Organisierte Unkenntnis, Polizeikatze, Sommershow zum Selberbasteln

1. Organisierte Unkenntnis
(djv.de, Hendrik Zörner)
Immer wieder werden Journalistinnen und Journalisten bei Demonstrationen von der Polizei an ihrer Arbeit gehindert, indem man ihnen zum Beispiel den Zugang verwehrt. Bei einer Neonazi-Demo hat es erneut den freien Journalisten Arndt Ginzel getroffen, der den Vorfall auf Twitter mit einem Video dokumentiert hat. Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband kommentiert: „Was ist eigentlich die Unterschrift der Innenminister auf der Rückseite des Presseausweises wert? Welche Bedeutung hat die Aufforderung, Behörden sollten die Arbeit der Presse erleichtern, ihnen Auskünfte und Zugänge geben? Die Unkenntnis der Polizisten vor Ort zeigt, dass wichtige Informationen und Absprachen wie etwa die zum Presseausweis aus den Ministerbüros nicht dahin weitergegeben werden, wo sie hin gehören: an die Polizeidienststellen.“

2. Klage gewonnen gegen BAMF: Hier ist der McKinsey-Report zu Abschiebungen
(fragdenstaat.de)
Dank einer gewonnenen Klage des Transparenzportals „Frag den Staat“ gegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), kann nun McKinseys Report zu Abschiebungen veröffentlicht werden. Hintergrund: Das BAMF hatte sich von der Firma McKinsey beraten lassen und dafür insgesamt 47 Millionen Euro gezahlt. Allein das oben erwähnte Gutachten habe 1,9 Millionen Euro gekostet (auf solche Summen kommt man, wenn man als Behörde externen Beratern Tagessätze von 2.700 Euro bezahlt).

3. „Wir brauchen keine Frauenquote bei Kriminalromanen“
(welt.de, Elmar Krekeler)
Thomas Wörtche wird gerne als Deutschlands „Krimi-Papst“ bezeichnet. Im Interview mit der „Welt“ erklärt Wörtche den Unterschied zwischen „Grimmi“ und „Krimi“, erzählt von seiner literarischen Einstiegsdroge und erläutert, warum der Serienkiller immer noch nicht out ist. Außerdem hat er ein paar schöne Beispiele für die Tücken historischer Kriminalromane parat: „Ich hatte mal Schamanenkrimis auf dem Schreibtisch, da fragt dann irgendwann der Schamane: „Um wie viel Uhr?“ Ich mag auch Mittelalter- oder Antikenkrimis, in denen „In fünf Minuten greifen wir an“ gesagt wird.“

4. Katzenfilter macht Polizei-Pressekonferenz zur Lachnummer
(spiegel.de)
Eine besonders unangenehme Panne passierte während der Facebook-Videoübertragung einer Pressekonferenz der kanadischen Polizei zu einem Doppelmord: Ein aktivierter Video-Effekt zeigte die Polizeisprecherin während des Live-Videos mit Katzenohren.

5. Die Frauenoffensive
(taz.de, Johannes Kopp)
Zum „Sportschau“-Kommentatorenteam für die kommenden Saison der Fußball-Bundesliga zählen 17 Männer und seit Neuestem eine Frau. Ein Beispiel, das Schule machen sollte, findet Johannes Kopp. Er wünscht sich mehr Mut von den Verantwortlichen: „Die Sender sollten nicht trotz, sondern wegen des Shitstorms von männlichen TV-Zuschauern ihre Kommentatorenteams um mehr Frauen erweitern.“

6. Sommershow zum Selberbasteln: Bei RTL startet „Das Sommerhaus der Stars“ – sieben Regeln für ein erfolgreiches Trashformat
(haz.de, Imre Grimm)
Heute startet die vierte Staffel des RTL-Trash-Formats „Das Sommerhaus der Stars“. Du bist Programmchef eines deutschen Privatsenders und brauchst ebenfalls einen trashigen Lückenfüller für das Sommerloch? Imre Grimm zeigt Dir mit sieben einfachen Regeln, wie Beömmelungs- und Fremdschämfernsehen funktioniert. Erfolg garantiert!

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Die Radwegkosten neu erfinden

Da kann die Haselmaus noch so süß gucken — in „Bild“ gab’s am vergangenen Freitag mal wieder was zum Blutdruckerhöhen:

Ausriss Bild-Zeitung - Radweg kostet zehn Millionen Euro pro Kilometer

Seit 13 Jahren wird er gebaut, fertig ist er noch lange nicht. Aber vor allem ist der neue Radweg am Rhein, der Lorchhausen und Rüdesheim (Hessen) verbinden soll, der wohl teuerste Radweg aller Zeiten: 10 Mio. Euro pro Kilometer!

11,3 Kilometer soll dieser Radweg an der Bundesstraße 42 lang sein, wenn er einmal fertig ist, und laut „Bild“ 115 Millionen Euro kosten. Daraus errechnet die Redaktion die durchschnittlichen Kosten pro Kilometer, die sie auch schon auf der Titelseite nennt:

Ausriss Bild-Titelseite - Zehn Millionen Euro pro Kilometer - Regierung baut teuersten Radweg aller Zeiten

Aber ob nun auf Seite 1, in der Überschrift im Blatt oder im Artikel: Die Aussage stimmt so nicht. Denn die Gesamtkosten von 115 Millionen Euro beziehen sich auch auf den Bau des Rad- und Fußwegs, aber nicht nur. Das steht auch gewissermaßen im „Bild“-Text:

Laut Hessischem Verkehrsministerium entstehen die Kosten „nicht allein durch den Radweg, sondern durch die Gesamtmaßnahme.“

Allerdings endete die zitierte Aussage eines Sprechers des hessischen Verkehrsministeriums, die dieser den „Bild“-Autoren per E-Mail geschickt hatte, gar nicht mit einem Punkt hinter „Gesamtmaßnahme“ — sie geht noch weiter, wie uns dieser Sprecher auf Nachfrage mitteilte. Er habe der „Bild“-Redaktion geschrieben:

Die Kosten entstehen nicht allein durch den Radweg, sondern durch die Gesamtmaßnahme: Sie umfasst die Verbreiterung der Bundesstraße, die bessere Kurvenführung und den Radweg.

In den 115 Millionen Euro stecken also auch Kosten für den Ausbau und die Erneuerung der Bundesstraße, die gar nicht von den Radfahrern und Fußgängern genutzt wird, sondern von Autofahrern. So steht es auch in einer Pressemitteilung des Ministeriums zur Fertigstellung des zweiten von insgesamt drei Bauabschnitten auf der Strecke.

