maas an maßlos antiisraelischen und teils antijüdischen UNO-Entschließungen. Auf diese Weise werden Legenden zu Völkerrecht umfunktioniert.

So schnell gelangt man bei “Bild” von der Vergangenheit eines deutschen Malers zum “in Deutschland dominanten islamischen Antisemitismus” von heute.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir finden es richtig, groß über Antisemitismus jeder Art zu berichten. Aber warum nicht ähnlich groß über Islamfeindlichkeit?

Lehren aus der Niederlage, Debiasing, Als “der Ulli” rechts abbog

1. Was das Internet nicht vergessen sollte
(golem.de, Friedhelm Greis)
Die Schlacht um die Urheberrechtsreform wurde geschlagen, die Netzaktivisten unterlagen. Friedhelm Greis hat sich auf die Suche nach den richtigen Lehren aus der jahrelangen Debatte gemacht. Wie lassen sich in der Zukunft solche Niederlagen vermeiden? Seine Analyse in Kurzform: “Harte Fakten einfordern. Die großen IT-Konzerne sind keine guten Verbündeten. Wahlen können etwas ändern. Online-Proteste nützen wenig.”

2. Gerüchte und Spekulationen im Netz
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Silvia Stöber)
Nach (oder noch während) einer Katastrophe kursieren im Netz augenblicklich Gerüchte über Ursache und Hergang, so auch bei der brennenden Kathedrale Notre-Dame in Paris. Vor allem rechte Blogs streuten Spekulationen über einen angeblichen Anschlag. Der “Faktenfinder” ist der Sache nachgegangen. Dabei spielt auch Donald Trump eine Rolle mit seinem Ratschlag, die französische Feuerwehr möge schnell Löschflugzeuge einsetzen.
Weiterer Lesehinweis: Thomas Lückerath kommentiert bei “DWDL” die Kritik, ARD und ZDF hätten wegen des Geschehens in Paris ihr Programm unterbrechen sollen: “Besonders komisch wird es übrigens immer dann, wenn Print-Journalisten vermeintlich mangelnde Aktualität bei ARD und ZDF in solchen Fällen kritisieren und ebenso süffisant darauf hinweisen, dass man in solchen Fällen besser ausländische Nachrichtensender guckt. Es wären die Verlage, die neben den privatwirtschaftlichen Nachrichtensendern am lautesten aufschreien würden, wenn die Politik ARD und ZDF grünes Licht für einen echten öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender geben würde.”

3. Weniger verzerrt
(journalist-magazin.de, Janina Kalle)
Unter einem Bias oder einer “kognitiven Verzerrung” versteht man die “systematische fehlerhafte Neigung beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen”. Auch wenn wir noch so sehr meinen, rational zu urteilen, unterliegen wir oftmals diesen Verzerrungen und Selbsttäuschungen. Dies gilt nicht nur für Medienleute, sondern betrifft uns alle. Janina Kalle hat einen spannenden Text vorgelegt, in dem sie erklärt, wie man der Bias-Falle entkommt, und einige “Debiasing”-Techniken vorstellt.

4. Als “der Ulli” rechts abbog
(taz.de, Timo Hoffmann)
Der Journalist und Autor Ulrich Kulke hat eine bemerkenswerte Vita: Vor 40 Jahren hat der heute 66-Jährige die “taz” mitgegründet. Später arbeitete er für die Grünen. 2001 ging er für 15 Jahre zur Tageszeitung “Welt” des Axel-Springer-Verlags. Heute nimmt er die AfD in Schutz und schreibt Kommentare für das Onlineportal “Die Achse des Guten”. Wie ist es dazu gekommen? “taz”-Redakteur Timo Hoffmann hat Kulke bei ihm zu Hause besucht und ein lesenswertes Porträt verfasst, das nicht urteilt.

5. Google, Facebook und der Journalismus – oder: wenn sich das Problem als Teil der Lösung sieht
(medienwoche.ch, Daniel Faulhaber)
Im italienischen Perugia trifft sich die Medienbranche seit 13 Jahren jährlich zu einem der größten Branchentreffen, dem “International Journalism Festival”. Dieses Jahr besonders im Fokus: Facebook, Google und das problematisches Verhältnis dieser Konzerne zum Journalismus. Daniel Faulhaber war in dem umbrischen Städtchen und hat sich angehört, wie die Netzgiganten derzeit agieren: Mit einem Schmusekurs, den sich Facebook allein 300 Millionen Euro kosten lässt, die es den Verlagen für Journalismusprojekte zur Verfügung stellt.

6. Wie kann ich als Mann Feminist sein?
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Ein Medien-, aber auch ein Alltagsthema: “Wie können Männer Feministen sein?” Margarete Stokowski hat eine Liste mit 40 Punkten angefertigt: “Die Liste ist unvollständig und die Reihenfolge egal. Erledigen Sie so viele Punkte wie möglich, dann sind Sie auf der sicheren Seite.”

