Antwort auf Rundumschlag, Corona-Fake-News im Briefkasten, Clubhouse

1. Wenn Schwarz-Sein zum Makel wird
(volksverpetzer.de, Jasmina Kuhnke)
Vergangene Woche holte Fatina Keilani im “Tagesspiegel” zum Rundumschlag aus: Aus der Mission “Rassismus bekämpfen” hätten einige Personen ein Geschäftsmodell gemacht, “sei es als Buchautorin, Ex-Journalist und Buchautor, Talkshow-Dauergast oder twitternde Vierfachmutter”. Nun melden sich die dort Angesprochenen zu Wort. Die als “twitternde Vierfachmutter” umschriebene Jasmina Kuhnke schreibt in ihrer Antwort: “Die Autorin beweist jedoch ein großes Verständnis für Humor, indem sie Aktivist*innen wie mir vorwirft, vom Kampf gegen Rassismus zu profitieren. Immerhin war keiner ihrer Beiträge bisher auch nur ähnlich erfolgreich, wie der, den sie über uns und unseren Aktivismus schrieb.” Der als “Ex-Journalist und Buchautor” umschriebene Hasnain Kazim antwortet beim “Tagesspiegel”: “Bisher kannte ich den Vorwurf, mein ganzes berufliches Treiben sei nichts als ein Jammern über einen erfundenen, eingebildeten Rassismus, nur aus der rechten Ecke.” Der vermutlich mit der Bezeichnung “Talkshow-Dauergast” gemeinte Stephan Anpalagan hat sich auf Facebook den nötigen Raum für seine Antwort genommen. Sein etwas sarkastisches Resümee: “Der Tagesspiegel verdient sein Geld unter anderem mit Webseitenwerbung, die umso höher ausfällt, je häufiger ein Artikel geklickt wird. Man könnte fast meinen, Rassismus sei ein lohnendes Geschäftsmodell.”

2. Der Trump-Twitter-Komplex: Unbeantwortbare Fragen und einfache Mechanismen
(medienkorrespondenz.de, Christian Bartels)
In Zusammenhang mit dem “Trump-Twitter-Komplex” fragt Christian Bartels: “Sollten Anbieter sogenannter sozialer Medien, bei denen es sich ja um von Profit-Interessen getriebene Konzerne handelt, Vertreter demokratisch gewählter Regierungen einschränken oder sogar stummschalten können? Sollten demokratisch gewählte Regierungen sozialen Medien Regeln geben, die die Meinungsfreiheit und ihre Grenzen klar umreißen, obwohl ja gerade Trump gut verkörpert, dass demokratisch gewählte Regierungen auch nicht immer gut und richtig handeln?” Historische Beispiele gebe es keine. Man könne trotzdem einige Erkenntnisse und Lösungsansätze ableiten.

3. Abseits digitaler Kontrolle: Corona-Fake-News im Briefkasten
(br.de, Julia Ley)
Verschwörungserzählungen werden meist über die Sozialen Medien verbreitet. Kritiker der Corona-Maßnahmen brächten ihre Desinformationen jedoch zunehmend über analoge Medien wie Flyer, Broschüren und Briefe unter die Leute. Julia Ley ist der Frage nachgegangen, warum in diesem Bereich so häufig auf den Desinformations-Übermittler Papier gesetzt wird.

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4. Deutschlandradio kündigt Tarifvertrag
(mmm.verdi.de)
Eigentlich hat das Deutschlandradio einen Tarifvertrag unterzeichnet, doch der wurde nun mittels Sonderkündigungsrecht aufgekündigt. Der vom Sender angegebene Grund: Wegen der Blockade Sachsen-Anhalts bei der Erhöhung des Rundfunkbeitrags würden die nötigen Einnahmen für den laufenden Haushalt fehlen.

5. “Es setzt Gewöhnung ein”
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm hat sich mit der ZDF-Moderatorin Petra Gerster über das Thema Gendern unterhalten. Gerster habe sich schon lange mit dem Thema Gleichberechtigung beschäftigt: “Ich bin Feministin seit meinem 14. Lebensjahr und hatte immer die naive Vorstellung, Geschichte verlaufe linear, in Richtung Fortschritt. Den gibt es zweifellos. Heute müssen Frauen nicht mehr, wie in den 70ern, ihren Ehemann fragen, ob sie arbeiten dürfen. Aber im Bundestag sitzen heute weniger Frauen als vor 20 Jahren. Das ist ernüchternd. Wie die Tatsache, dass in unseren Nachrichtenfilmen immer noch viel zu wenige Frauen auftreten.”

6. Was ist Clubhouse und wenn ja, warum?
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Medienexperte Thomas Knüwer ist im Clubhouse-Rausch. Über das Soziale Audio-Netzwerk können sich iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer zu Livegesprächen zusammenfinden. Knüwer kann der Kommunikations-App viel Positives abgewinnen, endgültig festlegen möchte er sich trotz aller Begeisterung jedoch nicht: “Ist Clubhouse also dauerhaft heißer Scheiß? Wer behauptet, das jetzt schon beurteilen zu können, lügt – oder hat ein Selbstbewusstsein von Trump’schem Ausmaß.”
Weiterer Lesehinweis: Hype-App Clubhouse erstellt Schattenprofile: “Die Social-Media-App Clubhouse setzt auf virales Marketing per Einladung – das klappt nur mit einem schwierigen Verständnis von Datenschutz.” (golem.de, Sebastian Grüner/dpa)

Clubhouse-Hype, Todesanzeigen, Reportageformat “Strg_F”

1. Social-Hype Clubhouse: Die fünf großen Probleme der App
(linkedin.com, Martin Hoffmann)
Ist der Hype um die Soziale Audio-Plattform Clubhouse der Anfang einer neuen Social-Media-Erfolgsgeschichte? Martin Hoffmann ist skeptisch. Seine Kritik: Die Plattform tue zu wenig gegen Hate Speech und sei nicht “divers” und “catchy” genug. Clubhouse sei ein vorübergehendes Phänomen und werde den Sprung in die breite Masse nicht schaffen.
Weiterer Lesehinweis: Dirk von Gehlen erklärt, warum Clubhouse Einladungs-Marketing mittels “Invites” betreibt: “Wegen der Begrenzungs-Mechanik. Sie ist das perfekte Beispiel dafür wie Aufmerksamkeit als zentrale Währung im digitalen Ökosystem verteilt wird. Ob Clubhouse dabei tatsächlich auch ein interessantes Produkt ist? Das kann zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich niemand so richtig beurteilen. Sehr sicher kann man aber lernen, wie man einen Hype anzettelt: Wenn du viel erreichen willst, musst du den Eindruck erwecken, es gebe einen Lieferengpass.”

2. Sieben Ideen, sie zu zähmen
(spiegel.de, Patrick Beuth & Max Hoppenstedt & Marcel Rosenbach)
Die Regulierung Sozialer Netzwerke ist eine oft gehörte Forderung, doch wer soll in der Praxis die Kontrolle übernehmen? Die Politik? Die Polizei? Die Community? Der “Spiegel” liefert sieben mögliche Strategien gegen Online-Extremismus, die wiederum wertvolle Ansätze zum Weiterdenken und Diskutieren liefern.