Dennoch haben es die vermeintlichen Kosten von 10 Millionen Euro pro Kilometer Radweg auch in den Kommentar des stellvertretenden „Bild“-Chefredakteurs Mario Barth Timo Lokoschat geschafft. Zwischen ein paar schlechten Wortspielen („Rad ab!“, „Dieser Fall macht RADLOS.“) und viel Polemik („Ist er [der Radweg] mit Blattgold beschichtet? Gibt es kostenlosen Pannenservice für die nächsten 100 Jahre? Stehen links und rechts Kellner und reichen mit Champagner gefüllte Trinkflaschen und Kaviarhäppchen?“) schreibt Lokoschat:

Viele Deutsche träumen von der MILLION. Was könnte man mit so viel Geld alles machen?

Die Bundesregierung hat eine Idee: 100 Meter Radweg bauen! […]

Pro Kilometer kostet das Projekt unfassbare zehn Millionen Euro. Der wohl teuerste Radweg aller Zeiten.

Dabei handele es sich doch um „einen normalen Radweg“, so Lokoschat, was ebenfalls maximal irreführend ist. Normal sei, dass der Fuß- und Radweg die Standardbreite von 2,5 Metern habe, sagt uns der Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums: „Alles andere ist nicht normal.“ Das beschrieb er auch in der bereits erwähnten Mail an die „Bild“-Autoren:

Die ausgesprochen schwierigen Verhältnisse — die Enge des Tals, das Nebeneinander von Straße und Bahnlinie, die Notwendigkeit des Hochwasserschutzes, der Schutz des UNESCO-Welterbes — machen den Straßenbau in diesem Abschnitt ungemein aufwendig und lassen keine billigere Lösung zu. Man hätte dann schon auf das Vorhaben verzichten müssen, aber um den Preis der Verkehrssicherheit, denn die Trennung von Auto- und Fahrradverkehr auf der zweispurigen B42 und die Verbreiterung der Fahrbahn bedeuten einen enormen Gewinn.

Hinzu komme, dass aufgrund der besonderen örtlichen Situation auf mehreren Kilometern eine sogenannte Kragarmkonstruktion, also eine Art Galerie, für den Fuß- und Radweg errichtet werden musste, was bei „einem normalen Radweg“ natürlich auch nicht der Fall ist.

„Bild“ hat dann auch noch beim Bund der Steuerzahler nachgefragt, was der denn von dem Bau und den Kosten halte, schließlich sei das ja alles „bitter für den Steuerzahler“.

Der Bund der Steuerzahler hält den Bau des Radwegs „an der touristisch attraktiven Straße“ für „sinnvoll“.

Ein Sprecher zu BILD: „Natürlich entstehen dort enorme Kosten, doch wir kennen derzeit keine Alternative, wie Steuergelder gespart werden können.“

Das zeigt vermutlich am besten, wie absurd die „Bild“-Berichterstattung und der Kommentar von Timo Lokoschat sind: Selbst der Bund der Steuerzahler, der immer alles skandalös findet, kann keinen Skandal erkennen.

Mit Dank an Andreas G., Sebastian L., happy und @OlafStorbeck für die Hinweise!

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Morddrohung, Operation Reißwolf, Untreueverdacht beim Ökoblatt

1. Morddrohung nach „Tagesthemen“-Kommentar zu AfD
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der Redaktionsleiter der WDR-Sendung „Monitor“ Georg Restle ist für seine kritische Haltung der AfD gegenüber bekannt. Deshalb haben AfD-Spitzenfunktionäre ihn anscheinend zum Lieblingsfeind erkoren und überschütten ihn auf Twitter mit den wüstesten Beschimpfungen („totalitärer Schurke“, „abstoßender Feind der Demokratie“). Nach einem „Tagesthemen“-Kommentar ging bei Restle nun eine Morddrohung ein. Der WDR hat Strafanzeige gestellt.

2. Operation Reißwolf: Kurz-Mitarbeiter ließ inkognito Daten aus Kanzleramt vernichten
(kurier.at, Daniela Kittner & Raffaela Lindorfer)
Es ist ein Fall von ungeheurer Dreistigkeit und Dummheit: Ein Mitarbeiter des damaligen österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz wollte kurz nach der Ibiza-Affäre einen Datenträger aus dem Kanzleramt vernichten. Abweichend vom normalen Procedere brachte er die Festplatte zu einer Privatfirma und sah dort beim Schreddern zu. Den Auftrag erteilte er unter einem falschen Namen, die Rechnung bezahlte er nicht. Darauf schaltete die Firma die Polizei wegen Betrugs ein, worauf bei der „Soko Ibiza“ die Alarmglocken geschrillt hätten.

3. Materialschlacht der Streamingportale
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Der Machtkampf der Streamingportale ist in vollem Gange. In den USA hat Netflix erstmals Abonnenten verloren. Und neue Wettbewerber wie HBO Max, Disney, Apple, WarnerMedia und NBCU werden den Druck auf den Streamingdienst weiter verstärken.

4. Die AfD-Gouvernante
(woz.ch, Daniela Janser)
Daniela Janser kritisiert die redaktionelle Ausrichtung der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“): „Als AfD-Gouvernante beackert sie dieselben Themen wie die Rechtsaussenpartei und erörtert in zahlreichen Artikeln, wie die AfD sich normalisieren könnte: damit sie als seriöse Rechtspartei statt als wilder, teils rechtsextremer Haufen noch wählbarer wird.“

5. Untreueverdacht beim Ökoblatt
(taz.de, Christoph Schmidt-Lunau)
Das Magazin „Öko-Test“ überprüft normalerweise Geldanlagen und Finanzierungsmodelle von anderen. Nun ist es selbst zum Prüffall geworden: Vergangene Woche gab es eine groß angelegte Razzia in den Geschäfts- und Privaträumen der Öko-Tester. Der Verdacht: Bei einer missglückten China-Expansion sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Dazu kommen schwere Vorwürfe eines ehemaligen Chefredakteurs. „Öko-Test“ habe seine Tests teilweise so angelegt, dass möglichst viele gute Testurteile herauskamen, für deren werbliche Nutzung man dann die Hersteller zur Kasse bitte.

6. Grit und Flori: Plötzlich Schloss mit lustig
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Yellow-Press-Experte Mats Schönauer bildet Dich zum/zur RegenbogenredakteurIn aus. Die Prüfungsaufgabe: Aus eher langweiligen Nachrichten musst Du knallige Meldungen dichten. Doch sei gewarnt: Du musst eine Menge Kreativität und Skrupellosigkeit besitzen, um Schönauers reale Beispiele aus der Regenbogenwelt zu toppen.

Den Mond ganz schön voll genommen

Eigentlich hatten sie ja ziemlich Großes vorgehabt, die Leute bei „Bild“:

Die Mond-BILD zum 50. Jubiläum der Mondlandung

Am 20. Juli 2019 wird BILD mit einem Themenspezial zum 50ten Jahrestag der ersten bemannten Mondladung nicht nur an die spektakulären Momente erinnern, sondern vor allem den Blick in die Zukunft richten.

