Autor: Stefan Niggemeier

Die Emanzipation der Youtuber

Krautreporter

Videoblogs boomen, aber im Wachstums- und Kommerzialisierungsrausch droht der Zauber des Mediums unter die Räder zu kommen. Eine Gruppe bekannter Youtuber will mit einem Verein Alternativen entwickeln und über Inhalte reden, nicht über Klickzahlen. Sie suchen auch nach ihrem eigenen Selbstverständnis.


Foto: www.svensonpictures.com

Ein Dachgeschoss-Loft in einer ehemaligen Fabrik in Berlin-Neukölln. Marie Meimberg steht am Kochblock und macht Käse-Spätzle, viele Käse-Spätzle. Eine Auflaufform voll steht schon im Backofen, in eine zweite schichtet sie abwechselnd frische Nudeln und Käse. Kerzen brennen, große Weingläser stehen bereit, im Hintergrund läuft unaufdringliche Jazzmusik, quer durch den großen, offenen Wohnbereich hängen noch Girlanden von einer Geburtstagsfeier in der letzten Woche, in der Ecke steht ein Fußball-Kicker.

Es wirkt, als hätte man sich in eine ZDF-Familienserie verlaufen.

Marie erwartet Gäste. Es ist Vereinsabend. Alle paar Wochen treffen sich die Mitglieder des Vereins „301+“, lassen es sich gut gehen und arbeiten an der Rettung der Youtube-Szene in Deutschland.

15 Freunde zwischen 21 und 31 sind sie, Studenten, Selbständige. Marie ist dabei, die persönliche Filme macht; Dominik, der versponnene Filme macht; Steven und Rick, die lustige Filme machen; Marti, der musikalische Filme macht, Robert, der Filmkritik-Filme macht. Die bekanntesten sind Nilam Farooq, die als daaruum über Mode und Lifestyle bloggt, und Florian Mundt, der als LeFloid das Zeitgeschehen kommentiert und den seine Freunde hier „Flo“ nennen.


Foto: www.svensonpictures.com

Die Szene der Youtuber wächst gerade wie blöd. Große Unternehmen, teils mit Millionen im Rücken, versuchen von dem Boom zu profitieren und heizen ihn weiter an. Sie vermarkten und vernetzen die einzelnen Videoblogger, helfen ihnen, ihr Publikum zu vergrößern und Geld zu verdienen. Worum es ihnen geht, formuliert Christoph Krachten, Präsident des größten Netzwerkes Mediakraft, in erstaunlicher Klarheit: „Wachstum, Wachstum, Wachstum!“

Die 15 Freunde von „301+“ eint der Gedanke, dass das nicht alles sein kann. Und die Sorge, dass bei dem Tempo und der Art des Wachstums gerade das auf der Strecke bleiben könnte, was den Reiz des Mediums eigentlich ausmacht. „Alles, was ich an Youtube immer propagiert habe, warum es so geil ist, dass ich mein eigener Herr über alles bin – das verkommt langsam“, sagt Flo. „Uns verbindet die Sorge um den guten Content und die Community.“

Er ist einer der erfolgreichsten. Sein Videokanal hat über zwei Millionen Abonnenten. Der Erfolg führt in dem Klima der überhitzten Kommerzialisierung und Professionalisierung aber nicht dazu, dass auch andere versuchen, ihren Weg zu gehen, sondern dazu, seinen nachzugehen. „Man hat Kanäle wie den von Flo genommen“, erzählt Marie, „und fast schon gesagt: Okay, was macht der? So müssen’s jetzt alle machen. Schlimm finde ich, dass sich die Inhalte angleichen. Jetzt lernen alle: Okay, ich muss möglichst viele Kooperationen machen, ich brauche ein Intro, eine ‚Endcard‘ am Schluss, die auf eine bestimmte Weise aussehen muss; in Minute so-und-so muss ich das tun; das Video darf nicht länger sein als so-und-so …“

„Das sind halt alles Regeln, die eigentlich irrelevant sind!“, sagt Dominik.

„Das ist so ein Quatsch!“, sagt Marie.

Flo, alias LeFloid, sagt, er leide darunter, wie sehr die kommerziellen Netzwerke den Nachwuchs beeinflussen, in jeglicher Hinsicht: „Heute werden Nachwuchs-Youtuber herangezüchtet, mit dem Versprechen, sie werden der nächste große, geile Shit – und das betrifft jedes einzelne Netzwerk, nicht nur Mediakraft. Das Problem daran ist, dass man sich heute mit Nachwuchskünstlern auseinandersetzen muss, die einen anderen Antrieb haben als wir. Die gar nicht mehr eine intrinsische Motivation haben, sondern aufgepumpt und hochgezüchtet werden und sich dann fragen: ‚Warum zur Hölle hab ich nach 14 Tagen immer noch nicht 100.000 Abonnenten?‘, ‚Warum wollen meine Netzwerk-Kollegen von Y-Titty mit drei Millionen Abonnenten jetzt nicht mit mir mit meinen 1.000 Abos kollaborieren, das müssen die doch machen.‘ Dieser Anspruch auf Erfolg, der da künstlich eingeimpft wird in jeden kleinen Hoffnungsträger, macht meiner Meinung nach vieles kaputt, was den kreativen Input angeht, die reine Motivation aus sich selbst heraus.“

So sind sie, diese jungen Youtube-Leute. Reden sich in Rage und bringen trotzdem noch Worte wie „intrinsische Motivation“ unter.