3. Nah dran
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Das Reportageformat “Strg_F” gehört zur Familie von Funk, dem Jugendangebot von ARD und ZDF. Jeden Dienstag gibt es bei Youtube eine neue Reportage, die Aufrufzahlen liegen in der Regel im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Aurelie von Blazekovic hat sich mit Projektleiter Dietmar Schiffermüller im Hamburger Redaktionsbüro beim NDR getroffen und ihn unter anderem zu seinem Umgang mit Empörungswellen befragt.

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4. Seitenweise Totengedenken
(taz.de, Anne Fromm)
Sind die überdurchschnittlich vielen veröffentlichten Todesanzeigen in Tageszeitungen auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, wie sich als erste Vermutung aufdrängen könnte? Anne Fromm hat bei der “Freien Presse” in Chemnitz nachgefragt. Dort bestätigte man eine Häufung derartiger Anzeigen. Ein Zusammenhang mit Corona sei jedoch nicht beweisbar, da der Zeitung die Sterbeursache in den meisten Fällen nicht bekannt sei.

5. Facebook blockiert Veranstaltungen im Umkreis des Kapitols
(faz.net)
Am 20. Januar findet die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden statt. Seit Tagen gleicht Washington einem Militärstützpunkt samt Straßensperren und Kontrollpunkten. Rund 15.000 Nationalgardisten würden das Kapitol sichern. In Vorbereitung auf die Inauguration habe Facebook Veranstaltungen im Umkreis des Gebäudes blockiert.

6. Ich war ein Star – macht endlich Schluss!
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Kurt Sagatz hat sich die Dschungel-Ersatz-Show bei RTL angeschaut und stellt als Resümee die Frage: “Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, das Format sanft entschlafen zu lassen?” Weiterer Lesehinweis: Bei “DWDL” kommentiert Manuel Weis: Ich bin ein Star, gebt mir ein Konzept!

CDU-Parteitag, Blick in die Glaskugel, Unwort “Kampfkandidatur”

1. Wie über eine Wahl berichten, die auf dem Sofa entschieden wird?
(uebermedien.de, Anne Haeming)
Heute und morgen treffen sich 1.001 Delegierte zum 33. Parteitag der CDU. Der Termin wird mit großer Spannung erwartet, denn dort soll entschieden werden, wer neuer Parteichef wird: Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet. Die Berichterstattung über das wichtige Ereignis ist nicht einfach, denn es handelt sich um eine digitale Veranstaltung. Anne Haeming hat sich mit verschiedenen Medienvertreter:innen über die schwierige Versuchsanordnung unterhalten.

2. Darum ist “Kampfkandidatur” der falsche Begriff
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 1:50 Minuten)
Und noch einmal zum CDU-Parteitag: Es sollte eigentlich der Idealfall sein, dass bei einer Wahl mehrere Kandidatinnen oder Kandidaten antreten. Trotzdem ist bei Wahlen oft von einer “Kampfkandidatur” die Rede. Medien sollten diesen Begriff nicht verwenden, findet Stefan Fries beim Deutschlandfunk-“Sprachcheck”: “Sie problematisieren also, dass es jemand wagt, gegen einen als gesetzt geltenden Kandidaten anzutreten. Und bemänteln damit das eigentlich größere Problem, dass Parteigremien manchmal eine echte Wahl verhindern, indem sie nur einen Kandidaten aufstellen. Eine Wahl haben die Wähler dann nämlich nicht.”

3. Datenboulevardjournalismus der taz zu Corona
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Datennjournalist Lorenz Matzat kritisiert eine “taz”-Grafik zu einer Corona-Mutation: “Das Boulevardeske an dieser Titelgrafik ist, dass sie – um Alarmismus zu betreiben – eine Datenentwicklung zeigt, ohne sie analytisch in einen Kontext zu stellen.”

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4. Thomas Knüwer rät Medienprofis: Sei ein Büffel!
(kress.de, Thomas Knüwer)
Medienexperte Thomas Knüwer hat seine Glaskugel herausgeholt und schaut in die Medienzukunft des Jahres 2021. Knüwer hat dabei sieben Entwicklungen im Blick: Zoom, Livestreaming, Social Commerce, Twitch, Instant Messaging, Peloton und Podcasts.

5. Shoot the Messenger
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
WhatsApp zwingt seinen Nutzern und Nutzerinnen neue Geschäftsbedingungen auf, die in vielerlei Hinsicht bedenklich sind. Ingo Dachwitz kommentiert: “Nach all den Skandalen und all den Versprechen, es in Zukunft besser machen zu wollen, versucht Facebook wieder, uns an der Nase herumzuführen. Statt klarer Kommunikation und echter Transparenz über die Datennutzung setzt uns der Marktführer unverständliches Kauderwelsch und widersprüchliche Angaben vor. Der Konzern geht davon aus, dass die Nutzer:innen die Bedingungen schon schlucken werden, auch ohne sie zu verstehen.” Wer den Artikel liest, dürfte nicht umhinkommen, eine der dort genannten Alternativen zu installieren.

6. Happy Birthday, Reparierer
(taz.de, Steffen Grimberg)
Das medienkritische Online-Magazin “Übermedien” feiert sein fünfjähriges Bestehen – und von überall kommen Glückwünsche (hiermit natürlich auch von uns). Steffen Grimberg, Medienredakteur der “taz”, schließt sich den Glückwünschen an: “Mensch, ihr seid schon fünf. Wehe, ihr werdet neunmalklug und ernst, wenn ihr nächstes Jahr in die Schule kommt. In diesem Sinne: Reingehauen!”

Semsrotts Parteiaustritt, Parlers folgenreiches Datenleck, Mausiläum

1. Semsrott verlässt Die Partei nach Rassismusvorwürfen gegen Sonneborn
(zeit.de)
Der Europaabgeordnete und Satiriker Nico Semsrott hat seinen Austritt aus der Partei Die Partei verkündet. Konkreter Anlass ist ein Zwist mit seinem nun ehemaligen Parteikollegen Martin Sonneborn über einen Tweet, der von vielen als rassistisch wahrgenommen wurde, und Sonneborns Umgang mit Kritik. Bei der Einordnung hilft auch der Beitrag Wenn Sonneborn nicht bald aufhört, wird er zum peinlichen Onkel auf der Familienfeier (vice.de, Robert Hofmann). Sonneborn hat mittlerweile mit einem Statement reagiert, in dem er seine Sicht darlegt und sich für die Folgen des Tweets entschuldigt.

2. Die unsichtbaren Helfer der Kriegsreporter
(ndr.de, Manuel Daubenberger & Florian Guckelsberger, Video: 16:58 Minuten)
Auslandsberichterstattung aus Krisenregionen ist ohne die Unterstützung der sogenannten Fixer nicht denkbar. Sie leiten Journalistinnen und Journalisten sicher durch die Region, stellen Kontakte her und dienen häufig als Fahrer und Übersetzer. Dabei setzen sie oft ihr eigenes Leben aufs Spiel. “Zapp” macht einen der unsichtbaren Helfer sichtbar, den 30-jährigen Simultanübersetzer Norayr Iskandaryan.