… versprach der Axel-Springer-Verlag vor einigen Wochen in einem PDF, das potenzielle Werbekunden für die „Mond-BILD“ anlocken sollte. Sogar mögliche Themenideen gab es schon:

Die Mond-BILD - Mögliche Themenbeispiele: Und jetzt sind wir auf dem Weg zum Mars - Das sind die Weltraumstars - Die Mondlandung und ihre Mythen - LTE-Technologie bald auch auf dem Mond möglich? - Insider-Wissen: So war es damals wirklich - So könnte unser Leben auf dem Mond aussehen - Diese 50 Erfindungen gäbes es ohne die Mondlandung nicht - Raumfahrttechnik als wichtiger Industriezweig - Zeitzeugen der Mondlandung - Wann findet der nächste Mondflug statt?

Und natürlich die möglichen Anzeigenformate:

Die Mond-BILD - Ihre Platzierung im perfekten Umfeld! - 1/1 Seite: Bruttopreis 525000 Euro - 1/2 Seite: Bruttopreis 330.000 Euro - 1/4 Seite: 151500 Euro

Gestern war es dann so weit. Oder sagen wir: wäre es so weit gewesen. Denn von der groß angekündigten „Mond-BILD“ war nicht viel zu sehen.

BILD-Titelseite,große Schlagzeile: Klima-Steuer - BILD enthüllt,was jeder zahlen soll! - auf der unteren Seitenhälfte: Heute vor 50 Jahren eroberte die Menschheit den Mond - dazu die Titelseite der BILD von damals mit der Schlagzeile Der Mond ist jetzt ein Ami

Bloß die „Bild“-Titelseite von damals („Legendär!“) und im Innenteil ein Interview mit dem Verbindungssprecher der ersten Mondlandung. Ansonsten: zappenduster.

Offenbar fanden die Werbekunden die Idee dann doch nicht so pralle. (Tatsächlich findet sich in der Ausgabe nicht eine einzige Anzeige.)

So ein Pech aber auch! Dabei hätte es doch wirklich so viele spektakuläre Mond-Momente gegeben, an die „Bild“ hätte erinnern können. Vor allem in der eigenen Berichterstattung:

Screenshot BILD.de: Da oben liegen 96 Stuhlgangtüten - Wie kam die Kacke auf den Mond?
Screenshot BILD.de: Gibt es eine Ufo-Basis auf dem Mond?
Screenshot BILD.de: Unglaublicher Verdacht - Hat die Nasa eine Alienbasis auf dem Mond zerstört?
Screenshot BILD.de: Gibt es Alien-Türme auf dem Mond?
Screenshot BILD.de: Beobachten uns Aliens vom Mond aus?
Screenshot BILD.de: Riesiges Alien-Raumschiff auf dem Mond entdeckt?
Screenshot BILD.de: Traf Neil Armstrong auf Aliens?

Letztere Frage wurde übrigens an anderer Stelle beantwortet, und zwar von Franz Josef Wagner, der über den „lieben Neil Armstrong“ schrieb:

Er sah keine Aliens, er hörte nicht die Posaunen Gottes. Der Grund, warum er ein Großer ist, ist, dass er keine Angst hat.

Und dass Wagner ein Großer ist, vor allem, wenn es um Weltallwissen geht, ist ja ohnehin bekannt:

Tweet von BILDblog: Solange die Erde eine Scheibe ist, hat BILD-Briefchenschreiber Franz Josef Wagner mit seinen Astronomiekenntnissen recht - dazu ein Ausriss von Wagners Brief: Liebe Lindenstraße, solange sich die Sonne um die Erde dreht, dachte ich, dass Du bleibst.

Schön auch folgende Mond-Geschichte, die „Bild“ zum Tod von Neil Armstrong vor sieben Jahren brachte:

Wenn ihr den Mond seht, winkt ihm zu!

Dass „to wink“ nicht „winken“ heißt, sondern „zwinkern“, haben sie inzwischen sogar verstanden.

Aber kommen wir nochmal zurück zu der „legendären“ Titelseite von damals, mit der „unvergessenen“ Schlagzeile: „Der Mond ist jetzt ein Ami“. Darauf sind sie bei „Bild“ so stolz, dass sie sie in der gestrigen Ausgabe noch mal groß über eine ganze Seite gedruckt haben:

BILD-Ausgabe vom 21. Juli 1969: Der Mond ist jetzt ein Ami

„Es ist eine Schlagzeile, die die Geschichte beschrieben und selbst Geschichte gemacht hat“, schreibt „Bild“. „Die vielleicht berühmteste BILD-Schlagzeile“ aller Zeiten!

Erdacht wurde sie — wie sie bei „Bild“ heute noch ehrfürchtig erzählen — vom damaligen „Bild“-Chefredakteur Peter Boenisch:

Der US-Astronaut Neil Armstrong betrat um 3:56 Uhr MEZ am 21. Juli 1969 den Erdtrabanten: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ 
Und in Hamburg, im 6. Stock der BILD-Chefredaktion, dichtete Peter Boenisch: „Der Mond ist jetzt ein Ami“.

Boenisch habe sich die Schlagzeile einfach so „aus dem Ärmel geschüttelt“, schrieb auch Franz Josef Wagner mal.

Schaut man sich die Titelseite von damals ein bisschen genauer an, erkennt man allerdings, dass es nicht Boenisch gewesen sein soll, der sich den Satz ausgedacht hat. Sondern:

Textausriss aus der BILD-Ausgabe von 1969: Armstrong und Aldrin entschieden damit gleichzeitig den jahrzehntelangen Wettlauf zum Mond für die USA. Ein NASA-Techniker scherzhaft: "Der Mond ist jetzt ein Ami!"

Also entweder haben sie damals gelogen, oder sie lügen heute. Vielleicht war Boenisch aber auch „Bild“-Chefredakteur und heimlich bei der NASA. Und vielleicht ist er auch schon ins All geflogen, und vielleicht hat er da auch ein paar Aliens getroffen. Und vielleicht hat er ein paar von denen mit zur Erde gebracht, und vielleicht heißt einer davon Franz Josef mit Vornamen, das würde jedenfalls einiges erklären.

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„Sehr brutal“ spekuliert

Eigentlich dachten wir, die unsägliche Diskussion, ob Computerspiele Jugendliche zu „Killern“ machen, wäre überstanden. Doch es gibt sie in gewisser Weise immer noch, jedenfalls den Gedanken dahinter.

Gestern brannte ein Zeichentrickfilmstudio im japanischen Kyoto, mindestens 33 Menschen kamen dabei ums Leben. Es handelt sich offenbar um Brandstiftung — ein 41-jähriger Mann hat nach Angaben der Polizei die Tat gestanden.

Welt.de berichtet unter anderem mit einem Video über den Vorfall. In dem 42-Sekunden-Clip sagt die Sprecherin:

Das Filmstudio produziert Manga-Serien für junge Menschen. Diese Filme sind teils sehr brutal. Möglich, so sagen Kenner, dass der Täter sich davon beeinflussen ließ.

Nun hätten diese „Kenner“ der Redaktion erstmal erklären können, dass man bei japanischen Zeichentrickfilmen von Animes spricht und nicht von Mangas, was Comics sind.