LeFloid hat gerade bekannt gegeben, dass er sich von Mediakraft trennen wird, und für ein Unternehmen, das derart zahlenfixiert ist, ist das ein besonders bitterer Verlust. Was man so hört, klingt nicht danach, als ob beide harmonisch auseinandergehen würden.

Die Netzwerke sind ein Teil des Problems, wobei den „301+“-Leuten wichtig ist, dass sie sich nicht als Gegner der Netzwerke verstehen. Sie wollen nur zeigen, dass es auch einen anderen Weg geben kann, in dieser Youtube-Welt, einen eigenständigen. Das ist gar nicht selbstverständlich, wie Robin alias RobBubble besonders handfest erlebte, als man ihn nicht bei den Videodays reinlassen wollte, dem jährlichen Mega-Event der Szene in Köln, bei dem viele Tausend Fans ihre Stars treffen. „Bei der Akkreditierung am Eingang wurde ich gefragt, zu welchem Netzwerk ich gehöre. Ich hab gesagt: Bei keinem. Da hieß es: Das geht nicht.“

Es muss eine lustige Szene gewesen sein, denn von den Fans war er längst erkannt worden und musste schon Autogramme geben. Sie ließen ihn schließlich rein.

Robin sagt: „Die Leute sehen uns und sehen, dass es auch anders gehen kann. Wir wollen den Markt ein bisschen aufrütteln, dann kann jeder selbst entscheiden. Ich bin auch ein großer Fan von dem, was Netzwerke leisten können. Nur haben sie momentan eine gewisse Monopolstellung. In Zukunft gehen Leute vielleicht nur dahin, wenn es wirklich für sie einen Mehrwert hat.“

Auch die Gründung von „301+“ hängt mit einem Abschied von einem Netzwerk zusammen: Vor einem halben Jahr hatte Marie bei Mediakraft gekündigt, wo sie als „gute Fee“ gearbeitet hat. „Es gab danach ganz viele, die mir angeboten haben, ein Netzwerk zu gründen. Mir war aber klar, wir brauchen jetzt nicht noch ein Netzwerk in dieser Szene, die sich fast schon anfühlt wie eine Immobilienblase, wo viel zu viele Netzwerke um viel zu wenige Youtuber buhlen.“ Sie fand dann ganz andere Themen relevant, die gerade im Gegenpart zur Wachstumsfixierung und Professionalisierung liegen: „Wo diskutieren Creators über ihre Verantwortung? Wann übernehmen sie Verantwortung? Wie wollen sie selber die Szene mitgestalten und sich nicht nur von ihrem Netzwerk vertreten lassen?“

Von einem „Empowerment“ der Videoblogger spricht sie. Es fallen dann noch Begriffe wie „Emanzipation“ und „Nachhaltigkeit“. Rick von den Space Frogs legt Wert darauf zu betonen, dass es nicht nur darum ging, dass sie unzufrieden waren, und Marie stimmt zu: „Es war schon eher ein positiver Moment.“

Sie verstehen sich als Freundeskreis, aber es war ihnen auch wichtig, zu zeigen, dass es ihnen ernst ist, dass das hier nicht nur eine Bierlaune ist. So entschlossen sie sich, den formellen, umständlichen und irgendwie merkwürdig altmodischen Weg zu wählen, einen richtigen deutschen Verein zu gründen, mit Schatzmeister und Protokollen und allem. Die Form ist eine klare Distanzierung von Netzwerken und gewinnorientierten Agenturen. Und sie soll auffallen, eine gewisse Resonanz hervorrufen, wie Flo sagt: „Damit die Leute sehen, es ist ein Bündnis.“ (Der Name „301+“ steht übrigens für die Zahl, die bei Youtube früher lange pauschal eingeblendet wurde, wenn ein Video mehr als 300 Abrufe hatte.)

Sie waren schon bei den Leuten von Youtube und haben Wünsche und Anliegen vorgetragen. Sie reden mit vielen. Und sie finden es nur halb abwegig, wenn man sie mit einer Gewerkschaft vergleicht – wobei sie erst einmal herausfinden müssen, was sie überhaupt leisten können und wollen. Rechtsberatung zum Beispiel sicher nicht, aber bei vielen Youtubern, meinen sie, würde schon der gute Rat helfen, einen Anwalt über die Verträge schauen zu lassen, die man unterschreibt.

Vor allem aber soll ihr Verein ein Ort sein, an dem man sich austauscht über das, was man tut. Über Inhalte statt über Reichweite. Und über das eigene Selbstverständnis.

Es ist ein merkwürdiges Medium, dieses Youtube, mit einem ganz besonderen Verhältnis zwischen den Machern und dem Publikum. Es ist unmittelbar, ungefiltert und sehr persönlich. Und trotzdem ein Massenmedium. Diese Kombination aus großer Nähe und großem Publikum ist nicht ohne Probleme, und damit ist nicht einmal gemeint, dass LeFloid nicht mehr zum Elektronikmarkt gehen kann, ohne eine halbe Stunde lang von einer Traube von Menschen belagert zu werden. Bei den Videodays haben Fans teilweise mehrere Stunden angestanden und konnten ihre Idole trotzdem nicht treffen – ein Scheißgefühl, wie LeFloid sagt.