3. GPS-Daten zeigen, wie Trump-Anhänger ins Kapitol vordrangen
(spiegel.de, Matthias Kremp)
Beim in rechten Kreisen beliebten Alternativ-Netzwerk Parler gab es ein Datenleck. Nachdem Apple, Google und Amazon der Plattform die technische Unterstützung entzogen hatten, konnten Aktivisten die bei Parler gespeicherten Inhalte sichern. Rund 70 Terabyte an Daten sollen auf diese Weise zusammengekommen sein. Daten, die nun dabei helfen können, die Vorgänge um die Erstürmung des Kapitols aufzuklären.

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4. Auch Youtube sperrt Trump
(sueddeutsche.de)
In den vergangenen Tagen hatte Donald Trump bereits verschiedene seiner Social-Media-Kanäle verloren, nun deaktiviert Youtube Trumps Konto für zumindest eine Woche. Der US-Präsident kann somit erstmal keine neuen Videos hochladen. Außerdem seien wegen “Bedenken ob des anhaltenden Gewaltpotenzials” Inhalte auf Trumps Kanal entfernt worden.

5. Übersterblichkeit unter Celebrities
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio: 4:07 Minuten)
Es könnte eine Formel sein: Je prominenter ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er oder sie im Internet fälschlicherweise schon mal für tot erklärt wurde. In seiner Deutschlandfunk-Kolumne stellt Arno Orzessek einige der jüngsten Schein-Todesfälle aus den Sozialen Medien vor. Das Ganze sei jedoch beileibe kein neues Phänomen: Bereits 1964 habe die dpa gemeldet, KPdSU-Chef Nikita Chruschtschow sei aufgrund einer “akuten Hephocapalytirosises” gestorben, was sich als doppelt falsch herausstellte: Weder war Chruschtschow gestorben noch gab es die als Todesgrund genannte Krankheit.

6. Mausjubiläum
(faz.net, Oliver Jungen)
Man sieht es ihr nicht an, weil sie sich über die Jahre gut gehalten hat, aber die Maus wird fünfzig. Zum Mausjubiläum gratuliert Oliver Jungen: “Leibesfülle hin, das fröhlich aufgetragene Müllwagen-Orange her: So gut altern die wenigsten Medienmäuse. Denn tatsächlich handelt es sich nicht nur um eine der erfolgreichsten, sondern auch um eine der bildendsten Sendungen, die das deutsche Fernsehen je produziert hat.”

Trump-Deplatforming, RTL-Rauswurf der “Hitler-Transe”, Lobo wird 10

1. Warum Trumps Accountsperrungen richtig und hochproblematisch sind
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Donald Trump steht seit einigen Tagen ohne Twitter-Account und Facebook-Konto da. Die Plattformen haben ihn verbannt und ihn damit, zumindest auf Social Media, verstummen lassen. Dieses Deplatforming ist nicht unproblematisch. Kritiker und Kritikerinnen wenden ein, dass es sich um eigenmächtige Entscheidungen von wirtschaftlich befangenen Marktteilnehmern handele, die die Meinungsfreiheit einschränken. Außerdem löse es keine gesellschaftlichen Probleme, wie Markus Reuter anfügt: “Fraglich ist natürlich auch, ob ein Deplatforming ausreicht, um antidemokratische und menschenfeindliche Ideologien zu bekämpfen. Kein Rassist wird durch ein Deplatforming zum Demokraten. Vielleicht führt die Maßnahme sogar zu einer Radikalisierung der Betroffenen, weil Gegenrede auf den Nischenplattformen vollkommen wegfällt.”
Weitere Lesehinweise: Beim “Neuen Deutschland” ist Daniel Lücking ebenfalls skeptisch: “Wir mögen die Trump-Sperrung, müssen aber das Prozedere ablehnen”. Beim Deutschlandfunk weist Internetrechtler Matthias Kettemann auf die problematischen Aspekte derartiger Sperren hin (deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 8:36 Minuten).
Und weil es thematisch dazugehört: Twitter sperrt 70.000 weitere Konten der QAnon-Bewegung (zeit.de).

2. Re: Hass im Netz
(arte.tv. Kathrin Wildhagen, Video: 31:46 Minuten)
Hass im Netz ist kein abstraktes Phänomen, sondern hat ganz konkrete Auswirkungen für und auf die angegriffenen Personen. Was machen organisierte Shitstorms und Morddrohungen mit ihren Opfern? In der Arte-Dokumentation lernt man drei Menschen kennen, die regelmäßig Hass im Netz ausgesetzt sind: die Wiener Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremimus-Expertin Natascha Strobl, die Feministin Fatima Benomar aus Paris und den Hannoveraner Politiker Belit Onay, den ersten deutschen Oberbürgermeister mit türkischen Wurzeln.

3. RTL-Rauswurf der “Hitler-Transe”: Lügen von “BILD”, PR vom RBB
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Eigentlich war die Berliner Dragqueen Nina Queer für die Teilnahme am “Dschungelcamp” (RTL) vorgesehen, doch wenige Tage vor dem Start der Aufzeichnung erfolgte die Ausladung durch den Sender. Der verkürzte Grund: Queers Selbstbezeichnung als “Hitler-Transe”. In der Berichterstattung und der Bewertung des Falls ist einiges weggelassen worden und durcheinandergeraten. Johannes Kram hat sich Queers Original-Zitate angeschaut und mit dem verglichen, was daraus in den Medien wurde.

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4. Härte des Rechtsstaats
(uebermedien.de, Sina Aaron Moslehi)
Sina Aaron Moslehi verrät auf “Übermedien” sein Lieblings-Hasswort. Es ist die Phrase von der “Härte des Rechtsstaats”. Moslehi ergänzt seine Kritik an dem Begriff mit einer Beobachtung: “Bemerkenswert ist auch, dass besondere Strenge dem Menschen immer dann als angemessen erscheint, wenn andere in den Verdacht geraten, Straftaten begangen zu haben. Man selbst lässt sich ja nie etwas zu Schulden kommen. Und falls das ausnahmsweise mal geschehen sollte, so hat man Milde verdient. Man weiß ja selbst am besten, was für ein eigentlich guter Mensch man ist.”

5. Expansion in Berlin
(deutschlandfunk.de, Manfred Götzke, Audio: 6:04 Minuten)
Die “Neue Zürcher Zeitung” weitet ihr Deutschland-Engagement aus. Ex-Springer-Mann Jan-Eric Peters dirigiert als “NZZ”-Deutschland-Geschäftsführer mittlerweile zehn Journalistinnen und Journalisten in München, Frankfurt und vor allem in Berlin. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger verortet die “NZZ” im konservativ-liberal-bürgerlichen Lager. Die Kolumnen des Schweizer Chefredakteurs Eric Gujer würden im rechten Spektrum fischen und Begriffe wie “Gesinnungspolizei”, “Redeverbote”, “Tugendwächter” verwenden. “Das sind alles Signale dafür, dass man sich auch an ein Publikum richtet, dass sich AfD nah fühlt zum Beispiel”, so Krüger. “NZZ”-Deutschland-Chefredakteur Marc Felix Serrao weist eine AfD-Nähe von sich und seinem Blatt: Bei einer von der “NZZ” in Auftrag gegebenen Allensbach-Umfrage sei herausgekommen, dass man unterproportional AfD-Sympathisanten und überproportional Grünen-Sympathisanten in der Leserschaft habe.