Aber vor allem: Was soll dieses eklige Spekulieren? Als gäbe es bisher mehr als vage Gerüchte zum Motiv (und diese haben nichts mit besonderer Brutalität in Animes zu tun). Und als hätten „diese Filme“ und ihre Macher — und damit auch die Opfer — irgendeine Mitschuld an dem Brandanschlag. Gerade im Fall des angegriffenen Animationsstudios Kyoto Animation ist der herbeigeschwurbelte Zusammenhang mit „sehr brutalen“ „Manga-Serien“ völlig daneben: KyoAni ist besonders für sogenannte „Slice of Life“Produktionen bekannt, die beispielsweise von Schulkindern, Jugendlichen und deren Hobbys handeln.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Hetze ohne Spendenquittung, AfD-Rückwärtsrudern, Fremdschämen

1. Hetze ohne Spendenquittung
(zeit.de, Christian Fuchs)
Das rechtspopulistische Blog „Journalistenwatch“ muss in Zukunft ohne steuerliche Vorteile hetzen: Das Finanzamt Meißen hat dem Trägerverein die Gemeinnützigkeit entzogen. Christian Fuchs erklärt als Kenner der Materie (aktuelles Buch: „Das Netzwerk der Neuen Rechten“) die Hintergründe.

2. Die neuesten Zeitungs-Auflagen der IVW: „Bild“, „Welt“ und „BamS“ im freien Fall, „SZ“, „taz“ und „Zeit“ weitgehend stabil
(meedia.de, Jens Schröder)
Inmitten all der schlechten Nachrichten gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Die verkaufte Auflage der „Bild“-Zeitung ist über das vergangene Jahr um 9,9 Prozent zurückgegangen, die „Bild am Sonntag“ liegt 9,8 Prozent unter dem Vorjahr. Diese und viele andere Zahlen verrät Jens Schröder in seinem aktuellen Auflagen-Report bei „Meedia“.

3. Das sind die abenteuerlichsten Rechtfertigungen der AfD
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Es ist ein wiederkehrendes Muster: Zunächst machen AfD-Vertreter mit Provokationen und Tabubrüchen auf sich aufmerksam. Anschließend wird dann mit hanebüchenen Erklärungen und Rechtfertigungen pseudomäßig zurückgerudert. Sebastian Leber hat die bizarrsten AfD-Rechtfertigungen gesammelt. Lesenswert wegen der Kuriosität der Begründungen — und weil sich trotz all der Einzelfallartigkeit ein System dahinter abzeichnet.

4. Das Antike an Sozialen Medien: Hervorragende Reden gehen viral
(blog.zhaw.ch, Daniel Perrin)
Wer Grundeinsichten der klassischen Rhetorik verstanden hat, kommuniziert besser, findet der Linguist Prof. Dr. Daniel Perrin. Dies sei in der Antike so gewesen und gelte auch in der Zeit von Facebook, Twitter und Youtube. Im eingebetteten SRF-Interview verrät der Professor (auf Schweizerdeutsch) die Zauberformel für gutes(s) Reden.

5. Kevork Almassian: Ein „Flüchtling“ im Auftrag der AfD
(disorient.de, Sascha Ruppert)
Der AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier hat einen Syrer als Social-Media-Beauftragten eingestellt. Mit Hintergedanken, wie Sascha Ruppert glaubt: „So können sie Almassian als Insider mit speziellen Fakten über die Ursachen der sogenannten Flüchtlingskrise präsentieren, der als „legaler Flüchtling“ aufgrund seiner unterstützenden Haltung gegenüber Bashar al-Assad von den deutschen Medien verhetzt wird. Er kann als der Syrer dargestellt werden, der die vermeintlichen Lügen aufdeckt, welche die deutsche Regierung ihrer Bevölkerung über den Syrienkrieg erzählt.“

6. Welt-Moderator ganz durch den Wind
(uebermedien.de, Video: 2:51 Minuten)
Zum Schluss noch eine Mutprobe: Wer diesen circa dreiminütigen Zusammenschnitt der „Welt“-Nachrichten-Moderation übersteht, ohne vor Fremdscham einzugehen, ist wirklich hartgesotten. Aber nicht zwischendurch wegschauen oder sich die Ohren zuhalten!

Was kümmert sie der Funken Stolz von gestern?

Stellen wir uns mal kurz vor, die Nikolaus Blomes und die Ralf Schulers von „Bild“, die als Politik- und als Parlamentsbürochefs den politischen Kurs des Blatts maßgeblich prägen, säßen im EU-Parlament und hätten am Dienstag darüber abstimmen können, ob Ursula von der Leyen neue Kommissionspräsidentin werden soll. Wie hätten sie sich wohl entschieden? Hätte sie für von der Leyen gestimmt und damit bei diesem „Eurokraten-Monster mit undurchsichtigen Strukturen und Hinterzimmer-Klüngeln“ (Schuler) mitgemacht? Hätten sie „den Brüsseler Posten-Poker“ (Schuler), dieses „irre“ (Schuler) „Posten-Billard über alle erdenklichen Banden“ (Schuler) einfach so hingenommen?

Oder hätten sie das „unwürdige Gezerre im EU-Rat“ (Schuler) nicht akzeptiert? Hätten sie sich daran erinnert, dass das „anders versprochen“ (Blome) war? Dass das „so nicht“ (Blome) geht? Hätten sie als Europa-Parlamentarier „einen Funken Stolz“ (Blome) gehabt und „Nein“ gesagt? „Aus Prinzip“ (Blome)? „Aus Selbstachtung“ (Blome)?

Wären sie bei „Bild“ nicht Fähnchen im Wind, würden wir uns festlegen: Die „Bild“-Leute hätten gegen Ursula von der Leyen gestimmt, denn sie hätten damit gegen das Missachten des Spitzenkandidatenprinzips gestimmt. So wie die 16 SPD-Politikerinnen und Politiker, über die „Bild“ und Bild.de nun schreiben:

Screenshot Bild.de - Nach Kollektiv-Nein im Europa-Parlament - SPD feiert ihr 16:0 gegen von der Leyen

Unter den 327 Abgeordneten, die GEGEN die CDU-Frau stimmten, waren alle 16 SPD-Abgeordneten. Obwohl eine Deutsche zur Wahl stand, mit der man seit Jahren den Kabinettstisch teilte. Obwohl sich die Mehrheit der europäischen Sozialisten nach ihrer Bewerbungsrede FÜR von der Leyen aussprach.

Die Europa-SPD wehrt sich bei Twitter gegen die Unterstellung, man würde das Stimmverhalten „feiern“. Man habe ein Wahlversprechen gehalten, Europa dürfe „keine Wundertüte sein“: „Die BürgerInnen müssen vorher wissen, was sie nachher bekommen können. Dafür machen wir uns weiter stark.“

Im Grunde haben die Europaabgeordneten der SPD also das gemacht, was die Leute von „Bild“ vor ein paar Tagen noch herbeigeschrieben haben — und für das die Redaktion die Politikerinnen und Politiker nun als feiernde Querulanten dastehen lässt.