Marie hat Anfang Oktober ein bemerkenswertes Video gemacht, das die besondere Beziehung zwischen den Youtubern und ihren Zuschauern thematisiert. Sie hat es „Ich bin nicht Eure Freundin!“ genannt und sagt darin:

„Ich habe das Gefühl, dass wir uns auf Youtube was vormachen, weil wir der Realität nicht ins Auge sehen und festhalten an einer Idee, die schon lange nicht mehr der Realität entspricht. Wir reden davon, dass wir alle auf einer Augenhöhe sind, dass Youtuber keine Stars sind und wir alle besser und anders sind als Fernsehen und Megastars und hastenichtgesehen. Aber das ist inzwischen nicht mehr wahr. Ich glaube, dass das Problem darin besteht, dass wenig Leute sagen, was Sache ist, weil man an dieser Illusion festhalten will. Dadurch verpassen wir aber die Möglichkeit, dieser Tendenz entgegenzuwirken oder zumindest ein Dazwischen zu finden. (…)

Wenn euch irgendjemand sagt, mit was weiß ich wieviel Tausend Abonnenten, dass jeder Abonnent ein Freund ist, dann lügt der euch einfach an. Dann ist das Quatsch. Das ist Quatsch. Und auch gefährlich, glaube ich.“

Es ist ein Video, das tastend nach einer Alternative sucht, etwas Neuem, einem Zwischending zwischen der Illusion von Freundschaft zwischen Youtube-Filmer und Youtube-Gucker einerseits und andererseits dem Verhältnis von Stars, die auf der Bühne stehen und von Fans, die vor der Bühne stehen, angehimmelt werden.

„Viele von uns wollen nicht nur Fans“, sagt Dominik, „sondern Leute, mit denen wir uns austauschen, wo Dialog entsteht.“ Das Thema beschäftigt sie alle.

„Wenn du dich für ein Leben mit Youtube entschieden hast“, sagt LeFloid, „bist du einen 24/7-Vertrag mit dir und deiner Arbeit eingegangen. Es wird einfach irgendwann ein Teil von dir, denn du bist verantwortlich für alles. Du bist verantwortlich für vieles und, wenn du darüber nachdenkst, auch für viele. Denn du hast bei vielen einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Du bist irgendwann der große Bruder, die große Schwester. Das geht schon sehr nahe – dessen muss man sich auch bewusst sein.“

Ihr Verein ist ein Schritt aus dem Hamsterrad, um sich gemeinsam Gedanken zu machen, vielleicht der Anfang einer Independent- Bewegung, aber das ist alles noch offen. Langfristig, meint Marie, könnte so eine Youtuber-Emanzipation auch den großen Netzwerken zugute kommen: „Weil sie dann mit Leuten zu tun haben, die sich Gedanken gemacht haben, was sie wollen und was nicht.“

„Als Texte noch einmalig sein mussten, um gedruckt zu werden“

Wenn es Verwerfungen gibt in den Verlagen, rufen die Redaktionen beim früheren „Stern“-Chefredakteur Michael Jürgs an und lassen sich erklären, was da eigentlich passiert.

Denn diese Newspeak von krawattenlosen Flanellmännchen, die ohne uns Journalisten gebrauchte Tablets verkaufen müssten so wie ihre Vorgänger einst, als es so etwas noch gab, Nähmaschinen, und die bei Entlassungen wie Pferdeflüsterer von Freisetzungen reden — bedeutet in Wahrheit ja etwas ganz anderes. (…)

Als Texte und Fotos noch einmalig sein mussten, um gedruckt zu werden, als ihre Schöpfer noch First Class flogen und Verleger ihren Champagner aus den Gehirnschalen ihrer Chefredakteure tranken, umschwärmten Verlagsmanager die Fotografen und Autoren wie Motten das Licht.

Michael Jürgs, „Süddeutsche Zeitung“, 31.10.2014, über die Entlassungen bei Gruner+Jahr.
 

Zwar tranken Verleger, egal welcher Couleur, auch die im Norden ansässigen, den Champagner aus den Gehirnschalen ihrer Besten. (…)

Fürs Geschäft hielten sie sich hoch bezahlte Manager, die Springer abschätzig Flanellmännchen nannte und bei mangelndem Erfolg, wie auch Chefredakteure in stattlicher Zahl, gut abgefunden feuerte.

Michael Jürgs, „SZ-Magazin“, 27.7.2013, SZ-Magazin, über den Verkauf der Springer-Blätter an Funke.
 

Die Verlagsmanager, jahrzehntelang als natürliche Gegner der Journalisten gegrüßt und von Axel Springer „Flanellmännchen“ genannt, sind in den beiden aktuellen Fällen vom Vorwurf aktiver Sterbehilfe freizusprechen. Sie haben für die Krankenpflege und die Operationen teuer bezahlt. (…)

Denn die von ihnen geleiteten Verlage haben in fetten Jahren wie einst die genuinen Verleger ihren „Champagner aus Gehirnschalen der Journalisten schlürfend“ (Erich Kuby) Milliarden verdient – und es im Rausch der eigenen Bedeutung versäumt, Rücklagen zu bilden für schlechte Zeiten.

Michael Jürgs, „Tagesspiegel“, 2.12.2012, über die Zeitungskrise.
 

Was immer wir Journalisten von den jeweils amtierenden Vorsitzenden hielten, die Jahre brauchten, bis sie in die Rolle eines Verlegers hineinwuchsen und begriffen, dass sie ohne uns Wahnsinnige Nähseide oder Mähmaschinen verkaufen und selbstgebraute Biere trinken müssten, statt Champagner aus unseren Gehirnschalen zu schlürfen – niemals hätten wir widerspruchslos hingenommen, dass ein Gruner+Jahr-Chef, also letztlich einer von uns, durch gezielte Schüsse aus dem Hinterhalt erledigt wurde.