6. Warum mich Sascha Lobo manchmal sehr traurig macht
(spiegel.de, Judith Horchert)
Seit zehn Jahren schreibt Sascha Lobo seine Kolumne bei “Spiegel Online” beziehungsweise beim “Spiegel”. Für Redakteurin Judith Horchert ein willkommener Anlass, ihre zehn Lieblings-Lobo-Kolumnen aus der zurückliegenden Dekade vorzustellen. Denn: “Erschreckend viele Texte von Sascha Lobo sind gut gealtert. Das liegt einerseits an Saschas Hellsichtigkeit und daran, dass er den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft gut verstanden hat und gut erklären kann.”

“Spiegel” auf Psychedelika, Lächeln im Lockdown, Twitters Trump-Sperre

1. Hochmut kommt vor der Rüge: “Spiegel” blamiert sich beim Presserat
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Häufig passieren die entscheidenden Fehler beim Umgang mit Fehlern. Der Presserat hat den “Spiegel” wegen eines “Selbsterfahrungsberichts” einer Psychedelika-Lobbyistin gerügt. Anstatt die Rüge hinzunehmen, den Fehler einzugestehen und womöglich Besserung zu geloben, beantragte das Nachrichtenmagazin die Wiederaufnahme des Verfahrens – und unterlag erneut. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier hat sich den unwürdigen Ablauf angeschaut, inklusive des unrühmlichen Endes. Dazu ergänzte Niggemeier auf Twitter: “Apropos ‘peinlich’: Die gedruckte Bild-Zeitung hat seit 1 ½ Jahren keine Rügen des Presserat für ihre Verstöße gegen den Pressekodex mehr veröffentlicht. Inzwischen steht rund ein Dutzend Rügen aus. Aber die Rügen für *andere* auf Seite 1 veröffentlichen. Bigott.”

2. Angstmache, Falschmeldungen und Gerüchte
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
ARD-“Faktenfinder” Patrick Gensing nimmt einen deutlichen Zuwachs an Desinformation zur Impfthematik wahr. Eine Impfgegner-Gruppe auf Facebook sei innerhalb von wenigen Wochen auf 75.000 Mitglieder angewachsen: “In den täglich Dutzenden Beiträgen in diesen privaten Gruppen finden sich Versatzstücke aus zahlreichen Falschmeldungen und Gerüchten, die seit Monaten verbreitet werden. Besonders groß ist die Angst, der Impfstoff könnte das Erbgut verändern. Dies ist allerdings ein Missverständnis: Die sogenannte mRNA gelangt lediglich in die Zelle und wird dort ‘abgelesen’. Danach wird sie abgebaut.”

3. Die Macht der Konzerne
(taz.de, Daniel Bouhs)
Wollen Sender oder Verlage ein Live-Video-Angebot im Netz starten, sind sie auf die Genehmigung der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, kurz KEK, angewiesen. Doch das Medienkonzentrationsrecht habe dringenden Reformbedarf, die KEK-Entscheidungen seien entsprechend anfällig für Anfechtungen. Eigentlich hätte es längst ein gesetzgeberisches Update geben sollen, doch zwei Bundesländer hätten das Projekt ausgebremst. Daniel Bouhs erklärt die verschiedenen Interessenlagen.

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4. Massenüberwachung des BND muss vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
(netzpolitik.org, Serafin Dinges)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Beschwerde gegen den Bundesnachrichtendienst (BND) eingereicht. Die Beschwerdeführer würfen dem BND vor, Korrespondenzen zwischen RSF-Mitarbeitenden und im Ausland ansässigen Journalistinnen und Journalisten überwacht zu haben. “Dass die Beschwerde von RSF nun vom Gerichtshof in Straßburg akzeptiert wurde, ist umso bemerkenswerter, da ähnliche Klagen in Deutschland bereits 2013 vom Bundesverwaltungsgericht und 2017 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen wurden.”

5. Twitter sperrt Trump, Facebooks Hardware-Ambitionen, Twitter kauft Breaker, Umbau von Facebook Pages
(socialmediawatchblog.de)
Das “Social Media Watchblog” arbeitet in einer frei lesbaren Ausgabe seines Briefings den Trump-Rauswurf durch Twitter auf. Die Entscheidung sei richtig, komme jedoch Jahre zu spät und offenbare die problematischen Kräfteverhältnisse im Internet. Wie immer sind die Informationen und Ableitungen gut strukturiert, eingeordnet und mit Quellen und Leseempfehlungen angereichert.

6. RTL will für mehr “Lächeln im Lockdown” sorgen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die gestrige Nachrichtensendung “RTL aktuell” fand ein überraschendes Ende: Für “mehr Lächeln im Lockdown” las das Moderationsduo Passagen aus einem Buch der Komikerin Gabi Köster vor. Ähnliche Aktionen seien laut RTL für alle Magazin- und Nachrichtenformate geplant.

Lockdown-Schulfernsehen, K(l)eine Anfragen, Duden passt an

1. ARD und ZDF erweitern Bildungsprogramm
(tagesschau.de)
ARD und ZDF erweitern während der Lockdown-Phase ihr Bildungsprogramm. In der ARD-Mediathek seien die nach Klassenstufen sortierten Angebote in der Rubrik “Zu Hause lernen” gebündelt. Außerdem werde es ab heute für drei Wochen Sonderprogrammierungen auf allen Kika-Plattformen geben. Beim Bildungskanal ARD-alpha gibt es werktags zwischen 9 und 12 Uhr Lernformate für alle Schularten und Fächergruppen. Auch die dritten Programme sind mit Angeboten für Schüler und Schülerinnen dabei.

2. “Wir müssen leider abbrechen”
(sueddeutsche.de, Georg Mascolo)
Der Sturm auf das Kapitol in Washington war von Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten begleitet. Dafür seien nicht nur Trump und einige Republikaner verantwortlich, sondern auch Teile der US-Medien: “Die USA sind auch im Bereich der Medien ein Land schwer zu erklärender Widersprüche. Aus dem Land kommt der beste und der schlechteste Journalismus der Welt – der Grund, stolz auf diesen Beruf zu sein, oder sich dafür zu schämen.”
Weiterer Lesehinweis: Im Interview mit der “taz” berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen, wie er und sein Team am Kapitol von Rechtsextremen angegriffen wurden: “Einer sagte ‘You are next'” (taz.de, Peter Weissenburger).