Wann ist man für „Bild“ ein „Deutscher“?

Es gibt Neues vom „Bild“-Verteidiger Ernst Elitz.

Screenshot BILD.de: Der BILD-Ombudsmann - Hass-Briefe an BILD

Nachdem BILD über eine mutmaßliche Vergewaltigung auf Mallorca berichtete, erhielt ich eine Vielzahl von Briefen, in denen sich Leser hasserfüllt darüber beschwerten, dass die Verdächtigen als „Deutsche“ bezeichnet wurden — obwohl Namen und Aussehen auf einen Migrationshintergrund hindeuteten.

Meine Antwort: „Die Redaktion kann den Verdächtigen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen.“ Es ist nicht ihr Auftrag, die Herkunft von Menschen, über die sie berichtet, über möglichst viele Generationen zurückzuverfolgen. Wer einen deutschen Pass hat, ist ein Deutscher — auch wenn das nicht allen passt.

Für „Bild“ zählt also nicht die Herkunft eines Menschen, sondern einzig und allein sein Pass?

Bullshit.

Erst vor gut einer Woche berichtete Bild.de über die mutmaßliche Vergewaltigung eines Mädchens in Herne:

Screenshot BILD.de:  Teenager (13, 14) sollen Mädchen (14) vergewaltigt haben - Das Opfer ließen sie bewusstlos in den Büschen liegen

Zu den Tatverdächtigen schrieb die Redaktion:

Die Tatverdächtigen sind libanesischer Herkunft, haben aber auch einen deutschen Pass.

Wenn nur der Pass zählt, warum dann erwähnen, dass sie „libanesischer Herkunft“ sind? Und was heißt das überhaupt? Wie viele Generationen hat „Bild“ diesmal zurückverfolgt?

Oder hier:

Screenshot BILD.de: Freund seiner Ex attackiert - Stalker rammt Mann Meser in Hals

H. , ein Deutscher mit kasachischer Herkunft, hatte in der Nacht zum Samstag seine Ex verfolgt, (…)

Oder hier:

Screenshot BILD.de: Artisten und Tänzerinnen ausgebeutet - Razzia in der Zirkus-Szene - Frauen sollen an Bordelle verkauft worden sein

Die Hauptbeschuldigten — ein Mann (51) aus Simbabwe und eine Deutsche (62) russischer Herkunft — wurden festgenommen.

Oder hier:

Sreenshot BILD.de: Überfall auf Villa in Sittensen - Millionär erschießt Räuber (16)

Bei dem Getöteten handelt es sich laut Polizei um einen 16-jährigen Intensivtäter. Der Deutsche albanischer Herkunft ist einschlägig bekannt.

Oder hier:

Screenshot BILD.de: 10 Millionen Dollar erzockt - Deutscher gewinnt weltgrößtes E-Sport-Turnier

Der Deutsche ist jetzt der Spieler mit den meisten Turnierpartien (202) und — allein mit Preisgeld-Einnahmen von mehr als 3,5 Millionen Dollar — der finanziell erfolgreichste E-Sportler überhaupt.

Ach, nee. Wenn es um etwas Positives geht, erwähnt „Bild“ die Herkunft eines Menschen (in diesem Fall: Iran) in der Regel nicht. Dann zählt nur der Pass, dann sind sie einfach bloß: Deutsche. Dann sind sie welche von „uns“. Nur wenn sie vergewaltigen, rauben und morden, sind sie: Ausländer, die zufällig einen deutschen Pass haben.

Aber nochmal zurück zu Ernst Elitz, der ja darüber jammert, dass der „Bild“-Zeitung Hass entgegenschlage. Was Elitz natürlich nicht erwähnt und vermutlich nicht mal bemerkt: Tatsächlich hat sich die Redaktion das selbst eingebrockt. Denn der Grund für die ganze Aufregung ist ja, dass die Verdächtigen zwar Deutsche sind, nach der Meinung einiger Leserinnen und Leser aber nicht deutsch aussehen — wie zum Beispiel die Kommentare auf der „Bild“-Facebookseite zeigen:

Beitrag auf der Facebookseite von BILD: "Deutsche (18) auf Mallorca vergewaltigt: U-Haft für diese zwei Männer!" Auf dem Foto sind die beiden Verdächtigen zu sehen, nur mit einem Augenbalken unkenntlich gemacht. Den Rest ihrer Gesichter, ihre dunklen Haare, Bärte und Hautfarbe sind deutlich zu erkennen. Der Top-Kommentar unter dem Beitrag mit 2.700 Likes lautet: "Sehen ja sehr deutsch aus die beiden..."
(Augenbalken von „Bild“, alle anderen Unkenntlichmachungen von uns.)

Auch rechte Krawallschreiber wie „Tichys Einblick“, die Zweifel an der Deutschheit der Verdächtigen hegten, begründeten dies mit Fotos, die sie bei „Bild“ gesehen hatten, auf denen sie „Südländer“ zu erkennen glaubten.

Das konnten sie allerdings nur, weil „Bild“ den Männern lediglich einen Augenbalken verpasst hatte, den Rest aber erkennbar ließ. Hätte die Redaktion die Verdächtigen — wie es auch die deutsche Rechtsprechung verlangt — komplett unkenntlich gemacht, wäre es womöglich gar nicht zu all dem Hass gekommen.

Aber eine Komplettverpixelung bekommen bei „Bild“ ja traditionell nur Verdächtige, die nicht „südländisch“ aussehen. Was wiederum die Frage aufwirft, ob „Bild“ den Hass nicht sogar absichtlich geschürt hat. Der Frage sollte man mal nachgehen. Ernst Elitz, übernehmen Sie!

Wobei … lassen Sie’s. Die Antwort können wir uns eh schon denken.

Razzia bei „Öko-Test“, Mit Rechten reden?, FaceApp in der Kritik

1. „Arglistig getäuscht“
(sueddeutsche.de, Christoph Giesen & Klaus Ott)
Verantwortliche des zur Medien-Holding der SPD gehörenden Verbraucher­magazins „Öko-Test“ stehen unter dem Verdacht, im Zusammenhang mit einer Expansion nach China Firmengelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Die Verdachtsmomente wiegen so schwer, dass bei einer Razzia mehr als 40 Beamte zum Einsatz kamen. Die „Süddeutsche Zeitung“ erzählt die ganze Geschichte, die sich streckenweise wie ein Medienkrimi liest.

2. Digitaler Helpdesk für Medienschaffende
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen startet einen digitalen Helpdesk mit Informationen zu Themen wie Verschlüsselung, Anonymisierung und Account-Sicherheit sowie dem professionellen Umgang mit Hassrede und Falschnachrichten. Ein Angebot, dass der ROG-Geschäftsführer für unbedingt erforderlich hält: „Digitale Gefahren gehen in der journalistischen Arbeit längst einher mit physischen Bedrohungen. Dennoch wissen viele Journalistinnen und Journalisten nicht genug, um sich selbst und ihre Quellen zu schützen“.