Michael Jürgs, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 9.9.2012, über Gruner+Jahr.
 

Der Verleger Axel Springer nannte sie abschätzig Flanellmännchen, obwohl er sie dringend brauchte. (…)

Wer schreibt, gehört zu den Lebewesen, aus deren Gehirnschalen Verleger einst ihren Champagner tranken (das Bonmot stammt natürlich von einem Journalisten, von Erich Kuby, dem persönlicher Luxus, bezahlt von seinen Verlegern, nie unlieb war

Michael Jürgs, sueddeutsche.de, 18.03.2010, über die Krise des Journalismus.
 

Axel Springer nutzte einst die Flanellmännchen fürs laufende Geschäft, aber er wusste, dass sein Verlag ohne die Eitlen von der schreibenden Zunft allenfalls eine Schraubenfabrik wäre.

Michael Jürgs, „Hamburger Abendblatt“, 24.11.2008, über die Medienkrise.
 

Richtig ist: immer wenn es kriselt, glauben Flanellmännchen, nunmehr schlage ihre Stunde und die Rettung in Gefahr und Not seien Entlassungen, Kürzung der Honorare, Verzicht auf teure Recherchen.

Michael Jürgs, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 8.6.2008, über die Medienkrise.
 

Früher war das Primat der Redaktion in den Verlagen keiner Rede wert. Früher war nicht alles besser, aber fast alles. Nach dem Abgang der großen Verleger aber — Henri Nannen, Axel Springer, Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, John Jahr –, die sowohl das eine als auch das andere beherrschten und darauf achteten, dass die von AS „Flanellmännchen“ genannten Kaufleute bei ihren Leisten blieben, wurden die Grenzen durchlässig.

Michael Jürgs, „Süddeutsche Zeitung“, 14.12.2006, über Machtkämpfe beim „Spiegel“.
 

Stärkt freie Feuerköpfe gegen festangestellte Flanellmännchen, gönnt den Korinthenkackern (nicht verwandt mit Euren Korinthern) den Ruhestand!

Michael Jürgs, „Süddeutsche Zeitung“, 24.12.2004, an das Christkind.
 

Sie sind mein derzeitiger Nachfolger. Habe ich hier oben etwas übersehen? Gab es außer Sparappellen auch journalistische Ideen? Ein Flanellmännchen ist ja noch kein Verleger. Der muss mit seinen Blättern wachsen oder fallen. Nicht mit ihrem Ende drohen.

Michael Jürgs, „Financial Times Deutschland“, 12.9.2003, als (!) Axel Springer an Mathias Döpfner.
 

Über das Schweigen der Belämmerten, weil keiner von uns recherchierte, wie viele Milliarden deutsche Zeitungs-und Zeitschriftenverleger in den vergangenen dreißig, vierzig Jahren verdient haben, ihren Champagner schlürfend aus den Gehirnschalen der Journalisten, wie einst Erich Kuby erkannte.

Michael Jürgs, „Tagesspiegel“, 27.10.2002, über seinen Ärger über die Medien.
 

Schmutzzulage gilt für alle Chefredakteure, und manchmal müssen sie dafür anders bezahlen, nämlich in Zeiten, da sie angesichts einer Krise ihre Leute entlassen ins Ungewisse auf Anweisung ihrer Verleger, die in den guten Jahrzehnten zuvor viele Millionen mit den Ideen der Journalisten gemacht haben und ihren Champagner, laut eines immer noch gültigen Bonmots des Publizisten Erich Kuby, aus deren Gehirnschalen schlürften.

Michael Jürgs, „Tagesspiegel“, 28.7.2002, über Scheckbuchjournalismus.
 

Keine Helden, keine Schurken, nirgendwo. Alle haben verloren: Viele Redakteure, die glaubten, es müsse im Leben mehr als alles geben. Ein Verleger, der sich gegen Flanellmännchen im eigenen Verlag bis zum Schuss wehrte und dann aufgeben musste.

Michael Jürgs, „Süddeutsche Zeitung“, 12.03.2002, über die Einstellung der „Woche“.
 

Die von Axel Springer oft verächtlich Flanellmännchen genannten Manager übten sich immer schon in der Kunst, hinten zu meucheln, vorne zu lächeln, aber das ist eigentlich nicht der Rede wert.

Michael Jürgs, „Capital“, 20.4.2000, über den neuen Springer-Chef Claus Larrass.
 

Übrigens auch da war er Axel Springer ähnlicher, als man glaubt, denn auch der sprach verächtlich über die leider so notwendigen Flanellmännchen aus den Verlagsetagen.

Michael Jürgs, „Hamburger Abendblatt“, 3.9.1999, über Henri Nannen.
 

(Unvollständige Auswahl.)

Gerechtigkeit für Revolverheld!

Ja gut. Dieser Blog-Eintrag wär jetzt echt nicht nötig. Aber irgendwie hat’s mir dann doch keine Ruhe gelassen, nachdem dieses schockierende Video in den letzten Tagen in den sozialen Medien die Runde machte:

Hochgeladen wurde es mit der Beschriftung „Revolverheld Worst Performance EVER“, und verbreitet unter anderem vom populären Bürozeitvertreibsblog Schlecky Silberstein:

Live und scheiße – Der mieseste Revolverheld-Auftritt aller Zeiten

Tja Revolverheld, der Plan ging nicht auf: Vor den 30 Zuschauern der NDR-Show DAS! muss man einen Auftritt also nicht sauber proben. Das sieht eh keiner. Also ging die Band direkt vom Drogen-Strich Neuharlingersiel ins Studio. Motto: Wir fiedeln das hier runter, nehmen die 300 Euro und Abflug. Da wurde leider die Rechnung ohne das Internet gemacht. Viel Spaß mit der beschissensten Version von “Ich lass für Dich das Licht an”, die Ihr heute hören werdet. Die Vollpfosten.