3. “Die Lösung zu all unseren Problemen könnte in PDFs schlummern, die niemand liest”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Über sogenannte Kleine Anfragen können Parlamentarierinnen und Parlamentarier Auskünfte von der Exekutive (Regierung/Verwaltung) verlangen. Die Kleinen Anfragen sind ein wichtiges Instrument der parlamentarischen Kontrolle, die Antworten darauf eine wichtige Informationsquelle für Politik und Öffentlichkeit. Da es keine zentrale Sammelstelle dafür gibt, hatte Maximilian Richt 2014 mit großem technischen Aufwand und viel Fleiß das Portal kleineanfragen.de ins Leben gerufen. Leider kann er das Projekt nicht fortführen. Im Gespräch mit netzpolitik.org spricht er mit einer Spur nachvollziehbarer Bitterkeit über die Gründe der Einstellung des Dienstes.

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4. Wir
(jetzt.de, Franziska Koohestani)
Der Duden passt seine Einträge für Personen- und Berufsgruppen an und verwendet dabei geschlechtersensible Sprache. Das bedeute jedoch nicht das Aus für das generische Maskulinum. Kathrin Kunkel-Razum, Chefredakteurin des Dudens: “Unser Hauptanliegen war es, zu präzisieren: Und dazu gehörte auch, die weibliche Form auszuarbeiten”.

5. “Wichtig, richtig, viel zu spät”
(zeit.de, Meike Laaf)
Jonas Kaiser beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage, wie rechte Bewegungen in den USA und in Deutschland über das Internet kommunizieren. Im Interview mit “Zeit Online” äußert er sich zu der Rolle der Sozialen Medien und der Radikalisierung im Netz. Kaiser empfiehlt unter anderem Youtube, von Empfehlungsalgorithmen für politische Inhalte abzusehen: “Der Effekt dieser Änderung wäre: Wer mehr von einer bestimmten Sorte Inhalt sehen will, kann sie weiter suchen und finden – so sie sich denn noch in einem legalen Rahmen bewegen. Aber sie müssen ja nicht gleich empfohlen werden. Damit beugt man dem Effekt der rabbit holes, in die man stürzt, vor.”

6. Wenn man in den Deutschaufsatz rhetorische Figuren einbauen soll
(twitter.com, Alex Grantl, Video: 32 Sekunden)
Die Journalistin Hanni Hüsch ist – nomen est omen – eine ausgelassene Anhängerin von Alliterationen. Ihr Kollege Alex Grantl hat einige der hübschesten Hüschismen zu einem Video verarbeitet, das gleichzeitig eine Bewerbung für die ständigen Stabreim-Stakkatos von “Bauer sucht Frau” sein könnte.

Zu spät beim Kapitol-Sturm?, Takeover-Problem, Fragwürdiges

1. ARD und ZDF beim Sturm auf das Kapitol: Late to the party?
(ndr.de, Nils Altland & Daniel Bouhs)
Bei der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse hagelt es gegen ARD und ZDF immer wieder Kritik. Regelmäßig beanstanden Zuschauer und Zuschauerinnen, dass zu spät, zu wenig oder zu spät und zu wenig berichtet wird. Auch bei den Ausschreitungen am und im US-Kapitol mussten sich die öffentlich-rechtlichen Sender Spott und Kritik gefallen lassen. Selbst der ehemalige “Tagesschau”-Chefredakteur Ulrich Deppendorf beklagte sich via Twitter: “In Washington gibt es einen Anschlag auf die US-Demokratie und DAS ERSTE sendet Hans Albers! Verstehen tue ich das nicht mehr. Auch nicht das ZDF.” Nils Altland und Daniel Bouhs haben sich angeschaut, was an der Kritik dran ist.
Weiterer Lesehinweis: Auch beim “Spiegel” beschäftigt man sich mit der Live-Problematik von ARD und ZDF: Bedingt sendefähig (spiegel.de, Christian Buß & Anton Rainer & Alexander Kühn).

2. »An euren Händen klebt Blut«
(spiegel.de, Markus Böhm)
Markus Böhm analysiert den Umgang der Sozialen Netzwerke mit Donald Trump und die damit verbundenen Schwierigkeiten: “Schmeißen die Firmen Trump ganz von ihren Plattformen oder sperren sie ihn länger, wird ihnen in ihren eigenen Netzwerken der Unmut von Millionen Trump-Fans entgegenschlagen. Zündelt der Präsident online aber weiter, können sich die Dienste auch nicht aus ihrer Verantwortung stehlen: Was die Worte Trumps auslösen könnten, zeichnet sich seit Langem ab. Nach dem Sturm auf das Kapitol lässt es sich aber überhaupt nicht mehr wegdiskutieren.”
Weiterer Lesehinweis: Beim Bayrischen Rundfunk schreibt Christian Schiffer über die möglichen Folgen von Moderation und Regulierung: “Diese Maßnahmen könnten dazu führen, dass sich die Anhänger von kruden Ideen in ihre eigenen Filterblasen zurückziehen. Sie könnten aber zugleich dazu führen, dass diese Ideen ein sehr viel kleineres Publikum finden.” Angriff auf das Kapitol: Facebooks Werk & Twitters Beitrag (br.de).

3. Die “Zeit”, das Takeover-Problem und eine erstaunlich kurze Zündschnur
(weicher-tobak.de, Frederic Servatius)
Die “Zeit” hat via Twitter eine Falschmeldung über den US-Vizepräsidenten Mike Pence verbreitet. Als Frederic Servatius auf den Fehler hinwies, antwortete der “Zeit”-Account in einem merkwürdigen und passiv-aggressiven Ton. Es ist aber nicht die Patzigkeit der Antwort, die Servatius nachdenklich macht, sondern die “Takeover-Kultur”, die er als das eigentliche Problem ausmacht. Bei der “Zeit” übernehmen nämlich regelmäßig Einzelpersonen und Gäste den Account – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

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4. Exklusiv: Die meistzitierten Medien des Jahres 2020
(kress.de, Marc Bartl)
Der Mediendienst “kress” hat das Ranking der in Deutschland meistzitierten Medien des vergangenen Jahres veröffentlicht. Es basiere aus Qualitätsgründen nicht auf computerunterstützten Analysen, sondern werde von Medienanalytikern vorgenommen. Auf den ersten fünf Plätzen liegen “Spiegel”, “New York Times”, “Bild”, “Handelsblatt” und “Financial Times”.
Ergänzend dazu aus dem “taz”-Archiv: Steffen Grimberg über das Institut, das dieses Ranking seit Jahren erstellt: “Bei Media Tenor handelt es sich um einen Laden, der mit der Kneifzange anzufassen ist.”

5. Haben Sie Verständnis für solche Umfragen? Gut 100 Prozent sagen: Nein!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Das konservative Lokalblatt “Siegener Zeitung” führt immer wieder Online-Umfragen durch, die alles andere als unvoreingenommen sind. Zuletzt war es der ehemalige Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen, der die hübsch aufbereiteten Ergebnisse eines “Stimmungsbilds” der “Siegener Zeitung” für sich und seine Anti-Coronamaßnahmen-Agenda nutzte. Boris Rosenkranz erklärt, wie tendenziös und unseriös derlei Umfragen sind und warum die “Siegener Zeitung” dennoch an ihnen festhält.