3. Frauen auf dem Schirm
(tagesanzeiger.ch, Walter Niederberger)
In den USA gibt es bei den großen TV-Sendern ABC, NBC und MSNBC mehr Frauen in Spitzenpositionen. Das liege daran, dass weibliche TV-Hosts bei den Zuschauerinnen und Zuschauern besser ankämen, es ist aber auch darauf zurückzuführen, dass etliche prominente Fernsehmänner in den vergangenen Jahren wegen sexueller Übergriffe ihre Plätze räumen mussten.

4. Ein Spiel als Impfung gegen Fake News
(heise.de, Sascha Mattke)
Forscher der University of Cambridge haben ein Onlinespiel entwickelt, bei dem man in die Rolle eines Fake-News-Verbreiters schlüpfen und mit allerlei schmutzigen Tricks darauf hinarbeiten muss, möglichst viele Follower zu generieren. Anschließend seien die Probanden besser in der Lage gewesen, Falschnachrichten zu erkennen, es ist gar von einem Immunisierungseffekt die Rede.

5. Warum reden Sie mit Rechten, Herr Augstein?
(belltower.news, Fabian Schroers)
Es ist eine hierzulande oft diskutierte Frage: Darf oder soll man mit Rechten reden? Jakob Augstein hat dies im Mai getan, als er sich mit Karlheinz Weißmann, einem der Vordenker der Neuen Rechten, auf Schloss Ettersburg bei Weimar traf. Augstein hat dies vor ein paar Tagen im „Tagesspiegel“ erklärt und begründet. Erklärungen, denen Fabian Schroers wenig bis nichts abgewinnen kann: „So hat das Gespräch auf Schloss Ettersburg herzlich wenig gebracht, außer der „neurechten“ Publizistik Gelegenheit zu geben, vollmundig über „demokratischen Dialog“ zu schwadronieren und sich in einem hübschen Schloss wichtig zu fühlen. Sowohl „neurechtes“ Personal als auch dessen Positionen sind weiter legitimiert und normalisiert worden“.

6. Tausche lustiges Foto gegen meine Daten
(spiegel.de, Caspar von Allwörden)
Mit der Bildmanipulationssoftware FaceApp kann man sich in ein jüngeres oder älteres Ich verwandeln lassen. Weil dies erstaunliche Effekte hervorbringt, geistern die derart gepimpten Bilder gerade quer durch die sozialen Medien. Nun gibt es Kritik am unzureichenden Datenschutz und an dem Umstand, dass die App aus Russland stamme. Ein führender Demokrat im US-Senat sieht in der App gar „ein Risiko für die nationale Sicherheit und die Privatsphäre von Millionen US-Bürgern“. Die Daten könnten einer „gegnerischen Macht“ in die Hände fallen. In Anbetracht des Umstandes, dass es unzählige datensammelwütige Apps gibt und dass die us-amerikanischstämmigen sozialen Netzwerke wohl zu den weltweit größten Datenhortern zählen, eine erstaunliche Sichtweise.

Wahlkampf für von der Leyen: Vom „Desaster“ zu „JA, JA, JA, URSULA!“

Die Empörung war dermaßen groß bei „Bild“, dass sie sich direkt an die Kanzlerin wandten:

BILD-Titelseite: Kanzlerin, so können Sie mit Wählerstimmen NICHT umgehen!

Die Nominierung Ursula von der Leyens zur „Königin Europas“ (F. J. Wagner) sei ein „Desaster“, schrieb „Bild“. Und Ralf Schuler, Leiter der Parlamentsredaktion von „Bild“, schnaubte: „GetEUscht“ schreibt man jetzt mit EU!

Ausriss BILD: GetEUscht! - Wie die EU den Wählerwillen missachtet

„Ihr Sieg für Deutschland ist eine Niederlage für Europa!“, schrieb Schuler:

Wenn das EU-Parlament dieses Klüngel-Karussell akzeptiert, kann es als Volksvertretung dichtmachen.

„Das geht so nicht“, kommentierte auch der stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Nikolaus Blome: „Wenn das Europa-Parlament einen Funken Stolz hat, sagt es Nein. Aus Prinzip. Aus Selbstachtung.“

Die Nominierung von der Leyens werde sich „so oder so rächen“, legte er im Wochenblatt „Bild Politik“ nach:

Screenshot BILD.de: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll EU-Chefin werden - Warum sich dieser Deal am Ende rächen wird - Eine Analyse aus dem neuen Politik-Magazin BILD Politik

Wer zu Ende denke, was da in Brüssel passiert sei — „der muss es sogar mit der nackten Wut kriegen. Ursula von der Leyens Nominierung durch die 28 Staats- und Regierungschefs annulliert de facto die Europa-Wahl. Die Folgen sind noch gar nicht absehbar.“

Fazit: Die Nominierung von der Leyens bringt in Brüssel wie in Berlin mehr Schaden als Nutzen. Sie verschiebt die Gewichte in der Europäischen Union zurück in die Vergangenheit und ist ein Schlag ins Gesicht von Millionen Europa-Wähler.

Daneben lud „Bild“ verschiedene Politiker ein, die nochmal ihrerseits gegen die Entscheidung wetterten: Edmund Stoiber schrieb einen Gastbeitrag

Screenshot BILD.de: Edmund Stoiber zu dem Macht-Poker in Brüssel - Unfreundlicher Akt von Macron

… Sigmar Gabriel („sauer“) machte Vorwürfe

Screenshot BILD.de: Ex-Parteichef sauer über den von der Leyen-Deal - Gabriel wirft Merkel "schweren Vertrauensbruch" vor

… und Martin Schulz („fassungslos“) rechnete ab:

Screenshot BILD.de: Martin Schulz (SPD) nach EU-Gipfel-Deal fassungslos - Abrechnung mit Merkel, Macron und von der Leyen - Im BILD-Interview erklärt der Ex-SPD-Chef, warum Europas Demokratie beschädigt ist

In diesem Ton ging es auch weiter. „Bild“ fragte:

Ausriss BILD: Wie gefährlich wird Merkels Posten-Trickserei für Deutschland?

Und:

Screenshot BILD.de: Deutschland winkt erstmals der EU-Chef-Posten - Was haben WIR eigentlich davon?

Antwort eines Experten: Für Deutschland sei das „ein schlechtes Geschäft“.

„Es wäre besser gewesen, den Posten des EZB-Präsidenten als den des EU-Kommissionschefs zu bekommen.“

Und weiter ging die Kritik:

Screenshot BILD.de: Kritik an von der Leyens Blitzkür am 16. Juli - "Diese Wahl muss verschoben werden" - EBD-Chefin Linn Selle: Von der Leyen muss sich zuerst positionieren und Debatten stellen, sonst fühlen sich die Wähler betrogen

Screenshot BILD.de: BILD-Interview - Weber rechnet mit Macron und Orban ab - "Ich bin sehr enttäuscht" - "Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen"

Screenshot BILD.de: He was supposed to follow Juncker - Were you cheated of your victory, Mr. Weber?