In den Kommentaren herrscht ein gewisses Rätselraten, ob Blogger Christian Brandes das Fake wirklich nicht als solches erkannte. Auch die Seite Testspiel.de präsentierte ihren Lesern das Video und staunte:

Revolverheld mit der vielleicht miesesten Performance von “Ich lass für Dich das Licht an” ihrer Karriere in der NDR Sendung „DAS!“. Unplugged. Wir sind sprachlos und schaffen es noch nicht einmal mehr, unsere Stimme gegen Revolderheld zu erheben.

Ja. Nun. Also, jedenfalls: Das hier war der mieseste Revolverheld-Auftritt aller Zeiten So klang es wirklich, als Revolverheld live bei „DAS!“ auftraten:

Gern geschehen. Und wär nicht nötig gewesen, weiß ich schon.

Udo Ulfkotte: Wie die FAZ mich aus den Fängen des BND rettete


Ulfkottes Danksagung an den BND und die Welt in seinem Buch „Verschlusssache BND“, 1997

Zu den aufregendsten Geschichten, die Udo Ulfkotte in seinem vor Fehlern strotzenden Bestseller „Gekaufte Journalisten“ erzählt, gehört die, wie zwei Schlapphüte vom Bundesnachrichtendienst bei der FAZ in einem Besucherraum saßen und ihm seine Artikel diktierten. „Absatz für Absatz“ hätten sie ihm 1993 weitgehend vorgegeben, was er über eine Giftgasfabrik in Libyen schreiben sollte, bei deren Bau europäische Unternehmen halfen. „Der BND machte das damals, mit Wissen deutscher Medienhäuser, nach Angaben seiner Mitarbeiter bei vielen Zeitungen so“, behauptet Ulfkotte.

Ich habe Zweifel daran, dass das so war, selbst im Fall von Ulfkotte. Denn Ulfkotte hat über diese BND-Connection selbst vor Jahren schon geschrieben, den Fall damals aber in entscheidenden Details anders dargestellt.

Im Jahr 2006 hatte Ulfkotte die FAZ längst verlassen. Er arbeitete als „Chefkorrespondent“ bei der Zeitschrift „Park Avenue“, einem kurzlebigen Versuch des Verlages Gruner+Jahr, eine Art „Vanity Fair“ zu machen. In der Ausgabe 07/2006 veröffentlichte er unter der Überschrift „Liebesgrüße aus Pullach“ einen langen Artikel darüber, wie der BND angeblich versuchte, ihn anzuwerben, und dann seine Naivität ausnutzte und ihn als Sprachrohr benutzte. Die über zwei Seiten lange Schilderung, wie die erste Kontaktaufnahme geschah, hat Ulfkotte Wort für Wort, nur mit winzigsten Änderungen, aus diesem Zeitschriftenartikel in sein Buch übernommen.

In dem acht Jahre alten „Park Avenue“-Stück kommt auch die Episode mit dem Artikel über die Giftgasfabrik vor. Aber es ist keine Rede davon, dass ihn die BND-Leute für ihn formuliert hatten, womöglich gar in der Redaktion sitzend. Ulfkotte schreibt stattdessen:

Ich wurde von BND-Leuten über alle Details dieser 1993 im Bau befindlichen Anlage informiert und schrieb dazu in der FAZ.

Er habe mangels eigener Kenntnisse ungeprüft exklusive Nachrichten veröffentlicht, „die der BND offenbar — im Nachhinein muss ich es so sehen — lanciert hatte, damit sie bemerkt würden“.

2006 schildert Ulfkotte es also so, dass er erst rückblickend gemerkt habe, dass der BND über ihn Nachrichten lanciert habe. 2014 behauptet er, die Texte seien ihm Absatz für Absatz diktiert worden.

Auch die Rolle, die die FAZ in diesem Spiel einnimmt, beschreibt Ulfkotte heute plötzlich ganz anders als damals. In der Darstellung in seinem aktuellen Buch ist die FAZ ein skrupelloses, korruptes Unternehmen, das ihn in die Arme des Geheimdienstes trieb und sogar mit Entlassung drohte, wenn er sich weigere, zum willenlosen Sprachrohr der Dienste zu werden:

Die FAZ ermunterte mich ausdrücklich dazu, den Kontakt zu westlichen Geheimdiensten zu verstärken und freute sich, wenn ich die mitunter von dort zumindest in Stichworten vorformulierten Berichte mit meinem Namen versah. (…)

Man war bei der FAZ richtig stolz darauf, dass man gute Kontakte zu „Geheimdienstkreisen“ hatte. (…) Ich habe daran zwar freiwillig mitgewirkt, aber mir wurde auch mitgeteilt, dass ich entlassen werden könne, wenn ich da nicht mitmache.

Vor acht Jahren schilderte er das noch ganz anders. Damals war die FAZ noch in der Rolle des besorgten Arbeitgebers, der vor zuviel Nähe warnt. Im Zusammenhang mit den Kontakten zum BND, der Ulfkotte bei einem Besuch in München angeblich die Möglichkeit zu einer vertraulichen Verbindung schuf, schrieb er:

Natürlich hatte ich die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über alle Vorgänge unterrichtet. Der Kontakt war erwünscht, die Skepsis groß. Reisen und Gespräche durften nur mit Dienstreiseantrag und auf Kosten der FAZ unternommen werden. Eine weise Entscheidung.