6. Das Wikipedia Versprechen
(arte.tv, Jascha Hannover & Lorenza Castella, Video: 51:28 Minuten)
Zum Wochenende noch ein Filmtipp: Wikipedia ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und als Onlinelexikon nicht mehr wegzudenken. Doch die Utopie hat Kratzer: Interessengeleitet werden Inhalte manipuliert, bestimmte Gruppen sind unterrepräsentiert. In der Arte-Doku geht es um die Licht- und Schattenseiten des Projekts.

Sturm aufs Kapitol, Impfotainment, Der Kardinal und das Gutachten

1. “Das ist ein Angriff auf Amerika”
(n-tv.de, Can Merey & dpa)
Ein vom derzeit noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump angestachelter Mob hat gestern das Kapitolgebäude in Washington gestürmt. Dabei kam es auch zu Angriffen auf Kamerateams und Medienschaffende.

2. Twitter und Facebook blockieren Account von Donald Trump
(zeit.de)
Twitter und Facebook haben Donald Trumps Social-Media-Accounts – zumindest für die nächsten Stunden – lahmgelegt. “Es handelt sich um einen Notfall, und wir ergreifen angemessene Notfallmaßnahmen”, sagte Facebook-Vizechef Guy Rosen dazu. Mit einer in den Sozialen Netzwerken verbreiteten Videobotschaft verstärke Trump das “Risiko der andauernden Gewalt, anstatt es zu verringern”.

3. Lesen und Schweigen
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski & Christian Wernicke)
Das Erzbistum Köln hatte Journalistinnen und Journalisten Einblick in das von Kardinal Rainer Maria Woelki zurückgehaltene Missbrauchsgutachten in Aussicht gestellt, doch dazu kam es nicht. Die Medienschaffenden sollten eine “Vertraulichkeitsvereinbarung” unterschreiben, die sie in ihrer Berichterstattung eingeschränkt hätte. Beobachter würden das Erzbistum als Wagenburg erleben: “Drei Kommunikationsberater hat Woelki in fünf Jahren Amtszeit in Köln verschlissen.”

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4. BBC sendet täglich Schulfernsehen während Lockdown
(heise.de, Niklas Dierking & dpa)
Als Reaktion auf die Schulschließungen in Großbritannien startet die BBC ab Montag mit einem auf die Lehrpläne abgestimmten Schulfernsehen. Ähnliche Angebote existieren in Deutschland beim Bayrischen Rundfunk beziehungsweise dem Bildungskanal ARD alpha. Das Online-Portal “Planet Schule” von SWR und WDR biete bereits seit einigen Jahren Bildungsinhalte im Netz (alle Angebote sind im Beitrag verlinkt).

5. Debatte “sensationell übertrieben”
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 7:39 Minuten)
Brigitte Baetz hat mit dem Medienwissenschaftler Hektor Haarkötter über die mediale Berichterstattung über die Impfkampagne gesprochen. Vor allem “Bild” hantiere mit lautstarken Formulierungen und Forderungen. Haarkötter hält die aufgeregten Berichte für eine Form von “Impfotainment”: “Ich würde immer raten, die Situation erst einmal gelassener zu betrachten”.

6. Nach KZ-Vergleich: RTL schneidet Wendler aus “DSDS” raus
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der Schlagersänger Michael Wendler war während der Dreharbeiten für die aktuelle Staffel der TV-Show “Deutschland sucht den Superstar” überraschend nach Florida abgereist. Seitdem veröffentlicht er in seinem Telegram-Kanal verschwörerische Corona-Statements und repostet finsterste Fake-News-Schleudern. Die fertig gedrehten “DSDS”-Folgen mit Wendler als Juror wollte RTL trotz der Beendigung der Zusammenarbeit noch ausstrahlen. Doch nun sorgte der Sänger mit einem KZ-Vergleich für erneute Empörung. Für RTL-Geschäftsführer Jörg Graf ist damit eine Grenze überschritten: “Mit den gestrigen neuen Äußerungen ist klar: RTL wird Michael Wendler komplett aus der Sendung schneiden, selbst wenn dabei für die Zuschauer sichtbare, dramaturgische Lücken entstehen.”

Gecancelte “Cancel Culture”, Tief Ahmet, Drohnen-Führerschein

1. Endlich geklärt: Was “Cancel Culture” wirklich bedeutet
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In der “Welt am Sonntag” durften sich Ende des Jahres fünf Autoren und Autorinnen über die angeblich in Deutschland vorherrschende “Cancel Culture” beklagen. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier hat sich die dort aufgeführten Beispiele angeschaut, die alles andere als Opfer seien: “Es ist eine, ganz ohne Ironie, außerordentlich instruktive Übersicht, und man möchte nach dem Lesen sofort einen Preis ins Leben rufen: für den journalistischen Artikel, dem es am überzeugendsten gelingt, das Gegenteil von dem zu beweisen, was er behauptet.”

2. Nur ein erster Erfolg
(zeit.de, Kai Biermann)
Wikileaks-Mitgründer Julian Assange soll einem britischen Gerichtsbeschluss zufolge nicht in die USA ausgeliefert werden, doch damit sei die Sache für ihn nicht ausgestanden: Die USA hätten bereits Berufung angekündigt. Kai Biermann ordnet den Vorgang rund um das juristisch umstrittene Auslieferungsverfahren ein und spricht dabei auch die fragwürdigen Haftbedingungen an.
Weiterer Lesehinweis: Die “EU rührt keinen Finger für Assange”, kommentiert Eric Bonse auf seinem Blog “Lost in Europe”. Seine Vermutung: “Vermutlich ist man in Brüssel vollends damit beschäftigt, den Empfang für den neuen US-Präsidenten Joe Biden vorzubereiten und die Scherben zusammenzukehren, die das Last-Minute-Investitionsabkommen mit China in den USA hinterlassen hat!?”

3. Kommentar: Der Fernpiloten-Nachweis für Drohnenpiloten ist ein Witz
(heise.de, Johannes Börnsen)
Der neue Sachkundenachweis für Drohnenpiloten sei das Papier nicht wert, auf das man ihn nach bestandener Prüfung ausdrucken kann, meint Videoproducer Johannes Börnsen. Er hat sich ohne Vorbereitung durch den offiziellen Test geklickt: “Nach etwa 15 Minuten habe ich alles beantwortet und gebe meine Prüfung ab. Das Ergebnis erscheint sofort: Ich habe 92 Prozent richtig, die Prüfung bestanden und kann meinen ‘Nachweis für Fernpiloten über den Abschluss eines Online-Lehrgangs’ direkt herunterladen und ausdrucken. Einen Lehrgang, den ich nie absolviert habe.”

Bildblog unterstuetzen

4. Brücken fürs britische TV
(taz.de, Wilfried Urbe)
Wie wirkt sich der Austritt Großbritanniens aus der EU auf die europäische Fernsehlandschaft aus: Welche Folgen hat der Brexit für die EU-Fernsehwelt, und welche Folgen hat er für das TV-Business des Vereinigten Königreichs? Wilfried Urbe erklärt die Situation rund um Sendelizenzen, Kooperationen und Filmförderung.