Ausriss BILD: Der ehemalige EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber über den EU-Postenpoker - "Mächtige Kräfte wollten das Wahlergebnis nicht akzeptieren"

Screenshot BILD.de: Umfrage zu Ursula von der Leyen - Mehrheit traut ihr das neue EU-Amt nicht zu

Screenshot BILD.de: Wähler in BILD nach dem Brüssel-Poker - "Wir fühlen uns ausgetrickst!" - Viele Wähler sind stinksauer über das Polit-Geschacher an der EU-Spitze. In BILD machen sie ihrem Ärger Luft

Doch plötzlich — am Wochenende nach der Nominierung, gut zehn Tage vor der Wahl — schwang die Stimmung mit einem Mal um. In der Samstagsausgabe brachte „Bild“ weder empörte Politikerinterviews noch wütende Wählerstimmen. Auch sonst gab es keinerlei Kritik mehr am „Postenpoker“-„Desaster“. Stattdessen:

Ausriss BILD: Von der Leyen hat schon ein Büro in Brüssel

Von der Leyen sei „gestern den ganzen Tag im Verteidigungsministerium in Berlin“ unterwegs gewesen, schrieb „Bild“, schließlich sei es „wichtig“ für sie, „bei den Abgeordneten selbst, aber auch bei nationalen Parteichefs zu werben“. Dazu ein Foto wie aus von der Leyens PR-Abteilung (sie, lächelnd, mit Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz, im Vordergrund die Europa-Flagge) und ein Tweet von von der Leyen, in dem sie gut gelaunt ihren neuen Schreibtisch zeigt.

Der endgültige Umschwung kam dann am nächsten Tag in „Bild am Sonntag“. Schon der Aufmacher auf der Titelseite: ein niedliches Kinderfoto.

Titelseite BILD am Sonntag: KANN SIE EU? - Das Foto links zeigt Ursula von der Leyen mit 8 in Brüssel. Dort wurde sie geboren, dort kann sie zur Chefin Europas werden. Warum, was Freunde und Feinde sagen - Seiten 4 bis 7

Auch im Innenteil klang plötzlich alles viel versöhnlicher, positiver — statt Enttäuschung nun: freudige Erwartung.

Interessant zum Beispiel die Überschriftenwahl auf der linken Seite: Dass sich die Mehrheit der Befragten „durch Postengeschacher getäuscht“ fühlt, was „Bild“ in den Tagen zuvor immer groß verkündet hatte, landete jetzt nur klein in der Unterzeile. Stattdessen die große Schlagzeile, dass sich 71 Prozent eine EU-Chefin aus Deutschland wünschen würden. Auch auf der rechten Seite: Statt konkreter, plakativer Kritikpunkte in der Überschrift die fast schon vorwurfsvolle Frage, was die SPD denn auszusetzen habe.

Auf der nächsten Doppelseite dann sogar eine Art Homestory:

Von der Leyen mit ihren Kindern im Schwimmbad, mit ihren Eltern beim Musizieren, als Studentin im feschen Röckchen, mit ihrem Pferd, bei ihrer Hochzeit.

„Sie spricht fließend Französisch und Englisch“, schwärmt die „BamS“-Autorin, „überhaupt neigt sie zum Perfektionismus (außer beim Kochen, da beschränkt sie sich auf einfache wie schnelle Nudeln).“ Hach. Eben auch nur ein Mensch, die Ursula. Aber was für einer!

Sie hat ihre große Familie und die steile Karriere mit eiserner Disziplin vereinbart. Von der Leyen isst kaum Fleisch, trägt Kleidergröße 34, trinkt nie Alkohol. (…) Wenn der Schlager „Komm, hol das Lasso raus. Wir spielen Cowboy und Indianer“ gespielt wird, singt sie textsicher mit.

„Auch wenn sie in der Öffentlichkeit nicht so rüberkommt, ist Ursula eine sensible, einfühlsame Frau“, zitiert das Blatt eine Freundin. „Ursula hat den Mut und die Stärke, mächtigen Egos klare Ansagen zu machen. Sie ist eine sehr gradlinige Frau“. Und so dürfte nach der Lektüre ziemlich klar feststehen: JA, SIE KANN EU!

Und in diesem Ton ging es dann auch weiter:

Screenshot BILD.de: Kommentar - Die Stunde der Frauen

Screenshot BILD.de: Ursula von der Leyen im Porträt - Warum sie keinen Tropfen Alkohol trinkt - Wird die in Brüssel geborene Ministerin am 16. Juli zur EU-Chefin gewählt?

Screenshot BILD.de: Ursula von der Leyen 2008 bei "Wetten, dass..?" - Warum sie für Gottschalk in eine Mülltonne kletterte - Legendärer TV-Auftritt der Frau, die bald EU-Chefin werden könnte

Screenshot BILD.de: Obwohl die SPD dagegen ist - Ex-Kanzler Schröder ist für von der Leyen als EU-Chefin

Und gestern, am Tag der Wahl, schließlich:

Ausriss BILD: "Darum sollte Europa heute Ursula wählen" - In BILD schreibt Ursula von der Leyens Freundin, Schauspielerin Maria Furtwängler

Nachdem sie dann tatsächlich gewählt worden war, gab es für die „Bild“-Medien kein Halten mehr:

Screenshot BILD.de: JA, JA, JA, URSULA! - Am 1. November tritt die Ex-Verteidigungsministerin ihren neuen Posten an

Ausriss BILD: Ursula von der Leyen - Europa steht ihr gut

Titelseite BILD: Wunderbar, Ursula! Von der Leyen mit 9 Stimmen Mehrheit zur EU-Chefin gewählt

„Sie passt zu Europa und Europa passt zu ihr“, jubelt „Bild“-Chef Julian Reichelt:

Niemand ist geeigneter für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin als von der Leyen.

Selbst Ralf Schuler, der sich ein paar Tage zuvor noch so „getEUscht“ gefühlt hatte, ist plötzlich total aus dem HEUschen:

Tweet von Ralf Schuler: Ja! Ja! Ja! Ursula!

Und warum der plötzliche Sinneswandel? Warum nach der anfänglichen Empörung auf einmal Wahlkampf und schließlich großer Ursula-Jubel? Darüber können wir nur spekulieren. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass zum PR-Team von Ursula von der Leyen seit Kurzem auch niemand Geringeres gehören soll als Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann? Wer weiß. Vielleicht war es auch einfach ein kleines, verspätetes Dankeschön von Julian Reichelt. Der alten Zeiten wegen:

Tweet von Julian Reichelt. Darauf ein Screenshot von BILD.de: "Top Gun-Ministerin URSULA - Einsatz-Befehl im Morgengrauen" - In Jeansjacke schickte von der Leyen die Bundeswehr um 6.55 Uhr Richtung Irak". Reichelts Tweet dazu: "Mein Lieblings-Aufmacher des Tages heute auf @BILD Ursula von der Leyen schickt #bundeswehr in den #Irak

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BILDblog-Klassiker

Sehen alle gleich aus (4)

Sehen alle gleich aus

Was liest man nicht so alles über die Promis dieser Welt: So ist seit vergangener Woche auf rtl.de zu lesen, dass die bekannte amerikanische Schauspielerin Lucy Liu in der Talkshow „The View“ über ihre Fehlgeburt gesprochen habe.