Ulfkotte beschrieb sich selbst damals als unendlich naiv:

Ich hatte zu wenige Kontakte, die mir geholfen hätten, das vom BND Gehörte — es ging dabei ums Ausland, überwiegend den Nahen Osten — gegenzuprüfen. Ich nahm die Informationen eins zu eins für bare Münze.

Erst später habe er sich Distanz erarbeiten können, vor allem, weil die FAZ ihn immer wieder unterstützte, wenn er unlautere Ansinnen des BND zurückwies. Schließlich veröffentlichte er aus dem ganzen Material, das ihm zugesteckt wurde, ein Buch, das angeblich ein Befreiungsschlag war:

Der BND wollte das Manuskript vor der Veröffentlichung gegenlesen. Mit Rückendeckung der FAZ-Herausgeber lehnte ich das ab. Alle Drohungen aus Pullach halfen nichts, wir blieben bei der Haltung.

Das Buch „Verschlußsache BND“ erschien. Mit einem Schlag hatte ich mich aus dem Spinnennetz befreit. Das habe ich vor allem den Herausgebern der FAZ zu verdanken. Ohne ihre Loyalität hätte ich dem Druck kaum standgehalten.

Die FAZ, die dem unbedarften Jung-Redakteur, der dem BND auf den Leim gegangen ist, hilft, davon wieder Abstand zu gewinnen — das ist ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was Ulfkotte heute über seinen ehemaligen Arbeitgeber erzählt. Dafür ist die heutige Geschichte natürlich ungleich aufregender und verkauft sich besser.

Als gesichert kann gelten, dass Ulfkotte grenzenlos gutgläubig war und auch in diesem Fall — wie auch bei bezahlten Einladungen zu Luxusurlauben — außerordentlich leicht zu beeindrucken, um nicht zu sagen: käuflich. Er selbst schilderte es 2006 in „Park Avenue“ so:

Ich war 33 Jahre alt und hatte Berührung mit dem Geheimsten alles Geheimen. Das ist es, wovon jeder Journalist träumt: mehr zu wissen als andere, eine Quelle aufzutun, die andere nicht haben. Besser zu sein als die anderen.

Das „Park Avenue“-Stück hat damals kaum Aufsehen verursacht. Aber inzwischen hat er einen Weg gefunden, aus solchen Geschichten Bestsellermaterial zu machen. Er stellt sein persönliches Versagen nachträglich als System dar. Dass die FAZ und vage als „renommierte deutsche Zeitungen“ bezeichnete Medien sich willentlich zum Handlanger des deutschen Auslandsgeheimdienstes machen und von ihm Artikel diktieren ließen, ist aber eine bloße Behauptung — die auch noch dem widerspricht, was er selbst vor acht Jahren über den Fall veröffentlichte.

[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig frei für die FAZ.]

„Ebenso lächerlich wie böswillig“: FAZ-Außenpolitikchef weist Ulfkotte-Vorwürfe zurück

Als „falsch“ und „ehrabschneidend“ hat Klaus-Dieter Frankenberger, der Außenpolitikchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, den Vorwurf zurückgewiesen, er habe sich vom Sultan von Oman kaufen lassen und Gefälligkeitsberichterstattung betrieben.

Erhoben hat diesen Vorwurf der frühere FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte. Ulfkotte profiliert sich seit einigen Jahren als „Gegner von Qualitätsmedien“ und schreibt Bücher wie „So lügen Journalisten“, „SOS Abendland“, „Vorsicht Bürgerkrieg!“ und „Albtraum Zuwanderung“. Im Kopp-Verlag („UFOs — Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen“) hat er das Buch „Gekaufte Journalisten“ veröffentlicht. Darin enthüllt er, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr gibt und Pressefreiheit „nur eine gut gespielte Illusion“ ist. Das Werk wird in der kommenden Woche Platz 13 der „Spiegel“-Bestsellerliste erreichen.

Ulfkotte, der sich nach eigenen Aussagen als Journalist von Shell „schmieren“ ließ und als Lobbyist des BND diente, beschreibt darin unter anderem, wie er sich in den neunziger Jahren vom Sultan von Oman korrumpieren ließ: Auf Kosten des autoritären Staatschefs sei er zu Besuchen eingeladen und mit bezahlten Luxus-Angeboten verwöhnt worden. Unter anderem habe der Sultan sogar seine „Ausbildung zum Padi-zertifizierten Rettungstaucher mit Jason Erodottu als privatem Tauchlehrer“ bezahlt. Er habe den kostenlosen Luxus als „Jackpot“ empfunden und entsprechend geschönt über das Land und seinen Diktator berichtet.

Wie er habe sich auch sein damaliger Kollege Frankenberger kaufen lassen, behauptet Ulfkotte, der suggeriert, dass die ganze Branche und insbesondere die FAZ so korrumpierbar und korrupt ist, wie er es war.

Gegenüber dem neuen Online-Magazin „Krautreporter“ widerspricht Frankenberger:

Tauchkurse hat vielleicht Herr Ulfkotte auf Kosten anderer gemacht, ich nicht. Der Vorwurf Herrn Ulfkottes, „wir“ seien korrupt gewesen, trifft jedenfalls für mich nicht zu.