Wenn “Bild” mal was checkt

Erzählt irgendjemand Unsinn, ist es immer praktisch, einen Experten zur Hand zu haben, der den Unsinn geraderückt. Bei “Bild” gelten sie ja als Experten für Fußball (Aber der Sportteil …!”). Daher sollten wir alle dankbar sein, dass die Redaktion heute den “BILD-Check” im Blatt und bei Bild.de macht:

Drei WM-Titel dank Bayern? Der BILD-Check

Es geht um Behauptungen von FC-Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß zur deutschen Fußballnationalmannschaft bei verschiedenen Weltmeisterschaften:

Ausriss Bild-Zeitung - Die Hoeneß-Provokation

Hoeneß sagte der Deutschen Presse-Agentur:

Die Nationalmannschaft hat immer dann ihre erfolgreichsten Phasen, wenn der FC Bayern genügend Spieler liefert.

Und:

Ich denke an die WM-Titel 1974 und 2014, auch 1990 hatte der Kern eine prägende Vergangenheit bei uns.

Das hat sich “Bild” mal genauer angeschaut. WM 1974:

1974 waren es sechs Spieler. Kapitän Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, “Katsche” Schwarzenbeck, Paul Breitner, Gerd Müller und Sepp Maier schossen Deutschland zum Heim-WM-Titel. Und alle sind bei Bayern groß geworden.

Da fehlt schon mal Hans-Josef Kapellmann, der von 1973 bis 1979 beim FC Bayern München spielte. Allerdings, das halten wir “Bild” zugute, kam Kapellmann bei der Weltmeisterschaft nicht zum Einsatz.

WM 1990:

1990 standen nur vier Bayern (Aumann, Pflügler, Augenthaler, Reuter) im Kader. Final-Torschütze Brehme und Kapitän Matthäus wechselten 1988 zu Inter.

Nun könnte man darauf hinweisen, dass Uli Hoeneß extra sagte: “auch 1990 hatte der Kern eine prägende Vergangenheit bei uns”, was auf Brehme und vor allem auf Matthäus zutreffen dürfte. Aber auch ohne die beiden waren es 1990 nicht “vier Bayern” im Kader der Nationalmannschaft, sondern sechs: “Bild” vergisst Jürgen Kohler, der von 1989 bis 1991 in München spielte und bei der Weltmeisterschaft 1990 viermal zum Einsatz kam, darunter auch im Finale; und Olaf Thon, der von 1988 bis 1994 beim FC Bayern München war und immerhin im Elfmeterschießen im WM-Halbfinale traf.

WM 2014:

2014 feierten sechs Bayern den WM-Titel. Neuer, Boateng, Kapitän Lahm, Müller und Schweinsteiger waren Eckpfeiler, Götze traf im Finale zum Titel.

Hier fehlt Toni Kroos, der bis zur WM für den FC Bayern München spielte und erst danach für Real Madrid. Kroos kam in Brasilien bei allen sieben Partien zum Einsatz und schoss zwei Tore.

Bei drei Weltmeisterschaften schafft es die “Bild”-Redaktion, dreimal den Kader nicht richtig durchzuzählen. Sie sind eben echte Experten.

Mit Dank an Gregor G. für den Hinweis!

Nachtrag, 14:29 Uhr: Bei Bild.de haben sie auf unsere Kritik reagiert, die jeweiligen Stellen nachgebessert und am Ende des Artikels diese Anmerkung hinzugefügt:

In einer früheren Version haben wir die Namen Hans-Josef Kapellmann (1974), Jürgen Kohler und Olaf Thon (beide 1990), sowie Toni Kroos (2014) nicht aufgeführt. Der Fehler tut uns leid. Die Redaktion hatte sich auf die jeweilige Mannschaft konzentriert, die im Endspiel auf dem Platz stand. Kroos hatte die Redaktion hierbei schon als Real-Spieler eingerechnet.

Die Begründung, dass die Redaktion “sich auf die jeweilige Mannschaft konzentriert” habe, “die im Endspiel auf dem Platz stand”, kann allerdings nicht der Wahrheit entsprechen. Wie wir bereits geschrieben haben, stand zum Beispiel Jürgen Kohler, den die “Bild”-Medien in ihrer Aufzählung vergessen hatten, im WM-Finale 1990 von Beginn an auf dem Platz. Raimond Aumann und Hans Pflügler, die die “Bild”-Redaktion in ihre Aufzählung aufnahm, spielten hingegen keine einzige Minute im Endspiel.

Nachtrag, 16:43 Uhr: Nun hat Bild.de den Satz “Die Redaktion hatte sich auf die jeweilige Mannschaft konzentriert, die im Endspiel auf dem Platz stand.” ersatz- und kommentarlos gestrichen.