Lucy Liu: "Ich hatte eine Fehlgeburt"

Tatsächlich handelte es sich aber nicht um Lucy Liu, sondern um die Journalistin Lisa Ling, die früher selbst Co-Moderatorin von „The View“ war. Die erwähnte Folge der Talkshow wurde am vergangenen Dienstag (7. Dezember) aufgezeichnet am Freitag (10. Dezember) ausgestrahlt.

Lucy Liu war also weder schwanger, noch hatte sie eine Fehlgeburt erlitten. Auch der ihr von rtl.de zugedachte Ehemann Paul Song ist in Wahrheit der Gemahl von Lisa Ling, Lucy Liu selbst ist nicht einmal verheiratet. rtl.de verweist auf die Webseite „Secret Society of Women“, die Lucy Liu aufgrund ihrer Erfahrungen durch die Fehlgeburt mitbegründet haben soll, bemerkt jedoch nicht, dass auf dieser Seite nur von Lisa Ling die Rede ist. Immerhin das Alter stimmt — also das von Lucy Liu natürlich.

rtl.de ist das erste Medium im deutschsprachigen Raum (bzw. überhaupt), das die falsche Nachricht verbreitete, aber nicht das Einzige: Am 9. Dezember stiegen bunte.de und promiflash.de ein, am 10. Dezember schrieb auch blick.ch von Lucy Lius angeblicher Fehlgeburt. bunte.de machte aus der TV-Talkshow „The View“ gleich „The Viewer“.

Dabei wäre die Fehlgeburt Lisa Lings hierzulande höchstwahrscheinlich keine Nachricht wert gewesen, da Ling im Gegensatz zu Lucy Liu in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Verwechselt werden die beiden aber auch in den USA: In einer Ausgabe von „The View“ erklärte Co-Moderatorin Star Jones deshalb den Unterschied zwischen beiden.

Mit Dank an Marlene H.

Nachtrag, 18.40 Uhr: rtl.de hat die Meldung ersatzlos gelöscht. Auf den anderen Seiten ist sie noch zu finden.

Nachtrag, 21. Dezember: promiflash.de hat seine Meldung auf Lisa Ling umgeschrieben.

Kummerreportagen, Mördergage, Talkshowzirkus

1. Tom Kummers unlautere Textcollagen
(nzz.ch, Boas Ruh)
Der Schweizer Journalist Tom Kummer wurde lange Zeit für seine exklusiven Interviews mit illustren Promis gefeiert. Umso größer war das Entsetzen, als sich im Jahr 2000 herausstellte, dass Kummer viele seiner Interviews frei zusammenfantasiert oder aus vorhandenem Material zusammengebaut hatte. Das mediale Beben war erheblich: Die verantwortlichen Chefredakteure des SZ-Magazins wurden gefeuert. Kummer selbst verklärte seinen Betrug gerne zur Kunstform. 2005 verpatzte Kummer seine zweite Chance mit einer weiteren Täuschung, wie der „Spiegel“ schrieb. Nun fand Kummer für seine Texte erneut Abnehmer. Medien wie „reportagen“ oder die „Weltwoche“ haben anscheinend ungeprüft Reportagen des notorischen Wiederholungstäters veröffentlicht. Die „NZZ“ hat die Kummer-Reportagen untersucht und festgestellt, dass sie zwar nicht komplett zusammenfantasiert, aber eine Melange aus abgekupferten Texten anderer Autoren sind.

2. Das Gegenteil von Lügenpresse
(derstandard.at, Noura Maan, Fabian Schmid)
Die rechte Pegida-Bewegung bedient sich besonders gerne der sozialen Netzwerke, um ihre Inhalte zu vermitteln und neue Anhänger zu requirieren. Noura Maan und Fabian Schmid haben das Social-Media-Verhalten der Bewegung untersucht und sich unter anderem angeschaut, welche Links von Pegida auf Facebook geteilt werden. Eine spannende Analyse, die möglich wurde durch eine Kooperation mit Wissenschaftlern des Alexander-von-Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin im Rahmen eines von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts zu „Wissenschaft und Datenjournalismus“.

3. Krankenpfleger Niels H.: TV-Produktionsfirma zahlte Serienmörder 5000 Euro Honorar
(spiegel.de)
Der Krankenpfleger Niels H. hat Patienten mit Medikamenten in einen lebensbedrohlichen Zustand gebracht, um sie danach zu reanimieren und sich selbst als Retter zu gerieren. Für ein im WDR ausgestrahltes Interview soll der mittlerweile wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilte Mann einen Betrag von 5.000 Euro erhalten haben. Der WDR hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Sendung für die weitere Ausstrahlung gesperrt.

4. „Nicht in Ordnung, nur weil man es immer macht“
(lto.de, Constantin Baron van Lijnden)
Die „Sächsische Zeitung“ hat angekündigt, in Zukunft stets die Nationalität von Straftätern nennen zu wollen – auch, wenn es Deutsche sind. Dies kollidiert jedoch wahrscheinlich mit Richtlinie 12.1 des Pressekodex. Danach ist eine derartige Nennung nur zulässig, wenn ein begründbarer Sachbezug zu der Meldung besteht. Die „Legal Tribune Online“ hat den Presserats-Geschäftsführer im Interview gefragt, ob der Presserat bald reihenweise Artikel der Sächsischen Zeitung beanstanden wird.

5. nr-Jahreskonferenz 2016
(netzwerkrecherche.org)
Der Verein „Netzwerk Recherche“ ist ein Journalistenzusammenschluss, der nach eigenen Angaben für die Interessen jener Kollegen eintritt, die oft gegen Widerstände in Verlagen und Sendern intensive Recherche durchsetzen wollen. Am Wochenende hat man sich zur Tagung getroffen. Ein Team angehender Journalisten hat das Geschehen in einem ausführlichen Live-Blogbeitrag dokumentiert und zahlreiche Abstracts, Videobeiträge und Tweets der Veranstaltung zusammengestellt.

6. Lasst sie reden
(taz.de,Philipp Daum)
Steffen Bothe hat ein etwas anderes Hobby. In den letzten 20 Jahren hat er nach eigener Schätzung etwa 800 Talkshows besucht. „taz“-Autor Philipp Daum hat sich mit dem TV-Dauergast zum Fernseh-Marathon getroffen: Vier Talkshows in drei Tagen, zusammen wurden es 13,5 Stunden in Fernsehstudios.