Bei den Reisen nach Oman handelte es sich zum Teil um privatfinanzierte Reisen (z.B. 1995 und 1996), zum Teil um Einladungen des omanischen Informationsministeriums. Der von Herrn Ulfkotte erweckte Eindruck, hierdurch sei eine Gefälligkeitsberichterstattung meinerseits erfolgt, ist nicht nur falsch, sondern auch ehrabschneidend. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück.

In jener Zeit konnte man als Journalist bestimmte Länder, zum Beispiel Oman, nur bereisen, wenn man von offizieller Seite eingeladen wurde. In den neunziger Jahren gab es in Oman nur ein einziges internationales Hotel, in dem sich Journalisten aufhalten konnten.

Den Eindruck zu erwecken, man könne mich mit einer finanzierten Reise „kaufen“ oder eine positive Berichterstattung erreichen (wie das Herr Ulfkotte in diesem und in anderen Fällen sich zuschreibt), ist ebenso lächerlich wie böswillig. Dies gilt für mich und im Übrigen für alle seriösen Journalisten.

Frankenberger weist auch den Vorwurf zurück, er sei ein „Lobbyist“, weil er Mitglied etwa im Beirat der Trilateralen Kommission, in der Atlantischen Initiative und im Institut für Europäische Politik war oder ist:

Die Mitgliedschaft ermöglicht Zugang zu Inhalten und Informationen, die notwendige Grundlage sind für eine seriöse und umfassende Berichterstattung. Dabei geht es gerade darum, über Dinge zu berichten, die ansonsten nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden würden.

Auch hier scheint Herr Ulfkotte ein Verständnis von Journalismus zu haben, aus dem eine merkwürdige Anmaßung spricht und das obendrein den Geist der Verschwörung atmet.

Journalistische Unabhängigkeit ist ein für mich unabdingbarer Grundsatz meiner professionellen Tätigkeit. Weil das so ist, bin ich auch seit vielen Jahren für eine Redaktion tätig, die nach diesen Grundsätzen arbeitet und diese selbstverständlich auch immer wieder anhand von Einzelsituationen kritisch diskutiert und hinterfragt. Wenn das für Einzelne nicht immer gegolten hat, ist es aus meiner Sicht mehr als unlauter und journalistisch nicht besonders seriös, dies zu verallgemeinern, um aus dem daraus erhofften öffentlichen Skandalwert persönlichen Profit zu schlagen.

Ulfkotte sieht mit seinem Buch den „Armaggedon der Leitmedien“ gekommen. Die meisten seiner „Enthüllungen“ im Buch sind entweder bekannt oder falsch. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit einigen seiner Behauptungen erscheint in Kürze ist jetzt auf krautreporter.de zu lesen:

[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig für die FAZ.]

Call-TV-Ermittlungen: Formel-1-Firma entfernt Chef aus Impressum

Bei der Sport-Media-Group ist die Zahl der Köpfe pro Vision kürzlich abrupt um 25 20 Prozent gesunken.

Vorher:

Hinterher:

Dazwischen.

Auch aus den Impressen der Seiten formel1.de und motorsport-total.com, die die Sport-Media-Group betreibt, ist der Name Stephan Mayerbacher verschwunden. Die Inhalte der Seite seiner Münchner Mayerbacher-Medienbeteiligungs-GmbH („Zukunftspartner für die Medienbranche“) wurden gelöscht.

Die Sport-Media-Group konnte oder wollte mir auf Anfrage bisher nicht sagen, ob Mayerbacher wegen der Vorwürfe — die seine früheren Tätigkeiten betreffen — formell von seinen Aufgaben als CEO entbunden wurde und sich das Unternehmen von ihm getrennt hat.

Nach dem Österreichischen „Standard“ (1, 2) berichtete gestern auch das Schweizer TV-Magazin „Kassensturz“ über die Haftbefehle, die die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs bei den früheren Anrufsendungen erlassen hat:

Drahtzieher dieses betrügerischen Systems sei, laut Vorwurf der Justiz, der Deutsche Stephan Mayerbacher gewesen. An ihn seien mehr als 2,9 Mio. Euro an Scheingewinnen zurückgeflossen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Schaden, den die Anrufer in den Warteschlaufen erlitten haben, wird durch einen Sachverständigen der Staatsanwaltschaft Wien auf mehr als 24 Mio. Euro geschätzt.

Nachtrag, 17:30 Uhr. Die Sport-Media-Group bestätigt, dass Stephan Mayerbacher aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es:

Hintergrund dieser Entscheidung ist ein Ermittlungsverfahren, das gegen Stephan Mayerbacher in Österreich anhängig ist. Sämtliche Vorwürfe datieren aus der Vergangenheit und deutlich vor seinem Engagement bei der smg. Sie stehen mit unserem Unternehmen in keinerlei Zusammenhang. Obwohl die Vorwürfe gegen Stephan Mayerbacher schwer wiegen, vermuten wir seine Unschuld. Die smg verdankt auch ihm den Erfolg der vergangenen zwei Jahre. Er hat viel mit der smg bewegt und sowohl die Agentur als auch die Portale nach vorn gebracht. Wir danken ihm für die geleistete Arbeit und sein Engagement. Stephan Mayerbacher hat sich dennoch dazu entschlossen in jeder Funktion aus dem Unternehmen auszuscheiden, um eine weitere erfolgreiche Zukunft der sport media group zu ermöglichen. Zudem wird er als Gesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden.