5. Viele neue Werke sind ab diesem Jahr gemeinfrei
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Mit dem Jahreswechsel gingen in Europa viele Bilder, Schriftstücke und Filme in das Allgemeineigentum (Public Domain) über, darunter Werke von George Orwell, George Bernard Shaw und Kurt Weill. Generell betreffe dies Autorinnen und Künstler, die im Jahr 1950 gestorben sind. 70 Jahre nach dem Tod seien deren Werke frei nutzbar und könnten bearbeitet und veröffentlicht werden. Aber Vorsicht: Dies beziehe sich nur auf das Originalwerk. Für Übersetzungen literarischer Werke gelte dies meist nicht.

6. Eine kleine Korrektur fürs Wetter – eine große für unsere Gesellschaft
(wetterberichtigung.org, Neue Deutsche Medienmacher*innen)
Im Wetterbericht tragen Hochs und Tiefs gerne Namen wie Gisela oder Helmut, migrantische Namen blieben bislang außen vor. Um Diversität auch auf der Wetterkarte sichtbar zu machen, hat eine Initiative rund um die “Neuen deutschen Medienmacher*innen”14 Patenschaften für die Hoch- und Tiefdruckgebiete in diesem Jahr übernommen: “Wir kapern das Wetter 2021 und schleusen neue deutsche Namen in den Wetterbericht.” Demnächst würden Namen wie Ahmet, Chana, Khuê und Romani im Wetterbericht auftauchen.

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BILDblog-Klassiker

Bild.de streckt historischen Stoff

Die jungen Leute gucken ja alle heutzutage Serien, und deswegen muss auch Bild.de über Serien berichten. Die neueste “NETFLIX-ERFOLGSSERIE” ist “Narcos”, in der es um den kolumbianischen Drogenhändler Pablo Escobar geht. Also schreibt auch Bild.de über “Narcos”. Und hat sich dafür einen besonderen Dreh überlegt:

Da gäbe es (Update: Bild.de hat den Artkel inzwischen entfernt*) zum Beispiel “Escobars Sohn”, “Escobars Geliebte” — oder “Escobars Geschäftspartner”, Carlos Lehder Rivas:

Carlos Lehder Rivas (66) ist Sohn eines deutschen Ingenieurs und einer Kolumbianerin, war Mitbegründer des Medellín-Kartells und Gefährte von Pablo Escobar.

Genau. Wie Sandro Benini bereits vor dreineinhalb Jahren im “Tagesanzeiger” geschrieben hat:

Carlos Lehder, Sohn eines deutschen Ingenieurs und einer Kolumbianerin, Mitbegründer des Medellín-Kartells, Gefährte des Kokainbarons Pablo Escobar

Die Bild.de-Autorin hat aber noch mehr über Lehder zu berichten:

Lehder gewann Escobar als Lieferanten, und obwohl die Beziehungen zwischen den beiden stets von Misstrauen, sogar Antipathie geprägt war, stieg der Deutsche zu einer der beherrschenden Figuren des Medellín-Kartells auf.

Genau. Wie Sandro Benini bereits vor dreineinhalb Jahren im “Tagesanzeiger” geschrieben hat:

Lehder gewinnt Pablo Escobar als Lieferanten, und obwohl die Beziehung zwischen den beiden stets von Misstrauen, ja sogar Antipathie geprägt ist, steigt der Deutsche zu einer der beherrschenden Figuren des Medellín-Kartells auf.

Bild.de:

Während Escobar vom Koks die Finger ließ, bekam Lehder vom weißen Pulver die Nase nicht voll genug. Das machte ihn unberechenbar und gewalttätig.

“Tagesanzeiger”:

Während Escobar vom Koksen die Finger lässt und höchstens einmal einen Joint raucht, kann Lehder von dem weissen Pulver die Nase nicht voll genug kriegen. Das macht ihn unberechenbar und gewalttätig.

Bild.de:

Am 4. Februar 1987 um 5 Uhr morgens in Guarne, einem Städtchen im Westen Kolumbiens, wurde er von der Drogenpolizei DEA (Drug Enforcement Administration) festgenommen.

“Tagesanzeiger”:

Es ist der 4. Februar 1987, 5 Uhr morgens in Guarne, einem Städtchen im Westen Kolumbiens. Eine Sondereinheit kolumbianischer Elitepolizisten und mehrere Agenten der amerikanischen Drogenpolizei DEA (Drug Enforcement Administration) umstellen ein Landgut.

Bild.de:

Die Geschichte von Carlos Lehder wurde im Film „Blow“ (2001) erzählt, mit Johnny Depp (52) in der Hauptrolle.

“Tagesanzeiger”:

Die Geschichte der Freundschaft zwischen Jung und Lehder wird im Film «Blow» aus dem Jahre 2001 erzählt, mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Auch beim Rest der Lehder-Passage hat sich Bild.de offensichtlich beim “Tagesanzeiger” bedient — natürlich ohne ihn zu nennen. Was wohl Bild.de-Chef Julian Reichelt zu dieser Praxis sagen würde?

Mit Dank an Jonas G.

*Nachtrag, 16. Oktober, 12:01 Uhr: Bild.de-Chef Julian Reichelt hat reagiert, den Artikel offline genommen und sich bei “Tagesanzeiger”-Autor Sandro Benini entschuldigt.

Die Fotobeschaffer von Hameln

Eigentlich wollten wir hier im BILDblog schon vor knapp zwei Wochen über den Fall berichten. Es geht um die erschreckende Tat eines Mannes, der erst auf seine Frau einstach, ihr dann ein Seil um den Hals band und sie anschließend an seinem Auto hinter sich herzog.

Damals, am 23. November, veröffentlichte “Bild” diesen großen Artikel:


(Unkenntlichmachungen durch uns.)

Und auch Bild.de berichtete (auf einen Link verzichten wir ganz bewusst) mit einem kostenpflichtigen “Bild plus”-Artikel:

In den Tagen zuvor hatten die “Bild”-Medien das Geschehen im niedersächsischen Hameln schon intensiv begleitet. Sie hatten unverpixelte Fotos des Opfers gezeigt (vermutlich mit Zustimmung der Familie), sie hatten unverpixelte Fotos des geständigen Täters gedruckt, sie hatten Fotos von Blutspuren veröffentlicht. Das volle Programm.

Am 23. November sind sie noch einen Schritt weiter gegangen: “Bild” und Bild.de (bereits einen Tag zuvor) verbreiteten eine Aufnahme des Opfers Kader K. aus dem Krankenbett auf der Intensivstation, riesengroß, wie man oben erahnen kann. Zu dieser Zeit lag sie in der Universitätsklinik in Hannover im Koma, hilflos, angeschlossen an viele Schläuche. Die “Bild”-Mitarbeiter verzichteten auf jegliche Unkenntlichmachung.