Neben Armin Gastl wurde Volker Glaser als neuer Geschäftsführer der sport media group GmbH benannt. (…)

Betrugsverdacht bei Call-TV-Shows: Drei Verhaftungen

Jahrelang haben die Betreiber von dubiosen Anrufsendungen das Recht genutzt, um ihre Kritiker einzuschüchtern, mundtot zu machen und in den Ruin zu treiben. Vielleicht wendet sich jetzt endlich das Blatt. Der österreichische „Standard“ berichtet, dass drei Verdächtige verhaftet worden seien, zwei in Deutschland, einer in Österreich. Es geht um gewerbsmäßigen Betrug beziehungsweise die Beihilfe dazu.

Die Vorwürfe der Wiener Staatsanwaltschaft entsprechen demnach ziemlich genau dem, was Kritiker den Verantwortlichen detailliert vorgeworfen haben und wofür sie unter anderem von Leuten wie Stephan Mayerbacher, dem ehemaligen Chef der Firma Callactive, die Call-TV-Sendungen unter anderem für MTV produzierte, mit Prozessen überzogen wurden: Die Zuschauer, die kostenpflichtig anriefen, um die Rätsel auf dem Bildschirm zu lösen, hätten gar keine Chance gehabt, durchgestellt zu werden und die ausgelobten Gewinne zu kassieren. Stattdessen seien, so zitiert der „Standard“, „instruierte Fake-Anrufer organisiert und eingesetzt“ worden:

Eingefädelt haben soll das 2004 der nun verhaftete Deutsche S. M., der mit seiner Gesellschaft die erste Call-in-Show in Österreich produziert hat (für ATV). Er habe einem Mitarbeiter des TV-Studios Marx Media Vienna (MMV) erklärt, er brauche Leute, die sich „während der Sendung gegen Bezahlung zur Verfügung halten“, um, ins Studio geschaltet, vorab bekanntgegebene Antworten auf die Quizfragen zu geben.

Genau so sei es gelaufen, mit Leuten, die der MMV-Mitarbeiter organisiert habe. Sie mussten nach dem Gewinn „ihrer Freude … Ausdruck verleihen“, während „echte“ Anrufer nicht durchgestellt wurden.

Ziel der Dramaturgie“ sei es gewesen, die Anruferzahlen hochzuhalten. Die Gewinne wurden allerdings wieder eingesammelt – bis auf 500 Euro, die die Helfer behalten durften.

 
Kleine Auswahl aus dem Archiv:

[via Twipsy]

73 Dinge, die Sie noch nicht über Native Advertising bei der „Huffington Post“ wussten

Ah. Wer gratuliert der „Huffington Post“ zum Geburtstag? Die „Huffington Post“. Sie schaut nämlich „auf ein sehr erfolgreiches erstes Jahr zurück“.

Die „Huffington Post“ konnte nach eigenem Bekunden „große Erfolge“ bei der Vermarktung erzielen, insbesondere was „Native Advertising“ angeht. Das sei „von Anfang an viral angelegt“ worden, heißt es in einer Pressemitteilung:

Die konsequente Viralstrategie hat sich im ersten Jahr der Huffington Post nicht nur redaktionell ausgezahlt, sondern auch im Bereich der Vermarktung wurden so große Erfolge erzielt. Für die Umsetzung von Native-­Advertising­-Kampagnen wurde ein Partner Studio [sic] gegründet, das losgelöst von der Redaktion arbeitet, aber sich sehr stark an der redaktionellen DNA der Huffington Post orientiert. „Mit dieser Lösung sind wir Vorreiter auf dem deutschen Markt. Viral angelegte Kampagnen für Kunden wie Edeka, Ergo oder aktuell die „Toastertaler­-Brandpage“ von Alpenhain wurden über die Seite selbst, aber auch über die sozialen Netzwerke exzellent angenommen (…)“, sagt Ulf Heyden, Director Commercial bei TOMORROW FOCUS News+.

Ah, die exzellent angenommene, viral angelegte Kampagne von Edeka. Unter der Rubrik „FOOD by Edeka“ sind auf huffingtonpost.de Artikel erschienen wie „7 Dinge, die Sie noch nicht über Pommes wussten“, „10 Dinge, die Sie noch nicht über Nudeln wussten“ und „Hätten Sie gedacht, dass Kartoffeln DAS können?“ (u.a.: „richtig lange satt machen“).

Und so wurden die einzelnen Artikel in den sozialen Netzwerken angenommen:

















Jawohl: Gleich zwei* drei Artikel sind mehr als zehn Mal auf Facebook geteilt worden!

Der große Knaller mit 110 Gefällt-mir-Klicks war das Stück „Mit diesen 7 Fakten werden Sie zum Weißwurst-Experten“, aber das haben Sie ja eh alle gelesen, so viral wie das gegangen ist.

Im August hatte die „Huffington Post“ beziehungsweise ihr Vermarkter Tomorrow Focus schon einmal in einer Pressemitteilung von ihrer großen Native-Advertising-Kompetenz und dem „viralen Ansatz“ geschwärmt. Anlass war ein neues Modell von Toyota. „Ziel der Kampagne, die gemeinsam von Zenithmedia aus Düsseldorf, Toyota und TOMORROW FOCUS Media entwickelt wurde, ist es, die Leser mit immer neuen Beiträgen für den Aygo zu begeistern und diese über soziale Netzwerke wie Facebook weiter zu verbreiten,“ hieß es damals.

Und wie das gelungen ist!








Bis zu dreimal geteilt. Da kann man allen Beteiligten wirklich nur gratulieren.

Korrektur, 23:10 Uhr. Ich hatte zunächst noch drei Edeka-Artikel übersehen.