Dass die Veröffentlichung dieses Fotos eines lebensgefährlich verletzten Opfers auf Kritik stoßen könnte, dürften auch “Bild” und Bild.de geahnt haben. Jedenfalls stellten sie bereits in der Unterzeile klar, dass “der Bruder von Kader K.” “in BILD” spreche, und ihren Artikel begannen die Autoren direkt so:

“WIR WOLLEN DER WELT ZEIGEN, WAS DIESER HUND KADER ANGETAN HAT.”

Das sagt Maruf K. (35), der Bruder von Verbrechensopfer Kader K. (28).

Ein paar Absätze später schreiben sie:

Ihr Bruder fotografierte sie auf der Intensivstation, gab BILD das Foto — weil die Familie dokumentieren will, was geschehen ist.

Deswegen hatten wir das Thema erstmal nicht aufgegriffen: Wenn eine Familie sich dazu entscheidet, das Foto eines Angehörigen an “Bild” zu geben, kann die Zeitung es auch drucken. Natürlich hätte sich die Redaktion dazu entschließen können, aus Pietät auf den Abdruck zu verzichten oder das Opfer zumindest zu anonymisieren. Aber bei einer solchen Entscheidung geht es um Anstand. Und es geht um “Bild” und Bild.de.

Heute ist in der “Süddeutschen Zeitung” ein Artikel zu der “Gewalttat in Hameln” erschienen. Tim Neshitov hat die Familie von Kader K. besucht und mit ihr über den tragischen Fall gesprochen. Neshitov zitiert in seinem Text auch den Bruder, der “Bild” das Foto seiner Schwester im Krankenbett gegeben hatte:

Die Bild-Zeitung hat ihr obligatorisches Opferfoto abgedruckt, sogar mit Beatmungsschläuchen, wofür Kaders älterer Bruder auf der Intensivstation sein Handy zücken musste (“Ich war verwirrt, wie im Nebel, und die sagten noch, so ein Foto würde Kader nützen”).

Der Bruder von Kader K. bereue es inzwischen, bei dieser “Bild”-Geschichte mitgemacht zu haben, sagte uns Tim Neshitov auf Nachfrage.

Wir werden ab und zu gefragt, warum wir “Bild” und Bild.de immer noch beobachten und regelmäßig kritisieren. Dazu kommt oft der Satz: “Die Leute von ‘Bild’ sind doch gar nicht mehr so schlimm wie früher.” Vielleicht nicht alle. Einige aber schon.

Mit Dank an Rosemarie H., Thomas S., Fab und @HoechDominik für die Hinweise!

Bild.de treibt Schindlerluder mit Edward Snowdens Hotelaufenthalt

Es gibt neue Dokumente zu Edward Snowden, die eine Frage beantworten, die seine Kritiker seit einigen Jahren gerne stellen: Wo wohnte Snowden die ersten Tage nach seiner Ankunft in Hongkong? Ihre Überlegung: Keine Belege, wo der Whistleblower vom 21. bis 31. Mai 2013 unterkam — kein Beweis, dass er in dieser Zeit nicht einen Deal mit den Geheimdiensten von Russland und/oder China aushandelte. Vergangene Woche präsentierte der Journalist Glenn Greenwald auf seiner Seite “The Intercept” Rechnungen, die zeigen: Edward Snowden war genau dort, wo er auf Nachfrage immer behauptet hatte — im Hotel “Mira”.

Einer der Snowden-Kritiker, die der festen Überzeugung sind, dass es sich bei Snowden um einen Überläufer handelt, ist John R. Schindler. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter darf im Auftrag seines Fanboys Julian Reichelt bei Bild.de seine Gedanken zu verschiedenen Themen aufschreiben. Vor einem Dreivierteljahr erklärte Schindler der Weltöffentlichkeit der “Bild”-Leserschaft den “Bild plus”-Abonnenten:

Schindler schrieb:

Drei Jahre, nachdem Edward Snowden — der amerikanische IT-Dienstleister, aus dem ein weltbekannter Prominenter wurde — in Hongkong zum ersten Mal vor die Medien trat, ist immer noch unklar, was sich wirklich in dieser aufsehenerregenden Affäre abgespielt hat.

Der ungefähre Ablauf ist bekannt. Im Mai 2013 verließ Snowden seinen Job bei der National Security Agency auf Hawaii und tauchte am 1. Juni im Hotel Mira in Hongkong auf. (…)

Doch einige wichtige Fragen sind noch offen.

Wo war Snowden vom 21. bis 31. Mai 2013?

Schindlers Aussage bei Bild.de, Snowden sei erst am 1. Juni im Hotel “Mira” aufgetaucht, stimmt nicht. Die neuen Unterlagen, die Snowdens Anwälte in Hongkong besorgt haben und die Glenn Greenwald nun veröffentlicht hat, zeigen, dass der Whistleblower bereits am 21. Mai im “Mira” eingecheckt hat — unter seinem eigenen Namen, bezahlt mit seiner eigenen Kreditkarte. Diese erste Buchung geht bis zum 30. Mai. Bereits am 29. Mai bucht Snowden zwei weitere Nächte, bis zum 1. Juni, und direkt hinterher noch mal neun weitere Nächte bis zum 10. Juni. Am 2. Juni kommen dann Greenwald und Laura Poitras, die einen ersten Teil von Snowdens Enthüllungen veröffentlichen. Der Journalist Charlie Savage hat alle Hotelabrechnungen auf seiner Seite veröffentlicht (auch eine weitere Buchung durch Snowden im “Mira” bis zum 18. Juni sowie eine frühere Buchung im Hotel “Icon”, in dem Snowden für seine erste Nacht in Hongkong am 20. Mai eingecheckt hatte).

Wie zentral die Frage nach Snowdens ersten Tagen in Hongkong für Schindler und seine Ausführungen ist, zeigt, dass dieser sie immer wieder stellt. Bereits im Sommer 2015 fragte er bei Bild.de:

Wo war Snowden während der zehn Tage im Mai 2013, nachdem er Hawaii verlassen und bevor er am 1. Juni im Hongkonger Hotel “Mira” eincheckte?

Und auch bei Twitter lässt ihn das Thema nicht los:



Jetzt hat er eine Antwort bekommen (die er natürlich nicht glaubt). Da diese Dokumente noch nicht öffentlich zugänglich waren, als John R. Schindler seinen Bild.de-Artikel geschrieben hat, kann man ihm nicht vorwerfen, davon nichts gewusst zu haben. Er konnte aber wissen, dass Edward Snowden stets beteuert hat, sich auch schon vor dem 1. Juni im “Mira” aufgehalten zu haben. Schindler hat diese Aussage einfach nicht glauben wollen oder ignoriert und das Gegenteil behauptet, was auch viel besser in seine Überläufer-Theorie passt. Julian Reichelt und Bild.de boten ihm dafür eine Plattform.

Ob Edward Snowden ein russischer Spion ist? Keine Ahnung.

Ob Edward Snowden in Hongkong Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes besucht oder sie im Hotel empfangen hat? Keine Ahnung.

Ob John R. Schindler und Bild.de eine falsche Behauptung aufgestellt haben? Scheint ganz so.